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Full text of "Monatshefte Für Kunstwissenschaft"

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Monatshefte für Kunstwissenschaft 









































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-7 


I. Abhandlungen. 

Seite 

Wilhelm Bode, Ein Blick in Donatellos Werkstatt, mit 5 Äbb. 3 

Georg Habich, Ein Burgkmairbildnis von Hans Holbein d. Ä., mit 4 Äbb. 11 

Josef Strzygowski, Das orientalische Italien, mit 12 Äbb.16 

Campbell Dodgson, Die Wappen Peter Apians von Michael Ostendorfer, mit 3 Abb. . . 35 

Ernst Steinmann, Zur Ikonographie Michelangelos, mit 4 Abb.40 

Gustav Pauli, Raffael und Manet, mit 2 Äbb.53 

Hans Posse, Die Neuerwerbungen des Kaiser Friedrich-Museums zu Berlin. Gemälde aus 

der Sammlung Rudolf Kann, mit 6 Äbb.155 

Paul Lafond, La maison du Greco ä Tolede, mit 11 Äbb.;.162 

Ärtur Weese, Burgunder Kirchen, mit 9 Äbb.*..174 

Georg Habich, Die Imperatorenbilder in der Münchener Residenz.189 

L. Re au, L’art allemand dans les Mus£es fran^ais, mit 7 Äbb.251 

Hermann Voss, Charakterköpfe des Secento. I. Massimo Stanzioni, mit 5 Abb.266 

Giovanni Poggi, Di una Madonna del Bachiacca attribuita a Raffaello, mit 7 Abb. . . . 275 

Kurt Freise, Neuerwerbungen holländischer Gemäldegalerien, mit 13 Äbb.281 

Ernst Steinmann, Sancta Sanctorum.•.298 

H. Ä. Schmid, Die Stuppacher Madonna des Matthias Grünewald, mit 3 Äbb.379 

August Schmarsow, Uber die karolingischen Wandmalereien zu Münster in Graubünden, 

mit 6 Äbb.387 

Curt Glaser, Die Raumdarstellung in der japanischen Malerei, mit 14 Abb.402 

Robert Stiassnu, Die Donaumalerei im sechzehnten Jahrhundert, mit 9 Äbb.421 

Oswald Sirdn, Die Fresken in der Cappella di S. Antonio in Le Campora, mit 6 Äbb.. . 501 
Campbell Dodgson, Ostendorfer and the Beautiful Virgin of Regensburg, mit 4 Äbb. . .511 
August L. Mayer, Die spanischen Gemälde im Museum der schönen Künste zu Budapest, 

mit 8 Äbb.517 


Wilhelm Suida, Ältsteirische Bilder im Landesmuseum „Johanneum“ zu Graz, mit 11 Äbb. 523 

II. Studien und Forschungen. 


Hans Koegler, Kann ein Holzschnitt Hans Baidungs zur teilweisen Datierung von Grüne¬ 
walds Isenheimer Ältar dienen? mit 4 Äbb. ..56 

Curt Glaser, Zu den Hilanderas des Velasquez.59 

Wilhelm Suida, Beiträge zum (Euvre bekannter Maler 1.61 

Karl Blechen.62 

Donatello.62 

Paul Herrmann, Die Ausgrabungen in Pergamon ..63 

Ernst Kühnei, Älhambraprobleme 1.192 

E. Waldmann, Zu Mocetto, mit 2 Äbb. ,193 

Paul Herrmann, Die Ausgrabungen in Milet, mit 1 Äbb.195 

Gotland.198 

Adolf Gottschewski, Über den Block von Michelangelos David, mit 1 Abb.302 

Wilhelm Rolfs, Der Stil Peter Martins von Mailand, mit 1 Äbb.303 

Wilhelm Suida, Beiträge zum (Euvre bekannter Maler II. 305 

Wilhelm Waetzoldt, Ein kunstgeschichtlicher Fund zur Vorgeschichte von Kleists „Prinz 

Friedrich von Homburg“.307 

Ostasiatische Kunst.307 

E. Waldmann, Eine Rembrandt-Zeichnung im Kupferstichkabinett zu Oldenburg, mit 1 Äbb. 436 

Ernst Kühnei, Älhambraprobleme 11.438 

Wilhelm Suida, Über die Behandlung der lombardischen Kunst in B. Berensons „North 

Italian Painters of the Renaissance“.439 

Herrmann Voss, R. Stiassny zum Thema des Donaustiles. Eine notgedrungene Selbstwehr 442 

Nochmals die Imperatorenbilder der Münchener Residenz.447 

H. A. Schmid, Zu Grünewalds Tätigkeit in der Aschaffenburger Gegend.537 

Philipp Maria Halm, Zur Plastik Augsburgs, mit 6 Äbb.537 

P. Herrmann, Weiteres aus Milet, mit 1 Äbb.544 


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Inhalt 


111 





Belgien. 

Berlin. 

Bremen. 

Darmstadt. 

Dresden. 

Florenz . 

Frankfurt a/M. . . . 

Holland. 

London . 

München. 

Nürnberg. 

Paris. 

Rom. 


III. Rundschau. 


. 209, 458 Sevila.81 

65, 199, 309, 448, 547 Stuttgart.451 

. 200 Venedig.316 

.548 Wien.312 

.68 Kleine Nachrichten . . 85, 211, 325, 462, 560 

. . 74, 204, 452, 548 Eine rettende Tat der bayerischen Reichs- 

. ... 70, 200, 449 kammer. . . .•.203 

. ... 82, 209, 321 Deutscher Verein für Kunstwissenschaft 84, 210 

77, 206, 318, 458, 555 Entdeckung von 68 unbekannten Briefen 

. . 71, 201, 310, 450 Michelangelos.324 

.72 Äus der Werkstatt eines römischen Photo- 

80, 208, 317, 455, 552 graphen.324 

. ... 76, 313, 549 Die Geisterkarawane in Florenz .... 558 


IV. Literatur. 


Karl Domanig, Die deutsche Medaille in kunst- und kulturgeschlicher Hinsicht nach dem 

Bestände der Medaillensammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. (P. J. Meier.) 87 
Richard Hoffmann, Die Kunstaltertümer im erzbischöflichen Knabenseminar zu Freising. 

(W. M. Schmid.). 88 

Ganz, Dr. Paul und Major, Dr. C. Die Entstehung des Ämerbachschen Kunstkabinetts 

und die Ämerbachschen Inventare. (Marc Rosenberg.).89 

Marie Schütte, Der schwäbische Schnitzaltar. (Philipp Maria Halm.).89 

P. Eichholz, Das älteste deutsche Wohnhaus, ein Steinbau des IX. Jhrhdrts. (H. Bergner.) 90 

W. Worringer, Lukas Cranach. (Herrn. Popp.).91 

Artur Lindner, Handzeichnungen alter Meister. Im Besitze des Museums Wallraf- 

Richartzs zu Köln. (Oskar Fischei.).91 

Heinrich Weizsäcker, Kunst und Künstler in Frankfurt a/M. im XIX. Jahrhundert. 

(Paul Ferd. Schmidt.).93 

Gustav Pauli, Aus der Bremer Kunsthalle. (Waldmann.).94 

Hildegard Heyne, MaxKlinger im Rahmen der mod. Weltanschauung und Kunst. (G.J. Kern.) 95 

Otto Hoerth, Das Abendmahl des Leonardo da Vinci. (Paul Schubring.).96 

^ J- Sanpere y Miq’uel, Los quatrocentistas catalanes. (Äug. L. Mayer.).97 

Paul Schubring, Rembrandt. (Franz Dülberg.).99 

Klossowski, Honor£ Daumier. (Uhde-Bernays.).100 

Armand Dayot, La peinture anglaise. (R. Ä. Meyer.).101 

Waldmüllers handschriftlicher Nachlaß.101 

Hans Semper, Agora.102 

Rudolf Sillib, Schloß und Garten in Schwetzingen. (Ä. Peltzer.).213 

Melhop, Ält-Hamburgische Bauweise. (A. Grisebadi.).213 

A. Kienzle, Deutsches Leben der Vergangenheit in Bildern. (Hans Vollmer.).215 

Karl Woermann, Von deutscher Kunst. (Julius Baum.).217 

P. F. Schmidt, Frankfurt a/M. (Walter Cohen.).218 

Karl Schaefer, Bremen. (E. Waldmann.).219 

Edm. Renard, Köln. (Egbert Delpy.).220 

Julius Baum, Die Bauwerke des Elias Holl. (Artur Weese.).220 

rritz Knapp, Perugino. (Fritz Burger.).221 

J. Strzygowski, KTeinafmenisdie Miniaturmalerei. (Ä. Baumstark.).223 

F. H. Benndorff Bou Saäda. (C. Kühnei.).227 

Exhibition of Early German Art. (Franz Dülberg.) . . ..327 

Eduard von Paulus und Eugen Gradmann, Die Kunst- und Altertumsdenkmale im 

Königreich Württemberg. III. Bd. (Ph. M. Halm.).329 

G. Pauli, Jahrbuch der bremischen Sammlungen. I. Jahrgang.330 

Alexander Heilmeyer, Die Plastik seit Beginn des XlX. Jhrhdts. (Edmund Hildebrandt.) 331 

Georg Graf Vitzthum, Die Pariser Miniaturmalerei. (Hermann Schmitz.).332 

Paul Vitry et Gaston Bri&re, L’^glise abbatiale de Salnt-Denis et ses tombeaux. 

(Artur Weese.).334 

F. Gittler, L’ceuvre de J. S. B. Chardin et de J. H. Fragonard.Einl. v. Armand Dayot. (R. Ä. Meyer.) 334 
Karl Justi, Miscellaneen aus drei Jahrhund, spanischen Kunstlebens. 1. Bd. (Älbredit Haupt.) 334 

August L. Mayer, Iusepe Ribera (V. v. Loga.).336 

Friedrich Perzynski, Vortrag über den japanischen Farbenholzschnitt. (WUliam Cohn.) 336 


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IV 


Inhalt 


Seite 

Okakuro Kakuzo, Moderne Probleme der Malerei. (William Cohn.).336 

Richard Hamann, Der Impressionismus in Leben und Kunst. (W. Worringer.).338 

Heinrich Hammer, Josef Schöpf 1745 bis 1822. (Hans Tietze.).. . 463 

Max Lehrs, Karl Stauffer-Bern 1857—1891. (Hans W. Singer.).463 

Wilhelm Waetzoldt, Die Kunst des Porträts. (Max Kemmerich.). . 464 

Alexandrine Kende-Ehrenstein, Das Miniaturenporträt. (Max Kemmerich.).464 

Jean le Foville, Gänes. (Wilhelm Suida.).466 

Otto Grautoff, Äuguste Rodin. (Paul Ferd. Schmidt.).467 

Collection des artistes Beiges contemporains. (R. Ä. Meyer.).468 

Fritz Knapp, Andrea del Sarto. (Paul Landau.).468 

V. v, Loga, Goyas Zeichnungen. (M. v. Boehn.).469 

C. Serrano Fatigati, Portadas artisticas de monumentos esponoles. (Ernst Kühnei.) . . . 470 

Kurt Münzer, Die Kunst des Künstlers.471 

Wolfgang v. Oettingen, Berlin. (Georg Voss.).472 

Jos. Aug. Beringer, Kurpfälzische Kunst und Kultur im XVIII. Jahrhdrt. (Alfred Peltzer.) 473 

F. Stödtner, Deutsche Kunst in Lichtbildern. (Paul Schubring.).473 

Heinrich Röttinger, Hans Weditlin. (Curt Glaser.).561 

Sdimid, H. A., Die Gemälde und Zeichnungen von Matthias Grünewald. (Heinz Braune.) 563 
Theobald Hofmann, Raffael in seiner Bedeutung als Architekt. (Albrecht Haupt.) . . . 565 

Th. Kirchberger, Anfänge der Kunst und der Schrift.566 

M. Ändr£ Michel, Histoire de l’Art depuis les Premiers temps Chr^tiens jusqu’ä nos jours. 

(R. Ä. Meyer.).566 

Margaret H. Bulley, St. George for Merrie England. (Hans W. Singer.).567 

Fritz Baumgarten, Franz Poland, Richard Wagner, Pie Hellenist. Kultur. (Ulr.Bernays.) 567 

Paul Mebes, Um 1800. (Hermann Schmitz.) . . . . ..569 

Georg Fuchs, Wilhelm Trübner uud sein Werk. (Franz Dülberg.).569 

Johannes Gaulke, Religion und Kunst. (Wilhelm Waetzoldt).570 

Revue der Zeitschriften.. 102, 227 

Neue Publikationen.103 

Neue Jahrbücher.227 

Kleine Anzeigen. 474, 571 


V. Bibliographie. 


Heft 1/2 . 104—124 Heft 5 

Heft 3 . 228-240 Heft 6 

Heft 4 . 341-356 


475—486 

572-579 


VI. Kunstsammler. 


Die Aufteilung der Sammlung Rudolf Kann. 

Richard Graul, Ein wiedergefundener Porzellanapostel von Kaendler, mit 3 Abb. 

Ein Jubiläumskatalog (J. Baer), mit 2 Abb. 

Marc Rosenberg über Gobelins.* . . . . 

Christian Scherer, Ein Elfenbeinwerk des Älessandro Älgardi, mit 1 Abb. 

Joseph Äug. Lux, Alte Innenräume in Holland, mit 2 Abb. 

K. A. Meyer, Die Sammlung Cheramy, mit 6 Abb. 

E. Zimmermann, Ein deutsches Frittenporzellan des XVIII. Jahrhunderts, mit 1 Abb.. . . 

Italienischer Kunstschmuggel. 

Das Orientalische Museum des Prinzen Heinrich von Bourbon. 

R. A. Meyer, Die Vente Cheramy, mit 4 Abb. 

Das Reliquiar von 1320, aus d. Besitze d. Grafen Jos. von Ärco-Zinncberg in München, mit 2 Abb. 


125 

125 

126 
131 
241 
243 
357 
360 

362 

363 
487 
580 


Amsterdam . 
Berlin . . . 
Dordredit . . 
Frankfurt a/M 
Haag . . . . 
Köln . . . . 
Leipzig . . . 
London . . . 
München . . 


VII. Der Kunstmarkt 

248, 367, 496, 588 Paris. 134, 249, 368, 494, 582 


. 131, 246, 364, 492 Stuttgart.366 

. 590 Wien. 133, 367 

.365, 492, 582 Ein Künstlerprotest in Sachen der Bilder- 

. 498 fälscher-Ängelegenheit.375 

. 133, 247 Vermischtes.135, 375, 499 

. 247, 492 Kuno Fischers Bibliothek.590 

.250, 370, 586 Neue Kataloge. 251, 376 

. 133, 248, 366, 493 Auktionskalender. 136, 252, 377, 500 



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MONATSHEFTE 

FUER 

KUNSTWISSENSCHAFT 


INHÄLT 


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Was wir wollen . 


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Originalbciträgc: 

Ein Blick in die Werkstatt Donatellos. Von Wilhelm Bode. 
Ein Burgkmairbildnis von Hans Holbein d. Ae. Von Georg Habich. 
Das orientalische Italien. Von Josef Strzygowski. 

Die Wappen Peter Äpians von Michael Ostendorfer. Von Campbell 
Dodgson. 

Zur Ikonographie Michelangelos. Von Emst Steinmann. 
Raffael und Manet Von Gustav Pauli. 

Studien und Forschungen: 

Kann du Holzschnitt Hans Baidungs zur teilweisen Datierung von 
Grünewalds Isenheimer Ältar dienen? Von Hans Koegler. 

Zu den Hilanderas des Velasquez. Von Curt Glaser. 

Beiträge zum (Euvre bekannter Maler, Von Wilhelm Sulda. 

Karl Blechen. / Donatello. 

Die Ausgrabungen von Pergamon. Von Paul Herrmann. 

Rundschau: 

Berichte aus Berlin, Dresden, Frankfurt, München, Nürn¬ 
berg, Florenz, Rom, Sevilla, Paris, London, Holland. 


/}3 1 Kleine Nachrichten, / Vermischtes. 


(Fortsetzung nfldiste Seite) 









VERLAG I^INKHAQÄWdBIERMANN*LEIPZIQ 



L Johrg. 


Jan./Febr. 1908 


Heft t/2 










































Literatur: 

KARLDOMÄNIG. Die deutsche Medaille in kunst- und kulturgesdiiditiidier Hin¬ 
sicht, nach dem Bestände der Medaillensammlung des Allerhöchsten Kaiser¬ 
hauses. (P. J. Meier.) 

RICHARD HOFFMÄNN. Die Kunstaltertümer im erzbischöflichen Knabenseminar 
zu Freising. (W. M. Sdimid.) 

GANZ, Dr. PAUL und Major, Dr. E. Die Entstehung des Amerbachschen Kunst¬ 
kabinetts und die Amerbachschen Jnventare. (M^arc Rosenberg.) 

MARIE SCHÜTTE. Der schwäbische Schnitzaltar. (Philipp Maria Halm.) 

P. EICHHOLZ. Das älteste deutsche Wohnhaus, ein Steinbau des 9. Jahrhunderts. 
(H. Bergner.) 

W. WORRINGER, Lukas Cranach. (Herrn. Popp.) 

ARTUR LINDNER. Handzeichnungen alter Meister. Im Besitze des Museums 
- r WaIlraf-Ridiartzs zu Köln. (Oskar Fischei.) 

HEINRICH WEIZSÄCKER. Kunst und Künstler in Frankfurt a. M. im 19. Jahr¬ 
hundert. (Paul Ferd. Schmidt.) 

GUSTAV PAULI. Aus der Bremer Kunsthalle. (Waldmann.) 

HILDEGARD HEYNE. Max Klinger im Rahmen der modernen Weltanschauung 
und Kunst. (G. J. Kern.) 

OTTO HOERTH. Das Abendmahl des Leonardo da Vinci. (Paul Schubring.) 
J. SANPERE Y MIQUEL. Los quatrocentistas catalanes. (Äug. L. Mager.) 
PAUL SCHUBRING. Rembrandt. (Franz Dfllberg.) 

KLOSSOWSKI. Honor£ Daumier. (Uhde-Bernays.) 

ARMAND DÄYOT. La peinture anglaise. (R. A. Meyer.) 

F.G. Waldmüllers handschriftlicher Nachlaß./Rgora./Revue der Zeitschriften. /Neue Publikationen. 

Bibliographie. 

Der Kunstsammler: 

Die Aufteilung der Sammlung Rudolf Kann. 

Ein wiedergefundener Porzellanapostel von Kaendler. Von Richard Graul. 

Ein Jubiläumskatalog. 

Marc Rosenberg über Gobelins. 

Der Kunstmarkt, 

Vermischtes. / Neue Kataloge. 


Heft 3 wird voraussichtlich Originalbeitröge bringen von Jaro Springer (Berlin), 
Hofstede de Groot (Den Haag), Artur Weese (Bern), Paul Lafond (Pau), 
Giovanni Poggi (Florenz), H. A. Schmid (Prag). 

Bezugspreis der Monatshefte für Kunstwissenschaft: 

Jährlich 12 Hefte (50—60 Bogen) im Abonnement M. 16,—, halbjährlich M. 8.—, 
Einzelhefte M. 2.—. 

Bestellungen auf Probehefte und Abonnements nimmt jede Buchhandlung des ln- 
und Auslandes entgegen. Wo solche nicht erreichbar, wolle man sich direkt an 
den Verlag von KL1NKHARDT & BIERMANN, LEIPZIG, wenden. 











MONATSHEFTE 



ESKUN WISSENSCHAFT- 



Herausgeber: D R - GEORG BIERMANN 



Redaktion: LEIPZIG, Liebigstr. 2 


L Jahrg. 

Heft 1/2 

1908 


Was wir wollen 

S ie Ausgestaltung der früheren Monatshefte der „Kunstwissenschaftlichen Literatur“, 
die von Herrn Dr. Emst Jaffe und Dr. Curt Sachs begründet wurden und 
unter ihrer Leitung drei Jahre des Bestehens hinter sich haben, 1 ) macht es notwendig 
unser erweitertes Programm, in dem die ursprüngliche Zeitschrift nur noch einen Teil 
darstellt, mit wenigen Worten zu erläutern. Was wir wollen, beweist das vor¬ 
liegende erste Heft unserer Zeitschrift, mit dem wir ein für die Entwicklung der 
Kunstwissenschaft bedeutungsvolles und — wie wir hoffen — auch erfolgreiches 
Unternehmen einleiten. Es ist das Resultat vielfach in den Kreisen der Kunsthistoriker 
geäußerter Wünsche und eines seit langem von den Fachgenossen lebhaft empfundenen 
Bedürfnisses nach einem umfassenden, streng wissenschaftlichen Zentralorgan zugleich 
für die kunstgeschichtliche Forscherarbeit und die eng damit verknüpften Interessen des 
Sammelwesens, das heute einen nicht zu unterschätzenden Kulturfaktor im Werden 
unserer Zeit darstellt. 

Unser Programm versucht möglichst allen Ansprüchen gerecht zu werden, die 
eine junge und doch in kurzer Frist zu so hoher Bedeutung gelangte Wissenschaft 
an ein derartiges Fachorgan stellen kann. Ob es uns heute schon gelungen ist. Voll¬ 
kommenes zu geben, müssen wir dahingestellt sein lassen. Mancher Mangel wird 
erst in einer dauernden Arbeit auszuwetzen sein. Manches Kapitel wird noch der 
Vervollständigung bedürfen, indes, so viel dürfen wir mit gutem Gewissen behaupten: 
Wir haben unser Bestes gegeben und bei unserem Streben die rege und selbstlose 
Unterstützung aller und ganz besonders gerade der hervorragendsten Vertreter der 
Kunstwissenschaft gefunden. Von keiner Seite ist uns eine Absage geworden, dagegen 
haben uns ausnahmslos alle Fachgenossen zugestimmt und uns in unseren Absichten 
durch Rat und Tat ermuntert, für die wir ihnen aufrichtigen Dank wissen. So hoffen 
wir das Ziel zu erreichen, das wir uns steckten, hoffen auf reiche Früchte für unsere 
Arbeit im Dienste einer Wissenschaft, die zu den Vornehmsten gehört, denen sich 


*) Wir benutzen die Gelegenheit, auch an dieser Stelle, den Herausgebern, vor allem audi dem früheren 
Verleger Herrn Edmund Meyer in Berlin für die aufgewandte Mühe zu danken. Herausgeber und Verleger der 
Monatshefte haben bis zum letzten Augenblick in harmonischer Zusammenarbeit den guten Ruf derselben zu 
begründen gewußt, auf dem sich als Fundament unser neues Unternehmen aufbaut. 

1 


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2 


Was wir wollen 


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3 

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v.i 

fr-n 

Menschen von künstlerischer Begabung und reicher individueller Bildung widmen 
können. Jung ist unsere Wissenschaft; trotz der bewundernswerten Resultate, die sie 
in einer rund fünfzigjährigen Arbeit gezeitigt hat, steht sie noch in den Anfängen. 
Täglich werden neue Erkenntnisse erschlossen. Für die sollen die Monatshefte eine 
Sammelstätte sein. Die Tatsache, daß die Beschäftigung mit der alten Kunst von 
vornherein den Stempel des Internationalen an sich trägt, daß sich auf diesem weiten 
Gebiete die Forscher aller Nationen ein Stelldichein geben, hat uns veranlaßt, auch den 
Charakter dieser Zeitschrift zu einem internationalen zu gestalten und gleichmäßig für 
die Originalartikel die vier üblichen Kongreßsprachen zuzulassen. Schon die nächsten 
Hefte werden bedeutsame Beiträge französischer, englischer und italienischer Fach¬ 
genossen veröffentlichen und es wird auch fernerhin unser Bestreben sein, möglichst 
viel von den wissenschaftlichen Ergebnissen der nichtdeutschen Forschung in unseren 
Monatsheften zu vereinigen. 

Das Programm unserer Zeitschrift umfaßt das gesamte Gebiet der alten Kunst, 
inklusive Archäologie und altes Kunstgewerbe, und der neuen Kunst, so weit sie 
bereits historisch genannt werden darf; im einzelnen wird es am besten durch das 
vorliegende erste Heft erklärt. Die vier Abschnitte eines jeden Heftes scheiden sich 
streng voneinander. Jeder trägt sein eigenes wissenschaftliches Gepräge und will 
einem besonderen Bedürfnis entgegenkommen. Das Ganze aber soll möglichst allen 
Ansprüchen gerecht werden, die der Kunsthistoriker und Sammler an sein Zentral- 
organ zu stellen berechtigt ist 

Wir geben der zuversichtlichen Überzeugung Ausdruck, daß unsere Monatshefte 
das Interesse weiter Kreise im In- und Auslande finden werden, daß uns dauernd die 
rege Mitarbeit der Fachgenossen unterstützen wird. Nur so wird es uns in der Tat 
möglich sein, auf die Dauer eine vollkommene und der Kunstwissenschaft nutzbringende 
Arbeit zu leisten. Jeder Rat im einzelnen wird uns stets dankbar willkommen sein. 

Den Männern aber, deren gewichtige Namen die reichen wissenschaftlichen 
Beiträge des vorliegenden ersten Heftes zeichnen, schulden wir besonderen Dank. 
Sie haben es uns ermöglicht, ein umfangreiches Programm in verhältnismäßig kurzer 
Zeit zu verwirklichen. Ihre tatkräftige Unterstützung gibt uns die Zuversicht, daß unser 
junges Unternehmen Zukunft haben muß, nicht zuletzt, weil es eine Lücke schließen 
will, die bisher von keinem anderen Organ ähnlicher Art ausgefüllt wurde. 



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GejuntVt* 

v.i-»5 


Ein Blidc in Donatellos Werkstatt 

Von Wilhelm Bode 

Von wenigen Künstlern sind so viele Urkunden über ihre Werke erhalten wie 
über die Arbeiten Donatellos; auch haben diese den Vorteil, nicht selten besonders aus¬ 
führlich zu sein. Aber bei der Beurteilung von Donatellos Werken wirkt der Umstand 
erschwerend, daß der Künstler schon von früher Zeit an vielfach mit Schülern und 
Genossen zusammenarbeitete, deren Anteil an der Arbeit kein geringer gewesen sein 
kann, da sie in den Urkunden meist ausdrücklich mitgenannt werden. Da aber selten 
gesagt wird, welcher Teil dem einem und welcher dem anderen dabei zufiel, so hat dieser 
Umstand eher zur Trübung als zur Klärung der Kenntnis von Donatellos eigenster Kunst 
beigetragen. Man hat in den zahlreichen Arbeiten, die er mit Midielozzo zusammen 
ausführte, den Anteil dieses Meisters sehr überschätzt und hat bei seinen Paduaner 
Bronzen den Gehilfen nicht nur einen Hauptanteil zugesprodien, sondern gar ihren 
rückwirkenden Einfluß auf den Meister darin erkennen wollen. Es ist gewiß eine not¬ 
wendige Aufgabe der Kunstforschung, bei solchen gemeinsamen Arbeiten die Hände 
der verschiedenen Künstler herauszusuchen, aber lohnend wird sie erst dann werden, 
wenn eine genügende Zahl eigenhändiger Arbeiten dieser Künstler festgestellt ist, aus 
denen ihre Eigenart sich klar ergibt Dies ist aber bisher nur bei wenigen der Fall. 
So kennen wir die jungen Bildhauer, die unter Donatello an den Bronzen des Hoch¬ 
alters in Santo arbeiteten, meist nodi zu wenig, um den Anteil, den sie daran, nament¬ 
lich an den spielenden Engeln und den Evangelistensymbolen haben, mit einiger 
Sicherheit zu bestimmen. Und selbst wenn diese Aufgabe glücklich gelöst ist, bleibt 
eine zweite Frage noch zu entscheiden: welcher Anteil gebührt dann dem Meister? 
hat er den Gehilfen die Arbeit einfach überlassen, und seinen Lohn nur für die Auf¬ 
sicht eingestrichen? oder hat er mitgearbeitet? und in welcher Weise haben wir uns 
dann diese Mitarbeit zu denken? 

Solche Fragen ergeben sich uns nicht nur bei Arbeiten wie jenen Bronzen des 
Santo, den Marmorreliefs der Außenkanzel am Dom in Prato, den Bronzereliefs der 
Kanzeln in S. Lorenzo, den Statuen des Campanile, den Marmorreliefs im Hof des 
Palazzo Medici u. a. m., die uns als dem Meister in Auftrag gegeben bezeugt sind: 
sie treten uns namentlich auch bei den zahlreichen Bildwerken entgegen, die wir nur 
nach ihrem Stilcharakter dem Donatello zuschreiben. Hier haben wir nach der Frage, 
ob Donatello der Urheber ist, noch zu entscheiden, ob ihm auch die Ausführung zuge¬ 
wiesen werden kann, oder ob diese nach seinem Modell oder nur nach einer kleinen 
Skizze von Werkstattsgenossen gemacht worden ist, oder ob gar nur die Nachbildung 
eines dritten Künstlers nach einer Komposition des Meisters darin vorliegt. 

Zur Entscheidung dieser fast bei jedem Stüde wieder eigenartigen, oft kompli¬ 
zierte Schwierigkeiten bietenden Fragen sind wir zum Glück nicht allein auf stilkritische 
Momente angewiesen: wir besitzen eine Anzahl von Tonmodellen wie von kleinen 
Skizzen, welche deutlich die Hand des Meisters verraten, und aus denen wir auf die Art 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


seiner Beteiligung an solchen Bildwerken Schlüsse ziehen können. Arbeiten in Ton 
waren in Florenz gerade im Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts aufgekommen und 
waren populär geworden, seit ihnen Luca della Robbia durch seine Glasur noch be¬ 
sonderen Reiz und Dauerhaftigkeit zu verleihen wußte. Auch Donatello hat sidi des 
Tons mit Vorliebe bedient; das zeigt der plastische Schmuck der Sakristei von S. Lorenzo, 1 ) 
das beweisen auch verschiedene Büsten und eine Anzahl großer, in derselben Zeit 
entstandener Madonnenreliefs, die zum Teil noch ihre prächtige alte Bemalung und Ver¬ 
goldung besitzen. So die Madonna vor dem Vorhang im Louvre, die Madonna mit 
dem Kind unter dem Arm im Kaiser Friedrich-Museum und die bronzierte Maria in 
Anbetung des Kindes auf dem Stuhl im Victoria- und Albert-Museum; zu ihnen gehört 
auch die bronzene Madonna von Fontainebleau im Louvre, zumal wenn — wie die 
Direktoren dieser Sammlung annehmen — der Bronzeguß zur Zeit Franz I. über das 
Tonoriginal Donatellos ausgeführt worden ist In diesen Reliefs verrät nicht nur die 
Erfindung den Meister, auch die Modellierung bis in alles Detail hinein ist eine so 
meisterhafte, das Verständnis und die Empfindung eine so große, daß nur Donatello 
selbst sie ausgeführt haben kann. Ähnliche Vorzüge lassen einzelne frühere Madonnen¬ 
reliefs der Maria mit dem Kinde: die Madonna Pazzi im Kaiser Friedrich-Museum und 
die Madonna mit Engeln auf Wolken bei Mr. Quincy A. Shaw in Boston, als eigen¬ 
händige Arbeiten erkennen. Andere Madonnenreliefs in Stuck oder carta pesta, ge¬ 
legentlich auch in Ton (dann aber aus der Form ausgedrückt) lassen das gleiche an¬ 
nehmen für das Original, von dem die Abdrücke genommen sind; so das kleine Relief 
der Maria, die das Kind vor sich hält, hinter der Rampe (im Kaiser Friedrich-Museum), 
das öfter vorkommende große Relief der Maria, die das Kind an sich drückt, und die 
thronende Madonna mit Heiligen und Engeln (im Victoria- und Albert-Museum und 
— mit Variationen — im Besitz von Dr. W. Weisbach in Berlin). 

Bei solchen Werken werden wir jetzt, wo wir den Charaker Donatellos auch 
in seinen Madonnendarstellungen hinlänglich kennen, nicht mehr zweifelhaft sein, daß 
wir den Meister selbst, sei es im Original, sei es in der unmittelbaren Nachbildungen 
danach vor uns haben. Bei manchen anderen Arbeiten, namentlich gerade Madonnen¬ 
reliefs, die auf den ersten Blick die Erfindung Donatellos verraten, werden wir aber durdi 
Schwächen in der Ausführung, Ungeschicklichkeiten in der Komposition, in Zeichnung 
oder Modellierung zweifelhaft sein, wie weit der Meister selbst dabei beteiligt ist: ob 
ein Modell oder eine Skizze Donatellos von einem Werkstattsgenossen ausgeführt, ob 
das Stück nach einer Komposition des Meisters von einem Schüler oder Nachahmer 
mehr oder weniger frei nachgebildet oder ob es freie Erfindung eines solchen sei. 
Die Entscheidung darüber ist bisher meist ziemlich willkürlich danach getroffen, wie 
diesem oder jenem Kritiker das betreffende Stück gefallen hat. Wir haben aber ge¬ 
nügenden Anhalt, um diese Fragen mit großer Wahrscheinlichkeit bei den meisten 
solchen Werken beantworten zu können. 


') Regelmäßig werden hier die Kuppelreliefs als Stückarbeiten angegeben; sie machen 
mir aber, soweit sidi von unten entscheiden läßt, den Eindruck, als ob sie vielmehr in Ton 
ausgeführt seien. 


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Bode. Ein Blidc in Donatellos Werkstatt 



DONÄTELLO: Bronzestatuette □ DONÄTELLO-Werkstatt: David 

Berlin, Kaiser -Friedrich- Museum Florenz, Palazzo Martelii □ 


Wie neben Skizzen Donatellos Arbeiten, die von Sdiülern ausgeführt wurden, ab- 
fallen, das sehen wir bei einem Vergleiche des Tonmodels der Kreuzigung und Stäupung 
Christi im Victoria- und Älbert-Museum mit den Bronzereliefs der Kanzeln in San Lorenzo, 
mag jenes nun eine Vorarbeit dafür gewesen sein oder der gleichzeitige Entwurf zu einem 
(dreiteiligen) Altar Forzori. Plaketten, wie die mit den spielenden Putten oder mit der Stäupung 
Christi im Kaiser Friedrich-Museum (von letzterer auch ein Exemplar im Louvre), an sich an- 
sprudislose Arbeiten, die direkt über die Wachsskizze gegossen sind, ziehen uns sehr vielmehr 
an als die in der Erfindung so großartige Grablegungstafel im Wiener Hofmuseum, der der 
ausführende Sdiüler nur zu viel von seinem Stempel aufgedrückt hat. Ein ähnliches 
Verhältnis besteht selbst noch zwischen Statuen wie denen des Hochaltars im Santo zu 
Padua, die wohl bis auf die freilich zum Teil sehr starke Ziselierung dem Meister an- 
gehören, und den direkt über die skizzenhaft hingeworfenen Modelle gegossenen, 
fast unziselierten Reliefgestalten an den Bronzetüren der Sakristei von San Lorenzo. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 



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DONÄTELLO: Tonmodell □ DONÄTELLO-Werkstatt: Marmorrelief 

Berlin, Kaiser-Friedridi-Museum Paris, Mme Andre □ 











Bode. Ein Blick in Donatellos Werkstatt 


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Aber hier können wir doch immer nur Verwandtes miteinander vergleichen, wir be¬ 
sitzen nicht das Modell oder die Skizze und die Ausführung daneben. Auch dafür 
fehlt es aber nicht an Beispielen. Ein solches ist uns erhalten in der Marmorstatue 
des David im Palazzo Martelli und in dem in Bronze ausgegossenen kleinen 
Wachsmodell im Kaiser Friedrich-Museum. 1 ) Die Zusammenstellung der beiden Gestalten 
im Bilde zeigt den gewaltigen Abstand zwischen Entwurf und Ausführung, zwischen 
Meister und Schüler. An dem Martelli-Marmor hat Donatelli offenbar gar keinen An¬ 
teil; der Handlanger, der es nach jenem Modell ausführte, hat dies so ungeschickt benutzt, 
hat sich bei der Ausführung so verhauen, daß die Arbeit schließlich unfertig stehen blieb, 
weil sie den Meister gar zu wenig befriedigte. Die alte Angabe, daß dieser Ladenhüter 
als Donatellos Geschenk an die Martelli gekommen sei, hat daher viel Wahrscheinliches. 

Ein zweites ebenso schlagendes Beispiel, das auf die Entstehung der meisten 
Donatellesken Madonnenreliefs und die Beteiligung des Meisters daran helles Licht 
wirft, bietet ein kleines Tonrelief im Kaiser Friedrich-Museum. Nicht nur die Kleinheit, 
auch die flüchtige Breite, mit der die Figürchen in Ton geknetet sind, zeigt daß wir 
es hier mit einer Skizze zu tun haben, die in der Meisterschaft der Raumausnutzung, 
in der Klarheit der reichen Komposition und der Feinheit im Ausdruck trotz der Klein¬ 
heit und Flüchtigkeit Donatello deutlich verrät Durch einen glücklichen Zufall ist uns 
das nach dieser Skizze ausgeführte große Marmorrelief erhalten, das sich im Besitz 
von Mme. Edouard Andre in Paris befindet. Dieses übersorgfältig ausgeführte, sauber 
geglättete Relief ist von so gewöhnlicher, unverstandener Ausführung, ist in der Zeichnung 
zum Teil so roh, im Ausdruck so karrikiert, daß schon eine sehr genaue Kenntnis 
Donatellos dazu gehört, um in dieser abschreckenden Arbeit noch irgend einen Bezug 
zum Meister herauszufühlen. Durch die Skizze wird dies aber über alle Zweifel erhoben 
und das Verhältnis des Meisters zu dem Handlanger, der nach dessen Skizze die Aus¬ 
führung machte, deutlich ins Licht gestellt. 

Ähnlich aber doch wieder eigenartig ist das Verhältnis bei einem anderen 
Madonnenrelief Donatellos, bei dem uns Skizze und Ausführung nur in ein paar Nach¬ 
bildungen erhalten sind. Von der Maria mit dem sich umblickenden Kinde besitzt 
die Schnütgen-Sammlung im Kölner Kunstgewerbemuseum ein kleines Silberrelief und 
das Kaiser Friedrich-Museum ein größeres Tonrelief. Ersteres ist augenscheinlich über 
dem Modell des Meisters abgeschlagen, letzteres ein Tonabdruck nach dem danach 
von dritter Hand trocken und teilweise unverstanden ausgeführten großen Relief. Noch 
von einem anderen Madonnenrelief Donatellos besitzen wir die Nachbildung eines 
Schülers; hier ist aber nicht die Skizze, sondern das große bronzierte Tonmodell oder 
das Original des Meisters erhalten (im Victoria- und Albert-Museum), und die Stuck¬ 
nachbildung (im Kaiser Friedrich-Museum und sonst) ist nur von etwa halber Größe, 
sonst aber fast genau übereinstimmend. Der Halbkreis vom Cherubim über Maria, der im 
Original fehlt, macht es bei dem stark Donatelloschen Charakter der Kinderköpfchen 


*) Ein erstes kleineres Wadistnodell dafür, gleichfalls in Bronze ausgegossen, dem man die 
Anerkennung bisher versagt hat, besitzt der Louvre; hier ist der junge jüdische Held noch ganz 
nadct in ähnlicher Stellung gegeben wie in der früheren berühmten Bronzestatue des Bargello. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


wahrscheinlich, daß diese kleinere Stucknachbildung nicht nach dem großen Tonrelief, 
sondern nach einer kleinen Skizze des Meisters hergestellt worden ist Auch die Skizze 
zu einer in der Ausführung nicht erhaltenen oder doch nicht mehr bekannten Madonnen- 
komposition Donatellos ist in einer runden Bronzeplakette auf uns gekommen. Maria 
ist sitzend dargestellt, das Kind auf dem Schoße und von sieben kleinen Engeln um¬ 
geben, welche spielen oder einen Blattkranz halten, der von oben, von drei Cherubim 
herabhängt, und die ganze Gruppe umrahmt Es gibt zwei Exemplare dieser Plakette, 
die beide Abgüsse einer Wachsskizze sind, die eine im Kaiser Friedrich-Museum (Ge¬ 
schenk der Frau Oscar Hainauer), die andere im Louvre (Vermächtnis His de Lasalle). 
Daß nur Donatello diese Komposition ausgeführt haben kann, ist nach dem Ver¬ 
gleich mit seinen anerkannten Werken nicht mehr zweifelhaft. Die Zusammen¬ 
stellung der beiden Bronzeplaketten zeigt aber kleine Abweichungen, namentlich in 
der Ausführung, die beweisen, daß sie nicht einfach mechanisch über dasselbe Wachs¬ 
modell hergestellt wurden, sondern daß eine über die andere modelliert worden 
ist, und zwar augenscheinlich das Exemplar im Louvre über das Berliner Exemplar; 
denn letzteres ist voller in den Formen, skizzenhafter und doch freier und meister¬ 
licher als die Louvre-Bronze, die auch in der Zeichnung, in der Punzierung des Kleides 
und der Ornamentierung der Heiligenscheine die Hand eines Schülers, anscheinend 
Goldschmieds verrät. 1 ) 

Diese verschiedenen Skizzen und Modelle Donatellos und die Ausführungen 
oder Nachbildungen derselben geben uns den erwünschten Anhalt, um die Fülle Dona- 
tollesker Madonnenkompositionen, die auf uns gekommen sind, in ihrer Beziehung 
zum Meister mit ziemlicher Sicherheit zu bestimmen. Zunächst können wir daraus den 
Schluß ziehen, daß zahlreiche, ja wohl die große Mehrzahl der Donatelloschen Ma¬ 
donnenreliefs nach solchen kleinen Skizzen des Meisters von Schülern und Werkstatt¬ 
genossen gearbeitet sind. Dann beweisen Ausführungen wie das große Marmorrelief 
der Sammlung Andre, daß die Mittelmäßigkeit, ja selbst die Erbärmlichkeit der Arbeit, 
an der man sich früher immer gestoßen hat, keineswegs gegen die Entstehung in der 
Werkstatt Donatellos spricht, wenn Erfindung und Typen dessen Charakter aufweisen. 
Auch die durch Urkunden beglaubigten Bronzebildwerke des Hochaltars in Santo lehren 
uns, in welchem Umfange der Meister Genossen zur Arbeit heranzog, und wie wenig 
er selbst oder die Auftraggeber um die Gleichmäßigkeit oder nur um die künstlerische 
Güte der Ausführung sich kümmerten. Entscheidend bleibt für die Bestimmung, ob 
die eine oder andere Arbeit dieser Art auf Donatello zurüdcgeht, nur Erfindung und 
Charakter der Gestalten sowie die Art der Komposition. Sind diese zu schwach für 
den Künstler, so dürfen wir mit Bestimmtheit annehmen, daß wir es mit der Arbeit 
eines Nachahmers zu tun haben; anderenfalls werden wir aber je nach der Art der 
Ausführung auf direkte Ausführungen nach der Skizze oder dem Modell des Meisters 
oder auf die Arbeit eines Schülers oder Nachfolgers nach solchen Werken Donatellos 
schließen dürfen. In den letzteren Fällen, die uns unter dem reichen Denkmälervorrat 
dieser Art besonders oft begegnen, wird die große Verwandtschaft mancher Kompo- 

*) Die Berl. Plakette hat unten das Wappen der Pazzi, die Pariser das Wappen der Capponi. 


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Bode. Ein Blick in Donatellos Werkstatt 



DONflTELLO: Bronzeplakette □ 
Berlin, Kaiser-Friedrich-Museum 


sitionen untereinander uns den Schluß nahelegen, daß solche unter sidi im Motiv und 
Aufbau ganz ähnliche Arbeiten einem und demselben Orginale Donatellos nachgebildet 
seien; so die verschiedenen H. Familien (u. a. Toskan. Bildw., Taf. 183), oder die 
Madonna mit spielenden Engeln (Toskan. Bildw. Taf. 177—180), verschiedene ein¬ 
fachere Madonnenreliefs, in denen Maria das Kind an sich drückt, wie in der Madonna 
in Via Pietra Piana in Florenz, in der Madonna der Sammlung Davillier im Louvre u. a. m., 
oder in denen sie das vor sich liegende Kind anbetet, wie in dem reich gerahmten 
Tondo des Louvre aus der Sammlung Piot usf. Aber wenn wir sehen, wie fast 
knechtisch treu die verschiedenen, oft selbst die besten Schüler und Nachfolger Dona- 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


tellos sich bei solchen Nachbildungen an ihr großes Vorbild hielten, wie dies am 
frappantesen das feine kleine Madonnenrelief von Desiderios Hand in der Sammlung 
Dreifus und die große plumpe fast übereinstimmende Komposition in der Sammlung 
Arconati-Visconti in Paris beweisen, so erscheint es wahrscheinlicher, daß auch bei weniger 
starken Abweichungen besondere Erfindungen von Donatello in größeren Arbeiten oder 
namentlich in Modellen und Skizzen vorhanden waren, die uns heute nicht mehr erhalten 
sind. Dafür spricht auch der Umstand, daß unter den eigenhändigen Madonnenreliefs 
des Meisters dasselbe Motiv mehrfach in ganz ähnlicher Weise wiederkehrt, z. B. in 
den Darstellungen, in denen die Mutter das Kind zärtlich an sich drückt: in dem kleinen 
Tondo eines der Reliefs in Santo, in den Marmormadonnen des Palazzo Pazzi und 
der Casa Orlandini, in der Bronzemadonna von Fontainebleau und in der (mit Unrecht 
sogenannten) Madonna von Verona. 1 ) Selbst bei Kompositionen, die sich so ähnlich 
sind, wie Donatellos bronzierte Madonna mit dem Kinde im Stühichen und die Madonna 
in gotischer Umrahmung von einem Nachahmer, geht doch letztere wahrscheinlich nicht 
auf erstere zurück, sondern auf ein ihr noch näherstehendes Vorbild des Meisters. 
Dasselbe dürfen wir auch in dem Verhältnis von Donatellos Madonna in den Wolken 
(Sammlung Q. A. Shaw) zu den Marmorreliefs bei G. Dreyfus (von Desiderio) und bei 
der Marquise Arconati annehmen; diesen lag wahrscheinlich ein anderes Werk des 
Meisters zugrunde, das ihnen noch mehr glich. 

Als Regel dürfen wir also aufstellen, das alle diese, in der Ausführung oft mehr 
als mittelmäßigen Madonnendarstellungen, die in Komposition und Typen Donatello 
verraten, direkt auf Vorbilder Donatellos zurückgehen, sei es daß sie nach seinen Werken 
gearbeitet oder über solche Arbeiten abgeformt wurden, oder daß sie wenig veränderte 
Nachbildungen danach sind, und daß nur da, wo auch in der Erfindung und Raum¬ 
disposition der Geist Donatellos fehlt, wir es mit schwächlichen Erfindungen oder 
Umbildungen der Schüler und Nachfolger zu tun haben. So ist es der Fall mit der 
Madonna am Altar der Sakristei in S. Lorenzo, die vielleicht Buggianos Werk ist, mit 
der säugenden Madonna der Sammlung von Beckerath, mit der Maria mit dem 
segnenden Kinde (Tosk. Bildw. Taf. 184) und vor allem mit den zahlreichen Paduaner 
Tonmadonnen, die auf Bellano, Minelli u. a. zurückgehen. Aber auch unter diesen ist 
selten ein Stück, das nicht „seines Geistes einen Hauch verspürt“ hätte. 


') Das Exemplar, das an einer Straßenecke in Verona angebracht ist, ist eine Nachbildung 
wie alle anderen in Ton, Stuck und carta pesta. Es ist von dem Kopisten mit zwei der spielen¬ 
den Engel des Santo zusammengestellt, die mit der Madonna gar nichts zu tun haben. Diese 
waren zu ihrer Zeit gerade so populär als jetzt und sind deshalb nicht selten damals schon 
kopiert worden. So sind sie z. B. als Dekoration an einem aus der Nähe von Verona stammen¬ 
den fast gleichzeitigen Kamin angebracht, den jetzt Fürst Johannes Liechtenstein besitzt. 



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Ein Burgkmairbildnis von Hans Holbein d. Ä. 

Von Georg Habidi (Manchen) 

Wie Hans Burgkmair aussah, darüber haben uns Hans Sdiwarz und Albrecht 
Dürer unterrichtet, am getreuesten aber der Meister selbst. Ein feinknodiiger, gut um- 
rissener Schädel, vergeistigte, ermüdete Züge, ein kluger, beseelter, aber etwas matter 
Blick: man vergißt ihn nicht leicht, diesen zart organisierten Kopf, der freilich eher 
einem dünnblütigen Stubengelehrten als einem schaffenden Künstler anzugehören scheint. 
Was wir an Bildnissen und Selbstbildnissen von Burgkmair besitzen, hat zuletzt Dörn- 
höffer in der Festschrift für Wickhoff (Taf. III) zusammengestellt und dabei das be¬ 
kannte Material um eine — früher bald auf Jakob Fugger, bald auf Dürers Bruder 
Hans getaufte — Zeichnung von Albrecht Dürer in Oxford vermehrt. Wir besitzen 
also sichere Porträts Burgkmairs aus den Jahren 1517 (Selbstporträt in Kreidezeichnung, 
Hamburg), 1518 (Dürers Zeichnung in Oxford, Lippmann Nr. 396), 1518 bzw. 1519 
(Medaille von Hans Schwarz, Berlin, Wien und München), und 1529 (Selbstbildnis 
mit der Frau, Wien, Gemäldegalerie). Die Schwarzsche Medaille kommt in sehr un¬ 
gleichwertigen Exemplaren mit der Jahreszahl 1518 wie auch 1519 vor. Das Wiener 
Bronzestück, welches Dörnhöffer zitiert, hat durch ungeschickte spätere Oberarbeitung 
gerade im Physiognomischen alle Feinheit eingebüßt. Von der ursprünglichen Lebendig¬ 
keit des Umrisses und der Modellierung gibt das Münchener Exemplar, ein altes 
Blei mit Spuren des schwarzen Firnislacks (Abb. 2), eine ungleich bessere Vorstellung. 

Zu diesen Meisterbildnissen gesellt sich ein neues; bemerkenswert nicht nur um 
dessentwillen, den es vorstellt, sondern weil es von einem der größten Porträtisten 
aller Zeiten herrührt, von Hans Holbein dem Älteren. Es findet sich auf einem der 
beiden Altarflügel im Rudolphinum, die mit Holbeins vollem Namen bezeichnet sind 
und auf der Innenseite als Hauptdarstellungen den Tod der Maria und die Legende 
der heiligen Ottilie enthalten. Während jene keiner Erklärung bedarf, zeigt diese neben 
der Hauptfigur der heiligen Abtissin eine Episode, die bisher jeder Deutung spottete. 
Ein Mann in bürgerlicher Tracht und eine Frauengestalt von mädchenhaft jugendlicher 
Erscheinung halten gemeinsam über einem Paar Schrägen ein Werkstück, das dem 
Wellbaum eines Mühl- oder Brunnenrades gleicht. Allerlei Handwerkszeug, das am 
Boden liegt, Winkelmaß, Maßstab, Axt, Richtschnur usw. deuten auf Zimmermanns¬ 
arbeit Der hagere, dünnbeinige Gesell im Vordergrund, offenbar der Zimmermeister, 
trägt nun unverkennbar die Züge Burgkmairs. Die dünne, lange Nase, die überhohe 
Stirn, das spitzige Kinn — alles wie auf dem Wiener Gemälde; der ungemein charak¬ 
teristische, stark deformierte Mund mit den schmalen welken Lippen womöglich noch 
schiefer gezogen als dort; auch der scharfe Zug von der Nasenwurzel zum Mundwinkel, 
den die Medaille besonders betont, fehlt nicht, so wenig wie die schmalen, unter dem Joch¬ 
bein tief eingesunkenen Wangen und der von Dürer so lebhaft hervorgehobene, stark ent¬ 
wickelte Kinnbacken. Alles in allem nichts weniger als eine Zimmermannsphysiog¬ 
nomie. Das Gegenteil von breitspuriger Kraftentfaltung, eine gewisse Gedrücktheit spricht 
sich vielmehr in der ganzen, ein wenig schneiderhaft anmutenden Figur aus, und auch 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Äbb. 1. H. HOLBEIN D. A.: Bildnis 
H. Burgkmairs. □ 

Ausschnitt aus Holbeins Ältarflügel 
Legende der hl. Ottilie r 

Prag, Rudolphinum 



Äbb. 2. HANS SCHWARZ: Medaille 
auf H. Burgkmair 1518 
München, k. Münzkabinett 



Äbb.3. BURGKMAIR: Selbstbildnis 1529 
Wien (Ausschnitt) 


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Habich. Ein Burgkmairbildnis von Hans Holbein d. A. 


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Abb.4. HANS HOLBEIN D. A.: Legende der hl. Ottilie 
Prag, Rudolphinum □ 


das Auge, das auf dem Wiener Selbstporträt etwas von dem treubesorgten Blick eines 
alten Bernhardiners hat, ist hier wie hilfesuchend zu der jugendlichen Partnerin erhoben. 

Gute Bildnisse wirken allemal wie alte Bekannte. So fand sich denn auch 
schon Woltmann, der bereits die Frage nach der Person aufwarf, an ein bekanntes 
Gesicht erinnert; er sprach den Dargestellten als Jakob Fugger an. Dieselbe Ver¬ 
wechselung also wie bei der Dürerzeichnung, und um so auffallender, als die selbst¬ 
herrliche Erscheinung des großen Kaufmanns mit dem bescheidenen Maler rein gar 
nichts gemein hat. Wie der Fugger sich präsentiert wissen wir; wissen auch, wie der 
alte Holbein ihn sah. Das lehrt die prachtvoll kompakte Profilaufnahme der Berliner 
Silberstiftzeichnung und noch eindrucksvoller das stupende Enface, das die beiden 
Blätter in Berlin und Kopenhagen festhalten. Nein, dieser starknackige, knochige 
Kurzschädel, der mit verhaltener Energie geradezu geladen scheint, ist mit dem kränk¬ 
lichen Langgesidit des reflektierenden Künstlers nicht gut zu verwechseln. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Von neuem entsteht die Frage: was stellt das Bild vor? — Der Vorgang rechts ist 
klar. Die heilige Ottilie im Abtissinnengewand erlöst durch inbrünstiges Gebet die Seele 
ihres Vaters, des Herzogs Eticho vom Elsaß (nicht „eines Königs“, wie der Prager Katalog 
schreibt) aus dem Fegefeuer. Das „Eidolon“ schwebt in Gestalt eines nackten Menschleins, 
nur durch eine Fürstenkrone näher gekennzeichnet, aus dem flammenden Erdspalt hervor, 
um alsbald von einem Engel zu weiterer Beförderung himmelwärts in Empfang genommen 
zu werden. — Die Darstellung ist nicht vereinzelt. Israel von Meckenem hat die Geschichte in 
einem ziemlich unbeholfenen Blatt (B. 131) mit den ihm eigenen drastischen Mitteln erzählt. 
Er verlegt den Vorgang in die „Tränenkapelle“, die an der Stelle des Wunders errichtet 
wurde und noch heute ein viel aufgesuchtes Wallfahrtsziel auf dem Odilienberg im Elsaß 
bildet Ebenso gibt ein sogleich näher zu bezeichnendes fränkisches Altarwerk die Szene 
wieder. Dagegen schildert ein herrlicher, um 1480 entstandener Gobelin von oberrheinischer 
Arbeit mit einer zyklischen Darstellung der Ottilienlegende, der sich bis auf den heutigen Tag 
in dem von der Schwester der Heiligen, Adala, gegründeten Stift St. Stephan in Straßburg be¬ 
findet, das Wunder in einer mit dem Prager Bild merkwürdig übereinstimmenden Komposition. 1 ) 
Selbst das hübsche Stadtbild (nicht der Weiler Ehenheim, dieResidenz Herzog Etichos, sondern 
wohl Straßburg ist gemeint) fehlt nicht; es füllt den Hintergrund wie auf dem Bilde in Prag. 

Aber was sind das für weltliche Dinge, die Holbein da Freund Burgkmair hinter 
dem Rücken der Heiligen treiben läßt? — Die ungemein reichhaltige Literatur, deutsche 
wie französische, die sich mit der heiligen Ottilie und ihrer Verehrung auf dem Odilien¬ 
berg beschäftigt und sich am vollständigsten in Pottharsts bibliotheca historica medii 
aevi (2) II. S. 1497 verzeichnet findet, weiß nichts von einem Begebnis, das sich auf 
die vorliegende Darstellung beziehen ließe. Das Rätsels Lösung kam mir nach langem 
Suchen und Fragen unerwartet aus einer entlegenen fränkischen Dorfkirche. In Mör- 
sach, einem im Bezirksamt Feuchtwangen nahe bei Gunzenhausen gelegenen Dörfchen, 
befindet sich ein ansehnlicher Schnitzaltar, der nach gefälliger Mitteilung des Herrn 
Pfarrers Anton Nibler aus dem nahen Stifte Herrieden stammen soll und teils dem Ende 
des 15., teils dem Anfang des 16. Jahrhunderts angehört. Die Flügel sind mit Malereien 
aus dem Leben der heiligen Ottilie, in 8 Feldern geschmückt Darunter findet sich 
auch die fragliche Szene: die Heilige, noch ganz mädchenhaft, und ein Mann, wie auf 
dem Prager Bilde, mit dem Wellbaum beschäftigt. Im Hintergrund eine Mühle. Die 
Erklärung gibt eine Inschrift, die nach der von Herrn Pfarrer Nibler freundlichst 
revidierten Lesung folgendermaßen lautet: „Hie sant Otilia, die Heilig andeditig 
Jungfraw zart, Zoch ein kürze welbem (Wellbaum), das er lank genueg 
wart.“ — In der Tat eine Leistung selbst für eine angehende Heilige! — Ein frommer 
Zimmermann, so mag die aus der Volkserzählung wohl niemals in die Heiligenliteratur 
eingedrungene Legende gelautet haben, hatte sich bei der Zurichtung einer Mühlrad¬ 
welle im Ausmessen geirrt und stand trübselig vor seinem mißglückten Werk, als die 

') Der Teppidi ist zusammen mit einem anderen als Gegenstück gearbeiteten, auf die Vita 
der Abtissin Adala bezüglichen Weberei, ebenfalls in St. Stephan befindlich, abgebildet bei Jac. v. 
Königshoven, Elsflss. u. Straßb. Chronik (StraBb. 1698), S. 515 in Kupferstichen von S. A. Seupel. 
Darnach wiederholt Forrer, Odilienberg (StraBb. 1899), Taf. XIII; vgl. auch Sdiricker, Kunstschätze 
im Eisass. Taf. 112. 


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Habich. Ein Burgkmairbildnis von Hans Holbein d. Ä. 


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junge Herzogstochter des Weges kam. Seine Jammermiene erbarmte sie; ihrer zarten 
Jugend ungeachtet ergreift sie das mißratene Werkstück und mit göttlicher Hilfe zieht 
sie das Holz in die gehörige Länge, nicht anders als wenn es Wadis wäre. Dem 
traurigen Handwerksmann, für den Holbein kein besseres Modell fand als seinen etwas 
grämlig dreinblickenden Kunstgenossen, hat sein Glauben geholfen. 1 ) 

Die beiden Prager Tafeln sind seit Woltmann wenig beachtet worden. Ihr Platz 
im Werke des Meisters scheint noch nicht bestimmt. Was das Burgkmairporträt allenfalls 
für die zeitliche Bestimmung lehren kann, ist nicht allzuviel. Man könnte auf Grund der 
Tatsache, daß Meister Hans hier schon ein wenig ältlich, älter jedenfalls als auf der Dürer- 
zeichnung und nicht eben viel jugendlicher als auf dem späten Selbstbildnis scheint, ver¬ 
sucht sein, die Bilder in die Spätzeit Holbeins, in die Elsässer Jahre 1517—1524 zu setzen. 
Der Gedanke, die große, durch die Zuteilung des Lissaboner Madonnenbildes an den 
jungen Holbein neuerdings wieder vergrößerte Lücke zu füllen, ist lockend genug. Aber 
wer Bescheid weiß in der deutschen Porträtkunst dieser Epoche, wird solche Alters¬ 
bestimmungen nach Bildern, Medaillen usw. nur mit größter Zurückhaltung wagen. 

Freilich die'Wahl des Gegenstandes, das Leben der elsässisdien Landesheiligen, 
würde trefflich zu Holbeins Aufenthalt in Isenheim passen, und auch der bereits er¬ 
wähnte Gobelin von St. Stephan, der geradezu als eine Vorstufe zu Holbeins Kom¬ 
position gelten kann, ließe sich in diesem Sinne verwerten. Indes die Verehrung der 
berühmten Augen-Heiligen war unendlich verbreitet, vom Elsaß bis nach Prag, allwo sie 
schon seit 1354, da Kaiser Karl IV. der Domkirche einen Armknochen als Reliquie 
stiftete, eine Kultstätte besaß. Und in böhmischem Besitz fanden sich die beiden Altar¬ 
flügel im Rudolphinum, laut Katalogvermerk, noch in Anfang des 19. Jahrhunderts. — 

Aber all diese „tatsächlichen“ Momente wiegen nichts gegenüber der stilistischen 
Tatsache, daß die Prager Bilder auf einer Entwicklungsstufe stehen, die Holbein, als er 
nach Isenheim verzog, bereits längst überwunden hatte. Wenn die Figuren auch in der 
Bewegung fast völlig losgelöst sind von alter Befangenheit, so verschwinden die im übrigen 
noch recht altertümlich-gracilen Körper vielfach in der Überfülle der gotischen Gewandmotive. 
Und so reizvoll das Ornament- und Architekturwerk 9 ) mit Renaissanceformen mit Balustern, 
Akanthus und Puttenköpfen spielt, diese zierliche Arkadenstellung ist noch keine Architektur 
in dem monumentalen Sinne des neuen Stils, sondern eben doch gotisches Astwerk, nur 
in die antikische Formensprache übersetzt So wird also der Altar, von dem die Prager 
Flügel der Rest sind, in jene Zeit fallen, die für den alten Maler noch eine Werdezeit war, 
in die Jahre 1508 bis 1510. Hier erhält dann die leibhafte Erscheinung des eigentlichen 
Trägers des modernen Stils in dem Werk des alternden Meisters eine besondere Pointe: 
nicht eine zufällige Erscheinung ist sie für uns historisch Betrachtende, sondern ein Symbol 
für die große neue Kunstanschauung, die ja insofern etwas von dem Wunder der heiligen 
Ottilie hat, als sie das, was an der alten Handwerkskunst noch unzulänglich war, mit 
götterleichten Zauberkünsten streckte und ins rechte Maß brachte. 

') Die Erzählung ist, worauf midi G.KeyBner aufmerksam madit, wohl eine Analogiebildung 
nach einer der „Kindheitslegenden“, die den kleinen Jesusknaben einen vom h. Joseph für König Herodes 
hergestellten, aber zu schmal geratenen Thron mit seinen Kinderhänddien in die richtige Fapon bringen 

*) Fehlt hier auf Abb. 4. Vgl. kl. Bilderschatz III. 422 u. 425. (läßt. 


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Das orientalische Italien 

Von Josef Strzygowski (Graz) 

Die Aufdeckung von S. Maria antiqua ist zum Kristallisationspunkt für die vom 
5.— 8. Jahrhundert auf römischem Boden nachweisbaren Denkmäler „byzantinischer“ 
Art geworden. Es handelte sich dabei hauptsächlich um die Malerei. Neuerdings ist 
nun die Erschließung des Schatzes Sanda Sandorum dazu gekommen. Was im über 
pontificalis literarisch vor uns ausgebreitet wird, das läßt sich nun im Schrein 
Leos III. mit Händen greifen. Und wie wir die Dinge nun Stück für Stüde ans Tages¬ 
licht ziehen, stellen sie sich dar als orientalischer Provenienz, zumeist herstammend 
aus den Ällerwelts-Werkstätten von Jerusalem, die für jede Art von Pilger und Be¬ 
steller arbeiteten, für Arme so gut wie für Reiche und Kirchenschätze. Wo bleibt denn 
solchen Zeugen orientalischen Massenimportes gegenüber Rom selbst, seine eigene 
Leistung auf dem Gebiete der bildenden Kunst in der zweiten Hälfte des ersten Jahr¬ 
tausends? Ein neuer orientalischer Stoß kommt nach dem Beginn der folgenden 
tausend Jahre, an deren Ende wir selbst leben, von Süden her, die Cosmaten sind 
seine Träger. Was wir in ihren Hauptwerken, den Klosterhöfen von S. Giovanni in 
Laterano und S. Paolo auf römischem Boden so fremdartig empfinden, das ist die 
farbige Pracht der islamischen Welt. Von Sizilien wandert diese Art hinauf bis über 
Rom hinaus, ein Vergleich des Klosterhofes von Monreale und seinem Brunneneinbau 
mit dem Löwenhofe der Alhambra legt diese Beziehung ebenso nahe, wie ein Blidc 
auf die farbigen Steinintarsien in Sizilien selbst dann drüben in Kairo und der gesamten 
islamischen Welt mit den bekannten Schöpfungen der Cosmaten. 

Wie dieser Südstrom so hatte schon Jahrhunderte vorher ein Nordstrom Ele¬ 
mente orientalischer Schmuckkunst über den italienischen Boden bis hinunter nach Rom 
verbreitet, so daß die Fluten von Nord und Süd nacheinander gerade über der ewigen 
Stadt zusammenschlagen. Denn was Goten und Longobarden aus dem Osten über 
die Alpen mitbringen, der Goldschmuck mit Glasemail und allerhand plastische Ornamente, 
ist zum guten Teil orientalisches Lehngut. Erst nach dem Abstoßen dieser Völker¬ 
scharen entwickelt der Norden seine eigenartige, zur Flächenfüllung bestimmte Tier¬ 
ornamentik. Und da die Moslim wie die Germanen vom selben Zentrum empfangen, 
so kann man auf den Kirchengeräten in Stein, den Kanzeln, Altären und Baptisterien 
in Nord und Süd von Italien dieselben Ornamente ausgeführt finden, im Süden in der 
farbenfreudigen Technik des Islam, im Norden in der das Steinrelief ungewohnten Art 
der Barbaren. Nimmt man dazu, daß die Adria samt der gegenüberliegenden Küste 
dauernde Einfallstore für die orientalische Kunst blieben, nicht nur das an sich orien¬ 
talische Unteritalien oder Ravenna und später Venedig, so drängt sich die Vorstellung 
eines orientalischen Italiens auf, die der Titel dieses Aufsatzes vorwegnimmt. 

Freilich in den kunstgeschichtlichen Handbüchern findet man davon nichts, am 
allerwenigsten bei Venturi, der doch im Material wühlt, wie kein zweiter vor ihm. Es 
wird noch sehr lange dauern, bevor man sich an die neue Auffassung gewöhnen und 
dem Glauben absagen wird, als wenn Italien, durchaus oder auch nur vorwiegend auf 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


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sich selbst gestellt, allmählich aus dem römischen Fahrwasser in das der Renaissance 
hinübergeglitten wäre. Die dazwischen liegende Zeit ist vielmehr für ganz Italien eine 
orientalische, sie dauert hier länger als im Norden, wo das Orientalische sehr bald 
den Dünger abgibt für die große germanische Bewegung der Gotik, die sich dann auf 
italienischem Boden zur Renaissance umbildet. Denn auch diese, wie man gern an¬ 
nimmt, spezifisch italienische Kunstblüte ist dem Keim nach von außen wachgerufen. 

Ich will nun heute nicht von Kunstwerken reden, die im Gefolge der orien¬ 
talischen Anregungen in Italien selbst entstanden sind, sondern von solchen, die man 
für italienisch ausgibt, trotzdem sie fertig aus dem Orient importiert sind. S. Marco 
in Venedig ist ja ein ganzes Museum dieser Art, über einzelne Stücke wie die Porphyr¬ 
gruppen von zwei Männern in der Umarmung 1 ) und die aus Acre herübergebrachten 
Pfeiler antiochenischer Art habe ich schon an anderer Stelle gehandelt. 3 ) Die einen 
kommen aus der syro-ägyptischen, die andern aus der „hettitischen“ Edce, jener Länder- 
gruppe, die, hinter Kleinasien liegend, Armenien, Mesopotamien und Nordsyrien um¬ 
faßt Auch heute möchte ich die Aufmerksamkeit auf zwei Denkmäler derselben 
Provenienz lenken, auf die mesopotamischen Stukkaturen von Cividale und auf ein kop¬ 
tisches Möbel in Terracina. 


I. Die persisch-hellenistischen Stuckornamente von Cividale. 

Die ungemein sauber ausgeführten Stuckornamente von S. Maria in Valle zu 
Cividale sind allgemein als eine der reizvollsten Dekorationen Italiens bekannt Im 
Rahmen der italienischen Kunst sind sie nicht unterzubringen. Die Parallelen müssen 
in weiter Ferne gesucht werden. An einem sehr abgelegenen Orte, dem syrischen 
Kloster der sketischen Wüste, steht eine Kirche aufrecht, deren Allerheiligstes in ähn¬ 
licher Art mit Stuckreliefs geschmückt ist. Ich habe darüber Oriens christianus I, 
S. 356f berichtet Merkwürdig ist, daß schon im Grundriß beider Kirchen wenigstens ein 
verwandtes Motiv auftaucht. In Cividale muß auffallen die Art, wie der Chor gebildet 
ist (Abb. 1 und 2)”). Statt mit der üblichen halbrunden Apsis schließt S. Maria in Valle 
mit einer geraden Wand, vor die, durch Säulenstellungen getrennt, drei tonnengewölbte 
Räume gelegt sind, der mittlere breiter als die beiden seitlichen. Auch die Marien¬ 
kirche des Deir es-Surjäni zeigt diese Einteilung 4 ), nur sind die drei ähnlich tiefen 
Räume durch massive Mauern gesondert und mit Kuppeln gedeckt. Im Orient hat 
diese Chorgliederung nichts Auffallendes, auf italienischem Boden aber wird sie sofort 
als fremdartig empfunden. Ich möchte nicht versäumen, auf die Rolle hinzuweisen, 
die („Kleinasien, ein Neuland der Kunstgeschichte“, S. 211 f.) Mailand und Ober¬ 
italien beim Übergang des gewölbten Kirchenbaues vom Morgen- nach dem Abend¬ 
lande gespielt haben. 


*) Beiträge zur alten Geschichte II (1902). S. 105 f. 

*) Oriens christianus I (1902) S. 421 f. 

3 ) Abb. 1—3 nadi Mitt. d. K. K. Centralkonimission IV (1859) S. 323 f. 

4 ) Vgl. den Grundriß bei Butler, The ancient coptic diurdies of Eggpt, I, 321 und Gayet, 
l'art copte 178. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Es ist bekannt, daß von 
der Stuckdekoration in Civi- 
dale nur ein kleiner Teil, jener 
der Eingangswand, erhalten 
ist. Audi im syrischen Natron¬ 
kloster ist wohl kaum die ganze 
Ausstattung der Kirche, viel¬ 
mehr nur deren Hauptteil, der 
Schmuck des mittleren Chor¬ 
raumes, auf uns gekommen. 
Er umschließt drei Wände des 
rechteckigen Raumes und läßt 
gerade die Eingangsseite, die 
sich nach dem Querschiff öffnet, 



flbb. 1. Cividale, S. Maria 
in Valle: Grundriß 


frei. Nur den Rahmen der hier 
eingefügten Falttüre schmücken 
in diesem dem Sanktuarium 
vorgelagerten Kirchenteile schö¬ 
ne Stuckornamente 1 ); sie wei¬ 
sen darauf, daß vielleicht auch 
die anderen heute verwahr¬ 
losten und wiederholt über¬ 
tünchten Räume der Kirche 
einst ähnlichen Schmuck auf¬ 
wiesen. Trotzdem also die 
Bestimmung der erhaltenen 
Dekorationsteile in Cividale und 
im Deir es-Surjäni eine ver¬ 


schiedene ist, kann doch nachgewiesen werden, daß sich die Stuckverzierung in beiden 
Kirchen nach demselben Prinzip aufbaut. In keinem der beiden Fälle handelt es sich 
um die schon von der hellenistischen Kunst angewendete Stuckierung der Decke oder 
der Innenlaibungen von Archivolten, sondern um eine Gliederung der vertikalen Wand¬ 
flächen durch horizontale Flachomamente in Streifen und dekorativ umrahmten Nischen 
— beides Motive, deren orientalischer Ursprung von vornherein wahrscheinlich ist. 



Äbb. 2. Cividale, S. Maria in Valle: Innen¬ 
ansicht der Altarseite 



Abb. 3. Cividale, S. Maria in Valle: Innen 
ansidit der Eingangswand 


') Details Jahrbuch der preuß. Kunstsammlungen 1904, S. 342, ganz rechts. 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


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Abb. 4. Deir et Surjäni, ältere Hadrakirche 
Stuckornamentik □ 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Abb. 5. Kairo, Tulun-Mosdiee: Stuckornamente 


In Cividale (Abb. 3) muß auffallen, wie unorganisch der horizontale Figuren¬ 
streifen in den Schildbogen des Kreuzgewölbes eingefügt ist. Von den beiden 
Rosettenbändern, die den Streifen oben und unten abschließen, lief zwar das eine am 
Ansatz des Gewölbes um den ganzen Raum herum. An der Seitenwand links vom 
Eintretenden ist auch heute noch ein Stück der Fortsetzung erhalten; darauf steht zu 
Seiten einer Figurennische noch der untere Teil einer Halbsäule 1 ). Das obere Band 
aber läuft sich im Gegensatz zum unteren an dem vorspringenden Zwickel des Kreuz¬ 
gewölbes tot und läßt überdies oben eine in den Verhältnissen unschöne Lünette übrig. 
Es scheint mir undenkbar, daß diese Dekoration für die gegebene Architektur erfunden 
oder mit deren Tgpus überliefert sein könnte. Sie dürfte vielmehr ähnlich wie die 
Einteilung der Deckenmalereien in den römischen Katakomben als ein fertiges Schema 
importiert, d. h. recht und schlecht auf die gegebenen Verhältnisse angewendet 
worden sein.*) 

Will man sich davon überzeugen, daß diese Wandeinteilung auch organisch 
wirksam untergebracht werden kann, dann werfe man einen Blick auf Abb. 4, dar¬ 
stellend eine vom Comite de Conservation des monuments de l’art arabe in Kairo ver- 
anlaßte Aufnahme des Haikals in der obengenannten Hadrakirdie des Deir es-Surjäni. 
Man sieht in halber Wandhöhe den Ornamentstreifen, der unten durch ein breites 
Band abgeschlossen wird. Darüber sitzen rechtechige Felder mit exotischen Ornament- 

') Vgl. die Wlha-Aufnahme bei Rivoira, Le origini della architettura iombarda I, 109. 

*) Davon, daß das Gewölbe jüngeren Ursprungs ist, kann m. E. nicht gut die Rede sein. 
Die Stuckdekoration nimmt durch Äkanthusblätter in den Ecken auf den Ansatz der Rippen 
Rücksicht. 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


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Abb. 6. Cividale, S. Maria in Valie: Stuckornamente, oberer Teil 

füllungen; dazwischen kleinere mit geometrischen Mustern. Man beachte, daß diese 
letzteren heute geschlossene Fenster darstellen. Daraus erklärt sich der ganze Organis¬ 
mus. Das untere Band bildet die Fußbordüre dieser Fenster, die Ornamentfelder 
schmücken die Zwischenräume. Die Wand selbst steigt darüber noch hoch auf; es 
müßte genau untersucht werden, was von ihr alt ist. 

Und nun zurück zu Cividale. Auch da (Abb. 6) erscheint zwischen den beiden 
Bändern und inmitten der Figuren eine Öffnung: sie dient heute einer spätgotischen 
Statue des hl. Benedikt zur Nische. Aber ursprünglich muß sie offen gewesen sein 
und bildete dann wohl ein Fenster. Man darf sich nicht dadurch beirren lassen, daß 
der Schmuck mit Säulen und Ornamenten für diesen Zweck ungewohnt ist, wir daher 
eher geneigt wären, die heutige Bestimmung dieses Rahmens passend zu Anden. Ich 
könnte manche Analogien aus dem Oriente vorführen, will mich jedoch lieber darauf 
beschränken, ausführlicher ein einziges Beispiel heranzuziehen, das auch in Material 
und Technik unmittelbar neben Cividale zu stellen ist, die Stuckdekoration in der 
Moschee des Ibn Tulun zu Kairo. Die Moschee stammt aus den Jahren 877—879. 
Die sichtbaren Ornamente, Abb. 5, gehen zum mindesten dem Typus nach auf die 
Gründungszeit zurück. Man sieht, das Motiv der Nische von Cividale kehrt überall 
wieder, auch an dem Fenster links. Zu beiden Seiten erheben sich, in Stuck modelliert, 
Dreiviertelsäulen, 1 ) über deren Kapitellen ein fortlaufendes Friesband aus dem Spitz¬ 
bogen in die Horizontale umbricht Dieses Ornament umschließt wie in Cividale den 

') Vgl. für den Ursprung dieses Motivs mein Msdiatta, Jahrbuch a. a. 0. S. 258. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Bogen, die Spitze überschneidet wie dort ein horizontales Band, das den oberen Ab¬ 
schluß des ganzen Fensterstreifens bildet. Die Grundeinteilung ist also zweifellos die 
gleiche, wenn auch die Details in Kairo sowohl wie im Natronkloster völlig von der 
Art von Cividale abweichen. Und doch gehen alle diese Stuckdekorationen auf ein 
und denselben Kunstkreis, das Ursprungsland dieser Schmuckart überhaupt, auf Meso¬ 
potamien, zurück. Dafür möchte ich hier im Hinblick auf Cividale den Beweis antreten. 
Für die Moschee des Ibn Tulun und das syrische Kloster ist das nicht mehr nötig; ich 
habe über beide bereits an anderer Stelle gehandelt Die Moschee wurde von einem 
Christen aus Samarra bei Bagdad erbaut, 1 ) der Schöpfer der Stukkaturen des Deir es- 
Surjäni war wahrscheinlich ein Mesopotamier, den der Abt Moses von Nisibis in der 
ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts aus seiner Heimat mitbrachte.*) Wie aber sollte ein 
Mesopotamier nach Cividale gelangt sein? Mit dieser Fragestellung kommen wir in 
ein Fahrwasser, in das ich schon 1901 mit „Orient oder Rom“ eingelenkt bin und das ich 
neuerdings mit dem Abschnitt „Orient oder Byzanz“ meiner Schrift über den serbischen 
Psalter 3 ) zu neuer Strömung erweitert habe. 

Einer der ersten Bearbeiter 4 ) der Stuckornamente von Cividale, Eitelberger, 
meinte, daß ein Hauch der altrömischen Kunst auf ihnen ruhe; der byzantinische Typus 
sei da nicht vorhanden. 3 ) Im Gegensatz dazu hat sie Cattaneo in das 12. Jahrhundert 
versetzt und gemeint, sie seien z. T. Kopien nach den Steinornamenten byzantinischer 
Künstler derselben Kirche aus dem 8. Jahrhundert. 6 ) Ähnlich urteilt Zimmermann, der 
sie dem 13. Jahrhundert und der damals herrschenden antikisierenden Richtung zu¬ 
schreibt. 7 ) Besonnener sind die neuesten Bearbeiter. Rivoira hält den Bau für ein 
Werk der ravennatischen Schule des 8. Jahrhunderts, 8 ) Venturi schreibt auch die Stuk¬ 
katuren derselben Zeit und einheimischen Meistern zu. 9 ) Es ist also wohl einem der 
Beurteiler eingefallen, an Rom, einem anderen an Byzanz zu denken, keinem aber, 
daß in diesen doch ganz eigenartigen Ornamenten Spuren einer versunkenen Welt 
vorliegen könnten, die im eigentlichen Orient zu suchen ist und den Schlüssel für die 
Entwicklung der spätrömisdien sowohl, wie der byzantinischen und romanischen Kunst 
abgeben könnte. Hier hat die Kunstwissenschaft ein Tor aufzuschlagen, das bisher 
vollständig durch Schutt und Trümmer der Zeiten und die auf den Ruinen wuchernde 
Sdiulmeinung von der zentralen Bedeutung von Rom und Byzanz verrammelt war. 
Es wird die Zeit kommen, wo der Hinweis auf Kleinasien, Mesopotamien und Syrien 

*) Vgl. meine „Koptische Kunst“ Catalogue gdn. du musde du Caire p. XXIV und Jahrbuch 
der preuB. Kunstsammlungen, 1904, S. 346; dazu jetzt Deutsche Literaturzeitung 1908, Sp. 106f. 

2 ) Vgl. Oriens dirist. I, 368 f. 

*) Denkschriften der Wiener Akademie d. Wiss. LII (1906) S. 87f. 

4 ) d'Orlandi, II tempietto di S. Maria in Valle in Cividale, Udine 1858 kenne idi 
leider nicht. 

®) Mitt. d. Zentralkommission IV (1859), S. 324. 

*) L’architettura in Italia dal secolo vi al mille circa 96. 

7 ) Oberitalische Plastik S. 166. Ebenso Kraus Gesdi. S. 596 mit dem Zusatz, die Akten 
Aber diese Kirche und ihre Bilder seien wohl noch nicht geschlossen. 

*) Le origini della ardiitettura lombarda I, 110. 

•) Storia dell' arte ital. II, 176. 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


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Abb. 7. Cividale, S. Maria in Valle: Stuckornamente unterer Teil 

als der Ursprungsländer byzantinischer sogut wie abendländischer Kunstformen nicht 
mehr mit einem Achselzucken abgelehnt, sondern als in der Natur der Kunstentwiddung 
liegend verstanden werden wird. 

Nachdem idi die Verwandtschaft im Einteilungsprinzip der Stuckdekorationen 
von Cividale, Kairo und im Deir es-Surjänii hervorgehoben habe, will idi jetzt die 
(Abb. 6 u. 7) 1 ) Ornamentmotive von Cividale näher ins Auge fassen. Sie wirken von 
vornherein fremdartig, nicht nur in ihrer Gestalt, die vielfach unantik ist, sondern vor 
allem deshalb, weil sich in ihnen mit der virtuosesten und saubersten Technik ein auf 
italienischem Boden ganz einzig stilgetreues Festhalten an der Komposition in der 
Fläche geltend macht Damit geht Hand in Hand, daß die Friese wie Stoffbordüren 
rein farbig wirken. Eine Modellierung in Licht und Schatten, ein Undulieren der 
Rächen im Raume ist — wo nicht antike Traditionen nachwirken, wie in den Kapitellen 
und Perlschnüren, oder um des Effektes der zersprengten Hell- und Dunkelkontraste willen, 
wie bei den Trauben am Bogen unten — völlig ausgeschlossen. Der Stukkator stellt 
eine ebene Fläche her und sticht die Ornamente mit seinen Instrumenten tief aus oder 
unterschneidet sie derart, daß sie hell auf dem „Tiefdunkel“ *) des Grundes erscheinen. 

') Nach Aufnahmen von Wlha. 

') Vgl. Jahrbuch der Kgl. preuB. Kunstsammlungen 1904, S. 273 f. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Statt ferner die stehengelassene Masse, die das Ornament bildet, durdizumodellieren, 
wie es die Antike tut, furcht er sie in rein geometrischen Linien. Diese sdiwarzen 
Striche arbeiten der plastischen Wirkung der Ornamente noch mehr entgegen und ver¬ 
stärken den koloristischen Eindruck, den in Cividale im besonderen noch grünliche 
Glaskugeln hervorriefen, die in den Rosetten der Bordüren des Fensterstreifens (und 
ähnlich wohl auch in den kleinen Rosetten neben der Weinranke unten) saßen. Diese 
Handhabung der Plastik im farbigen Sinne ist genau die gleiche, wie ich sie an der 
jetzt in Berlin stehenden großen Mschattafassade aus dem Moab beschrieben und als 
das Werk mesopotamischer Meister nachgewiesen habe. Cividale hat aber selbst 
Msdiatta gegenüber eine ganz hervorragende Bedeutung deshalb, weil es zeigt, in 
welchem Material und unter welchen Voraussetzungen die Komposition von Orna¬ 
menten im Tiefdunkel aufgekommen sein dürfte. In Mesopotamien sind bedeutendere 
Reste von Stuckdekorationen bis jetzt nicht nachgewiesen. 1 ) Und doch muß diese Art 
Schmudc in den Ziegelbauten neben der Inkrustation mit Fayencen herrschend gewesen 
sein. Was in Msdiatta, also auf syrischem Boden, in Stein übertragen auftritt, hat 
sich durch eine glückliche Fügung in Cividale in der originell mesopotamischen Technik 
bis in unsere Zeit gerettet, d. h., was wir in S. Maria in Valle vor uns sehen, ist 
technisch die Voraussetzung für die Entwicklung der Ornamentik von Msdiatta sowohl, 
wie der vorgeführten Stuckornamente Ägyptens aus islamischer Zeit.*) Idi will damit 
kein absolutes chronologisches Urteil gefällt haben, wenn ich auch glaube, daß man 
mit den auf der Höhe virtuosester Schulübung stehenden Ornamenten von Cividale 
kaum bis in 8. Jahrhundert hinabgehen darf, auch wenn man annimmt, daß ein orien¬ 
talischer Künstler, kein Einheimischer, der Schöpfer dieser Dekoration gewesen ist 
Darin bestärken midi die einzelnen Ornamentmotive an sich. 

Es liegt da eine sonderbare Mischung vor. Neben den antik gebildeten Fenster¬ 
säulen, dem halbantik im Tiefendunkel herausmodellierten Weinlaub und den Perlen¬ 
schnüren finden sich Motive, die als heimisch heute nur noch in den alten Denkmälern 
Syriens bzw. Mesopotamiens nachzuweisen sind. Dahin gehören in erster Linie die 
Zinnenmotive, welche die beiden Bogen bekrönen. Unten über der Tür sieht man eine 
Folge von kleinen Bogen, die sich an den Enden einrollen, und eine durchbrochene 
Lanzettform in die Mitte nehmen; in die Bogenzwickel sind als Füllung Tropfenmotive 
gesetzt Es spricht für die bewunderungswürdig solide Technik, daß keine dieser voll¬ 
kommen frei herausgearbeiteten Bogenzinnen im Laufe der Jahrhunderte ausgebrochen 
ist Das gilt auch für den Zinnenabschluß des oberen, des Fensterbogens. Da sind 
Blätter, die in der Form zwischen Akanthus und Palmette stehen, so ausgestochen, 
daß jeder Teil für sich herausgearbeitet ist: ln der Mitte ein Dreiblatt auf hohem Stil, 


‘) Im Msdiattasaale des Kaiser Friedrich-Museums sind seit einiger Zeit mehrere Studc- 
reliefs mit typisch sassandischen Mustern ausgestellt. Obzwar in Paris erworben, stammen sie 
dodi sicher aus Mesopotamien und geben wie die Tulun-Mosdiee und das Natron-Kloster das 
rein persische Gegenstück zu den mehr hellenistischen Ornamenten von Msdiatta-Cividale. 

*) Neuerdings sind auch Karolingische Stuckomamente zutage gekommen. Vgl. Stückel- 
berg, die Ausgrabungen von Disentis. Basler Zeitschrift f. Gesch. u. Altertumskunde VI, S. 489 f. 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


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seitlich dieselben Stile oben nach außen eingerollt, dazwischen eine fünfblättrige 
Palmette. 

Es ist hier kein Wort über den mesopotamisch-syrischen Ursprung des Zinnen- 
motivs an sich zu verlieren. Die Eigenart der vorliegenden Motive allein weist in 
diese Richtung. Die Bogenzinne oben deckt sich mit dem, was wir die phönikische 
Palmette nennen 1 ) und ist tatsächlich noch in den syrischen Kirchen des 5. und 6. Jahr¬ 
hunderts überaus häufig, wenn auch zumeist in vereinfachter Form nachweisbar. Sie 
findet sich auch an Werken der Kleinkunst, die aus allerhand Gründen mit Syrien in 
Beziehung zu setzen sind. Darüber habe ich in meiner Mschatta-Arbeit, S. 277 f., ge¬ 
sprochen. Ebendort S. 285 f. war auch von der so eigenartig in Einzelteile aufgelösten 
Akanthuspalmette die Rede, die in Mschatta in den Hohlkehlen sitzt und Analogien 
auf sassanidischen Denkmälern hat. Sehr bezeichnend für die Verwandtschaft mit 
Mschatta sind ferner die Folgen kleiner Rosetten, die auf dem Türbogen in Cividale 
das Weinlaubornament flankieren. Genau die gleichen Vierpässe findet man an der 
Fassade aus dem Moab als Randornament, so durchgehends am oberen Rande des 
großen Zickzackfrieses*) und ebenso als Bordüre an allen sechsteiligen Rosetten der 
unteren Dreiecke. 8 ) Es kann für den, der sich in die Ornamente von Mschatta ein¬ 
gelebt hat, kein Zweifel sein, daß die Stuckdekoration von Cividale nicht nur dem¬ 
selben Kunstkreise angehört, sondern womöglich dem Typus nach älter ist Für 
die Schärfe des Formschnittes gibt es bis jetzt Parallelen nur unter den koptischen 
Kalksteinskulpturen Ägyptens 4 ) und an der Fassade der Grabeskirche in Jerusalem. 8 ) 

Es könnte nun jemand kommen und sagen, unter den Ornamenten von Cividale 
fänden sich Motive, die an Mschatta nicht vorkämen, und auch die sechs weiblichen 8 ) 
Heiligen neben dem Fenster hätten im Osten keine Analogien. Was den ersten Ein¬ 
wurf anbelangt so handelt es sich da um die charakteristischen zwei- bzw. dreistreifigen 
Bandomamente, die wir so gut aus den Resten der europäischen Funde aus der Völker¬ 
wanderungszeit und in Italien im besonderen aus der Longobardenskulptur kennen: 
Cattaneo hat letztere am ausgiebigsten zusammengestellt An dem Fensterbogen oben, 
in der Laibung des Türbogens unten und auf dem Türsturz selbst sind solche Orna¬ 
mente in Streifen verwendet Am Türsturz begegnet auch die S-Folge, von der 
Cattaneo behauptet, sie sei nach dem longobardischen Vorbilde kopiert, das er als 
Fig. 40 abbildet. Derart können die Dinge auf den Kopf gestellt werden, solange man 
immer Rom oder Byzanz für die einzigen Quellen der Kunstentwicklung hält, und was 
dort nicht nachweisbar ist eher als die Schöpfung von Barbaren ansieht, als daß 
jemandem einfiele, im Oriente danach zu suchen! 


') Perrot et Cbipiez Hist, de l’art III, 129 f. 

*) Detailskizze Jahrbuch S. 279, Fig. 54. 

*) Details auf Tafel X und XI des Jahrbuchs. 

*) Vgl. meine .Koptische Kunst“, Cat. gin. du mus£e du Caire, p. 45 f. und 72 f. 

») Orient oder Rom, S. 127 f. 

•) Vgl. dagegen die Deutung auf nur vier weibliche und zwei männliche Heilige bei 
Eitelberger, Mitt. d. C. C. IV, S. 322. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Die Bandornamentik ist im Kreise der Mittelmeerkunst mesopotamisdien Ur¬ 
sprunges. 1 ) Vom Euphrat und Tigris wandert sie den südlichen Weg mit den Paviment- 
mosaiken, den nördlichen mit der asiatischen Kleinkunst nach dem Westen. Was die 
germanischen Völker an Ornamenten nach dem Süden mitbringen und was dort auf 
Grund heimischer Anklänge rezipiert wird, geht zum guten Teil auf orientalische An¬ 
regungen zurüdc. In Cividale steht die mesopotamische Wurzel, nach der die Kunst¬ 
wissenschaft im 20. Jahrhundert mit der größten Hingabe suchen muß, in einem erhal¬ 
tenen Beispiele leibhaftig vor uns. Die Bandornamente zählen hier in zweiter Linie; an 
einem Hauptbeispiel der frühen persisch-islamischen Kunst, dem in Bagdad gearbeiteten 
Minbar von Kairuan, sind sie derart herrschend, daß eine ins einzelne gehende Mono¬ 
graphie über dieses wertvollste Denkmal der Kunstentwicklung im ersten Jahrtausend 
uns in einer Weise über den Sachverhalt belehren wird, die für die Zukunft jeden 
Zweifel ausschließen dürfte.*) Das Vorkommen der S-Folge in Cividale hat seine 
Parallelen in den Ornamentbändern der ältesten vom Osten vordringenden Malereien 
und Mosaiken, die es meist als Streifenornament verwenden, während schon die alt- 
orientalische Kunst in Ägypten sowohl wie in Vorderasien und der mgkenäischen Mittel¬ 
meerkunst es flächenfüllend benutzt haben. 8 ) 

Und nun die sechs Heiligenfiguren. Sie stehen nicht vereinzelt Ihre Parallelen 
sind in dem Vororte von Antiochia auf italienischem Boden, in Ravenna, zu Anden. 
Es sind die Frauen der Prozession an der Oberwand von S. Apollinare nuovo und die 
Heiligenfiguren in Stuck an der Oberwand von S. Giovanni in Fonte, die das Feld 
einer vergleichenden Untersuchung eröffnen — vorläufig. Genauere Forschungen werden 
über das Gebiet der byzantinischen Elfenbeinplastik auf die hellenistischen Vorbilder 
des Orients führen. 


II. Die koptische Truhe von Terracina. 

Das Domkapitel von Terracina bewahrt eine Holztruhe, die 1906 auf der byzan¬ 
tinischen Ausstellung von Grottaferrata längere Zeit in der Nähe Roms zu sehen war. 4 ) 
Erst da hatte ich Gelegenheit, das bekannte Stück genauer zu besichtigen. Von der 
Arbeit an den koptischen Altertümern herkommend, machte mir ein Blick auf gewisse 
technische Details wahrscheinlich, daß das an sich fremdartige Denkmal vom Nil aus 
an den Golf von Gaeta gelangt sei. 

Die Vorderseite (Abb. 8) zeigt unten fünf Arkaden, oben vier, die einen kleineren 
Bogen in die Mitte nehmen; über ihm der Platz für das Schloß. Kapitell und Basis der 


*) Vgl. meine Besprechungen von Salin, Die altgermanisdie Tierornamentik in der 
„Deutschen Literaturzeitung* 1905 Sp. 2896f. und von Hampel, „Die Kunst des Mittelalters in 
Ungarn“, Monatshefte der kunstwiss. Literatur I (1905), S. 254. 

*) Vgl. Zeitschrift für bildende Kunst VIII (1907), S. 386f. 

*) Vgl. Owen Jones, Grammar of Ornament pl.Xf., Perrot et Chipiez, HistoireVI passim. 
4 ) Munoz, L'art byzantin ä l’exposition de Grottaferrata p. 182 f. Baldoria gibt die MaBe 
im Archivio storico dell’ arte II, 242 mit 1,05x0,67x0,58 m an. 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


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Abb. 8. Terracina, Dom: Holztruhe, Vorderseite 


Säulen sind im Gegensinn gleich, die Schäfte oben schräg geriefelt, wie die Bogen, die 
unten zusammen mit den Schäften geschuppt sind. Unter den Füllungen fällt in der 
Mitte unten Adam und Eva auf, die ihre Scham bededten; zwischen ihnen steht ver¬ 
tikal emporgeringelt die Schlange. Sie wendet den Kopf Eva zu, hinter deren Fuß der 
Schwanz (?) sichtbar wird. Ober der Gruppe eine Sphinx, rechts der Baum. Die Haupt¬ 
gruppe kehrt ähnlich im griechischen Physiologus wieder. Wenn sich bestätigt, daß 
dieses in Aegypten entstandene Volksbuch mit dem Kapitel über die Schlange z. T. den 
Anlaß zu deren Einführung in den Sündenfall gegeben hat’), so wäre ihr Vorhanden¬ 
sein ein erstes Zeichen für die Herkunft des Kastens. In die gleiche Richtung scheinen 
auch die beiden Reiter im oberen Streifen zu Seiten des eine Schlange in den Klauen 
haltenden Pfauen zu weisen. Wie sie die Lanze herab in das Maul eines unter den 
Pferdefüßen liegenden Löwen richten, das ist die typische Art des koptischen Reiter¬ 
heiligen. 3 ) Die Deutung dieser Reiter ist, ob nun Christus oder Theodor oder (wie 
heute noch) der hl. Georg dargestellt wird, immer dieselbe: der Kampf des Guten gegen 
das Böse, im gegebenen Falle mit dem Zusatz: gegen das Böse, das durch den Sünden¬ 
fall in die Welt gekommen ist. Diesen Kampf bedeuten ursprünglich auch die meisten 
der übrigen Arkadenfüllungen unseres Kastens, wenn sie in Terracina auch vorwiegend 


*) Byzantinisches Archiv II, S. 23 u. 78, dazu «Eine alexandrinische Weltchronik“ S. 134. 
*) Zeitschrift für ägypt. Sprache XL und Strzygowski, Hellenistische und koptische Kunst 
in Alexandria S. 21 f. 


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28 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Äbb. 9. Die koptisdie Truhe zu Terracina: Schmalseite links 


dekorativ verarbeitet sind und Motive aufgenommen haben, die anderen Bedeutungs¬ 
kreisen entstammen. So erscheinen gerade auf der Vorderseite Dinge zusammen¬ 
gestellt, die eine einheitliche Deutung kaum zulassen. In den oberen Eckfeldern stehen 
sich zwei Kentauren ähnlich gegenüber wie auf dem Elfenbeinhorn von Jasz-Bereny, 1 ) 
das überhaupt die zahlreichsten Vergleichspunkte für unseren Kasten bietet. Wenn 
ihnen hier Tiere untergeschoben sind, so geht das wohl lediglich auf das Bedürfnis 
zurück, den Raum zu füllen. Das Tier (Pferd?) links zeugt allein durch seine Anord¬ 
nung für diese formale Deutung und das Rind rechts wird nicht von dem Kentaurn, 
sondern von einem anderen Tiere überfallen, so daß der Kentaur außerhalb des sym¬ 
bolischen Bezuges auf den Kampf von Gut und Böse bleibt. 

Ähnlich verhält es sich mit den vier Darstellungen neben Adam und Eva. Der 
Jäger im linken Felde, der seinen Bogen gegen den Rachen eines Wildschweines richtet, 
kehrt mit demselben kurzen Rock auf dem Elfenbeinhorn in Ungarn wieder, 9 ) nur wird 
dort das Wild durch einen Hirsch vertreten. Dieselbe Figur auch auf dem Deckel des 

*) Hampel, Altertümer des früheren Mittelalters in Ungarn II, S. 896. Die Zuteilung der 
Hörner an Byzanz ist schwerlich richtig. Sie stammen aus dem Nordkreise der mesopotamischen Kunst. 

*) Hampel, S. 894, Fig. 14. 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


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Abb. 10. Die koptisdie Truhe zu Terradna: Schmalseite rechts 


angelsächsischen Runenkästchens im British Museum. 1 ) Der Greif über der Jagdszene 
unserer Truhe hat mit dem Schützen wohl nichts zu tun. — Es folgt eine Gestalt in zottigem 
Rode mit Hörnern. Sie wehrt sich mit einem krummen Schwert gegen allerhand Tiere, 
vor allem einen Löwen, der sie anspringt und über dem oben ein Vogel angedeutet 
ist Für letzteres Motiv könnte man wieder the francs casket heranziehen, etwa das 
Haus auf dem Deckel und das Ällerheiligste von Jerusalem auf der Rückseite, 9 ) wo 
Vögel ähnlich Raumllüdcen füllen. Bezüglich des Gehörnten liegt eine völlige Um¬ 
kehrung der Kampfstellung vor; es fragt sich ob der Schnitzer dabei schon an den 
den Teufel oder noch an den Satyr gedacht hat. Der Satyr inmitten von Tieren war 
in Orpheus-Darstellungen üblich, 3 ) bei den Kopten erhielt sich auch die Verfolgung eines 
Mädchens 4 ) und in Giebelreliefs der Kampf des Pan mit Tieren. 3 ) Rechts vom Sünden- 

') Bekannt unter dem Namen The Francs casket. Vgl. die Monographie von Viätor, Taf. I. 

*) Vißtor, Das angelsächsische Runenkästchen aus Auzon, Tafel 1 u. V. 

3 ) Zeitschrift des Deutschen Palästinavereines, XXIV, 139 f. 

4 ) Strzygowski, Koptische Kunst Nr. 7292 b und Berlin K. F.-Museum Nr. 1101. 

6 ) Koptisdie Kunst Nr. 7292. Vgl. auch das Isisrelief der Domkanzel zu Aachen. Strzygowski 
Hell. u. koptische Kunst, S. 47. 


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30 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Äbb. 11. Berlin, Kaiser Friedrich-Museum 
Brett mit Kufischer Inschrift 


fall sieht man hinter einem gesattelten Greifen einen Mann, der einen Zweig über den 
Kopf gelegt trägt und darüber wieder die Andeutung eines Vogels. Ich durchschaue 
diese Kombination nicht, möchte aber auf die ähnlich rätselhaften Reiter auf einem der 
Goldkrüge von Nagy-Szent-Miklos verweisen, 1 ) die übrigens von einem ähnlichen 
Schuppenornament umrahmt sind, wie unsere Arkaden. — Schließlich folgt am rechten 
Ende des unteren Streifens der Vorderseite ein Mann, der eine Schlange niedertritt und 
zugleich eine andere mit der Lanze trifft Über ihm ein heraldisch behandelter Adler. 
Der nach Psalm 90, 13 auf Löwen und Drachen tretende Christus ist die bekannteste 
Parallele für dieses Motiv des Kampfes von Gut und Böse. Der Typus setzt sich in 
der bildenden Kunst von Aegypten aus im Anschluß an Horus durch, der, auf Kroko¬ 
dile tretend, schädliche Tiere fernhält. 2 ) 

Die Seitenwände (Abb. 9 und 10) der Truhe von Terracina sind nicht minder 
interessant obwohl die menschliche Gestalt nur noch einmal rechts in der unteren Reihe 
vorkommt. Dargestellt ist der bärtige Mann mit langem Haar und kurzem Rode, das 
Schwert gegen einen Löwen zückend, unter dem ein Vogel erscheint Daneben ein 
Löwe über einem Wildschwein 3 ) und andere Tiere. Von besonderer Bedeutung sind 
die Füllungen darüber. Links ein Tier mit Menschenkopf, dessen Schwanz in einen 
Tierkopf übergeht, eine Mischbildung, die, schon der Antike bekannt, noch auf islamischen 
Denkmälern der Seldschukenzeit auftritt. 4 ) Die Verbindung mit den Schlangen und 
dem Rinde in unserem Relief ist ebenso freie Kombination wie die verschiedenen 
Tierkämpfe, die in den übrigen Feldern auftauchen: Adler und Hirsch mit Schlange, und 
auf der linken Schmalseite: Greif und Löwe, heraldischer Adler und Tier, Löwe und Kameel, 
doppelköpfiges Tier, dessen Schwanz abermals in einem Tierkopf endigt (Cerberus?), 
mit Bär und Schlange. Es hätte gar keinen Zweck an dieser Stelle eingehender bei 
diesen Bildern des Tierkampfes zu bleiben. Sie gehören zum Hauptbestande der 


l ) Vgl. Hampels Monographie S. 7 f. 

*) Neroutsos-Bey, L'ancienne Älexandrie p. 48 f. 

*) Ober die Beliebtheit dieses Tieres in der koptischen Kunst vgl. meinen Catalogue, 
S. XVI, 54 f. und 128. 

4 ) Sarre im Jahrbuch d. Kgl. preuB. Kunstsammlungen 1905, 180 f. 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


31 


durch, so in fatimidischer Zeit 
in Ägypten. Das Kapitell selbst 
und die Querriefelung kehrtsehr 
häutig auf koptischen Grab- 
stelen wieder. 1 ) Auf den Seiten¬ 
flächen fehlen die Säulen, das 
Rippen- und Schuppenorna- 
ment ist da in fortlaufenden 
Bändern durchgeführt, die eben¬ 
sowenig eine struktive Bedeu¬ 
tung haben, wie die rein rah¬ 
menden Proßle von Mschatta 
oder an syrischen Kirchen. Die 
Fassade der Grabeskirche in 
Jerusalem gibt Anlaß, sich solche 
Umrahmungen monumental 
verwendet vorzustellen. 2 ) 

Die zehn Felder der 
Vorderseite und die je vier 
Felder der beiden Schmalseiten 
sind als Ganzes umrahmt von 
einem flachen Bande auf dem 
mit der Punze eine Doppelreihe 
kleiner Löcher geschlagen ist 
Ähnlich sieht man auf den Tierkörpern kreuzförmige Sterne und auf einzelnen Ge¬ 
wändern halbkreisförmige Schnitte aufgetragen. 8 ) Venturi hat diese Art Schmuck auch 
auf Altsachen der Völkerwanderungszeit beobachtet 4 ), mir sind sie ganz geläufig von 
koptischen Holzmöbeln. Als Beleg bilde ich ein früharabisches Brett etwa des 9. Jahr¬ 
hunderts ab, das ich in Kairo für das Kaiser Friedrich-Museum in Berlin erworben habe. 
(Abb. ll.) # ) Man sieht, daß diese gepunzten Doppellöcher ursprünglich einen Perlstab 
bedeuten. Daneben kommen Winkelfolgen in den Vertikalkasten vor. Diesen ent¬ 
sprechen auf der Truhe von Terracina die ausgestochenen Bogenfolgen, mit denen das 
breite Rankenband am Ende der Truhenflächen nach innen abgegrenzt wird. Auf diesen 
Eckpfosten sieht man geflederte, weinlaubartige Blätter — zwei Lappen scheinen ver¬ 
kümmert —, die von Doppelstielen in Herzform umrahmt werden. Auch für dieses 
Ornament liegt die Parallele auf koptischen Denkmälern vor. Ich bilde hier einen von 

’) Crum, Coptic monuments pl. XLV f. 

*) Orient oder Rom, Taf. VIII. 

*) Vgl. damit die Goldmuster auf der Marientafel des Diptychons von Theben. Strzygowski, 
Hellenist, und koptisdie Kunst, S. 87. 

4 ) Storia dell’ arte II, p. 100. 

*) Nr. 333 meines Inventars, 76,5x19 cm groß. Die Kufische Schrift gibt eine Stelle 
der 112 Sure. Vgl. Jahrbuch d. preuß. Kunstsammlungen 1904, S. 311. 


großen internationalen Kultur 
des frühen Mittelalters, die im 
Oriente wurzelt Ihre spezi¬ 
fisch ägyptische Färbung be¬ 
kommen sie einmal negativ 
durch das Fehlen des Lebens¬ 
baumes, der im Nordkreise des 
Orients selten fehlt und positiv 
durch das Ornament und die 
Technik der Ausführung, end¬ 
lich den auffallend primitiven 
Stil der Gestaltwiedergabe, die 
freilich den trefflich dekorativen 
Gesamteindruck nicht stört. 

Von der Bildung der 
Säulen an der Vorderseite war 
schon die Rede. Die Anwen¬ 
dung der KapiteUform für die 
Basis findet sich auch in ar¬ 
menischen und byzantinischen 
Handschriften, deren Ornament 

von Persien aus angeregt ist, „.. „„ n . . 

. .... ... . Abb. 12. Paris, Louvre: 

und setzt sich mit dem Glocken- Steinpfeiler aus Bawit 
kapitell auch in der Architektur 



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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


zwei Steinpfeilern ab, die ich noch in einem Hause in Bawit in Oberägypten photo¬ 
graphierte; sie sind inzwischen in den Louvre gekommen. (Abb. 12.) Auf der Vorder¬ 
seite oben waren Heilige dargestellt, darunter das ägyptische Wedelornament 1 ) An 
der Seite dieser Pfeiler findet man in der gleichen Relieftechnik das von Doppelstielen 
umrahmte Weinlaub in vertikaler Folge wie auf der Truhe von Terracina ausgearbeitet. 
Daß die Blätter nach unten statt nach oben laufen und die ganze Steinarbeit sauberer 
ausgeführt ist, tut unserer Konstatierung keinen Eintrag. 

Baldoria, der erste Bearbeiter der Truhe nahm sie für die freie, nicht vor dem 
8. und nicht nach dem Ende des 9. Jahrhunderts ausgeführte Kopie einer anderen, die 
sicher im Orient ausgeführt und durch die Byzantiner nach Italien gekommen war. 2 ) 
Molinier 8 ) datierte sie ins 10. Jahrhundert, Zimmermann 1 ) ins 11., Munoz gar ins 13. Jahr¬ 
hundert 6 ) Letzterer trat zugleich für den orientalischen Ursprung ein. Entgegen diesen 
Meinungen geht Venturi noch über Baldoria hinaus, indem er die Truhe dem 7. Jahr¬ 
hundert zuweist und annimmt „che qui sulla cassa siasi sbizzarrita la fantasia nordica 
d’un artista idolatra“. 6 ) Er spricht sich gegen die symbolische Deutung der Dar¬ 
stellungen aus, und meint, nicht Adam und Eva, sondern Gestalten aus dem Kreise 
Odins, „Askr ed Embla, ossia Lift e Lifthrasin suo sposo, sotto l’alato toro androcefalo“ 
sollten dargestellt sein. Nirgends begegneten christliche Züge; auch habe die eigen¬ 
artige Darstellung der Schlange im Sündenfall als Sphinx keine Parallelen. Venturi 
findet zweimal den Raben Odins dargestellt und immer wieder die den Longobarden 
heilige Schlange. Alles das gemahne an miti nordici, leggende odiniche. Joseph Sauer 
schließt sich Venturi darin an, 7 ) daß die Tiergestalten rein dekorativ, nicht symbolisch 
zu deuten seien. Das Werk stamme aus einer Obergangskunst, d. h. noch aus der Zeit 
vor dem Einströmen eines symbolischen Gehaltes; selbst die Deutung der sog. Adam 
und Eva hätte er (Sauer) noch mit kräftigeren Fragezeichen versehen. 

Die Herren kommen alle von der Forschung auf abendländischem Gebiete her 
und können meines Erachtens deshalb der Truhe von Terracina nicht gerecht werden. 
Ihre Auffassung mag berechtigt sein einem Denkmale wie dem in Clermont-Ferrand ge¬ 
fundenen Runenkästchen, dem Franks casket gegenüber; dem Orient dagegen ist der 
abergläubische Symbolismus durchaus geläufig und auch die Verbindung mit Adam und 
Eva hat nichts Auffallendes. Vollends irrt Venturi — und so auch schon Baldoria — 
wenn er in der Sphinx über den Köpfen von Adam und Eva die Schlange dargestellt 
sieht Diese kommt zwar öfter (vor und nach dem Sündenfall) als vierfüßiges Tier vor, 8 ) 
so in den Oktateuchen, hier aber ist sie als richtige Schlange gegeben. Die Herren 


') Vgl. meine koptische Kunst, S. 457 und über Bawit S. 70 und 117 f. 

*) Ärdiivio storico dell’ arte II (1890), S. 247. 

’) Le meuble du moyen flge. 

J ) Oberitalienische Plastik. S. 16. 

®) L’art byz. ä l'exposition de Grottaferrata, p. 186. 
a ) Storia dell 1 arte II, 107 f. 

7 ) Beilage zur Münchener Allg. Zeitung 1905, S. 314. 

s ) Vgl. dazu jetzt das in Babylon gefundene Fabeltier aus buntglasierten Ziegeln. 
Mitteilungen der deutschen Orient-Gesellschaft und Die Woche 1908, S. 164. 


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Strzygowski. Das orientalische Italien 


33 


haben sie, die sich zwischen Adam und Eva emporringelt, mit dem Baum verwechselt, 
der hinter Eva erscheint Die Sphinx hat wahrscheinlich mit Adam und Eva ebenso- 
wenig etwas zu tun, wie der Greif mit dem Jäger oder der Adler mit dem Schlangen- 
töter; sie scheint mir lediglich raumfüllend eingeschoben und kann daher auch nicht 
als Vorläufer der im Norden nach dem 13. Jahrhundert üblichen Art genommen werden. 1 ) 

Die auffallend primitive Art der Gestaltwiedergabe an unserer Truhe hat für 
den, der mit koptischen Denkmälern gearbeitet hat, nichts Fremdartiges; gerade sie be¬ 
rührt ihn vielmehr wohlbekannt Setze ich voraus, daß solche Truhen aus Cypressen- 
holz von den Klöstern Ägyptens exportiert, oder von Pilgern sonst aus der Heimat des 
hl. Menas nach dem Abendlande gebracht wurden, dann wundert mich nicht, wenn 
bei Bearbeitung einer alexandrinischen Weltchronik vom Anfänge des 5. Jahrhunderts 
die Verwandschaft des gegenständlichen Cyclus mit dem Runenkästchen von Germont- 
Ferrand auffallen konnte. *) Dieses Franks casket steht zweifellos der Truhe von Terra- 
cina nahe; wahrscheinlich wurde es durch einen ähnlichen Kasten koptischer Provenienz 
angeregt, auf dem entsprechend der Weltchronik neben der Anbetung der Könige und 
dem Oberfall auf Susanna noch die Zerstörung Jerusalems durch Titus und die Zerstörung 
Ilions dargestellt war. 8 ) Auf diesem koptischen Kasten dürften auch ähnlich wie auf 
dem von Terracina die Köpfe der Männer mit langem Haar und vorgebogenem Spitz¬ 
bart gegeben gewesen sein, eine Manier, die ich mir gut aus dem Satyrkopf ent¬ 
standen denken kann. Ich verweise auf das Fragment eines Orpheusgiebels im Kaiser 
Friedrich-Museum, das ich in Mallawi (Aschmunein) aufgefunden habe. 4 ) Die Datierung 
der Truhe von Terracina anlangend, würde ich für das 7. bis 10. Jahrhundert ein- 
treten. Die oben wegen der Punziertechnik herangezogene Holztafel dürfte dem 9. Jahr¬ 
hundert angehören. Das Schuppenmotiv als Randstreifen findet sich auch noch auf 
einer koptischen Schüssel aus Bronzeblech im Ägyptischen Museum zu Kairo, die Achilleis 
darstellend. Sie dürfte kaum nach dem 8. Jahrhundert entstanden sein. 5 ) 

Der Import koptischer Sachen nach dem Norden kann als feststehende Tatsache 
gelten, seit ich die Elfenbeinreliefs an der Kanzel des Domes zu Aachen als ägyptisch 
erwiesen habe. 8 ) Auch das aus Rom in den Louvre gelangte Elfenbeindiptychon mit der 
Darstellung Konstantins als Glaubensheld stammt ja wahrscheinlich aus Alexandria und 
befand sich ursprünglich am Rhein. 1 ) Solche durch Pilger, Mönche und Kaufleute ein¬ 
geführte Kunstwerke haben aber freilich lange nicht den Einfluß auf die Entwicklung 
der Kunst in den dunklen Jahrhunderten zwischen der Völkerwanderung und dem 
Jahre 1000 gehabt wie die direkten alten Beziehungen der Germanen zu den asiatischen 
Märkten und die Anregungen, die von seiten des christlichen und islamischen Orients und 
zwar von Künstlern aus dem Osten bis hinüber nach Spanien gleichmäßig zu Wasser 

') Vgl. Sdimerber, Die Schlange des Paradieses. 

*) Vgl. Deutsche Literatur-Zeitung 1904, Sp. 327. 

’) Vgl. meine alexandrinisdie Weltchronik S. 137, fol. 24b und S. 142 fol. 56a. 

4 ) Nr. 1105 meines Inventars. EineAbb. Zeitschr. d. Dtsch. Palästina-Vereines XXIV, S. 148. 

5 ) Nr. 9039. In meinem Catalogue „Koptische Kunst“, S. 257. 

*) Hellenistische und koptische Kunst S. 19 f. Der Dom zu Aachen, S. 29 und 5 f. 

’j Ebenda S. 19 und 68, Aachen S. 48. 

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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


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und zu Lande ausgeübt wurden. Das Museum in Burgos besitzt ein Elfenbeinkästdien 
mit kufischen Inschriften, worauf ein ähnlicher Cyklus von Tier- und Tierkampf' 
darstellungen dekorativ ausgesponnen ist, wie auf der Truhe von Terradna. Auch 
der Reiter und der Bogenschütze fehlen nicht Es hat, glaube ich, keinen Anstand 
sich orientalischen Kunsthandwerker auch in christlichen Gebieten tätig zu denken wie 
in Germiguy-des-Pres oder später beeinflußend in den Vorsetzblättem des Echtemacher 
Codex zu Gotha oder noch später an den Kirchen von Wladimir und Jurjew Polskij. 
Ich führe diese wenigen Beispiele von hunderten an, weil es vielleicht gut ist, im 
Augenblick wieder einmal ausdrücklich an die Sachlage zu erinnern. 1 ) Die Monumenta 
artis Germaniae werden, wie ich schon vor Jahren für die Kgl. Museen in Berlin 
aussprach, 8 ) diesen Fundamenten der abendländischen Kunstentwicklung Rechnung 
tragen müssen. 8 ) Das Kaiser Friedrich-Museum hat durch Einrichtung der um Msdiatta 
gruppierten christlich-orientalichen und islamischen Sammlung einen energischen Schritt 
in dieser Richtung getan und fängt ja jetzt erfreulicher Weise auch an, die klaffende 
Lücke durch Erwerbung germanischer Altsachen auszufüllen. 4 ) 


l ) Ich kenne longobardisdie Handschriften, deren Schmuck direkt von koptischen Malern 
ausgefDhrt sein könnte. Was Munoz, L’art byz. ä l’exposition de Grottaferrata 75 f. beobachtet 
hat, liegt daher viel komplizierter als er es sah. Vor allem muß auch mit dem eigenem auf dem 
nördlichen Wege mitgebrachten orientalischen Geschmack der Longobarden gerechnet werden. 

*) Deutsche Literatur-Zeitung 1905, Sp. 2896. 

*) Vgl. auch G. Humann, Repertorium f. Kunstwiss. XXV (1902) gL S. 9f. und die Biblio¬ 
graphie der Byzantinischen Zeitschrift, passim. 

4 ) Amtliche Berichte aus den Kal. Kunstsammlungen XXIX, S. 39 f. 



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Die Wappen Peter Äpians von Michael Ostendorfer 

Von Campbell Dodgson-London 

Über die in verschiedenen Exemplaren des Hauptwerks Apians, Astronomicum 
Caesareum (Ingolstadt, Mai 1540, fol.) vorkommenden Varianten des Holzschnitt- 
Wappens des Autors herrscht noch in der deutschen Fachliteratur vollkommene Un¬ 
klarheit In den mir bekannt gewordenen Exemplaren des Prachtwerkes kommen 
nämlich vier verschiedene Wappen entweder einzeln oder in verschiedenen Kom¬ 
binationen vor. Zwei von diesen, je ein größeres und ein kleineres Wappen, sind 
von Rud. Weigel erwähnt, der das Verdienst hat, ein schönes Werk Ostendorfers in 
die Literatur eingeführt zu haben. 1 ) Seitdem wurde stets nur ein Wappen beschrieben, 
und zwar das hier (Abb. 2) stark verkleinert reproduzierte große Wappen mit dem 
Monogramme Ostendorfers. 8 ) Da weder Passavant noch Nagler bekannt war, daß 
dieser Holzschnitt von einem anderen, ebenfalls großen und schönen Blatte desselben 
Künstlers zu unterscheiden sei, läßt die von diesen Autoren gegebene Beschreibung 
sowohl an Vollständigkeit wie an Genauigkeit viel zu wünschen übrig. Keiner der 
beiden erwähnt zum Beispiel einen Unterschied zwischen dem einköpfigen und zwei¬ 
köpfigen Adler. Die Unterschrift ist bei Passavant nur teilweise, bei Nagler ungenau 
zitiert Passavant gibt sogar als Befindungsort das falsche Buch an, nicht das Astro- 
nomicum Caesareum sondern das 1533 (nicht 1540) in Ingolstadt erschienene Instrument¬ 
buch, welches Weigel unter der vorhergehenden Nummer, ebenfalls am falschen Ort 
genannt hatte. Diesen letzten Irrtum Passavants hat Nagler freilich vermieden. 

Erst in einer den meisten Kennern des deutschen Holzschnittes wahrscheinlich 
unbekannten französischen Zeitschrift sind alle vier Wappen erwähnt; auch hier, da 
der Verfasser mehr bibliographische als ikonographische Zwecke verfolgt hat, fehlt jede 
Beschreibung, die einem Leser helfen könnte, ohne die betreffenden Holzschnitte vor 
Augen zu haben, den einen von dem anderen zu unterscheiden. In seiner ausführ¬ 
lichen und genauen Bibliographie der Werke Apians 8 ) erwähnt der Genter Gelehrte 
F. van Ortroy die verschiedenen mir bekannten Varianten des Astronomicum bis auf 
eine vollständig; daß gerade diese fehlt, ist um so mehr überraschend, da sie in einer 
von v. Ortroy zitierten Quelle, Weigels Kunstkatalog, Nr. 19450 bereits beschrieben ist 

Die vier Holzschnitte stellen je in zwei sehr verschiedenen Größen das alte 
und das neue Wappen Apians dar. Am 24. Juli 1541 wurde der Ingolstädter Astronom 

*) Kunstkatalog, 1853, Nr. 19450. 

*) Passavant Peintre-Graveur, III, 313. 15. Nagler, Monogrammisten IV, S. 642, Nr. 27. 

*) Bibliographie de l’oeuvre de Pierre Apian, par M. F. van Ortroy, de l’universitd de 
Gand. Le Bibliographe Moderne, Paris, 1901, V. 89, 284. Das Astronomicum Caesareum ist 
S. 327, Nr. 112 beschrieben. Diese gründliche Studie ergab, um von anderen Werken Ostendorfers 
zu gesdiweigen, auch über einen Holzschnitt Hans Sebald Behams willkommenen Aufschluß. 
P. 1238 nämlich, dessen Provenienz Pauli nicht entdeckt hatte, befindet sich in drei bei Egenolff 
in Frankfurt a. M. 1532, 1537 u. 1544 erschienenen Ausgaben der Underweisung aller Kaufmanns 
Rechnung, von P. Apian (van Ortroy, Nr. 68, 69, 71). 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


von Karl V. in den Adelsstand erhoben; es wurde ihm bei dieser Gelegenheit statt 
des ursprünglichen, einköpfigen Adlers als neues Wappen der zweiköpfige Adler 
seines kaiserlichen Schülers und Mäcens verliehen. Da das Astronomicum Caesareum 
schon seit mehr als einem Jahre erschienen war, konnte das neue Wappen (Abb. 2), 
sobald es dem Format des Buches entsprechend in Holz geschnitten war, in den noch 
vorrätigen Exemplaren das alte (Abb. 1) ersetzen; den Besitzern der schon verkauften 
Exemplare wurde wahrscheinlich das neue Schlußblatt als Ergänzung geschenkt, auf 
dem das neue Wappen in kleinem Format neben dem alten, ebenfalls kleinen, oben 
gedruckt steht (Abb. 3), während unten das im Namen des Kaisers ausgestellte Adels¬ 
diplom abgedruckt ist. Je nachdem das große, bezw. kleine alte Wappen durch das 
große neue Wappen bezw. das Schlußblatt mit den beiden kleinen nebeneinander 
ersetzt wurde, oder keine Veränderung erlitt, variieren die heute vorhandenen Exem¬ 
plare des Prachtwerkes. 

Ich lasse hier eine Aufzählung der vier Holzschnitte in der wahrscheinlichen 
Reihenfolge ihrer Entstehung folgen; die Abbildungen überheben mich einer genauen 
Beschreibung des jeweiligen Inhalts. Als Befindungsorte führe ich nur diejenigen an, 
welche ich bestimmt verantworten kann. 1 ) 

1. Kleines altes Wappen, mit einköpfigem Adler, rund in einem Kranze. 100:105. 

a) Allein, mit gedruckter Überschrift, Insignia Petri Apiani Mathemat. In- 
golstadien. Berlin, Kupferstichkabinett (Buch). Vgl. Weigel, Nr. 19450. 

b) Neben Nr. 3, wie hier abgebildet. London, Sammlung des Herrn Max 
Rosenheim. (Abb. 3). 

2. Großes altes Wappen; innerhalb der ornamentalen Einfassung die xylo- 
graphische gotische Unterschrift, Insignia Petri Apiani (Abb. 1). 402X288. 
Nur bei v. Ortroy erwähnt. Abgebildet als Ex-libris bei Wamecke, Bücher¬ 
zeichen des XV. und XVI. Jahrh., I. Heft, Nr. 8. 

a) Allein. London, British Museum. 

b) Nebst den Nrn. 1 und 3 zusammen. London, Sammlung Rosenheim. 

3. Kleines neues Wappen, Nr. 1 fast durchaus ähnlich, nur mit hellem Hinter¬ 
grund. 105:105. Kommt stets neben Nr. 1 abgedruckt vor. Nur bei v. 
Ortroy erwähnt. 

4. Großes neues Wappen, mit Ostendorfers Monogramm. Pass. 15, Nagl. 27. 
(Abb. 2) 349X289. Außerhalb der einfachen Einfassung die in der genauen 
Breite des Holzschnittes mit beweglichen Typen gedruckte Unterschrift, INSIGNIA 
PETRI APIANI SACRI PALATII CO IS - 

Brüssel', Observatoire Royale;*) nach v. Ortroy auch in zwei Exemplaren 
der Pariser Nationalbibliothek (Inv. Res. V. 220, 221). Berlin, Kupferstich- 


*) Ein Verzeichnis der in öffentlichen Bibliotheken befindlichen Exemplare bei v. Ortroy, a. a. O. 
*) Prof. H. Hymans war so freundlich, dieses Exemplar für midi zu untersuchen, und den 
(kolorierten) Holzschnitt nebst Unterschrift photographieren zu lassen. Die der Abbildung als 
Vorlage dienende Photographie des nicht kolorierten Exemplares in Berlin verdanke ich meinem 
Freunde, Dr. Elfried Bock. 


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Abb. 1. Altes Wappen Apians, von M. Ostendorfer Abb. 2. Neues Wappen Apians, von M. Osterdorfer 



MARCI TATII POETLE IMPE 
RATORII CARMEN* 

IN PRIORS IN POSTERIORA- 


Abb. 3. Das alte und neue Wappen Apians 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Kabinett, loses Blatt, 1907 erworben, mit beschnittenem Rande, daher ohne 
Unterschrift. 

Von diesen vier Holzschnitten ist nur einer, Nr. 4, durch Bezeichnung als ein 
Werk Ostendorfers beglaubigt Nr. 2 darf m. E. mit gutem Grunde demselben Meister 
zugeschrieben werden. Die Behandlung der Helmdecke ist in beiden Fällen beinahe 
identisch. Noch mehr als alles rein ornamentale verrät die geflügelte menschliche 
Fratze oben in der Bekrönung des Rahmens die Hand Ostendorfers, wie wir sie z. B. 
in dem türkischen Stammbaum, 1528 (P. 11 N.24), oder in einem Unikum des Britischen 
Museums, der herzförmigen Weltkarte Äpians vom Jahre 1530, *) kennen lernen. Für 
die Zuteilung der kleinen Wappen, Nrn. 2 und 3, an Ostendorfer gibt es keinen Be¬ 
weis; ich möchte sie diesem Künstler eher absprechen als zuweisen. 

Man hat nämlich etwas leichtfertig angenommen, daß Ostendorfer den ganzen 
Bildschmuck des Ästronomicum Caesareum und anderer in Ingolstadt gedruckter Bücher 
Apians, z. B. Instrumentbuch, 1533, Inscriptiones Sacrosanctae Vetustatis, 1534, ent¬ 
worfen hat Das glaube ich keineswegs. Namentlich das sich einer gewissen Berühmt¬ 
heit erfreuende Alphabet mit Astronomen und Mathematikern *) hat nichts mit den 
authentischen Werken Ostendorfers gemein; es verrät vielmehr, wie das hübsche Kinder¬ 
alphabet kleineren Formates, die Hand eines erfahrenen Ornamentisten in der Art der 
Kleinmeister, der offenbar auch die schöne Kartusche auf dem Titelblatt entwarf. 
Diesem zweiten für Apian in Ingolstadt tätigen Künstler sind ferner die meisten Holz¬ 
schnitte zuzuschreiben, die in folgenden Werken verwendet wurden: Quadrans Apiani, 
6. Juli 1532, F. v. O. 98 (hier dürften höchstens die roh ausgeführten Stern- und 
Tierkreisbilder von O. herrühren, vgl. Abacus, Regensburg 1532); Horoscopion Generale, 
1533, F. v. O. 100; Introductio Geographica, 1533, F. v. O. 101; Instrumentbuch, 1533, 
F. v. O. 104; Folium Populi, 22. Okt. 1533, F. v. O. 106; Inscriptiones, 1534, F. v. O. 
109 (Titelblatt nach einer Zeichnung Dürers, Lippmann 420, schon von Thausing er¬ 
wähnt). Viele fein ausgeführte Holzschnitte aus diesen älteren Büchern sind im Astro- 
nomicum wiederholt. Ein Blatt aus dieser Gruppe, das Titelblatt des Folium Populi, 
trägt ein bei Nagler fehlendes, von einem Schneidemesser begleitetes Monogramm, das 
Rud. Weigel (Kunstkat 19449) für das Zeichen Jakob Bincks erklärt hat Ob es nicht 
eher Hans Brosamer angehört, der ja merkwürdigerweise auf einigen Kupferstichen 
das Schneidemesser eines Xylographen neben seinem Monogramm angebracht hat, 
will ich hier nicht näher erörtern, da die Biographie des oder der Hans Brosamer in 
Erfurt und Fulda noch sehr der Aufklärung bedarf. 

Ostendorfer sind m. E. außer dem Wappen Apians folgende Holzschnitte im 
Ästronomicum zuzuschreiben: die 35 großen, mit sechs verschiedenen Handgriffen und 

’) Als signiertes Werk Ostendorfers nodi ln keinem Verzeichnis dessen Holzschnitte 
beschrieben. Literatur: Hermann Wagner, Die dritte Weltkarte P. Apians, Nachr. v. d. Kgl. 
Gesellsdi. d. Wissensdi. u. d. Georg-Augusts-Univ. zu Göttingen, 28. Dez. 1892; F. v. Ortroy, 
a. a. O., Nr. 5; Abbildung in Nordenskjölds Periplus, Taf. 44. 

*) Naumann's Archiv, II, 206; Passavant, Nr. 15; Nagler, Nr. 29. Obwohl, nach dem Inhalt 
zu schließen, ursprünglich für das Ästronomicum bestimmt, lag das Alphabet viel früher fertig, 
als das Buch selbst; einzelne Buchstaben kommen schon 1533 und 1534 vor. 


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Dodgson. Die Wappen Peter Äpians von Michael Ostendorfer 


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teilweise mit beweglichen Scheiben versehenen Tafeln; ein kleines Haupt Christi, Sig. B 1; 
die vier Himmelsgegenden mit Priester, Cosmograph, Dichter und Astronom, Sig. F 3 v. 
Wenn man Passavant Glauben schenken sollte, wäre ein Anteil Ostendorfers an dem 
Bildsdunudc dieses Buches — Passavant nennt es Instrumentbuch, meint aber offenbar 
das Astronomicum — auf die Autorität Doppelmairs zurückzuführen. Das ist aber 
reine Erfindung Passavants; sein Gewährsmann Weigel 1 ) zitiert nur Notizen in dem 
damals in seinem Besitz befindlichen Handexemplar Doppelmairs, wonach nicht Osten¬ 
dorfer, sondern Kaiser Karl V. „die Figuren (im Astronomicum Caesareum) aufreißen 
helfen“ hatl Der Name Ostendorfers wird nirgends im Zitat aus Doppelmair genannt. 
Bis auf das signierte Wappen beruht alles, was ihm im Astronomicum zugeschrieben 
werden kann nur auf Stilvergleichung. 

*) Kunstkat. 19450. 


♦ 


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Zur Ikonographie Michelangelos 

Von Ernst Steinmann 

„Von Michelangelo gibt es nur zwei Porträtdarstellungen in der Malerei, eine 
von der Hand Bugiardinis, die andere von Jacopo del Conte; außerdem eine Bronze¬ 
büste von Daniello Ricciarelli und die des Cavalier Lione. Und von diesen hat man 
in Italien und auswärts viele Kopien gemacht, von denen ich eine ganze Anzahl ge¬ 
sehen habe.“ 

Das sind die dürftigen Nachrichten, die Vasari über die Bildnisse des gepriesenen 
Meisters zu geben wußte 1 ), weil er sich in seinen Angaben ganz auf Büsten und Öl¬ 
gemälde beschränkt hat Würde er Fresken und Reliefdarstellungen Michelangelos als 
vollwertige Porträts anerkannt haben — er hätte mehr zu berichten gewußt Hatte er 
doch selbst den großen Mann, mit dessen intimer Freundschaft er sich gerne brüstete, 
zweimal in seinen Freskenzgklen in Florenz und Rom gemalt; berichtet er doch auch 
im Leben des Daniello da Volterra von einer in Stuck ausgeführten, höchst seltsamen 
Darstellung Buonarrotis mit Sebastiano del Piombo, die heute zerstört ist. 2 ) 

Vasaris Fresken im Palazzo Vecchio und in der Cancelleria haben sich erhalten, 
und von Daniello da Volterra besitzen wir in S. Trinitä de* Monti ein drittes Porträt 
Michelangelos in seinem Fresko der Himmelfahrt Mariae, welches Vasari nicht er¬ 
wähnt 8 ) Aber damit glaubte man auch bis heute, die kleine Zahl von Bildnissen Michel¬ 
angelos in historischen Kompositionen seiner Zeit erschöpft zu haben. Nicht nur ein 
Freskobildnis Michelangelos in dem wenig besuchten Oratorium von S. Giovanni 
Decollato in Rom, sondern auch ein höchst merkwürdiges Basrelief des Cinquecento in 


*) Vasari ed. Milanesi VII, 258. Zur Literatur über die Porträtdarstellungen Michelangelos 
vgl. vor allem Duppa, Life of Michelangelo. London 1807. p. 412 und J. Ä. Symonds, Life of 
Michelangelo II, 258 ff., wo weitere Literaturangaben sich finden. Ferner A. Zobi, Discorso sopra 
un ritratto ad olio rappresentante Michelangiolo Buonarroti. Firenze 1875 und G. Guasti, II ri- 
tratto migliore e autentico di M. Buonarroti. Firenze 1893. Über ein Wadismodell für Leone 
Leonis Medaille handelt Fortnum im Ärdiaeological Journal Vol. XXXII und in einer seltenen 
später erschienenen besonderen Abhandlung. Zu den gestochenen Porträts Michelangelos vgl. 
Heinecken, Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen. Leipzig 1768. I, 374—378 und J. C. Wessely 
in der Zeitschr. f. b. Kunst (1876) XI, 64. 

2 ) VII, 55. Bottari sah diese Darstellung noch im Jahre 1746. Er schrieb darüber an 
Mariette: Fui l'altro giorno alla Trinitä dei Monti, e se voi avete il disegno del bassoriiievo dl 
Daniel da Volterra, in cui i Satiri pesano le membra ec. tenetene conto, perdiä adesso e tanto 
logoro, che non si raccapezza quello che rappresenti. Da man das Relief heute tatsächlich in 
S. Trinitä de' Monti nicht mehr findet, so wäre es der Mühe wert, der Zeichnung davon, die 
Mariette besaß, nachzuspüren. Vgl. Bottari, Lettere pittoriche IV, 574 n. CCXL. 

a ) Dies Porträt wurde jedenfalls vor 1553 gemalt. Vgl. für diese nicht unwichtige Zeit¬ 
bestimmung Bertolotti, Artisti Lombardi II, 293. Ein Freskobildnis Michelangelos von unbekannter 
Hand soll sich auch im Museo civico zu Pavia befinden. Vgl. L. Woltmann, Die Germanen und 
die Renaissance in Italien. Leipzig 1905. p. 74. 


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Steinmann. Zur Ikonographie Michelangelos 


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der Skulpturengalerie des Vatikans Gelen völliger Vergessenheit anheim, obwohl man hier 
Michelangelos ausdrucksvollen Kopf schon vor mehr als hundert Jahren erkannt hatte. 1 ) 

In Massis erster Ausgabe des Katalogs des Museo Pio-Clementino im Vatikan 
vom Jahre 1792 heißt es von einem Relief in der Galleria delle statue wie folgt: 
Modem aber von ausgezeichneter Arbeit Dies Relief stellt den Großherzog Cosimo I. 
von Toskana dar, wie er im Begriff ist, den Aufschwung von Pisa zu fördern. Auf 
der einen Seite sieht man, wie er die Laster vertreibt, auf der anderen Seite, wie er 
ihr Männer der Tat und der Wissenschaft zuföhrt Unter den letzteren erkennt man 
das Porträt des Michelangelo Buonarroti, dem man audi die Arbeit dieses Reliefs zu¬ 
schreibt, das sich früher bei dem Bildhauer Cavaceppi befand.“ 2 ) [Abb. l.J 

Wahrheit und Irrtum begegnen uns in dieser Beschreibung in seltsamer Mischung. 
In der Tat hat sich Cosimo de’ Medici um die Stadt Pisa besondere Verdienste er¬ 
worben, wenn er auch niemals versucht hat, aus ihr die Laster zu vertreiben. Schon 
im Jahre 1542 begann er mit der Neugründung der Universität nach dem Muster von 
Pavia und Padua. Am 1. November 1543 wurde die Universität eröffnet und ein Jahr 
später ein Kollegium von vierundvierzig Alumnen gegründet. Da weigerten sich im 
Jahre 1547 Professoren und Schüler in Pisa zu wohnen, welches, rings von Sümpfen 
und stagnierenden Gewässern eingeschlossen, wegen seiner schlechten Luft mehr ge¬ 
mieden als gesucht war. Diesem Obel zu begegnen, entschloß sich der Fürst, die 
Sümpfe trocken zu legen. Ein Uffizio de' Fossi wurde ernannt, und seine Tätigkeit 
war so erfolgreich, daß die Krankheiten gebannt wurden und die neue Universität sich 
schnell zur höchsten Blüte entwickeln konnte. 8 ) 

Die Erinnerung an diese Wohltaten Cosimos, welche in der Geschichte Pisas eine 
neue Epoche einleiten sollten, ist in dem Relief des Museo Pio-Clementino festgehalten 
worden. Hat nicht auch Vasari diesen Ruhmestitel seines Herzogs in ganz ähnlicher 
Weise im Palazzo Vecchio in Florenz verewigt? Man kann in der Tat das vatikanische 
Relief fast mit denselben Worten beschreiben, deren sich Vasari selbst zur Erklärung 
seines Fresko in der Sala di Cosimo im Palazzo Vecchio bedient hat 4 ) Hier wie dort 


*) Der Direktor des Museo (Gregoriano-Etrusco im Vatikan, Herr Professor Bartolomeo 
Nogara, welcher z.Z. an einer Neuausgabe des Katalogs des Museo Pio-Clementino arbeitet, hat 
midi durch Erteilung wertvoller Auskünfte und freundlich gewährter Arbeitserleichterungen zu 
größtem Dank verpflichtet. 

*) Massi, Museo Pio-Clementino al Vaticano. Roma 1792. p. 45. Roma 1854. p. 68. Bei 
Plattner und Bunsen, Beschreibung der Stadt Rom II, 2 p. 183 n 60 wird das Relief wie folgt 
aufgefflhrt: Cosmus I., der aus Pisa die Laster vertreibt, aus der Schule des Michelangelo (Cava¬ 
ceppi Raccolta). Cavaceppi, der Freund Windcelmanns, besaß das Relief tatsächlich schon im 
Jahre 1772 und hat es im dritten Bande seiner Raccolta d’antiche statue Tav. 60 als ein Werk 
Michelangelos in einem großen Stich reproduziert. Leider fehlt über die Herkunft des Reliefs 
jegliche Angabe. Maße: Höhe des Reliefs 73 cm, Länge 1 m 6 cm. 

*) Vgl. Paolo Tronci, Annali Pisani 2 ed. Pisa 1871. Tom. II p. 292 und Aldo Mannucci, 
Vita di Cosimo de’ Medici, primo granduca di Toscana. Bologna 1586. p. 83, 84 u. 178. 

4 ) ed Milanesi VIII p. 192: in questo primo angolo, dove e quella femmina ginocchionl, 
l'ho finta per Pisa dinanzi al duca, di fattezze belle, ed . . .. a basso ha lo scudo dentrovi la 
croce bianca ln campo rosso che i insegna pisana ed in mano ha un como di dovizia, che Sua 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


ist das doppelte Verdienst des Herzogs um Pisa verherrlicht worden: die Verbesserung 
der sanitären Verhältnisse der fieberverpesteten Stadt und die von schönstem Erfolge 
gekrönte Neugründung der Universität Nur ist die Sprache des Meißels in dem figuren¬ 
reichen Relief weit deutlicher und eindringlicher als die des Pinsels in jener langen 
Reihe gemalter Ruhmestaten. 

Genau in der Mitte des Reliefs steht Cosimo, die erhobene Rechte mit dem 
Herrsdierstab befehlend und schützend zugleich über Pisa ausstreckend, ein schönes 
junges Weib in antiker Gewandung. Pisa ist im Begriff, vor ihrem Beschützer in die 
Knie zu sinken, aber Cosimos Linke hält sie aufrecht Getötete Schlangen liegen zu 
ihren Füßen, und ihre Linke stützt sie auf den Schild, dessen äußere Fläche mit dem 
Kreuz, ihrem Wappenemblem, verziert ist. 

Eine wild sich drängende Horde wüster Gesellen flieht rechts vor dem erhobenen 
Stab des Herrschers von dannen, und über ihnen schwebt schreiend ein altes Weib 
mit hängenden Brüsten durch die Lüfte. Das sind die Personifikationen der Seuchen 
und Krankheiten und die Allegorie der Fieberlüfte, welche Cosimos Machtgebot aus 
Pisa vertrieben hatte. 

Zu dieser heftig bewegten Gruppe rechts bildet die monumentale Ruhe der Ge¬ 
stalten links den wirkungsvollsten Gegensatz. Über dem gelassen hingelagerten Flußgott 
des Arno und seinem Begleiter, dem Löwen, erscheinen in feierlichem Ernst die jungen 
und alten Vertreter geistiger Kultur und materiellen Wohlstandes. Ein lächelnder Spiri- 
tello schwebt über ihnen durch die Lüfte, eine Krone emporhaltend, um sie dem Herzog 
als Preis für seine Taten auf die Stirn zu drücken. Die herrliche Karyatidengestalt im 
Vordergründe, die ein schwerlastendes Gefäß mit einem Anstand auf dem Kopfe trägt, 
als wäre es ein königlicher Schmuck, und der Jüngling, welcher keuchend eine riesige 
Vase auf den Schultern herbeischleppt, geben sich ohne weiteres als Allegorien des 
Reichtums zu erkennen. Die beiden Alten aber mit den langen Bärten sind hier genau 
so, wie es im Fresko Vasaris geschehen, durch den Diskus mit dem Zodiakus und das 
riesige Buch als Vertreter der Wissenschaften charakterisiert, welche in Pisa gelehrt 
werden sollten. Und wie bei Vasari endlich ein Triton mit seinem Muschelhorn 
Cosimos Verdienste um Pisa als Hafenstadt verkündigen mußte, so finden wir hier 
denselben Gedanken durch ein Schiff angedeutet, welches am fernen Horizont, hinter 
einem Felsen hervorkommend, auf den Meeresfluten sichtbar wird. 

Neben diesen ideal gefaßten Allegorien materieller Lebensgüter, neben diesen 
als Porträts charakterisierten Vertretern der Wissenschaft durften aber auch die Re¬ 
präsentanten jener Künste nicht fehlen, ohne deren Pflege ein italienisches Staatswesen 
im Cinquecento schlechterdings nicht zu denken war. Zwar hatte Michelangelo gerade 
in Pisa niemals gearbeitet, aber er verkörperte doch damals als Maler, Bildhauer und 


Eccellenza gne ne fiorisce, per avere acconcio e secco le paludi di quella cittö, le quali cagio- 
navano aria pestifera, ed insiememente piglia le leggi dal duca e con l’altra mano abbracda un 
vecdiio con l’ale in capo, finto per lo Studio di quella cittä, ed ha il zodiaco attraverso al torso, 
tiene iibri in mano, e detro vi e un tritone, die suona una cemba marina, finto per le cose del 
mare, e cosi mostra gratitudine a Sua Eccellenza. 


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Vatican. Museo Pio-Clementino 














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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Architekt in einer Person den denkbar höchsten Begriff aller „Virtü“, des glänzendsten 
künstlerischen Vermögens, welches die Renaissance überhaupt hervorgebracht hatte. 
Und so erscheint sein wohlbekannter Kopf über dem Alten mit dem Diskus, schon 
durch die entstellte Nase so scharf charakterisiert, daß wir Massis schon vor mehr als 
hundert Jahren gegebene Identifikation ohne weiteres annehmen können. 

Jeder Glaubwürdigkeit dagegen entbehrt eine andere, zuerst von Cavaceppi 1 ) auf- 
gestellte und dann von Massi wiederholte Behauptung, nach welcher dem Meißel Buonar- 
rotis auch die Ausführung dieses Marmorreliefs zuzuschreiben sei. Wird diese Annahme 
doch schon ohne weiteres durch den Umstand widerlegt, daß der Urheber dieses Meister¬ 
werkes, einem alten Künstlerbrauche folgend, sich selbst auf dem Relief verewigt hat 
Man sieht seinen scharfgezeichneten Kopf mit den feinen, nachdenklichen Zügen links 
in der äußersten Ecke über dem lachenden Knaben. In der erhobenen Linken hält er 
die Modellfigur eines sitzenden bärtigen Mannes, auf solche Weise seine Kunst und 
zugleich sich selbst als den Künstler bezeichnend, welcher das Relief geschaffen hat 
Der volle Bart, die hohe Stirn, die stark vorspringende, leicht gebogene Nase, der 
etwas leidende Zug um den Mund charakterisieren diesen klugen Künstlerkopf nicht 
weniger scharf als die Porträtdarstellung Michelangelos. 

Wer ist dieser Mann, dem Cosimo de’ Medici seine Verherrlichung aufgetragen 
hatte? Wird er nicht eben jenem glänzenden Künstlerkreise angehören, der sich schnell 
um den glücklichen Erben des ermordeten Alessandro geschart hatte? Muß dieses 
Bildnis nicht in Vasaris bekanntem Fresko im Palazzo Vecchio wiederkehren, in dem 
die Maler, Bildhauer und Architekten von Florenz, ihrem Beschützer Cosimo huldigend, 
ihre Zeichnungen und Modelle zeigen? Die Beschreibung, welche wiederum Vasari 
selbst von seinem Fresko gegeben hat, 3 ) ist nicht besonders übersichtlich, aber immer¬ 
hin werden wir aus inneren und äußeren Gründen in den beiden Männern im Vorder¬ 
gründe des Rundgemäldes nur Vasari selbst und seinen Freund, den Bildhauer und 
Architekten Bartolomeo Ammanati, erkennen können. Vasaris wohlbekannte Züge 
erkennen wir in dem Mann, der, sich zum Beschauer wendend, die Zeichnung eines 
Grundrisses emporhält, Ammanati aber ist der etwas ältere Mann mit dem breit¬ 
krempigen Hut. Und dieses selbe Porträt erkennen wir wieder in eben jenem Selbst- 
porträt eines Bildhauers im vatikanischen Relief. Ja, wie Vasari seinem Freunde in 
dem Freskogemälde des Palazzo Vecchio einen Ehrenplatz eingeräumt hat, so scheint 
Ammanati diesen Dienst im vatikanischen Relief vergolten zu haben. Vielleicht dürfen 
wir Vasaris Züge in dem bärtigen Manne erkennen, welcher in der Rechten den 
Diskus hält. 

Immerhin bleibt die Kunst, in Gemälden und Skulpturen der Renaissance Por¬ 
träts zu identifizieren, eine wenig dankbare, weil die Resultate selten völlig sichere 
sein können. Und gerade Vasaris Fresko, in welchem alle Künstler Cosimos ziemlich 


’) Die lakonische Beschreibung des Stiches bei Cavaceppi lautet: Bassorilievo bellissimo 
di Michelangelo Buonarroti rappresentante Cosimo primo, che introduce le belle arti nella Tos¬ 
cana, e ne scaccia i vizi, lungo p.mi 5, alto p.”i 3 onc 4 presso di me. 

*) Ed. Milanesi VIII, 192. 


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Steinmann. Zur Ikonographie Michelangelos 


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gleichaltrig dargestellt sind und ausnahmslos lange Vollbärte tragen, muß bei der wenig 
ausgeprägten Porträtkunst des späten Cinquecento zur größten Vorsicht mahnen. 1 ) 

Die Entstehungszeit des Reliefs wird in die fünfziger oder sechziger Jahre des 
16. Jahrhunderts zu setzen sein. Denn Cosimo de' Medici (+ 1574) hatte ja erst im 
Jahre 1547 mit der langwierigen Arbeit der Austrocknung der Sümpfe um Pisa be¬ 
gonnen, und seine Sorge für den Ausbau des Hafens fällt in eine noch spätere Zeit. 
In den Jahren 1550—55 arbeitete Ammanati meist mit Vasari zusammen in Rom, erst 
in der Capella del Monte in S. Pietro in Montorio, dann in der Villa di Papa Giulio. 
Vasari war es auch, welcher seinen Freund und Landsmann gegen Bandinellis Intriguen 
in Schutz nahm und ihn in Florenz dem Herzog Cosimo vorstellte, in dessen Dienst 
er dann fast zwanzig Jahre lang als Architekt und Bildhauer tätig gewesen ist Die 
glänzenden Aufträge Cosimos, der Carteggio zwischen Fürst und Künstler, der noch 
zum Teil erhalten ist, bezeugen das unbegrenzte Vertrauen, welches Cosimo I. in 
Ammanati setzte, den Vasari nicht mit Unrecht als „protomastro del granduca di Tos¬ 
cana“ bezeichnen konnte. 2 ) 

Aber nicht nur immerhin allgemeine Porträtähnlichkeiten, nicht nur die zutreffenden 
Bestimmungen von Ort und Zeit, nicht nur Ammanatis persönliches Verhältnis zu Cosimo I. 
berechtigen zu der Annahme, daß er es gewesen, den sich der Herzog zur Ausführung 
dieses Huldigungsreliefs erkoren hat Auch die schließlich allein entscheidende Frage, 
ob Ammanatis Stil und seine sonst bekannten Leistungen als Bildhauer uns ein An¬ 
recht geben, ihn mit jenem Unbekannten des Museo Pio-Clementino zu identifizieren, 
läßt sich zu seinen Gunsten beantworten. 

Wenn ein so erfahrener Kenner und Sammler wie Cavaceppi seinen köstlichen 
Besitz als ein Originalwerk Michelangelos in die Kunstgeschichte einzuführen wagte, 
so konnte das nicht ohne einen Schein von Berechtigung geschehen. Das Relief spricht 
in der Tat zu uns in der Formensprache Michelangelos, und wie ein Tribut der Dank¬ 
barkeit des Schülers gegen den Meister erscheint hier das Porträt des großen Floren¬ 
tiners. Nun ist aber Ammanati von Jugend an ein besonders eifriger Verehrer 
Buonarrotis gewesen. Ja, er erregte des Meisters berechtigten Zorn, als er gemeinsam 
mit anderen Kunstjüngern aus seinem Atelier unschätzbare Zeichnungen entwendete. 
Ursprünglich Schüler Bandinellis, dann weiter unter Jacopo Sansovino in Venedig ge¬ 
bildet, gab Ammanati den Lockungen Michelangelos seine ganze Vergangenheit preis, 
nachdem er Gelegenheit gefunden, die Skulpturen der Sakristei von San Lorenzo zu 
zeichnen und nachzubilden. In Rom knüpfte sich dann durch Vasaris Vermittlung ein 


') In S. Giovannino degli Scolopi in Florenz wurde Ammanati auch von Alessandro Allori 
als h. Bartholomäus gemalt. An das Modell, welches Ammanati auf dem vatikanischen Relief im 
Arme trägt, läßt sich die Vermutung knüpfen, daß es ein Modell vorstellt, welches Michelangelo 
lange schon Ammanati versprochen hatte und am 14. Januar 1560 endlich wohlverpadct in einer 
Schachtel durch den Mulattiere Marcö da Luca an ihn absandte. Vgl. Milanesi, Lettere p. 349 
n. CCCXVIII. Würde diese Vermutung zutreffen, so wäre also das vatikanische Relief erst 
nach 1560 in Florenz entstanden. 

*) Ed. Milanesi VII, 510. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


persönliches Verhältnis zwischen beiden Künstlern an, das Ämmanati bis zum Tode 
Michelangelos mit großer Treue gepflegt hat 1 ) 

Man muß Ammanatis Hauptwerk in Rom, die Skulpturen der Capella del Monte 
in S. Pietro in Montorio studieren, um den verhängnisvollen Einfluß Michelangelos auf 
seinen Freund und Landsmann ganz zu ermessen. Schon Bottari war von der meister¬ 
haften Technik dieser Skulpturen entzückt und schrieb, sie schienen aus Wachs und 
nicht aus Marmor hergestellt 2 ) Und selbst Burckhardt, der die Schöpfungen der späten 
Renaissance nichts weniger als wohlwollend beurteilt hat gibt zu, daß hier zwischen 
der manierierten Nachahmung Michelangelos doch einige schönere Züge durchschimmern. 3 ) 
Das Hauptstück unter den Skulpturen in S. Pietro in Montorio aber ist zweifelsohne die 
liegende Statue des Cardinais mit der vielsagenden Geste der auf dem erhobenen Knie 
ruhenden Rechten, die Ämmanati einfach dem Ledabilde Michelangelos entlehnt hat, 
um sie dann bei der Allegorie von Pisa noch einmal zu verwenden. 

Auch die beiden wundervoll gearbeiteten Flachreliefs an den Kapellenschranken 
— unbekannte Porträts eines bartlosen Mannes und einer älteren Frau — bieten be¬ 
sonders schlagende Übereinstimmungen mit den ebenso flach gearbeiteten Köpfen links 
im Hintergründe des vatikanischen Reliefs. Hier und dort kann man dieselbe subtile 
Technik in der Marmorbearbeitung beobachten, hier und dort begegnen uns so charak¬ 
teristische Einzelheiten wie die Behandlung der kurzen, krausen Haarbüschel, welche 
regelmäßig das Ohr mit der breiten Muschel freilassen. 

Die Freude an höchster technischer Vollkommenheit in der Bearbeitung des 
Marmors erscheint als einer der vornehmsten Charakterzüge in Ammanatis Kunst Das 
erkennt man in S. Pietro in Montorio sowohl wie im Vatikan an der Behandlung des 
Nackten, wo durch die feine Haut das ganze Knochengerüst hindurchzuschimmem 
scheint, an den Händen mit dem herausgebogenen Handgelenk und den feinen beweg¬ 
lichen Fingern und an der zierlichen Faltengebung der Gewänder, durch welche die 
Körperformen sichtbar werden. 4 ) 

* * * 

Ist Ammanatis Michelangelo-Porträt, welches wahrscheinlich in den Jahren zwischen 
1555 und 1564 entstanden ist, eins der spätesten Michelangelo-Bildnisse, die wir kennen, 


') Vgl. Ober Ämmanati: Vasari VI, 574, VII, 227, 521. Borghini, Riposo (Mailänder Aus¬ 
gabe) III p. 164 fl. gibt eine zusammenhängende Darstellung von Ammanatis Leben und Wirken. 
Etwas kürzer faßt sich Baglione (Le vite de’ plttori, scultori, architetti etc. Napoli 1733. p. 26); 
am ausführlichsten ist Baldinucci (Mailänder Ausgabe) VII, 399. Wenig befriedigen die Aus¬ 
führungen von Marcel Regmond, Sculpture Florentine IV, 157. Florence 1900. Ober die Arbeiten 
Ammanatis in Pisa vgl. Morrona, Pisa illustrata. Livorno 1812. I, 211 und II, 314. Zahlreiche 
Briefe Ammanatis an Cosimo de’ Medici hat Gaye im III. Bande des Carteggio publiziert Vgl. 
auch Guhl, Künstlerbriefe I, 307 fl und Bottari, Lettere pittoridie III, 529 u. V, 39. 

*) Ausgabe Vasaris. Rom 1760. p. 273. 

3 ) Achte Auflage II, 550. 

4 ) Die Möglichkeit einer erschöpfenden Stilkritik der plastischen Arbeiten Ammanatis ist 
heute noch nicht gegeben, da von seinen Werken in Pisa, Florenz, Padua und Neapel gute Auf¬ 
nahmen fast vollständig fehlen. 


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Abb. 2. JACOPO DEL CONTE: Die Verkündigung des Zacharias (Links ln der Edce das 

Rom, Oratorium von S. Giovanni Decollato □ Porträt Michelangelos) 

so ist das des Jacopo del Conte vielleicht das früheste. Schon Vasari weiß zu be¬ 
richten, daß Buonarroti von Jacopo gemalt wurde, aber seine Angabe wurde auf ein 
Tafelbild bezogen, das bis heute noch nicht mit Sicherheit bestimmt werden konnte. 
Nun hat aber dieser Künstler seinen großen Landsmann jedenfalls auf einem Freskobilde 
in Rom dargestellt, das bis jetzt ebenso wie das vatikanische Relief vollständig unbe¬ 
kannt geblieben ist Über Jacopo del Conte, den berühmtesten Porträtmaler am Hofe 
Pauls III. und seiner Nachfolger, hat Baglione weit ausführlicher gehandelt als Vasari. 4 ) 
Er weiß zu berichten, daß der Künstler unter Paul III., „ padre di magnificenza“, zuerst 
den römischen Boden betrat „Dort malte er“, so schreibt er dann weiter, „noch in 
jungen Jahren im Oratorium der Florentiner von S. Giovanni Decollato die Geschichte 
des Engels, der dem Zacharias die Geburt des Täufers verkündigt, ein Fresko, das 
mit höchster Sorgfalt ausgeführt worden ist“ 


*) A. a. 0. Napoli 1733 p. 71. VgL Vasari VII, 16; VII, 31 VII, 576. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Die Berechtigung solchen Lobes läßt sich an dem arg beschädigten Gemälde des 
ziemlich verwahrlosten Oratoriums heute kaum noch nadiweisen. [Abb. 2.) Wohl aber darf 
es noch für das merkwürdig gut erhaltene Porträt Michelangelos gelten, welches wir ganz 
links in der Edte unter einigen Idealgestalten entdecken. 1 ) Wie es auch sonst ge¬ 
schehen, hat der Maler die zertrümmerte Nase Michelangelos in der geschickt gewähl¬ 
ten en face-Änsicht ein wenig idealisiert Aber wer wollte hier die charaktervollen 
Züge Buonarrotis verkennen? Nur der Kopf und ein kleines Stückchen violetten Ge¬ 
wandes werden sichtbar. Nachdenklich mit jenem festen Blick unerschütterlichen Ernstes, 
der ihm eigen gewesen sein muß, blickt Michelangelo den Beschauer an. Bart und 
Haar sind leicht ergraut und feine Runzeln bedecken die Stirn. Michelangelo wird 
etwa sechzig Jahre alt gewesen sein, als dies Porträt gemalt wurde. Denn Baglione 
berichtet ausdrücklich, daß dies Fresko das erste war, welches del Conte in San 
Giovanni malte. Seine beiden späteren Gemälde hier tragen die Jahresbezeich¬ 
nungen 1538 und 1541. Wenn nun der Künstler unter Paul III. zuerst nach Rom 
kam und, wie Vasari glauben macht, zwischen der Entstehung des ersten und der 
beiden späteren Fresken eine längere Pause lag, so dürfen wir annehmen, daß Michel¬ 
angelos Porträt in S. Giovanni Decollato sehr bald nach des Meisters Rückkehr nach 
Rom in den Jahren 1535 oder 1536 gemalt worden ist. 

Mit dem Künstler glaubte del Conte auch seine Werke verherrlichen zu müssen. 
So stellte er in der Nische eines Rundbaus, der im Hintergründe sichtbar wird, die 
schöne Statue des David auf, welche heute im Bargello bewahrt wird. 

Francesco Salviati, Battista Franco und Pirro Ligorio, welche mit Jacopo del 
Conte in San Giovanni gemalt haben, brachten zahreiche Porträts aus der großen 
Florentiner Kolonie in Rom in diesen Fresken an. Aber Michelangelo, der berühmteste 
unter den Florentinern in Rom, ist auch der erste gewesen, der hier porträtiert wurde. 
Denn Jacopo del Conte hat die Freskenreihe hier gleich rechts neben dem Hochaltar 
begonnen und Michelangelo den Ehrenplatz gleich neben der Altarwand eingeräumt 

Ein festes persönliches Band hat überdies den großen Buonarroti fünfzig Jahre lang 
mit der Brüderschaft von San Giovanni Decollato verbunden, die ebenso wie die berühmte 
Florentiner Gemeinschaft den Namen der Misericordia führte, weil es den Brüdern ob¬ 
lag, Verbrechern vor ihrer Hinrichtung Trost zu spenden. Ober Michelangelos Tod und 
Begräbnis in Rom besitzen wir folgende Notiz 3 ): „Sonnabend, den 19. Februar 1564, 
starb Michelangelo Buonarroti. Er hatte seit dem Jahre 1514 der Bruderschaft von 
S. Giovanni Decollato angehört, und so wurden die Brüder herbeigerufen, seinen Leich¬ 
nam zu begleiten. Mit großen Ehren wurde er in der ersten Stunde der Nacht in die 
Kirche von SS. Apostoli getragen.“ 


*) Eine bessere Publikation dieses Porträts, als sie hier gegeben werden konnte, muß ich 
mir für später Vorbehalten. Die Reproduktion des ganzen Fresko, wie es hier gegeben ist, 
wurde mir von Herrn Ingenieur Gargiolli aufs freundlichste gestattet. Ober eine Porträtdarstellung 
Michelangelos von Alessandro Allori in der Kapelle Montäguti in der Annunziata in Florenz 
vgl. Vasari ed Milanesi VII, 607 Anm. 7. 

*) Publiziert u. a. von Th. Schreiber in der Festgabe für Anton Springer. Leipzig 1885 p. 109. 


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Äbb. 3. Michelangelo Buonarroti □ 

Sammlung Chaix d’Est-Ange in Paris 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


So hat Jacopo del Conte in diesem Römischen Oratorium der Misericordia 
von Florenz nicht nur dem größten Florentiner in Rom, sondern auch dem Bruder 
von San Giovanni Decollato ein Denkmal gesetzt Und dies Porträt, welches del Conte 
mit so viel Sorgfalt und so viel Takt gemalt hat, in dem er aus den ehrwürdigen Zügen 
Buonarrotis die Spuren der Freveltat Torriggianis verdrängte, hat vielleicht den Anlaß 
gegeben, daß der Meister seinem jungen Landsmanne auch zu jenem Gemälde saß, 
von welchem Vasari zu berichten weiß. Oder sollte gar Vasaris ganz allgemeine 
Angabe nur auf der Tatsache beruhen, daß Michelangelo von del Conte in S. Giovanni 
Decollato porträtiert worden ist? Bekanntlich haßte Buonarroti es ja, Bildnisse zu 
malen und selbst porträtiert zu werden. Nur seinen vertrautesten Freunden gelang es, 
ihn für Sitzungen zu gewinnen. So entstanden Bugiardinis Gemälde, Leone Leonis 
Medaille und Wachsmodell und endlich die in zahlreichen Nachbildungen bekannte 
Büste des Daniello da Volterra. 

* * * 

Besonders günstigen Umständen verdanke ich die Möglichkeit, im Anhänge 
dieser Studie noch zwei Olporträts Michelangelos veröffentlichen zu können, die in 
zwei glänzenden Privatversammlungen in Paris und London bewahrt werden. In der 
Juli-Nummer 1907 der Zeitschrift „Les Arts“ publizierte Baron Joseph du Teil zum 
erstenmal die Schätze der Sammlung Chaix d’Est-Ange in Paris. Ein unediertes Por¬ 
trät Michelangelos durfte auf die allgemeinste Aufmerksamkeit Anspruch erheben, und 
so erbat und erhielt ich die Erlaubnis, das merkwürdige Bildnis auch in einer deutschen 
Kunstzeitschrift publizieren zu dürfen. [Abb. 3.] Da ich noch keine Gelegenheit fand, das 
Original dieses Porträts in Paris zu sehen, so muß ich mich im wesentlichen darauf 
beschränken, in Kürze die Angaben zu wiederholen, die mir Baron du Teil mit größter 
Liebenswürdigkeit über die Herkunft des Gemäldes gemacht hat. Er hat dieselben 
größtenteils schon selbst in der genannten Nummer von „Les Arts“ publiziert. Das 
Gemälde wurde von dem Baron Alquier i. J. 1801 in Florenz erworben und gelangte 
nach seinem Tode im Dezember 1836 in die Sammlung Chaix d’Est-Ange. Schon 
i. J. 1823 hatte Wicar dies Gemälde für das schönste ihm bekannte Porträt Michel¬ 
angelos erklärt, und nicht weniger enthusiastisch lautete das Urteil Ingres’ über das¬ 
selbe: „Portrait chef-d’oeuvre, en effet parti de la main de ce colosse de genie! portrait 
vivant de ses moeurs, histoire tout entiere de l'art!“ Das Porträt wurde, wie Baron du 
Teil ermittelt hat, zweimal gestochen, i. J. 1812 von J. G. Potrelle, i. J. 1846 von Alphonse 
Francois. 

Sehr merkwürdig sind die Pentimenti, welche man auch auf der Photographie 
auf dem unausgeführten Teil des Gemäldes entdecken kann. Dort wo man den rechten 
Arm Michelangelos sucht, auf der linken Seite des Gemäldes, erkennt man deutlich die 
Beine eines Knaben und die Hände, welche ihn halten. Der Kopf eines bärtigen 
Heiligen rechts neben dem Kopf Michelangelos ist, wie mir Baron du Teil versicherte, 
deutlich im Profil zu erkennen, aber in der Reproduktion nicht sichtbar. Das Porträt 
Michelangelos ist also auf eine Holzplatte gemalt, die ursprünglich für ein Madonnen¬ 
bild bestimmt war. 


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Steinmann. Zur Ikonographie Michelangelos 


51 



Abb. 4. Portrait Michelangelos, dem Salviati zugeschrieben 
London, Sammlung Dr. Ludwig Mond □ 


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52 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Schon Milanesi hat — was Baron du Teil entgangen ist — in seiner Vasari-Aus- 
gabe das Porträt der Pariser Sammlung erwähnt und, allerdings auf fremdes Urteil 
sich stützend, außerordentlich hoch eingeschätzt. 1 ) Milanesi glaubt das Gemälde mit 
Bestimmtheit dem Salviati zuschreiben zu können, den er auch als Autor für die 
Madonnenskizze in Auspruch nimmt, auf welcher das Porträt gemalt worden ist 

Jedenfalls gibt sich das Porträt der Sammlung Chaix d’Est-Ange als Prototypus 
der meisten Olporträts Buonarrotis zu erkennen, die wir besitzen. Am stärksten ist 
von ihm das sogenannte Selbstporträt in den Uffizien beeinflußt worden und ein 
weniger bekanntes Bildnis beim Earl of Wemgss, welches Sgmonds veröffentlicht hat.*) 
Aber auch die Bildnisse in der Pinakothek des Capitols, in der Galleria Buonarroti und 
in der Villa del Gallo erscheinen in starker Abhängigkeit von dem Pariser Gemälde, 
das, obwohl unvollendet, ihnen allen durch die schlichte unverfälschte Charakterzeichnung 
überlegen ist. 

* * * 

Gleichfalls dem Salviati schreibt J. P. Richter ein noch unveröffentlichtes Porträt 
Michelangelos in der Sammlung von Dr. Ludwig Mond in London zu. Dank der 
Güte des Besitzers kann ich auch dies Gemälde in dieser ikonographischen Studie 
reproduzieren (Abb. 4). Das Bild ist auf einer schmalen Leinwand gemalt, die durch 
gemalte Pilaster in fünf Flächen geteilt ist In der Mitte erscheint Michelangelo 
zwischen Giotto und Donatello zur Linken und Raffael und Brunellesco zur Rechten. 
Ober die Bedeutung und Herkunft dieses merkwürdigen Gemäldes wird J. P. Richter in 
dem demnächst erscheinenden Katalog der Mond-Gallerie genaueres berichten. 


*) Ä. a. O. VII, 331. 

*) The sonnets of Michael flngelo Buonarroti sec. ed. London 1904. 



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Raffael und Manet 

Von Gustav Pauli 

Raffael und Manet in einem Atem zu nennen, klingt absurd, etwa so, wie wenn 
man Petrarca und Gerhard Hauptmann zusammentun wollte. Sie sind sich so fremd, 

daß man sie nicht einmal in eine Antithese bringen kann. Zwischen den schärfsten 

Gegensätzen besteht doch immer noch eine gewisse Beziehung — und sei es nur die, 
daß sie einander widersprechen. Zwischen Raffael und Manet gibt es keine Wider¬ 
sprüche. Sie stehen einander so fern, wie Gestirne, die durch Millionen Meilen des 
dunkeln Weltenraumes getrennt sind. Aber ebenso wie ein Lichtstrahl fernster Sterne 
zu uns gelangt, mag es auch wohl geschehen, daß ein Formgedanke, der vor Tausen¬ 
den von Jahren in einem Menschenhirne aufblitzte, in unserer Zeit wieder neue Gestalt 
gewinnt Und das ist hier der Fall. Wenn Raffael an einem Gemälde Manets mit- 
gearbeitet hat, so war seine Rolle nur die des Vermittlers, der dem Spätergeborenen 
einen antiken Gedanken, einen römischen, vielleicht einen griechischen, zutrug. 

Daß Manets Dejeuner sur l'herbe eines seiner größten Meisterwerke ist, unter¬ 
liegt keinem Zweifel. Die Feinheit und Kraft der Malerei läßt sich genießen, nach- 
fühlen, aber nicht kritisieren. Die Komposition als solche zu beachten, ist zwar nicht 

mehr Mode, wenn man aber das Bild auch in dieser Hinsicht würdigen will, wird 

man gewiß finden, daß sie ganz besonders angenehm gerundet sei. Wie sich die drei 
Hauptfiguren in einem elliptischen Umriß zusammenfügen, wobei die Lücke in der 
Mitte durch den weiblichen Akt in der Ferne ausgefüllt wird, wie das sitzende Mädchen 
den Ellenbogen auf das Knie stützt, das möchte man beinah klassisch nennen. Es ist 
jedenfalls ohne Beispiel in Manets übrigen Bildern. Er komponiert sonst — ich will 
nicht sagen schlechter, aber zum mindesten anders. 1 ) Kein Wunder! Denn diese Kom¬ 
position ist in der Tat klassischen Ursprungs und geht geradeswegs auf eine Zeichnung 
Raffaels zurück, die Marc Anton gestochen hat — und hinterdrein Marco Dente noch 
ein zweites Mal. Schon diese wiederholte Bearbeitung zeugt für den Beifall, den der 
Entwurf gleich zu seiner Zeit gefunden haben muß. 

Es handelt sich um den berühmten Stich des Parisurteils (M. Anton B. 245, 246). 
Deutsche Gelehrte, Otto Jahn und Anton Springer, haben es uns längst mitgeteilt, daß 
die Raffaelische Zeichnung, die dem Stich zugrunde liegt, eine der späteren Arbeiten des 
Meisters, aus den Motiven zweier antiken Sarkophagreliefs zusammengesetzt sei, die 
sich noch heute in Rom befinden. Beide stellen das Parisurteil dar, und zwar steht 
das eine Relief, dem die meisten Figuren auf der linken Hälfte der Raffaelischen Kom¬ 
position entnommmen sind, in der Villa Pamfili, das andere, das der rechten Hälfte der 


*) In dem Mnstlerlexikon von H. W. Singer finde idi unter Manets Verdiensten auch .die 
Befreiung vom Kompositionszwang* auf gezählt. 


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MANET: Le Dejeuner sur l’herbe □ Paris, Slg. Moreau-N&aton 


RAFFAEL: Drei Flußgottheiten □ Ausschnitt aus dem Kupferstiche Marc Antons B.24& 


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Pauli. Raffael und Manet 


55 


Zeichnung zum Vorbild gedient hat, in der Villa Medici. 1 ) Auf dieser rechten Hälfte 
sehen wir oben in den Lüften Apoll mit seinem Sonnenwagen, die Dioskuren, Jupiter 
und Diana dargestellt, unten aber am schilfbewachsenen Ufer eines Gewässers zwei 
Flußgötter und eine Nymphe. Sie sitzen beieinander, nackt und schön und haben 
sidi nichts zu sagen. 

Eben diese Gruppe hat es Manet angetan. Er nahm die beiden Götter, zog 
ihnen Rödce und Hosen an, versah sie mit Taschenuhren, setzte dem einen ein Barett 
auf den Kopf und gab ihm statt des Schilfstengels einen Spazierstodc in die Hand. 
Nur das Mädchen ließ er nackt, weil es ihm so wohlgefiel. Das heißt, um es ganz 
genau zu sagen, er nahm drei Pariser Modelle und ließ sie in den von Raffael vor- 
gezeichneten Stellungen posieren; wobei es sich dann ergab, daß man bei etwas ver¬ 
änderter Haltung bequemer sitze. 

Qu’est-ce que cela prouve? wird mich vielleicht nach berühmtem Muster ein 
Künstler fragen. Je nun, es beweist nichts Neues, jedenfalls nichts gegen Manet. Um 
alles in der Welt möchte ich nicht zu den Sykophanten gerechnet werden, die in der 
Kunst und Literatur nach Plagiaten schnüffeln. Was mit Recht so bezeichnet wird, 
ist ein kümmerlicher Mundraub am geistigen Eigentum, der von den Geschädigten ver¬ 
folgt werden mag, im übrigen aber nicht der Rede wert ist. Von Raffael zu Manet 
gibt es indessen kein Plagiat, so wenig wie bei den Renaissancearchitekten, die in 
ihren Kirchenbauten antike Tempelfassaden und Kuppelräume bearbeiteten, so wenig 
Plagiat wie bei Shakespeare, der aus den Stoffen italienischer Novellen Dramen schuf. 
Wenn ein Großer wie Manet sich überlieferter Formen bedient, so schafft er sie zu 
seinem Eigentum, indem er sie neu gestaltet und bereichert. Er ist dann viel mehr 
ein Gebender als ein Nehmender. Das Kunstwerk, das Manet in seinem Dejeuner 
geschaffen hat, ist mehr wert als Raffaels Zeichnung und als die antiken Reliefs, die 
ihm als Vorlage gedient haben. — 


') E. Braun. Annali dell’ Instituto Roma 1839. S. 215ff. 

O. Jahn. Berichte der kgl. sächs. Gesellsch. d. Wissenschaften 1, 1849. S. 55ff. 

A. Springer. Raffael und Michelangelo. 2. Aufl. II. S. 122. 

H. Thode. Die Antiken in d. Stichen Marc Antons, Leipzig 1881. S. 24. 

Selbstverständlich hat Raffael das antike Vorbild mit aller Freiheit auf seine Art um¬ 
gestaltet. Insonderheit hat er der Gruppe der FluBgötter nur die allgemeinste Anregung ent¬ 
nommen. In ihrer Fassung auf den Stichen Marc Antons und Marco Dentes ist sie durchaus 
raffaelisch. Die Nymphe und der FluBgott sind neu erfunden. Merkwürdigerweise sind diese 
beiden Figuren dann wieder für die Ergänzung eines Reliefs mit dem Parisurteil in der Villa 
Ludovisi benutzt. (Die Nymphe im Gegensinne.) Vgl. Jahn a. a. 0. Taf. IV, 2. 



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Studien und Forschungen 



KANN EIN HOLZSCHNITT HANS 
BALDUNGS ZUR TEILWEISEN 
DATIERUNG VON GRONEWADS 
ISENHEIMER ALTAR DIENEN? □ 

Da auf den Grünewaldsdien Tafeln des 
Isenheimer Altares kein anderes Wappen an¬ 
gebracht ist als das des 1516 gestorbenen Prä¬ 
zeptors Guido Guersi, so nimmt man an, daß 
das Altarwerk vor 1516 entstanden sein muß 
und die auf dem Salbgefäß der Kreuzigung er¬ 
sichtliche Jahreszahl 1515 gilt als Vollendungs¬ 
termin des Werkes. 1 ) Bei dem Mangel an 


*) Vergl. H. A. Schmid, Mathias Grünewald, im Fest¬ 
buch zur Eröffnung des Historischen Museums, Basel 1894. 


Nachrichten über die Dauer der eigent¬ 
lichen Arbeit Grünewalds sollte jeder An¬ 
halt ausgenützt werden, denn für die Ent¬ 
wicklungsgeschichte der oberrheinischen 
Malerei scheint mir in dem zweiten Jahr¬ 
zehnt des XVI. Jahrhunderts jedes Jahr 
von Wert und vor allem darf die Frage 
interessieren, in welchem Jahr können die 
am Oberrhein tätigen Maler zum ersten¬ 
mal vor einem hier vollendeten Bild Grüne¬ 
walds gestanden haben. Ich glaube da¬ 
für spätestens den Beginn des Jahres 1511 
in Vorschlag bringen zu können. 

Bei Hans Otmar in Augsburg kam 
1510 die erste Ausgabe des Buches Granat¬ 
apfel „meerers tails gepredigt durch den 
hochgeleerten doctor Johanem Gayler von 
Kaysersperg“ mit sechs Illustrationen her¬ 
aus, deren vier das Monogramm H. B. 
tragen und' als Werke Hans Burgkmairs 
gelten. Diese Illustrationen sind für die 
zweite Ausgabe desselben Buches, die 
Johann Knoblauch in Straßburg auf Frei¬ 
tag 2 ) nach Gregorij 1511 erscheinen ließ, 
alle von Hans Baidung mit recht genauer 
Anlehnung umgezeichnet worden, man 
kann ruhig sagen kopiert worden, mit 
Ausnahme des fünften Holzschnittes, der 
die sieben Hauptsünden unter der Gestalt 
von sieben Tierungeheuern zeigt. 8 ) Bei 
diesem Holzschnitt ist Baidung vollständig 
abgewichen, seine Komposition und die 
Einzelausmalung der Tiere sind der Augs¬ 
burger Ausgabe gegenüber ganz neu, nur 
bei der Bildung eines weniger auffallen¬ 
den Tieres ist er abhängig geblieben. Diese 
an sich auffallende Abweichung wird aber 

*’) Der Gregorientag ist nach H.Grotefend (Zeitrechnung 
des deutschen Mittelalters, 1891. I. Bd., S. 79.) der 
12. Mörz. 

s ) Ausführliche Bibliographie der Schriften Getiers von 
Kaysersberg bei L. Dacheux in: Die ältesten Schriften 
Geilers, 1882, Freiburg i. B. — Das Buch Granatapfel, 
Augsburg 1510 = Dacheux Nr. 44. — Das Buch Granat¬ 
apfel, Straßburg 1511 = Dacheux Nr. 45. — Muther, Die 
Bücherillustration der Gotik und Renaissance, beschreibt 
als Nr. 1594 eine illustrierte Ausgabe des Granatapfels 
bei Grüninger 1510. Diese Angabe hat er, ohne ein Ex¬ 
emplar zu nennen, aus Weigels Kunstkataloge (Nr. 13561) 
— Ludwig Friedrich Vierling, Straßburg 1786, in seinen 
scriptis Germanicis Geiler! kennt keine Grüninger-Aus- 
gabe von 1510, P. Kristeller in seiner Straßburger Bücher¬ 
llustration Nr. 129 hat diese Ausgabe nie gesehen, der 
sorgfältige Geiler Bibliograph Dacheux sagt Seite L1V., 


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Studien und Forschungen 


57 


aus einem be¬ 
sonderen Grund 
interessant, weil 
sich Baidung mit 
seinem Holz¬ 
schnittgleichzei¬ 
tig dem Grflne- 
waldschen Altar¬ 
flügel mit der 
Versuchung des 
Heiligen Anto¬ 
nius nähert und 
zwarinderGrup- 
pierungderTiere 
so sehr wie in 
der Einzelgestal¬ 
tung von einigen 
derselben. Vor¬ 
ausgesetzt, daß 
die Annäherung 
einleuchtend ge¬ 
nug ist,wäre da¬ 
mit erwiesen, 
daß dieser Flügel 
zu Beginn des 
Jahresl511 schon 
in der Durchbil¬ 
dung seiner Ein¬ 
zelheiten fertig 
war. 

Die Übertra¬ 
gung Grflne- 
waldscher Mo¬ 
tive in den Holz¬ 
schnitt des Hans 
Baidung (Abb. 2) ist, wie der Augenschein lehrt, 
nicht durch direktes Nachzeichnen vor dem Ori¬ 
ginal, sondern nur aus der Erinnerung geschehen. 
Baidung muß nach einem Werkstattbesuch bei 
Grünewald von dessen packender Phantasie noch 
so erfüllt gewesen sein, daß er, als der Auftrag zur 
Umzeichnung der Augsburger Illustrationen *) 
an* ihn erging, es sich nicht versagen mochte, 
die Untiere aus der Erinnerung nach Grünewald 
zu geben, anstatt die weniger originellen der 
Augsburger Vorlage zu kopieren. In dem Um¬ 
stand der Abweichung allein dürfte also schon 
ein gut Teil des Beweises liegen. In dem 

daß er von dieser Ausgabe nirgends die geringste Spur 
gefunden habe, mir gelang das auch nicht. Wer Muthers 
Arbeit kennt, wird daraufhin kaum weiter suchen. 

*) Die sechs Illustrationen der Augsburger Ausgabe 
sind: 1. Christus, Lazarus, Martha und Maria, bezeichnet 
H. B. — 2. Pharaos Untergang im roten Meer, H. B. — 
L Elisabeth und spinnende Frauen, ohne Monogramm 
(Abb. 3). — 4. Küche, in welcher ein Koch einen Hasen 
answeidet, H. B. — 5. Die sieben Hauptsünden, H. B. — 
3. Die sieben Schwertscheiden, ohne Monogramm. 


Augsburger 
Holzschnitt (Ab¬ 
bild. 1) gruppie¬ 
ren sich die Tiere 
in der sichtlichen 
Absicht den 
Raum gleich¬ 
mäßig zu füllen 
um ein Haupttier 
in der Mitte, um 
jenes mit dem 
Schwert derHof- 
fart, der Quelle 
aller anderen 
Fehler ; bei Bai¬ 
dung sind sie 
aber, ganz wie 
bei der Ver¬ 
suchung des An¬ 
tonius, rundum 
angeordnet und 
stürzen sich 
wenn man so 
sagen darf, auf 
ein in der Mitte 
fehlendes Ob¬ 
jekt. Diese Lücke 
in der Kompo¬ 
sition verwehrt 
es von Anfang 
an, in Grünewald 
etwa den Ent- 
lehner aus Bai¬ 
dung zu sehen, 
was bei dem un- 
gemeinen Phantasiereichtum des Malers in Isen- 
heim auch sonst nicht ernstlich in Betracht käme. 
Die Frage nach einer dritten gemeinsamen Quelle 
wird wohl auch zu verneinen sein, zu Schon- 
gauers Versuchung des Antonius z. B. haben die 
Grünewalds und die beiden hier abgebildeten 
Holzschnitte keine direkten Beziehungen. 

Es empfiehlt sich noch, auf der einen Seite 
die Abhängigkeit Baidungs von den fünf Augs¬ 
burger Vorlagen, bei dem sechsten Holzschnitt 
aber seine Übereinstimmung mit Grünewald 
etwas näher zu erörtern. Die in den stark ver¬ 
kleinerten Abbildungen 5 und 4 beigegebenen 
Holzschnitte der heiligen Elisabeth mit ihren 
spinnenden Frauen nach der Augsburger (Abb. 5) 
und nach der Straßburger Ausgabe (Abb. 4) 
zeigen, wie ähnlich der Gesamteindruck beider 
ist, so daß das Auge erst genauer hinsehen 
muß, um sich die immerhin nicht unerheblichen 
Änderungen klar zu machen. Wer nicht Ge¬ 
legenheit hat, selbst beide Ausgaben zu ver- 



Abb. 2. Aus dem Granatapfel, Straßburg 1511 
(0,137 br.; 0,171 h.) 


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58 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Abb. 5. Aus dem Granatapfel, Augs¬ 
burg 1510 (0,122 br.; 0,171 h.) 


gleichen, darf mir glauben, daß das Beispiel 
richtig gewählt ist und daß größere Abweich¬ 
ungen als wie sie hier zu erkennen sind, bei 
keinem der anderen Holzschnittpaare Vorkom¬ 
men, bei dem Bild vom „Has’ im Pfeffer“ aber 
und bei den „sieben Scheiden“ jedenfalls nur 
geringere. 

Die Übereinstimmung von Baidungs sieben 
Untieren mit Grflnewalds Versuchungsbild, 1 ) die 
jedenfalls nur aus der Erinnerung stammt, be¬ 
steht wie gesagt in der Anordnung und in dem 
EinstQrmen auf die Mitte, ferner in der Ge¬ 
staltung von drei oder vier Tieren, die, und 
das ist wichtig, auch an den gleichen Plätzen 
auftreten. Da ist in Mitte oben der breitnasige 
hundsköpfige „Zorn“, in halber Höhe rechts die 
„Tragkait“ mit dem fleischigen Maul und halb¬ 
offenem Rachen, in Mitte unten die „Geitikat“ 
als flaches, vierbeiniges Schalentier mit langem 
Hals und links in halber Höhe die „Hochfart“, 
zwar bei Baidung mit einem Vogelkopf ver- 


*) Abbildungen der Versuchung des Heiligen Antonius 
vom Isenheimer Altar bei H. A. Schmidt, die Werke des 
Mathias Grfinewald, Straßburg 1907, ferner in der Grüne¬ 
waldmappe des Kunstwart; klein aber recht gut bei 
J. Fleurent, der Isenheimer Altar, Colmar 1903. 




Abb. 4. Aus dem Granatapfel. Straßburg 1511 
(0,136 br.; 0,172 h.) 


sehen, der mit seiner Federklappe am Ohr an 
den Vogel rechts unten bei Grflnewald erinnern 
kann, aber die Hoffart hat das sehr charakte¬ 
ristische Bewegungsmotiv des bei Grflnewald 
an gleicher Stelle befindlichen Teufels deutlich 
beibehalten, nämlich den Aber die Achsel ge¬ 
drehten Kopf und den steif abgebogenen Ell¬ 
bogen. Der Kopf dieses Teufels wieder und 
seine Schmetterlingsflugel mögen in dem Bal- 
dungschen „Neid“ rechts oben ihre Spuren 
hinterlassen haben. Da wo ihn seine Erinnerung 
verließ, hat Baidung rechts unten die bebrillte 
Unkeuschheit aus Eigenem eingeflickt, für die 
Fresserei aber die Trägheit aus Burgkmair her¬ 
über genommen. 

Sind nun die Ähnlichkeiten zu Grflnewalds 
Bild zwar nur bescheidene, so scheinen sie mir 
bei Geizigkeit und Hoffart und in der allgemeinen 
Anordnung doch sicher zu sein; rechnet man 
das Abweichen von der Augsburger Vorlage 
einzig bei dieser Szene hinzu, so gibt das zu¬ 
sammen doch wohl mehr als bloßen Zufall. 
Dann aber gilt auch die Frage nach der Datierung 
des Altarflflgels als beantwortet. 

Hans Koegler. 

& 


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Studien und Forschungen 


59 


ZU DEN HILANDERAS DES 
VELÄSQUES 

Wer zu öfteren Malen in dem Velasquez- 
saale des Prado geweilt hat, wird die Berner- 
kung gemacht haben, wie geringer Gunst beim 
Publikum sich das Bild der Hilanderas erfreut, 
trotz der zwei Sterne im Bfideker und trotz 
einer Berühmtheit, die der der Meninas nur 
wenig nachsteht. Es ist nicht die Art der Auf¬ 
stellung allein, das gesonderte Kabinett der 
Meninas, das Neugierige und Ruhebedürftige 
in gleicher Weise anzieht, im Gegensatz zu 
der Einreihung in dem großen Saale, die die 
Hilanderas sich gefallen lassen müssen. Auch 
die Übergabe von Breda hfingt hier, und das 
Bild hat nodi nie seine Wirkung verfehlt. 

Die künstlerische Absicht der Hilanderas 
geht auf die starke Gegensatzwirkung des vor¬ 
deren halbbeleuchteten Arbeitsraumes zu dem 
rückwärtigen, sonnendurchfluteten Raume, in 
dem vornehme Damen die Teppiche betrachten. 
Durch Nacht zum Licht. Was in trübem Dun¬ 
kel geschaffen, wird in hellem Lichte genossen. 
Die Tendenz ist deutlich genug. Aber es bleibt 
ein Nebeneinander. Ein eigentlicher Gesamt- 
eindrude kommt nicht zustande. Die mächtige 
Bewegung der Arbeit spricht nicht als solche. 
Der Sonnenstrahl im rückwärtigen Raume will 
nicht leuchten, und es bleibt dort hinten eine 
peinliche Unklarheit in den räumlichen Ver¬ 
hältnissen und im Nebeneinander des Wirk¬ 
lichen und Unwirklichen. 

Man wird dieses Urteil von unbefangenen 
Betrachtern immer von neuem bestätigt hören. 
Und der Schlüssel, der die Lösung des Unbe¬ 
friedigenden gibt, ist, wenn man sich über 
dieses selbst nur erst klar ist, unschwer ge¬ 
funden. Das Bild ist — wie auch an jeder 
Photographie leicht zu sehen — stark angestückt, 
jederseits ist ein Streifen und zumal oben ein 
breites Stück hinzugekommen. Oben verläuft 
der Schnitt genau horizontal durch das obere 
Ende der Leiter, die an der Rückwand lehnt, 
links fällt der Vorhang beinahe ganz fort, in 
dem die Arme der Seitwärtsgreifenden ver¬ 
schwinden, rechts bleibt von der Dienerin, die 
den Korb hereinbringt, nur eben Kopf und Arm. 

Diese auffällige Tatsache konnte natürlich 
nicht unbemerkt bleiben. Beruete erwähnt sie 
und fügt hinzu: Einige nehmen an, daß das 
Originalgemälde nur den Mittelteil umfaßte. 
Aber damit geht der perspektivische Effekt 
verloren, und es bleibt weniger Raum über den 
Figuren, als ihn Velasquez in seiner letzten 
Zeit liebte. Beruete scheint sich hier auf münd¬ 
liche Äußerungen zu beziehen, da er kein Zitat 


gibt. Auch in der einschlägigen Literatur ist es 
mir bisher nicht gelungen, eine solche Andeu¬ 
tung zu finden. Und doch enthält die von 
Beruete kurz verworfene Ansicht sicherlich einen 
richtigen Kern. 

So ungewohnt es auf den ersten Blick 
scheinen mag, deckt man die angesetzten Teile 
ab, so wird man erstaunen, wie das Bild plötz¬ 
lich lebendig wird. Es kommt Rhythmus und 
starke Bewegung in die Gruppen der arbeiten¬ 
den Frauen vorn, auch der rückwärtige Raum 
wird durchsichtiger, klarer, und vor allem be¬ 
kommt der Sonnenstrahl jetzt erst Helligkeit 
und Leuchtkraft. 

Man verlasse sich nicht auf eine Nachprüfung 
an der Photographie, man muß es vor dem 
Original selbst erlebt haben, wie das, was vor¬ 
her stumpf schien, nun strahlend und farbig 
wird. Man kann bei jedem Kopisten das 
Streben beobachten, das Bild zu verbessern, 
hier oben durch irgend ein Mittel der Wirkung 
aufzuhelfen. Man sehe nur, wie in dem Holz¬ 
schnitt, der Justis Buch beigegeben ist, nicht 
nur die Tonwerte verschoben sind, sondern auch 
der Sonnenstrahl selbst höher hinaufgezogen 
ist, während er im Original bemerkenswerter¬ 
weise genau in der Höhe der Schnittlinie ab¬ 
setzt. 

Was man auch an der Photographie nach¬ 
zuprüfen vermag, ist die ganz andere Art der 
Raumfüllung, die sich durch Ausschaltung der 
angesetzten Streifen ergibt. Alles wird voller, 
gedrängter, und den in engen Linien gefaßten 
Figuren wohnt eine andere Spannkraft inne. 
Nirgends bleibt die Fläche unbesetzt, Vorhang 
und Leiter zur Linken, das schwere Bündel an 
der Wand über dem Kopfe der Garnwicklerin 
rechts, in der Mitte der Einblick in den hellen, 
farbigen Raum. Das einzige Motiv des großen 
Rundbogens, das der Beweglichkeit des surren¬ 
den Rades unten durch Wiederholung der Form 
mehr schadet als nützt, ist alles, was hinzu¬ 
kommt. Sonst bleibt der obere Streifen un¬ 
besetzt in auffälligem Gegensatz zu der ge¬ 
drängten Fülle unten. Auch an den Seiten ist 
durch die Verbreiterung nur die Energie der 
Bewegungen geschwächt, ganz abgesehen von 
der empfindlichen Unklarheit, die zur Linken 
entsteht. 

Aber — so meint Beruete — es bleibt we¬ 
niger Raum über den Figuren, als ihn Velas¬ 
quez in seiner letzten Zeit liebte. Offenbar ist 
an die Meninas gedacht. Auch Stevenson zieht 
diesen Vergleich: „Auf beiden Bildern ver¬ 
schwimmt der obere Teil im Dunkel, obwohl 
das gewölbte Zimmer der Spinnerinnen nicht 


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60 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


so hoch hinaufspannt, auch die Komposition 
nicht so sehr beherrscht wie der obere Teil der 
Meninas.“ Das Gefühl der Unbefriedigung, das 
der feinsinnige Maler nicht verwinden kann, 
spricht deutlich aus diesen Zeilen. Aber der 
Vergleich tut dem Bilde ein Unrecht. Denn die 
künstlerische Absicht ist eine durchaus ver¬ 
schiedene. Nicht an das Porträtwerk, sondern 
an die noch streng in oarockem Sinne kom¬ 
ponierten Mythologien der Spätzeit des Meisters 
hat man zu denken. 

Auch hier ist allerdings eine Korrektur vor¬ 
zunehmen. Das Bild des Merkur und Argus ist 
an allen vier Seiten angestückt und im ur¬ 
sprünglichen Bestände weit massiger, barocker 
in enger Fassung durch rahmende Linien. Die 
ursprünglichen Bildgrenzen verlaufen überall 
dicht um die Figuren, rechts und links je ein 
Stüde des Armes noch überschneidend. Man 
vergleiche, wie auch der Mars fest in der Fläche 
sitzt, wie sein Knie den Rahmen berührt, wie 
kurz über dem Helm die Bildgrenze verläuft, 
oder wie selbst in der flüssig und leicht be¬ 
wegten Venus der Fuß zur Linken, der Ellbogen 
zur Rechten vom Rahmen noch überschnitten 
wird, wie auch der Engel mit Kopf und Flügel 
knapper gefaßt ist. 

Obwohl die Schmiede des Vulkan lodeerer 
komponiert ist als die späten Mythologien, die 
in der Schwere der Figuren sich eher wieder 
den Trinkern nähern, wird man sich doch auch 
hier leicht davon überzeugen, daß zur Linken 
und Rechten je ein Streifen nachträglich hinzu- 
gefflgt ist. Die ursprüngliche Bildgrenze ver¬ 
läuft links durch den wehenden, gelben Gewand¬ 
zipfel des Apoll, rechts hart an der Ferse des 
letzten der Schmiede. So erst bekommt das 
Bild Haltung und Festigkeit, die Menschen 
stehen, während zuvor, namentlich beim Apoll, 
das Gefühl unsicheren Schwankens auf kam. 
Und niemals sonst stehen Velasquez’ Figuren 
so locker innerhalb der Rahmenlinien, immer 
faßt er sie fest mit Überschneidungen — von 
den Borrachos zum blutigen Rock, dem Christus 
an der Säule, der Übergabe von Breda mag 
man vergleichen, was man will. Das kurz ge¬ 
öffnete zur Linken, wo Apoll eintritt, das ganz 
geschlossene zur Rechten entspricht dem Sinn 
des Bildes so gut wie den Gewohnheiten des 
Meisters. Zudem stimmen die Maße der 
Schmiede in dieser Form genau mit denen des 
blutigen Rockes überein, was vielleicht kein 
Zufall ist. 

Die Beispiele für nachträgliche Vergrößerung 
von Bildern des Velasquez lassen sich noch 
vermehren. Am bekanntesten in dieser Hin¬ 


sicht ist der Philipp zu Pferde. Die ursprüng¬ 
liche Bildform ist in der verkleinerten Wieder¬ 
holung im Palazzo Pitti gegeben. Nimmt man 
dem Original im Prado die breiten Streifen, 
die beiderseits angesetzt sind, so stimmen die 
Maße zu denen des Olivarezbildes. Und so 
erst bekommt das Bild Haltung. Die Figur 
schwimmt nicht mehr in der Fläche, sondern 
sitzt fest im Rahmen, die Bewegung des Pfer¬ 
des gewinnt Spannkraft, erst in der knappen 
Fassung kommt das Emporsteigen zur Wirkung. 
Offenbar erst nachträglich wurde aus dem Por¬ 
trät ein Pendant zum Bilde der Isabella. Auch 
die Reiterbildnisse Philipps III. und seiner Ge¬ 
mahlin waren auf das gleiche Format gebracht, 
und alle vier dienten nun gemeinsam dem 
Schmucke eines Raumes, des Salon der König¬ 
reiche im Buen Retiro. 

Auch dem Bildnis der Infantin Margarete 
mag bei ähnlicher Gelegenheit jederseits ein 
handbreites Stück angefügt worden sein, wieder 
nicht zum Vorteil des Eindrucks. Der Reifrock 
wirkt unförmig wie auf keinem Bilde sonst, 
und man kann beobachten, daß Velasquez außer 
im ausgesprochenen Kinderbildnis immer den 
Rock vom Rahmen überschnitten gibt, niemals 
die Figur so haltlos in die Breite gehen läßt 
wie hier. 

Es kann kein Zweifel sein, daß die Ver¬ 
breiterung des Reiterporträts des Königs noch 
unter Velasquez' Augen oder von ihm selbst 
vorgenommen wurde. Daß aber damit einem 
sich einstellenden Bedürfnis nach .größerer Ell¬ 
bogenfreiheit“ genügt worden sei, wie Steven¬ 
son annimmt (Gensei übernimmt das Wort), 
will nicht einleuchten. Sicher bedingten rein 
äußere Motive eine Vergrößerung, die gleichwie 
die Erweiterung des ursprünglich im Halbrund 
geschlossenen Bildes der zwei Einsiedler zum 
Rechteck dem abgeschlossenen Werke nicht ein 
Neues hinzufügt, sondern der Erscheinung nur 
Schaden tut. 

Schwieriger ist in den anderen angeführten 
Fällen ein Urteil darüber zu gewinnen, wann 
und von wem die Erweiterungen vorgenommen 
wurden. Das Verhältnis des Velasquez zu 
seinen Werken ist ja ein ganz besonderes da¬ 
durch, daß er, als Verwalter des königlichen 
Kunstbesitzes, auch die eigenen Werke immer 
unter den Augen behielt. So ist die Möglich¬ 
keit, daß nachträgliche Änderungen von ihm 
selbst stammen, gewiß besonders naheliegend. 
Aus welchen Motiven solche vorgenommen 
wurden, ist allerdings eine weitere Frage. 
Handelt es sich um spätere Erweiterungen eines 
ursprünglichen Planes, wie in dem Prachtbei- 


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Studien und Forschungen 


61 


spiel von Rubens, dem Münchener Bacchanal? 
Das Reiterbild des Philipp gibt ein Recht, an 
solcher Interpretierung zu zweifeln. Und wir 
glauben, gezeigt zu haben, daB die Ellbogen¬ 
freiheit, die Stevenson rühmt, nicht unbedingt 
als ein Vorzug anzusprechen ist, daß gerade 
durch sie die Wirkung der Hilanderas empfind¬ 
lich beeinträchtigt wird. 

Das letzte Wort in der Frage ist mit dieser 
Erkenntnis gewiß noch nicht gesprochen. Die 
eigentlichen Gründe der Entscheidung liegen 
tiefer, sie rühren an die allgemeine, stilgeschicht- 
liehe Stellung des Meisters, den eine einseitige 
Anschauungsweise gern als den Vorläufer unse¬ 
rer eigenen Zeit preist. Der Zweck dieser 
Zeilen ist es aber vor allem, ein — gleichgültig 
durch wessen Schuld — um seine beste Wir¬ 
kung gebrachtes Meisterwerk in seiner Urform 
und in ursprünglicher Schönheit wieder erstehen 
zu lassen. Dr. curt Glaser. 

9 

BEITRAGE 

ZUM (EUVRE BEKANNTER MALER 1 ) 

Von Wilhelm Suida 

Konrad Witz ■■■ '■ ■ ■ : 

In der Sammlung Cook in Richmond fand 
ich als .altspanisch unter dem Einflüsse des 
Hubert van Eyck" ein Gemälde, offenbar Bruch¬ 
stück eines größeren Ganzen, das auf der jetzigen 
Vorderseite einen auf einem Steinpostament 
stehenden grüngewandeten Mann, auf der Rück¬ 
seite die knieende Maria Magdelena (Hälfte des 
Noll me tangere) darstellt. Meine Bestimmung 
auf Konrad Witz glaube ich durch die nahe 
Beziehung zu den Tafeln in Basel begründen 
zu können. Ob hier wieder ein Bruchstück des 
in seiner Gesamtform noch fraglichen Baseler 
Altars aufgetaucht sei, wird erst eine weitere 
Untersuchung ergeben. 

Hmihb Schücfalin = 

Nicht mehr als der Tiefenbronner Altar von 
1469 war bisher von diesem Meister bekannt. 
Ein Tafelbild der Stuttgarter Galerie, die Verkün¬ 
digung an Zacharias im Tempel, das schon ältere 
Inventare dem Schücfalin zuschreiben, hat Konrad 
Lange von neuem unter seinem Namen aus- 


*) In der Form kurzer Notizen teile ich beifolgende 
Beobachtungen den Fadigenossen mit, da mir zu einer 
breiteren Ausführung gegenwärtig die Zeit fehlt. Ich 
hoffe Jedoch bald auf die hier erwähnten Kunstwerke 
zurflckzukommen und dann durch Illustration und ge¬ 
nauere Angaben meine Zuschreibungen ausführlich zu 
begründen. 


gestellt und dies scheint mir durchaus berechtigt, 
ebenso Langes Annahme, das Bild sei noch vor 
1469 gemalt (vielleicht auch nicht ganz eigen¬ 
händig). Aus der Zeit des Tiefenbronner Altars 
kann ich nun noch eine Enthauptung der hi. Bar¬ 
bara im Besitze des Fürsten Waldstein in Dux 
in Böhmen (in der dortigen Kirche befindlich), 
aus etwas späterer Zeit eine Geiselung Christi 
im Louvre namhaft machen. Beide Werk^ bis¬ 
her nirgends erwähnt, sind formell wie Kolo¬ 
ristisch untrüglich Werke Schüchlins. 

Friedrich Herlin 1 = = 

Ein außerordentlich bedeutendes Tafelbild 
dieses Meisters, die hl. Anna in dunkelkarmin¬ 
rotem Gewände mit der kleinen Maria und dem 
Christkinde auf ihren Knien, befindet sich auf 
Schloß Kreuzenstein im Besitz Seiner Excellenz 
des Grafen Hans Wilczek, ein kleineres Bild 
des hl. Georg und Florian besitzt Herr Gaston 
von Mallmann (Berlin). 

Michael Pacher -- 

Man sollte kaum glauben, daß ein verhält¬ 
nismäßig leicht zugängliches Werk der Tiroler 
Kunst, das mir des großen Namens Pachers durch¬ 
aus würdig scheint, bisher völlig übersehen zu 
sein scheint: es ist ein Glasfenster in der Mar¬ 
garetenkapelle am St. Peters Friedhof zu Salz¬ 
burg, darstellend die Madonna und die hl. Katha¬ 
rina, offenbar aus derZeit von Pachers Tätigkeit 
in Salzburg für den Altar der Franziskanerkirche. 
Im Anschlüsse daran möchte ich eines Porträts 
des Kaisers Maximilian Erwähnung tun, das 
aus dem Besitze des Baron Schidder in Paris 
auf der Brügger Ausstellung 1907 (Catalogue de 
l’Exposition de laToison d’orNr.27) zu sehen war, 
sicher tirolische Arbeit vielleicht von Friedrich 
Pacher, der zusammen mit Marx Reichlich für 
Kaiser Max um 1508 tätig war. Ein unbe¬ 
achtetes Tafelbild dieses letzteren Künstlers, 
Christus am Olberg, befindet sich auf Schloß 
Kreuzenstein. 

Albredit Altdorfer ========= 

In der Sammlung des historischen Vereins 
in Regensburg fiel mir in dem kleinen Raume, 
der den aus Altdorfers Schule herrührenden Altar 
von 1517 beherbergt, ein Porträt auf, das als 
.Kopie nach Feselen“ bezeichnet und dement¬ 
sprechend hochgehängt war. Eine nähere Unter¬ 
suchung dieses Porträts eines Abtes brachte 
mich aber zu der Überzeugung, daß ich ein eigen¬ 
händiges Werk Altdorfers vor mir habe, das 
in malerischer Durchführung, in der Art der 
Modellierung des Kopfes und der Hände, in 


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62 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


der Hintergrundslandschaft allernächste Ver¬ 
wandtschaft mit dem Straßburger Porträt auf¬ 
weist 

Monogrammist WO, der Meister von MeB- 
kirdi ■ . 

Im Louvre befindet sich ein kleines Bild der 
Vorführung Christi vor Pilatus, das augenschein¬ 
lich von dem Meister von Meßkirch herrührt. 
An demselben ist aber auch ein Künstlermono¬ 
gramm angebracht, das Zeichen \fy, das viel¬ 
leicht zu Ermittelung des Namens dieses Meisters 
führen kann. 

Tizian ■ . - ■ : 

Als ein bisher gänzlich unbeachtetes Werk 
Tizians glaube ich das Brustbild eines schwarz¬ 
gekleideten jungen Mannes auf schwarzem Grund 
im Besitze des Rittmeisters der K. K. Arcieren- 
Leibgarde von Stefenelli in Wien bezeichnen zu 
dürfen, ein sehr schlichtes, in der Durchführung 
meisterhaftes Stück. 

Domenico Theotocopoli — -. 

ln der Sammlung von Handzeichnungen im 
Besitze des Fürsten von und zu Liechtenstein 
in Wien fand ich unter „Carracci“ eine Kreide¬ 
zeichnung, das Brustbild eines jungen Mannes, 
der Schweigen gebietend den Finger an den 
Mund legt und den Beschauer fixiert. Meine 
Ansicht, es handle sich um ein höchst charakte¬ 
ristisches Werk des Theotocopoli, und zwar die 
erste Zeichnung, die von diesem Meister meines 
Wissens überhaupt nachgewiesen werden kann, 
fand die Zustimmung Seiner Durchlaucht des 
Fürsten Franz von und zu Liechtenstein und des 
Direktors der Albertina Dr. J. Meder. 

Jan Vermeer van Delft = 

Die bunte Reihe dieser kurzen Mitteilungen 
möchte ich mit dem Hinweise auf ein Bild 
schließen, das in der Münchener Pinakothek 
unter dem Namen des Frans van Mieris aus¬ 
gestellt ist: eine junge Frau ihr an der Wand 
hängendes Porträt betrachtend (No. 423. Der 
Katalog gibt irrigerweise an, daß die junge 
Dame sich im Spiegel betrachte). Wenn ich 
dafür den Namen des Jan Vermeer in Vor¬ 
schlag bringe, der ja sonst in der Pinakothek 
nicht vertreten ist, so muß ich doch auch gleich 
auf den schlechten Erhaltungszustand des Bildes 
hin weisen, der wahrscheinlich eine genauere 
Prüfung desselben verzögert hat. Die Farben 
und das äußerst anmutige Motiv lassen immer¬ 
hin noch Vermeers Geist erkennen. 

8 


Karl Bledien. In der Sitzung der kunst¬ 
geschichtlichen Gesellschaft in Berlin am 10. Januar 
sprach Dr. Kern über die Ergebnisse seiner 
Blechen-Forschungen. Wesentliche Ergänzungen 
zu Blechens Lebensbilde schöpfte er aus ver¬ 
schiedenen Kirchenbüchern von Kottbus und 
Berlin, aus gleichzeitigen Akten und Berichten, 
aus Briefen über den Künstler, aus alten Äus- 
stellungs - Katalogen und Zeitungsberichten. 
Wichtig scheint das Merkmal der Rassenkreu¬ 
zung, die in zahlreichen Bildnissen Blechens zum 
Ausdruck kommt — seine Mutter war wendischer 
Abkunft — ein Zwist mit Henriette Sonntag, in¬ 
folgedessen er seine Stellung als Dekorations¬ 
maler am Königstädtischen Theater aufgab, die 
Widerlegung der Legende, daß Blechen selbst 
Hand an sich gelegt habe: er starb am 23. Juli 
1840 an einem „hitzigen Fieber“. Für das Ver¬ 
ständnis der künstlerischen Entwicklung Blechens 
bringt eine eingehendere Würdigung seiner 
Tätigkeit als Theatermaler neue Gesichtspunkte. 
Das vielumstrittene Bild: die „Vampyrjagd“ (auf 
Schloß Boberstein) ist K. zufolge eine Illustration 
zu Webers „Freischütz“, III. Akt, Szene 10. Die 
Handlung ist in die „finstere Wolfsschlucht“ 
verlegt. Beziehungen zur Theaterdekoration 
lassen sich auch für andere „Tafelbilder“ Blechens 
nachweisen. Den Künstler befreite im Gegen¬ 
satz zu anderen von der romantischen Stimmung 
ein Aufenthalt in Italien (1828—29). Das Land 
der Sonne lehrte ihn Licht und Luft ohne stoff¬ 
liche Prätension malen; er wurde ein Land¬ 
schafts-„Maler“, der sich in seinen besten 
Studien wohl mit Bonington und Constable 
messen kann. Der Einfluß der nordischen Hei¬ 
mat erstarkte jedoch wieder so, daß der Künstler 
in seinen letzten Jahren abermals sich roman¬ 
tischen Stoffen zuwandte. Eine Doppelnatur, 
nicht unähnlich dem stärkeren Turner. 

Das angekündigte Buch von K. über Blechen 
wird die gesamten Ergebnisse der Forschungen 
zusammenfassend darstellen. S. 

8 

Donatelio. In der Festsitzung des deutschen 
kunsthistorischen Instituts in Florenz am 16. No¬ 
vember 1907 legte Dr. Corwegh seine neuesten 
Donatello-Forschungen vor. Danach gehört dem 
Meister eine Grabplatte aus Stein in S. Maria 
del Popolo zu Rom, an der zweiten Säule 
zwischen Seiten- und Mittelschiff. Auch die 
letzten an Donatellos Cantoria in der Opera 
del Duomo in Florenz noch fehlenden Stücke 
hat C. in zwei Bronzeköpfen des Bargello ent¬ 
deckt. 

8 


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Studien und Forschungen 


65 


DIE AUSGRABUNGEN IN 
PERGAMON 

Was an neuen Nachrichten aus Pergamon 
kommt, ist dem Archäologen besonders erfreu- 
lidie Kunde. Knüpft sich an diesen Namen ja 
die Hoffnung, endlich in ein intimeres Verhält¬ 
nis zur hellenistischen Kultur und Kunst zu kom¬ 
men, einen Stützpunkt zu gewinnen, von dem 
aus die Ausfüllung der peinlich empfundenen 
Lücke in unserer Kenntnis der griechischen Ent¬ 
wickelung, die zwischen Alexander dem Großen 
und Rom klafft, begonnen werden kann. Wie 
fördernd nach dieser Richtung die Auffindung 
der Skulpturen des großen Altars von Perga¬ 
mon schon gewirkt hat, ist bekannt. Aber 
schon die Grabungen an der Stätte des Altar¬ 
baues wuchsen sich zur Aufdeckung des ganzen 
Burgplateaus aus und führten zur Freilegung 
•des Äthenaheiligtums mit den umlaufenden 
Hallenbauten und der daran anschließenden 
Bibliothek, des Trajaneums und der Theater¬ 
terrasse am Abhang des Burgberges. Nachdem 
<liese Spatenforschungen zu einem vorläufigen 
Abschlüsse gebracht waren, hat man nach mehr¬ 
jähriger Pause den mit ihnen beschrittenen Weg 
wieder aufgenommen. Dank der werbenden 
und treibenden Energie Alexander Conzes sind 
seit 1900 neue Ausgrabungen in Pergamon im 
Gange mit dem Ziele, die ganze Attalidenstadt 
freizulegen und damit ein möglichst vollständi¬ 
ges Bild eines hellenistischen Fürstensitzes zu 
gewinnen, ein Unternehmen, das in seinen Ab¬ 
sichten aufs dankbarste begrüßt, in seinem 
Fortsdireiten aufs aufmerksamste verfolgt wer¬ 
den muß. ln regelmäßigen dreimonatlichen 
Jahreskampagnen ist die Athenische Zweig¬ 
anstalt des Deutschen Archäologischen Instituts 
mit ihrem Leiter Wilhelm Dörpfeld an der Spitze 
in der Verfolgung dieses großen Zieles tätig, 
und in den «Athenischen Mitteilungen“ wird 
über die gewonnenen Resultate Rechenschaft 
abgelegt. Ein solcher Bericht, die Ausgrabungen 
der Jahre 1904 und 1905 umfassend, ist soeben 
in dem kürzlich zur Ausgabe gelangten Doppel¬ 
heft 2/3 des 32. Bandes der «Mitteilungen“ wie¬ 
der veröffentlicht; über seinen Inhalt soll im 
Folgenden kurz referiert werden. 

Der Ausgangspunkt war auch diesmal wieder, 
wie in den Vorjahren, die Gegend um das 
Haupttor am Südfuße des Burghügels, von dem 
aus die Hauptstraße zur Höhe emporführt. Diese 
stößt nadi kurzem Verlauf auf die Agora der 
Unterstadt und umgibt sie an zwei Seiten, um 
an der westlichen Ecke wieder mit scharfem 
Knick umzubiegen. An dieser Stelle wurde 
nördlidi der Straße die Ruine eines großen 


Wohnhauses aufgedeckt. Es ist im Anfänge 
der Königszeit errichtet, dann aber schon in 
griechischer Zeit einmal umgebaut worden. Einen 
zweiten, weit gründlicheren Umbau erfuhr es in 
römischer Zeit, als es im Besitz eines Attalos 
war, der die Würde eines römischen Konsuls 
bekleidete. Seine inschriftlich bezeichnete, leider 
des Bildniskopfes beraubte Herme war in einer 
Ecke des Hofraumes aufgestellt. Dieser Hof, 
von beträchtlichen Abmessungen, büdet den 
Mittelpunkt des Hauses. Er ist auf allen vier 
Seiten von einer doppelgeschossigen, in den 
Interkolumnien durch Schranken geschlossenen 
Säulenhalle — unten dorischer, oben jonischer 
Version — umgeben, hinter der sich die Zimmer¬ 
reihen ordnen, zum Teil gleichfalls in zwei¬ 
geschossiger Anlage. Auf der einen Schmal¬ 
seite nimmt den Mittelpunkt ein saalartiger 
Raum von besonders großen Abmessungen ein, 
nach dem die Mittelachse der Längsrichtung ge¬ 
legt war. Dies der Typus eines vornehmen 
griechischen Wohnhauses hellenistischer Zeit in 
anschaulicher und gut erhaltener Vertretung mit 
dem die Anlage beherrschenden peristylen Hof, 
an dem der Unterschied des römischen Atrium¬ 
hauses gut gemessen werden kann. Es ver¬ 
dient Beachtung, daß in den großen, palast¬ 
ähnlichen Anlagen des hellenistischen Pompeji 
das Atriumhaus dominiert. Jetzt schon Schlu߬ 
folgerungen aus dieser Erscheinung zu ziehen, 
wäre verfrüht, aber als Erscheinung mag sie 
festgelegt werden. Von der Dekoration und 
der künstlerischen Ausstattung des Pergamener 
Hauses hat sich wenig erhalten. In einigen 
Räumen hat sich der Mosaikbelag des Fu߬ 
bodens gefunden, darunter in zwei Zimmern 
aus griechischer, im übrigen aus römischer Zeit. 
Dem römischen Umbau gehören auch die ge¬ 
ringen Reste eines Marmorbelags der Wände 
an. An einer Stelle ist darunter der alte Wand¬ 
putz zum Vorschein gekommen, mit Malereien, 
von denen Stücke grüner Ranken und Blätter 
auf weißem Grunde zu erkennen sind. Erwähnt 
sei noch, daß wahrscheinlich aus dem Attalos- 
hause die früher gefundene Herme des Älka- 
menes stammt; sie wird aus dem Hause in den 
tiefer liegenden Magazinraum an der Straße, in 
dem sie zutage kam, herabgestürzt sein. 

Die Grabungen haben dann erneut die un¬ 
weit gelegene, komplizierte Anlage des Gym- 
nasions angegriffen, das sich über drei hinter¬ 
und übereinanderliegende, durch künstliche An¬ 
schüttungen gewonnene Terrassen ausdehnte. 
Die untere und mittlere dieser Terrassen, das 
Gymnasion der Knaben und der Epheben, waren 
schon früher freigelegt worden, jetzt hat man 
sich zur obersten Terrasse, die das Gymnasion 


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64 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


der Neoi trug, gewendet und sie wenigstens 
zur Hälfte aufgedeckt. Die Anlage besteht aus 
einem großen, unter freiem Himmel liegenden 
Hofe in den respektablen Abmessungen von 
etwa 36 zu 74 m, der rings von einer zwei¬ 
geschossigen Säulenstellung mit anschließenden 
Hallen umgeben ist. Auf die Hallen öffnen sich 
in dem bisher ausgegrabenen Teile saalartige 
Räume, darunter ein besonders stattlicher und 
prächtiger mit apsidenartigen Abschiassen an 
seinen Schmalseiten, der, nach einer auf dem 
Architrav eingemeißelten Inschrift zu schließen, 
vermutlich dem Kaiserkult gewidmet war. Denn 
die erhaltene Architektur gehört, wie aus ihrem 
Charakter zur Evidenz hervorgeht, einem Um¬ 
bau hadrianischer Zeit an. Die ursprüngliche 
Anlage aber geht in griechische Zeit zurück, 
und von ihr haben sich Mauern und auch ver¬ 
einzelte Bauglieder bisher gefunden. Ober die 
Geschichte des Baues wird sich erst Klarheit ge¬ 
winnen lassen, wenn er in seiner ganzen Aus¬ 
dehnung freigelegt ist. 

Als dritter Gegenstand der Untersuchung 
wurde das Theater ausersehen, das zwar schon 
früher ausgegraben, aber inzwischen von neu 
angehäuftem Schutt und Gestrüpp wieder über¬ 
deckt worden war, von dem es befreit werden 
mußte. Die Forschungen R. Bohns über diesen 
Bau wurden dabei beträchtlich erweitert und 
ergänzt. Schon Bohn hatte für das Skenen- 
gebäude des Theaters drei Bauperioden fest¬ 
gestellt. Die erste Anlage, aus hellenistischer 
Zeit (2. Jahrh. v. Chr.) war ein hölzerner Bau, 
der jedesmal für die festlichen Theaterspiele 
neu errichtet wurde. An seine Stelle trat, eben¬ 
falls noch in hellenistischer Zeit, ein fester Stein¬ 
bau, der dann in römischer Zeit noch einmal 
umgebaut wurde. Das zweite hellenistische 
Skenengebäude hatte Bohn nur erschlossen, 
ohne sichere Spuren davon nachweisen zu kön¬ 
nen. Jetzt haben sich Architekturglieder davon 
unter dem Baumaterial der römischen Bühne 
nachweisen lassen. Wichtiger noch sind die 
Resultate für den ältesten, aus Holz errichteten 
Skenenbau. Aus der genauen Beobachtung der 
Fußbodenöffnungen, in denen die Holzpfosten 
eingezapft wurden, aus ihrer Lage und Ver¬ 
teilung hat sich wenigstens der Grundriß dieser 
ältesten Skene mit einiger Sicherheit feststellen 
lassen. Selbst für den Aufriß ergaben sich aus 
der wechselnden Stärke der Holzpfosten, wie 
sie aus den verschiedenen Abmessungen der 
gedachten Öffnungen im Fußboden zu erschließen 
ist, wichtige Rückschlüsse und zwingen zu der 
Annahme, daß sich über dem Proskenion die 
eigentliche Skenenwand mit einem oberen Stock¬ 
werk erhob. Die ganze Tragweite dieser Ent¬ 


deckungen für die Geschichte und Entwickelung 
des griechischen Theaterbaues ist in dem vor¬ 
läufigen Ausgrabungsbericht nur angedeutet und 
wird erst in einer von Dörpfcld verheißenen 
ausführlichen Darstellung klar zum Bewußtsein 
kommen. 

Endlich wurden von den außerhalb der Stadt 
im Kaikostale liegenden Grabhügeln zwei größere 
und zwei kleinere angeschnitten. In dem einen 
der größeren, dem Mal-Tepeh, wurde eine aus 
drei Kammern bestehende Bestattungsanlage, zu 
denen ein stollenartiger Zugang führt, nach¬ 
gewiesen. Alle Räume sind mit gut erhaltenen 
Tonnengewölben überspannt, aber die Ver¬ 
wendung von Kalkmörtel zur Hinterfüllung der 
Mauern und Gewölbe beweist, daß die Anlage 
nicht hellenistisch sein kann, sondern in die 
römische Kaiserzeit gehört. — Das Fehlen des 
Kalkmörtels in der Umfassungsmauer des zwei¬ 
ten großen Tumulus, Jigma-Tepeh, weist diesen 
in die Königszeit, und die Ausgräber vermuten, 
daß in ihm die pergamenischen Königsgräber 
erhalten sind; in das Innere vorzudringen ist 
noch nicht gelungen. In den beiden kleinen 
Tumuli hat man im Jahre 1906, wie eine Nach¬ 
schrift berichtet, zwei gut erhaltene Trachyt- 
sarkophage mit den darin gebetteten Leichen 
und ihren Beigaben gefunden. Zwei in den 
Sarkophagen liegende Silbermünzen gehören 
noch dem 4. vorchristlichen Jahrhundert an. 
Genaueres über den Fund, also über die Anlage 
der Gräber, die künstlerische Form der Sarko¬ 
phage usw. ist dem späteren genauen Aus¬ 
grabungsberichte Vorbehalten. 

Neben den architektonischen Denkmälern 
treten die Einzelfunde an Bedeutung zurück. 
Den Marmorskulpturen, die in großer Zahl vor¬ 
handen gewesen sein müssen — im Hofe des 
Gymnasions scheint, wie aus den noch vor¬ 
handenen Basen ersichtlich ist, vor den meisten 
der 84 Säulen je eine Statue gestanden zu 
haben 1 — ist von den Kalkbrennern arg mit¬ 
gespielt worden. Interessant wäre unter den 
Funden als Typus und als Vorbild gleichartiger 
römischer Bildungen die Panzerstatue eines hel¬ 
lenistischen Herrschers, wenn sie nicht gar zu 
trümmerhaft erhalten wäre; das Fragment eines 
Porträtkopfes, das den hellenistischen Charakter 
der Arbeit erkennen läßt, soll in seinerZugehörig- 
keit zu dem nur in zahlreichen Bruchstücken 
ans Licht getretenen Torso nicht einmal ganz 
gesichert sein. Nach Erhaltung und kflnstlerischem 
Wert steht an erster Stelle ein etwa lebens¬ 
großer Herakleskopf griechischer Arbeit, der in 
seinen Formen die hellenistische Weiterbildung 
lysippischer Stilelemente erkennen läßt Griechisch 
sind weiter der Oberteil einer nackten Jünglings- 


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Studien und Forschungen 


65 


statue mit erhaltenem Kopf, von dem nur die 
hintere Hfilfte fehlt, und der Torso eines sitzen¬ 
den Herakles. Für die römische Zeit war nament¬ 
lich das Haus des Attalos ergiebig, dessen 
Peristyl eine Anzahl jener dekorativen Skulp¬ 
turen barg, wie wir sie nach Qualität und Ver¬ 
wendung aus den Häusern Pompejis, besonders 
anschaulich dem derVettier kennen. Der Unter¬ 


teil einer Poseidonstatue mit hochaufgestfltztem 
Bein mag als Vertreter eines bekannten statuari¬ 
schen Motivs besonders genannt sein. — Von 
Terrakotten und Tongefäßen wurden wie ge¬ 
wöhnlich zahlreiche Fragmente gefunden, die 
sich zu den bekannten Typen gesellen, ohne 
deren Kreis zu erweitern. 

Herrmann. 



RUNDSCHAU 



BERLIN = === = 

Die Ausstellung älterer englischer Kunst') in 
der Königlichen Akademie (26. Jan. bis 23. Febr., 
darf zweifellos als die bedeutendste Veranstal¬ 
tung des letzten Winters angesprochen werden. 
Wichtig ist für den Kunsthistoriker vor allem 
die durch sie dargebotene Möglichkeit, den 
Meisterwerken einer in sich geschlossenen 
Kunstepoche einmal auf kurze Zeit gegenüber¬ 
treten und damit unser Verhältnis zu jener 
einer bedeutsamen Revision unterziehen zu 
können. Das Resultat dieser Prüfung wird ne¬ 
gativ sein. Es führen von der Gegenwart aus 
keine Beziehungen zu dieser aristokratischen 
Kunst zurück, ja selbst der künstlerische Wert 
jener englischen Bildnismalerei ist heute nicht 
mehr absolut zu bejahen. Wohl waren jene 
Reynolds, Gainsborough, Raeburn, Hoppner, 
Romney, Lawrence Künsterpersönlichkeiten, die 
ihrer Zeit den Stempel aufgedrückt haben, in¬ 
des dieselbe Zeit hat ihre Arbeit Lügen ge¬ 
straft. Darüber belehrt uns deutlich genug die 
zeitgenössische Literatur jenes England, die 
gar nichts von dieser holdseligen Pose, diesen 
theatralisch zurechtgestuzten Allüren an sich 
hat, die auf die Dauer unerträglich wirken und 
unserem modernen Gefühl so fremd sind wie 
das schmachtende Liebesspiel des Rokoko über¬ 
haupt. So wird auch heute niemand mehr be¬ 
haupten können, die Kunst jener Großmeister 
Englands sei überhaupt das Produkt der Zeit¬ 
kultur gewesen. Die Beziehungen zu van Dyck 
auf der einen, zum französischen Rokoko auf 
der anderen Seite sind zu augenfällig, um uns 
über den Ursprung dieser Kunst im unklaren 
zu lassen. Es läßt sich ernstlich kaum be- 


') Ausführlicher wird Herr Prof. Jaro Springer in dem 
nächsten Hefte dieser Zeitschrift auf die Ausstellung zu- 
rückkommen. Die Red. 


streiten, daß wir hier vor einem Epigonentum 
künstlerischen Schaffens stehen, das von dem 
Großvater van Dyck den malerischen Fein- 
geschmack, vom Vater Rokoko die spielende 
Grazie auf sich vererbte — vom Eigenen aber 
so gut wie gar nichts dazutat, es sei denn, daß 
man die Vorliebe zum Dekorativen überhaupt 
als eines der eigenen Merkmale dieser eng¬ 
lischen Malerei ansprechen will. Man kann 
vor diesen Bildern nicht vergessen, daß sie 
Zeitgenossen eines Goya waren, und daß die 
Kunstgeschichte vor jenem einen Velasquez und 
Rembrandt gesehen. Einige wenige männliche 
Bildnisse ausgenommen, zeige man unter diesen 
mehr als hundert Werken ein einziges Porträt, 
das uns den Eindruck eines lebendigen, von 
Charakter und Willen erfüllten Individuums zu 
vermitteln vermöchte. Es gibt keins, das nur 
entfernt an den schlechtesten Goya heran¬ 
reichen könnte. Menschen zu bilden war diese 
Kunst zu schwach. Ihre Stärke liegt in dem 
Geschick, Grazie und klassische Allüren fest¬ 
zuhalten und alles das, was zum eigentlichen 
Bildnis gar nicht hinzugehört, wie Kleider, 
Shawls und Spitzen, mit höchster malerischer 
Delikatesse wiederzugeben. Der Mensch aber 
auf diesen Werken bleibt eine Puppe, die der 
Arrangeur beliebig in diese oder jene Pose zu 
verrücken weiß, die er geschickt in ein klassi¬ 
sches oder landschaftliches Milieu hineinstellt, 
zu dem ihr jede Beziehung fehlt. Diese Eng¬ 
länder haben ihr Modell zurechtgerückt, wie es 
heutigen Tages der Photograph mit seinem 
„Bitte recht freundlich“ tut, und in der Tat 
haben sie alle, die Miß Farren, Mrs. Gailwey 
und wie sie alle heißen, solcher Aufforderung 
getreulich Folge geleistet. Selbst Gainsboroughs 
berühmter „Blue Boy“, der auch als Porträt 
unter allen Werken dieses Meisters als das ge¬ 
lungenste gelten darf, kann über die Statisten- 

5 


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66 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


pose nicht hinwegtäuschen, ein wohlgestellter 
Enkel jener van Dyckschen Prinzen, die leicht- 
blütiger und selbstbewußter ansprechen als 
dieser junge englische Master Jonathan Buttall. 
Sucht man aber in diesem Kreise nach einer 
stärkeren Künstlerindividualität, die alle übrigen 
um Haupteslänge überragt, so fällt der Blick 
auf den einzigen Reynolds. Dieses Meisters 
Menschen haben das meiste Eigenleben und 
auf Bildern wie dem Porträt des Marquess of 
Grauby erkennt man mit Überraschung, wie fein 
sich die tonige Landschaft des Hintergrundes — 
bei den übrigen ist sie nie mehr als Kulisse — 
als selbständiger und unentbehrlicher Bildfaktor 
der Gesamtkomposition einfügt. Auch der als 
Cupido gekennzeichnete Gassenjunge „the link 
boy“ muß als charakteristisch für Reynolds ur¬ 
sprünglichere Art hervorgehoben werden. 
Ebenso ist die Nelly O’Brien aus dem Besitz 
von Charles Wertheimer das, was man selbst 
nach unseren heutigen gesteigerten Ansprüchen 
als ein gutes Porträt bezeichnen darf. Tritt in 
Reynolds das Germanische stärker zutage, so 
möchte man Gainsborough fast fransösisdi 
nennen, ein echtes Kind des Rokoko. Ihm 
stehen auch Hoppner und Romney näher als 
der Schotte Raeburn, den wesensverwandte 
Züge enger mit Reynolds — um nicht zu sagen 
mit Velasquez — zu verbinden scheinen. Das 
Bildnis seiner Gattin ist eins der besten 
Porträts dieser ganzen Ausstellung. Lawrence 
endlich, der geschickteste vielleicht unter allen, 
dessen Ideal ganz auf holdselige Lieblichkeit 
hinausläuft, hat sich in seiner Miß Farren ein 
unsterbliches Denkmal gesetzt — aber ist diese 
Miß Farren nicht ebenso lieblich wie geistig 
unbedeutend, die Vorläuferin jenes hohlen 
Schönheitsideals, das die Menge heute noch bei 
Fritz August vonKaulbadi zu bewundern liebt. 
Hat überhaupt Old England, das in dieser Aus¬ 
stellung vor uns hintritt, das besessen, was 
man wirkliche Höhenkunst nennen könnte, und 
liegen in diesen Werken in der Tat Werte 
verborgen, die fruchtbringend auf die Moderne 
wirken könnten? Beides muß verneint werden. 
Die beste Erkenntnis, die diese 27 Reynolds, 
19 Gainsboroughs, 9 Hoppners, 8 Raeburns, 
10 Romneys, 6 Lawrences vermitteln können, 
ist die, daß wir glücklich sein dürfen, diese in¬ 
teressante Veranstaltung nicht schon fünfzehn 
Jahre früher erlebt zu haben. Heute fühlen 
wir uns stark genug, den historischen Abstand 
richtig zu bewerten und unsere eigenen Bahnen 
unbeeinflußt von Old England weiterzugehen. 
Ein Moderner freilich ist auch unter diesen 
Alten, John Constable, der Landschafter. Über 
ihn wäre ein eigenes Kapitel wohl am Platze. 


Die wenigen Zeugnisse seiner Kunst, die unsere 
Ausstellung beherbergt, lassen indes das Starke 
und Eigene seiner Begabung mehr ahnen, denn 

deutlich umreißen. B. 

8 

Personalveränderungen an den Museen. Am 
Kunstgewerbemuseum tritt Geheimrat Lessing 
von der Leitung zurück. Seit 1882 Direktor 
des Museums, hat er die Sammlungen aus klei¬ 
nen privaten Anfängen zu der Bedeutung ge¬ 
führt, die sie heute, als eines der ersten Museen 
der Welt für altes Kunstgewerbe, besitzen. Die 
wesentlichsten Bereicherungen der Sammlung 
in der Frühzeit waren der Ankauf des Lüne¬ 
burger Ratssilbers 1874 durch Lessing und die 
Einverleibung der entsprechenden Teile der 
Königlichen Kunstkammer 1875. Seitdem wur¬ 
den die Sammlungen systematisch ausgebaut 
und nach beiden Richtungen hin organisiert, 
nach der historischen und nach der technologi¬ 
schen Ordnung, und bis zur Gegenwart fort¬ 
geführt; da denn auch die neueren Richtungen 
des Kunstgewerbes durch Ankäufe auf der 
Pariser Weltausstellung 1900 durch Lessing 
Berücksichtigung fanden. Als Hauptwerk seines 
Lebens aber betrachtete er die alle Länder und 
Zeiten umfassende Gewebesammlung, die von 
Anfang an im Museum organisiert wurde, der¬ 
gestalt, daß jetzt für die gesamte Textil¬ 
kunst hier eine Zentralstelle geschaffen ist. 
Seit etwa 1898 wurde mit der Publikation dieses 
Materials in musterhaften farbigen Reproduk¬ 
tionen begonnen. Die Erledigung dieses großen 
Werkes hat sich Lessing Vorbehalten, so daß 
er auch noch fernerhin mit dem Museum in 
Berührung bleibt. 

Sein Nachfolger wird Otto von Falke 
(am 1. April dieses Jahres), der bisherige Leiter 
des Kölner Kunstgewerbemuseums, der von 
1887—1894 Assistent unter Lessing war. Seine 
Bedeutung beruht neben der Neuorganisation 
des Kölner Museums auf einigen vorzüglichen 
Büchern: dem Handbuch der Majolika (1895 und 
1907), den Deutschen Schmelzwerken des Mittel¬ 
alters (1904) und dem mittelalterlichen Teil der 
großen Illustrierten Geschichte des Kunst¬ 
gewerbes (M. Oldenbourg, I. Bd., 1907). 

Auch das Kupferstichkabinett wechselt zum 
1. Juli die Leitung. Max Lehrs geht wieder 
ans Kupferstichkabinett nach Dresden znrück, 
und zu seinem Nachfolger ist kürzlich Max 
Friedländer ernannt worden, der bisherige 
zweite Direktor des Kaiser Friedrich-Museums. 

Als Direktor des prähistorischen Museums 
ist ferner Professor Schuch har dt aus Hannover, 
bisher Direktor des Kestner-Museums, zum 
1. April berufen worden; zugleich soll er die 


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Rundschau 


67 


Oberaufsicht über alle Ausgrabungen in Preußen 
erhalten. 

Die Anstellung von jüngeren deutschen 
Museumsbeamten im Auslande hat mit derBe- 
rufung Wilh. Valentiners an das Metropo¬ 
litan-Museum in New York begonnen. Man 
hat dort die kunstgewerblichen Sammlungen zu 
einer besonderen Abteilung zusammengefaßt, 
um sie einem Kurator der nämlichen Art zu 
unterstellen, wie sie an der Spitze der ver¬ 
schiedenen anderen Abteilungen stehen. Für 
diese neue Stellung ist auf Vorschlag Bodes 
und nach eingehenden Erkundigungen Valen- 
tiner gewählt worden, welcher hierzu noch 
mehr als durch seine holländischen Forschungen, 
namentlich über Rembrandt und Architektur, 
durch seine eingehende Spezialkenntnis in ver¬ 
schiedenen Zweigen des Kunstgewerbes be¬ 
fähigt erschien. Er war zuletzt am Kaiser 
Friedrich-Museum wissenschaftlicher Hilfs¬ 
arbeiter. 

Was das Deutsche Museum betrifft, 
dessen Bau — auf der Museumsinsel — eine 
fest beschlossene Sache ist, so darf sich jeder¬ 
mann freuen, daß gerade die deutsche Kunst, 
ganz im Sinne des neuen Vereins für Kunst¬ 
wissenschaft, eine Zentrale in der Reichshaupt¬ 
stadt erhalten soll. Was der antiken und der 
orientalischen Kunst recht ist, erscheint für die 
deutsche zum mindesten billig. Die Sammlung 
der deutschen Holzskulpturen und TafelbUder 
in den dunkelsten Räumen des Kaiser Friedrich- 
Museums verlangt gebieterisch eine Neuordnung; 
es ist in den Berliner Museen überhaupt schon 
Material genug für die beabsichtigte neue 
Sammlung vorhanden, und was deren Ausbau 
und Neuerwerbungen betrifft, über die man sich 
in den Provinzen anscheinend beunruhigt hat, 
so hat Generaldirektor Bode (in der National- 
Zeitung vom 24. Dezember) die bestimmtesten 
Erklärungen abgegeben, daß man nicht daran 
denke, den Provinzial- und Landes-Museen 
Konkurrenz zu bereiten. Ist doch ohnedies fast 
die ganze deutsche Abteilung des Kaiser Fried¬ 
rich-Museums im Auslande erworben, und hat 
man von Berlin aus stets die Provinzialsamm¬ 
lungen gefördert (die schöne Straßburger Ga¬ 
lerie z. B. ist ihrerzeit durch Bode allein zu¬ 
sammengebracht worden). Ein unritterliches 
Rivalisieren mit jenen Museen, dies kann man 
nach Bodes Ausführungen sicher annehmen, 
wird sich zu jeder Zeit für das Deutsche Museum 
in Berlin verbieten, dessen Pläne viel allgemei¬ 
nerer und weitschauender Art sein werden, sein 
müssen, als die der Provinzialgalerien, die 
ihrem Charakter nach lokaler begrenzt sind. 


Neuerwerbungen der Königlichen Museen . 
Das Kaiser Friedrich-Museum fährt fort, 
deutsche Holzplastiken zu erwerben; namentlich 
bayrische aus dem Anfänge des 16. Jahrhunderts. 
Der Hauptnachdruck ruht aber nach wie vor 
auf der Bildersammlung. Weniger Italiener 
(Predellastück, sienesisch, angeblich von Fran¬ 
cesco di Giorgio; ein Ältärchen — Beweinung 
Christi — von Pesellino u. a.) als Niederländer 
und Deutsche sind von Bedeutung: ein un¬ 
bekanntes niederländisches Triptychon der Zeit 
Memlings; ein Johannes auf Patmos von 
H. Bosch, mit einer geistreich skizzierten Rück¬ 
seite; ein gutes Porträt von Scorel; die bedeu¬ 
tende Kreuzigung, von K. Witz, in einer weiten, 
hell behandelten Seelandsdiaft (von Holz auf 
Leinwand übertragen); dann, aus russischem 
Privatbesitz, das anmutige Bildnis einer jungen 
Frau, das Rogier zugewiesen werden konnte. 
Aus der Sammlung Kann konnte noch eine 
stattliche Anzahl hervorragender Bilder — leider 
keines der, für unerschwingliche Preise nach 
Amerika gewanderten, Hauptwerke — erworben 
werden: ein ergreifender Christuskopf und eine 
starke Skizze zu w Christus und die Samariterin 
am Brunnen“ von Rembrandt; von Ruisdaal, 
Äert van der Neer und Wouvermann je eine 
Landschaft von verschiedener, eindringlicher 
Stimmung; Gonz. Cocx: Familienbild; J. Fyt: 
Stilleben von totem Geflügel; das Porträt eines 
Deutschen, wahrscheinlich aus der Schule Bel- 
linis; und das in Holz geschnitzte ReliefbUdnis 
des Bischofs Philipp v. Freising, von Friedr. 
Hagenauer. 

Die Bibliothek des Kunstgewerbe- 
Museums hat die Kostümbilder, die nach 
Freih. v. Lipperheides Tode ihr überwiesen 
wurden, in den Lipperheidischen Sammlungs¬ 
räumen aufgehängt; der Treue in den Kostümen 
entsprechend sind es Werke mehr von mittleren 
Begabungen, tüchtiger Berufsporträtisten, als von 
Genies, denen die Kleidung meist wenig gilt. 

Aus den Erwerbungen des Kupferstich¬ 
kabinetts ragen die 56 Blatt von Charles 
Marion hervor, die seit 1905 erworben sind 
und deren Meister Lehrs selber in seinem Be¬ 
richte den größten Radierer nach Rembrandt 
nennt; Märion, der in den 50er Jahren des 
19. Jahrhunderts in Paris in Armut lebte und 
schuf und der im Irrenhause von Charenton 
starb, dessen Blätter bei seinen Lebzeiten nie¬ 
mand haben wollte, und die nach seinem Tode 
Preise erreichten, welche jetzt bereits die für 
Rembrandtsche Radierungen gezahlten teilweise 
übersteigen 1 S. 

Kunstgewerbe-Museum. Unter den 
Neuerwerbungen des Kunstgewerbe-Museums 


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68 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


sind die Porzellane besonders reich vertreten. 
Die Versteigerung der bekannten Sammlung des 
Dr. Clemm (bei Lepke im Dezember 1907) bot 
Gelegenheit zum Ankauf mehrerer wichtiger 
Porzellanservice, eines mit Watteauszenen in 
Eisenrot bemalten Berliner Kaffeeservices, das 
nach sicherer Tradition Friedrich der Große 1764 
dem General de la Motte-Fouqu£ zum Geschenk 
machte; eines noch vollzählig im alten Kasten- 
futteral erhaltenen Berliner Kaffee- und Tee¬ 
services im sogen. „Kurländer Muster“ (um 
1780); endlich eines kleinen Wiener Services 
(um 1775). Außerdem wurden mehrere Figuren 
der Nymphenburger, Wiener und Berliner Ma¬ 
nufaktur erworben, sowie eine Reihe vorzüg¬ 
licher Gefäße in rotbraunem Böttgersteinzeug 
aus dem Besitz eines Marquese in Lucca. 

S. v. C. 

s 

Die Porzellansammlung Samuel im Kaiser 
Friedrich-Museum . Durch Vermächtnis des im 
Frühjahr 1907 zu Berlin verstorbenen H. Sigis¬ 
mund Samuel gelangte das Kaiser Friedrich- 
Museum in den Besitz einer Sammlung von 
63 meist süddeutschen Porzellanfiguren und 
-gruppen. Die Annahme dieses Vermächtnisses 
durch ein Museum für hohe Kunst bedeutet 
zugleich eine Anerkennung jener für das 
18. Jahrhundert so wichtigen Kleinplastik, die 
damit etwa auf die gleiche Stufe wie die 
Tanagrafiguren der Antike, die Elfenbein¬ 
schnitzereien und Kleinbronzen des Mittel¬ 
alters und der neueren Zeit gestellt wird. Im 
zukünftigen deutschen Museum wird die 
Samuelsche Sammlung den Grundstock einer 
ganzen Porzellangalerie büden. Vorläufig ist 
sie im Saal der englischen, französischen und 
deutschen Gemälde des 18. Jahrhunderts in zwei 
Vitrinen untergebracht. Die Frankenthaler Manu¬ 
faktur ist am reichsten vertreten (21 Figuren u. 
Gruppen), dann folgt Höchst (20), Ludwigsburg 
(8), Wien (5), Nymphenburg (4), Meißen (2); je 
eine Figur bez. Gruppe kommt auf Fulda, Straß- 
burg (?), Vallendorf i.Th., und eine bisher noch 
nicht bestimmte ausländische Fabrik. S.v.C. 

8 

Neuerwerbungen der Nationalgalerie . Es 
soll in freier Auswahl nur auf einige der inter¬ 
essantesten Stücke hingewiesen werden. Zum 
ersten Male in der Galerie vertreten ist Fritz 
Boehle mit dem charaktervollen Bildnis eines 
Architekten. Erstaunlich in seiner delikaten 
malerischen Haltung das aus der Sammlung des 
Barons von Königswarter stammende Selbst¬ 
bildnis von Raphael Mengs. Sympathisch das 
Bildnis eines musikliebenden Bürgermeisters 


von E. von Gebhardt vom Jahre 1874. Gleich 
anmutig der Darstellung wie der Dargestellten 
nach das Bildnis der ersten Frau des früheren 
Direktors Max Jordan von Theodor Große, 
endlich der flott und breit gemalte Studienkopf 
eines bayrischen Artilleriehauptmanns von Hans 
von Maries. Mit charakteristischen Werken 
ihrer Kunst sind vertreten M. von Schwind, 
mit einem Türmer im Mondschein, groß im 
kleinen Format und von einem bezaubernden 
Klang eines silbrigen Blaugrün, Karl Schuch 
mit zwei feinen Stilleben und einer seiner sel¬ 
tenen Landschaften. Des Wiener Franz Eybls 
idyllische Szene eines Grabschmückenden Mäd¬ 
chens, und A. von Pettenkofens kleine 
Pußtalandschaft, sind von einer fast miniatur¬ 
haften Feinheit der Malerei. Sehr erfreulich ist 
auch der Zuwachs an Skulpturen. Von Gaul 
die ruhenden Schafe, deren Material, gelblich 
poröser Kalkstein, das Wollig-Massige dieser 
Tiere fein charakterisieren hilft; in bronzener 
Straffheit, in sieghafter Bewegung, die Gruppe 
„Krieger und Genius“ von Georg Kolbe; die 
Bronzefigur des „Träumers“ von dem früh 
verstorbenen Aug. Hudler. W. Kaesbadi. 

8 

DRESDEN ——t . — = 

Die Anfang Dezember 1907 von den Zei¬ 
tungen gebrachte Nachricht, daß von der säch¬ 
sischen Regierung eine Spaltung der General¬ 
direktion der Königlich sächsischen Kunstsamm¬ 
lungen in zwei Abteilungen beabsichtigt werde, 
hat allenthalben berechtigtes Interesse gefunden. 
Doch erst als die Motivierung der Regierungs¬ 
vorlage durch weitere Zeitungsmeldungen be¬ 
kannt und als man merkte, daß gerade die 
Kunstsammlungen auseinander gerissen werden 
sollten, ist die Angelegenheit von berufenen 
Fachleuten einer sachlichen Prüfung unterzogen 
worden. Auch im Sächsischen Landtag sind die 
Dresdner „Museumsnöte“ am 7. Februar 1908 
besprochen worden, als von einem für einen 
Museumsbau geeigneten Terrain die Rede war. 
In der Ersten Kammer meinte Dr. Naumann 
(Königsbrück), daß ein Museumsbau nicht länger 
hinausgeschoben werden dürfe, wenn sich nicht 
„Sachsen, bezw. Dresden, mit seinen Samm¬ 
lungen überflügeln“ lassen wolle. Auch hob der 
Redner hervor, dass bei den nötig gewordenen 
neuen Direktorstellen nur Bewerber von fach¬ 
wissenschaftlicher Befähigung in Frage kommen 
dürften. Wie die musealen Dinge in Dresden 
liegen, erfahren wir am besten aus einigen Auf¬ 
sätzen der Kötschau’schen „Museumskunde“. 

Das diesjährige 1. Heft der „Museumskunde“ 
bringt zunächst aus der Feder von Edgar von 


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Rundschau 


69 


Ubisch, des Direktors des königl. Zeughauses 
in Berlin, eine Würdigung des Projektes eines 
sächsischen „Fürstenmuseums“, wie es von 
Woldemar von Seidlitz, dem Vortragenden 
Rat der Generaldirektion in Dresden als einer 
Art Auslese des künstlerisch Besten aus allen 
Sammlungen geplant wird. Seit einem Jahrzehnt 
wird die Überfüllung der Dresdner Sammlungen 
als ein alle Stimmung, alle gute Wirkung aufheben- 
der Mangel beklagt, mehr und mehr ist auch 
von wohlwollenden Schätzern der Dresdner 
Sammlungen beobachtet worden, daß man den 
mählich steigenden Ansprüchen an eine bessere 
Vorführung der Schätze alter Kunst ent- 
gegenkommen müsse. Daß die Kulturmission 
Dresdens für den Osten und Norden Europas 
nachzulassen beginnen soll, das sagt uns Ubisch, 
und er wird in dieser Beobachtung wohl Recht 
haben. Ein Grund mehr also zur Errichtung 
neuer Museumsbauten und Beseitigung der 
mannigfachen Übelstände. Eine glänzende Lö- 
sung der Museumskalamität wäre es, wenn in 
absehbarer Zeit die Idee eines den höchsten 
Anforderungen entsprechenden Museums ver¬ 
wirklicht werden könnte, wie es von Seidlitz in 
seiner Broschüre „Kunstmuseen, ein Vor¬ 
schlag zur Begründung eines Fürstenmuseums 
in Dresden 41 , 1907 angedeutet hat. Das Projekt 
verdient, wenn es auch nicht gleich verwirklicht 
werden kann, in der Tat alle Berücksichtigung, 
es zeugt von einer hochgerichteten Kunstauf¬ 
fassung. Dem Kenner der überreichen Dres¬ 
dener Sammlungen braucht nicht erst nachge¬ 
wiesen zu werden, daß eine solche repräsen¬ 
tative Auslese, die die spezifisch sächsische 
Kunstkultur in ihren höchsten Spitzen von der 
ausgehenden Gotik bis an das Ende des XVIII. 
Jahrhunderts vorführen will, so getroffen werden 
kann, daß die bestehenden großen Sammlungen 
kaum in ihrem Bestände und in der ent¬ 
scheidenden Gesamtwirkung beeinträchtigt wer¬ 
den. Und wenn man sich dazu entschließen 
könnte, auch nur eine beschränkte Auswahl der 
unendlich vielen, sehr unnötigen und platzrau¬ 
benden Dubletten der Porzellansammlung zu¬ 
gunsten der Museen zu veräußern, dann würde der 
Erlös die Kosten des neuen Fürstenmuseums wohl 
decken können, und der Ausfall des Überflusses 
im Johanneum würde endlich dazu führen, aus 
der Porzellangalerie eine wirklich mustergiltige 
keramische Fachsammlung zu entwickeln, wie wir 
sie dringend in Deutschland brauchen könnten. 
Eine keramische Galerie ist da zu schaffen, 
die, wie sie dem historischen Studium dienen soll, 
ebenso den wechselnden Erfordernissen der 
Praxis auf allen Gebieten der Keramik nützlich 
werden müßte. 


Ein zweiter Aufsatz der „Museumskunde 44 
knüpft an den Artikel von Ubisch an und behandelt 
die Frage der Spaltung der Generaldirektion der 
Königlich sächsischen Sammlungen. Geschrieben 
ist er von Karl Kötschau, der ja lang genug 
als Leiter des Historischen Museums in Dresden 
gewesen ist, um einen guten Einblick in die 
dortigen Verhältnisse gewonnen zu haben. Wie 
jedem, der im sächsischen Staatshaushaltplan 
für 1908 auf das Kuckucksei des Regierungsvor¬ 
schlags gestoßen war, das Unzulängliche der 
Begründung auffiel, so lehnt ihn auch Kötschau 
als unannehmbar ab. Mit Recht führt er aus 

— und damit trifft er sich mit Ausführungen, 
die bereits in der Tagespresse zu lesen waren 

— daß man die Einheit in der Verwaltung des 
Kunstbesitzes aufrecht erhalten müsse und daß 
es gerade in unserer Zeit not tue, die Zu¬ 
sammengehörigkeit von Kunst und Ge¬ 
werbe zu betonen. Wollte man hier teilen, 
zerreißen, es könnte den Kunstsammlungen zum 
Verhängnis werden. 

Aber Kötschau geht in seinen Vorschlägen 
sehr viel weiter, er entwickelt ein organi¬ 
satorisches Zukunftsprogramm. Er empfiehlt, 
nicht nur die Kunstsammlungen des könig¬ 
lichen Hauses, sondern auch die Kunstge¬ 
werbeschule mit ihrem Kunstgewerbemuseum, 
kurz, alle staatlichen Kunstbildungsanstalten 
unter ein einheitliches Ressort des Kultus¬ 
ministeriums zu gruppieren, und dann zu teilen 
zwischen einem Vortragenden Rat für alle 
Kunstsammlungen und einem anderen für 
die Unterrichtsanstalten. Über beiden schwebt 
dann einigend der Generaldirektor. Die natur¬ 
wissenschaftlichen Sammlungen aber, die bisher 
mit den Kunstsammlungen verbunden sind, 
möchte er ganz abstoßen und der technischen 
Hochschule zuweisen. Mit Recht fordert Köt¬ 
schau, daß sowohl der Vortragende Rat für die 
Kunstsammlungen, wie derjenige für die Unter¬ 
richtsanstalten, Fachleute sein möchten. Alles 
sehr plausibel, dann aber meint er weiter, daß 
eine zentralistische Generaldirektion imstande 
sein werde, auch dem gegenwärtigen Gewerbe 
Ziel und Richtung zu geben — und da können 
wir nicht recht mit. 

Es heißt in dem Aufsatz: „Werden die 
Unterrichtsanstalten künstlerischen Charakters der 
neuen Generaldirektion mit unterstellt, so kommt 
ein großer einheitlicher Zug in die Ausübung 
der Kunstpflichten des Staates, Sammlungen und 
Unterrichtsanstalten können Hand in Hand ar¬ 
beiten, die Gegenwart wird endlich die Schätze 
der Vergangenheit voll für sich ausnützen können, 
es wird eine fruchtbringende Durchdringung von 
Altem und Neuem vor sich gehen und eine 


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70 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Kultur sich entwickeln, die auf weiterer Grund- 
läge ruht und der deshalb in der Zukunft der 
Sieg gehören muß. Sachsen aber leistet dann 
als erster der deutschen Staaten etwas, worauf 
die Entwicklung in nicht allzu großer Feme 
sicherlich hindrängt: es übt eine einheitliche 
Kunstpflege aus und gibt dem Lande eine ge- 
schlossene künstlerische Kultur a . Wirklich? 
Uns will das doch etwas zu viel gefolgert er- 
scheinen. Der Gedanke von der fruchtbringenden 
Durchdringung von Altem und Neuem ist na¬ 
türlich ohne reaktion&ren Beigeschmack zu ver¬ 
stehen. Kötschau denkt gewiß nicht an eine 
Abh&ngigkeit der neuen von der alten Kunst 
und glaubt auch nicht, daß eine eklektische 
Kunst der Rückgriffe auf die historischen Stüe 
der endlich lebenskräftig gewordenen modernen 
Bewegung in Kunst und Gewerbe dienen kann. 

Zeigt in eueren Sammlungen, daß ihr die 
Kunstwerke als so 1 che zu schätzen wißt, gleich¬ 
viel aus welcher Zeit sie sind, lehrt das Volk 
und die Künstler den Respekt vor den Schätzen, 
nicht nur wenn sie alt, sondern wenn sie gut 
sind — bringt ihr das in euren Sammlungen 
eindrucksvoll zustande, dann ist es gut und für 
unsere Kultur wahrlich genug. Denn so erziehen 
wir uns die Schätzer, Kenner und die anspruchs¬ 
vollen Käufer der Kunst, die wir dringend 
brauchen. Im übrigen aber laßt die Modernen 
sich eigne Maßstäbe suchen und macht sie nicht 
immer mit dem Beispiel der alten mundtot. 
Gewiss ist alte Kunst voller Weisheit, voll ge¬ 
heimer Lehre. Sie ist ein Mittel der Geschmacks¬ 
bildung und eine feine Stimmgabel — und nur 
in diesem Sinne ein Vorbild für unsere moderne 
Kunst! 

Der neuen Kunst möchten wir alle und 
jede Freiheit der Anregung, der Entwicklung 
lassen. Das Institut aber,’das sich in der Zen¬ 
tralstelle für sächsisches Kunstgewerbe 
in Dresden gebildet hat, heraus aus den Er¬ 
fahrungen der Dresdner Kunstgewerbe-Aus¬ 
stellung und den Bedürfnissen der Zeit ge¬ 
horchend, schiene uns mit seiner beweglichen 
Organisation sehr wohl geeignet, der Kunst 
Ziel und Richtung innerhalb der modernen In¬ 
dustrie und des Gewerbes zu weisen und der er¬ 
strebten allgemeinen Kunstkultur vorzuarbeiten, 
— wenn es nur erst recht in Betrieb kommen 
wollte! 

So haben die Erörterungen der Fragen, die 
an eine etwaige Änderung in der sächsischen 
Generaldirektion geknüpft werden, schon Per¬ 
spektiven aufgesucht, an die zunächst kaum ge¬ 
dacht wurde. Wurzelt der Regierungsvorschlag, 
der diese Erörterungen hervorgerufen hat, in 


der richtigen Erkenntnis, daß es gut sei, den 
einen Vortragenden Rat der Generaldirektion zu 
entlasten, dem außer den Kunstsammlungen zur 
Zeit auch die naturwissensdiaitlichen Samm¬ 
lungen und die Bibliothek unterstehen, so wird 
man gut tun, Kunst und Gewerbe fein bei ein¬ 
ander zu lassen, wohl aber die naturwissen¬ 
schaftlichen Sammlungen abzutrennen, wie das 
auch von Kötschau recht einleuchtend dargelegt 
worden ist. Das wäre logisch und wäre prak¬ 
tisch, und ist das zunächst Wichtige. 

8 

FRANKFURT a. M. ■■■ -- 

Die Boeh 1 e - Ausstel 1 ung im 
Staedel'schen Kunst-Institut. 1 ) In den 
Ausstellungsräumen des Staedel’schen Kunst- 
Instituts befindet sich seit 4 Wochen eine Aus¬ 
stellung von Gemälden von Fritz Boehle. In 
den intimen Kabinetten und Gängen hängen 
25—30Bilder des jungen Künstlers, die im wesent¬ 
lichen einen neuen Begriff von seiner Schaffens¬ 
art geben. Die Mehrzahl der ausgestellten Bilder 
ist ein Produkt letzter Zeit, nur einige — teils 
aus Privatbesitz — vertreten des Künstlers 
früheres Können und charakterisieren nur um 
so stärker seine heutige andere Art. Um in 
der Verschiedenartigkeit des ausgestellten Reich¬ 
tums Überblick zu gewinnen, will ich zunächst 
die Porträts aussondern. Das früheste von 1894 
zeigt den Künstler schon auf einer sicheren Höhe 
seines Schaffens, namentlich hinsichtlich der Ge¬ 
samterfassung des dargestellten jungen Mannes. 
Aber wenn hier noch ein Kleben des Kopfes 
auf dem grünen Untergründe auszusetzen wäre, 
so zeigt das Bildnis des Kammersängers Perron 
aus dem Jahre 1906, zu welch großer Form der 
Künstler sich durchgearbeitet hat. Seine Be¬ 
schäftigung mit der Plastik gewinnt einen un¬ 
erbittlichen Einfluß auf seine Malkunst, so daß 
die Gesichtszüge des dargestellten Menschen in 
flächiger Klarheit sich zusammenfügen, ohne daß 
sein Pinsel an eigentlich malerischer Qualität 
einbüßt. Diesen beiden Porträts schließen sich 
noch drei weitere an, unter denen hauptsächlich 
das eines jungen Bauern (Bruder des Künstlers) 
herrorgehoben zu werden verdient. 

Eine zweite Gruppe bilden die religiösen Dar¬ 
stellungen. Fast unvergeßlich in den verschie¬ 
denen Nuancen des dargestellten Schmerzes er- 


] ) Dem Programm der Monatshefte entsprechend soll 
die moderne Kunst nur in Ausnahmeffillen ausführ¬ 
licher behandelt werden. Eine Erscheinung wie der Frank¬ 
furter Meister Fritz Boehle rechtfertigt indes diese Aus¬ 
nahme vollauf. Die Red. 


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Rundschau 


71 


scheinen eine Kreuzigung, Beweinung Christi 
und eine Kreuzabnahme. Diesen Bildern gliedern 
sich noch an eine Madonna mit dem Gnaden¬ 
mantel, ein heiliger Christophorus und ein heiliger 
Hieronymus. Die Gestaltung dieser religiösen 
Vorwürfe führt in gerader Linie zu dem künst¬ 
lerischen Hauptinteresse Boehles, zur Darstellung 
des nackten Menschen in Verbindung mit dem 
Tier, im besonderen mit dem Pferd. Einige 
Bildtitel werden zur Illustration dienen: Raub 
der Europa, Centaur und Jüngling, Adam und 
Eva, nackte Jünglinge und Pferde, Pferde in 
der Schwemme, Jüngling und Pferd, ein Fries 
reitender Jünglinge und sich angliedernd: 
sprengender Ritter, der heilige Georg; denn 
auch die Rüstung ist ja eine Art Akt. 

Somit wäre ungefähr ein Überblick über das 
Gebotene gewonnen. Was an Boehle besonders 
interessiert und ihm die beachtenswerte St llung 
unter den heutigen Künstlern zuweist ist neben 
der zeichnerischen Gediegenheit und der kolo¬ 
ristischen Feinfühligkeit die Kraft seiner Er¬ 
findung und die Eigenart seiner Komposition. 
Bei seinen Gestalten und Köpfen sucht man 
umsonst nach tastenden Unsicherheiten; die 
Körper seiner Menschen sind reine „gottgegebne 
Form“; die Köpfe gehen stets auf das Typische; 
damit soll gesagt werden, daß alles Einzel¬ 
persönliche wegfällt zugunsten einer höheren 
Konzentration. 

Wenn auch die Maltechnik keinesfalls im¬ 
pressionistisch ist, so erfrischt sie um so mehr 
durch diesen Gegensatz, zumal sie in ihrer 
Wirkung ein gleiches gibt. 

Und nun gelangen wir mit zu dem Erstaun¬ 
lichsten, was die Ausstellung uns gebracht hat, 
zu dem Reichtum der Vorwürfe, der uns schon 
bei der Aufzählung der einzelnen Gemälde ent¬ 
gegentrat. Boehle zeigt sich wieder als einer 
der genialen Menschen vom Schlage Böcklins, 
die eine eigne innere Welt in Farbe und Form 
uns eröffnen. Aber noch ein andrer Name ver¬ 
dient hier genannt zu werden: Hans von Maries. 
Was dieser hochstrebende Künstler erreichen 
wollte, scheint sich hier vollenden zu sollen, 
und zwar auch wieder in der eigenartigen Syn¬ 
these von Akt und Pferd. Auch in der An¬ 
ordnung des Vorwurfs verspürt man gleiche 
Ziele. Boehle geht auf monumentale Kompo¬ 
sition aus. Der große Eindruck seiner Bilder 
ist bedingt durch das Kernige, man möchte fast 
sagen Derbe ihres Schemas. Die fast logische 
Schlichtheit der Einordnung der Gestalten in den 
Bildraum und in die sie umgebende Natur er¬ 
innert im höchsten Sinne an den Grundriß eines 
bedeutenden Architekten. E. A. B. 

9 


MÜNCHEN ■■ = 

ln der Galerie Heinemann in München 
war im Dezember eine vorzügliche Aus¬ 
stellung von Werken der Schäler Wilhelms 
von Diez zu sehen. Bedeutungsvoll wie 
seit Jahren keine ähnliche Veranstaltung in 
München, gab sie vor allem eine erstaunliche 
Probe für das malerische Können zahlreicher 
Münchener Künstler, deren Namen verschollen 
sind oder die seither auf moderne Bahnen 
abschwenkten, ohne hier eine ihrer ursprüng¬ 
lichen Begabung entsprechende Leistung zu 
schaffen. Duveneck-Herter-Breling, in diesen 
drei Männern finden sich Eigenschaften, deren 
künstlerisches Ausdrucksvermögen unbedenklich 
neben dem Schaffen vielgepriesener und hoch- 
bezahlter französischer Meister der gleichen 
Zeitperiode (1870—1885) genannt werden darf 
und muß. Münchens Kunstgeschichte hat ein 
neues, reiches, abschließendes Kapitel. Wir haben 
es einzuschalten vor dem Einsetzen der se- 
zessionistischen Bewegung. Das Wichtige an 
diesem Kapitel wird der Zusammenhang der 
Diezschüler mit Leibi sein. Künftighin wird 
man sich hüten müssen, die Kraft Leibis, des 
Malers, allein aus seinem Verkehr mit Courbet 
und dem in Paris gewonnenen Einfluß abzu¬ 
leiten. Wer eben damals in München malen 
lernen wollte, ging zu Diez, dessen Anregungen 
und Lehren auch von anderen, wie von Maries, 
befolgt wurden. Diezens Persönlichkeit als 
Lehrer steht gewißlich nunmehr an der ersten 
Stelle, wie es dem bescheidenen Meister voll¬ 
auf gebührt. 

Wie die Ausstellung von der Presse nur ge¬ 
ringe Beachtung gefunden hat, so daß leider 
der Besuch recht kläglich war, hat die An¬ 
kaufskommission der Pinakothek hier 
neuerdings ihre bekannte Fähigkeit bewiesen, 
nur diejenigen Bilder zu wählen, welche die 
geringste künstlerische Qualität besitzen. Das 
Konventionellste des Konventionellen hat allein 
vor ihren Augen Gnade gefunden. Sie ließ die 
weichen, lichtvollen Interieurs von Löfftz bei¬ 
seite, um eine wenig sagende Baumstudie an¬ 
zukaufen, nahm zu den ohnehin bereits vor¬ 
handenen Bildern von Herterich eine zerfahrene 
historische Skizze. Entzückende kleine Land¬ 
schaften blieben ohne Beachtung. Duveneck, 
nach Muther in Amerika geboren — er stammt 
aus Ingolstadt 1 — wurde wohl als lästiger Aus¬ 
länder empfunden und deshalb übergangen. 
Allein ein feiner Mädchenkopf von Herter mit 
großen, träumerisch sinnenden Augen ist aus¬ 
zunehmen unter den 17 Stücken, von welchen 
16 wohl angetan sind, jeden da vorstehenden 
Künstler, jeden künstlerisch empfindenden und 


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72 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


vergleichenden Menschen in der Oberzeugung 
des Erstaunens über das bayerische Kommissions- 
wesen in Kunstdingen zu bestärken. 

Uhde~Bernays. 

8 

NÜRNBERG ■ .■ ■ — 

Beim Rückblick auf Ausübung und Pflege 
der bildenden Kunst in Nürnberg während 
des verflossenen Jahres bieten sich dem 
Auge zwar keine bedeutsam hervorragende 
Punkte dar, aber eine gewisse Stetigkeit der 
Entwicklung zu höheren Zielen wird man, wenn 
man den Blick nur nicht starr auf Nürnbergs 
wunderbare Kunstblüte im 15. und 16. Jahr¬ 
hundert gerichtet hält, doch nicht verkennen 
können. Einen ansehnlichen Teil des Interesses, 
der Pflege und der für Kunstzwecke zur Ver¬ 
fügung stehenden Mittel wird ja freilich stets 
die große Vergangenheit der Stadt und die Er¬ 
haltung und Erforschung der uns aus ihr in ver¬ 
hältnismäßig reicher Zahl überkommenen Denk¬ 
mäler absorbieren müssen. So bildet ein Haupt¬ 
kapitel in der Geschichte der Nürnberger Kunst¬ 
pflege schon seit vielen Jahren die Wieder¬ 
herstellung namentlich unserer ehr¬ 
würdigen gotischen Kirchen, an denen 
sich frühere Zeiten durch mangelhafte Aus¬ 
besserung mit schlechtem Material nicht selten 
arg versündigt haben und deren äußerer Skulp¬ 
turenschmuck vollständigem Verfall durch Ver¬ 
witterung anheimzufallen drohte oder bereits 
anheimgefallen war. Nach der mustergültigen 
Restaurierung der Sebalduskirche durch Pro¬ 
fessor Joseph Schmitz hat sich dieser hoch¬ 
verdiente Meister gotischer Baukunst bekannt¬ 
lich der teilweise in noch schlimmerem Zustande 
befindlichen Lorenzkirche zugewandt, und das 
südliche Seitenschiff wie der südliche Turm, 
bei dem es sich vor allem um die Ersetzung 
der alten schadhaften Zinndeckung durch eine 
Kupferbedachung und um die Restaurierung der 
Steingiebel des Achteckaufbaues handelte, haben 
im vergangenen Jahre fertiggestellt werden 
können. An der Außenseite des nördlichen 
Seitenschiffs ist der alte ölberg in neuen, nach 
Möglichkeit getreuen Figuren und wohl abge¬ 
wogener Polychromierung wieder erstanden. 
Nun aber ist in der Kasse des Vereins für die 
Wiederherstellung der St. Lorenzkirche leider 
eine bedenkliche Ebbe eingetreten, die durch 
Veranstaltung einer Geldlotterie zu beheben ge¬ 
sucht wird, worauf dann hoffentlich die Arbeiten 
ihren ungehinderten Fortgang werden nehmen 
können. Inzwischen hat sich Prof. Schmitz auch 
der kleinen nördlich von der Sebalduskirche 


gelegenen Moritzkapelle, in der vor kurzem 
wertvolle frühe Wandmalereien aufgedeckt wur¬ 
den, angenommen; bei der Restaurierung der 
Jakobskirche, von der neuerdings gleichfalls ver¬ 
schiedentlich die Rede war, wird es sich indessen 
lediglich um einige nötig werdende Ausbesse¬ 
rungsarbeiten von untergeordneter Bedeutung 
handeln. —Die Inventarisierung des gesamten 
noch in Nürnbergs Mauern vorhandenen Kunst¬ 
besitzes — mit Ausschluß natürlich der Samm¬ 
lungen — hat sich seit einigen Jahren der „Verein 
für die Geschichte der Stadt Nürnberg“, vom 
Stadtmagistrat tatkräftig unterstützt, auf das 
eifrigste angelegen sein lassen, und die Heraus¬ 
gabe der ersten Lieferungen des Werkes über 
Nürnbergs Bau- und Kunstdenkmäler, die den 
mit der Inventarisierung betrauten Konservator 
am Germanischen Museum, Dr. F. T. Schulz, 
zum Verfasser haben werden, steht in Bälde zu 
erwarten. 

Weit über die Grenzen Nürnbergs oder 
Bayerns, weit auch über die Grenzen der Kunst¬ 
pflege und Kunstgeschichte hinaus auf planmäßige 
Sammlung und Erforschung von Denkmälern 
der gesamten älteren deutschen Kultur zielen 
bekanntlich die ihm von seinem Begründer, dem 
Freiherrn von Äufseß, eingepflanzten, von dessen 
Nachfolgern weiterentwickelten Absichten und 
Pläne desGermanischen Nationalmuseums. 
Nach der bedeutenden Erweiterung der Samm¬ 
lungen in den ersten sechs Jahren des neuen Jahr¬ 
hunderts (Bauernzimmer,Volkstrachtensammlung, 
Zimmerflucht mit Barock-, Rokoko- und Empire¬ 
einrichtungen) ist in dieser Beziehung in der 
letzten Zeit zunächst eine Pause eingetreten, 
was teils in der begonnenen gründlichen Durch¬ 
arbeitung einzelner Abteilungen, teils auch in 
der allmählich wieder brennend werdenden Raum¬ 
frage seinen Grund hat. So wurden 1907 die 
Abteilungen Glas, Keramik, Zinn den heutigen 
museologischen Anforderungen entsprechend neu 
aufgestellt, die Ausstellung von Schriftproben, 
wie von Erzeugnissen des Drucks und der 
graphischen Künste neu geordnet, die Gewebe¬ 
sammlung in neuen gesünderen Rahmen und 
Schränken untergebracht. Für die letztere Ab¬ 
teilung konnte namentlich auf der Auktion der 
Sammlung Spengel eine ansehnliche Reihe wert¬ 
voller Ergänzungen erworben werden, und auch 
auf verschiedenen anderen Gebieten waren die 
Zugänge während des vorigen Jahres beträchtlich. 
Unter den neu erworbenen Werken der Plastik 
sei eine aus Tirol stammende Madonna mit dem 
Kinde aus dem Ende des 14. Jahrhunderts und 
die Halbfigur einer ebensolchen Maria aus der 
Werkstatt Tilman Riemenschneiders, unter den 
wissenschaftlichen Instrumenten ein messingenes 


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Rundschau 


73 


Astrolabium von Georg Hartmann, Nürnberg, 
1548, unter den Goldschmiedearheiten ein mäch¬ 
tiger Weinhumpen aus dem Anfänge des 18. Jahr¬ 
hunderts, u. a. mit der getriebenen Darstellung 
des Heidelberger Riesenfasses, und das vor¬ 
trefflich gearbeitete silbervergoldete Monile eines 
Osnabrücker Domherrn aus dem Geschlechte der 
Hatzfeld, Kölner Arbeit um 1630, ein wahres 
Prachtstück, besonders hervorgehoben. Die Be¬ 
stände des Kupferstidikabinetts erfuhren durch 
Ankäufe von Blättern Israel von Meckenems 
(Bartsch 28), Dürers (B. 66: die drei Genien, 
und das Holzschnittbildnis Kaiser Maximilians 
vom Jahre 1519, B. 153), Burgkmairs, Aldgrevers, 
Cranachs, Brosamers, Daniel Hopfers, Hieronymus 
Bangs, Paul Flindts, H. S. Lautensacks, Virgil 
Solis’ Wenzel Hollars u. a. m. wichtige Er¬ 
gänzungen, während für die Bibliothek u. a. 
ein vollständiges Exemplar des seltenen Werkes 
„DerTürckische Schau-Platz... Hamburg, gedruckt 
und verlegt durch Thomas von Wiering... 1685“ 
mit nahezu dem gesamten Holzschnittwerke 
des Melchior Lorch (1527—1586) in allerdings 
späten Abdrücken erworben werden konnte. 
Gegen den Schluß des Jahres hatte sich die 
Bibliothek übrigens noch der sehr willkommenen 
Schenkung ausgewählter Bestände einer Privat¬ 
bibliothek (Beckh-Ratsberg bei Erlangen) zu er¬ 
freuen, die, im ganzen an 1600 Bände, worunter 
viele Sammelbände, vor allem freilich der literar¬ 
historischen, philosophischen und lokalgeschicht¬ 
lichen Abteilung der Bibliothek zugute gekommen 
ist. Erwähnt sei hier, daß aus der gleichen 
Privatbibliothek eine weit über hundert Blätter 
umfassende Sammlung von Handzeichnungen 
aus dem Besitze des Architekten und Kupfer¬ 
stechers Paul Decker (1677—1713), des Erbauers 
des Erlanger Schlosses, von den bisherigen Be¬ 
sitzern der Universitätsbibliothek zu Erlangen 
als Geschenk überwiesen worden ist. Die meisten 
dieser Blätter rühren von Deckers eigener Hand her. 

Wie das Germanische Museum den natür¬ 
lichen Mittelpunkt der kunst- und kulturgeschicht¬ 
lichen Studien in Nürnberg bildet, so gehen die 
hauptsächlichsten und wirkungsvollsten künst¬ 
lerischen Bestrebungen mit dem Nachdruck auf 
das von Alters her in Nürnberg blühende 
Kunstgewerbe vom Bayerischen Gewerbe¬ 
museum und der Königl. Kunstgewerbe¬ 
schule aus. Die letztere hatte zwar in den 
letzten Jahren durch den Tod des Professors 
Wilhelm Behrens (+ 1904) und den Rücktritt 
und Fortzug des um die Kunstentwicklung in 
Nürnberg so verdienten Prof. Friedrich Wan¬ 
derer schwere Verluste zu beklagen, aber neue 
wertvolle Kräfte: Hermann Bek-Gran, Max Heil¬ 
maier, Otto Lohr, sind mit jugendlichem Feuer 


in die entstandene Bresche gesprungen. Das 
Bayerische Gewerbemuseum wirkt nach wie vor 
in weiteste Kreise namentlich durch belehrende 
Vorträge aller Art und durch die seit 1901 regel¬ 
mäßig abgehaltenen kunstgewerblichen Meister¬ 
kurse, die im letzten Jahre unter der Leitung Paul 
Hausteins aus Stuttgart standen. Gegenwärtig 
ist überdies eben die Gründung einer Zweig¬ 
niederlassung des Museums in Landshut im 
Werke, gewiß ein Zeichen für den Anklang, 
den die Bestrebungen der Anstalt fortgesetzt 
finden, für die Beliebtheit, deren sie sich er¬ 
freut und der sie zum guten Teil ihre Erfolge 
zu verdanken hat. Auf die rein private Gründung 
der „Noris-Werkstätten“ für angewandte 
Kunst durch den Architekten Jakob Sdimeißner und 
den Kunstmaler Hermann Schwabe zu Ausgang 
des Jahres 1906 soll gleichfalls an dieser Stelle 
hinzuweisen nicht unterlassen werden. Ist doch 
aus diesen Werkstätten in der kurzen Zeit ihres 
Bestehens schon eine beträchtliche Zahl hand¬ 
werklich schöner Einzelstücke, wie ganzer 
Zimmer- und Hauseinrichtungen, die den Ge¬ 
schmack zu bilden und zu verfeinern geeignet 
sind, hervorgegangen. 

Auch der engere Zusammenschluß der Künst¬ 
lerschaft Nürnbergs zur „Nürnberger Kunst¬ 
genossenschaft 44 ist erst in jüngster Ver¬ 
gangenheit erfolgt. Die erste Frucht der neuen 
Organisation war die Dürerbund-Ausstellung, die 
vom 29. September bis zum 31. Oktober 1907 
im Hörsaal des Bayerischen Gewerbemuseums 
stattfand und von dem redlichen und ernsten 
Streben unserer Künstler, deren Senior, den 
Architekturmaler Professor Paul Ritter, leider 
der Tod am 27. November aus der Reihe der 
Schaffenden abgerufen hat, beredtes Zeugnis 
ablegte. Insbesondere war Professor Bek-Gran 
dabei durch eine Sonderausstellung seiner Werke 
namentlich aus zeichnerischem Gebiete vortreff¬ 
lich vertreten. 

So steht zu hoffen, daß sich das noch zarte 
Pflänzlein der neueren Nürnberger Kunst in 
Zukunft noch zu wahrerKraft und immer reicherer 
Fülle entwickeln werde. Gewiß wird dazu auch das 
neue Künstlerhaus am Königstor beitragen, 
das der freien Künstlerschaft gewissermaßen 
einen Mittelpunkt und eine Heimstätte gewähren 
soll und nunmehr seiner Vollendung entgegen¬ 
geht. Der Entwurf zu demselben rührt von 
Professor Konradin Walther her, die Innenein¬ 
richtung, für die am 8. Januar ein prächtig ver¬ 
laufenes Künstlerfest weitere Mittel flüssig ge¬ 
macht hat, wurde den bewährten Händen des 
Bauamtsassessors Ludwig Ullmann anvertraut. 
Auch der Albrecht Dürerverein wird viel¬ 
leicht nach Übersiedlung aus den lange inne- 


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74 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


gehabten unwürdigen Lokalitäten am Haupt- 
markt in das zweckentsprechend eingerichtete 
neue Gebäude, das auch ihn aufzunehmen be- 
stimmt ist, eine Verbesserung seines Blutes 
und und eine Hebung seiner Kräfte verspüren, 
ja in fernerer Zukunft wohl gar aus dem Zu- 
sammenwirken der verschiedensten Faktoren 
eine moderne Gemäldegalerie erstehen, wie man 
sie einer Stadt von der Größe und Bedeutung 
Nürnbergs so sehr wünschen möchte, zu der 
aber bisher in der städtischen Sammlung auf 
dem Rathaus nur erst geringe Ansätze vor¬ 


handen sind. 


Theodor Hampe. 


FLORENZ - ■- - - 

In den Florentiner Sammlungen 
schreitet die Arbeit der Neuordnung fort, Er¬ 
werbungen finden statt, in den Kirchen wird 
überall an Restaurationen gearbeitet, es ist 
darüber viel zu berichten. Dies soll demnächst 
ausführlich geschehen. Schon heute sei jedoch 
mitgeteilt, daß die Gerüste im Baptisterium, 
weldie viele Jahre lang die Mosaiken der Kuppel 
dem Auge entzogen, nun völlig entfernt sind, 
und jene Schöpfungen aus der Morgenröte der 
italienischen Kunst wieder der Bewunderung 
und dem Studium zugänglich sind. In S. Maria 
Novella sind die Säuberungs- und Restaurations¬ 
arbeiten an den Fresken Ghirlandajos ebenfalls 
vollendet, mit großem Geschick und mit Takt. 
Während der Zeit, da die Gerüste noch auf¬ 
gebaut waren, sind übrigens von dem Floren¬ 
tiner Photographen Manelli eine große Serie 
von Detailaufnahmen gemacht worden, die der 
Forschung gute Dienste leisten können. 

In Florenz ist ein französisches Institut 
ins Leben getreten, das Renaissance-Studien 
im weitesten Sinne fördern will, in Literatur, 
Geschichte und Kunst. Es ist so gedacht, daß 
französische Studenten an ihm ihre Studien 
machen, indem sie gleichzeitig an der Floren¬ 
tiner Universität eingeschrieben werden. Da¬ 
neben will das Institut durch Vorträge sich an 
die Florentiner Gesellschaft wenden und ferner 
auch die gelehrten Beziehungen von Frankreich 
und Italien durch Vermittlerdienste fördern. 

In der am 25. v. M. stattgehabten Sitzung 
des Kunsthistorischen Instituts brachten 
Darlegungen des Malers Otto Hettner über 
Zeichnungen Michelangelos sehr wichtige 
Untersuchungen, welche in ihrer Methode 
eine außerordentliche Verfeinerung der kritischen 
exakten Behandlung von Handzeichnungen, in 
ihrem Resultat neue Urteile über Echtheit oder 
Unechtheit einiger Blätter und neue Einsichten 


in den Schaffensprozeß Michelangelos bedeuten. 
Sie bewiesen wieder von einer neuen Seite her, 
daß die Quellen der Größe einer Leistung auch 
beim Genie aus stiller energischer Arbeit fließen 
und geben eine Illustration zu der Stelle Väsaris, 
welche sagt, daß Michelangelo seine Studien¬ 
blätter verbrannt habe, damit die Welt nicht 
wisse, wie furchtbar schwer es ihm geworden 
sei. Herr Hettner führte aus: Eigene Versuche 
zur Darstellung von in der Luft schwebenden 
Figuren brachten ihn dazu, diese scheinbar dem 
direkten Modellstudium entzogenen Bewegungs¬ 
motive dadurch unmittelbar nach der Natur zu 
zeichnen, daß er wie auch schon der Maler 
Bonnat getan hatte, sicherlich auch andere Künstler, 
z. B. für eine vom Himmel steigende stark ge¬ 
kurvte Gestalt den Ausweg wählte das Modell 
über einen Sessel zu legen, es so zu zeichnen 
und dann das Blatt herumzudrehen. Die vor¬ 
gelegte Zeichnung bewies den Anwesenden aufs 
schlagendste, daß die so erzielte Skizze (nach 
einigen kleinen Detailkorrekturen) in der Tat, 
glaubhaft und bestimmt einen raschen Sturz 
darstellte. 

Diese Arbeitsmethode hat der Vortragende 
nun bei den großen Meistern der Renaissance 
festgestellt und er beweist dies im einzelnen 
an Handzeichnungen und Malereien Michel¬ 
angelos. Bei seinen Werken in der Sixtinischen 
Kapelle kommt nicht eine einzige Stellung vor, 
die nicht nach der Natur studiert ist, obwohl 
bei vielen dies auf den ersten Blick unmöglich 
erscheinen möchte, wie z. B. bei der Kreuzigung 
Hamans. Die Studien dazu (abgebildet bei 
Steinmann, Sixtinische Kapelle, Bd. II, S. 633 
und 634), welche im British Museum und im 
Teyler Museum aufbewahrt werden, zeigen den 
Gang, auf welchem Michelangelo zur völligen 
Durcharbeitung des Gekreuzigten mit Hilfe von 
Aktstudien gelangt ist, indem er nämlich die 
Gesamtstudie (Steinmann 634) dadurch gewann, 
daß das Modell auf eine Bank gelegt wurde, 
und die durch die liegende Position sich er¬ 
gebenden von der Endabsicht abweichenden 
Einzelheiten durch Detailstudien korrigiert und 
die Korrekturen in die zuerst gewonnene Ge¬ 
samtstudie eingetragen wurden, wie wir dies 
auf beiden Blättern verfolgen können. Die 
logische Bedingtheit aller auf diesen beiden 
Blättern sich findenden Zeichnungen unterein¬ 
ander, die alle einem durchschaubaren Ent¬ 
wicklungsgänge der den Haman vorbereitenden 
Studien angehören, schließen es aus, daß diese 
Blätter nach dem fertigen Werke gezeichnete 
Kopien sind, wie Berenson meint. Beide Blätter 
sind vielmehr eigenhändige Studien des Meisters 
selbst. 


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Rundschau 


75 


Herr Hettner schreitet dann zur Betrachtung 
des auf beiden Seiten bezeichneten Blattes des 
British Museum, welches Studien zu den Engeln 
mit den Marterwerkzeugen enthalt und bei 
Steinmann a.a. O., S. 663 u. 664 abgebildet ist. 
Auf diesem finden sich einige direkt umgekehrte 
Zeichnungen. Um dieses nachzuweisen, gibt 
der Vortragende ein Schema von mit der rechten 
und mit der linken Hand gezeichneten Streich- 
lagen und stellt fest, daß eine Zeichnung, deren 
Strichführung ganz oder großenteils von links 
oben nach rechts unten oder von rechts unten 
nach links oben geht, entweder von einem 
Linkshänder gezeichnet ist oder anders herum, 
als wie wir es zu betrachten gewohnt sind. 
Dies ist z. B. der Fall bei der scheinbar sich auf 
die verschränkten Arme stützenden Figur. Das 
Modell für diese Skizze lag in Wirklichkeit auf 
dem Rücken, wie die unbestimmt gegebene 
Rückenlinie und die Strichführung zeigen. In 
weiterer Analyse werden dann beide Blätter 
studiert unter interessanten Ergebnissen, die 
dann wiederum dafür sprechen, in ihnen echte 
Skizzen Michelangelos zu erkennen. Bei einer 
ganzen Reihe von Gestalten des Jüngsten Ge- 
richts und der Sixtinischen Decke ist die ge¬ 
schilderte Arbeitsmethode von Michelangelo an¬ 
gewendet worden, wie weitere Ausführungen 
des Vortragenden beweisen; ferner ist sie auch 
von Signoreili und Correggio geübt worden. 
Herr Hettner beabsichtigt seine Studien zu ver¬ 
öffentlichen, und es ist von ihnen in vielen 
Punkten eine endgültige Klärung in der kriti¬ 
schen Einschätzung der Blätter zu erwarten. 

Herr Dr. C o r w e g h versuchte die Datierung 
der Befreiung der Andromeda des Piero di 
Cosimo, welche Knapp früher als die für Francesco 
da Pugliese gearbeitete Andromeda-Serie an¬ 
setzt, als ein Spätwerk des Meisters dadurch 
nachzuweisen, daß er feststellt, Piero habe die 
Gestalt des Platon aus Raffaels etwa 1510 ent¬ 
standenen Schule von Athen für die Zeusstatue, 
die im Hintergründe sichtbar ist, auf seinem 
Bilde verwendet; denn diese Zeusstatue sei 
durchaus unantik, die Alten hätten jene Wei¬ 
sung nach oben nicht gekannt. — Dazu be¬ 
merkt der Unterzeichnete, daß die Zeusstatue 
auf dem Bilde Pieros den bekannten antiken 
Zeusstatuen, wie die Zusammenstellung bei 
Reinadi (Repertoire de la Statuaire qrecque et 
romaine. Vol. I, pag. 184—1%) beweist, viel 
entschiedener ähnle als dem Platon auf Raffaels 
Fresko; denn der Arm der Zeusstatuen (auch 
der vollständig erhaltenen) wird hoch über die 
Kopfhöhe erhoben, und so stellt auch Piero das 
Götterbild dar, während Platon nur den Unter¬ 
arm erhebt und mit der Hand nicht ganz zur 


Scheitelhöhe gelangt. Den erhobenen Finger 
hat Piero aus der Darstellung der Propheten 
herübergenommen, so daß man die Gestalt des 
Zeus bei Piero als selbständige ohne Kenntnis 
von Raffaels Werk geschaffene Leistung be¬ 
trachten muß und sie nicht in dem von Herrn 
Dr. Corwegh gemeinten Sinne zur Datierung her¬ 
anziehen kann. Im übrigen besteht zwischen 
dem Einzelbilde und der Serie ein so großer 
Unterschied in der Malweise, daß sie zeitlich 
nicht zusammgehören können. — Eine weitere 
Mitteilung des H. Dr. Corwegh bezog sich auf 
die großen Toröffnungen des Erdgeschosses bei 
Florentiner Palästen, die als Loggien anzusehen 
seien und welche nur so lange als offene Hallen 
erhalten wurden, als der betreffende Palast an 
einem offenen Platze lag und welche geschlossen 
wurden, sobald der Raum davor schmal wurde. 
Er stützt sich dabei auf das Bild des Granacci 
in der Brera, welches den Einzug Karls VIII. 
in Florenz darstellt und worauf vor dem Palazzo 
Medici ein weiter Platz und die Parterrefenster 
des Palastes noch als Tore sichtbar sind. — 
Dagegen hat der Unterzeichnete anzuführen, 
daß die Breite der Mauerstücke zwischen den 
drei Öffnungen und die in ihnen angebrachten 
kleinen Fenster den Loggiencharakter aus¬ 
schließen. Im übrigen könne eine Lösung der 
Frage nur durch Untersuchung des Mauerwerks 
selber gegeben werden. Auf dem Bilde Granaccis 
sei offenbar kein offener Platz gemeint, sondern 
die Straße sei so erweitert gezeichnet worden, 
um dem Künstler Platz zur Unterbringung des 
Zuges Karls VIII. zu schaffen. Loggien und 
hallenartige Gewölbe kamen, wie noch heute 
der Augenschein lehrt, auch in den engsten 
Gassen vor. Im allgemeinen hing die Zu¬ 
mauerung der offenen Gewölbe der Florentiner 
Paläste mit der veränderten Stellung der aus 
dem Kaufmannsstande hervorgegangenen Adels¬ 
familien zusammen, welche das Vorhandensein 
von Verkaufsgewölben in ihren Häusern seit 
dem Ende des Quattrocento nicht mehr als 
standesgemäß ansahen. Es ist für diese Wen¬ 
dung charakteristisch, daß die Absicht des Filippo 
Strozzi in seinem 1489 begonnenen Palaste 
Läden einzurichten von Lorenzo Magnifico als 
eine zu verhütende Unwürdigkeit bekämpft 
wurde. 

Herr Professor B rock haus spricht über eines 
der bekanntesten plastischen Werke aus der 
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das in Stutt¬ 
gart steht. Dort befindet sich im Schloßgarten 
gleich am Eingang ein Teich, an dem zwei 
große steinerne Nymphen liegen, von Dannecker 
ausgeführt. Auch dieses Werk wie so viele 
andere habe seine Wurzeln in Italien und zwar 


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76 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


in Florenz. Die Anregung dazu sei offenbar 
ausgegangen von einer Gemme der Uffizien, 
die eine antikisierende Arbeit des 16. Jahr" 
hunderts ist. Dannecker hat Italien besucht im 
Jahre 1785, wo er, 27 Jahre alt, zu Fuß nach 
Rom wanderte und dort die Bekanntschaft von 
Goethe und Herder machte. Damals kann er 
die Gemme kennengelernt haben, sie kann ihm 
aber auch durch das Kupferstichwerk von Gori 
„Museum Florentinum“ bekannt geworden sein, 
dessen die Gemmen enthaltender II. Band schon 
im Jahre 1732 erschienen ist. 

Bei der Vergleichung beider Werke zeigen 
sich Ähnlichkeiten und Abweichungen. Geändert 
sind Einzelheiten nebensächlicher Natur. Ändere 
bedeutsamere Einzelheiten sind beibehalten: so 
die selbstbewußte aufrechte Kopfhaltung der 
einen, das Herüberneigen und das Herübergreifen 
der anderen Gestalt. Angenommen ist nament- 
lich die Hauptidee des ganzen Werkes. 

Als Verdienst ist es dem modernen Künstler 
dabei anzurechnen, daß er den Fingerzeigen der 
alten Kunst gefolgt ist, und doch hat er weit 
mehr geboten, als er vorgefunden hat. Was 
ihm klein vorlag, hat er monumental gestaltet; 
— was wie in einer Zeichnung oder einem Bild 
in einfacher Vorderansicht gegeben war, hat er 
so gestellt, daß man es von allen Seiten sehen 
kann: die Gruppe zeigt, wenn man um sie 
herumschreitet, eine solche Folge erfreulicher 
Anblicke, daß man dem Künstler immer wieder 
dankbar sein muß. Endlich: nur angedeutet 
war in der Gemme die Umgebung, zu Füßen 
Wasser, über den Köpfen Baumwipfel. Er hat 
diese Umgebung wirklich geschaffen, und so 
kommt zur Freude an der plastischen Gruppe 
die Freude am immer leicht bewegten, blitzen¬ 
den Wasser und die Freude an den herrlichen 
grünen Baumgruppen rings umher. 

Adolf Gottsdiewski. 

8 

ROM ============ 

Die Gemäldegalerien Roms sind seit mehr 
als einem Jahrzehnt in fast beständiger Neu¬ 
ordnung begriffen. Schon seit Monaten wird 
der obere Stock der VUla Borghese umgebaut 
und muß voraussichtlich noch längere Zeit 
geschlossen bleiben. Die vollständige Neuord¬ 
nung der Galleria Nazionale im Palazzo Cor- 
sini, die schon von Venturi eingeleitet wurde, 
ist nun von seinem Nachfolger Hermanin zu 
einem höchst befriedigenden Abschluß geführt 
worden. Anlaß zu größeren baulichen Ver¬ 
änderungen gab zunächst die längst geplante 
Aufstellung des Herakles-Kolosses von Canova. 


Diese Monumentalgruppe ist schon vor mehre¬ 
ren Jahren mit anderen Kunstschätzen aus dem 
niedergerissenen Palazzo Torlonia in den Pa¬ 
lazzo Corsini gelangt. Sie stellt den Herakles 
dar, welcher mit höchstem Aufwand heroischer 
Kräfte den Lykas ins Meer schleudert. Ein be¬ 
sonderer Raum und in diesem eine besondere 
säulenflankierte Nische wurden mit vielem Ge¬ 
schmack für den Marmorkoloß hergerichtet. 
Bestellt wurde die Gruppe bereits vom Herzog 
Onorato Gaetani 1. J. 1796, an die Ausführung 
seines Modells machte sich Canova aber erst 
i. J. 1811, und zwar war der Besteller nunmehr der 
Bankier Giovanni Torlonia, der sich später der 
Päpstlichen Regierung verpflichten mußte, Ca- 
novas Hauptwerk niemals aus Rom zu ent¬ 
fernen. 

Ebenso glücklich wie die Aufstellung des 
Canova gelang, ebenso geschmackvoll ist im 
allgemeinen die Anordnung der Gemälde in den 
alten und neuen Sälen. Nur die häßlichen grünen 
Wandbekleidungen wurden leider noch meistens 
beibehalten. Hermanin hat das Kupferstich- 
Kabinett in den oberen Stock verlegt. Er hat 
den Schilderungen Roms im Sei- und Settecento 
einen besonderen Saal eingerichtet, wie man 
überhaupt die Malerei dieser Jahrhunderte in 
Rom schwerlich irgendwo anders besser stu¬ 
dieren kann als in der Galleria Nazionale. Aber 
auch die Malerei der Renaissance ist heute 
würdiger als früher repräsentiert, nachdem die 
Galerie nach einer Reihe von glücklichen Erwer¬ 
bungen neuerdings noch in den Besitz des herr¬ 
lichen Pier di Cosimo aus der Sammlung Ba- 
racco gelangt ist und eben jetzt ein wunder¬ 
bares, kleines Madonnenbild des Correggio 
erworben hat. Aus dem riesigen Depot sind 
eine Reihe höchst bedeutsamer Meister des 
Seicento der Galerie zurückgegeben worden, so 
vor allem einige Kopien nach Michelangelo, 
Landschaften Dughets und eine grausige Dar¬ 
stellung des gefesselten Prometheus von Salva¬ 
tor Rosa. E. St. 

8 

Villa Borghese . Für ein Porträt des Lorenzo 
Lotto, eine Anbetung der Könige von Jacöpo 
Bassano und einen Verkündigungsengel des Pier 
Maria Pennacchi sind von der Generalverwaltung 
der Museen die beiden Porträtbüsten des Kar¬ 
dinals Scipione Borghese für die Vila Borghese 
eingetauscht worden. Im Jahre 1891 mußten 
beide Büsten den Galerien von Venedig über¬ 
lassen werden, um sie überhaupt für die Museen 
Italiens zu retten. Jetzt ist in die Villa Pinciana 
das Bild ihres Erbauers zurückgekehrt. Die Ge¬ 
schichte beider Büsten wird uns von Baldinucci 


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Rundschau 


77 


ausführlich erzählt: wie Bernini die erste Büste 
preisgab wegen eines Fehlers im Marmor und 
dann mit dem zweiten Exemplar den Kardinal 
überraschte, der schon mit dem ersten voll- 
ständig zufrieden gewesen war. Die Büsten 
sind einstweilen provisorisch in der prächtigen 
Eingangshalle der Villa aufgestellt; leider ein 
wenig weit von einander, denn es sollte dem 
Beschauer die Möglichkeit eingehender Ver¬ 
gleichung nicht vorenthalten werden. Es ist so 
außerordentlich merkwürdig zu beobachten, wie 
es Bernini unmöglich war, sich selbst zu kopieren, 
wie er es verstand aus derselben Aufgabe gleich¬ 
sam ein neues Problem zu schaffen. So bildete 
er bei allen äußeren Ähnlichkeiten doch zwei 
verschiedene Charaktere, die sich gegenseitig 
nicht nur in der Stimmung des Augenblicks, 
sondern auch in der Offenbarung verborgener 
Anlagen der Psyche zu ergänzen scheinen. Der 
glänzende Name des Scipione Borghese begegnet 
uns an unzähligen Denkmälern Roms, nun ist 
auch sein Bild der Stadt, die ihm so viel ver¬ 
dankt, zurückgegeben worden. E. St. 

8 

Die Baugeschichte des Vittorio Emanaete- 
Denkmals — a stränge eventful history — 
scheint durch das energische Eingreifen des 
Unterrichtsministers in ein neues Stadium ge¬ 
treten zu sein. Die in einer Kommissionssitzung 
vom 5. Januar gefaßten Beschlüsse sind etwa 
folgende: Das Monument soll i. J. 1911 einge¬ 
weiht werden, wenn es auch noch nicht ganz 
vollendet sein kann. Vor allem sollen die Archi¬ 
tektur und die Statuen berühmter Männer fertig¬ 
gestellt werden; die großen Reliefs dagegen 
mit den historischen Darstellungen sind über¬ 
haupt aufgegeben worden. Im übrigen wurde 
der geniale Gesamtplan des verstorbenen Sacconi 
seinen Nachfolgern aufs neue als höchste Norm 
für ihre Aufgabe hingestellt. Eine Prämie von 
je 20000 Lire wurde den drei Leitern des 
kolossalen Werkes zugesichert, wenn i. J. 1911 
alles jetzt geplante rechtzeitig zur Ausführung 
gelangt sein wird. 

Zunächst scheint es allerdings, daß man die 
Rechnung ohne die scalpellini gemacht hat, ein 
kleines Heer von Maurern und Steinmetzen, 
dessen Unzufriedenheit so groß ist, daß es bei 
dem letzten Besuche des Denkmals durch den 
König eine sehr peinliche Demonstration ver¬ 
anstaltete. E. St. 

8 

Esposizione delV ornamento feminile 1500 
bis 1800. Die erste Ausstellung aus Römi¬ 
schem Privatbesitz in Rom und als solche ein 


Ereignis von Bedeutung! Elisa Ricci, die Gattin 
des Generaldirektors, hat die schwierige Aufgabe 
mit Geschick und Glück durch geführt. Sie hat 
auch gleichzeitig ein Prachtwerk über die Spitzen 
in Italienischem Privatbesitz herausgegeben, die 
eben in dieser Ausstellung im Palazzo Rospi- 
gliosi, am glänzendsten vertreten sind. Außer¬ 
dem verdient die historisch angeordnete Fächer¬ 
sammlung der Marchesa Buzzacarini Erwähnung, 
von der auch ein Katalog erschienen ist. End¬ 
lich sieht man zahllose kleine Köstlichkeiten; 
Uhren, Porzellane, Miniaturen, — aber weniger 
Schmuck als man erwarten sollte. Eine Perlen¬ 
schnur der berühmten Conn£table Colonna, 
Maria Mancini, war wenige Tage ausgestellt. 
Signora Ricci hofft diese Ausstellungen alljähr¬ 
lich zu wiederholen. Etwas besonders glänzen¬ 
des dieser Art wird für das Jahr 1911 geplant. 


Villa Mills. Die kaum begonnenen Aus¬ 
grabungen in der Villa Mills sind bis auf wei¬ 
teres sistiert worden. Aber Villa und Kloster 
mit den unvergleichlichen Gärten, die sie um¬ 
geben, sind jetzt für alle Zeiten wieder mit 
dem Palatin vereinigt worden. E. St. 

8 

LONDON ■--- — - = 

Das Hauptereignis des Winters auf künst¬ 
lerischem Gebiete ist hier stets die A11 - 
meisterausstellung der Royal Academy, 
die für den Gelehrten wie den Kunstfreund sonst 
oft unzugängliche Bilder aller Schulen vorführt 
und, da sie sich auf englischen Besitz beschränkt 
— eine stolze Beschränkung — immer wieder den 
Reichtum und die Vielseitigkeit privater Kunst¬ 
schätze hierzulande bewundern läßt. Mit diesen 
Ausstellungen ist meist eine Sonderausstellung 
eines einzelnen Meisters, diesmal Hogarths, 
verbunden, die ein volles Bild der Kunst, wo¬ 
möglich der Entwicklung des gewählten Künst¬ 
lers zu geben sucht. Die Natur dieser Aus¬ 
stellungen bringt es nun freilich mit sich, daß 
eine ganze Reihe mittelmäßiger Werke ohne 
besonderes Interesse mit aufgenommen werden 
und dazu noch oft genug unter großen Namen 
segeln, mit denen sie von ihren Eigentümern 
allein bedacht worden sind. — Diesmal enthält 
die Ausstellung eine Reihe der ehemaligen Kann- 
schen Bilder, die ja Messrs. Duveen seinerzeit 
angekauft hatten: Einige Gerard David: Flügel 
zu Triptychen; Hochzeit zu Cana, die hier be¬ 
stritten wird; Quentin Matsys u. a. m., sowie 
ein Porträt des bedeutenden Malers Chardin 
von Fragonard. W. G. Rawlinson sendet einen 


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78 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Kopf, der Michelangelo darstellen soll, jedenfalls 
ein interessantes Stück, das Giuliano Bugiardini 
zugeschrieben wird. Von Domenichino, dem 
Sibyllenmaler, findet sich ein ultranaturalistisdies 
Porträt eines Mannes aus Sir Edgar Sebrights 
Kollektion. Ein außerordentliches Stück ist auch 
die Königin Mary Tudor (die blutige Marie) des 
Lucas de Heere (Sir W. Cuthbert Quilter). Die 
englische Abteilung bringt wohl eine große Zahl 
von Bildern, namentlich viele Reynolds, aber 
kein wirklich erstklassiges Stück; sie dient eher 
dazu zu zeigen, wie selbst die großen Meister 
oft froh waren „Aufträge* zu erledigen. Diese 
können ja die Handschrift des Schaffenden nicht 
verleugnen, aber statt innerer Teilnahme, die 
belebend wirkt, zeugen sie von Zerstreutheit 
und ärgern durch Maniriertheiten, die hier eben 
viel stärker zutage treten. — Die Hogarth- 
ausstellung betont mit Recht den Maler und 
Künstler. Zwei Seelen wohnten ja in diesem 
seltsamen Manne, und er besaß sozusagen zwei 
verschiedene Arten Augen und Hände. Ein Mo¬ 
ralist und Volksverbesserer war er, wie so 
mancher englische Künstler und Dichter in seiner 
Art, und dazu doch ein ganzer Künstler und 
ein echter Maler. Als letzteren tun ihn hier 
nun eine ganze Reihe Stücke kund: die Halb¬ 
figur der berühmten irischen Schauspielerin Peg 
(Woffington, Marquess of Landsdowne); ein 
männliches Porträt (George Harland Peck) in 
blauem Rock mit Goldbesatz, das in der Vor¬ 
nehmheit und Harmonie der Farbengebung 
Hogarth als Vorläufer Gainsboroughs erkennen 
läßt. Mit welch innerer Teilnahme Hogarth 
eine Szene ganz ohne den Nebengedanken, 
Moral zu predigen, dann und wann darstellen 
kann, zeigt die kleine Skizze zu „Hudibras* 
(Mrs. Howard Stormont), die in Bewegung usw. 
ein unvoreingenommenes Auge verrät, während 
ihn sonst sein Wollen zur Karikatur führt. Ein 
Stück sichrer, lebendiger Charakteristik ist das 
Porträt der Mörderin Sarah Malcolm (Sir Fre- 
derick Cook). Die Doppelnatur des Künstlers 
tritt am meisten und peinlichsten hier in den 
Kinderbildnissen zutage. In Skizzen schafft 
er aus reinem Vergnügen an der künstlerischen 
Arbeit; geht er über die Skizzen hinaus, führt 
seine Absicht ihm vom Wege der Kunst und 
vornehmlich der Malerei als solcher ab und auf 
andere Bahnen, und dies wurde ihm derart zur 
zweiten Natür, daß er auch Kinder oft zu hal¬ 
ben Karikaturen macht, daß er ihren unent¬ 
wickelten Körperchen alte Gesichter Erwachsener 
aufsetzt zum Teil in jener Steife der Nacken¬ 
haltung und Unbeweglichkeit des Auges, die er 
von den öden Hofmalern seiner Jugendzeit an¬ 
genommen hatte. Alles in allem bekommt man 


in dieser Ausstellung den Eindruck, ein starkes, 
eigenartiges und temperamentvolles Talent vor 
sich zu haben, das einmal seinen menschlichen 
Eigenschaften und sodann seiner Zeit Tribut 
zahlen mußte, das aber ganz andere Höhen er¬ 
stiegen hätte, wäre es ihm beschieden gewesen 
erst zu wirken, „wenn die Zeit erfüllet war*. 
So mußte er den Sturmbock und den Schemel 
für andere abgeben. — Als Ergänzung zur Alt¬ 
meisterausstellung dient die moderne der Inter¬ 
nationalen Gesellschaft der Bildhauer, Maler und 
Radierer in der New Gallery, für die wie bisher 
Professor George Souter wieder eifrig tätig war. 
Sie enthält ein vorzügliches Beispiel der Porträt¬ 
kunst Renoirs, einige Monets von Bedeutung, 
eine Büste Bernhard Shaws von Rodin, dessen 
gewaltiges Werk: l’homme qui marche leider 
nur im Abguß zu sehen ist. Die deutsche 
Kunst ist nur durch Zufälligkeiten repräsentiert; 
ein vortrefflich durchgeführter Charakterkopf 
des Düsseldorfer Meisters E. v. Gebhardt fällt 
da besonders auf. — Von bedeutenderen Aus¬ 
stellungen, die augenblicklich in London statt¬ 
finden, braucht sonst nur noch die der Land¬ 
schafter um Peppercom (Peppercorn selber, 
Austen Brown, Leslie Thomson usw.) erwähnt 
zu werden, die die Landschaft vornehmlich als 
Stimmungsmotiv behandeln, trotz einer sich da¬ 
raus ergebenden gewissen Monotonie aber doch 
sehr starke Eindrücke zu erzielen wissen. Eine 
österreichische Kunstausstellung fand hier 
kürzlich sozusagen unter dem Ausschluß der 
Öffentlichkeit statt, ln zahlreichen Londoner 
Kunstkreisen erfuhr man nichts von ihrer Exi¬ 
stenz; weit außerhalb des sehr enggezogenen 
Londoner Ausstellunggebietes: Bond Street, 
Piccadilly und Mall, in Southampton Row hatte 
man sie einlogiert. Daß es vergebens ist, Lon¬ 
doner Kunstfreunde aus ihrem gewohnten Ge¬ 
biete herauszulocken, hatte vor zwei Jahren die 
große deutsche Ausstellung in Knightsbridge zu 
ihrem Schaden zu lernen. Wie ganz im mittel¬ 
alterlichen Sinne die Goldschmiede, die Wei߬ 
warenhändler usw. noch heute fast Tür an Tür 
nebeneinander hausen, ja selbst ganz moderne 
Branchen wie die Fahrradgeschäfte das tun, so 
ists von altersher bei den Ausstellungen Brauch, 
und Ausstellungsveranstalter wie Kunsthändler 
wissen das und richten sich danach. Schade, 
daß so die Mühe der „Genossenschaft der bil¬ 
denden Künstler Wiens“ wohl vergebens war. 
Zweimal haben so die Österreicher um An¬ 
erkennung hier gerungen; das vorhergehende 
Mal in den dunklen Räumen der populären 
Earls Court Ausstellung, die für eigentliche Kunst 
gar nicht in Betracht kommt; beide Male offen¬ 
bar ohne das schwierige, ihnen neue Gebiet 


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Rundschau 


79 


vorher zu erforschen. Vielleicht gelingt es ein 
drittes Mal. — In der National Gallery, deren 
neuer Direktor eine Umhängung energisch in 
die Hand genommen hat, ist diese nun fast 
völlig durchgeführt. Allen Wünschen konnte 
nicht entsprochen werden, denn der zur Ver¬ 
fügung stehende Raum ist zu knapp. Da nun 
aber eine in der Nfihe liegende Rekrutenkaserne 
(die, ganz nebenbei bemerkt, den fremden 
Galleriebesudiem das etwas mittelalterlich an~ 
mutende Bild des Rekrutenpressens oft mit ko¬ 
mischen Intermezzi — Liebermann könnte da¬ 
von etwas Köstliches erzählen! — gewährte) 
jetzt fallen soll, und der dadurch freiwerdende 
Raum zur Erweiterung der Gallerie bestimmt ist, 
wird es damit wohl besser werden. Am meisten 
allerdings bedarf die anstoßende National Por¬ 
trät Gallery neuen Raumes. — Zuletzt hat man 
sich mit dem Umhängen an die englische Ab¬ 
teilung der National Gallery gemacht, die manche 
gern mit der Tate Gallery vereinigt wüßten, 
um so die englische Kunst in ihrer Ent¬ 
wicklung zu zeigen, was die Tate Gallery 
aber für das 19. Jahrhundert gar nicht einmal 
leisten kann. Hogarth hat das alte kleine und 
dunkle Kabinet behalten, das seiner nicht wür¬ 
dig ist. Reynolds tront in dem einen, Gains- 
borough in dem anderen Saal, in dem am an¬ 
deren Ende die Constables untergebracht sind. — 
Alte englische Kunst: Reynolds, Gainsborough, 
Romney, Hoppner und der jetzt auf dem Kon¬ 
tinent so hochgeschätzte Raeburn u. a., werden 
ja jetzt in Berlin zu sehen sein. Herr von 
Seckendorff, der die Auswahl zu treffen hatte, 
wandte sich deswegen an Messrs. Agnew, deren 
Herbstausstellungen alter Meister mit Recht be¬ 
rühmt sind. Auch eine Auswahl Mezzotintos 
von Karls 1. Zeit bis zum 18. Jahrhundert wird 
in Berlin ausgestellt werden.-- Das neue große 
Victoria- und Albert-Museum, das den Platz des 
alten South Kensington Museums, dieses richtigen 
Kunstladens, einnehmen soll, ist nunmehr fast 
vollendet, und man beginnt sich für die Frage 
seiner Einrichtung und die Art der Aufstellung der 
Kunstschätze sowie die ganze Organisation des 
Museums lebhaft zu interessieren und sie zu dis¬ 
kutieren. Mr. Lewis F. Day hielt vor einiger Zeit 
vor der Society of Ärts einen Vortrag über diese 
Fragen, der darauf hinausging, daß das neue 
Museum vornehmlich eines für den Kunsthand¬ 
werker sein solle, in dem dieser Vorbilder und 
Anregungen für sein Schaffen finden könne. 
Deswegen wäre eine Ausgestaltung und Auf¬ 
stellung wie in vielen deutschen Museen und 
teilweise auch im Münchner Nationalmuseum 
nicht empfehlenswert. Ein Museum, wie das 
neue, wäre eben doch nur eine Art Äusweis- 


bureau, nicht ein Ort, der uns fühlen lassen solle, 
als befänden wir uns in einem von Menschen 
bewohnten Zimmer, oder in einer Kirche, die 
zum Gottesdienst bestimmt sei. Ein solches 
Museum solle auch nicht die Geschichte illu¬ 
strieren, das sei der Kunst nicht würdig; und 
daher zeigten viele deutsche, in England oft 
hochgepriesene Gewerbemuseen nur, wie man 
es nicht machen solle. Mr. Day wünscht also, 
daß das neue Museum in der Art des bisherigen 
aufgestellt wird. Nur würde er ganz gern zur 
Illustrierung der Kulturgeschichte einige passende 
Räume mit Kopien der betreffenden Gegenstände 
ausgestattet wissen; diese selber aber zu einem 
solchen Zwecke nicht hergeben, da sie für den 
Belehrung suchenden ausübenden Künstler auf 
diese Weise verloren gingen, ln einem Artikel 
in der .Tribüne“ greift dann Day das bestehende 
System der leihweisen Reiseausstellungen an, 
die seitens des Museums den Provinzstädten 
des Reiches auf bestimmte Perioden zugesandt 
werden. Sie seien mit einem geordneten Be¬ 
trieb unvereinbar und verminderten den Wert 
der Sammlung, da Forscher und Studenten nie 
wüßten, ob nicht, was sie gerade suchten, auf 
der Wanderschaft begriffen sei. Die Schwierig¬ 
keit besteht darin, daß ein Museum, das auf 
öffentliche Gelder angewiesen ist, hierzulande 
nicht bloß als ideales Eigentum, sondern mög¬ 
lichst als tatsächlicher Besitz des ganzen Landes 
und jedes einzelnen Steuerzahlers angesehen 
wird. Residiert ein solcher nun in Manchester, 
will er auch davon etwas haben. Day tritt nun 
dafür e n, einen Teil der Riesensammlung, die 
selbst für das neue Gebäude zu groß sei, ein 
für alle Mal als Reisesammlung zu etablieren 
und dafür die Londoner Sammlung stabil zu 
belassen; so werde beiden gedient. Das Mu¬ 
seum hat übrigens im vergangenen Jahre eine 
ganze Reihe wertvoller Neuerwerbungen in sich 
aufgenommen. Erwähnt seien nur 12 Feder¬ 
zeichnungen von William Morris und 107 Zeich¬ 
nungen des großen Bildhauers A. Stevens, der 
so großes gewollt und gekonnt und verhältnis¬ 
mäßig so wenig vollendet hat. — Ihm ist jetzt 
spät noch eine Art Rechtfertigung und Triumph 
zu Teil geworden. Sein großzügiges, für den 
Paulsdom bestimmtes und in Stil und Aus¬ 
messungen demselben angepaßtes Grabdenkmal 
Wellingtons unter einem der großen Bögen, 
die Haupt- und Seitenschiff trennen, es stand 
bisher fast nur wie ein verwaister Sockel da. 
Die mächtige Reiterstatue fehlte. Stevens war 
nie über die Skizze hinausgekommen und mußte 
deswegen viel Böses während seines Lebens 
hören. Mr. Tweed nun hat in langer Arbeit 
das Reiterstandbild vollendet und, um den 


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80 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Effekt zu erproben, stellte man das Modell auf 
einige Zeit auf. Als Ganzes machte das Denk« 
mal nun einen imposanten, trotz des anklingen« 
den Barock (des Domes wegen) ruhigen und 
vornehmen Eindruck. Jedoch war die Beleudi« 
tung so schwach, daß von dem Reiterstandbild 
nicht allzuviel zu erkennen war. Aber schon 
in seiner Anpassung an seine Umgebung ist 
dieses Werk ein Muster und hierorts eine stete 
Warnung, wo man die herrliche Westminster« 
Abtei mit zahllosen Geschmacklosigkeiten innen 
wahrhaft „verschandelt“ hat. — Die s. Z. auf 
Befehl Karls I. von Rubens gemalte Decke der 
berühmten Banketthalle in Whitehall, die jetzt 
zum Armeemuseum gehört, ist nunmehr endlich 
und zwar gründlich restauriert worden. Trotz 
vorhergehender zweimaliger Restaurierung hatte 
sich das Deckengemälde in einem bedauerns« 
werten Zustande der Vernachlässigung befunden. 
— Aus der Provinz ist zu melden, daß man 
nun endlich allerdings nur für Schottland — 
den ersten Schritt zu einer Registrierung der 
nationalen Kunstdenkmale getan hat. Eine 
kgl. Kommission ist beauftragt worden „ein ln« 
ventar der alten und historischen Monumente 
und Konstruktionen, die in einem Zusammen« 
hang stehen mit der jeweiligen Kultur, der 
Zivilisation und den Lebensbedingungen des 
schottischen Volkes oder diese illustrieren und 
zwar von den frühesten Zeiten bis zum Jahre 
1707 (Datum der Union Schottlands und Eng« 
lands) vorzunehmen und diejenigen besonders 
anzuführen, die der Erhaltung wert erscheinen“. 
Der Kommission gehören u. a. an: Kunst¬ 
professor C. Baldwin Brown (Edinburger Uni¬ 
versität) und Thomas Ross, Verfasser einiger 
Bücher, die schottische Architektur behandeln. 
Als Sekretär fungiert Ä. O. Curie, Sekretär der 
Society of Antiquaries of Scotland. Man hofft, 
daß dieser erster Schritt bedeutet, daß die Re¬ 
gierung für die Erhaltung der so besonders an¬ 
geführten „Monumente und Konstruktionen“ 
(letzterer Ausdruck soll ermöglichen Erdwerke, 
Pfahlbautenüberreste usw. miteinzuschließen) 
nunmehr auch Vorkehrungen treffen wird. Natür¬ 
lich wünscht man nun auch eine gleiche Inven¬ 
tarisation für England und Wales. Daß man 
damit hier so lange gezögert, wird man in 
Deutschland mit all seinen bereits ausgeführten 
Inventarisationen der Kunstwerke kaum be¬ 
greifen. — In Dublin ist soeben eine neue 
moderne Gemäldegalerie eröffnet worden, die 
freilich zunächst in einem alten Hause in Har- 
courtstreet untergebracht ist, bis das städtische 
Galeriegebäude selber gebaut sein wird. Diese 
Galerie kann London eigentlich als gutes Bei¬ 
spiel dienen, denn sie begnügt sich nicht wie die 


Londoner Tate Gallery mit englischer Kunst, 
sondern besitzt bereits zwei große Säle voll 
ausländischer Kunstwerke. Im Skulpturensaal 
steht Rodins: Bronzezeitalter. Unter den Eng¬ 
ländern befinden sich Meister von Constable bis 
zu Wilson Steer, Clausen usw. Natürlich sind 
die neuen Iren: I. I. Shannon, Mark Fisher 
Lavery, Hone, I. B. Yeats, W. Orpen usw. 
gut vertreten. — In Birmingham, der Stadt, 
aus der einst Burne Jones kam, fand vor einiger 
Zeit eine Ausstellung der „Maler der Birming- 
hamer Schule“ statt. In ihrem Katalog nennen 
sich diese Künstler — Southall, Gore, Maxwell 
Ärmfield usw. — Nachfolger der italienischen 
Präraphaeliten und versichern, daß sie in ihrer 
Kunst nicht bloß darauf ausgingen, die Natur 
nachzuahmen, sondern auch die verloren ge¬ 
gangene Verbindung von Malerei und Archi¬ 
tektur wieder herzustellen. So stellt ihre Kunst 
eine eigentümliche Mischung von realistischen 
und dekorativen Elementen dar, die sich nicht 
immer zu einer Einheit verbinden wollen, zu¬ 
mal diesen Künstlern der heilige Feuerbrand 
zu fehlen scheint, der in den Seelen jener Früh¬ 
italiener lohte und sie zu immer neuen Erobe¬ 
rungen trieb. — Von Persönlichem ist zu melden, 
daß der Malerveteran W. P. Frith, der älteste 
lebende Akademiker, der die englischen Prära¬ 
phaeliten kommen und gehen sah, vom König 
durch den Victoriaorden ausgezeichnet wurde. — 
Soeben hat sich in London eine neue Künstler¬ 
gruppe gebildet, die zu den vielen bestehenden 
nun noch eine weitere hinzufügt. Es ist die 
„New Association of Ärtists“. Ihre Gründer 
sind W. J. Laidlay, Tom Robertson und T. F. 
H. Sheard. Laidlay brachte seinerzeit die erste 
Ausstellung des New English Art Club zuwege, 
der in der Geschichte der neuesten englischen 
Kunst eine bedeutende Rolle spielt. Die New 
Association wird im Februar in der Goupil 
Gallery ihre erste Ausstellung abhalten. F. 

8 

PARIS == : i == : == 

Es gehört in der Pariser Presse zum guten 
Ton, über die Untätigkeit und Sorglosigkeit der 
Verwaltung des Louvre herzufallen, nachdem 
vor einigen Monaten einige Bilder von frev- 
lerischer Hand beschädigt worden waren, wo¬ 
gegen sich auch die beste Administration nicht 
schützen kann. Aufs neue hat der Lärm be¬ 
gonnen, als man eines Morgens entdeckte, daß 
ein Unbekannter im Schutze der Dunkelheit ver¬ 
sucht hatte im Louvre einzusteigen, natürlich um 
den großen Diamanten in der Galerie d'Apollon 
zu stehlen, wie die Presse einmütig schrieb. 
Dieser Einbruchsversuch sieht etwas operetten- 


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Rundschau 


81 


haft aus, trotzdem sollen nunmehr Wachhunde 
die Sicherheit des Louvre in der Nacht erhöhen, 
wodurch den Witzblättern wieder reichlicher 
Stoff geboten wird. 

Von wirklichem Interesse ist die Frage, ob 
das Louvre einen Teil der Sammlung des am 
13. Januar verstorbenen Amateurs Camille 
Groult erhalten wird. Die Hoffnungen scheinen 
skh leider nicht zu bestätigen. Groult war einer 
der exzentrischesten Pariser Sammler. Er hatte in 
der Mehlindustrie ein ungeheures Vermögen er- 
worben, das ihm ermöglichte, eine hervorragende 
Sammlung von Werken des französischen und 
englischen 18. Jahrhunderts zusammenzubringen. 
Besonders hervorzuheben: seine Boucher, Fra- 
gonard, Hubert Robert, Gainsborough und Turner. 
Allerdings sollen sich in der Sammlung eine 
nicht unbeträchtliche Anzahl gefälschter Stücke 
befinden. Die Anekdoten über Groults Art 
Kunstwerke zu sammeln und zu genießen sind 
Legion. Es genügt an die in seinem Park von 
seinem Gärtner geschaffenen Hubert-Roberts zu 
erinnern. Alles in allem ein etwas derb orga¬ 
nisierter Charakter, der, nicht gerade den feinsten 
Sensationen zugänglich, in seiner Sammlung wie 
im Leben Abgeschmacktes mit dem Köstlichsten 
vermengte. — Die Freunde des alten Paris sehen 
einen lauschigen Winkel nach dem andern da¬ 
hingehen: jetzt wird das unterste Stück der 
nie Saint Jacques und die nie du Petit Pont 
verbreitert. Durch diese Demolierungsarbeiten 
ist wenigstens ein Ausblick auf das bisher recht 
vergraben gewesene Kirchlein Saint -S£v£rin 
geschaffen, der erhalten bleiben soll, wenn die 
Soci£t£ du Vieux-Paris ihren Willen durch¬ 
setzt. — 

Unter den modernen Ausstellungen des Mo¬ 
nats Januar sind lediglich zwei van Gogh-Aus- 
stellungen hervorzuheben. Die bei Bernheim 
zeigte in hundert Nummern Werke aus allen 
Epochen, darunter viel Mittelgut, die an Um¬ 
fang bedeutend geringere bei Druet brachte eine 
Anzahl der besten Werke van Goghs aus der 
Zeit von Arles und Auvers, darunter die schönen 
dem Grafen Kessler gehörenden Werke. 

In der Provinz scheint sich die Ausstellungs¬ 
tätigkeit jetzt ein wenig zu regen. Der Salon 
in Nizza hat eine merkliche Schwenkung nach 
Mnks gemacht, nachdem ihm le Hävre in diesem 
Sinne vorausgegangen ist. Wenn sogar die 
französische Provinz erwacht!! — 

R. A. Meyer, 

s 


SEVILLA —= 

Das Museo Provincial hat vor der Ma¬ 
drider Gemäldegalerie des Prado den 
Vorzug der Einheitlichkeit Die Sammlung ist 
nur klein, aber sie ist doch das wichtigste Denk¬ 
mal der Geschichte Sevillaner Malerei. Dennoch 
wird sie nur selten besucht, d. h. jeder geht 
einmal hinein, um die Murillos zu sehen. Aber 
selbst dieser Eindruck ist nur bei wenigen ein 
starker. Denn wer sieht heute in Murillo ein 
kunstgeschichtliches Problem? Und im beson¬ 
deren die Spanier stehen augenblicklich ganz 
unter dem Banne der Kunst des Greco; nicht 
allein in Castilien, wo die durch* die Unachtsam¬ 
keit der Regierung — wenn ich recht unter¬ 
richtet bin — ermöglichte Entführung der beiden 
Toledanerbilder nach Paris auch Fernerstehenden 
lebhaftes Interesse für Grecos Kunst eingegeben 
hat. Auch erschien vor einigen Wochen die 
Grecomonographie des Madrider Universitäts¬ 
professors Cossio, der, ein Pädagog im Lehr¬ 
amt, durch öffentliche Vorträge dem „spanischen 
Analphabetentum in Kunstdingen" — wie der 
Heraldo von Madrid sich vor kurzem aus¬ 
drückte — nach Kräften entgegenwirkt. 

Die Sammlungen des Sevillaner Museums 
sind schon seit der Mitte des letzten Jahrhun¬ 
derts in dem alten Convento de la Merced 
untergebracht, wo sie die ehemalige Kloster¬ 
kirche und zwei Kreuzgänge mit einigen an¬ 
gelehnten Räumen im Erdgeschoß füllen. Diese 
Nebenräume, hauptsächlich der Saal des Valdgs 
Leal, haben fast Kellerlicht, die Bilder darin 
sind also kaum zu betrachten. Die Kreuzgänge 
mit wertvolleren Gemälden auszustatten, läßt 
auch in Andalusien Wind und Wetter nicht zu, 
so bleibt also nur die Kirche. 

Die Kirche ist ein einschiffiger, tonnenge¬ 
wölbter Bau des 17. Jahrhunderts mit kurzem 
Querschiff. Man hat den Wänden die archi¬ 
tektonische Gliederung durch die üblichen Doppel¬ 
pilaster abgenommen, und erhielt so große, 
glatte Flächen für die Bilder. Aber die Wände 
sind unglücklicherweise gerade in dieser Kirche 
besonders hoch, und Licht fällt nur durch die 
in das Gewölbe eingeschnittenen, kleinen Fenster. 
Das war nun zwar sehr ungünstig, aber nicht 
gut zu ändern. Nur in der Wahl des Wand¬ 
tones war man frei; und da entschloß man sich 
zu dem allerschlimmsten, man wählte ein tiefes, 
jedes Licht wegsaugendes, pompeianisches Rot. 
Es war erreicht, die Wände in der Bilderzone 
liegen zu jeder Tageszeit im Halbdunkel. 

Etwas günstiger beleuchtet sind nur die 
Wände an der Kuppel. Man bedachte sie mit 
den Bildern Zurbarans, unter denen sich aber 

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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


hier auch schwache Produkte befinden. Das 
Langschiff dagegen wurde für die wichtigsten 
und zugleich dunkelsten Gemälde ausersehen: 
die Werke Murillos. 

Mur illos Meisterwerke, arm an stärkeren 
koloristischen Kontrasten, nur in der Nüance 
fest und kraftvoll, sind hier in der Nüance nur 
schwer zu genießen, man sieht zuerst nur große, 
tote Flächen wie bei Riberas Massenprodukten. 
Und dem den reifen Arbeiten Murillos eigen¬ 
tümlichen, grüngrauen Grund, diesem nur ihm 
eigentümlichen, bei seinen vielen Nachahmern 
nie sich findenden Ton, gibt das Reflexlicht der 
Wand einen dunkelroten Beigeschmack, der 
nur bei wenigen Besuchern Beifa 1 finden möchte. 
Mit Gewalt kann man aber jedes Bild kraftlos 
und süßlich machen. Und hier ist es mit Ge¬ 
walt gelungen. Hier gibt es den Murillo im 
Urteil des Tages, in typischer Form: diesen 
Lieblingsmaler seniler Sonntagsästheten und 
diesen „überwundenen 11 Murillo der ernsthafteren 
Leute, die ihn nicht genauer kennen. 

Man sollte den einen der quadratischen 
Klosterhöfe — vielleicht den südlichen, weil 
seine Architektur nicht von Bedeutung ist — 
unter Glas bringen und so einen großen Mu- 
rillosaal schaffen, den Boden der Kirche er¬ 
höhen oder die Fenster herunterziehen, vor 
allem aber die Wände mit einem vorteilhafteren 
Ton bedenken. 

Der Platzmangel im Museum des Prado hat 
dort in der Verteilung der Bilder zu Mi߬ 
ständen geführt, die trotz mehrfacher, die 
Staatskasse belastender Umordnungen, wovon, 
wenn ich nicht irre, auch der letzte Etat berichtet, 
weiterbestehen. Man sollte die in Madrid jetzt 
ohnehin schon wenig beachteten Werke der 
Seviilaner Malerschule einschließlich der Werke 
des Murillo an Sevilla abgeben, so wäre dem 
Prado eine Last genommmen und das Museum 
hier in der wünschenswertesten Weise ergänzt. 

H. Wendland. 

8 

HOLLAND = 

ln der h e u'r i g e n Kunstsaison hat das 
sonst so ruhige Holland einige erregte Ge¬ 
müter gesehen. Und zwar wegen des von der 
Regierung warm befürworteten Ankaufes von 
39 Gemälden aus der Sammlung Six in 
Amsterdam (dem Erbteil der Linie Six-Vromade), 
unter denen als Hauptstück des Delfter Vermeer 
bekanntes „Milchmädvhen“ glänzte. Man hätte 
zwar, um an den Staatssäckel nicht allzugroße 
Anforderungen zu stellen, auf die 38 andern 
Gemälde verzichtet. Aber die nach dieser Richtung 


hin unternommenen Versuche, den Vermeer allein 
zu erwerben, scheiterten. Die Eigentümer wollten 
nur alles zusammen verkaufen — oder sonst 
öffentlich versteigern. Hierzu durfte es der 
Staat jedoch nicht kommen lassen. Denn der 
großen Gefahr, daß dann ein amerikanischer 
Milliardär — der auch bereits auf der Lauer 
stand — das seltene Bild auf Nimmerwieder¬ 
sehen ausführte, mußte vorgebeugt werden. An 
der Zweiten Kammer lag es, den geforderten Preis 
von 751 000 Gulden zu bewilligen, von welcher 
Summe der Verein „Rembrandt“ 200000 Gulden 
zu tragen versprach. Natürlich gab es Leute, 
denen dieser Preis für „ein paar Bilder" viel zu 
hoch war. Sie machten gehörig scharf und sparten 
auch nicht mit durchaus ungerechtfertigten und 
nicht zur Sache gehörigen persönlichen Angriffen. 
Nach ihrer Ansicht konnte der Staat sein Geld 
vorteilhafter anlegen, oder in anderer Weise 
mehr Segen damit schaffen: denn dem Ruhme 
der holländischen Kunst schade es durchaus nicht, 
wenn ihn übeiall in der Welt Gemälde ver¬ 
kündeten. Gewiß, dem Ruhme der holländischen 
Kunst. Aber über das Volk selber, das so stolz 
auf diesen Ruhm sein kann, und sich doch so 
leichten Herzens von einem Kunstwerk wie das 
„Milchmädchen" hätte trennen können, hätte 
man sich im Ausland doch seine eigenen Ge¬ 
danken gemacht. — Um so erfreulicher war es, 
zu sehen, daß die Volksvertreter in der Zweiten 
Kammer am 18. Dezember ohne lange Debatte 
mit großer Mehrheit den Ankauf beschlossen. 
Heute hängt das „Milchmädchen" bereits im 
Rijksmuseum in einem der kleinen Seiten¬ 
kabinette inmitten der 37 anderen Bilder (der 
sogenannte Rubens hat in dem großen vlämi- 
schen Saal seinen Platz gefunden), die es alle 
hell überstrahlt. Die Amsterdamer wandern in 
Scharen ins Museum, um nun endlich auch den 
kostbaren Schatz in Augenschein zu nehmen, 
um den sie sich bisher eigentlich wenig geküm¬ 
mert hatten. Aber sie sind von dem kleinen 
Bild, das auf etwa 500000 Gulden geschätzt 
wurde, nicht enttäuscht. 

Eine bedauernswerte Begleiterscheinung jenes 
unerfreulichen Kampfes um die „Six-collectie“ 
war die Ankündigung des Herrn Prof. Jhr. Dr. 
Jan Six, daß die in seiner Wohnung bleibenden 
anderen Kunstschätze in Zukunft fremden Be¬ 
suchern nicht mehr zugänglich sein sollen. 

Diese Bereicherung der holländischen Samm¬ 
lungen — zu der noch andere Neuerwerbungen 
kommen, über die ich im Zusammenhang im 
nächsten Heft berichten will — war wohl das 
wichtigste Ereignis der letzten Monate. 

Für die Entwickelung der Kunstwissen¬ 
schaft in Holland bedeutet die Neuerrichtung 


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• Rundschau 


83 


zweier besonderer Lehrstühle an den Universi¬ 
täten Utrecht und Leiden einen wesentlichen 
Fortschritt. Dort wirkt seit dem Beginn des 
Wintersemesters als ordentlicher Professor — 
für Ästhetik und Kunstgeschichte zugleich — 
Herr Dr. Wilhelm Vogelsang, der bislang in 
Amsterdam als Privatdozent kunstgeschiditlidie 
Vorlesungen hielt. In Leiden wurde Herr Dr. 
W. Martin, zweiter Direktor der Königl. Gemälde¬ 
galerie im Haag und seit einer Reihe von Jahren 
Privatdozent an der Leidener Universität, zum 
außerordentlichen Professor für Kunstgeschichte 
ernannt. Damit sind auch in Holland dem Stu¬ 
dium der Kunstgeschichte die Türen geöffnet. 
Nur einen Haken hat die Sache. Man kann 
nicht eigentlich in Kunstgeschichte promovieren. 
Die Dissertationen müssen in erster Linie histo¬ 
risch sein; rein stilkritische Untersuchungen 
können bis jetzt noch nicht als Promotions¬ 
schriften zugelassen werden. Und an der münd¬ 
lichen Prüfung beteiligen sich die Dozenten für 
Kunstgeschichte nicht. Indessen hindert das ja 
nicht, daß jener wichtige Zweig unserer Wissen¬ 
schaft doch gepflegt wird. Vielleicht tut die 
gründlichere historische Schulung sogar recht gut. 

Ausstellungen alter Kunst in größerem 
Stile hat das vergangene Jahr nicht aufzuweisen. 
Nur eine verhältnismäßig kleine, intim gehaltene 
Sammlung von holländischen Gemälden des 
XVII. Jahrhunderts aus Rotterdamer Privat¬ 
besitz hatte die dortige Künstlergenossenschaft 
zusammengestellt und damit gezeigt, daß noch 
manche Schätze im Lande verborgen sind. Die 
Großmeister Rembrandt, Hals, Steen u. a. waren 
zwar nicht vertreten, sondern nur Künstler 
zweiten und dritten Ranges (an jenen gemessen). 
Das Gesamtniveau der Ausstellung aber, deren 
Hauptbestandteil dem Sujet nach Stilleben aus¬ 
machten, hielt sich auf sehr beachtenswerter Höhe. 
Man konnte so recht erkennen, welch echter 
künstlerischer Zug jene Zeit durchwehte. Des 
näheren kann auf diese Ausstellung jetzt an 
dieser Stelle nicht mehr eingegangen werden. 
Ich will aber wenigstens ein, zwei Stücke her¬ 
vorheben, die besonders den Kunsthistoriker 
interessieren. Das ist in erster Linie eine große 
bezeichnete und 1652 datierte „Vanitas“ von 
Frans Hals dem Jüngeren (im Besitz des Direk¬ 
tors des Museums Bogmans, Herrn P. Haverkorn 
van Rijsewijk). Von Hendrik ten Oever über¬ 
raschte eine große Leinwand mit Hühnern, die 
voll bezeichnet war und die Jahreszahl 1703 
trug. Und dann sei hier noch des Kirmeßbildes 
von Gerrit Lundens gedacht, weil seine Kompo¬ 
sition der Figuren und Farben — auf solch eine 
profane Szene übertragen — unliebsam an Rem- 
brandts Nachtwache denken ließ. Lundens wirt¬ 


schaftete hier, wie ich aus dem kurze Zeit nach 
der Ausstellung erschienenen Werk von Gustav 
Glück über die Sammlung Alexander Tritzsch 
in Wien sah, aber nicht das einzige Mal mit 
der einst so genau studierten Komposition. Dr. 
Glück konstatiert auf dem dort befindlichen Ge¬ 
mälde, einem bezeichneten und auch datierten 
(1649) Hochzeitsfest, dieselbe enge „Anlehnung“ 
Lundens 1 an Rembrandts Nachtwachekomposition 
und sieht darin einen neuen Beleg für die Ge¬ 
nauigkeit der Kopie von Lundens in der National 
Gallery, d. h. für die Verstümmelung der Nacht¬ 
wache : Ein Maler, dem nach etwa sieben Jahren 
jene Komposition noch so sehr in den Gliedern 
steckt, wird sich beim Kopieren sicherlich keine 
eigenen Zusätze erlaubt haben. Mir scheint 
jedoch, daß diese psychologische Frage auch noch 
anders beantwortet werden kann. Vielleicht 
darf man ebensogut sagen: wer so wenig Takt 
besitzt, für seine im Grunde doch minderwertigen 
Kirineß- und Hochzeitsbilder einfach jene Rem- 
brandtsche Komposition, milde ausgedrückt, zu 
übernehmen — denn Lundens wird schwerlich 
immer dazu qesagt haben, daß das Kompositions¬ 
schema nicht seines Geistes Kind — dem ist 
auch zuzutrauen, daß er nach seinen Schönheits¬ 
begriffen auf einerKopie „kleineVerbesserungen“ 
anbringt. Vielleicht kann dieser Punkt in jener 
vielerörterten Frage einiges zur Klärung bei¬ 
tragen, wenn dazu noch genau untersucht wird, 
wie sich Lundens bei seiner Kopie nach einem 
Schützenbild von Jacob Bäcker (in der Samm¬ 
lung Achenbach in Düsseldorf) verhielt. Und 
wie es ferner mit der Kopie nach Flinck steht, 
die Dr. Bredius im Museum zu Valencia ge¬ 
funden zu haben glaubt. (Vgl. „Amsterdam in 
de XVII. Eeuw“, Band 111, De Schilderkunst, 
Seite 191). Ich meine: malte Lundens hier 
sklavisch Stück für Stück nach, so wird er ebenso 
bei der Nachtwache verfahren sein. Ist das aber 
nicht der Fall, so gewännen die ein Plus, die 
bisher gegen eine Beschneidung der Nachtwache 
gesprochen haben. — Rein künstlerisch boten 
auf dieser Ausstellung drei van Goyens aus dem 
Beginn der dreißiger Jahre den höchsten Genuß. 
Im Übrigen orientiert über die Ausstellung, die 
wohl nur von wenigen Ausländern besucht 
worden sein dürfte, ein brauchbarer illustrierter 
Katalog. 

Von der Entdeckung des „Mädchens mit der 
Flöte“ von Vermeer durch Dr. Bredius in Brüssel 
braucht jetzt wohl nicht mehr gesprochen zu 
werden. Leider ist das Bildchen, das bei längerem 
und öfterem Ansehen immer mehr gewann, nun 
wieder aus dem Mauritshuis zu seinem Besitzer, 
Jhr. de Grez in Brüssel, zurückgekehrt. Dagegen 
interessieren wohl die Mitteilungen, die Herr 


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84 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Prof. Jhr. Dr. Jan Six in einer Akademiesitzung 
über die Entdeckung zweier neuer Vorstudien 
zu Rembrandts Radierung des Bürger- 
meisters Six machte. Die eine befindet sich auf 
der Rückseite einer Kreidezeichnung mit Bettlern 
im Museum Fodor in Amsterdam (H.d.G.Nr. 1223), 
dessen Direktor, Herr 't Hooft, zuerst den Zu¬ 
sammenhang dieser ganz flüchtigen Skizze mit 
der Radierung erkannte. Die andere ist die 
Pause — in schwarzer Kreide — für die Original¬ 
platte, beide im Besitze von Prof. Six. Aller¬ 
dings ist das eine Vorzeichnung ohne jegliche 
Details, die auch sonst bei der Ausarbeitung 
direkt nach der Natur noch Veränderungen er¬ 
fuhr. Der hübschen Olstudie der Sammlung 
L£on Bonnat sprach bei der Gelegenheit Prof. 
Six befremdender Weise die Originalität ab. 

8 

Was die moderne Kunst betrifft, so hat das 
Städtische Museum in Amsterdam einen herben 
Verlust zu beklagen. Die dort bisher leihweise 
ausgestellt gewesene Sammlung moderner Ge¬ 
mälde der holländischen und französischen Schule, 
van Eeghen, ist zurückgezogen worden, um ver¬ 
kauft zu werden. Da der Stadt die Mittel zum 
Ankauf nicht zur Verfügung stehen, hat sich ein 
Konsortium gebildet, um wenigstens einige Stücke 
der Städtischen Sammlung zu erhalten. Andere 
sind allerdings bereits in andere Hände über¬ 
gegangen, so ein großer Willem Maris, den das 
Museum Bjymans in Rotterdam — auch durch 
private Beiträge von Kunstfreunden — für 
17000 Gulden erworben hat. 

Von den zahlreichen größeren und kleineren 
Ausstellungen moderner Künstler erwähne ich 
nur die interessantesten. Die erste, die schon 
im Frühjahr stattfand, gab einen Überblick über 
das vielseitige Schaffen Jan Toorops. Die andere 
war zu Ehren des 1897 verstorbenen Land¬ 
schafters Willem Roelofs im Oktober im Haag 
arrangiert worden und bot eine umfassende 
Übersicht über den Entwicklungsgang dieses 
für die moderne holländische Landschaftsmalerei, 
speziell für die „Haager Schule", wichtigen 
Meisters. Ein Teil dieser Sammlung ist gegen¬ 
wärtig noch auf der Wanderung durch Holland. 
Und endlich wurde ganz kürzlich in Rotterdam 
eine Sonderkollektion von Werken Vincent van 
Goghs gezeigt. Kurt Freise. 

8 

DEUTSCHER VEREIN 
FÜR KUNSTWISSENSCHAFT. 

Die Versammlung für die endgültige Kon¬ 
stituierung des Vereins ist in der ersten Hälfte 


des März d. J. in Aussicht genommen. Über 
die weitschauenden Unternehmungen, deren 
Pläne mit dieser Gründung verbunden sind, 
unterrichtet der erste Paargraph des Satzungen¬ 
entwurfes am präzisesten. 

§ 1 . 

Der Deutsche Verein für Kunstwissenschaft 
bezweckt die Förderung kunstgeschichtlichen 
Wissens und die Hebung künstlerischen Lebens 
in Deutschland. 

Insbesondere setzt er sich zur Aufgabe: 

1. Ein illustriertes kunstwissenschaftliches 
Jahrbuch mit literarischem Jahresbericht heraus¬ 
zugeben. 

2. Die Herausgabe von Kunsthandbüchern 
und photographischem Anschauungsmaterial so¬ 
wie von sonstigen kunstwissenschaftlichen Ar¬ 
beiten zu fördern. 

3. Die vollständige Verzeichnung und Publi¬ 
kation aller deutschen Kunstdenkmäler (Monu- 
menta artis Germaniae) auf Grund der vorhan¬ 
denen Vorarbeiten herbeizuführen. 

4. Kunstwissenschaftliche Anstalten und Ver¬ 
bindungen an geeigneten Plätzen des In- und 
Auslandes herzustellen und zu unterhalten. 

5. Dafür einzutreten, daß für Vertreter der 
neueren Kunst Reisestipendien eingerichtet 
werden. 

6. Das allgemeine Interesse und Verständnis 
für Kunst zu beleben, indem dahin gewirkt 
wird, daß 

a) an den Universitäten und andern Hoch¬ 
schulen für ausgiebige Berücksichtigung 
der Kunstwissenschaft gesorgt wird, 

b) auch in den Schulen, namentlich in den 
höheren Lehranstalten (Mittelschulen), der 
kunstwissenschaftliche Unterricht in ge¬ 
eigneter Weise im Anschluß an Geschichts- 
und Zeichenunterricht und durch Veran¬ 
staltung kunstwissenschaftlicher Vorträge 
gepflegt wird, 

c) die kunstgeschichtlichen Apparate an 
Hochschulen und höheren Lehranstalten 
(Mittelschulen) zureichende Ausstattung 
erfahren, 

d) angehenden Oberlehrern und Oberlehre¬ 
rinnen die Möglichkeit geschaffen wird, 
sich in der Fachprüf ung eine Lehrbefähigung 
der Kunstwissenschaft zu erwerben, 

e) die Kunstwissenschaft auch in dem der 
allgemeinen Bildung gewidmeten Teile 
der Prüfung der Oberlehrer und Ober¬ 
lehrerinnen angemessen berücksichtigt 
wird, 


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Rundschau 


85 


f) kunstwissenschaftliche Fortbildungskurse 
für Oberlehrer und Oberlehrerinnen ein¬ 
gerichtet werden, 

g) auch bei allen Fortbildungseinrichtungen 
auf die Förderung kunstwissenschaftlichen 
Verständnisses durch geeignete Kurse be¬ 
sonderer Wert gelegt und 

h) durch kunstwissenschaftliche Vorträge und 
Demonstrationen verschiedenster Art auf 
immer weitere Kreise des Volkes ein¬ 
gewirkt wird. 

Das Bedürfnis einer alle kunsthistorischen 
Bestrebungen in Deutschland und Österreich 
zusammenfassenden Zentrale ist offensichtlich; 
die Beschränkung auf deutsche Kunst eine 
große Tat, deren Notwendigkeit in der von der 
Wissenschaft so stark vernachlässigten Bedeutung 
unserer einheimischen Kunst liegt; und das 
Mittel, eine Sammelstelle für deutsche Kunst¬ 
forschung in einer privaten Gesellschaft zu 
schaffen, der beste, weil ein selbständiger Weg. 
Die Nation selber, nicht der vielgeplagte Staat, 
soll die Sache ihrer Kunst in die Hand nehmen I 
Es ist zuversichtlich zu hoffen, daß dem Aufrufe, 
an dessen Spitze Bode, Friedr. Schmidt und 
Althoff stehen, die nachdrücklichste Tat folge. 

8 


KLEINE NACHRICHTEN 

Augsburg. Das sog. Badezimmer im Fuggerhaus 
ist neuhergerichtet und dient nun zur Aufbewahrung der 
bedeutenden Fuggersdien Kunstsammlung, die der Öffent¬ 
lichkeit übergeben wird. 

Berlin. G. Mackowski hat 7 Reliefs von Gottfried 
Sdiadow wiedergefunden die Grfifln Llndenau hatte sie 
zur Erinnerung an ein früh verstorbenes Söhnchen von 
dem Künstler in Gipsstuck modellieren lassen. 

Darmstadt. Die stattliche Sammlung Handzeichnungen 
und Skizzen von Böcklin im Besitze des Freih. Ehe¬ 
paares v. Heul ist von diesem dem Hessischen Landes- 
museum als Geschenk überwiesen worden. Die 75 Blätter 
reichen von der Schweizer Jugendzeit Böcklins bis in die 
80er Jahre. 

Dresden. Die Gemäldegalerie hat ihr erstes Bild 
von Rayski, dem durch die Jahrhundertausstellung 1906 
bekannt gewordenen Autodidakten, erworben; es stellt 
die Schwester des Künstlers Pompilia dar. 

Düsseldorf. Josef Olbrich ist gelegentlich der Aus¬ 
führung seines Warenhauses von Darmstadt hierher über¬ 
gesiedelt. Eine Ausstellung seines bisherigen Werkes 
ist gegenwärtig in drei Sälen des Kunstgewerbemuseums 
zu sehen. 

Hamborg. Es besteht noch die Gefahr, daB die 
bekannte Galerie Weber — deren Katalog von Woermann 
stammt — von der Witwe des Besitzers an ein Händler¬ 
konsortium verkauft wird. Hoffentlich finden sich aber 
Mittel, die Sammlung für Hamburg zu erhalten und mit 
ihren alten Meistern den Bestand der Kunsthalle aufs 
günstigste zu ergänzen. 

Frankfurt a. M, Die Errichtung eines Städtischen 
Museums neben und in Zusammenhang mit dem Städel- 
schen Institut ist im Prinzip beschlossene Sache. Die 
Mittel der reichen Pfungstschen Stiftung waren für eine 
moderne Galerie allerdings schon einige Zeit flüssig und 


auch die gemeinsame Leitung beider Sammlungen bei 
getrennten Administrationen war mit der Berufung 
Swarzenskis vor zwei Jahren schon entschieden. Was 
aber Jetzt, nach Oberwindung mannigfacher Schwierigkeiten, 
als gesichert angesehen werden darf, und zwar sowohl 
von seiten der stfid ischen Behörden als der Städelschen 
Verwaltung, ist die räumliche Verbindung der beiden 
Museen (auf dem Gartengrundstück an der Dürerstraße) 
und die Durchführung von Swarzenskis Programm. Dieses 
behält für das Städeische Institut prinzipiell die alte 
Malerei vor; das Städtische Museum aber soll nicht nur 
die im Plane Pfungsts liegende Moderne Galerie, 
sondern auch eine Sammlung rein Frankfurter Kunst 
und eine Skulpturensammlung enthalten. Es besteht 
begründete Hoffnung, daß die reiche Stadt die zu diesen 
großartigen Plänen notwendigen Gelder bewilligt, und 
somit Frankfurt mit einem Schlage den bedeutendsten 
neueren Museumsstddten, wie Hamburg, an die Seite ge¬ 
rückt wird. 

Dem Städelschen Museum ist das angebliche 
Bildnis des Kaisers Matthias Corvinus von Rubens aus 
der Slg. Rud. Kann als Geschenk überwiesen worden, 
eines von Rubens besten und besterhaltenen Gemälden. 

Köln. Rasch hintereinander sind beide Museen Ihrer 
Leiter beraubt worden, und die Verlegenheit der Stadt, 
diese Stellen würdig wieder zu besetzen, ist eine doppelte, 
da beide Sammlungen recht eigentlich Schöpfungen ihrer 
hervorragenden Direktoren zu nennen sind. Der im vorigen 
Herbst verstorbene Aldenhoven hat aus einer Raritäten¬ 
kammer das stolze Wallraf-Rlchartz-Museum gemacht, 
und das Kunstgewerbemuseum verdankt seine heutige 
Gestalt und Organisation durchaus Otto von Falke. 
Dieser, der seine Assistentenjahre bei Lessing in Berlin 
zubrachte, übernahm 1895 das Kölner Museum, das am 
1. Mai 1900 in den jetzigen Neubau übersiedelte. In dem 
neuen Museum wurde das System des mittleren quadra¬ 
tischen Lichthofes mit Rücksicht auf die Sonderaussteilungen 
des modernen Kunstgewerbes beibehalten. Die Samm¬ 
lung selbst ist nach dem Prinzip historischer Stilentwick¬ 
lung aufgestellt; bei ihrem Ausbau stand das rheinische 
Kunstgewerbe durchaus im Vord rqrunde: rheinische Möbel 
vom 14. bis 18. Jahrhundert, rheinische Glasmalerei und 
Keramik. So hat v. Falke dem Museum einen aus¬ 
gesprochen rheinischen Charakter verliehen. 

Lugano. An der Kathedrale S. Laurenzo und an 
S. Maria degii Angeli (in der Luinis Passionsfresko ist) 
finden große Restaurationsarbeiten statt. 

München. Die Sammlung Arndt, die ein unbekannter 
Mficen auf Veranlassung Furtwänglers angekauft und dem 
bayrischen Staate geschenkt hat, ist provisorisch im assy¬ 
rischen Saale der Glyptothek geordnet aufgestellt worden. 
Die Sammlung umfaßt hauptsächlich Werke 'griechischer 
und auch italienischer Kleinkunst, Terrakotten, Vasen, 
Bronzen, Goldschmuck und Glasfragmente. So ist sie 
eine sehr wertvolle Bereicherung des Antiquariums, 
deren beträchtliche Lücken auf diese Weise ausgefüllt 
werden. 

Florenz. Die Besorgnis um das Schicksal des Pal. 
Strozzl—der bekanntlich möglicherweise einem Ausländer 
zufällt — ist noch keiner Entscheidung gewichen. Falls 
der Staat Ihn übernehmen sollte, weiß man nicht recht, 
was mit seinen großen Räumlichkeiten anzufangen; zu 
einem Museo civico, das noch der würdigste Inhalt sein 
würde, fehlt es an Material, und die großen Kosten 
machen hinter jedes derartige Projekt von vornherein ein 
Fragezeichen. — Dagegen soll das Kloster Sant' Apollonia 
(mit Castagnos Abendmahlfresko) vom Militärfiskus 
erworben und zu einer modernen Galerie verwendet 
worden. 

Paris. Die Verwaltung der National - Bibliothek be¬ 
reitet für Mai 1908 eine große Ausstellung von Zeichnungen 
und Radierungen Rembrandts aus öffentlichem und 
privatem Besitze vor. 

Speyer. Das historische Museum der Pfalz soll hier 
nach Plänen Gabr. v. Seidls erstehen; und zwar gänzlich 
in den Formen der späteren deutschen Renaissance, teil¬ 
weise in direkter Nachahmung von Teilen des Heidel¬ 
berger Schlosses. Es fragt sich, ob diese Art der forma¬ 
len Lösung von Museumsfragen heute noch angebracht ist. 

StraBburg. Die Wiederherstellung des Bischöflichen 
Palais soll, unter der Leitung des Dombaumeisters Knauth 


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86 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


und des Pariser Innenarchitekten Hoentschel nunmehr in 
Angriff genommen werden. Ein Anbau nach der 111 
hinaus soll die Kunstgewerbesammlung von Str. auf¬ 
nehmen, so daß, mit Einrechnung des Frauenhauses, alle 
öffentlichen Kunstschätze hier vereinigt werden. Diese 
Restaurierung befindet sich durchweg in guten Hfinden. 

Rom. Die von Raffael 1509 begonnene Kirche S. Eligio 
degü Orefici, am Tiber bei der Villa Glulio, droht ernst¬ 
lich zu verfallen, da man nichts für ihre Erhaltung tut. 

Rom. Die altchristliche Basilika S. Silvestro über 
dem Grab der Priscilla an der Via Salaria ist von Marucchi 
wiederhergestellt und die gesamte (unterirdische) Anlage 
der Öffentlichkeit freigegeben. 

Venedig. Nachdem die finanziellen Schwierigkeiten 
beseitigt sind, wird nächstes Frühjahr mit der Wiederher¬ 
stellung der Baudenkmäler auf dem Inselchen Torcello in 
der oberen Lagune begonnen werden. Es sind dies die 
im Jahre 1006 erbaute Kirche Santa Maria und di? aus 
dem neunten Jahrhundert stammende Kirche Santa Fosca 
in griechisch-römischem Stil. 

Weimar. Als Assistentin am Goethe-Nationalmuseum 
wie an den andern Großherzogi. Museen wurde zur 
Unterstützung des Direktors Dr. Kötschau, Fräulein Dr. 
M. Schütte, früher Hilfsarbeiterin am Kgl. Kupferstich¬ 
kabinett in Berlin, angestellt. 

Wien. Es ist nun endgültig entschieden, daß Otto 
Wagner den Bau des Städtisaien Museums auf dem Karls¬ 
platz übernimmt; es scheint also, daß Wien um eine gro߬ 
artige Architektur reicher werden soll, die sich an die alte 
Karlskirche Fischer v. Erlachs dekorativ anschließt. 


8 


VERMISCHTES 

Kunsthistoriker oder Laie. Da an die Spitze der 
Stuttgarter Gemäldegalerie der Ästhetiker Prof. Diez end¬ 
gültig berufen ist, erscheint der Streit um diese Frage 
beendigt; der neue Leiter muß nun beweisen, ob er ein 
würdiger Nachfolger v. Langes ist. Prinzipiell ist zu 
sagen: daß zwar der Beruf der Kunstforschung an sich 
noch lange nicht die Gewähr bietet, daß der ihr An¬ 
gehörende wirklich etwas „von Kunst versteht“ oder sich 
zum Leiter eines Museums eignet; daß aber doch eben 
für solche Dinge, wie über Kunst dozieren und Samm¬ 
lungen verwalten, ein Stand von Leuten existiert, die sie 
als Lebensaufgabe betrachten und im allgemeinen auch 
wirklich mehr davon verstehen als Künstler und Ober¬ 
lehrer. Das Mittel der guten alten Zeit, Museen durch 
protegierte Maier oder Architekten verwalten zu lassen, 


hat sich doch wohl nicht ganz als das Richtige erwiesen, 
und ein moderner Großstaat würde sich aufs empfindlichste 
der Gefahr der Lächerlichkeit aussetzen, wenn er zu jener 
ehrwürdigen Institution zurüdegreifen wollte, statt unter 
der großen Schar der gutgeschulten Museumsbeamten 
und Kunsthistoriker den Tauglichsten zu wählen. Ein 
völlig verfehltes und durch nichts zu rechtfertigendes Ex¬ 
periment aber hat man in Graz unternommen. Als 
Nachfolger Strzygowskis an der dortigen Technischen 
Hochschule ist nicht ein Kunsthistoriker, sondern ein 
Novellist und Bibliothekar, Dr. Emil Ertl, berufen worden. 
Es tritt hier der Fall ein, daß Professorenkollegium und 
Unterrichtsminister einen Novellisten für tauglicher halten 
als einen Fachmann, über Geschichte der Architektur zu 
lesen. Die weit verbreitete Meinung ist also immer noch 
die, daß Kunstverständnis und Kunstwissenschaft lediglich 
Attribute des Überlegen lächelnden „gesunden Menschen¬ 
verstandes* seien. 

Das Appartemenfto Borgia im Vatikan ist seit 
einigen Monaten dem Publikum zurückgegeben worden. 
Es ist jetzt wieder wie früher zweimal in der Woche ge¬ 
öffnet. Besonders erfreulich ist es, daß auch die beiden 
Räume der Torre Borgia nicht mehr geschlossen sind. 
Hier steht die merkwürdige Büste Pius II. wieder an 
ihrem alten Platz, die seit Jahren unsichtbar war. Möchte 
nun auch allmählich die Hoffnung sich verwirklichen, daß 
sich die leeren Räume füllen! Die Säle des Appartamento 
Borgia scheinen wie geschaffen für die Einrichtung eines 
pästlichen Museums, für welches im Vatikan noch un¬ 
schätzbares Material vorhanden ist. E. St. 

Zum fünfzigjährigen Jubiläum Roms als Haupt¬ 
stadt Italiens. Emesto Nathan, Roms neuer Sindaco, 
hat einen vom 15. Januar datierten Aufruf erlassen, in 
welchem er zur allgemeinen Teilnahme und Unterstützung 
an den beiden im Jahre 1911 in Turin und Rom geplanten 
Jubiläumsausstellungen auffprdert. Die Rollen beider 
Hauptstädte, derer, die es war, und derer, die es wurde, 
sind so verteilt worden, daß in Turin eine internationale 
Ausstellung für Industrie und Gewerbe veranstaltet werden 
soll, während Rom seine verborgenen Schätze a ter Kunst 
zeigen wird. Daneben wird in Rom auch eine historische 
Ausstellung und eine große Ausstellung moderner Kunst 
geplant. E. St. 

Ein neuer Dürer? ln München ist im Besitze des 
Grafen Arco- Zinneberg angeblich ein früher Dürer (von 
1489) entdeckt worden, eine Anbetung des Kindes. 

Ein nener Grünewald ist in dem Dörfchen Stuppach. 
südwestlich von Mergentheim in Württemberg von K. v. 
Lange entdeckt worden. Es ist eine Madonna in blühen¬ 
der Landschaft. 



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LITERATUR 



Karl Domanig. Die deutsche Medaille 
in kunst- und kulturhistorischer Hin¬ 
sicht, nach dem Bestände der Medaillen¬ 
sammlung des allerhöchsten Kaiser¬ 
hauses. Mit 100 Tafeln in Lichtdruck. Wien 
(Verlag von Anton Schroll & Co.), 1907.« Fol. 
60 M. 

Wer mit der Erwartung an dieses Buch heran¬ 
treten wollte, hierin eine allgemeine Veröffent¬ 
lichung über die deutsche Medaille in ihrer künst¬ 
lerischen Bedeutung, und zwar mit Benutzung 
aller größeren öffentlichen oder privaten Samm¬ 
lungen jener herrlichen Werke der Kleinkunst 
zu finden, der würde sich selbst täuschen, und vor 
allem dem Verfasser Unrecht tun. Denn auf 
der einen Seite soll das Werk ebenso, wie die 
* Porträt medaillen des Erzhauses Österreich“ des¬ 
selben Verfassers von 1896, nur ein Teil der 
trefflichen Veröffentlichungen aus den kunst¬ 
historischen Sammlungen des österreichischen 
Kaiserhauses sein, sich also naturgemäß auf den 
Umfang der Wiener Medaillensammlung be¬ 
schränken, andererseits aber zum ersten Male 
umfassend versuchen, die außerordentliche Be¬ 
deutung der Medaille auch in kulturgeschicht¬ 
licher Hinsicht durch Text und Abbildung klar 
zu legen. So zerfällt das Buch in zwei, unter 
sich gleich starke Abteilungen und gibt auf 
Tafel 1 bis 50 454 Medaillen, die die künst¬ 
lerische Entwicklung derselben von den ersten 
medaillenartigen Geprägen der Haller Münzstätte 
aus dem Ende des XV. Jhrh. bis zur Zeit der 
Romantik um die Mitte des XIX. darstellen, auf 
Tafel 51 bis 100 dagegen weitere 417 Medaillen, 
die nur zu einem kleinen Teil die Hand eines 
Künstlers verraten, in der überwiegenden Mehr¬ 
zahl dagegen zeigen sollen, zu wie mannigfachem 
Zwecke die Medaille in der Vergangenheit ver¬ 
wendet worden ist. Um dies zu erweisen, reicht 
aber die vorzügliche Wiener Sammlung voll¬ 
kommen aus. Die Lichtdrucktafeln, in diesem 
Fall mit Recht die Hauptsache, sind fast sämt¬ 
lich scharf und klar ausgefallen, nur die Tafeln 12, 
20, 27, 42, 63 , 83 , 89 , 97 bleiben hinter den 
übrigen zurück, und ich muß auch gestehen, 
daß in diesem besonderen Falle eine künst¬ 
lerisch-vornehme Wiedergabe, wie sie hier der 
rauhe Karton bietet, hinter einer möglichst deut¬ 
lichen auf glattem Papier hätte zurücktreten 
sollen. Man vergleiche nur die Tafeln des vor¬ 
liegenden Buches mit denen zu Domanigs Vor¬ 


trag über die deutsche Medaille in der Wiener 
Numism. Ztschr. XXIV (1892), die in Schrift und 
Bild die Originale an Klarheit vollkommen er¬ 
reichen. Zu bedauern ist auch, daß die Ab¬ 
bildung der Stücke in natürlicher Größe sich 
nicht immer hat erreichen lassen. 

Im kunstgeschichtlichen Teil wird zu einer 
jeden Gruppe von zusammengehörigen Meistern 
eine besondere, im kulturgeschichtlichen Teil eine 
allgemeine Einleitung, dann aber für jede einzelne 
Medaille der 100 Tafeln eine genaue Beschreibung 
der Darstellung, die In- und Umschriften, die 
geschichtlichen Beziehungen, die Bezeichnung von 
G öße und Material, schließlich auch die Lite¬ 
ratur, d. h. schlechterdings alles gegeben, was 
das Interesse des Benützers des Buches nur 
irgendwie erwecken kann. Aber größer noch 
als die Belehrung ist namentlich beim ersten 
Teil der ästhetische Genuß; man wird nicht 
müde, immer wieder von neuem Tafel für Tafel 
zu besehen, mit diesen so durch und durch aus 
deutschem Geiste gebornen, charakteristischen 
Kunstwerken, die trotz der oft feinsten Aus¬ 
führung doch niemals kleinlich, sondern stets 
monumental wirken. Mit Recht sind eigens 
auch die für deutsche Besteller gelieferten und 
außerdem auch auf deutschem Boden entstandenen 
Medaillen italienischer und niederländischer 
Künstler mit aufgenommen worden. Und wie 
greifbar deutlich treten dem Beschauer die ein¬ 
zelnen Perioden unserer Geschichte in diesen 
lebensvollen Gesichtern entgegen. Von welcher 
Bedeutung es ist, daß die Neuzeit die Medaille 
jetzt wieder zu neuem Dasein erweckt hat, ohne 
doch von der Vergangenheit mehr als die An¬ 
regung empfangen zu haben, wird einem beim 
Durchsehen dieser Tafeln ganz besonders klar. 
Und doch weiß ich nicht, ob bei Domanigs vor¬ 
trefflicher Arbeit nicht das Hauptverdienst auf 
dem kulturgeschichtlichen Teil beruht. Man braucht 
nur einmal die Übersicht der Kapitel auf S. VIII 
durchzufliegen, um zu sehen, daß weder auf 
öffentlichem noch auf privatem, weder auf pro¬ 
fanem noch religiösem Gebiete irgend ein Er¬ 
eignis denkbar ist, das nicht durch eine Medaille 
hätte dargestellt werden können. Es ist wirk¬ 
lich eine deutsche Kulturgeschichte in Münz¬ 
bildern, die hier geboten wird, und es ist eine 
wahre Freude, sich von dem unermüdlichen 
Verfasser auf diesem vielverschlungenen Ge¬ 
biete führen zu lassen, das man nur mit dem 
aufrichtigsten Danke für den Genuß verläßt. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Zum Schluß bringt der Text zuverlässige Ver¬ 
zeichnisse der Medaillen nach Personen, Orten, 
Inhalt, dann aber auch ein Verzeichnis der Me¬ 
dailleure mit biographischen Angaben, soweit 
solche nicht bereits der Text selbst enthielt, 
und endlich ein Verzeichnis der öfter benutzten, 
umfangreichen Literatur, alles eine sehr will¬ 
kommene Zugabe für den Benutzer des Buches. 

Einige besondere Bemerkungen möchte ich 
hier anschließen. Daß die Medaillen 79—101 und 
716 wirklich Peter Flötner, wie Domanig schon 
1893 ausgeführt hat, angehören, wird jetzt von 
neuem bestritten und erscheint auch mir vor¬ 
läufig wenigstens nicht bewiesen; Nr. 100 z. B. 
gehört mit einem Buchsmodell des Braun¬ 
schweiger Museums zusammen, das mit Flötner 
nichts zu schaffen hat; auch sonst sind in diesen 
Gruppen sicher mehrere Hände zu unterscheiden. 
Auffallenderweise ist Domanig sodann geneigt, 
die mit einem Monogramm aus P und V ver¬ 
sehenen Medaillen 297—299, 664 und 703, die 
nicht bloß durch ihre Bezeichnung, sondern auch 
durch ihren sehr charakteristischen Stil sich als 
Werke eines Meisters erweisen, an zwei 
Künstler zu geben und in dem einen den Hof¬ 
goldschmied Paul von Vianen zu erkennen. Es 
scheint, als wenn dem Verfasser meine Aus¬ 
führungen in Numism. Literaturblatt 1896 S. 838 f. 
entgangen sind, in denen ich jene bis 1614 da¬ 
tierten Medaillen dem genannten Künstler ab¬ 
gesprochen habe, weil er bereits 1613, nicht erst 
1614 gestörten ist; ihm gehört vielmehr nur 
Nr. 436 an, die eine ganz andere Hand zeigt 
Zu Nr. 42 ferner ist der Aufsatz von W. Buchenau, 
Blätter für Münzfreunde 1901, 164 ff. nachzu¬ 
tragen. Die Modelle zu Nr. 96 und 154 be¬ 
finden sich im Herzogi. Museum zu Gotha, die 
Rückseite der in Wien einseitigen Medaille 
Nr. 355 in dem zu Braunschweig. Nr. 304 scheint 
mir niederländisch zu sein. Selbstverständlich 
sollen diese wenigen Bemerkungen dem Ver¬ 
dienst des Verfassers und der Güte seines Buches 
keinerlei Eintrag tun. — Der Preis des Werkes 
ist in Anbetracht der Ausstattung sehr niedrig. 

P. J. Meier. 

8 

Richard Hoffmann. Die Kunstalter¬ 
tümer im erzbischöflichen Knabensemi¬ 
nar zu Freising. 

Seit die „Beiträge zur Geschichte,Topographie 
und Statistik des Erzbistums München und Frei¬ 
sing“ in „Neuer Folge“ erscheinen, bringen sie 
nicht wenige Artikel über kunsthistorische Fragen, 
die nicht nur zur Verbreitung des Kunstinteresses 
in der Geistlichkeit beitragen, sondern auch 


selbständige, abgeschlossene Forschungsresultate 
darbieten. Im eben erschienenen IX. Bande sind 
die Kunstdenkmäler des Klerikalseminars in Frei¬ 
sing beschrieben. Die dort befindliche kleine 
Kunstsammlung genießt in Kennerkreisen eine 
nicht unbedeutende Wertschätzung; denn sie 
gibt einen guten Oberblick über die Entwicklung 
der oberbayerischen Plastik vom 12. bis zum 
16. Jahrhundert und enthält eine Sammlung von 
Tafelbildern aus Tirol, welche deren Mittel¬ 
stellung zwischen italienischer und bayrischer 
Malerei trefflich charakterisieren. 

Die Werke der figürlichen Plastik hat 
größtenteils noch Sighart zusammengebracht, 
dessen „Geschichte der bildenden Künste im König¬ 
reich Bayern“ heute noch trotz aller inzwischen 
erschienenen Detailarbeiten ihre grundlegende 
Bedeutung für das Mittelalter behält. Sie be¬ 
ginnen in dem vorliegenden Inventar von Rieh. 
Hoffmann mit vier Figuren aus dem 12. Jahr¬ 
hundert; ihnen reihen sich die Arbeiten aus 
Holz, Stein und Ton bis zum Ende des 15. Jahr¬ 
hunderts an, welche meist charakteristische Typen 
der Münchener, Mühldorf er und Salzburger 
Schule bieten. Es sind aber auch Arbeiten über 
dem Mittelmaß darunter, wie Nr. 129 Madonna 
mit Kind, welche neben Werke von Riemen¬ 
schneider gestellt werden darf. Unter den Ar¬ 
beiten der Frührenaissance sind bemerkenswert 
mehrere Stücke des neuerdings festgelegten 
Hans Leinberger von Landshut. Die Gemälde 
vom Schluß des 14. Jahrhunderts an umfassen 
eine reichliche Anzahl von wichtigen Tafelbildern 
der Brixener Schule, dann vielfach datierte 
aus der Gegend von Mühldorf und Salzburg 
stammend. Neben einzelnen schwäbischen Ar¬ 
beiten ist auch die spätgotische Münchener 
Schule charakteristisch vertreten. Unter den 
kunstgewerblichen Objekten sind besonders 
einige kirchliche Geräte des frühen Mittelalters 
interessant. 

Von dieser kurz skizzierten, fast 500 Nummern 
umfassenden Freisinger Sammlung, an der kein 
Forscher vorübergehen darf, hat Rieh. Hoff¬ 
man n ein Inventar hergestellt. Die Beschreibung 
der Objekte ist knapp, aber ausreichend, die 
Charakteristik präzis und meist treffend; ob¬ 
wohl nicht selten die Provenienz der Stücke 
unbekannt ist, scheint die Schulzuteilung fast 
immer richtig zu sein. Nur macht sich die Tendenz 
geltend etwas zu früh zu datieren. Für manchen 
Hinweis auf nicht in der Freisinger Sammlung 
befindliche Denkmäler wird man dankbar sein; 
auch die mehrfachen ikonographischen Selten¬ 
heiten sind gewürdigt worden. Die einschlägigen 
literarischen Arbeiten von Semper, Riehl, 
Stiaßny u. a., welche für die kunstgeschichtliche 


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Literatur 


89 


Beurteilung der Denkmfiler eine meist sichere 
Grundlage boten, sind überall angezogen worden. 
So ist die Sammlung erst durch die vorliegende 
Publikation R. Hoffmanns in vollem Umfang 
fruchtbringend gemacht worden. Höchstens über 
die Auswahl der typischen Abbildungen, auf 
welche der Verfasser wahrscheinlich keinen Ein¬ 
fluß gehabt hat, würe vielleicht manch ab¬ 
weichender Wunsch zu öußern. — 

Dr. W. M. Schmid-München. 

8 

Ganz, Dr. Paul und Major, Dr. E. Die 

Entstehung des Amerbach’schen Kunst- 
kabinets und die Amerbach’schen Inven- 
tare. Basel 1907. Verlag von Carl Beck, Leipzig. 
68 Seiten. M. 2.50. 

Wer kennt nicht das schöne Bild von Holbein 
in der Basler Galerie, welches den Humanisten 
Bonifazius Amerbach darstellt? Wieviele haben 
nicht diese Persönlichkeit mit der berühmten 
Amerbach’schen Hinterlassenschaft in Verbindung 
gebracht, die den wertvollen Grundstock der 
öffentlichen Kunstsammlung und des Histori¬ 
schen Museums zu Basel bildet In feiner psycho¬ 
logischer Untersuchung, welche durch die Nach- 
laßinventare unterstützt wird, legen die Ver¬ 
fasser überzeugend dar, daß wohl Bonifazius 
Amerbach sich mit einer Reihe bedeutender 
Kunstwerke zu umgeben wußte, daß er aber 
durchaus nicht der Sammler war, der die fast 
10000 Stücke des Kunstkabinetts zusammenge¬ 
bracht hat. Dieses war vielmehr sein Sohn 
Basilius Amerbach (+ 1591). Aus welchen Quellen 
ihm der kostbare Besitz zufloß, ist durch Einzel¬ 
beispiele in einer Art nachgewiesen, welche auf 
das Sammlerwesen des 16. Jahrhunderts ein 
interessantes Licht wirft. 

Die Verfasser haben sich bemüht, die Ge¬ 
mälde und Kupferstiche, die bald in einem, bald 
in mehreren Inventaren erwähnt sind, bis in die 
jetzigen Bestände der öffentlichen Sammlungen 
zu verfolgen. Für die Goldschmiedearbeiten sind 
Untersuchungen nach dieser Richtung nicht vorge¬ 
nommen, obgleich es sehr interessant gewesen 
wäre, zu wissen, ob beispielsweise von den 
Ringen und Bechern (darunter einer auf eng¬ 
lische Manier gemacht), die noch von Erasmus 
herstammen, ob etwas von den Modellen von 
Peter Flötner in Nürnberg oder Jakob Hoffmann 
in Basel erhalten ist. Des letzteren Risse meint 
man unter den Goldschmiedezeichnungen des 
Basler Kabinetts wieder zu erkennen. 

ln sechs Goldschmiedeladen befand sich eine 
große Sammlung von Goldschmiedewerkzeugen, 
die aber, wie mir die Verwaltung des Historischen 


Museums in Basel mitteilt, heute nicht mehr vor¬ 
handen sind. Lehrreich ist es im Inventar von 1586 
zu lesen, daß man einen Ohrlöffel „orengrübel" 
nannte, daß ein Sattelbogen und der hintere 
Teil eines Sattels, beide (?) in einem Gipsabguß 
vom Sattel Kaiser Maximilians L, eine Arbeit 
Wenzel Jamnitzers, vorhanden waren, daß eine 
in Selber gestochene Arbeit von Martin Schon- 
gauer existiert hat. Es war die Kapsel zu einem 
Agnus Dei, wahrscheinlich eine ähnliche Arbeit 
wie die Basler Siegelkapsel, das einzige er¬ 
haltene Silberstück von Schongauer. 

Sehr dankenswert ist es, daß sämtliche vor¬ 
handenen Inventare auf den Seiten 31—68 im 
Originaltext abgedruckt sind. 

Marc Rosenberg. 

8 

Marie Schütte. Der schwäbische Schnitz¬ 
altar. Mit 82 Lichtdrucktafeln in Mappe. 91. Heft 
der Studien zur deutschen Kunstgeschichte. Straß- 
burg. J. H. Ed. Heitz. 1907. 

Mehr als irgend ein anderes Gebiet deutscher 
Kunst bedarf die Geschichte deutscher Plastik 
zu einem gesunden Aufbau grundlegender Einzel¬ 
forschungen, sei es in Form von Studien über 
einzelne Meister und Lokalschulen, sei es in 
Gestalt systematischer Behandlung und Unter¬ 
suchung bestimmter Gruppen und Materien. 
Werden jene für die Geschichte im engeren 
Sinne, d. h. für die Entwicklung und Ausbreitung 
einer Bewegung oder eines Stiles in erster Linie 
in Betracht kommen, so werden systematische 
Abhandlungen schon deshalb nicht zu umgehen 
sein, da das uns überkommene Material an 
BUdwerken nicht nur überaus zahlreich, sondern 
auch weit verbreitet und deshalb in gewissem 
Sinne schwer zugänglich ist. Das gilt ganz be¬ 
sonders von den Schnitzwerken der Spätgotik. 
Schon unter diesen Gesichtspunkten wird man 
den „Schwäbischen Schnitzaltar“ von Marie 
Schütte als eine höchst verdienstvolle Arbeit 
anerkennen müssen. Ziehen wir aber noch in 
Betracht, daß das weit verstreute Material meist 
erst auf langen Wanderungen gewonnen sein 
wollte, so werden wir das Verdienst der Ver¬ 
fasserin um so höher einzuschätzen haben. Man 
wird dessen eingedenk sein müssen an Stellen, 
wo sich Wünsche nach einem Mehr geltend 
machen wollen. 

In der Einleitung ist die Absicht des Buches 
gekennzeichnet als „ein Versuch an der Hand 
der in Schwaben erhaltenen Altäre die Ent¬ 
wicklung des schwäbischen Schnitzaltars darzu¬ 
stellen a . Dies setzt zunächst eine streng syste¬ 
matische Gliederung und Verarbeitung des reichen 


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90 


Monatshefte ffir Kunstwissenschaft 


Stoffes voraus. Mit Geschick hat Schütte dabei 
das Ermüdende, Eintönige solcher Analysen ver¬ 
mieden und oft werden uns wie z. B. bei der 
Besprechung des Bilderkreises kunst- und kultur¬ 
geschichtlich interessante Ausblicke eröffnet. Es 
erscheinen überhaupt die Kapitelüberschriften 
vielfach zu knapp und zu eng gegriffen im Ver¬ 
hältnis zu dem Gebotenen, so besonders in dem 
Abschnitt über die Polychromie, der unter anderem 
auch die Frage über die Arbeitsteilung und das 
Verhältnis von Maler und Bildhauer eingehend 
behandelt. Für die Strigel- und Multscher¬ 
forschung sind hier mannigfache beachtenswerte 
Winke gegeben. Das Gleiche gilt für den Ab¬ 
schnitt „Lokalschulen“, der uns zugleich mit 
dem „Nachtrag“ eine ruhige klare Studie über 
den Schnitzer Multscher gibt, dessen Lebens¬ 
werk uns durch den Schmetzensmann von 1429 
am Ulmer Münster und fünf Statuen vom Rat¬ 
haus dortselbst in glaubhafter Weise bereichert 
wird. Das Kapitel „Lokalschulen“ zählt über¬ 
haupt zu dem Besten, was über schwäbische 
Plastik bis jetzt geschrieben wurde und dürfte 
für den Ausbau einer Geschichte derselben, zu¬ 
mal der Holzbildnerei als die wichtigste Grund¬ 
lage zu betrachten sein. Für diesen Zweck 
steuert auch ein sehr sorgfältiges und umfang¬ 
reiches Verzeichnis der schwäbischen Schnitz¬ 
altäre im Bereich des alten Schwabens wert¬ 
volles Material bei. Vor allem dankenswert 
erscheint hier die eingehende Beschreibung der 
einzelnen Objekte und die ausführliche Literatur¬ 
angabe. 

Mit Sdiütte’s Buch haben wir zweifellos ein 
Nachschlagewerk, ein „Handbuch“ von bleiben¬ 
dem Wert erhalten. Idh verspreche mir von ihm 
namentlich auch für die Geschichte der Plastik 
der Nachbarländer Schwabens großen Erfolg, 
insoferne als dadurch die Möglichkeit einer Ver¬ 
gleichung nicht mehr von Einzelobjekten ab¬ 
hängig sein wird, und die Grenzen, namentlich 
die schwäbisch-fränkischen und schwäbisch¬ 
bayerischen, sich klarer ziehen lassen werden. 
Nicht minder schätzbar als die wissenschaftliche 
Verarbeitung des großen, weit verstreuten Ma¬ 
terials ist die reiche Sammlung von Abbildungen 
(82 Lichtdrucktafeln), die in eigner Mappe dem 
Textband beigegeben sind. Man wird bei dieser 
Fülle des vielfach noch unveröffentlichten Ma¬ 
terials über manche weniger gelungene Tafeln 
ohne Tadel hinwegsehen müssen in Anbetracht 
dessen, daß die Aufnahmen oft unter erschweren¬ 
den örtlichen Umständen gefertigt werden 
mußten. Unliebsam aber vermißte ich einen 
engeren Zusammenhang zwischen Textband und 
Abbildungsmappe; hier hätte durch wechsel¬ 
seitigen Hinweis die praktische Benützung beider 


wesentlich erhöht werden können.Das Verzeichnis 
im Textband erfüllt nicht hinreichend den beab¬ 
sichtigten Zweck; zum mindesten hätten in dem 
großen Verzeichnis der Altäre die Nummern der 
betreffenden Tafeln beigesetzt werden sollen. 
Hat man sich aber einmal der Mühe unterzogen, 
Text und Abbildungen durch Angabe der Tafel¬ 
nummern bezw. Seitenzahlen gegenseitig zu er¬ 
gänzen, so schätzt man die Brauchbarkeit und 
den Wert des tüchtigen und dankenswerten 
Werkes um so mehr und würdigt die ernste 
Arbeit, die es gestaltete, erst in ihrem vollen 
Umfang. Dr p hilip p Maria Halm. 

8 

P. Eichholz. Das älteste deutsche 
Wohnhaus, ein Steinbau des 9. Jahrh. 
(Studien zur deutschen Kunstgesch. 84). 50 S. 
8° mit 46 Abb. Straßburg, Heitz. 1907. M. 4.—. 

Obwohl über dieses unscheinbare „graue Haus 
in Winkel“ schon eine ganze Literatur erwachsen 
ist, so war doch über die Zeitstellung noch keine 
Einigkeit erzielt. Die meisten Forscher sprachen 
sich gegen karolingischen Ursprung und die 
Verbindung mit Rabanus Maurus aus. Eichholz 
sucht beides mit schwer wiegenden Gründen zu 
beweisen. Er packt insofern den Stier gleich 
bei den Hörnern, als er die kleinen, monolithen 
Fensterchen, wovon eins ein Teilungssäulchen 
mit Würfelkapitell hat, als ursprünglich (Mitte 
9. Jahrh.) erklärt, ebenso die beiden Türstürze 
mit dem Flachgiebelornament, einen Kamin¬ 
sturz mit Stabwerk und Rosetten, den Ziegel¬ 
durchschuß der gewölbten Öffnungen und sogar 
die Eichenholzsäule des Unterzugs. Wirklich 
überraschend sind die guten Beobachtungen da¬ 
hin deutend, daß das Häuschen ursprünglich nur 
die größere Nordhälfte mit der Kapelle (und 
eine Freitreppe) umfaßte, in der Rekonstruktion ein 
malerisch gruppiertes Refugium für einen Gelehr¬ 
ten wie Rabanus. Denn auf diesen führen neben 
der Überlieferung die Kreuze am Kapellentürsturz 
und an dem einen Fenster, die ganz den Kreuz¬ 
spielereien in seiner Schrift „de laude sanctae 
crucis“ entsprechen. Er hätte es 847 kurz nadi 
seiner Wahl zum Erzbischof von Mainz erbaut, 
in den nächsten Jahren schon um die Südhälfte 
erweitert und bei der Hungersnot 850 die Küche 
vorgelegt. Selbst die Bärenköpfe ließen sich 
aus seiner Schrift „de uni verso“ in Anschluß an 
die Eliasbären (II. Kön. 2. 23) „als Abwehr gegen 
schmähsüchtige Feinde“ erklären. Hat der Verf. 
der Versuchung des Zuvielbeweisens nicht hin¬ 
reichend widerstanden, so sind seine faktischen 
Beobachtungen doch sehr wertvoll und begründen 
den lebhaften Wunsch nach einer neuen und 


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Literatur 


91 


eingehenden Aufnahme unter genauer Prüfung 
des Verbandes und der Technik und besserer 
bildlicher Darstellung des Details als sie bisher 
vorliegt. H. Bergner. 

8 

W. Worringer , Dr. Lukas Cranach, 
128 S. mit 63 Abbildungen. (Klassische Illustra¬ 
toren. Hrsg, von K. Bertels. Bd. 111.) München, 
Piper & Co. 1908. 

Ein überaus geistvolles und feinsinniges Buch, 
von verblüffender Plastik und Schlichtheit der 
Diktion, ungemein klar im Aufbau und von 
bezwingender Sicherheit in der Durchführung. 
Und dabei so gar nicht „kunsthistorisch 1 * in dem 
Sinne, wie es bei einem Buche über Cranach 
eigentlich zu erwarten wäre. 

Die Cranachforsdiung war bisher eifrig be¬ 
müht, auf Grund gesicherter Arbeiten des Meisters 
eine Zusammenstellung der Merkmale seines 
Schaffens zu geben, um danach eine Ein- oder 
Ausschaltung fraglicher Werke herbeizuführen. 
Man suchte seinen Anteil an der gesamten, 
fast fünf Jahrzehnte umfassenden Arbeitsleistung 
der Cranach Werkstatt herauszudestilüeren. So 
kam es, daß die Cranachfrage bald von 
der Pseudo-Grünwald- bald von der Hans 
Cranach-Frage zurückgedrängt wurde und durch 
die Feststellung zahlreicher Schüler und Ge¬ 
hilfen, zu denen neuerdings Johann Kemmer 
hinzukam, keine einheitliche Anschauung des 
künstlerischen Schaffens Cranachs erzielbar war. 
Worauf es jedoch in erster Linie ankam, das 
war die Purifizierung und Rettung des „besseren**, 
des „wirklichen** Cranach, wie er sich in seinen, 
noch die „unverdorbene Frische des persönlichen 
Ausdrucks** tragenden Werken darstellt. Man 
betrachtete ihn eben von der Renaissance aus, 
ließ nur die Persönlichkeit gelten und lehnte 
alles ab was nicht den Stempel derselben trug. 

Worringer nimmt der Cranachfrage gegen¬ 
über einen anderen Standpunkt ein. Er sieht 
ihn von der Gotik aus und nimmt ihn als eine 
mit der ihn umgebenden Kulturschicht aufs 
engste verbundene Erscheinung, in der sich in 
geradezu idealer Weise der Typus „Zeitgenosse** 
verkörpert. Dadurch bleibt das Bedeutungs¬ 
vollere nicht auf den Einzelfall beschränkt, und 
alle die Momente die sich bisher um das Cranach- 
problem gruppierten und das Bild des Künst¬ 
lers zu einem Schwankenden machten, kommen 
in Wegfall. Worringer zeigt uns Cranach als 
den Chronisten der reformatorischen Bewegung, 
als den artistischen Künder der aus dieser her¬ 
vorgegangenen bürgerlichen Kultur; seine Kunst 
als die „getreue Registrierung des künstlerischen 


£tat d’äme ihres Publikums** und seine „Manier** 
als das Resultat einer zielbewußten Entwicklung, 
die nichts anderes bezweckte als die Kunstform 
„gewissenhaft auf dem Niveau der allgemeinen 
ästhetischen Wünsche zu halten, um sie so zu 
einer über alles Persönliche und Problematische 
hinausgehenden Erscheinung von Allgemein¬ 
gültigkeit zu erweitern.** Während man bisher 
in Cranach den Vollzug einer tragischen Künstler¬ 
existenz erblickte, deren verheißungsvolle Ju¬ 
gendkraft im senilen Manierismus versandete, 
faßt Worringer nur den Kollektivbegriff Cranach 
ins Auge und findet, daß gerade die „Manier** 
als ein der Zeit entsprechendes allgemein ver¬ 
ständliches Idiom, einen letzten Versuch bildet, 
an das innerste Wesen der deutschen Kunst 
anzuknüpfen und ihre Elemente noch einmal 
zusammenzufassen, „ihnen noch einmal den un¬ 
persönlichen Charakter eines Stils zu geben.** 

Hermann Popp. 

8 

Handzeichnungen alter Meister. Im Be- 

sitze des Museums Wallraf - Richartz 
zu Köln a. Rh. 25 Lichtdrucktafeln mit Text 
herausgegeben von Dr. Arthur Lindner. — 
Verlag von Wilhelm Abels, Köln a. Rh. 

Durch diese Publikation werden wir beinahe 
100 Jahre nach dem großen Reisenden am Rhein, 
Main und Neckar wiederum „auf die Sammlung 
des Herrn Professors und Kanonikus Wallraf 
gewiesen, der seiner Vaterstadt leidenschaftlich 
angeeignet, sein ganzes Leben und Gut ver¬ 
wendete, ja die ersten Bedürfnisse sich öfters 
entzog, um alles ihm erreichbare Merkwürdige 
seinem Geburtsort Köln zu erhalten“. 

Manchem wird es neu sein, daß das Kölner 
Museum auch noch eine wertvolle Reihe von 
Handzeichnungen besitzt; war es doch für die 
Kölner seinerzeit die größte Überraschung, daß 
sie Besitzer eines richtigen Kupferstichkabinetts 
seien, obwohl für Wallrafs verstaubte Schätze 
längst ein „hinreichendes Lokal“ geschaffen war, 
wie Goethe es ihnen wünschte. 

Hatte diese Erkenntnis etwas länger gebraucht 
als sonst bei dem beweglichen kölnischen Geist 
gewöhnlich ist, so kam um so rascher eine andere 
hinterher. Man entsann sich plötzlich einer 
stattlichen Zahl großer Schweinsleder klebebände 
aus dem Besitz des alten Jesuitenkollegiums, 
die gleichfalls Zeichnungen und Stiche ent¬ 
hielten und die einst eine berühmte, zur Zeit 
Maria Theresias hochgeschätzte Sammlung ge¬ 
bildet haben sollten. 

Sie waren freilich stark gelichtet, als zu 
Napoleons Zeit in Paris die Scheren der Louvre- 


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92 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Conservatoren darin hausen durften ; aber selbst 
so dezimiert gaben sie noch manches Stück her, 
das dem damaligen Kunstgeschmack zuwider, 
heute hochwillkommen ist, vor allem interessante 
deutsche Zeichnungen. 

So lag der Gedanke nahe, was das Kölner 
Museum so gut hat, wie andere, auch weiteren 
Kreisen zu zeigen, ja manche Spezialität Kölns, 
die bisher unbekannt geblieben, wie den lustigen 
Zeichner Antoine Peters, ins rechte Licht zu 
rücken. 

Das hat A. Lindner, der Ordner und Bear- 
beiter dieser Schätze, jetzt unternommen und 
die wohlbekannte Kölner Kunsthandlung Wilhelm 
Abels hat das für Fachleute und Liebhaber 
gleich interessante Werk aufs würdigste aus- 
gestattet: ln vortrefflich gelungenen Lichtdrucken 
liegen 25 Blätter, meist in Originalgröße vor. 

Schon bekannt und des öfteren erwähnt ist die 
Metallstiftzeichnung nach dem Frankfurter Bild 
Rogiers van der Wey den: die heiligen Cosmas 
und Damianus, ein Blatt, das, obwohl Kopie, doch 
als altflandrische Zeichnung, die zeitlich dem 
Original nahe steht, Interesse verlangt. 

Als Beitrag zu Dürers venezianischer Reise, 
darum besonders wichtig, erscheint die inedierte 
Studie zu einer Verlobung der heiligen Katharina, 
eine durchgeführte etwas überarbeitete, aber 
zweifellose Federzeichnung. Die Gestalt der 
vom Rücken gesehenen Heiligen geht mit dem 
bekannten Trachtenbild der Albertina auf 
Gentile Bellinis Kirchgängerin vor S. Marco 
von 1496 zurück. Es folgen auf zwei großartige 
Heiligengestalten von Schäuffelein — beide aus- 
führlich bezeichnet — eine Anzahl Formschnitt- 
vorzeichnungen von Erhard Scfaoen, darunter 
Teile einer Planetenserie. 

Die späteren Schweizer Renaissancemeister 
sind vertreten durch eine sehr großartige lila¬ 
getuschte Scheibenzeichnung Stimmers, ein in 
Grisaille gemaltes Wappen von Hans Caspar 
Lange, und ein charakteristisches Vorbild von 
Lindmeyer für ein Glasfenster. 

Die italienischen Namen der kleinen Sammlung 
klingen besonders stolz. Am meisten Aufmerk¬ 
samkeit verlangt natürlich Lionardo mit einer 
großen Federzeichnung: Studien einzelner Fi¬ 
guren und Gruppen zu einer Anbetung, im Stil 
der berühmten Galichonschen Zeichnung. Die 
sehr originelle Rückseite mit zwei feinen Studien 
nach einem Taschenkrebs nicht publiziert. Es 
darf nicht verschwiegen werden, daß in das 
enthusiastische Lob der Skizze auch schon be¬ 
denkliche Stimmen hineinklangen; doch stehn 
die Urteile einander ziemlich unentschieden 
gegenüber. Die Konturen lassen etwas die 
spröde Energie von Lionardos flüchtigen Notizen 


vermissen, die wenigen Schattenlagen erreichen 
nicht so ganz sicher, wie man erwarten sollte, 
die Wirkung von Verkürzung und Höhlung der 
Körper. Im Kunsthandel existiert eine Wieder¬ 
holung dieser Zeichnung, die sich Strich für 
Strich als eine sklavische Nachahmung erweist. 

Ganz unsicher ist das Raphael oder seiner 
Schule attribuierte Blatt mit Skizzen nach den 
Farnesinazwickeln, die einst Morelli der wohl¬ 
verdienten Vergessenheit entzogen hat. Die 
Reproduktion ist gleichwohl willkommen, weil 
sie ein Urteil ermöglicht. Die Ähnlichkeit mit 
gewissen Zeichnungsgewohnheiten Raphaels und 
seiner Schüler macht das Blatt nur verdächtiger. 
Um so sicherer fühlt man sich bei der kraft¬ 
vollen Doppelskizze Andrea del Sarto’s zum 
heiligen Franz in der Harpyen-Madonna: einer 
Studie nach dem Modell im Zeitkostüm für die 
Haltung im Großen, und der Draperie vom Gürtel 
abwärts, in breiten Röthelzügen souverän hin¬ 
gesetzt Die gute umbrische Zeichnung eines 
toten Christus mag vom Spagna herrühren. 
Schön und charakteristisch sind die zwei großen 
Sepiazeichnungen von Guardi: S. Giorgio Mag¬ 
giore und Einfahrt des Canal Grande, besonders 
die erste mit dem klaren Spiegel von stark 
silbrigem Effekt. 

Den Beschluß macht als angenehme Über¬ 
raschung der nur wenigen Eingeweihten bisher 
vertraut gewordene Anton de Peters. In seiner 
früheren Zeit geschätzt und hochbegünstigt, 
gehörte er, wie auch Debucourt zu den Opfern 
der Revolution, die mit ihren Gönnern ihre 
Geltung verloren. Sein Nachlaß ist beisammenge¬ 
blieben, und nur dem Intimen des Kölner Museums 
war es bekannt, daß hier ein Zeichner von 
großen Gaben seiner Auferstehung harrte. In 
Frankreich wäre er eher zu seinem Recht ge¬ 
langt als in seinem Vaterlande. Nun wird ihm 
hier in 5 Blättern wenigstens das Wort gelassen 
und die Schuld eingelöst; hoffentlich hat es da¬ 
bei nicht sein Bewenden, denn gerade seine 
Pastellzeichnungen verdienen in größerer Zahl 
bekannt zu sein. 

Wie hier, so liegt in manchen unserer deut¬ 
schen Museen noch irgend ein Schatz zu heben. 
Handzeichnungen gäbe es zu publizieren in 
Frankfurt, Weimar, Erlangen, Donaueschingen, 
Hannover, Braunschweig, auch in Krakau; es 
gilt erst einmal die Aufmerksamkeit auf diese 
Stellen hinzulenken und die Sammlungen dem 
Studium zugänglich zu machen. Eine Zeichnung 
von Dürer z. B. dürfte in Deutschland nicht un¬ 
bekannt bleiben. Hier mit nachahmenswertem 
Beispiel vorangegangen zu sein, wäre nicht das 
kleinste Verdienst dieser Publikation. 

Oskar Fischei. 


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Literatur 


93 


Knust nnd Künstler in Frankfurt a. M. 
im 19. Jahrhundert. Herausgegeben auf Ver¬ 
anlassung des Frankfurter Kunstvereins. Erster 
Band. Das Frankfurter Kunstleben im ^.Jahr¬ 
hundert in seinen grundlegenden Zügen ge¬ 
schildert von Heinrich Weizsficker. Frankfurt a.M., 
J. Baer u. Co., Carl Jugel, H. Keller, F. Ä. C. 
Prestel, AL Abendroth. 1907. 

Auf der Jahrhundertausstellung 1906 wurde 
die Bedeutung Frankfurts als Kunststadt er¬ 
kannt; freilich noch nicht in vollem Umfange: 
dieses Budi erst erlaubt eine wohlgeordnete 
Übersicht über den Anteil, der Frankfurter 
Künstlern an der deutschen Malerei (nur um 
diese handelt es sich) gebührt. Es ist eine er¬ 
staunliche Anzahl von bedeutsamen Namen für 
den, der Frankfurt nicht kennt; nicht nur Lokal¬ 
größen, sondern auch Männer, die an der Ent¬ 
wicklung unserer Kunst im vorigen Jahrhundert 
in erster Linie mitgeschaffen haben, deren 
Aufenthalt in Frankfurt mehr oder weniger 
bestimmend für sie selbst war, oder deren 
Wirken d jrt weitreichende Bedeutung gewann. 
Es sind vier Gruppen unter ihnen zu scheiden, 
die nicht nur die Zeit, sondern auch ihre Rich¬ 
tung trennt. Für die Romantiker aus der ersten 
Hälfte des Jahrhunderts war Frankfurt eine der 
angesehensten Stätten, lange Zeit hindurch* 
Cornelius wirkte hier (kürzlich gefundene Wand¬ 
malereien werden publiziert); Pforr,Veit, Rethel, 
Steinle gaben neben- und nacheinander den 
Ton an, Schwind schuf hier von 1844—47 einige 
seiner schönsten Werke. Die Zweiten sind die 
Landschafter von eigentümlich deutschem resp. 
Frankfurter Charakter; nach Vorläufern wie 
Becker, die Cronberger; Dielmann, Burger, Bur¬ 
nitz (er und auch L. Eysen werden wohl besser 
zu dieser als zur nächsten Gruppe gerechnet, 
wie Weizsäcker es tut). Dann die heroische 
Zeit der großen Individualitäten, die in Paris 
malen lernten und nach einem Monumental¬ 
stile strebten; von ihnen sind in Frankfurt 
Viktor Müller und Scholderer die größten; 
Schreyer und Hausmann gehören in die Nähe, 
Thoma und Trübner aber sicherlich in diesen 
Zusammenhang, wenn sie auch noch leben. 
Die Letzten, die Gegenwärtigen, streben nach 
anderen Zielen: Pidoll und Boehle sind ihre 
markantesten Vertreter; neben ihnen Altheim 
und Roederstein und die impressionistisch ge¬ 
schulten Landschafter um Nußbaum. 

Das Buch, das diesen und einer Menge an¬ 
derer Künstler und Nichtkünstler gewidmet ist 
(und nebenbei einige Jüngere zu nennen ver¬ 
gißt, die es wert gewesen wären), repräsentiert 
sich dem ersten Blick stattlich und geschmack¬ 


voll Einband, Buchschmuck, Drucktype von 
Künstlern; gutes englisches Papier; Lichtdruck¬ 
tafeln und keine in den Text gestreuten Illu¬ 
strationen. Man kann diesen modernen Geist 
nicht genug rühmen; und über einige typo¬ 
graphische Schnitzer leicht hinweggehn, die bei 
dem ungeübten deutschen Geschmack nun ein¬ 
mal unvermeidlich scheinen. 

Viel schwerer wiegen Bedenken inhaltlicher 
Art, die an einem so vornehmen Buche äußerst 
auffallend sind. Weizsäcker hat sich der Auf¬ 
gabe, die Kunstgeschichte einer einzelnen Stadt 
im 19. Jahrhundert zu schreiben, mit Verständ¬ 
nis entledigt; nicht bloß sind seine stilgeschicht¬ 
lichen Erörterungen gut und erweitern unsere 
Vorstellungen von deutscher Kunst bedeutend; 
sondern auch die Biographien und Analysen 
der einzelnen Künstler sind bis zu Trübner und 
Boehle vortrefflich und voll jener Sachlichkeit, 
die es in zweifelhaften Fällen vorzieht, trocken 
und zurückhaltend zu erscheinen, als in dichte¬ 
rischem Schwung zu glänzen. Mit dieser er¬ 
quicklichen Art der Kritik erscheinen aber ein¬ 
zelne Partien unvereinbar; und zwar ist das 
der vorletzte Abschnitt (über neueste Archi¬ 
tektur und Plastik) und der letzte, über die 
gegenwärtige Malerei, bis dahin, wo mit Thoma 
die unangefochtenen großen Persönlichkeiten 
beginnen. In den bedenklichen Teilen erscheint 
eine Menge von Namen, die für die Kunst ab¬ 
solut bedeutungslos sind, in wirrem Durch¬ 
einander mit wenigen Künstlern; so daß etwa 
Ottilie Roederstein oder Nußbaum mit den ob¬ 
skursten Stadtgrößen in einem Atem, als 
gleichen Ranges genannt werden; daß von den 
Stilimitatoren in der Baukunst mit um so 
größerem Enthusiasmus gesprochen wird, je 
mehr man sich der Gegenwart nähert und je 
unfähiger sie werden, und daß von den rühm¬ 
lichen Werken einer wahrhaften Architektur, 
die in den letzten Jahren auch in Frankfurt 
entstanden sind, von Eberhardt, Bernoully, 
Paravicini usf. überhaupt nicht die Rede ist, 
es sei denn mit ignoranten Seitenblicken auf 
die „sogenannte reine Linie“. Ein solches Ver¬ 
fahren ist aufs schärfste anzugreifen, es ist 
schlechthin unwürdig inmitten einer ernsthaften 
kunstgeschichtlichen Darstellung, wie sie das 
Buch im übrigen darstellt. Es gibt nur zwei 
Möglichkeiten, diesen „Fall“ zu erklären. Ent¬ 
weder hat der Verfasser es nicht besser ge¬ 
konnt, er besaß nicht einen Funken kritischen 
Vermögens gegenüber einer noch nicht amtlich 
beglaubigten Kunst der Gegenwart; oder er 
schrieb wie ein Lokalreporter, der den zahl¬ 
reichen Honoratioren des Frankfurter Kunst¬ 
vereins und Architektenvereins mit Kulanz 


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94 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


entgegenzukommen hatte (und zwar in Aus-* 
drücken, die öfters in das Gebiet der unfrei¬ 
will gen Komik kleinstädtischen Zeitungsstils 
übergehen). Und beide Möglichkeiten sind bei 
Weizsäcker, dem ehemaligen Direktor vom 
Städel, ausgeschlossen. Niemand wird mich 
davon überzeugen können, daß diese an Ge¬ 
sinnung so himmelweit auseinanderstehenden 
Teüe von einer Hand herrühren, und daß nicht 
die brenzlichen Abschnitte als unbequem von 
Weizsäcker auf einen Frankfurter Lokalschrift¬ 
steller abgewälzt vorden sind. Das war ein 
Ausweg, aber kein sehr redlicher. Man hätte 
den Mut haben sollen, auch diese Partien kri¬ 
tisch zu behandeln, oder aber sie ganz aus- 
lassen. Durch ihre jetzige Redaktion stellen sie 
den Wert des Buches in Frage. 

Paul Ferdinand Schmidt. 

8 

Aus der Bremer Kunsthalle. Vierzig 
Gemälde und Bildhauerwerke, mit einleitendem 
Text von Gustav Pauli. Verlag von Franz 
Leuwer. Bremen. 1 i>07. 

Gleichzeitig mit dem neuen Galeriekatalog 
ist in dem obengenannten Verlag ein Mappen¬ 
werk erschienen, das in unvergänglichen Kohle¬ 
drucken vierzig Werke aus den Sammlungen 
der Kunsthalle reproduziert. Darunter sind 
zwölf Gemälde alter Schulen, das übrige um¬ 
faßt moderne Arbeiten. In diesem Zahlenver¬ 
hältnis ist ausgedrückt, auf welchen Gebieten 
der Schwerpunkt der Sammlung liegt. 

Als im dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts 
der Bremer Kunstverein, dessen Eigentum die 
Kunsthalle ist, gegründet wurde, war die Welt 
der alten Gemälde bereits verteilt. Meister¬ 
werke der deutschen und holländischen Malerei 
— von den Italienern ganz zu schweigen — 
waren nur mit sehr erheblichen Opfern erreich¬ 
bar. So hat man sich schon früh entschlossen, 
die Arbeiten der zeitgenössischen Meister an¬ 
zukaufen, unter denen damals die Düsseldorfer 
für Bremen in erster Linie standen. Aber nicht 
nur damals, sondern auch später noch, als 
längst andere Ziele proklamiert waren, war 
dies die beliebteste Art von Kunst. Die neue 
Zeit nahte für die alte Hansestadt mit dem 
Schlußjahrzehnt des 19. Jahrhunderts, vielleicht 
unter Einfluß der benachbarten Worpsweder 
Schule, die sich langsam durchsetzte. Als dann 
eine Änderung in der Verwaltung eintrat, wur¬ 
den die Absichten des Institus festgelegt, ln 
der Erkenntnis, daß der Kunstverein auch mit 


Hilfe eines neuerdings bewilligten Staatszu¬ 
schusses in der Erwerbung alter Bilder mit 
den großen deutschen Galerien in keiner Weise 
wetteifern kann, soll der größte Teil der zur 
Verfügung stehenden Mittel auch weiterhin zum 
Ankauf zeitgenössischer Bilder dienen, dagegen 
der Erwerbung alter Gemälde nur dann näher¬ 
getreten werden, wenn es sich um bremischen 
Privatbesitz handelt. Daß man auf diese Weise 
immer noch wertvolle Stücke gelegentlich haben 
kann, zeigen die Neuerwerbungen eines schönen 
Cranach aus der Frühzeit (Heilige Dreifaltigkeit 
über einer Landschaft) und einer ausgezeich¬ 
neten späten Ansicht des Schlosses von Bent¬ 
heim von Jacob v. Ruisdael. Dergleichen Meister¬ 
werke reihen sich würdig dem alten Besitz an, 
der in Tafeln von Dürer, Barthel Beham, Alt¬ 
dorfer, Masolino, Montagna sowie einigen 
Niederländern seine Höhepunkte hat, unter denen 
ein früher Ter Borch nnd ein großer früher 
Goyen hervorgehoben sein mögen. Besonders 
aufmerksam möchten wir die Fachgenossen auf 
eine Darstellung vom „Daniel als Riditer“ machen, 
die dem Lucas von Leyden gegeben wird und 
dem Berliner Exemplar des „Schachspiels“ tat¬ 
sächlich sehr nahe steht. 

Die moderne Sammlung, an deren Ausbau 
unermüdlich geaibeitet wird, gibt heute schon 
eine einigermaßen ausreichende Übersicht über 
das Beste, was in unserer Zeit geschaffen wird. 
Davon legt dies Mappenwerk Zeugnis ab. 
Leider war es nicht möglich, alle Perlen der 
Sammlung zu reproduzieren. Der „Abenteurer“ 
von Böcklin mußte fehlen, da die Erlangung 
der Vervielfältigungs-Erlaubnis Schwierigkeiten 
machte, und Liebermanns „Platz in Haarlem“ 
(1907) kam erst in den Besitz der Kunst¬ 
halle, als die Publikation bereits vorlag. 
Auch sonst hat manches bekannte Werk in der 
Bremer Kunstlialle seinen Platz gefunden. 
Thomas „Rheinfall“, Feuerbachs „Mandolinen¬ 
spieler“ (1868/69), Mackensens „Frau auf der 
Schiebkarre“, Trübners „Kainz“ seien genannt. 
Daneben gute Franzosen, wie Pissarro (1869), 
ein Doppelbildnis von Lucien Simon, Marinen 
von Courbet und Zuloagas „Consuelo“. Als 
unvergleichliches Meisterwerk wurde im Jahre 
1905 Claude Monets „Camille“ (des Künstlers 
erste Frau, im grünen Kleide) gekauft, der Zola 
im Jahre 1856 eine begeisterte Seite gewidmet 
hatte, eins der wenigen groß repräsentativen 
Bildnisse, die es in der modernen Malerei gibt. 
Das Bild hat 50000 Mark gekostet, viele Freunde 
der Kunsthalle haben bei der Erwerbung mit¬ 
geholfen. Leute, denen sonst die Kunst gleich¬ 
gültig ist, teilten ihren Vertrauensmännern mit, 
soviel sei das Bild nicht wert. „Was ist eine 


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Literatur 


95 


Fuge von Bach wert, oder eine Arie von Mo¬ 
zart?“, kann man dagegen fragen. Der Wert 
eines Bildes ist oft unabhängig von seinem 
Preis, und der Preis ist genau so hoch, wie die 
Summe, die dafür bezahlt wird. Mehr kann 
man darüber nicht sagen; aber dies muß man 
manchmal betonen. 

Nicht nur nebenbei, wie an anderen Plätzen, 
wird die Sammlung von Kleinskulpturen ge¬ 
pflegt, sondern es existiert dafür ein Verein, 
der aus seinen Mitteln dieses Gebiet besonders 
bearbeitet. Außer berühmten Stücken, wie denen 
vonWrba und Stuck, findet man manches qua¬ 
litätvolle Werk, wie Dittlers schöne „Melusine“. 

Die Aufnahmen, die von R. Stickelmann ge¬ 
macht wurden, sind fast durchweg gut. Es ist 
sehr freudig zu begrüßen, daß zur Reproduk¬ 
tion nicht die jetzt so grassierende Methode 
des Pigmentdruckes gewählt wurde, bei der 
man nicht wissenschaftlich arbeiten kann, son¬ 
dern der Kohledruck, der auch einer genauen 
Betrachtung mit der Lupe stand hält. 

Der Mappe hat G. Pauli ein Vorwort bei¬ 
gegeben, sowie zu jedem Bilde einige kurze, 
die Abbildung ergänzende Notizen über die 
Farben des Originals; ferner die nötigsten Daten 
zur Geschichte des betreffenden Werkes. 

Die Ausstattung ist würdig und schön. 

Waldmann. 

s 

Hildegard Heyne: Max Klinger im 
Rahmen der modernen Weltanschauung 
und Kunst. Ein Leitfaden zum Verständnis 
Klingerscher Werke. Leipzig, Georg Wiegand, 
1907. Preis 1.20 M. 

Die Verfasserin gibt im Vorwort und in der 
Einleitung zu der Schrift ihr Programm an: 
•Inhaltlich faßt die kleine Abhandlung die Re¬ 
sultate der Klingerforschung und -Erklärung 
zusammen, setzt sich in verschiedenen Fällen 
mit Ansichten anderer Bearbeiter des Themas 
auseinander und fügt einzelne Beobachtungen 
hinzu. Zugleich aber sucht sie die Bedeutung 
Klingers noch klarer zu stellen durch die Dar¬ 
legung seines Verhältnisses zur modernen Welt¬ 
anschauung und Kunst der Gegenwart.“ In 
anspruchsloseren Worten läßt sich der reiche 
Inhalt vorliegender Schrift kaum ankündigen, 
ln Wirklichkeit handelt es sich um einen auf 
breitester Grundlage unternommenen, beachtens¬ 
werten Versuch, durch die Kunst in den kom¬ 
plizierten Organismus eines Kulturgenies ein¬ 
zudringen. Die Untersuchung geht von der 
Analyse der radierten Zyklen aus, die neben 
den Werken der „Raumkunst“ nach Klingers 


eigenem Ausspruch (s. Malerei und Zeichnung) 
auf der Grenze zwischen Malerei und Poesie 
stehen, und daher zur Vermittelung geistiger 
Inhalte besonders geeignet sind. Die Bildkunst, 
das Tafelbild, dient in erster Linie der „Augen¬ 
freude“. Klingers Radierungen erheischen 
eine Interpretation. Wer bei diesen Wer¬ 
ken auf die Frage nach dem Inhalte der Dar¬ 
stellungen keine Antwort zu geben weiß, 
kommt nicht zu vollem Genuß. Den großen durch¬ 
gehenden Ideenzug darzulegen, gilt der Ver¬ 
fasserin bei der Besprechung der Zyklen als 
Hauptsache. Der Zusammenhang der einzelnen 
Blätter und Folgen (z. B. der „Intermezzi“) ist 
bisher nie derartig systematisch untersucht wor¬ 
den. Kühn beschränkt sich auf Hinweise, die 
in der Wortfülle seiner Analysen untergehen. 
Die Interpretation Heynes schließt andere Inter¬ 
pretationen nicht aus, sie stellt selbst nur eine 
Hypothese dar, aber eine Hypothese, die 
den Vorzug hat, Klingers geistige Entwicklung 
aus seinen Schöpfungen logisch und über¬ 
zeugend zu erklären. Heyne deutet die „Ra¬ 
dierten Skizzen“ und „Intermezzi“ als eine 
Elegie auf das menschliche Leben. Zu¬ 
erst behandelt der Künstler also das Thema 
„Leben“, und zwar erfindet er dafür noch 
nicht die Blätter, sondern stellt sie nur unter dem 
erwähnten Gesichtspunkt zusammen. Jeder 
über das Leben Nachdenkende empfindet Liebe 
und Tod als seine Angelpunkte. Klinger be¬ 
handelt darum nacheinander diese beiden 
Themata. Zuerst die Liebe: Leicht in Amor 
und Psyche, scherzhaft, echt jugendlich, mehr 
im Sinne der Verliebtheit im Handschuh, 
satirisch heiter in den Rettungen. Es folgt 
eine philosophische Argumentation: „Eva und 
die Zukunft“, eine soziologische Reflexion: 
„Ein Leben“, „Dramen“, und endlich eine ethi¬ 
sche Betrachtung: „Eine Liebe“. Geistig und 
künstlerisch wächst Klinger in der Behandlung 
des Themas. Er geht dann zur Bearbeitung 
des Themas „Tod“ allein über, der bisher nur 
als Endresultat der Liebe auftrat, zuerst in 
leichterer Behandlungsweise, Phantasien über 
die Todeslose nebeneinanderstellend, dann im 
„Tod II“ zur Konstruktion eines großartigen 
Ideengebäudes über den Tod und die Erlösung 
zum Leben. Den Grundstein legt die Brahms- 
Phantasie, denn während alle bis zu diesem 
Zeitpunkte entstandenen Zyklen, die philoso¬ 
phische Ideen enthalten, Schopenhauersdie 
Lebensverneinung verraten, sprechen die 
„Brahms-Phantasie“ und der Zyklus „Tod II“ 
das Bekenntnis der Lebensbejahung im Sinne 
Nietzsches aus. 

Eine eingehendere Besprechung der Radie- 


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96 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


rangen und eine genaue Sinnerklfirang jedes 
Blattes nach der formalen Seite hin läßt das Buch 
um so weniger vermissen, als die Verfasserin 
ihre Aufgabe selbst begrenzt und bereits Kühn, 
M. Schmid, Avenarius u. a. die einzelnen 
Blätter in ziemlich erschöpfender Weise be¬ 
schrieben und interpretiert haben. Nur die 
Blätter, die zum Nachweise der von H. dargelegten 
philosophisch-ethischen oder formalen Ent¬ 
wicklung nötig sind, werden ausführlicher be¬ 
sprochen. So bei den .Intermezzi" alle Blätter; 
bei „Eine Liebe" wird kein einziges Einzelblatt 
herangezogen. Wo ein früherer Typus für ein 
später weiter durch gearbeitetes Bildmotiv (z. B. 
Narzißblatt, S. 17) gegeben wird oder umgekehrt 
(S. 26), finden einzelne Blätter eine genaue for¬ 
male Interpretation. Im allgemeinen richtet sich 
eben das Bestreben der Verfasserin darauf, die 
Logik der geistigen und künstlerischen 
Entwicklung aufzuzeigen, indem sie chrono¬ 
logisch fortschreitet und jede neue Etappe durch 
einen Blick in die Vergangenheit und Zukunft 
zu einem Ganzen zu verketten sucht. Diese 
Einzelentwicklung aber versucht die Verfasserin 
wiederum durch Ausblicke auf Kunstströmungen, 
aus denen sie hervorgegangen, die sie berührt 
oder bewirkt hat, zu einem Gesamtbild unserer 
Zeit nach der künstlerischen Seite hin zu- 
sammenzuschlieBen. Die Hauptperioden sind 
durch fettgedruckte Überschriften über den ein¬ 
zelnen Abschnitten gekennzeichnet, die einzelnen 
Werke und der Inhalt der Abschnitte durch ge¬ 
sperrten Druck. 

Die Bilder und Plastiken werden eingehen¬ 
der auf das Formale hin untersucht, weil sie 
der Ideenwelt ferner stehen als die Radie¬ 
rungen. Es wird gezeigt, wie der Künstler als 
Maler und Plastiker dieselben Stoffgebiete, wie 
in der Radierung: „Antike“, „Christentum“, das 
„Rätsel des Lebens“ zum Ausdruck bringt. Die 
einzelnen Stoffgebiete liegen neben einander 
und gestalten sich immer mehr zu Problemen, 
mit denen er ringt. Im Keim sind sie schon 
alle in den Jugendzeichnungen enthalten. Die 
Verfasserin wendet sich hier gegen Versuche, 
wie sie u. a. Brieger-Wasservogel unternommen 
hat, der eine der wirklichen Chronologie der 
Werke nicht entsprechende Entwicklung Klingers 
vom antiken Heidentum zum Christentum und end¬ 
lich zum „dritten Reich“, dem „Gottmenschentum“ 
dartun will. Sie beweist ferner, daß Klinger 
der Mithilfe aller Kunstgattungen zum Ausdruck 
seiner unteilbaren Künstlerpersönlichkeit bedarf. 
Reine „Augenfreudenkunst“ geht in seiner 
Malerei und Plastik neben der geistige Inhalte 
stark betonenden Radierung her, so daß man 
danach die malerischen und plastischen Werke 


in zwei Gruppen scheiden kann. Für die Ma¬ 
lerei vertritt Klinger diese Anschauungen audi 
theoretisch in seiner Schrift „Malerei und Zeich¬ 
nung*. 

Ferner beweisen malerische und plastische 
Werke, obgleich letztere später in Angriff ge¬ 
nommen worden sind, wiederum eine Entwick¬ 
lung vom Pessimismus Schopenhauers zu 
Nietzsches Lebensbejahung und zum Evolutio¬ 
nismus. Soweit also die philosophisch-geistige 
Seite der modernen Zeit in Betracht kommt, 
ist Klinger direkt auch der Interpret unseres 
spezifischen, „modernen“ Zeitgeistes. 

G. J. Kern. 

8 

Otto Hoerth. Das Abendmahl des 
Leonardo da Vinci. Ein Beitrag zur Frage 
seiner künstlerischen Rekonstruktion. Mit 25 Abb. 
in Lichtdruck auf 23 Tafeln. Leipzig, K. W. 
Hiersemann 1907. 250 S. 20 M. 

Diese sehr sorgfältige, freilich auch sehr um¬ 
ständlich abgefaßte Untersuchung hat zwei Ziele. 
Sie setzt sich zunächst mit Strzygowskis im 
Goethe-Jahrbuch 1896, S. 138 ff gegebener Deu¬ 
tung auseinander, wonach nicht das „Unus ves- 
trum“ den klassischen Moment bezeichne, sondern 
vielmehr die Stelle Matth. 26, 23: „Qui intigit 
mecum manem in paropside, hic me tradet.“ 
Schon Weizsäcker (Goethe-Jahruuch 1898,S.248ff) 
und Jansen (Beil. z. Allgem. Ztg. 14. Äug. 1896) 
hatten ablehnend geantwortet. Auch Hoerth 
kommt zu einer ausführlichen Widerlegung zu¬ 
gunsten der alten Goetheschen Deutung, geht 
aber den Entwürfen zum Abendmahl (Windsor, 
Louvre, Venedig usw.) nach, aus denen hervor¬ 
geht, daß in der Tat die ersten Skizzen sich 
eng an die Tradition anschlössen, den Judas 
diesseits des Tisches setzten, Johannes „an des 
Herrn Brust“ plazierten und daß die Schüssel 
ein wesentlicher Träger der Aktion sein sollte. 
Warum Leonardo dann diesen scheinbar drasti¬ 
schen Moment des Eintauchens aufgab, ist leicht 
zu erkennen; die Spannung des Zweifels, wer 
der Verräter sei, wäre ja dann nicht möglich 
gewesen. Übrigens schließt die Vulgata nicht 
notwendig den Irrtum der Luther-Übersetzung 
mit in sich; es handelt sich im griechischen Text 
nicht um die Aufforderung, in diesem Augen¬ 
blick in die Schüssel zu greifen, vielmehr sagt 
Christus: Einer, der täglich mit mir aus einer 
Schüssel gegessen hat, wird mich verraten. 
Daß der durch solche Ankündigung des Meisters 
hervorgerufene Schrecken der jünger von Leo¬ 
nardo durch das Zucken von 24 Händen illustriert 
wird, hat schon Carl Justi als unmännlich ge- 


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Literatur 


97 


sdiolten; aber die Deutung des Unus vestrum 
bleibt dodi die einzig möglidie. Hoerth nimmt 
nun jeden Apostel vor und deutet die Gebärde; 
eine Kühnheit für jeden Nordländer, der die 
Gebärdensprache des Südländers nie ganz be- 
herrschen wird, trotz eifrigster Umfrage. Vor 
allem laufen wir Gefahr, zu viel hereinzulegen. 
Im Anschluß an diese Diskussion wird nun auch 
das Räumliche und Perspektivische noch einmal 
vorgenommen. Hoerth sieht seltsamerweise in 
den großen Wandbehängen eher Fresken als 
Teppiche — schon das Format schließt dies aus. 
Die psychologische Abhandlung über Judas über¬ 
rascht etwas in einem kunsthistorischen Buche; 
daß Leonardo ihn nicht als Bösewicht schlecht¬ 
hin aufgefaßt hat, geht doch schon aus dem 
Kopf hervor. — Das zweite Thema des Buches 
ist die Kritik der bekannten Apostel- (und 
Christus-) Köpfe in Straßburg und Weimar. 
Hier wird noch einmal mit aller Akribie, unter 
Entlarvung der englischen Fälscher, nachgewiesen, 
daß die Weimarer Köpfe nach den 6 in Stra߬ 
burg und 6 anderen noch nicht wieder aufgefun¬ 
denen Blättern gefälscht sind, und zwar erst 
um 1815. Den Straßburger Blättern aber möchte 
Hoerth die Autorschaft des Meisters vindizieren, 
der sie vermutlich bei seinem zweiten Mailänder 
Aufenthalt, kurz vor der Abreise nach Frank¬ 
reich, gezeichnet hätte, um darin die Grundlage 
für eine von König Franz I. gewünschte Wieder¬ 
holung zu haben. Dehio hatte an Boltraffio 
gedacht und den Charakter der Nachzeichnung 
betont, während Hoerth eine Art Selbstkopie 
des Meisters annimmt. In jedem Fall fallen 
die Weimarer Köpfe von jetzt an in jedem Sinne 
fort; sie können auch nicht für die in Straßburg 
fehlenden und im Original unkenntlichen Köpfe 
als Anhalt verwandt werden, da die ganze 
Weimeraner Folge nicht nur auf den Stra߬ 
burger Blättern, sondern auch aiif Stichen ruht. 
Die Bedeutung der Straßburger Folge wächst, 
selbst wenn man dem Verf. nicht beipflichtet in 
der Zurückführung auf Leonardo selbst. Die 
Untersuchung ist äußerst gewissenhaft, nur, wie 
gesagt, zu umständlich. Der lange Weg, auf 
dem der Verf. zu seinen Resultaten kam, wird 
uns nicht erspart, sodaß es nicht leicht ist, sich 
durch die Fülle des Details durchzufinden. Im 
Einzelnen sei noch bemerkt: Hoerth hält den 
Christuskopf der Brera für echt. Bei Tafel XII 
muß es oben rechts D 1 , nicht D heißen. Der 
Verf. meint, angesichts des desolaten Zustandes 
müsse sich ein Künstler an die Rekonstruktion 
machen, und für diese liefert der Verf. eine 
Menge wichtiges Material. Was aber kann von 
diesem Werk kopiert werden, was nicht Neben¬ 
sache wäre? Alles Große hat seine Geschichte 


und seine Zeit. Und der cenacolo Leonardos 
bildet einen festen Besitz im geistigen Haus¬ 
halt der letzten vier Jahrhunderte, den immer 
wieder zu beleben das beschädigte Fresco noch 
durchaus fähig ist. Dessen Zustand nach Kräften 
zu konservieren, ist selbstverständliche Pflicht. 
Aber alle Ableitungen sind eher gefährlich, eben¬ 
so wie alle Renovierungen und „Ausbauten“ 
architektonischer Denkmäler. 

Paul Schubring, 
s 

S. Sanpere g Miguel : Los quatrocentistas 
catalanes. Libreria „L’Ävenc“. Barcelona 1906. 
Bd. I. VII u. 319. Bd. II. 284 u. CI S. mit 
180 Abb. 

Das vorliegende reich illustrierte Werk ver¬ 
dankt seine Entstehung der Exposiciön de Arte 
antiguo, die 1902 in Barcelona stattgefunden 
hat; es ist mit außerordentlichem Fleiß gear¬ 
beitet und zeugt von großer Liebe zur heimat¬ 
lichen Kunst, ja von fast allzugroßer Liebe. 
Denn hat Casellas, der verdienstvolle Heraus¬ 
geber der „Veu de Cataluna“, bisher den Ein¬ 
fluß der fremden Schulen auf die katatonische 
Kunst überschätzt, so verfällt Sanpere ins Gegen¬ 
teil und bemüht sich, uns eine große, nationale 
katalonische Quatrocentokunst zu zeigen. 

Katalonien hat sowohl als Grenzland wie 
unter der Regierung seiner verschiedenen von 
auswärts gekommenen Herrscher die mannig¬ 
faltigsten Einflüsse in seiner Kunst erfahren; 
die Meister, die über das bessere Mittelmaß 
hinausragen, sind selten und dann, wie Alfonso 
und Bermejo, keine Katalonier; Sanpere möchte 
sie wohl gerne dazu machen, ist uns aber den 
untrüglichen Beweis dafür schuldig geblieben. 

In Kürze hier die Hauptresultate der Arbeit: 
Juan I. (gest. 13%) war mit einer Französin 
vermählt und führte französische Sitten in 
seinem Lande ein; sein Nachfolger Martin, der 
1397 von Sizilien kam, liebte neben italienischen 
Gemälden flämische Gobelins. 1403 schenkte er 
der Kathedrale von Barcelona eine „Veronika“, 
ein sienisches Gemälde. Es wird nicht das ein¬ 
zige Sieneser Kunstwerk gewesen sein, das die 
katatonischen Meister zu Gesicht bekamen. 

Ganz unter dem Einfluß dieser italienischen 
Kunst steht, sowohl was Auffassung wie Ge¬ 
wandbehandlung anbetrifft, vor allem Luis 
Borassa, 13%—1426 als Künstler nachweis¬ 
bar. Hauptwerke: Retablo S. Clara (Vieh. 1415), 
Madonna von Manresa, Allerheiligenaltar S. 
Cugat de Valles, S. Llorens de Morunys (1419). 
Die Zuweisung des Johannesaltars in Paris an 
Borassa halte ich nicht für berechtigt. Die Ge- 

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96 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


stalten sind hier viel strenger, männlicher als 
die weichlichen Borassas, auch sind sie schlan- 
ker; sicher stammt der Altar aus dem Kreis 
des Meisters. 

Zu seinen Gehilfen und Schülern gehörte 
auch sein Sklave Lukas, in seinen Arbeiten 
flauer und trockener als Borassa; eine seiner 
besten Leistungen ist der Georgsaltar in Villa- 
franca de Penades. 

Ein zweiter größerer Künstler ist Benito 
Martorell, gest. 1453 oder 1454; erkenntlich 
an den untersetzten Gestalten und der etwas 
langweiligen Gewandbehandlung mit den großen 
Längsfalten; mit das beste der Retablo der Di- 
putados de Cataluna (Barcelona, Audiencia). 

Am bekanntesten von allen katatonischen 
Quatrocentisten dürfte wohl Luis Dalmau 
de Viu sein. Wie Bertaux vor kurzem nach- 
gewiesen hat (Revue de l’Art anc. et mod. 
XXII. 107 ff.), war er 1428 Stadtmaler in Valen¬ 
cia. Am 21. September 1431 erhält er als Haus¬ 
maler des Königs Reisegeld für eine Fahrt nach 
Flandern. Er kam also kurz vor Enthüllung 
des Genter Altars dorthin. Sein berühmter 
Ret. de los Concelleres in Barcelona wurde 1443 
bestellt und 1445 vollendet. In Barcelona ist 
Dalmau noch 1459 nachweisbar. Im Gegensatz 
zu Casellas und Sert weist ihm Sanpere die 
Pariser Caselverleihung zu, wohl mit Unrecht. 
Nach Sanpere bediente sich der Maler hier 
kastilianischer Modelle; das Werk sei nach 1459, 
dem Ausbruch des Bürgerkriegs, entstanden. 
Mit Recht dagegen spricht er Dalmau den ihm 
von Dvofäk zugewiesenen Madrider Lebens¬ 
brunnen ab, wegen der allzugelehrten und zu 
komplizierten Komposition und wegen völligen 
Mangels spanischer Typen. 

Jaime Huguet, der „Meister des Aus¬ 
drucks“, ist von 1448, wo er ca. 30 Jahre zählt 
bis 1483 nachweisbar. Das einzige doku¬ 
mentarisch beglaubigte Werk, das erhalten 
ist, ist der 1460 vollendete Ret. de S. Abdon y 
S. Senen de S. Pedro de Tarrassa. Aufgeregte 
Szenen liegen dem Meister nicht, der Ausdruck 
der Ergebenheit seiner Märtyrer gelingt ihm 
dagegen vortrefflich. Dann arbeitete er mit 
den Vergos am Vicentealtar von Sarria, wo er 
als derjenige erscheint, der am meisten von der 
Renaissance autgenommen hat. In den Typen 
erinnert er mehrfach an Gerhard David. 

Mit Recht schreibt ihm Sanpere (im Anhang) 
den Georgsaltar im Louvre zu, zusammen mit 
dem in Barcelonaer Privatbesitz befindlichen 
Drachenkampf, den er im ersten Band Martorell 
zugewiesen hatte. 

1473 malte Meister Alf onso den Retablo von 
S. Cugat de Valles mit der Marter des S. Me- 


din. Die Köpfe der Begleitfiguren, schon von 
Justi gerühmt, gehören mit zum Hervorragend¬ 
sten der damaligen Kunst, man denkt an Bel- 
lini; der Akt freilich altertümlicher, mehr an 
Antonello da Messina gemahnend. 

Alfonso ist kein katalonischer Name. Haben 
wir hier Pedro Alfonso de Baena vor uns? 
Dieser, ein Cordobese, wird noch 1485 als Ma¬ 
ler erwähnt 

Noch bedeutender ist Bartolome Ber- 
mejo, auch Bartholomeus Rubeus genannt um 
den sich im Burlington fine Art Magazin, in der 
Gazette des Beaux-Ärts und in der Revue 
de l’Art in den letzten Jahren ein kleiner 
Kampf entwickelt hat. Was Sanpere anlangt, 
so begeht er den Fehler, erst alle möglichen 
dem Meister zugewiesenen Werke zu besprechen 
und dann erst auf das beglaubigte Meisterwerk 
einzugehen, das sich, wie Bertaux bemerkt, zu 
den meisten zugeschriebenen Gemälden verhält 
wie ein Roger van der Weyden zu einem Bel- 
lini. Bermejos „Piedad“ in der Kathedrale von 
Barcelona, 1490 im Auftrag des Canonicus Des- 
pla gemalt, ist (trotz aller Zerstörung) eines 
der Hauptwerke der spanischen Quattrocento¬ 
kunst, Maria namentlich von großartiger Herbheit. 

Der St. Michael mit Stifter in London bei 
Herrn Warnher stammt aus der Valencianer 
Gegend und ist ein Frühwerk des Meisters; der 
niederländische Einfluß noch sehr stark, eigen¬ 
artig der Mantel, wie der einer Estofadofigur 
behandelt. S. Engracia bei Gardiner-Boston 
macht mehr einen französischen Eindruck. Die 
Zuschreibung der Piedad von Villeneuve-les- 
Avignon im Louvre an Bermejo hat ziemlich 
viel für sich, obzwar ich auch hier lieber an 
eine französische Arbeit denken möchte. Wenn 
auch die Pietäskulptur am Barcelonaer Dom¬ 
portal in der eigenartigen Lage Christi merk¬ 
würdig mit dem Bild übereinstimmt, so ist doch 
nicht nachgewiesen, daß der Maler wie der 
Bildhauer Spanier waren. 

Die Verkündigung und der Michael in Avignon 
haben nichts mit dem spanischen Rubeus-Ber- 
mejo zu tun. Es zeigt sich hier, namentlich in 
der Verkündigung, eine merkwürdige Mischung 
von Niederländischem und Oberitalienischem. 

Von grandioser Herbheit dagegen die „Santa 
Faz“ im Museum von Vieh, eines der unver¬ 
geßlichsten spanischen Frühwerke. 1495 ent¬ 
warf der Künstler die Malereien der zehn Glas¬ 
gemälde in der Taufkapelle der Barcelonaer 
Kathedrale, von denen uns noch eins erhalten ist. 

Ein großer Teil der Kunstwerke aus der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist in der 
Werkstatt der Vergos entstanden. Die Haupt¬ 
mitglieder dieser Künstlerfamilie sind Jaime 


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Literatur 


99 


Vergos II. (zuerst 1459 erwähnt, gest. 1503?), 
der altertümlichste, seine Söhne Pablo (gest. 
um 1495), der bedeutendste, und Rafael (zuletzt 
1503 erwähnt). Die Scheidung der einzelnen 
Hände ist oft schwierig. Vielleicht unterschätzt 
Sanpere den Anteil Rafaels ein wenig zugunsten 
Pablos. Den bedeutenden Retablo del Condes- 
table weist Sanpere den Vergos zu; von Jaime 
rührt die Auferstehung Christi her, von Pablo 
die Anbetung der Könige und die Ausgießung 
des heiligen Geistes. An dem Ret. de S. Vi- 
cente de Sarria (Barcelonaer Museum) arbeiteten 
Huguet, Jaime und Pablo Vergos. Auf dem 
Pablo zugewiesenen Gemälde der „Ordensein¬ 
kleidung“ sind die singenden Chorherren als 
Weiterbildung der Genfer singenden Engel von 
größtem Interesse. Eines der tiefgehendsten 
Werke Pablos ist Ret. S. Antonio Abad in 
dessen Kirche zu Barcelona, zu rühmen nament¬ 
lich der Antoniuskopf aus dem „Besuch des hl. 
Paulus“. In den (Barcelonaer Museum und 
gremio de Curtidores) erhaltenen Teilen des 
Ret. de los Curtidores herrscht, soweit sie 
Pablo angehören, eine ganz neue Großzügig¬ 
keit, vor allem in der „Krönung“ wirklicher 
Stil. Das Hauptwerk der Vergos ist der 1500 
vollendete Stefansaltar von Granollers; von 
Pablo die Propheten, bei denen Sanpere nicht 
mit Unrecht an Slüter als mögliches Vorbild 
denkt. Die Gestalten sind durch die Kunst Ber- 
mejos angeregt (den Sanpere hier gern zum 
Schüler der Vergos machen möchte). 

Wenn Casellas die Vergos und ihre Kunst 
„Stillstand und Verfall der katalonischen Kunst“ 
genannt hat, so ist dies etwas zu hart geurteilt. 
Ebenso verkehrt ist aber auch das übertriebene 
Lob, das ihnen Sanpere spendet. Die ständige 
Wiederholung derselben Figuren auf den Cal- 
varios, Teufelsbeschwörungen und Kranken¬ 
heilungen zeugt doch von geringer künstlerischer 
Phantasie. 

Kastilische Künstler sind in jener Zeit in 
ziemlicher Anzahl in Katalonien tätig, zu nennen 
ist vor allem Camargo. Sanpere meint, sie 
seien vom Ruhm der dortigen Schule angelockt 
worden und hätten von den großen katalonischen 
Meistern lernen wollen. Wie vereinbart sich 
aber mit dieser Anschauung die Tatsache, daß 
diesen „Schülern“ die zahlreichen Aufträge zu¬ 
strömten? 

Von großem Interesse ist das Fresco im Re- 
fectorium der Pia Almoy na (Barcelona): Eine 
Tischgesellschaft von 13 Armen; sichtliches Vor¬ 
bild eine italienische Abendmahlsdarstellung 
(Ghirlandajo!). Die Stelle des Johannes nimmt 
hier ein kleines Kind ein. Die Frage nach dem 


Künstler (Pablo de Siena? oder Pablo de S. 
Leocadio?) wird offen gelassen. 

Ungefähr 1502 ist der Trinitätsretablo des 
Gabriel Guardia in Manresa entstanden, eines 
der eindrucksvollsten Werke jener Zeit. 

Sehr zu rühmen ist die reiche Anzahl der 
beigegebenen Photographien wie die Mitteilung 
zahlreicher Dokumente im Anhang. 

August L. Mayer. 

8 

Paul Sdmbring, Rembrandt. Mit einem 
Titelbild und 49 Textabbildungen. Leipzig, 
Teubner 1907 (Aus Natur und Geistes¬ 
welt 158.). 

Rembrandt ist unendlich wie Goethe, Shake¬ 
speare, Beethoven. Ewig sich gleich und immer 
neu wie das holländische Meer und schluchten¬ 
reich barock wie die Alpen. Man hat dem 
Menschen und seinem Werk ehrfürchtigen Än- 
dachtsdienst entgegengebracht, man hat pfaffen- 
hafte Kleinkrämerei und frevelnde Unzucht mit 
ihm getrieben — ganz wie mit der Bibel. Es 
gibt Bücher für 1000 Mark und welche für eine 
Mark über ihn. Dies hier ist eines für eine 
Mark, und gewiß nicht das Schlechteste. Die 
Gesinnung des Verfassers war gewiß, dem Leser 
möglichst viel geordnetes Material zu bieten, 
die Musik mag sich nachher ein jeder selbst 
dazu machen. Mit Recht wird bei dem persön¬ 
lichsten aller Künstler die Persönlichkeit in den 
Vordergrund gestellt. Hofstede de Groot’s un¬ 
schätzbares Urkundenbuch ist hier für die brei¬ 
teste Menge nutzbar gemacht. — Bei einem in 
größter Auflage gedruckten Buche darf aber 
nicht der Druckfehler stehen bleiben, Rembrandt 
habe in der „Joodbeerenstraße“ (statt Jooden- 
breestraat!) gewohnt. Einen Aufenthalt Rem- 
brandts in England würde ich nicht als so 
wahrscheinlich annehmen wie Schubring; eine 
Notiz, die 44 Jahre nach dem Tode des Meisters 
niedergeschrieben wurde, kann in der Zeit der 
Reiseromane dem Wunsche entsprungen sein, 
den in Ungnade Gefallenen im Auslande sein 
Glück suchen zu lassen und ein Zipfelchen von 
ihm sich für das eigene Land zu erobern. Ein 
paar Wiederholungen in der Lebensgeschichte 
(S. 46 und 56) hätten wohl vermieden werden 
können. Feinsinnig und gerecht sind übrigens 
die beiden Frauen Rembrandts, die zarte, etwas 
eigensüchtige Saskia und die derbere, ent¬ 
schlossen gutmütige Hendrickje, kontrastiert. — 
Gern hätte man auch in diesem engen Rahmen 
etwas mehr darüber gehört, wie sich Rembrandts 
Kunst aus der seiner Vorgänger herausentwickelt 


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100 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


hat. Geschickt ist sonst die Übersicht der zahl¬ 
reichen Werke durch die verweilende Beschrei¬ 
bung von Höhepunkten erleichtert: als solche 
werden die Blendung Simsons, die Schubring 
mit starken Szenen Shakespeares vergleicht und 
das rubensartigste seiner Bilder nennt, die 
Nachtwache, das Hundertguldenblatt, dessen Er¬ 
klärung mir zu scharf zugefeilt erscheint, und 
die Staalmeesters, auch diese zu sehr auf die 
Novelle gedeutet! — herausgehoben. Bei Rem- 
brandts Landschaften hätte stärker betont werden 
v müssen, daß der Meister die Natur mehr als 
Romantiker, als selbstschöpferischer Dichter sieht 
und ähnlich wie die grundlegenden Meister des 
15. Jahrhunderts den gebirgigen Aufbau sehr 
oft nicht entbehren kann. Auch geht es nicht 
gut an, zu sagen, die Italiener hätten den tiefen 
Zusammenklang zwischen Mensch und Natur 
nicht gespürt: Correggio, Dosso in Circe und 
Apoll und gar Giorgione sind doch voll davon. 
Gut und zumal den Unkundigen trefflich ein¬ 
führend wirkt das, was über die Radierung ge¬ 
sagt wird. Das stofflich sehr reiche, für mein 
Gefühl sogar etwas zu sehr mit Statistik ge¬ 
stopfte Büchlein ist an allen Stellen flott und 
klar geschrieben; nirgends werden wir mit ab¬ 
geleiertem Enthusiasmus geplagt, oft finden 
sich eigenartige, bisweilen eigenwillige Ver¬ 
gleiche und Wortprägungen. — Die Biographien 
Sandrarts und Baldinuccis (diese zum erstenmal 
in deutscher Übersetzung) sind beigegeben; die 
Abbildungen sind verständig ausgesucht und so 
gut wie sie für den Preis sein können. 

Franz Dülberg. 
e 

Klossowski, Honorg Daumier. Mit 

133 Abbild, u. vier Lichtdrucktafeln. München 
R. Piper u. Co. 1908. 

Wir haben schon längere Zeit Ausschau ge¬ 
halten nach einer größeren Arbeit, die endlich 
imstande wäre, die vagen Begriffe, mit denen 
wir in Deutschland die künstlerische Persönlich¬ 
keit Daumiers, vornehmlich Daumiers des Malers 
zu umschreiben pflegen, zu vertreiben. Die über 
den Meister, von dem bei uns (wenn überhaupt 
etwas) nur der monumental geprägte und doch 
nicht einmal falsche Beiname „der Michelangelo 
der Karrikatur“ gesellschaftlichen und feuille- 
tonistischen Gesprächskurs erhielt, Klärung und 
Belehrung zu geben verstünde. Klossowskis 
Buch kommt also einem vorhandenen Bedürfnis 
entgegen. Daumier, der Karikaturist vom Chari¬ 
vari, dessen Blätter noch vor kurzem an den 
Seinequais um einige Sous zu haben waren, 
verdankt außerhalb Frankreichs seinen Ruhm 


dem erheiternden Sonderheft des Studio, der 
Maler Daumier hat erst kürzlich in das Hagener 
Folkwangmuseum und die Nationalgalerie in 
Berlin siegreichen Einzug gehalten. Außer dem 
pointierten Kapitel Meier-Graefes „Delacroix 
und Daumier“ gab es keinerlei Orientierung in 
deutscher Sprache. Ist nun Klossowskis Buch 
eine solche Orientierung? Will sie es überhaupt 
sein und wendet sie sich nicht vielmehr an den 
kleinen Kreis von Kunstfreunden, denen das oeuvre 
Daumiers durch persönliche Kenntnis vertraut 
ist, die in die Atmosphäre der französischen 
Kunst sich so hineingeatmet haben, daß sie 
außerhalb derselben elendiglich zu ersticken 
glauben? Das ist es. Die Atmosphäre Frank¬ 
reichs ist für Klossowski scheinbar derartig Lebens¬ 
bedingung geworden, daß er vom Leben der 
Menschen „hinter dem Berge“ nichts mehr weiß* 
Und er hat doch für diese Menschen ge¬ 
schrieben, sogar in vorzüglichem Deutsch ge¬ 
schrieben. So ist ein Mißverhältnis entstanden, 
das bei der Durchnahme seines Daumier sehr 
unbehaglich wirkt. Die Voraussetzungen an die 
Kenntnis des Lesers sind auf eine Höhe ge¬ 
schraubt, die nur durch langes Studium der 
Pariser öffentlichen und privaten Sammlungen 
zu erklimmen möglich ist; mit autonomer Selbst¬ 
verständlichkeit wird beispielsweise die Kennt¬ 
nis Delacroix’ beansprucht, die Namen und 
Bildertitel zahlreicher französischer Künstler in 
buntem Schwarm herumgeworfen. In dieser 
Beziehung hat leider Meier-Graefe Schule ge¬ 
macht, der Name „vente“ schlängelt sich ange¬ 
nehm in manchen Auktionsbericht, Druet, Drouot, 
Vollard, Durand-Ruel, rue Lafitte sind lieblich 
klingende Sirenentöne auf der Schalmei sanfter 
deutscher Kunstkritiker geworden, auch wenn 
sie niemals nach Mekka gewallfahrtet sind. 
Was bei Meier-Graefe persönlich-impulsiv wirkt, 
stört bei seinen Adepten. Nun muß allerdings 
anerkannt werden, was schon oben angedeutet 
wurde, daß Klossowskis Stil schwerer und über¬ 
legter, ernster und abstrakter einherschreitet als 
Meier-Graefes flüchtig huschendes Wortgetänzel. 
Der erste Satz des Daumier ist mit der gleichen 
sprachlichen Korrektheit geschrieben wie der 
letzte. Das Buch gibt sich als eine meisterliche 
Analyse der malerischen Fähigkeiten, die Daumier 
besessen hat. Chronologisch wird Bild auf Bild 
durchgesprochen und mit kritischer Exaktheit 
zerlegt. Das Biographische wird fast ängstlich 
vermieden. In erfreulicher Steigerung schreitet 
die Darstellung von Daumiers Anfängen, die sich 
nur andeutungsweise feststelien lassen, zu dem 
Höhepunkt, den dramatisch leidenschaftlichen 
Arbeiten, fort und endet mit einem gehaltvollen 
Abschnitt über die intime Art des Meisters. 


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Literatur 


101 


Eine knappe Zusammenfassung steht am Schluß, 
dem ein sorgsam redigierter Katalog der Werke, 
soweit sie sich nennen ließen, folgt. Wenn also 
jene „Voraussetzungen“ nicht wären, von denen 
so scharf und vorwurfsvoll gesprochen werden 
mußte, verdiente Klossowskis Buch die höchste 
Anerkennung. Diese wird ihm unstreitig zu 
teil werden von den wenigen, die hierzulande 
in der Lage sind, seinen Ausführungen so zu 
folgen wie er es verlangt. Es ist eine Mono¬ 
graphie über Daumier großen Stiles. Wer den 
Künstler nicht kennt, wird verständnislos nach 
wenigen Seiten das Buch fortlegen. Wer aber 
Gelegenheit hatte, die Fülle seiner Originalität 
angesichts seiner Bilder zu empfinden und zu 
bewundern, wird es für vielfache Anregung und 
Erläuterung dankbar bis zum Schlüsse mit zu¬ 
stimmender Teilnahme verfolgen. Aus dem an¬ 
geführten, immer wieder zu betonenden Grunde 
ist es aber nicht das Buch über Daumier, eben¬ 
sowenig wie das Buch Valerians von Loga 
das Buch über Goya ist. Für uns Deutsche 
nämlich. Würde die stilistische Eigenart Klossows¬ 
kis nicht zu sehr leiden, so möchte eine Über¬ 
setzung ins Französische recht empfehlenswert 
sein: „Que faut-il qu’on en fasse? Monsieur, 
si vous voulez le rendre ä vos amis!“ 

Die Ausstattung des Buches steht nicht auf 
der Höhe. Die Tafeln gehen eben noch, aber 
die übrigen Abbildungen geben keine Ahnung von 
einem Daumier. Zur Entschuldigung des Ver¬ 
lages, welchem der schöne Druck des Textes zu 
danken ist, sei aber bereitwillig zugestanden, 
daß nichts schwerer abzubilden ist als Daumier, 
dessen Malerei nach Klossowskis richtigem Wort 
aufs Dreidimensionale geht. 

Uhde-Bernays. 

s 

Armand Dagot. La peinture anglaise. Paris 
Laveur 1908.363 S. 25 Heliogravüren. 282 Illustra¬ 
tionen. 50 fs. 

Armand Dayot, der bekannte Inspecteur des 
Beaux- Arts und Herausgeber der Kunstzeitschrift 
l’Art et les Ärtistes, gibt in diesem Werke die 
erste große zusammenfassende Geschichte der 
englischen Malerei in französischer Sprache, 
nachdem ihm bisher nur die Einzelstudien von 
Bürger-Thord, von Pb. Chasles, von Mantz und 
Sizeranne vorangegangen waren, die nur einzelne 
Teile dieses weiten Kunstgebietes umfaßten. 
Es war in Frankreich ein starkes Bedürfnis nach 
einer solchen zusammenhängenden Darstellung 
wie sie uns Muther gegeben hat, vorhanden, 
da die Wechselbeziehungen zwischen englischer 
und französischer Kunst von }eher äußerst leb¬ 


haft waren, wie dies Dayot in seiner Darstellung 
treffend betont. Bekannt ist der außerordent¬ 
liche Einfluß, den die Koloristik Constables auf 
Delacroix ausübte, ebenso die Beziehungen zwi¬ 
schen Constable und Turner einerseits und den 
Fontainebleauern und Impressionisten andrer¬ 
seits. Endlich hat die heutige mondaine Porträt¬ 
malerei Frankreichs die weitgehendsten Ein¬ 
wirkungen von Reynolds, Gainsborough und ihren 
Nachfolgern erfahren. Dayot weiß in außer¬ 
ordentlich geschickter und gewandter, in erster 
Linie auf französische Quellen gestützter Dar¬ 
stellung all diese Wechselbeziehungen, wie auch 
die Entwicklung der einzelnen Zweige der eng¬ 
lischen Malerei anschaulich vorzuführen. Neben 
eine ausgiebige Behandlung der großen Meister 
treten dokumentarisch wertvolle Notizen über 
minder bedeutende Künstler, bei denen hie und 
da noch einige Daten hinzuzufügen gewesen 
wären. So bietet Dayots Werk ein ausgezeich¬ 
netes Handbuch für den Liebhaber, der sich in 
diesem Gebiete orientieren will. Unterstützt 
wird Dayots Text durch eine Fülle ausgezeichneter 
Illustrationen, die beweisen, daß Frankreich auf 
dem Gebiete der Reproduktionstechnik nicht mehr 
nachsteht. Der enzyklopädische Charakter des. 
Werks wird auch dadurch gewahrt, daß in Text 
wie Abbildungen auch die Schulen der Historien- 
und Genremalerei in ihrer Entwicklung klar ge¬ 
stellt sind, wenn auch dem heutigen Standpunkt 
gemäß der Autor vielfach strenge Kritik walten 
lassen mußte. R. A. Meyer. 

8 

Das Novemberheft der „österreichischen 
Rundschau“ (herausgegeben von Dr. A. Frhn. 
v. Berger, Leopold Frhn. von Chlumecky, Dr. 
Karl Glossy) enthält den Schluß der Mitteilungen 
aus F. G. Waldmüllers handschriftlichem Nach¬ 
laß, welchen Ä. Roeßler herausgibt. In dieser 
Veröffentlichung haben wir einen bescheidenen 
Teil der in dem großen, demnächst erscheinen¬ 
den Waldmüllerwerk von Rößler ausführlich 
abgedruckten Tagebücher des Künstlers zu 
suchen und müssen daher nach dem Erscheinen 
des Bandes kritisch nochmals darauf zurück¬ 
kommen, um Waldmüllers Persönlickkeit ent¬ 
sprechend den biographischen Mitteilungen rich¬ 
tig aufzufassen. Besonders interessant sind in 
diesem Novemberheft Waldmüllers drastisch 
begeisterte Äußerungen über die franzö¬ 
sische Kunst, die in folgenden Aussprüchen 
gipfeln: „...Wo die Wissenschaft anfängt, an 
einer künstlerischen Idee zu mäkeln, ist die 
Kunst gefährdet. Der Genius und das Gefühl 
für das Schickliche und Wahre ist des Künst¬ 
lers einziger Leitstern, ihm muß er Folge leisten, 


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102 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


weil nur durch ihn Begeisterung möglich, und 
nicht dem Geschwätz des Laien in der bilden¬ 
den Kunst, Leute, die nie imstande waren, 
irgend etwas zu schaffen, sondern mit Frech¬ 
heit das von anderen Geschaffene mit ihrer 
albernen, in jeder Zeile sich widersprechenden 
Kritik besudeln. Die französischen Künstler 
sind nicht durch die Journalistik auf diesen 
Höhepunkt gelangt, sondern allein durch ihr 
Genie.“ —u— 

8 

AGORÄ. 

ln der übrigens durchaus unbefangenen und 
meine sicheren Ergebnisse freundlich anerken¬ 
nenden und hervorhebenden Besprechung, 
welche P. M. Halm meiner Studie über die 
Ältartafel in Stams (erschienen in der Ferdi- 
nandiums-Zeitschrift von 1906) in den „Monats¬ 
heften“ vorigen Jahres, p. 162, hat angedeihen 
lassen, ist ihm verzeihlicherweise entgangen, 
daß ich auf S. 391 das Freskobild der Krönung 
Marias im Chor der Pfarrkirche von Terlan aus¬ 
drücklich als der nordischen (französisch-deut- 
jschen) Ikonographie sich anschließend bezeichnet 
habe, wie ich denn auch in meinem Vortrag am 
Internationalen Kongreß zu Innsbruck 1902 (Offi¬ 
zieller Bericht S. 61) in demselben Sinne mich 
folgendermaßen geäußert habe: 

„Noch mehr deutsche Auffassung zeigt sich, 
soweit noch ersichtlich, an den von mehreren 
anderen Händen im Chor derselben Kirche aus¬ 
geführten Fresken.“ 

Trotzdem bemerkt P. M. H. aus Anlaß 
meiner ikonographischen Erörterungen über die 
Darstellungen der Krönung Marias: „gerade 
deshalb (weil ich in der Stamser Krönung ein 
italienisches Vorbild nachgewiesen habe) wäre 
es von großem Interesse gewesen, auch süd- 
tirolische Darstellungen desselben Stoffes mit 
deutschem Gepräge ohne italienische Anleihen, 
z. B. die ungefähr gleichzeitige Krönung Marias 
im Chor von Terlan, zum Vergleich heran¬ 
zuziehen.“ Zugleich verweist P. M. H. auf 
H. Braunes Schrift „Die kirchliche Wandmalerei 
Bozens um 1400“ S. 71, wo dieser ebenfalls 
diese Krönung Marias bespricht und als deutsch 
bezeichnet. 

Da ich unabhängig von B. und auch vor ihm 
dieselbe Ansicht vertreten habe, so hat sich 
P. M. H. mit obiger Äußerung, wie ersichtlich, 
geirrt. — Ebenso hat sich, beiläufig bemerkt, 
auch Braune geirrt, wenn er die Kompositionen 
im Chor von Terlan als „flächenhaft, ohne den 
mindesten Versuch einer Raumgestaltung“ be¬ 
zeichnet, eine Behauptung, die am schlagendsten 


durch die von ihm auf Tafel XIII veröffentlichte 
Krönung Marias in Terlan widerlegt wird. 

Hans Semper. 

8 


REVUE DER ZEITSCHRIFTEN 

Alb recht Dürers Tafelgemilde „Barmherzigkeit“ 
1523. (Fr.Schneider. MainzerZtsdir.il.) Nachricht überein 
schon im 17.Jhrh. verschollenes Tafelbild Dürers, eines Ecce 
homo von 1 ö 23, im Dom zu Mainz, von dem sidi nur eine 
Vorstudie Dürers in der Kunsthalle zu Bremen und ein großer 
Kupferstidi des Caspar Dooms von 1699 erhalten hat. 

Ober einige Werke der Salzburger Buchmalerei 
des XI. Jahrhunderts. (P. Buberl. Jahrb. d.K.K. Zentral- 
kommission 2. 1907). Swarzenskis Forschungen über die 
süddeutschen Miniaturisten werden dahin ergänzt, daß 
schon im Anfänge des 11. Jahrhunderts eine stark byzan- 
tinisierende Buchmalerei in Salzburg einsetzte (Münchner 
Perikopenbuch, Cim. 179), und daß dieser Stil in der 
zweiten Hülfte des 11. Jahrh. seinen Meister in dem Kustos 
Berthold fand. Diesen macht B. nämlich zum Vertreter 
einer besonderen Salzburger Schule und teilt ihm selber 
außer dem (von Swarzenski publizierten) Perikopenbuch 
in S. Peter noch ein (bisher unbekanntes) Evangeliar in 
Stift Admont, seiner Schule aber das Evangeliar kod. 805 
in der Univcrsitätsbibl.othek in Graz zu. 

Un Haphael mlconnu au Mus6e Poldl-Pezzoli 
de Milan? (E. Durand-Gr6ville. Rassegna d’arte 11). 
Die bisher Perugino zugeschriebene kleine Madonna mit 
2 Engeln im Museum Poidi-Pezzoli weist Durand-Gr6ville 
in der Ausführung (jedoch nach einer Zeichnung Peruginos) 
dem 15jährigen Raffael zu; und er kommt, nach eingehen¬ 
den Untersuchungen der strittigen Werke von 1495—1502, 
überhaupt zu dem, wie es scheint, überzeugenden Schlüsse: 
da es in den Alterswerken Peruginos von 1498 an zwei scharf 
geschiedene Gruppen gebe, sei die eine von ihn. n auf den 
jugendlichen Raffael zurückzuführen, nämlich die Bilder, 
weiche in der Behandlung der Landschaft und der Figuren 
eine schärfere, weniger von Manier getrübte Natur¬ 
beobachtung und eine klarere Technik aufwiesen. Raffael 
habe diese Stücke offenbar nach Vorzeichnungen des 
Meisters ausgeführt; Peruginos Madonna in der Glorie 
von 1498. in Perugia, sei nach der des Poldi-Pezzoli der 
erste bedeutsame Beweis seines Könnens. 

Les orlglnes populaires de 1’arL (E. Pottier. Gaz. 
d. beaux-arts 606.) Die Kunst ist nicht Lüge, nicht Luxus, 
sondern der Niederschlag des intensivsten Lebens: von 
der prähistorischen und der Kunst der Wilden ausgehend, 
die immer dem Aberglauben dient (Tierzeichnungen für 
gedeihliche Jagd, Tätowierung, um sich magische Kräfte 
zu verschaffen, Amulette usw.), bis zur heutigen Mode, 
die ein barbarisches Überbleibsel aus der Zeit der Kleider¬ 
ordnungen nach Kasten ist, bewahrheitet sich der Nütz- 
lidikeitscharakter der Kunst; er dringt kraftvoll 
wieder hervor in der neuen angewandten Kunst. 

£tudes snr le Greco. (P. Lafond. Gaz. d. b.-arts606.) 
In der Kapelle des Hospitals de Afuera zu Toledo, einer 
Schöpfung des Kardinals Don Juan Tavera: mehrere Bilder, 
darunter ein Porträt des Kardinals und eine seltsame 
Taufe Christi, sowie der Hochaltar, der ganz architek¬ 
tonisch gehalten und mit Marmorstatuen besetzt ist, von 
Theotokopolis Hand, der also auch plastisch und archi¬ 
tektonisch tätig war. 

Notes on some italian medals. (M. Rosenheim 
and G. F. Hill. Burl. Magazine 57.) 1. Der Medaillist 
A. A. ist nicht Ant. Abbondio, der Schüler L. Leonis; 
5 Medaillen dieses Unbekannten werden publiziert. 2. Me¬ 
daillen Niccolo III. von Este geschnitten von Amadeo da 
Milano. 3. Verschiedene Medaillenporträts und Medailleure 
der Renaissance. 

La collectlon de M. Gustave Dregfus. (P. Vitry. 
Les arts 72). Vitra bespricht eingehend und auf Grand 
der neuesten Zuteilungen die glänzende Sammlung von 
Quattrocentro-Plastiken im Besitze von Dreyfus; haupt¬ 
sächlich aus der Florentiner Schule (Donatello, Verroccnio 
und ihreNachfo'ger); Laurana; Mailänder, Venezianer u.a. 
norditalienische Schulen; zuletzt die zwei (neuerdings durch 
Vöge bekannter gewordenen) Büsten von Konrad Meit. 
Ausgezeichnete Abbildungen. 


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Literatur 


103 


Fälschungen alter Gemälde und Bildwerke. (W. 

Bode. Kunst u. Künstler 3.) Bei der großen Raffiniertheit 
der Fälscher hält Bode es an der Zeit, auf den Umfang 
und die Geschicklichkeit der Fälschungen gerade an Ge¬ 
mälden undSkulpturen nachdrücklich hinzuweisen, und bringt 
aus seiner reichen Erfahrung einige schlagende Beispiele. 

Adriaen Bronwer. (F. Schmidt-Degener. Onze 
kunst 1.) ln großen Zügen — das Heft enthält nur den 
Beginn des Aufsatzes — wird Brouwers künstlerische 
Entwicklung klargeleqt. Von Antwerpen, wo er unter 
P. BreugheT den archaischen Stil annahm, über Amster¬ 
dam (1625) nach Harlem: hier erst der durchgreifende Ein¬ 
fluß von Frans Hals, der ihm .die Zunge löste" und seine 
breite Malweise vermittelte. 

Ausstellung von altem Kunstgewerbe aus Privat¬ 
besitz im Budapester Museum (Magyar Iparmüveszet 6.) 
Abbildungen von Fayence, Porzellan, Uhren und Bronze¬ 
arbeiten (Louis XVI.) usw. 

Bartolomeus Hubens. (F. Pellati. L’arte X, 6.) 
Ausgehend von einem Triptychon im Dom zu Acqui, das 
•Bartolomeus Rubeus" bezeichnet ist und von ihm ent¬ 
deckt wurde, gelangt Pellati, trotz der geringen Anzahl 
der Werke dieses umstrittenen Malers, zu dem Schlüsse: 
er sei ein Katalonier gewesen, der, wie noch andere Por¬ 
tugiesen und Spanier im 15. Jahrh., bei van Eyck gelernt 
und seine Weise beim Arbeiten in Italien und Spanien 
modifiziert habe. 

Per la storla delT arte nelle Marche. (A. Colasanti. 
L’arte X, 6.) Unbekanntere Maler und Schulwerke des 
14. u. 15. Jahrh. aus den Marken. 

Ein neuer Hoger. (F. Laban. Ztschr. f. bild. Kunst 3.) 
Begleitworte zu der Reprodukt.on des für d. K. F. Museum 
jüngst erworbenen Frauenporträts, das Friedländer und 
Bode als Roger bestimmten, über dessen Porträtkunst 
überhaupt und die sich daran knüpfenden Streitfragen. 


NEUE PUBLIKATIONEN 

Gebetbuch Kaiser Maximilians. Ein photolitho¬ 
araphischer Faksimiledruck des ganzen Werkes in vier 
bis elf Farben, von K. Gihlow besorgt und von den 
Kultusministerien Preußens und Österreichs unterstützt, 
ist erschienen, hergestellt bei A. Berger in Wien. Verlag 
von Bruckmann in München. Preis 425 resp. 525 Mark. 

Die Radierungen v. Chodowiecki sind ln einer 
Sonderausgabe, 83 Lichtdrucke, erschienen, besorgt von 
G. Voß; bei J. Spiro, Berlin. Preis 4 Mark. 

K. Stauffer-Bern. Ein kritisches Verzeichnis seiner 
Radierungen und Stiche hat M. Lehrs herausgegeben, im 
Verlage von E. Arnold, Dresden. 

Niederländische Gemälde aus der Sammlung von 
Äl.Tritsch in Wien sind von der .Gesellschaft für verviel¬ 
fältigende Kunst" herausgegeben; 25Tafeln in Heliogravüre 
und 21 Textbilder bringen die sämtlichen 46 Gemälde der 
kleinen aber vorzüglichen Galerie. Text von Gust. Glück. 

Die Gemäldegalerie des Prado erscheint in 84 He¬ 
liogravüren bei Hanfstaengl, München. Text von K.Voll. 
Subskriptionspreis 700 Mark. 

Haudzeichnungen alter Meister der vlämlschen 
Schule des 15., 16. u. 17. Jahrhunderts, als Ergänzung 
zu den Handzeichnungswerken alter Meister, werden im 
Verlag von H. Kleinmann u. Co. (London-Haarlem) in 
Lieferungen zu je 4 Mark publiziert. 

Meisterwerke im städtischen Museum der bilden¬ 
den Künste zu Leipzig. Herausgegeben von Th. Schrei¬ 
ber. Verlag von F. Bruckmann. A. G. München. Preis 
60 M. Das Werk enthält mehr als achtzig ausgezeichneter 
Reproduktionen in Lichtdruck mit begleitendem Text und 
einem Vorwort des Herausgebers. 




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BIBLIOGRAPHIE 

I. Alte Kunst. 2m Vorgeschichte, Ethnographie. 


I. Altertum. 

Gaz. d. Beaux-Arts, Okt. La Vache de Deir- 
el-Bahari. (E. Naville.) 

Bissing, F. W. Frhr. v Denkmäler ägyptisch. 
Skulpturen. 7. Lieferung, München, Verlags- 
Anstalt. (F. Bruckmann.) 

Anthropologie, 3-4. Sur une figurine sca- 
phoide de l’ancienne Egypte. (J. Jarricot.) 

Zeitschrift für figypt. Altertumskunde. Das 
Dienstgebäude des Auswärtigen Amtes unter 
den Ramessiden (L. Borchardt). Statue eines 
hohen Beamten unter Psammetich I. (H. Ranke). 
Der Grabstein eines nubischen Bischofs. 
(G. Steindorff). 

Egupt Exploration Fund-Archaeological Report. 
1906-07. Edit. by F. LI. Griffith. Illus. 4to. 
swd. 2s. 6d. net Frowde, Jan. 1908. 

Memnon I, 1. Über Analogien einiger ost¬ 
asiatischer Ornamente mit Formen der kretisdi- 
mukenisdi. Kunst. (A. Reichel.) 

— Bericht über eine Reise in Anatolien im Som¬ 
mer 1906. (E. Brandenburg.) 

Globus, 19. Die Ausgrabungen in Gezer in 
Palästina. (L. Saad.) 

Umschau, 43. Palast und Wohnhaus im Alter¬ 
tum. (W. Ältmann.) 

Salembier. Principes d’ornements d’apres 
l’antique, 40 pl., in-f °, cart., 15 fr. (Ch. Foulard.) 

Art Journal I. 08. Two masterpieces of greek 
sculpture. (A. Koester.) 

Globe illustrg, 1907, 43. Les bras de la Venus 
de Milo. 

Frkft-Ztg., 10. I. Neue Publikationen z. alten 
Kunst. (M. Maas.) 

Collignon, M. Scopas et Praxit&le. La Sculp¬ 
ture grecque au IV* siede jusqu’au temps 
d’Alexandre; par Maxime Collignon, membre 
de l’Institut, professeur ä la Facult£ des 
lettres de l’Universite de Paris. Paris, impr. 
et libr. Pion, Nourrit et O«. 1907. (30 no- 
vembre.) Petit in-8carr£, 175 p. et fig. 3 fr.50. 

Magne, L. Le^ons sur l’historie de l’art. 
1. L’art dans l’antiquite. In 8°, 247 pp. 175 fr. 
Librairie centrale des beaux-arts, Paris. 

J. Kurth, Aus Pompeji, Skizzen und Studien. 
Mit Abbildungen und eigenen Zeichnungen. 
(Bd. 84, X., »Deutsche Bücherei“.) Verlag 
Deutsche Bücherei, Berlin. 

Strong, A. Roman sculpture from Augustus 
to Konstantine. In 8°, Druckworth. 

Remg, E. La statue £questre de Cyb&e dans 
les cirques romains. (Mus£e beige, 1907, n° 4.) 

Zelts ehr. f. Gesch. d. Architektur 3. Amra 
als Bauwerk. (J. Strzygowski). 


Globus, 19. Prähistorisches an Neuguinea. 
(R. Pöch.) 

Führer z.Kunst. Hrsg. v. H.Popp. 8°. Bdch. 1.—. 
10. Kirchberger, Th. Anfänge der Kunst u. der 
Schrift. Mit 1 Taf. u. 19 Abb. im Text (49 S.) 07. 

Baudet, P. Menhir d&ruit ä Barenton-sur-Serre 
(Aisne); par Pol Baudet (de Paris). Le Mans, 
impr. Monnoy er. 1907. In-8, 4 p. avec 1 fig. 

Anz. f. Schweiz. Altertumskunde 3. Etüde 
sur les fibules de l'äge du fer trouv£es en 
Suisse. (Fortsetz.) (D. Viollier.) 

Journ. of the British ArchaeoL Assoc. 3. 
Neolithic Implements from Dorset. (1. Clift.) 

L’art ddcoratif 111. L'art chez les sauvages 
— l’art Maori. (G. Benoit L£vy.) 

Arch. f. Anthropolog. 2—3. Ergebnisse und 
Aufgaben der mexikanischen Forschung. 
(W. Lehmann.) 

Arch. f. Anthropolog. 4. Besondere Geflechts- 
art der Indianer im Ucayaligebiet. (M. Schmidt.) 

Anthropologie, 3—4. Les Indiens Isbaros. 
(Rivet). 

Records of the Past, 8—9. Mayo Ruins in 
Quintana Roo. (M. de Perigny.) 

African Monthleg, 12. Art in Kimberley. 
(B. Dyer.) 

3. Alte Baukunst. 

Zeitschr. f. Gesch. d. Architektur 3. öster¬ 
reichisches Referat. (K. R. Holey.) 

Civiltä Cattolica, Nov. 1 principii costruttivi 
dello Stile gotico. 

Architectural review 134. On spires and 
towers. (W. Pagin.) 

Bulletin de 1’acad^mie royale d'archdologie 
de Belgique 1907. in. Coups d'oeil et coups 
de plume. Notes et croquis d’arcMologie 
pittoresque. 2c partie. (A. Heins.) 

Academy ardütecture and architectural 
review, 1907. Part. II. Edited by Alex. Koch. 
4to. 4s lOd net; sewed, 4s net. Simpkin. 

BerlingskeTidende (Kopenhagen) 1907 Nr. 292. 
Aften-Udg. Roskilde Domkirkes Forhold til 
de nordfranske Katedraler, särlig Kirken i 
Ärras (Vilh. Lorentzen) [Referat eines Vor¬ 
trages.] 

Teknisk Ugeblads Arkitektafd. (Christiania) 
6/XII 1907. Vestfronten paa Trondhjems Dom¬ 
kirke (Herrn. M. Schirmer). 

Swenska Dagbladet 1907, Nr. 341. Habling- 
bomästaren [ein Steinmetzmeister auf Gothland 
um 1350] (Johnny Roosval). Mit 4 Zeichnung, 
v. Kapitälen u. Pilastern. 


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Bibliographie 


105 


BoL (LLH. Acad. cL L Historia, 4. El mo~ 
nastero de Valvanera, Indices de su Becerro 
u Archivo ä mediados del siglo XVIII. (O. de 
Cortäzar Sevantes.) 

Grosseteste, W. La Chartreuse de Miraflores 
prfcs Burgos (Espagne) et l’Eglise de Brou 
pres Bourg (Äin); par William Grosseteste f 
Ingenieur (E. C. P.). Bourg, impr. du „Courrier 
de l’Äin“. 1907. In-8, 4 p. et planches. 


• Bau- 
unst 


5a. Deutschland. 

Zeller, Reg.-Baumstr., Priv.-Doz. Ädf.: Die 
romanischen Baudenkmäler von Hildesheim. 
Unter Berücksichtigung des einheim. roman. 
Kunstgewerbes. Aufgenommen, dargestellt u. 
beschrieben von dem Inhaber des Stipendiums 
der Louis Boissonnet-Stiftung 1904 an der 
königl. techn. Hochschule z. Berlin. (XII, 104 S. 
mit Abbildung, u. Taf.) 39,5 x 28 cm. Berlin, 

J. Springer 07. Kart. 40.—. 

Basler Ztschr. f. Gesch. u. Altertumsk. VII, 1. 

Die Ausgrabungen zu Disentis. (E. Stichelberg). 
Atti d. R. Accad. Peloritana, XX, 1. L’Äle- 
manna nell* architettura mediaevale. (L. Lom- 
bardi.) 

Nassovia, 21—23. Nassaus Burgen. V. Weil- 
bürg. (R. Bonte.) 

Ztschr. f. Bauwesen, 10—12. Das Rathaus 
in Goslar. (P. Lehmgrübner.) Der Saalbau 
des Weikersheimer Schlosses. (]. Baum.) Schloß 
Köpenick. (W. Friebe.) 

Buhl, G. La cath£drale de Cologne: historique 
et description. Ltege, D. Cormaux. In-8°, 20 p. 
Communic. f. ä la Soc. d'art et d’hist. du dio- 
cese de Li£ge, le 20 f£vr. 1907. 

Fuchs, Richard, Pastor. Die Elisabethkirche zu 
Breslau. Festschrift zum 650jähr. Jubiläum. 
(95 S. mit 21. Abbildungen) gr. 8°. Breslau, 
Evangel. Buchhdlg. 07. 1.50. 

Zeitschr. d. Harzvereins f. Altertumsk., 1. 
Ein altes Fachwerkhaus der Stadt Nordhausen. 

K. Meyer.) 

JuLBaum« Studien zur deutschen Kunstgeschichte. 
Lex. 8°. Straßburg, J. H. E. Heitz. 93. Heft. 
Baum, Dr. Jul.: Die Bauwerke des Elias Holl. 
Mit 51 Abbildg. auf 33 Taf. (X, 132 S.) 08. 10.—. 
Dirr, P. Handschriften und Zeichnungen Elias 
Holls. Baum, Dr. J.: Das alte Augsburger 
Rathaus. Aus »Ztschr. d. histor. Vereine für 
Schwaben u. Neuburg“. (20 u. 11 Seiten mit 
16 Taf.) gr. 8*. Augsburg, (Schlosser) 07. 
MitteU. d. Gewerbemus. zu Bremen 7 — 8. 
Beiträge zur Geschichte der bürgerl. Baukunst 
in Bremen zur Zeit der Renaissance. (111. Das 
alte Krameramthaus und sein Inventar.) 
AonatsbL d. Ältert-Ver. Wien, 6, 7, 8. 
Maria-Enzersdorf. (Jordan.) Beiträge zur Bau- 
geschickte der Stiftskirche in Klosterneuburg- 
|W. Pauker.) 

-9, 10. Schloß Eberfurth. (A. Sitte.) 


Pauker, W. Beiträge zur Baugeschichte des 
Stiftes Klosterneuburg. Im Auftr. d. hochwürd. 
Hrn. Prälaten Friedr. Piff! bearb. u. hrsg. 
I. Donato Felice v. Ällio u. seine Tätigkeit 
im Stifte Klosterneuburg. Mit e. Hefte Akten 
Lex. 8°. Wien, W. Braumüller. 07. 

MitteU. f. Salzburger Landesk., 2. Das Por¬ 
tal der Hofstallkaserne. (K. A. Romstorfer.) 

Hollaender, A., u. Dr. A. HeBler. Malerisches 
aus Alt-Würzburg. 29 Federzeichnungen. Mit 
Begleitworten von Dr. Ä. HeBler. Ein Buch 
f. Freunde volkstümlich. Kunst. (71 S.) gr. 8°. 
Würzburg, S. Perschmann 08. 1.20. 

Denkmalpflege, 16. Neeving und die Schlo߬ 
kapelle in Köpenick. (A. Gut.) 

Kunst unsrer Heimat 3—4. Das Odenwälder 
Bauernhaus. (Henkelmann.) 

3b. Frankreich. 

Maitre, L. L’£glise carolingienne de Saint- 
Philibert de Granlieu devant la critique. 58 pp. 
Dugas, Nantes, 1907. 

CoqueUe, P. Les Eglises romanes du Pincerais 
(20 p.). in-8°, 1 fr. (H. Champion.) 

Marshall, Herbert and Hester. Cathedral Cities 
of France. Illus. 8vo. 9 l / A x6 l l A . pp. 292. 
lös net. (Heinemann.) 

BuU. Monumental, 3--4. Le clodier limousin 
ä l’^poque romane. (R. Fage.) 

Loisel, Ä. La crypte de Saint-Gervais ä Rouen. 
In-16, 26 pp., 1 pl. G. Cacheux, Rouen. 

Revue de l’art chr£tien 6. L’£glise Saint- 
Pierre ä Louvain a-t-elle poss^de unecrypte? 
(R. Maere). 

-La crypte de Saint-Avis d’Orteans, son 

äge d’apres ses characteres. (L. Maitre.) 

Motivier, R. Monographie de la basilique de 
Saint-Just de Valcabrfcre (Haute-Garonne). 
In 8°, 46 pp., 13 pl. Privat, Toulouse. 

Bedin, P. Saint-Bertrand de Comminges, Saint- 

{ ust de Valcabrere. In-8°, 190 pp., 5 pl. 
>rivat, Toulouse. 

Beaurain, G. Le portail de l’£glise de Mimizan. 

ln-8°, 58 pp. Champion, Paris. 
BulLMonumental,3—4. L’eglise carolingienne 
deSaint-Denis. (L.Levillain.) L’eglise abbatiale 
de Chezal-Benoit. [Cher.] (F. Deshouli&res.) 
Eglise de Duclair. (Ph. des Forts.) 

Vitrg, P. et G. Bri&re. L’eglise abbatiale de 
Saint-Denis es ses tombeaux. Notice histori¬ 
que et arch^ologique; par PaulVitry, conser- 
vateur adjoint au mus£e du Louvre, et Gaston 
Bri&re, attach£ au mus£e national de Versailles. 
Paris, impr. et libr. Longuet. 1908. (11. d£- 
cembre.) In-18 j£sus, XII-179 p. et grav. 

Ami des Monuments et des Arts, 120. 

Fa^ade occidentale de Notre-Dame ä Etampes. 
(E. Leffcvre.) 


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Alte Bau¬ 
kunst 



106 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Bull. Monumental, 3—4. Jean Auxtabours, 
ardiitecte de la cathddrale de Chartres. (H.Stein.) 

-Discussion sur les voütes du chevet de 

Morienval. (J. Brutails et E. Leffcvre-Pontalis.) 

Ami des Monuments et des Ärts, 120. Sur 
les fragments d'architecture et de sculpture 
ornementale de la maison du trgsorier de la 
Sainte-Chapelle. (C. Normand.) 

Bertheld, J. etBrugi&re, H. Exploration cam- 
panaire du P^rigord. In-8° de 657 pp. Dordogne, 
Pdrigueux, 1907. 

Ami des Monuments et des Ärts, 119. Un 

monument de la Renaissance mal connu: 
l'abbaye de Saint -Ämand ä Rouen. (E. Dela- 
barre.) 

Bull. d. L soc. d. l’Historie d. protestantisme 
Fran^ais, 5. La Maison des Tetes ä Valence. 

Mättot, A. La renaissance fran^aise et le 
style Louis XlVe, XVIe et XVIIe sifccles; notes 
historiques. (B. mens, du mus£e de l’enseigne- 
ment indust. et prof. de la province du Hainaut 
ä Charleroi, 1907, n° 7.) 

Guillaume, L. Benoist Lebrun, ardiitecte ä 
Orleans (1754—1819); par Louis Guillaume, 
membre de la Socidtd d’agriculture, Sciences, 
belles-lettres et arts d’Orleans. Orleans, impr. 
Gout et Cie. 1907. In-8, 32 p. et portrait. 


Alte Bau¬ 
kunst 


3c. Italien. 


Joseph, Prof. Dr. D. Geschichte d. Architektur 
Italiens v. d. ältesten Zeiten bis zur Gegen¬ 
wart. XVIII, 550 S. m. 340 Abbild. Lex. 8°. 
Leipzig, Baumgärtner. 07. Geb. in Lein w. 20.—. 
Atti e Memor. d. EL Deputaz. d. Storia p. 
L Provinc. Modenesi, 4. Chiesa e Monastero 
di S. Cecilia presso Modena. (S. Cusmano.) 
Boll. d. EL Deputaz. d. Storia p. l'Untbria, 12. 
Delle diiese della cittä o diocesi di Foligno nel 
sec. XIII. 


Bullder, Okt A Remarkable Italian Church. 
[Madonna di vico in Vicoforte.) 

Deutsch. Bauztg., 96. San Gimignano, ein 
italienisches Rothenburg. (W. Fuchs.) 

Quarterlu Review, 413. The Gardens of 
Italy. (H. Sneyd.) 

Arte e Storia, Die. Lo Stile dei Luigi. (A. 
Melani.) 

Arte e Storia, Nov. La fauna scultoria mo- 
struosa della basilica Ambrosiana. (O. Sant’ 
Ämbrogio.) 

L'art ddcoratif, 5. La facciata della Catte- 
drale di Siracusa. (E. Mancori.) 

Atti d. R. Accad. Peloritana, XX, 1. L’am- 
pliamento della piazza del Duomo nel secol. 
XVI ed il fonte Orione in Messina. (G. Ärena- 
primo.) 

Patzak, Dr. Bernh.: Die Renaissance- und Ba¬ 
rockvilla in Italien. Lex. 8°. Leipzig, Klink- 
hardt & Biermann. III. Bd. Die Villa Imperiale 
in Pesaro. Studien z. Kunstgesch. der italien. 


Renaissancevilla und ihrer Innendekoration. 
(III, 435 u. 57 S. m. Äbb.) *08. 32.— , geb. in 
Perg. 35.— Bd. I u. II sind noch nicht ersch. 
Riegl, Alois: Die Entstehung d. Barockkunst in 
Rom. Akadem. Vorles. Aus seinen hinterlas- 
senen Papieren, herausgeg. v. Arth. Burda u. 
Dvofäk. (VIII,214 S.) gr. 8°. Wien, A. Schroll 
& Co. *08. 7.- 

L’art, 818. La villa Mddicis avant l*acad£mie 
de France. (Gerspach.) 

3d. England. 1 

Wiltshire Magazine, 35. The earliest Charters 
of the Abbey of Lacock. (W. Clark-Maxwell.) 
Svenska Dagbladet 1907 Nr. 348 u. 353. Ut- 
ländska arkitekturstudier: Genom östra Eng¬ 
land. Cambridge. Ely-Lincoln-York. (Fr. 
Sundbärg.) 

Journ. of the British ArchaeoL Assoc., 3. 

The Norman Ardiitekture of Nottinghamshire. 
(Ch. Keyser.) Maiden Castle, Dorchester. (J. Clift) 
Wolfeton House. (Ä. Bankes.) 

Äntiquaru, 10. Notes on west Sussex Churches 
(H. Daniell.) 

— 11. Notice of a Hebriden Earth-House. (D. 
Mac Ritchie.) 

— 12. Some notes on Nework Priory, Surrey. 
(H. Bryant.) 

Burlington Magazine, 56. The Palace of 
Westminster. 

Archaeologia Cambrensis, 4. The town of 
Holt, in County Denbigh, its castle, church a.s. v. 
(A. Palmer.) 

Archaeol. Journal, 3. Illustrated notes on the 
church of St. Candida and Holy Cross at White 
church Canonicorum dorset. (E. Prideaux.) 
Builder, Okt Crosby Hall. English Mediaeval 
Ärdiitekture. Old London Churches and Houses. 
Connoisseur, 75. Eaton Hall the Cheshire Resi- 
dence of his Grace the duke of Westminster II. 
(L. Willoughby.) 

Journal of the R. Soc. of Antiqu. of Ire- 
land, 37. Ashlone Castle: its early History, 
with Notes on some neighbouring Castles. 
(G. Orpen.) 

Svenska Dagbladet 282. Utländska arkitek¬ 
turstudier: Canterbury. (Fr. Sundbärg.) 
Transact. of the Bristol & Gloucestershire 
Archaeol. Soc., 2. Monumental effigies. 
Äshchurch Churdh. (J. Roper.) Bristol Ärchaeo- 
logical Notes. Our ancient domestic Ärchi- 
tekture. (J. Pritchard.) 

Fairbairns, A. The Cathedrals of England 
and Wales. Vol. IV.4to. 12 a / 4 x 10 l / 4 . pp. 148. 
10s 6d net. (Dennis & Sons.) 

Die Woche, 52. Die englisch. Königsschlösser. 
(X.Y.Z.) 

New (E. H.) — Twenty Drawings of Sir Christopher 
Wren’s Churches. Roy. 16mo. 7V 2 X5 1 /*. 5s. 
(E. Green.) 


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Bibliographie 


107 


te Bau¬ 
kunst 


Alte 

Malerei 


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de Nassau en Belgique. (Th. Roest v. Limburg.) 

d’Ardenne, J. — Le diäteau royal d’Ärdenne. 
(B. off. du Touring Club de Belgique, 1907, 
n° 21.) 

Lor&nd, G. — Le chäteau de Lormoy. (Rallie¬ 
ment 1907, n° 24.) 

de Smet, F. — Le parc et la citadelle de 
Gand. (Tribüne artist., 1907, n° 8.) 

Buhl, G. L’£glise de Saint-Jaques, ä Li&ge. In 
8°, 23 pp. Cormeaux, Li&ge, 1907. 

BnlL de m£tiers d’art, 2. La cath£drale de 
Bois-le-Duc. (X. Smits.) 

Smits, C.~F.-Xavier. De kathedraal van’s Her- 
togenbosdi, door C-F.-Xavier Smits, doctor 
in de archaeologie. — Brussel, Vromant en 
Cie. Kl. in -4°, XIV-237 bldz., figg. en prenten 
buiten tekst (10 fr.). 

Österreich. Rdschau, 5. Die belgischen Je¬ 
suitenkirchen. (J. Neuwirth.) 

Soens, E. — De kerk van Ninove en haar 
mobilier (Handelingen der Maatsch, van ge- 
schied- en oudheidkunde te Gent, 1907, t. VIII, 
n° 2.) 

Le monnment Hiel ä.Schaerbeek. (Chron. des 
travaux publics, 1907, n°84.) 

4. Me Malerei . 

Sir^n, Oswald, Carl Gustaf Pilo. En Studie. 
8° (26x20). 83 S. Stockholm, Ljus. Kr. 150. 

Nationaltidende (Kopenhagen) Nr. 11388. En 
Udtydning af Rytterkampbilledet i Aal Kirke 
og af beslägtede Kampscener i danske middel- 
alderlige Kirker. (Figurmaler Eigil Rothe.) 

Gaz. des beaux-arts 606. Le paysage chez 
les primitifs. (H. Boudiot.) 

Trierisches Jahrbuch 1908. Ober Monumen¬ 
talmalerei. (F. Stummel.) 

4a. Deutschland. 

Anzeiger f. Schweiz. Altertumsk., 2. Die 
Heilig-Kreuzkapelle bei Meis und ihre neuent¬ 
deckten Wandgemälde. (K. Esther.) Hans 
Caspar Galleti inWil, der Glasmacher-Mono¬ 
grammist H. C. G. (W. Wortmann.) 

Archiv f. Christi. Kunst, 10 u. 11. Joseph 
Wannenmacher, Maler, Forts. (R. Weser.) 

Blätter L Gemäldekunde, 1. Ein allegorisches 
Bild v. Matthäus Gundelach. (Th. v. Frimmel.) 

Baheim, 3. Kranadisdie Bilder. (E. Heydt.) 

Denkmalpflege, 14. Frühgotische Wandgemälde 
im Chorbau der Martinspfarrkirche in Neuffen. 

Gaz. d. Beaux-Arts, Nov. Conrad Witz et 
son retable de Genfcve. (E. de Mandach.) 

Repertorium f. Kunstwissensch., 5. Dürers 
Landschaften. Ein Versuch ihrer Chronologie. 
(L. Klebs.) 


Ztschr. f. bild. Kunst, 4. Einige unbeachtete 
Bilder al‘deutscher Meister im Museo Civico 
zu Venedig. (H. Voß.) 

Blätter f. Gemäldek., 1. Versteckte Bi der im 
Thomaskirchlein bei Villach. (Th. v. Frimmel.) 

Anz. f. Schweiz. Altertumskunde, 3. Die 
Wandgemälde in der Kirche von Brütten 
(Zürich). (J. R. Rahn.) 

Ztschr. f. Christi. Kunst, 10. Konrad Witz u. 
die Biblia pauperum. (A. H.) 

Jahrb. d. K. K. Zentralkommission, 2. Ein 
Werk aus der Schule Zeitbloms. (O. Fischer.) 

Repert. f. Kunstwissensch., 5. Beiträge zur 
schwäbischen Kunstgeschichte. (K. Lange.) 

Ztschr. f. Christi. Kunst, 9. Zwei Altäre ohne 
Altarstein. (A. Schmid.) 

Mainzer Ztschr. H. Albrecht Dürers Tafelge¬ 
mälde „Barmherzigkeit“ 1523. (Fr. Schneider.) 

Köln. Volksztg., 9.1. Zur Wertschätzung des 
ersten deutschen Koloristen (M. Grünewald). 
(L. Pfleger.) 

Westerm. Monatshefte, 12. 07. Mathäus 
Grünewald. (v. Oppeln-Bronikowski.) 

J. K. Huysmans. La rgsurrection du Christ de 
Grünewald du mus£e de Colmar. (Durendal, 
1907, no. 3.) 

W. Worringer. Lukas Cranach. Mit 63 Abb. 
nach Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen 
u. Holzschnitten. (128 S.) '08. Geb. 5.—. Illu¬ 
stratoren, klassische. Lex. 8°. München, R. 
Piper & Co. 

Kunstchronik, 7. Eine angebliche Radierung 
Elsheimers. (W. Valentiner.) 

BlätL f. Gemäldek., 2. Zwei Bildchen von 
Norbert Grund. (Frimmel.) 

Leipz. DL Zeitg., 5. 12. Die Thoranebilder im 
Frankfurter Goethehaus. (O. Heuer.) 

Hammer, Heinr.: Josef Schöpf 1745—1822. 
Mit allgemeinen Studien über d. Stilwandel 
der Fresko- und Tafelmalerei Tirols im 18. 
ahrh. (IX, 190 S. m. 1 Abb. u. 22 Taf.) gr. 8°. 
nnsbruck, Wagner ’08. 3.— 

Rheinlande, 11. Die Soester Malerei im An¬ 
fang des 15. Jahrhunderts. (H. Schmitz.) 

Sdües. Ztg., 1L 11. Zum hundertsten Todes¬ 
tage Angelika Kauffmanns. (Dembski.) 

Zeit, Wien 13. 11. Angelika. (R. Muther.) 

Leipz. Bl. Zeitg., 31.10. 07. Angelika Kauf¬ 
mann. 

4b. Frankreich. 

Ami des Monuments et des Arts, 118,120. 

Les primitifs francais et leurs signatures. 
(F. de M£ly.) 

Blätt für Gemäldek. 1. Ein signiertes Werk 
von Francois Clouet. (Th. v. Frimmel.) 

Kunst, redig. af Sophus Michaelis (Kopenhagen). 
VII, H. 10. Aldre fransk Malerkunst paa et 
dansk Herresäde (Louis Bob£). Med 3 Billeder. 


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Alte 

Malerei 



108 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Alte 

Malerei 


Madtlin, Alys Eyre. Greuze. Masterpieces in 
Colour. Imp. 16mo. 8x6. pp. 78. ls 6d net. 
(Jack.) 

Mercure de France, 253. Madame Greuze 
ou „la Cruche cass^e“ (E. Pilon). 

Chardin, ). B. S. et Fragonard, ). H., L’CEuvre 
de. Deux cent treize Reproductions. Intro. 
par Armand Dayot, Notes par L£andre Vaillat. 
Ryl. 4to. swd. (Simpkin.) 

4c. Italien. 

Ztschr. f. bild. Kunst, 2. Cimabue in Assisi. 
(W. v. Seidlitz.) Erläuterungen zu den Ab¬ 
bildungen von Kunstwerken auf der Aus¬ 
stellung zu Perugia. 

Saget, C. Giotto. Les maitres de l’art, in-8°, 
3 fr. 50; cart.. 4 fr. 50. Plon-Nourrit et Cie. 

Soll. Storico Bibliograf. Subalpino, 1, 2. 
Di un quadro di G. Quirico da Tortona. (Gl. 
Ambrosini.) 

Americ. Journ. of Ardiaeologg, 3. Anto- 
niazzo Romano. (H. Everett.) 

Ztschr. f. Christi. Kunst, 8. Der Madonnen¬ 
meister. [Schluß.] (O. Wulff.) 

Bollett, d’Ärte, 12. I Musaici di Casaranello 
(A. Hascloff.) 

Bollettino del Museo Civico di Padova, 4. 

Ein Freskobild angeblich das Guariento im 
Ferdinandeum zu Innsbruck. (H. Semper.) 

Velh. u. Klas. Monats h., 4. Madonnen der 
Frührenaissance. (H. Rosenhagen.) 

L'arte X. 6. Per la storia dell’ arte nelle 
Marche. (A. Colasanti.) 

Phillipps, Evelyn M. Pintoricdiio. Cheaper 
re-issue. Cr. 8vo. 8x5, pp. 184, 3s. 6d. net 
(Great Masters in Painting and Sculpture). 
Bell, Jan. 08. 

The Connoisseur, 77. On an unknown por- 
trait of Botticelli. (P. G. Konody.) 

Home, Herbert P. Sandro Botticelli, Painter 
of Florence. Illus. Folio, boards, 210s net. 
(Bell.) 

Streeter, A. Botticelli. Great Masters in Pain¬ 
ting and Sculpture. 8vo. 8x5. pp. 182. 3s 6d. 

Williamson, G. C. Pietro Vannucci, called 
Perugino. Cheaper re-issue. Cr. 8vo. 8x5, 
pp. 144, 3s. 6d. net (Great Masters in Painting 
and Sculpture). Bell, Jan. 08. 

Cruttwell, M. Luca Signorelli. Great Masters 
in Painting and Sculpture. 8vo. 8x5. pp. 160. 
3s 6d. 

Repert f. Kunstwissensdi, 6. Zu Gentile 
Beliini in der National Gallery in London, 
(v. Hadeln.) 

Vasari, G. Die oberitalienischen Maler. StraB- 
burg, J. H. E. Heitz. ca. 10.50. 

Berenson, B. North Italian Painters of the 
Renaissance. 8vo. 7 3 / 4 x5 l / 4 . pp. 352. 6 s. 
(Putnam.) 


Blnns, Henry, B. Botticelli. Masterpieces in 
Colour. Imp. 16mo. 8x6. pp.78. ls 6d net. 
(Jack.) 

Waters, W. G. Piero della Francesca. Cheaper 
re-issue. Cr. 8vo., 8x5, pp. 148, 3s. 6d. net 
(Great Masters in Painting and Sculpture). 
Bell, Jan. 08. 

Gaz. d. Beaux-Arts, Oct. Deux dessins in- 
edits de Mantegna pour le „Parnasse* du 
Mus£e du Louvre. (F. Schmidt-Degener.) 

Allg. Zeitg. (Beilage), 22, 1. Die Anfänge 
Venezianer Kunst. (L. Brosch.) 

Arte e Storia, die. Un’ anconetta Veneziana 
del 1462 nel Museo di Porta Giovia 
(D. Sant’ Ämbrogio.) 

Hag, G. Beliini. Illus. 4to. 8X6, pp. 8vo, ls. 
6d. net (Masterpieces in Colour). Jack, Dec. 07. 

Bollett. d’Arte, 12. Antonio da Solario, Veneto 
detto lo Zingaro. (E. Modigliani.) 

Blfitt. f. Gemaldek., 2. Zu Antonio da Murano. 
(Frimmel.) 

Bollett. d’Arte, 10. II Cima da Conegliano di 
Casiglio neila Regia Pinacoteca di Brera. 
(G. Frizzoni.) 

Molmenti P. and Ludwig, G. The Life and 
Works of Vittore Carpaccio. Translated by 
R. H. H. Cust. 4to. 12 j / 4 X8 3 /*. pp. 280. 
52 s 6d. (J. Murray.) 

Zottmann, Ludw. Zur Kunst der Bassani. Mit 
47 Abbildgn. auf 26 Taf. (V, 71 S.) 08. 10.-. 
Lex. 8°. Straßburg J. H. E. Heitz. 57. Heft. 
Zur Kunstgeschichte des Auslandes. 

Rassegna bibliogr. dell arte ital., 12. Gio¬ 
vanni Francesco da Rimini e Giovanni Grassi. 
(C. Grig ,ri.) 

Rassegna bibliogr. dell’ arte itaL, 10—11. 

Un nuovo pittoie abruzzese del Rinascimento. 
[Dionisio Capelli di Amatrice.] (E. Calcini.) 

Repert. f. Kunstwissensdi., 6 . Zum Pre¬ 
dellenbild des Fra Filippo im Kaiser Friedrich- 
Museum. (H. Mendelsohn.) 

Bollett. d’Arte, 10. Un dipinto di Cesare da 
Sesto destinato alla Pinacoteca di Brera. 
(G. Sinigaglia.) 

Daheim, 21. 12. 07. Andrea del Sarto als 
Madonnenmaler. (Fr. Knapp.) 

Künstler-Monographien. In Verbg. m. And. 
hrsg. v. H. Knackfuß. Lex. 8°. Bielefeld, Vel- 
haoen u. Klasing. XC. Knapp, Fritz, Andrea 
del Sarto. M. 122 Äbb. In Leinw. 4. -, Luxus- 
ausg. in Ldr. 20.—. 

Konstantinowa, Alexandra. Die Entwickelung 
des Madonnentypus bei Leonardo da Vinci. 
Mit 10 Liditdi.-Taf. (V, 55 S.) 07. 6.-. 
Lex. 8°. Straßburg, J. H. E. Heitz. Klaiber, 
Dr. Hans. Leonardostudien. (VII, 144 S.) 07. 
6.—. Heft 54 u. 56. Zur Kunstgeschichte des 
Auslandes. 


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Bibliographie 


109 


Vinci, Leonardo da. Thoughts: as recorded in 
his „Note-Books“. Ärrangec! and rendered 
into English by Edward McCurdy. 12mo. 

pp. 124, 2s. 6d. net Duckworth, 

Nov. 07.' 

Magdeb. Zeitung, 22. 12. 07. Leonardo da 
Vinci u. die Jugendzeit der Anatomie. 
Hoerth, Otto. Monographien, kunstgesdiiditl. 
Lex. 8°. Leipzig, K. W. Hiersemann. VIII.: Das 
Abendmahl des Leonardo da Vinci. Ein Bei¬ 
trag z. Frage seiner künstler. Rekonstruktion. 
Mit 25 Abbild, in Lichtdr. auf 23 Taf. 250 S. 07. 
Geb. in Leinw. 20.—. 

Burlington Magazine, 56. A Portrait of a 
Musician, by Leonardo da Vinci. (H. Clook.) 
Muther, R. Leonardo da Vinci. Ryl. 16mo. 
6 1 /*—4 s / 4 , pp. 84, ls. 6d. net; Ithr. 2s. 6d. net 
(Langham Art Monographs). Siegle, H., Jan. 08. 
L’art ddcoratif, 5. La Vergine delle rocce di 
Leonardo da Vinci. (W. v. Seidlitz.) L’educa- 
zione artistica del Domenichino. (L. Serra.) 
Appunti sulla storia della pittura in Sardegna. 
(E. Brunelli.) Un altare del Cima a Miglionico. 
(M. Wackernagel.) Ritrovamento di un dipinto 
di Lorenzo Solimbini di Sanseverino. (R.Schiff.) 
— Opere d’arte a Sulmona, due pittori ignorati. 
[Eugenio Porsetta di Arpino und Paulus Ulmus 
da Bergamo.] (P. Piccirilli.) 

Köln. Volksztg., 12. 12. 07. Michelangelo u. 

d. Sixtin. Kapelle. (J. Sauer.) 

Germania, 7. 12. 07. Michelangelo u. d. Six¬ 
tinische Kapelle. (K.—r.) 

Repert. f. Kunstwissensdi., 6. Die Hand¬ 
zeichnungen Michelangelos zu den Sixtina- 
Fresken. (E. Jacobsen.) 

Magdeb. Zeitg., 50. 12. Eine katholisierende 
Ästhetik der Sixtinischen Kapelle. (F.) 
Zukunft, 16. Die Sixtinische Kapelle. (K.Jentsch.) 
Repert. f. Kunstwissensdi., 5. Die Hand¬ 
zeichnungen Michelangelos zu den Sixtina- 
Fresken. (E. Jacobsen.) 

Phillipps, Evelin March. The Frescoes in the 
Sixtine Chapel. Cr. 8vo. 7 3 / 4 X5. pp. 176. 
2s 6d net. (J. Murray.) 

Spahn, Mart. Michelangelo u. die Sixtinische 
Kapelle. Eine psychologisch-histor. Studie Ob. 
d. Anf. d. abendländ. Religions- u.Kulturspaltg. 
Mit 37 Abb. u. 1 Beil. VIII, 238 S. Lex. 8°. Berlin, 
G. Grote. 07. 8.—; geb. 10.—. 

Stracheg, Henry. Raphael. Great Masters in 
Painting and Sculpture. 8vo. 8x5. pp. 160. 
3s 6d. (Bell.) 

Lamartine, A. de. Raphael. Pages de la ving- 
ti&me ann£e; par A. de Lamartine. Nouvelle 
Edition. Paris, impr. Capiomont et Oe; libr. 
Hachette et Ci«. 1907. (2. decembre.) In-16, 
223 p. 1 fr. 25. 

Arte e Storia, Nov. I disandenti e l’ereditä 
del pittore G. B. Salvi detto *il Sassoferrato“. 
(R. Cecchetelli Ippoliti.) 


Anzeiger f. sdiweiz. Altertumsk., 2. Einiges 
über Tessiner Künstler des 17. und 18. Jahr¬ 
hunderts. (S. Weber.) (Werke von Giovanni 
und Bernardino Serodino, Baldassare, Giov. 
Antonio und Giuseppe Orelli.) 

4d. Niederlande. 

Süddeutsche Monatshefte, 1 . Die Altnieder¬ 
länder in d. Münchener Pinakothek. (K. Voll.) 

Baes, E. L’£motion diez quelques primitifs. 
(F£d£ration artist., 1907, n° 2.) 

Art Journal I. 08. Hubert and John van Eyck. 
(E. R. D. Maclagan.) 

Weale, W. H. J. Hubert and John Van Eyck. 
4to. 105s. (Lane.) 

Coenen, J. Quelques points obscurs de la vie 
des frfcres Van Eyck. (Leodium, 1907, no. 4.) 

Ztschr. f. bildende Kunst, 3. Ein neuer Roger. 
(F. Laban.) 

Memling, H. De meesterwerken van Hans 
Memling. ’s-Gravenhage, M. Hols. Kl. 8°. 
[15x10.] (6 blz., m. 30 pltn.) f.-.35. Vlaam- 
sche kunst. No. 1. 

Blfitt. f. Gemildek., 2. Ein neu aufgefundener 
Lukas von Leyden. (Frimmel.) 

Rev. de Belgique, 11. Etudes sur la peinture 
dans les Pays-Bas au XV* et XVIe si&cles. 
L’^cole de Tournai. (A. Wauters.) 

van Bastelaer, R. Peter Bruegel 1’ancien, son 
oeuvre et son temps. £tude historique suivie 
d’un catalogue raisonn£ de son oeuvre dessin£ 
et grav£, et d'un catalogue raisonn£ de son 
oeuvre peint, Georges H. de Loo. Fascic. V. 
— Bruxelles, G. van Oest et Cie. In-4°. (15 fr.) 
Ce fascic. termine l’ouvrage. 

Repert. f. Kunstwissensdi., 5. Zu Nicolaus 
von Neufchatel. (W. Schmidt.) 

Svenska Dagbladet 290. Pieter Aertsens 
bilder i Sverige. Med anledning af nyare 
„upptäckter“. (Aug. Hahr.) 

Sfichs. Arbeiter-Zeitg., 20, 1. Die Dresdener 
Galerie. Hans Bol. (O. Sebaldt.) 

Art Flamand et Hollandals, 12. Les fresques 
de R. N. Roland Holst dans la maison de 
l’association g£n£rale des diamantaires n£er- 
landais ä Amsterdam. (A. Pit.) 

De Groot, C. H. A Catalogue Raisonne of the 
Works of the most eminent Dutch Painters 
of the 17th Century, based on the work of 
John Smith. Trans, and edit. by E. G. Hawke, 
Vol. I. Ryl. 8vo. 25s. net Macmillan, Jan. 08. 

Algemeen Handelsblad, 19., 12. 07. Die 
Haghe. (Vortrag v. Hofstede de Groot über 
K. Fabrizius u. Vermeer van Delft.) 

Onze kunst, 1. Adriaen Brouwer en de ont- 
wikkeling zijner kunst. (F. Schmidt-Degener.) 

Ostade. Hausschatz deutscher Kunst der Ver¬ 
gangenheit Hrsg, vom Jugendschriften-Aus- 
schuß des allgemeinen Lehrervereins Düssel- 


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Ältc 

Malerei 



110 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Alte 

Malerei 


dort. Berlin, Fischer & Franke. Jedes Heft: 
Subskr.-Pr. —.80, Einzelpr. 1.20. 7. Ostade, 
Adriaen van: Aus den Radierungen. Aus- 
gewählt und eingeleitet v. Severin Rüttgers. 
(35 Bl. m. 10 S. Text.) 8°. (07.) 

Brown (G. Baldwin). Rembrandt. A Study 
of his Life and Work. 8vo. 8 X5 1 /«. PP* 354. 
7s 6d. (Duckworth.) 

Bode, Wilh. Rembrandt u. seine Zeitgenossen. 
Charakterbilder der großen Meister der holländ. 
u. vlflm. Malerschule im 17. Jahrh. 2. verm. 
Aufl. (VII, 294 S. m. 1 eingeklebten Bildnis.) 
8°. Leipzig, E. A. Seemann, 07. 6.— ; geb. 
in Leinw. 7.50; in Halbfrz. 9.—. 

Art 816. Le „Rembrandt de Croiset“ ä La 
Haye. (S. v. Rooyen.) 

Oud-Holland, 4. Jets over de jeugd van Ga¬ 
briel Metsu. (A. Bredius.) De Schildersfamilie 
Mytens. (A. Bredius en E. Moes.) Nog iets 
over Jacob van Geel. (Ä. Bredius.) 

Ztsdir. f. bild. Kunst, 4. Zeichnungen van 
Dycks in der Bremer Kunsthalle. (G. Pauli.) 

Art Flamand et Holland, IO. Les annes 
d’Etude et de Voyage de van Dyck, fin (M. 
Rooses.) Quelques Artistes Ltegeois: Emile 
Berdimans. (M. des Ombiane.) 

Hourticq, L. Rubens, Paris s. d. 8°. 175 p. 
fr. 3.50. [Les maitres de l’art. Colleg. publ. 
s. 1. patronage d. Minist, d. l’instruct. publ. 
et d. b. a. 

Rooses, Max. Jordaens’ leven en werken. Met 
147 afoeeldingen in en 32 photogravuren en 
autotypieen buiten den tekst. Amsterdam, 
Uitgevers-maatschappij „Elsevier“. Antwerpen, 
De Nederlandsdie boekhandel. [33x25.) (VIII, 
317 blz.) Geb. f. 27.50. 

Blfitt. f. Gemftldek., 2. Zu den Malern Tooren- 
vliet. (Frimmel.) 

4e. Spanien. 

Revue de l’Art anc. et mod. 127. Les primi- 
tifs espagnols. II. Les disciples de Jean van 
Eyck dans le Royaume d'Aragon. (E. Bertaux.) 

Cole, Timothy. Old Spanish Masters. With 
Historical Notes by Charles H. taffin. Imp. 
8vo. 11 l / s x7 1 / a . pp. 186. 31s6d. (Macmillan.) 

L’arte X. 6. Bartolomeus Rubeus. (F. Pellati.) 

Boletin de la sodedad Espadola de ex- 
cursiones, 178. La Virgen de Gracia, ünica 
obra aut^ntica de Juan Sänchez de Castro. 
(E. Tormo.) 

— Miniaturas notables del Museo Archeolögico 
Nacional. (N. Sentenach.) 

Gaz. des beaux-arts, 606. Etudes et docu- 
ments sur le Greco. (P. Lafond.) 

Cultura Espadola, Mago. El pintor Dalman. 
(L. Tramoy eres Blasco.) Miscelänea de cuadros 
de Veläzquez y estudios velazquistos. [cortin.l 
(E. Tormo.) 


Stockholms Dagblad 1907,19/XII. „S. L. Ben- 
susan, Velasquez. öfversat af J. Wall.“ (rec. 
v. Karl Wählin.) 

Bensusan S. L., Velasquez. Illustr. med 8 
färgreprod. Cfvars. af Ivar Wall. 8° (21x16). 

71 S., 8pl. Lund, Lindstedt’s bokh. Kart. 1.75. 
Revue Bleue, 19. Velasquez. (G. Geffroy.) 
Espada moderna, 226, 227. Diego Veläzquez 
y su siglio. (C. Justi.) [Forts.) 

Calvert, Albert F. and Hartleg, C. G. Velaz- 
quez. An Account of his Life and Works. 

The Spanish Series. Cr. 8vo. 7 8 /4X4 8 / 4 . pp. 238 
and Plates. 3s 6d net. (Lane.) 

Stevenson, R. A. M. Velasquez. Cheaper Re- 
issue. Great Masters in Painting and Sculp- 
ture. Cr. 8vo. 8X5. pp. 176. 3s.6d.net (Bell.) 
Köln. Zeitg., 13, 12. Goya. 

5. Alte Plastik. 

Kunst, redig. af Sophus Michaelis (Kooenhagen). 

VII, H. 10. Plastiske Idealer i Rendssancen. 

(Vilh. Wanscher). Med 8 BiUeder. 

Short E. H. A History of Sculpture. 8vo. 

8 l / 2 X5 3 / 4 . pp. 344. (Heinemann.) 7s 6d 
Hall (Mrs. Walter G.) — The Sculptor of Bruges. 

New Edn. Cr. 8vo. pp. 172. ls W. P. Nimmo. 

Onze kirnst, 1. De grafmonumenten van Jan 
van Polanen, te Breda, en van Adolf Vi, te 
Kleef. (A. Pit.) 

Notten,M.van: Rombout Verhulst, beeldhower, 
1624—1698. Een overzicht zijner werken. 
’s-Gravenhage,Martinus Nijhoff. Fol. [36 5 X28 5 ). 

(V, 108 blz., m. afb. in d. tekst en 53 pltn. in 
lichtdr.). Geb. f 27.50. 

Journ. of the R. Soc. of Antiqu. of Ireland, 

37. A description of the Ancient Buildings 
and Crosses at Clonmacnois, King’s County. 

(Th. Westropp.) The Burke Effigy at Glinsk. 

(H. Crawford.) 

Archaeol. Journal. 3. On some alabaster 
sculptures of Nottingham Work. (W. Hope.) 
Espada moderna, dez. El retablo monu¬ 
mental de la catedral de Valencia. (E. Bert au se.) 

5a. Deutschland. Alte 

Plastfl 

Anzeiger d. Germ. Nat-Museums 1907,1.2. 

Die fränkischen Epitaphien im 14. u. 15. Jahr¬ 
hundert. (E. Redslob.) 

Frkf. Kalender 1908. Freifiguren Unserer 
Lieben Frau in Frankfurt a. M. (O. Lauffer.) 

Ztschr. t Christ) Kunst, 10. Frühgotische Holz¬ 
statuetten v. Mittelrhein. (Sdinütgen.) 

Trierisdies Jahrbuch 1908. Ober d. Eingang 
der Renaissance in Trier. (J. Wiegand.) 

Kunst unsrer Heimat, 3/4. Der Babenhäuser 
Altar. (F. Hoeber.) 


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Bibliographie 


lll 


Alte 

ttastik 


Alte 

Plastik 


Bepert. f. Kunstwissensch., 6. Beiträge zur 
schwSbischen Kunstgeschichte. Der Hochaltar 
der Augustiner Kirche zu den Wengen in 
Ulm. (K. Lange.) 

Knnstgeschiditl. Gesellsch., Bericht VII. 

Conrad Meit in Brou. (Vöge.) 
Württemberg. Vlerteljh. f. Landesgesch., 4. 

Zur Geschichte des Bildhauers Sem Schlör. 
(M. v. Rauch.) 

Fastenau, Jan. Die romanische Steinplastik in 
Schwaben. (V,91 S.m.82 Äbb.)Lex. 8°. Eßlingen, 
P. Neff. 07. 4.—. 


5b. Frankreich. 

Ami d. Monum. et d. Arts, 118. Les Primitifs 
fran^ais et leurs signatures: Les sculptures. 
(F. d. M£ly.) 

Mastes et Monuments de France, 8. Une 

vierge fran^aise du XIV« si&cle. (P. Vitry.) 
Ami des Monuments et des Arts, 120. Le 
sarcophage du fondateur de Jumi&ges et son 
corps ä Tournus. L’£glise Saint-Philibert de 
Grandlieu. (R. de la Croix.) 

Piliion, L. Les Portails lateraux de la cath^drale 
de Rouen. £tude historique et iconographique 
sur un ensemble de basreliefs de la fin du 
Xlle si&cle. Paris, Picard, 1907. Un vol. in-8 
de 250 p. av. 69 fig. 

5c. Italien. 

L v arte X. 6 . Collaboratori di Donatello nell 4 
altare del Santo. (A. Venturi.) 

BurlamaccbL Luca della Robbia. Great Masters 
in Painting and Sculpture. 8vo. 8x5. pp. 142. 
3s 6d. 

Burlington Magazine 56. Two Venetian 
Renaissance Bronze Busts in the Widener 
Collection, Philadelphia. (W. Bode.) 

Ami des Monuments et des Arts, 118. Le 

Büste de Beatrix d’Este. Louvre. (G. Clausse.) 

Arte e Storia, Nov. Und. opera di Cristoforo 
Solaro. (L. Ludiini.) 

Nuova Antologia, 42. Michelangelo. (A. Ven¬ 
turi.) 

Knackfufi, H. Michelangelo. Mit 101 Abbildgn. 
nach Gemälden, Skulpturen u. Zeidin. 10. Aufl. 
(114 S.) ’08. In Leinw. kart. 3.—. Künstler- 
Monographien. Hrsg. v. H. Knackfuß. (Neue 
Aufl.) Lex. 8°. Bielefeld, Velhagen & Klasing. 

Freg, Prof. Karl: Midielaqniolo Buonarroti. 
Sein Leben u. seine Werke. 1. Bd. Midiel- 
agniolos Jugendjahre. 2 Tie. (XL, 345 u. VIII. 
147 S. m. 2 Plänen u. 11 Taf.) Lex. 8°. Berlin, K. 
Curtius’07. Geh. u. kart. 20.— ; geb. in Leinw. 
u. kart. 23.— ; in Halbfrz. u. kart. 25.—. 

Archiv f. christL Kunst, 1. Der Plan von 
Michel Angelos Medicigräbern. (Ä. Groner.) 


Etudes d.1. Compagnie de J6sus, 113. Jules II. 
et Michel-Ange. Histoire d’une tombe. (G. 
Sortais.) 

Les arts, 72. La collection de M. Gustave 
Dreyfus. I. La sculpture. (P. Vitry.) 

L’arte X., 6. Le porte di bronzo di Castelnuovo 
in Napoli. (M. Biancale.) 

Hassegna d'Arte, 11. Un’ opera finora scono- 
sciuta di Agostino di Duccio. (A. Pointner.) 

Donatello. Klassiker der Kunst in Gesamtausg. 
Lex. 8°. Stuttgart, Deutsche Verl.-Änst. 11. Bd. 
Donatello. Des Meisters-Werke in 277 Abb. 
HerauSgeg. v. Paul Schubring. (LIV, 219 S.) 
'07. Geb. in Leinw. 8.—; Luxusausg. in Led. 
bar 30.—. 


6. Kunstgewerbe, alt 

Kunst unsrer Heimat, 5—6. Die alten Zimmer 
der Sammlung Jul. Hey man in Frankfurt a.M. 
(F. Hoeber.) 

Bulletin of the Metrop. Mus. of art, 11. 

French furniture of the period of Louis XIV. 
and his successors. (M. Mel.) 

Macquoid, P. A History of English Furniture. 
Part. 15. 4to. swd. 7s. 6d. net Lawrence 
& B., Dec. 07. 

The Connoisseur, 77. Litchfield’s „History 
of furniture“. Reviewed bu H. M. 

De Prelle de la Nieppe, Edgar. Le mobilier 
du prince d’Orange ä l’hötel de Nassau & 
Bruxelles en 1618. (B. des mus£es roy. des 
arts d&oratifs et indust., 1907, n° 6.) 

Boletin de la sociedad Espaäola de excur- 
siones, 178. Sillas de Coro espanolas. [Chor¬ 
gestühl.] (P. Quintero.) 

v. Falke. Handbücher der königl. Museen zu 
Berlin. 8°. Berlin, G. Reimer. V.Bd. Falke, Otto v. 
Majolika. (Kunstgewerbemuseum.) 2. Auflage. 
Mit 83 Abbildung, im Text. (IV, 208 S.) 1907. 
2.— ; geb. n2.50. 

Antiquarg, 1. The Bosses in Milton Abbey, 
Dorset. (H. Pentin.) Enameliing (I.T. o.) 

Stuttg. MitteU. des Württ Kunstgewerbe¬ 
vereins , 1. Altludwigsburger Porzellan. 
(E. W. Braun.) 

Art journai, I, 08. Sfcvres porcelain in the 
Royal Collections. (M. L. Solon.) 

Crisp, F. C. Ä Catalogue of Lowestoft China 
in the Possession of Frederick C. Crisp, with 
Plates in Colour. 4to. 10x13 (sub.) 21s. (270, 
Walworth Rd.) Grove Park Press, Jan. 08. 

The Connoisseur, 77. Russian porcelain. 
(L. Cazalet.) 

Hassegna bibliogr. delTarte ital«, 12. Pietro 
Vannini e la scuola di oreßccria in Ascoli nel 
Quattrocento. (P. Vincenzo.) 

Bullder, 3384—5. Ecdesiastical Goldsmith’s 
Work in the Coast Towns of Istria a. Dalmatia. 


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112 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Posselt, F., Ämtsger.-R. Der Silberschatz der 
Kirchen, Gilden u. Zünfte in der Stadt Schles¬ 
wig. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte Schles¬ 
wig-Holsteins. Mit Originalzeichnungen von 
Gymnasiallehrer E. Terno. (VII, 47 S. mit 
9 Taf.) gr. 8°. Schleswig, J. Bergas Verlag. 
1908, 1.50. 

Alhambra, 230. La porcelana del Buen Retiro. 
(M. Llopis y Bofili.) 

ÄltpreuB. Monatsschr., 4. Ein Erzeugnis alter 
Memeler Goldschmiedekunst. (J. Sembritzki.) 
Antiquarg, 11. Carved Oak furniture in West- 
morland. (S. Scott.) English Church Furniture. 
(H. P. F.) 

Anzeig. f. Schweiz. Ältertumsk., 2. Die alten 
Kachelöfen im Rathause zu Chur. (F. v. Jecklin.) 
Art ddcorat., 109. Le surtout de table. 
(M. Testard.) 

Arte, 5. II tesoro del duomo di Siracusa. (G. 
Manceri.) Bronzi nel Museo communale di 
Trento. (Ä. Venturi.) 

Bull. mens. d. mus. d. l’enseignement in- 
dust et prof. de Hainaut, 5. Syllabus du 
cours sur les styles dans les m£tiers du bois 
et dans l’ameublement. (van den Houten.) 
Convorbiri Literare, 11. Odobescu sl Mu- 
zeele. [Über eine Stola im Kloster Bistrita.) 
Kunst und Kunsthandwerk, 10. Mittelalter¬ 
liche Knüpfteppiche kleinasiatischer und spa¬ 
nischer Herkunft. (F. Sarre.) 

Musdes et Mon. de France, 8 . Les portes 
du Palais de Justice au Mus£e de Dijon. 
(H. Chabeuf.) 

Neue MitteU. hist.-antiqu. Forschung, 23.1. 

Über die ehemaligen Altäre des Doms zu 
Merseburg. (O. Rademacher.) 

Solon, M. L. Ä History and Description of 
Italian Majolica. 8vo. löxö 1 /** PP 224. Cassell. 
Ztschr. f. christl. Kunst, 8. Kupfervergoldetes 
Ciborium des XV. Jahrh. (Schnütgen.) Der 
Köln. Goldschmidt HermanLeeker. (H. Keussen.) 
— 9. Kupfervergoldete Monstranz der spätesten 
Gotik. (Schnütgen.) 

Biscuits (les) de la Manufacture de Sevres 
(XVIIIe si&cle), 2e s£rie,20x30,15fr.Ä.Gu£rinet. 
Graesse, J. G. T. Guide de l’Ämateur de Porce- 
laines et deFaiences. 1 Ith Ed. 8vo. 10s. Nutt. 
Jacquemart, A. A History of Furniture. 
Edited by Bury Palliser. 8vo. 11x774- pp. 488. 
31s 6d. Reeves & Turner. 

Kunst- u. Wunderkammern d. Spätrenaissance 
von J. v. Schlosser. (Bd. XI.) d. Monogr. d. 
Kunstgewerb. Leipz. 08. Klinkhardt u. Bier¬ 
mann. 6.—. 

Laking, G. F. Sevres Porcelain of Buckingham 
Palace and Windsor Castle. 4 to. 210s. Bradbury. 
Martin de Monta'.bo, J. et R. Richebd. Ar- 
moiries et d^corations, in-4°, 20 fr. (31/X). 
Per Lamm. 


Meger, Alfr. Taf. z. Gesch. d. Möbelformen. 
Begonn. v. M. Fortgef. v. Rieh. Graul. V. Serie: 
Truhen. (Äusg. f. Lehrzw.) (10 Taf.) 49x66 cm. 
Mit Text. (54 S.m. Abbild.) 8°. Leipzig, K.W. 
Hiersemann. 07. 15.—. Bibliotheksausgabe 
(Taf. gefaltet) 15.—. 

Rassegna d’arte, 8. Arazzi fiorentini a Bergamo 
su disegni di Al. Allori. (H. Geisenheimer.) 
Burlington Magaz. 56. The lustred Till Pave- 
ment of the Palais de Justice of Poitiers. 
(M. L. Solon.) 

Denkmalpflege, 1. Zwei Reliquienschreine und 
ihre alte Bemalurg. (P. Klinka.) 

Kluge, Dr. Thdr. Beschreibung der in den 
Kirchenschätzen Hannovers u. Sachsens befindL 
esdinittenen Steine. 1. Heft. Die geschnittenen 
teine der Schatzkammer des Domes u. der 
St. Magdalenenkirche zu Hildesheim. 14 S. 
m. 1 Taf. 8°. Hildesheim, A. Lax. 07. 1.50. 
Wissen und Leben, 7. Die Geschenke des 
Papstes Julius II. an die Eidgenossen. (R. Dürrer). 
Antiquarg, 11. London’s Moveable Monuments. 
(J. Tavenor-Pery.) 

Musdes et Monuments de France, 8. Les 

d£corations du chäteau de Bercy. (L. Metman.) 
Connoisseur, 75. Fire-Dogs. (J. H. Beckles.) 
Jahrbuch der k. k. Zentralkommission, 2. 
Sgraffiti im Schlosse zu Leitomischl. (P. Hauser 
und M. Dvorak.) 

7. Flächenkunst, alt 
(Graphik, Buchkunst usw.) 

Van der Haeghen, V. 1907. Rapport sur le 
projet de reproduction de documents graphi- 
ques beiges du moyen äge, par V. Van der 
Haeghen. Gand, A. Siffer. In-8°, 6 p. 
Saturdag Review, 715. Drawings. (L. Bingon.) 
Tjdschr. v. Bode u. Billiot wezen, 2. Merken 
vanÄntwerpsche drukkers en boekverkoopers. 
(V. dela Montagne.) 

Graph. Kunst, 1. Eine Kopie nach dem Meister 
E. S. (A. M. Hind.) 

Ztschr. f. Bücherfreunde, 10. Das Mönchs¬ 
kalb vor Papst Hadrian und das Wiener 
Prognostikon. (H. Koegler.) 

Buchkunst, 4. VierKonstanzerblätt. (L. Gerster.) 
— Das Benediktinerkloster Engelberg und seine 
Ex-libris. (L. Gerster.) 

Repert. f. Kunstwissensch., 6 . Zu Cranachs 
Missalien-Holzschnitten. (J. Beth.) 

Anzeiger f. schweizer Ältertumsk., 2 u. 3. 
Beiträge zum Holzschnittwerk des Urs Graf. 
[Schluß.] (H. Koegler.) 

Baseler Nachrichten, 13. 12. Alte schwei¬ 
zerische Kunst. [Handzeichnungen.] (H. K.) 
Arte, 5. La prima Deca di Livio illustrata nel 
Frecento a Veneria. (G. Fogolari.) Un disegno 
di Stefano da Zevio nel British Museum. (A. 
Hind.) Una stampa non descritta di Benedetto 
Montagna. (A. Hind.) 


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Bibliographie 


113 


Ztschr. f. Bücherfreunde, 7. Die Kleinmeister. 
(H. Singer.) Eine bisher unbekannte Original-* 
radierung Goethes. (O. Ulrich.) 

Ztsdir. d. Vereins f. Volkskunde, 4. Bilder-* 
bogen des 16. u. 17. Jahrhunderts. (J. Bolte.) 

The Connoisseur, 77. William and James 
Ward and their work. (W. G. Menzies.) 

Loga, Valerian v.: Gouas Zeichnungen. [Aus 
„üraph. Künste“.] (18 S. mit Abbildung, und 
4 Taf.) 41,5x31 cm. Wien, Gesellschaft für 
vervielfältig. Kunst 08, bar 5.—. 

Briquet, C. Les filigranes. Dictionnaire histori- 
que des marques du papier dfcs leur apparition, 
vers 1282, jusqu* en 1600. 39 fig. Hiersemann, 
Leipzig. 

Zentralblatt für Bibliothekswesen, 1—2. 
Neue Donatstücke in Gutenbergs Urtype. 
(P. Schwenke.) 

Ztsdir. d. nordböhm. Gew.-Museums, 1. 2. 

Ein Bucheinband nach Dürer. (L. Giehlow.) 

Kunstgewerbeblatt, 3. Die Buchbindekunst 
der alten Meister. (H. Vollmer.) 

Ztsdir. f. Bücherfreunde, 8 . Ein Beitrag zum 
Werdegang der mittelalterlichen Pergament-* 
handsdiriften. (A. Björnbo.) 

Ztschr. f. christl. Kunst, 8. Alte Glasgemfilde 
im Dom zu Xanten. (H. Derix.) 

Ana. für Schweiz. Altertumskunde, 3. Die 
Glasgemfilde in den aargauischen Kirchen und 
öffentlichen Gebfiuden. [Fortsetz.] (H.Lehmann.) 

BulL d. 1. Soc. d’ArchdoL Lorraine, 8—9. 
Trois vitraux du prieur£ de Flavigny-sur- 
Moselle. (E. des Robert.) 

8 . Buchmalerei . 

(Bis 18. Jahrhundert.) 

Beaufils, P. Notice sur l’application des ors 
dans les manuscrits enlumin£s du moyen-äge. 
Broch. Aubert, 1907. Versailles. 

Jahrb. d. k. k. Zentralkommission, 2. Ober 
einige Werke der Salzburger Buchmalerei 
des 11. Jahrhdts. (P. Buberl). 

Ztschr. d. nordböhm. Gew.-Museums, 1. 2. 
Das Graduale des Luditzer Literatenchores. 
[Schluß.] (J. Kubina). 

Ord och bild. 1907, H. 12. Emalj-och minia- 
tyrmälaren Pierre Signac. (N. Sjöberg) Med 
16 bilder. 

Bevue de l’Art anc. et mod., 127. Les 
frfcres Huand miniaturistes et peintres sur 
dmail. (H. Clourot.) 

Ami des Monuments et des Arts, 119. Lfi 

martyre de saint Denis et les tr&s riches heures 
du duc de Berry ä Chantilly, (de Mdly.) 

Riehl, Berth. Studien über Miniaturen nieder-* 
lfindischer Gebetbücher des 15. u. 16. Jahrh. 
im bayerischen National-Museum und in der 
Hof-* und Staatsbibliothek zu München. [Aus 
„Abhandlgn. der kgl. bayer. Akad. d. Wiss.“] 


(S. 433—460, mit 7 Taf.) Lex. 8°. München, 
Verlag G. Franz, 07., 3.—. 

9 . Altchristlich und Byzantinisch . 

Lederq, H. Manuel d’archdologie chrdtienne 
depuis les origines jusqu’au 7« si&de. In 8°. 
Letouzey et Änd, Paris. 

Grisar, S. J., H. II sancta sanctorum ed il suo 
tesoro sacro. Scoperte et studj dell' autore 
nella capella Palatina Lateranense nel medio 
evo. In 8°. VIII—200 pp. et 62 fig. Roma, 
Civütfi cattolica, 1907. 10.— I. 

Röm. Quartalsschr. f. christl. Altertumsk., 
2 u. 3. Beiträge zur christlichen Archäologie. 
Zum quadratischen Nymbus. — Das Porträt 
in der Gruft des Oceanus. — Die w Konstantin-* 
Schale" des British-Museum. (I. Wilpert.) 
Delfitre. Le culte de la sainte Vierge en 
Afrique d’apr&s les momuments ardidologiques. 
Bruges-Bruxelies. In-8°, XII-233-4 p., (4 fr.). 
Nuovo BulL di Archeolog. Christ. Xm, 1—3. 
Le pitture del dittico di Boezio nel Museo 
Christiano di Brescia. (A. Munoz.) 

— II sepolcro del Papa Marallino nel cimitero 
di Priscilla. (O. Marbucchi.) 

Röm. Quartalsschr. f. christl. Altertumsk., 
2 u. 3. Die Acheropita oder das Bild des 
Emanuel in der Kapelle „Sancta Sanctorum". 
(I. Wilpert) 

Archiv, d. R. Soc. Romana, 30, 1—2. Gli 
affreschi della Grotta del Salvatore presso 
Vallerano. (A. Bertini Calosso.) 

Terre Sainte, 18. Le clocher d’Etchmiadzine. 

Une prdcieuse antiquitd disparue. (E. Specht.) 
Jahrbuch des k. deutsch, ardifiol. Instit. Lex. 8°. 
Berlin, G. Reimer. 7.Ergfinzungsheft. Führer, X., 

u. Vict. Schultze, Die altchristlichen Grabstätten 
Siziliens. (XII, 323 S.) 07. Kart. 28.-. 

Röm. Quartalsschr. f. christl. Altertumsk^ 
2 u. 3. Zur Chronologie d. Bassassarkophages 
in den Grotten von Sankt Peter. (A. de Waal.) 

Gaget, A. L’art byzantin d’apr&s les monu- 
ments de ITtalie, de Tlstrie et de la Dalmatie. 
Dalmatie; III. 30 pl. Gaillard, Paris. 

Terre sainte, 16. Les dglises byzantines. 
(M. Bareilles.) Le palais d’Hormisdas. (Mam- 
bouline.) 

10. Orient, China, Japan . 

Acad. d. Inscript, et Beiles -Lettr., Jul. 
Les travaux de la d£l£gation scientifique en 
Perse 1906/7. (J. Morgan.) 

Zentralbl. d. Bauverwaltg., 87—89. Wan-* 
derungen im Orient. (H. Hartung.) [Grab-* 
mfiler u. Moscheen.] 

Memnon. Zeitschrift für die Kunst- u. Kultur- 
Geschichte des alten Orients. Hrsg. v. R. Freih. 

v. Lichtenberg. Leipzig. R. Haupt. Jhrg.20M. 

8 


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114 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Ztschr. f. bild. Kunst, 1. Die persischen und 
indischen Miniaturen der Sammlung Walter 
Schulz. (R. Graul.) 

Herzfeld, E. Samarra, Aufnahmen und Unter¬ 
suchung. zur islam. Archäologie. (V11I-92 p.) f 
16 m. Behrend u. Co., Berlin. 

de Beglig, L. L’architecture hindoue en ex- 
träme-Orient. In 8°, 416 pp., 336 fig. Leroux, 
1907. Paris. 

Journ. of the H. Asiatic Soc., Oct. Ar- 
chaeological Exploration in India. (]. Marshall.) 

Journ. of Indian Art, 100. Indian Jeweleru. 
[Forts.] (T. Hendley.) 

Armorial China. A Catalogue of Chinese 
Porcelain with Coats of Arms in the possession 
of F. Ä. Crisp. 4to. 42 s. net Ä. L. Isaacs. 
Januar 08. 

Burlington Magazine 56. Chinese Figure of 
Kuan Yin painter with coloured Enamels of 
the K’Äng Hsi Period. (S. W. Bushell.) 

Connoisseur 75. Mr. Arthur Morrison's Col¬ 
lection of Chinese and Japanese Paintings II. 
(S. Dick.) 

Kidson, H. E. About Old China. Cr. 8vo. 
8X5, pp. 90, bds. 2s. 6d. net Simpkin, Dec. 07. 

Bull, of the Metrop. Mus. of arts 11. The 
symbolism of Chinese porcelains. (M. Mel.) 

Münsterberg, Osk. Japanische Kunstgeschichte. 
III. [Schluß.] TI. Töpferei, Waffen, Holzschnitte, 
Gürtelhänger, Inro-Netzke. (LVI, 392 S. mit 
346 z. Teil farbigen Abbildungen und 13 zum 
Teil farbig. Tafeln.) Lex. 8°. Braunschweig, 
G. Westermann, 07. Kart. 28.— ; Liebhaber¬ 
ausgabe, geb. in Leder bar 40.—. 

Kurth, Dr. Jul.; Utamaro. (390 S.) Lex. 8°. 
Leipzig, F. Ä. Brockhaus. 07. Kart. 30.—. 

Kunst u. Kunsthandw., 10. Blumen u. Blüten 
in der japanischen Heraldik. (H. G. Ströfel.) 

Education (Board of). Catalogue of Japanese 
Colour Prints, 17 2 d. Wyman, Jan. 08. 

8 

II. Neue Kunst. 

I. Städtebau, Gartenkunst. 

Trierisdies Jahrbuch 1908. Trierer Straßen 
und Plätze. (B. Schilling.) 

Stockmann, H. München im Festsdimuck. (Kaiser¬ 
besuch 13. XI. 1906.) München, Braun und 
Schneider. M. 10.—. 

Werkkunst, 3. Die bauliche Ausgestaltung von 
Groß-Berlin. (Th. Goecke.) 

Baumeister, 4. Groß-Berlin. (H. Jansen.) 

Hohe Warte, 2. Groß-Wien. (L.) 

The builder, 14, 12. The architectural asso- 
ciation: Laying out London. 

Tidsskrift for industri, 11. Havebyer. 


Städtebau, 1. öffentliche Gärten und Park¬ 
anlagen mit Randbebauung. (Th. Goecke.) 

Bugssens, J. L’art des jardins et les plantations 
publiques dans les villes. (Technique sanit., 
1907, n° 11.) 

Tag, 6.12. 07. Weltanschaung und — Garten¬ 
kunst. (W. Lange.) 

De Bossdi&re, Ch. Du Cinquantenaire ä Ter- 
vueren: l’arcade; l’avenue; le parc deWoluwe; 
le rond-point de Ravenstein; l’^cole de 
Tervueren. (Belgique hortic. et agric., 1907, 
n° 18.) 

2. Moderne Baukunst. 

Trierisdies Jahrbuch 1908. Beiträge zur Ent¬ 
wicklung des Kirchenbaus. (L. Becker.) 

Frkf. Kalender 1908. Architektur und Archi¬ 
tekturverständnis. (H. Eberhardt.) 

Architekten (Kopenhagen) Nr. 10. Architek¬ 
turen og Virkeligheden. III. (Vilh. Wanscher.) 
Mit 3 Abb. 

Revue, 23. L* Ärdiitect. de demain. (F. Jourdain.) 

Deutsche Bauztg., 4. Zur Ästhetik der Eisen¬ 
architektur. (W. v. Tettau.) 

Wodtenschr. d. Archit.-Vereins z. Berlin, 
50. Hohe Eisengebäude in Nordamerika. 
(S. Müller.) 

Dekorative Kunst, 2. Amerikanische Archi¬ 
tekten. I. W. Eyre u. a. (Clara Rüge.) 

Studio, 178. An American country house. 
(S. Howe.) — Professor Läuger’s gardens at 
Mannheim. (L. Deubner.) 

Art et dgeoration, 1. La jeune architecture 
Finlandaise. (E. Avenard.) 

Engels, A. Deplacement de la gare du Nord 
et construction d’un nouvel opim h Bruxelles. 
(Chron. des travaux publics, 1907, n° 26.) 

Boletin de la sodedad Espaüol de excur- 
siones, 178. Portadas artisticas de Monu- 
mentos espanoles. (E. S. Fatigati.) 

Rev. d. l’Ärt chrgt L’art gothique ä Burgos 
au XX« si^cle. (E. Roulin.) 

Kupffer, Doz. Archit. E. Das Arbeiter-Wohn¬ 
haus auf der „Ausstellung f. Arbeiter-Woh¬ 
nungen u. Volksernährung 41 , Riga 1907. Zu¬ 
sammengestellt im Aufträge des Ausstellungs- 
Komite. Nebst e. Nachtrag üb. die Lauben- 
Gärten v. Stadtgartendir. G. Kuphaldt. (IV, 
69 S. m. Abbildgn.) gr. 8°. Riga, G. Löffler 07. 

2a. Deutschland. 

Matthaei, Adelb., Die baukünstlerische Entwick¬ 
lung Danzigs vom Ausgang des 18. Jahrh. 
bis zur Gegenwart, mit einem Rückblick auf 
die früheren Epochen. Vortrag. (23 S.) gr. 8 1 '. 
Danzig, A. W. Kafemann 08. M. —.50. 

Berner Rundschau, 2. Das Bürgerhaus in der 
Schweiz. (J. Coulin.) 

Rheinlande, 10. Das alte und neue Schweizer 
Bürgerhaus. (C. Baer.) 


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Moden 

Baukun 


Bibliographie 


115 


Kunst u. Handwerk, 3. Die Tölzer Bautradi¬ 
tion und deren Fortentwicklung. (E. Messerer.) 

Ardütekt. Rdschau, 4. Preußische Dorfkirchen. 
(L. Otte.) — Zierbrunnen. (E. Högg.) 

ZentralbL d. Bauverwaltg., 1—3. Stadt- und 
Landkirchen. (0. HoBfeld.) 

ChristL Kunstbl., 11. Martin Elsdßer. Ein 
Architekt für Kirchen und Schulen. (0. Koch.) 

Kunst u. Künstler, 4. Die neue Nationalbank. 

Zukunft, 23. 11. Peter Behrens. (K. Scheffler.) 

Rheinlande, 12. Das Projekt von Peter Behrens 
zu einer evangelischen Kirdie in Hagen i. W. 
(D. Koch.) 

Kunst u. Künstler, 3. Peter Behrens. (K. E. 
Osthaus.) 

Ardütekt, 1. Die Kirche Otto Wagners. 
(0. Schönthal.) 

Dekorative Kunst, 3. Ein Kirchenbau von 
Otto Wagner. (K. M. Kuzmany.) pie Kirche 
»Ara Steinhof“ in Wien.] 

Pester Llogd, 27. 11. Otto Wagners Wiener 
Stadtmuseum. (L. Hevesi.) 

Moderne Bauformen, 1. Albert Geßner. 
(E. Schur.) 

Leipz. Dl. Ztg., 3367. Zur Eröffnung des neuen 
Weimarer Hoftheaters. (H. Scheidemantel.) 

Baumeister, 4. Neubau der Allg. Elektr. Ge¬ 
sellschaft. — Kurhaus-Neubau in Bad Aibling. 
(S. L.) — Das neue Waisenhaus d. Stiftung 
Luisens Andenken in Westend. 

Innen-Dekoration, L 08. Das Hotel Adlon 
in Berlin. (A. Jaumann.) 

Kunst u. Handwerk, 1. Richard Bemdl’s Neu¬ 
ban des Hotels »Union“ in München. (K. GroB- 
mann.) 

Rheinlande, 11. Wiesbaden (Kurhaus v. Thiersdi). 
(B. Rüttenauer). 

3. Moderne Malerei . 

Nuova Antologia, 860. La pittura della luce. 
(M. de Benedetti.) 

Ä. Croquez. Nos peintres d’aujourd'hui. (F£d£r. 
artist., 1907 no. 7.) 

Burlington Art Miniatures. No. 5 — The 
Luxembourg, Paris. In case, ls 6d net (Fine 
Ärts Pub. Co.) 

Bie, Ose.: Constantin Somoff. (Zeichnung des 
Einbandes, des Titelbl. u. der Vignetten von 
Const. Somoff.) 54 S. m. 40 Taf.) gr. 8°. Berlin, 
J. Bard ’07. Kart 15.— ; Luxusausg. bar 35.— 

Westermanns Monatsh. Nov. Konstantin 
Somoff. (O. Bie.) 

E. Baes. Le proc&te dans la peinture. (F£d£r. 
artist. 1907, no. 27). 

Politiken Kopenhagen) 1907. Nr.357. Lorenz 
Frölichs 70 Aars Kunstnerjubildum (V. Wan¬ 
scher.) 


Dannebrog (Kopenhagen) Nr. 5585. Da jeg 
malede »Niels Ebbesen“ (1892. Malerins Agnes 
Slot-Möller). Mit Portr. 

Frem (Kopenhagen) Nr. 11. Joakim Skoogaard 
i Viborg Domkirche. En Rejseskizze. (Andreas 
Äubert). Mit 3 Äbb. 

Illustrere! Tidende (Kopenhagen) Nr. 11. 
Wenzel Tornöe +. Mit Portr. u. 5 Äbb. 

Kunst, redig. af Sophus Michaelis (Kopenhagen) 
VII, H. 10. Solon H. Borglum (P. Johannsen). 
Mit 8 Bildern. VIII, H. 3. Albert Gottschaik 
(Th. Thorup). Mit 16 Bildern. 

Idun (Stockholm) 1907, Nr. 51. Magnus Enckell’s 
och Hugo Simberg's mälningar i Johannes- 
kyrkan i Tammerfors. (Etzel). Mit Portr. u.Äbb. 

Larsson, Carl, Svenske koinnan genom seklen. 
10 biider med text och teckningar. 4° (36x26). 
20 S., 10 pl. Stockholm, Iduns exp. Kr. 1.50. 
(Iduns julnummer 1907). 

Svenska Dagbladet 1907, 353. Tyra Klleen 
har separatutstdllning i Berlin (—of). — 349. 
Carl Larssons Gustaf-Vasa-mälning i National¬ 
museum godkönd (Olof Granberg). 

Vart Land (Stockholm) 1907,7/XII. Vära konst- 
märer hemma. Hos Theodor Lundberg (Am¬ 
brosius). Mit Abb. 

Leipz. DL Ztg., 14.11. Bruno Liljefors u. die 
Entwicklung der mod. Tiermalerei. (H. David.) 

Magdeb. Ztg., 28. 12. Neue amerikanische 
Kunst. (C. Rüge.) 

The world's work I. 08. Some Australian 
painters. (J. A. Innes.) 

3a. Deutschland. 

Christi. Kunstbl. XH. 07. Goethe u. P. Cor¬ 
nelius in einer neuen Beleuchtung. 

Kunst u. Künstler, 2. Die drei Speckter. (F. 
Friedrichs.) 

Wiener Fremdenblatt, 14. 12. Ein Wald- 
müIler-Werk. (L. Hevesi.) 

Neue Fr. Presse, 28. 11. Waldmüller und 
Gauermann. 

Wien. Abendpost, 29. 10. Neues von Ferdi¬ 
nand Georg Waldmüller. (Ä. RoeBler.) 

Wiener Ztg. 29. u. 31. 10. Neues von Ferdi¬ 
nand Georg Waldmüller. (Ä. RoeBler.) 

— Friedrich Gauermann. Ein Gedenkblatt. (Th. 
v. Frimmel.) 

Daheim, 14. Moritz v. Schwind. (H. Rosen¬ 
hagen.) 

Westermanns Monatsh. Nov. Ferdinand v. 
Rayski. (A. Dobsky.) 

Hist, polit Blfitt. f. d. kathol. Deutsch!., 1. 

Eduard v. Steinle. (H. Holland.) 

Lenz, Dr. Geo.: Karl Rettich. Lebensb. eines 
deutschen Landschaftsmalers. Mit 25 Lichtdr. 
u. 25 Autotypien Buchschmuck von Pet. Geo. 
Saxen. (74 S.) 33x25 cm. Berlin, Sdiuster & 
Loeffler ’08. Geb. in Leinw. 12.— 


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Moderne 

Malerei 



116 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Türmer, 3. Ein Meister der religiösen Kunst. 
(Gebhardt.) (O. Beyer.) 

Heilmeyer, Alex.: Wilh. v. Diez. [Aus: „Die 
Kunst uns. Zeit".] (36 S. m. Abb. u. 12 Taf.) 
36,5X27 cm. München, F. Hanfstaengl (’07). 
Christi. KunstbL, Dez. Paul Robert u. seine 
Freskogemdlde im Treppenhaus des Museums 
zu Neufchatel (Kühner.) 

Frankf. Ztg. 12. 11. Hans Thoma, Wilhelm 
Steinhausen, Wilhelm Trübner. (H. Weizsäcker.) 
Hamb. Korresp. 17. 10. Johann Michael u. 
Erwin Spekter. (E. Benezg.) 

-10.11. Otto Speckter. (E. Benez£.) 

Hamburg. Nachricht. 19.11. Die drei Speckter. 
(H. E. Wallsee.) 

Kunst u. Künstler, 2. Die drei Speckter. 
(F. Friederidis.) 

Nord u. Süd, Nov. Ludwig von Hofmann. 

(L. Brieger-Wasservogel.) 

Neues TagebL, Stuttgart 12. 11. Hermann 
Pieuer. (H. Tafel.) 

Hheinlande, 10. Ferdinand Hodler, sein Stil 
und sein Kreis. (H. Kesser.) 

Zeitschr. f. bildend. Kunst, 2. Emil Nolde. 
(G. Sdiiefler.) 

Mayr, Jul.: Wilhelm Leibi. Sein Leben u. sein 
Schaffen. Mit 30 Taf., 69 Abb. u. einem Fak- 
sim. (VII, 225 S.) Lex. 8°. Berlin, B. Cassirer 
(’07). 18.— ; geb. in Leder - Rücken u. Japan- 
Überzug 22.—; Luxusausg. bar 40.—. 

Brahm, Otto: Karl Stauffer-Bern. Sein Leben. 
Seine Briefe. Seine Gedichte. Dargestellt, nebst 
einem Selbstportr. d. Künstlers u. einem Briefe 
von Gust. Freutag. 6. Aufl. (VIII, 340 S.) 8°. 
Leipzig, G. J. Göschen '07. M. 4.50; geb. 6.— 
Le Si&de, 27. 12. Arnold Böcklin. (L. Gudrin.) 
Bevue de l’art, 10. 12. 1. Arnold Böcklin. 
(L. Gillet.) 

Anhalt. Staatsanz. 16. 10. Böckliniana. (Th. 
Lamprecht.) 

Baseler Nachr., 20. 12. Eine Sammlung von 
Handzeichnungen Arnold Böcklins. (H. Kienzle.) 
Leipz. DL Ztg., 3366. Walter Georgi. (P. Kühne.) 

Kunst und Künstler, 4. Karl Schuch. (K. Hage¬ 
meister.) 

Ztschr. f. bild. Kunst, 1. Ein satirisches Skizzen- 
alb. a. Anselm Feuerbachs Nachlaß. (M.Osborn.) 
Südd. Monatsh. 4. Edmund Harburger. (H.Raff.) 
Woche, 2. 1L Max Klinger. (P. Schubring.) 
Württemb. Ztg., 29. 10. Maler Möricke. (W. 
Eggert.) 

Frankf. Ztg. 18. 12. 07. Fritz Boehle. (Fr. 
Wiehert.) 

Ztschr. f .bild. Kunst, 2. Emil Nolde. (G. Sdiiefler.) 
Hheinlande, 1. Wilhelm Altheim. (H. Hellmer.) 
Der Deutsche 23. 11. 07. H. Vogeler-Worps¬ 
wede. (H. Bethge.) 


Westermanns Monatsh^ 4. Hans Olde. (O. 
Eggeling.) 

3b. Frankreich. 

Gaz. d. Beaux-Arts, Oct., Nov. Prud’hon 
dans la Haute-Saöne. (R. Jean.) Artistes 
contemporains. J.-J. Henner. (L. Bdnddite.) 
Les Artistes Lyonnais. [Suite.] (A. Germain.) 
Bussy, D. Eugene Delacroix. 8vo. 8X5 8 / 4 . 

pp. 148. 5 s. (Duckworth.) 

Cary, E.L. Honorg Daumier. Roy. 8vo. 15s net. 
(Putnam.) 

Klossowski, Erich. Honord Daumier. (122 u. 
27 S. m. 88 Taf.) Lex. 8°. München, R. Piper 
& Co., 08. Geb. 30.—. 

Ord och bild, L Honord Daumier. (C. G. Laurin.) 
Meyer, Rud. Adelbert. Manet u. Monet [Aus 
„Die Kunst unsrer Zeit“. (S. 37—56 mit Ab¬ 
bildung. u. 6 Taf.) 36,5x27,5 cm. München, 
F. Hanfstaengl, 08. 4.—. 

Kunst u. Künstler, 4. Degas. (G. Moore.) 
Burlington Magazine, 57. Mad. Charpentier 
and her children, by Aug. Renoir. (L. Bdnddite.) 
Gaz. des beaux-arts, 606. Berthe Morisot. 
(R. Marx.) 

Vers Thorizon, 3—4. Les artistes dinantais. 

(E. de la Roche-Bayard.) 

Musde,. Nov.—Dez. Eugene Carridre et l'en- 
seignement artistique. (G. Toudouze.) 

Globe illust. et Illustr. europ., 26. Le peintre 
Ldon Herco. (Ä. J.) 

Art, 815. Dix compositions ddcoratives de 
Henri Levy. (G. Desandronin.) Un aspirant 
au Grand Prix au milieu du XVIIl« sidcle. 
(A. Moureau.) 

3c. Italien. 

Kunstwart, 8. Segantini. (F. Avenarius.) 
Leipziger Tageblatt, 21. 12. 07. Segantini. 
(K. F. Nowak.) 

Gegenwart, 3. Giovanni Segantini. (I. A. Lux.) 
BerL Neueste Nachr., 19. 12. 07. Giovanni 
Segantini. (I. J.) 

Leipz. Dl. Zeitg., 3368. Giovanni Segantini. 
(F. Servaes.) 

Nuova antologia, 1. 1. Cesare Maccari. (M. 
del Benedetti.) 

Art ddcoratif. 109. Les peintres divisionistes 
Italiens. (V. Rossi-Sacdietti.) 

Politiken [Kopenhagen]. 270. Moderne italiensk 
Malerkunst. (Louis Levy.) 

3d. Niederlande. 

Maris, Jacob, en Willem Maris. De meester- 
werken van Jacob en Willem Maris. 32 re- 
producties naar hunne meest bekende schilde¬ 
rten. 's-Gravenhaae, M. Hols. Kl. 8°. [15x10.] 
(69biz.) f. —.35. Nederlandsche meesters.Nr.4. 


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Moden 

Malen 


Moder 

Maler 


Modei 

Maiei 


Bibliographie 


117 


Onze kunst, 1. Anton Mauve en zijn tijd. 
(W. Steenhoff.) 

Belgicpe artisl et litt., 24. Le peintre Willem 
Linnig junior. (P. Ändrd.) 

Bull. d. 1. Soc. d’hist. et archdol. de Gand, 4. 
L’dvolution de la peinture beige au XIX* si&cle. 
(M. Boddaert.) 

Samtiden, 1907, H. 9. Whistler og van Gogh. 

En Forelasning. (Jens Thiis.) 

Leipziger Tagebl., 2. 1. Vincent van Gogh. 

(0. F.) 

3e. Englische Malerei. 

Saturdau Review, 717. Old and new English 
Art. (L. Binyon.) 

Berlin. Tagebl. 14. 10. Auf Hogarths Spur. 
(J. Jessen.) 

Burlington Magazine, 56.Constable v s Dedham 
Vale 1811. (C. J. Holmes.) The Palace of 
Westminster. 

Dobson. William Hogarth. New and enlarged 
Edn. 8vo. 9x5 3 / 4 . pp. 330. 6s. (Heinemann.) 
Hueffer, Ford Madox. The Pre~Raphaelite 
Brotherhood. A Critical Monograph. 12 mo. 
6x3 5 / 4 . pp. 186. 2s net; leather, 2s 6d net. 
(Duckworth.) 

Slade, The. A Collection of Drawings and 
some Pictures done by Past and Present 
Students of the Lond. Slade School, 1893—1907. 
8 vo. U l / 4 X 8 8 / 4 . pp. 54. (Slade Sdiool.) 
Pissarro, L. Rossetti. Illustr. 4to. 8x6, pp. 80, 
ls 6d net (Masterpieces in colour). 
Velhagen u. Klasings Monatsh., 5. Joshua 
Reynolds. (M. Osborn). 

Musde, Nov.Dec. Le „Corricolo“ de Bonington. 
(A. Sambon.) 

Studio 178. Johannes Bosboom. (Ph. Zücken.) 
— The landscape paintings of Mr. H. Hughes- 
Stanton. (M. Hepworth-Dixon.) 

Woche, 49. John Singer Sargent. (E. Delpy). 
Standarte, 23.1 . Eine Friedenstat. [Englische 
Malerei.] (Princeps.) 

4 . Moderne Plastik . 

Kunstchron., 4. Die Plastik auf der VII. inter¬ 
national. Kunstausstllg. in Venedig. (A. Wolf.) 
Heilmeger, A. Die Plastik seit Beginn des 
19. Jahrh. 118 S. kl. 8°. Sammlg. Göschen. 
Leipzig. 07. geb. —.80 M. 

Frankf. Ztg. 31.10. Antonio Canova. (A. Ernst.) 
Ami des Monuments et des Arts, 120. Le 
tombeau du ducd’EnghiendeDeseine(deFossa). 
Stockholms Dagblad 1907, 1/XIL Hflstens 
konstnflrinna, fru Märta Ameen. (—ns). Mit 
Zeidmg. 

Politiken (Kopenhagen) 1907 Nr. 328. Dansk 
Skulpturforenings Udstilling i Kunstindustri- 
museet (VUh. Wanscher). 


Revista Aragonesa, 8—9. El monumento ä 
Agustina de Aragön. (Uvencio.) 

Hamb. Nadir., 24. 1L Islands einziger Büd- 
hauer. (P. Elsner.) 

4a. Deutschland. 

Fränk. Kurier, 28. 12. Zum 50. Todestage 
Christian Daniel Rauchs. (Dembski.) 
Deutsche Tageszeitung, 4.12. 07. Christian 
Rauch. (P. L.) 

Deutsche Rundsch. Adolf Hildebrand. (J. Kurz.) 
Kunst f. Alle, 7. Edmund Hellmer als Künst¬ 
ler und Erzieher. (E—r.) 

Dekorative Kunst, 2. Joseph Wackerle. (W.R.) 
Werkkunst, 4. Neue Grabmalskunst (R. E. 
Bernoulli.) 

Deutsche Arbeit, 2. Franz Thiele. 

Ztsdir. f. Bücherfreunde, 10. Ein Grabmal 
für Heinrich von Kleist. (P. Hoffraann.) [5 Ent¬ 
würfe von Hengstenberg.] 

4b. Frankreich. 

AUg. Zeitg., Beilage, 20.11. Die französische 
Plasik bis Rodin. (O. Grautoff.) 

Studio, 177. A note on some portrait busts etc. 

by Aug. Rodin. (A. Seaton Schmidt.) 

Kunst u. Künstler, VI, 1. Auguste Rodin. 
(R. Rilke.) 

Rilke. Die Kunst. Sammlung illustr. Mono¬ 
graphien. Hrsg. v. Rieh. Muther. kl. 8°. Ber¬ 
lin, Marquardt & Co. 10. Bd. u. 10. Bd. A. 
Rilke, Rainer Maria: Auguste Rodin. Mit 
28 Vollbildern in Tonfltzg. 2 Tie. in 1 Bde. 
3.Äufl. (121 S.) (’08.) Kart.3.—; geb.in Ldr.5.—. 
Museum, 5. Constantin Meunier. (M. D£ri.) 
Ztschr. 1 bild. Kunst, 4. Emile A. Bourdelle. 
(E. M. A. Weise.) 

Art, 815. Le Monument Watteau et le Fronton 
de l’Hötel de Ville de Valenciennes d'apr&s 
les lettres in£dits de Carpeaux. (G. Varenne.) 

5. Modernes Kunstgewerbe . 

Art et ddcoration, 1. La fantaisie orneraen- 
tale. (M. P.-Vemeuil.) 

Meu er, Fr. S. Handboek der ornamentiek. 
An. 7 en 8. Leiden, A. W. Sijthoff’s uitge- 
vers-maatschappij. 8°. (Blz. 385—448.) 
Rotheru, G. C. Decorators’ Symbols, Emblems 
and Devices. With Original Designs by 
E. Fletcher-Clauton. 8vo. 3s. Trade Papers 
Pub. Co., Jan. 08. 

Ztsdir. d. nordböhm. Gew.-Museums, L 2. 

Die Pariser Goldschmiede des 19. Jahrhunderts. 
(E. Schwedeler-Meyer.) 

Norsk Tidsskrift for Handwerk og Industri 

1907, Nr. 42 u. 44. Kunsthaandvärkets gjen- 
reisning i de nordeupfiiske Lande. 


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Moderne 

Plastik 


Moderne 

Plastik 



118 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Modernes 

Kunst¬ 

gewerbe 


Musöe, Nov.-Dez. Le bijou des temps mo¬ 
dernes. (E. Bailly.) — Le bijou de la Evolu¬ 
tion ä nos jours. (R. Jean.) 

De la Houssi&re, Ä. La joaillerie. (B. noire, 
1907, mars.) 

Werkkunst 2. Der Qualitdtsbegriff im Kunst¬ 
gewerbe. (j.A.Lux.) — Innenkunst im Dampfer. 
(G. Lehnert.) — Probleme des Kunstgewerbes. 
(H. Muthesius.) 

Museumskunde, 4« Ober die Pflege gewirkter 
Teppiche. (J. Böttiger u. J. Köhler.) 

Die Weltwirtschaft, 1907. Das Problem der 
neuzeitlichen Organisation des Kunstgewerbes. 
(H. Muthesius.) 

Trieriscbes Jahrbuch, 1908« Handwerker¬ 
arbeit und Fabrikarbeit. (H. Tessenow.) — Von 
der Freude an schönen Stoffen. (H. Stummel.) 

Ärchitectural review, 134. Modern Lead- 
work. (H. Weaver.) 

Innenausbau, 3. Das Maschinenmöbel. 

L'art ddcoratif, 111. Les meubles de Maur. 
Lucet. (R. Direct.) 

Van den Honten. Les styles dans les ntetiers 
du bois et dans l'ameublement. (B. mens, du 
mus£e de l’enseignement indust. et prof. de la 
province du Hainaut ä Charleroi. 1907, n° 6.) 

März, 24. Caran d’Adie unter Kindern. 
(Spielzeug.) 

Art Flamand et Holland, 12. Louis Vertees, 
forgeron d’art. (J. d. B.) 

Art ddcoratif, 109. Auguste Delaherdie. (R. 
de F£lice.) 

— AndE Daudiez. (Ä. Saglio.) 

Art et Ddcorat. 11. La maison de M. Anatole 
France. (C. Saumier.) L’art appliqu^ au Salon 
d’automne. (E. Sedeyn.) Interieurs Ecossais. 
(P. Verneuil.) 

Burlington Magazine 56. Lead Vases. (L. 
Weaver.) 

Kunstchron., 3. Das Kunstgewerbe im Pariser 
Herbstsalon. (K. Schmidt.) 

Art Journal, L 08. Powell-Wedgwood pottery. 

Art et Ddcoration, 12. Une expos. d’artistes 
Russes ä Paris. (D. Roche.) — Cappiello. 
(M. P.-Verneuil.) 

5a. Deutschland. 

Kunstgewerbeblatt, 4. Die Anfänge der mo¬ 
dernen Bewegung rund um Deutschland. (J. 
A. Lux.) 

Tag, 25. 1. Kunstgewerbliche Rundschau. (R. 
Breuer.) 

Kunst unserer Heimat, 2. Oberhessische 
Töpfereien. (F. Corno.) 

Kunstgewerbeblatt, 2. Kunstgewerbliches aus 
dem Großherzogtum Baden. (F. S. Meyer.) 

Kunst und Künstler, VI, 1. Die Einrichtung 
eines Schnelldampfers. (G. Pauli.) 


Ztschr. f. bild. Kunst, 2. Kunstgewerbliches 
aus dem Großherzogtum Baden. (F. Mayer.) 
Werkkunst, 7. Goldschmiedekunst — zu Ernst 
Riegels Arbeiten. (V. Zobel.) 

— Zur Ausstellung der Breslauer Kunst- und 
Kunstgewerbeschule. (C. Buchwald.) 

Dekorative Kunst, 2. Der Norddeutsche Lloyd 
u. die moderne Raumkunst. (K. Schaefer.) 
Werkkunst, 1. Bruno Paul. (E. Schur.) 

Hilfe, 13.10. Richard Riemerschmid. (J. A. Lux.) 
Deutsche Kunst u. Dek., 2. Nicola Perscheid- 
Baden. (R. Breuer.) 

6. Moderne Graphik and Flächenkanst. 

Stockholms Dagblad 1907, 1. 12. „C. G. 

Lauring. Skämtbilden. H. 1“ (rec. von Karl 
Wählin.) (Gesch. der Karikatur.) 

Graph. Künste, 1. Andte Daudiez. (Ctement- 
Janin.) 

L’art, 818. Jules Buisson [Schluß]. (H. de 
Chennevteres.) 

L’art, 815. Jules Buisson: Eaux-fortes ä la pointe, 
eaux-fortes ä la plume sur papier. (H. de 
Chennevteres.) 

Studio, 178. The etchings of Mr. Fred V. 

Burridge. (Fr. Newbolt.) 

Cruikshank, George. Flaskan och drinkarens 
barn. 1 16 taolor, teknäde och etsade. 20 S., 
16 pl. (10x15). Lund (gedr. in Glasgow), 
Lindstedts bokh. 75 Öre. 

Laurin, Carl G., Skämtbilden. Heftl. 8° (23x15). 

32 S. Stockholm, Narstedt. pr. Heft 75 Öre. 
Monatsh. f. graph. Kunstgewerbe, 2. Auto¬ 
mobil und Reklame. (J. Maru.) 

Das Malerische in der Graphik [Fortsetzung]. 
(0. Gebhardt.) 

Werkkunst, 5. Die Buchkunst W. Tiemanns. 
(]. Loubier.) 

— Spielzeug u. Kinderbücher. (P. F. Schmidt.) 
Jule-Album 1907, — darin u. a.: Lidt Passiar 

om Bernebeger, ssrlig engelske, og disses 
Billeder (Maler Lorens Frölich.) Mit Bildern 
nach Kate Greenaway, Caldecott, Crane, 
Robinson. 

Ztschr. f. Ästhetik u. allg. Kunstwissensch., 
1. Plakatkunst. (P. Westheim.) 

Innen-Dekoration I. 08. Über Kleinigkeiten 
im mod. Kunstgew. I. Inserate. (W. Midiei.) 
Onze kunst, 1. De tegenwoordige drukletter. 
(S. H. de Roos.) 

Ztschr. d. Nordböhm. Gew.-Museums, 1. 2. 

Buntpapiere. (P. Jessen.) 

Fuchs, Eduard, Koinnan i karikatyren. Med 
367 textillustr. och 50 konstbil. öfvers af Tom 
Wilson. Bd. 1-3. 4° (29x21). XII, 444 S., 
50 pl. Bilaga: Sjöberg, N., Koinnan i svensk 
karikatyr. Med 35 Textill, och konstbil. 56 S., 
5 pl. Stockholm, Björck & Böijesson. Kr. 15.—. 


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Bibliographie 


119 


Moderne 

Graphik 


Monatsh. f. graph. Kunstgewerbe, 3« Neue 
Bahnen in der Papierausstattung. (C. Hilarius.) 

— Typographische Schülerarbeiten. (F. Korga.) 

— Orientalische Flächenkunst u. Reklame (H. 
Scheffler.) 

— Ober die Propaganda der Buchdruckereien. 
(Ä. Höpfner.) 

— Einheitl. Geschäftsdrucksachen. (L. Matthies.) 
Budiwald. Hilger’s illustr. Volksbücher, kl. 8°. 

Berlin, H. Hillaer. Jeder Bd. —.30; geb. bar—.50. 
87. Budiwald, Dr. Conr.: Graphische Künste. 
Mit 21 Bildern. (120 S.) (’07.) 

6a. Deutschland. 

MitteU. f. d. Geschichte Berlins, 1. Ein Fund 
zur Vorgeschichte von H. v. Kleists „Prinz 
Friedrich von Homburg“, [bet. einen Kupfer¬ 
stich Freidhofs nach einem verschollenen Ge¬ 
mälde K. Kretzschmars.] (H. Gilow.) 
Rheinlande, 11. Handzeidinungen. (W. Wy- 
godzinsky.) 

Kunst und Künstler, 2. Olaf Gulbransson. 
(L. Corinth.) 

Werkkunst, 2. Z. Erinnerung an Th. Hosemann. 
(Fr. Weinitz.) 

Escherich. Kunsthefte, deutsche. 32x24 cm. 
Stuttgart, K. A. E. Müller. Jedes Heft 1.25; 
geb. 2.—. 3. Escherich, Mela: Ludwig Richter 
und seine Kunst. Mit 50 Abbild. (40 S.) (’07.) 
Münchn. Ztg. (Propyläen), 22. 1. Wilhelm 
Busch. (A. Dresdner.) 

Rheinlande, 12. William Straube (S.) 
Dekorative Kunst, 3. Ernst Kreidolf. (H. E. 

Kromer.) Carl Melville. (H. Wailich.) 
Czechische Revue, 10. V. Preissig. [Böh¬ 
mischer Graphiker.] (M. Jiränek.) 
Kunstchronik, 27.11. 07. Max Klingers „Epi- 
thalamia“. (H. W. Singer.) 

Kunstchronik, 7. Max Klingers „Epithalamia“. 
(H. Singer.) 

Kunst u. Künstler, VI, I. Menzel als Illustrator. 
(K. Scheffler.) 

Werkkunst, 8. Ignatius Taschner. (P. F. 
Schmidt.) 

Kunst unserer Heimat, 2. Otto Ubbelohde. 
(Chr. Rauch.) 

Sozialist. Montshefte, 2. Der Zeichner Karl 
Walser. (M. Momay.) 

Buchkunst, 4. Der Meister Chr. Bühler und 
seine Ex-libris-Blätter. (L. Gerster.) 

Mitteil. d. Ex-libris-Vereins zu Berlin, 3. 
Allerlei Ex-libris. (W. zur Westen.) 

7. Kirchliche Kunst 

Trierisches Jahrbuch 1908. Von Gegenwart 
und Zukunft der kirchlichen Kunst. (J. Popp.) 
Archiv f. Christi. Kunst, 1. Christliche Kunst 
in Bild und Buch, Schule und Haus. (Fischer.) 


Wahl, Thdr., Pfr. Glaube u. Kunst. (31 S.) 8°. 
Essen, M. O. Hülsmann (07). —.60. 

Monatsschr. f. Gottesdienst u. kirchliche 
Kunst 11.12. Kirdibautheorie und Dogmatik. 
(R. Harder.) 

Ällg. Rdschau, München, 18. I. Moderne 
Christi. Kunst. (O. Doering.) 

Stimmen aus Maria-Laach, 1. Moderne 
Kunst in katholischen Kirchen. (St. Beissel.) 

Ztschr. f. Christi. Kunst, 10. Grenzen der 
christlichen Kunst. (K. Bonn.) 

Archiv f. Christi. Kunst, 1. Katholische Kirchen¬ 
kunst. (L. Baur.) 

Archiv £. Christi. Kunst, 11. Neue Krippen¬ 
darstellungen in der Kirche. (L. Baur.) 

Etudes Franciscaines, Dec. Un Peintre 
franciscain moderne. (P. Girard.) 

8 

III. Allgemeiner Teil. 

/. Kunstnachrichten 

(auch Zeitschriften und Besprechungen). 

BulL de l f Art„ 356, 357. La dironique des 
ventes au XVIII* siede. (E. Dacier.) 

Bull. Monumental, 3—4. Le plan d’une 
monographie d’^glise et le vocabulaire arch^o- 
logique. (L. Demaison.) 

Lockwood’s Builder’s, Ardiitect’s, Contractor's 
and Engineer’s Price Book, 1908. Cr. 8vo. 4s. 
(Lockwood.) 

Gibbons, S. Priced Catalogue of Stamps of 
Foreign Countries, 1907—8. Cr. 8vo. 2s. 6d. 
net.. Gibbons, Dec. 07. 

Bollett. d’Ärte, 12. II dono del barone 
Frandietti al Bargello [betr. antichi tessuti) 
(J. Errera). 

L’art, 818. Les grandes ventes en 1907, Nov. 
et Dec. (A. Raymond.) 

Kunstchronik, 12. Pariser Brief. (K. E. Schmidt.) 
— Florentiner Brief. (G. Gr.) 

Morning post, 22. 11. und 27. 12. Art and 
artists. — 26. 12. Six artists. 

Daily Telegraph, 20.12. Artnotes. (C. Phillips.) 

Rev. univ. intern, illust., 589. L’art en Bel- 
gique. (E. Niset.) 

Convorbiri Literare,10. Artaruseascä a Paris. 
(A. Trigara-Samurca?.) 

KonservaL Monatsschr., 3. Kunstbriefe aus 
Italien. 5. Florenz II. (H. Pudor.) 

Scheurembrandt, Herrn., Ardiit. Architektur- 
Konkurrenzen. II. Bd. (Mit Abbild.) 30,5x22 cm. 
Berlin, E. Wasmuth. Jedes Heft, Einzelpreis 
1.80; Subskr.Pr. bar 1.25. 11. 12. Entwürfe 
v. kleinbäuerlichen Gehöften (Büdnereien u. 
Häuslereien) f. den Heimatbund Mecklenburg. 
(60 S.) 07. 


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120 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Scheurembrandt, Herrn., Ärchit. Architektur- 
Konkurrenzen. III. Bd. (Mit Abbild.) 30,5x22 cm. 
Ebd. 2. Evangelisch-lutherische Kirche f. Crim¬ 
mitschau. (32 S.) 08. 

— dasselbe. III. Bd. (Mit Äbbildgn.) 30,5x22,5cm. 
Berlin, E. Wasmuth. 1. Hotel W. Jacobsen 
in Kiel. (30 S.) 07. 

Neumeister, A., Prof. Deutsche Konkurrenzen. 
XXII. Bd. {Mit Äbbildgn.) gr.8°. Leipzig, See¬ 
mann & Co. Einzelpreis des Heftes 1.80; 
Subkr.-Pr. mit Beiblatt: Konkurrenz-Nach¬ 
richten 1.25. 5. Heft. Nr. 257. Realschule f. 
Villingen. (32 S. u. Konkurrenz-Nachrichten 
S. 1055-1058.) (08.) 

WerdandL Monatsschrift f. deutsche Kunst u. 
Wesensart, im Aufträge des Werdandibundes 
hrsg. v. Prof. Dr. Frdr. Seeßelberg. 1. Jahrg. 
1908. 12 Hefte. (1. Heft. 68 S. m. 2 [1 färb.] 
Taf.) Lex. 8°. Leipzig, Werdandi-Verlag. 
Vierteljährlich bar 4.— ; einzelne Hefte 2.—. 
Warte, hohe. Illustrierte Halbmonatsschrift f. 
Architektur, angewandte Kunst und alle mo¬ 
dernen Kulturaufgaben. Hrsg. v. Jos. Aug. 
Lux. 4. Jahrg. 1908. 24 Hefte. (1. Heft. 16 S. 
m. 4 Taf.) 30,5x25 cm. Leipzig, R. Voigtländer. 
Vierteljährlich bar 4.50; einzelne Hefte —.75. 
Connoisseur, The. Vol. XIX. September—De- 
cember, 1907. 4to. 7s. 6d. net. (Office.) 

2. Ausstellungen. 

Politiken (Kopenhagen) 291. Efteraars-salonen 
i Paris [bes. Eva Gonzales u. Berthe Morisot]. 
(Louis L£vy.) 

Svenska Dagbladet 274. Legros-Brangwyn- 
utställningen i Konstföreningen. (A. Brunius.) 

- 277. Höstsalongen i Paris. („Volmar“.) 

Tribüne Ärtistique, 8 . Le Salon de Bruxelles. 
(F. d. Smet.) 

Humans, H. L’exposition de la toison d’or ä 
Bruges Bruxelles, G. Van Oest et Cie. In-4°. 
Forme le no 9 du 15 septembre 1907 de l’Art 
flamand et hollandais. 

Arte e Storia, 19—20. Settima esposizione 
Internationale di Venezia, [conf.] (A. della 
Rovere.) 

Art et Ddcorat. 11. L'exposition de l’£cole 
Beige. (L. Etertedile.) 

Arts, 69. Exposition d’art italien moderne ä 
Paris. (G. Mourey.) 

Bibliographe moderne, 62. Salons et expo- 
sitions d’art ä Paris au XIX« si&cle; essai 
bibliographique. (M. Tourreux.) 

Bull, de l’Art, 355. Le Salon triennal. (L. 
Dumont-Wilden.) 

- 356. L’Exposition de dessins de Rodin. 

(M. Stephane.) 

Christi. KunstbL, 11. Die Mannheimer Jubi¬ 
läumsausstellung. (K. Kühner.) 

Gegenwart, 1 . Zeichnende Künste. [Ausstellung 
der Berliner Sezession] (H. King.) 


Rassegna d’Arte, 8. La Pittura all’ Esposi¬ 
zione d’arte antica di Perugio. (F. Mason 
Perkins.) Arazzi fiorentini a Bergamo su 
disegni di Al. Allori. (H. Geisenheimer.) 

Politiken (Kopenhagen) 1907, Nr. 345. Jödiske 
Kunstnere [die Ausstellung jüdischer Kunst in 
Berlin] (Adolph Donath). 

F. de Smet. Le salon de Bruxelles. (Tribüne 
artist., 1907, n°. 8.) 

Les cliefs-d*oeuvre d’art ancien ä l’expo- 
sition de la toison d’or, ä Bruges en 
1907. In 4°, 100 planches, Van Oest et Cie, 
Bruxelles. 

Catalogue sommaire de l’exposition retro- 
spective de l’habitation priv£e en Belgique, 
au nouvel hötel des postes ä Gand, juillet~ 
aoüt 1907. — Gand, A. Siffer. In-8°, 4 p. 
(fr. 0.10). 

Rheinlande, 11. Ausstellung für kirchliche Kunst 
in Soest 1907. (H. Schmitz.) — Die Sonder- 
Ausstellung für christliche Kunst in Aachen 
1907. (S.) 

Les arts, 71. L’exposition d’ancien art ombrien 
ä Perouse. (A. Parate.) 

Magyar Iparmüveszet, 6. (Ausstellung von 
alt. Kunstgewerbe aus Privatbesitz imMüzeum- 
bau.) (J. Radisics.) 

Katalog der Sonder-Ausstellung v. Werken v. 
Paul Croeber, Hans v. Loesch, Walther Max 
Sachsse, Heino Otto in Emil Richters Kunst- 
Salon, Prager-Straße. (9 S.) kl 8°. Dresden, 
bar —.30. 

— der Ausstellung der englischen Abteil, der 
intern. Gesellschaft v. Bildhauern, Malern u. 
Radierern zu London. Veranstaltet vom sädis. 
Kunstverein zu Dresden. 16. XI. bis 15. XII. 
1907. (30 S. m. 4 Taf.) kl. 8°. Dresden (C. Hein¬ 
rich) (07). bar -.50. 

— der Künstler-Vereinigung Mappe, Dresden, 
in der Kunst-Ausstellung Emil Richter, Prager 
Straße 13. (8 S.) kl. 8°. Dresden (C. Heinrich) 
(07). bar -.30. 

— von Werken v. Joh. Walter Kurau, Frhr. v. 
Schlippenbach, Professor Belsen, Petras Kalpo- 
kas, Fred Voelckerling. (8 S. m. 4 Taf.) 8°. 
Dresden (C. Heinrich) (07). bar —.50. 

Rheinlande, 12« Ausstellung von Handzeich¬ 
nungen. (W. Gischler.) 

Kunst u. Künstler, 2. Oktoberausstellungen 
(Berlin). (K. Scheffler.) 

Deutsche Kunst u. Dekoration, 1. Zur Kunst¬ 
ausstellung in Köln. (R. Klein.) 

Leipz. UL Zeitg., 3367. Aus dem Wiener 
Künstlerhaus. (A. Friedmann.) 

Kunstausstellung des Verbandes der Kunst¬ 
freunde in den Ländern am Rhein zu Köln 
1906. (Umschlag: Köln 1906.) (26 [2 färb.] Taf.) 
49,5X33 cm. Berlin, E. Wasmuth (07). 30.— 

Innen-Dekoration, L 08. Ausstellungskunst 
auf der Grundlage wirklicher Aufträge. 
(O. Schulze.) 


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Bibliographie 


121 


Kirnst f. Alle, 8. Die zweite Ausstellung der 
Königlichen Akademie der Künste zu Berlin. 
(R. Schmidt.) 

Gas. d. Beaux-Ärts, Oct. L’Exposition de 
la Toison d'Or ä Bruges. [Schluß.] (H. Humans.) 

- Nov. La salon d’automne. (Ä. P£rat6.) 

Kunstchron. XIX, 1—2. Ausstellung hollän- 
discher Gemälde aus Rotterdamer Privatbesitz 
in Rotterdam. (K. Freise.) VII. Internationale 
Kunstausstellung in Venedig. Schluß. (A. Wolf.) 
-3. Die Ausstellung für moderne christ¬ 
liche Kunst in Aachen. (F. Deneken.) Der 
Pariser Herbstsalon. (K. Schmidt.) Das Schick¬ 
sal der Sammlung Six. (K. F.) 

— 6. Berliner Ausstellungen. (M. Osborn.) 

— 7. Kunstausstellungen in Madrid. (E. Kühnei.) 
Kunst f. Alle, 5. Die deutsche Kunstaus¬ 
stellung 1907 in Köln. (A. Fortlage.) 

Kunst u. Kunsthandwerk, 10. Die Ausstellung 
von Kleinbronzen im Kaiser-Franz-Joseph- 
Museum zu Troppau. (E. W. Braun.) 

3. Sammlungen 
(mit Katalogen). 

Kunstdironik, 12. Moderne Galeriefragen. 
(R. Graul.) 

— 7. Der Konservator. (F. Günther.) 

BulL de l’Art, 357. Encore les prisons de 
l’art. (M. Eddg.) 

Kunst und Künstler, 3. Fälschungen alter 
Gemälde und Bildwerke. (W. Bode.) 
Trierisches Jahrbuch, 1908. Dorfmuseen. 
(A. Brenning.) 

Museumskunde, 4. Das historische Museum. 
S. Wesen u. Wirken u. s. Unterschied v. d. 
Kunst- u. Kunstgewerbe - Museen (Schluß). 
(O. Lauffer.) 

Museums jouraal, 6. How to promote the 
use of museums by an Institute of museums. 
(H. Carter.) 

— 5. some uses of a museum of industrial art. 
(W. W. Watts.) 

Seidlitz, W. v. Kunstmuseen. Vorschlag zur 
Begründg. e. Fürstenmuseums in Dresden. (IV y 
52 S. u. 20 S. Abbildgn.) Lex. 8°. Leipzig, 
E. Ä. Seemann *07. 3.50. 

Kunstdironik, 7. Ein neuer Vorschlag zur 
Förderung der Dresdener Kunstsammlungen. 
(R. Graul.) 

Rhein.-Westfäl. Zeitg., 19. 1. Das Museum 
im Industriebezirk. (E. Gosebruch.) 
Hegfelder, Erich. Die Aufgaben der Stuttgarter 
Gemäldegalerie gegenüber d. heimischen Kunst. 
(57 S.) 8°. Tübingen, G. Schnürlen. 07. 60.— 
S di welker, Wilh. Jak. Schubart - Museum. 
Aalener Kunst- u. Altertums-Sammlg. Katalog, 
verbunden m. e. Führer durch Stadt u. Gegend. 
(226 S. m. Abbildgn. u. 2 Bildnissen.) 8°. Aalen 
(Württ), Stierlinsche Buchdr. ’07. (Nur direkt.) 
bar 1.60. 


Denkmalpflege, 1. Das Museum im Dorf St. 

Moritz im Oberengadin. (Klimm.) 
Rheinlande, 10. Die Museumsfrage in der 
Schweiz. (H. Preconi.) 

Ztschr. f. blld. Kunst, 4. Die Hamburger 
Kunsthalle. (G. Sdieffler.) 

BulL de l’Art, 355. Les Müssen nationaux 
en 1906/7. 

Arts, 70. La Collection de M. R.-H. Benson, 
Londres. (L. Cust.) 

Ztschr. d. Vereins f. Volkskunde. Das neue 
vlämische Museum für Volkskunde in Ant¬ 
werpen. (R. Andree.) 

Geffrog, G. Les Mus£es d’Europe, Madrid, le 
Prado, av. 150 ill. et 37 pl„ en 20 livr. ä 0 fr. 75, 
in-f °, 15 fr.; rel., 20 fr. (31/X). Per Lamm. 

Pica, V. La galleria d’arte moderna a Venezia. 
Fascic. 1 ä 4, p. 13 ä 60. Bergamo, Istit. ital. 
d’art graf. 4°. (Chaque fascic., fr. 4.25.) 
Potgieter, E. J. Het rijksmuseum. Met een 
voorwoord van Albert Verwei). Haarlem, H. 
D. Tjeenk Willink & Zoon. 8°. [20x13*.] 
VII, 144 blz., m. 18 pltn.) f. 1.50; geb. f. 1.90. 
n weelde-band f. 2.25. 

Mesdagh, Aim£. L’organisation de collections 
sigillographiques de Paris, Bruxelles et Vienne. 
(R. des biblioth&ques et arch. de Belgique, 
1907, t. V, n° 3.) 

Alhambra, 230. Los Tesoros Ärtisticos de 
Espana. (Bachiller Solo.) 

Kunst u. Künstler, 2. Über Galeriekataloge. 
(H. Wölfflin.) 

Guide du mus£e de Pergame des mus£es royaux 
de Berlin. Publte par l’administration g£n£- 
rale, traduit par G. Engelhardt et Jean Locquin. 
(54 S. m. Abbildgn. u. 3 Taf.) kl. 8°. Berlin, 

G. Reimer. 07. 1.—. 

Handbücher der kgl. Museen zu Berlin. 8°. 

Berlin, G. Reimer. (2.Bd.) Lessing, Jul.: Gold 
u. Silber. (Kunstgewerbe-Museum.) 2. verm. 
Aufl. (VII, 166 S.) 07. 2.-. 

Hgmans, H. Catalogue des estampes d'ornement 
faisant partie des collections de Ia biblioth&que 
royale de Belgique, classg par nature d’objets, 
suivi d’un index alphab£tique des noms d au- 
teurs et accompagn£ de plandies. Bruxelles, 

H. Lamertin. In-8°, 491 p. (12 fr.). Publicat. 
du Minist, des Sciences et des arts. 

Wauters, A.-J. Catalogue abr£g£ des tableaux 
anciens du mus£e de Bruxelles. Trois. Edition. 
Bruxelles, G. Van Oest et Cie. 8°, 80 p. (fr. 0.50). 
— Catalogue abr£g£ des tableaux anciens du 
mus£e de Bruxelles, r£dig£ par Ä.-J. Wauters. 
Quatri&me Edition illustr^e. — Bruxelles, G. 
Van Oest et Cie (imprimerie M. Weissenbruch). 
In-8°, 83 p. et VIII pl. hors texte. (1 fr.) 
Destr6e, Joseph. Le legs Monteßore-Levi 
aux Mus£es royaux et l'art tournaisien. (R. 
toumaisienne, 1907, n° 1.) 


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122 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Bollett. d’Arte, 10. Galleria Nazionale al 
Palazzo Corsini in Roma. Acquisto di due 
quadretti di Salvator Rosa ed Espositione di 
antidii paesaggi. (F. Hermann.) 

Allg. Ztg. München, 16.10. Sammlg. Pourtales. 

Amtl. Berichte a. d. Kgl. Knnstslgn., 2. Neue 
Erwerbungen d. Gemäldegalerie. (Friedländer.) 
Vorgeschichtliche Abteilung. (Götze.) 

Art moderne, 41. Les mus£es en Sizile 
(J. Destr^e.) 

Deutsche, 2. Zwei Heidemuseen. Das Kunst¬ 
gewerbehaus in Worpswede. Das Heide¬ 
museum zu Wilsede. (W. Lennemann.) 

Musdes et Mon. de France, 8 . Le Mus£e 
R£mois au Mus£e de Reims. (H. Jadart.) 

Revue de TArt anc. et mod., 127. Les Mus^es 
de Strasbourg. II. (Ä. Girod£e.) 

Revue des Bibliot et Archives, 4. Le Cabinet 
des Medailles de l’Etat. (V. Tourneur.) 

United States National Museum, Proceedings, 
Vol. 32. Illus. 8vo. 9x6, pp. 767. jfl net. 
Wesley. Dec. 07. 

Carnegie Museum. Annals. Vol. 4, No. 2. 
Ryl. 8vo. 9 l / 2 x6, pp. 76, subscription per 
volume 14s. 6d. net. Wesley, Dec. 07. 

Art Journal, L 08. Recent acquisitions by 
Mrs. C. P. Huntington from the Kann Collec¬ 
tion.—Notes on pictures in the Royal Collections 
(Forts.) (L. Cust.) 

TheConnoisseur, 77. Mrs. Collis P. Huntingtons 
Collection. (K. Grant.) 

Pauli, Gust. Katalog der Gemälde u. Bildhauer¬ 
werke in der Kunsthalle zu Bremen. (126 S. 
m. 6 Taf.) 8°. Bremen, F. Leuwer. *07. 2.—. 

4. Sammelschriften . 

Jahrbuch der bildenden Kunst, 1907/08. Hrsg, 
v. Willy Pastor. 6. Jahrg. (86 S. m. Abbildgn. 

u. z. TI. färb. Taf. u. 168 Sp.) 30,5 x 23 cm. 
Berlin, Fischer & Franke. ’07. Geb. in Leinw. 6.—. 

Kalender bayrischer u. schwäbischer Kunst, 
1908. Herausg. v. Jos. Schlecht. Verlag d. 
Gesellsdi. f. christl. Kunst, München. (Inhalt: 
Straubing, v. J. Schlecht. Herzog Ludwig der 
Bärtige u. s. Grabmal, v. K. Schlecht. Alto¬ 
münster, v. J. Schlecht. Aus d. Bayr. National- 
Museum, v. Ph. M. Halm. Zwei Cimelien des 
St. Katharinenspitals zu Regensburg, von 
J. A. Endres. Herzog Ludwig X. v. Bayern, 

v. J. Schlecht. Aus d. Schatz d. Kgl. Residenz- 
Hof-Kapelle, v. R. Hoffmann. Reliefskulpturen 
d. Augsburger Domes, v. Ä. Hämmerle. Ein 
Bildnis d. Mutter d. ersten bayr. Königs, von 
Ph. M. Halm.) 

Frankfurter Kalender, 1908. Herausg. von 
E. Klotz, Fr. Kurz, Th. Schäfer. Umschlag u. 
Monatsbilder v. Fr. Boehle. Frankfurt a. M., 
Diesterweg. M. 2.— 

Internationale Wochenschr., 27. Der Charak¬ 
ter der mittelalterlichen Kunst. (G. Dehio.) 


Woermann. Führer zur Kunst. Herausg. v. H. 
Popp. 8°. Bdchn. 7.—. 11. 12. Woermann, 
Karl. Von deutscher Kunst. Betrachtung, und 
Folger. Mit 8 Tafeln in Tonätzung, u. 52 Ab¬ 
bildungen im Text. (III, 85 S.) 07. 
Reinach, J. Repertoire de peinture du moyen 
äge et de la Renaissance, t. II, 10 fr. E. Leroux. 
Saturday Review, 105. Old Masters at Burling¬ 
ton House [Rubens, Rembrandt, Seghers, Botti¬ 
celli, Filippino Lippi, Hogarth, Canaletto]. (L. 
Binyon.) 

Brown, I. Wood. The Builders of Florence. 
11V 2 X9. pp. 444. 18s. (Methuen.) 

4a. Kunstgeschichten. 

Lübke, Wilh. Grundriß d. Kunstgeschichte. Voll¬ 
ständig neu bearb. v. Prof. Dr. Max Semrau. 
I. Die Kunst des Altertums. 14. Aufl. Mit 
13 Kunstbeilagen u. 572 Abbildgn. im Text. 
(IX, 458 S.) Lex. 8°. Eßlingen, P. Neff. ’08. 
Geb. in Leinw. 8.—. 

Kuhn, A. Kunst-Geschichte. 40. Lfg. Einsied., 
Verl.-Änst. Benziger & Co. 2.—. 
Liditenberg, R. Frh. von, u. E. Jaffd. Hundert 
Jahre deutsch - römischer Malerei. Textbd. u. 
Mappenwerk. Berlin, Oesterheld & Co. M. 18.—. 
Rooses, Max. De schilderkunst van 1400 tot 
1800. De voornaamste sdiilderijen der groote 
meesters in de musea en particuliere verzame- 
lingen van Europa, door Max Rooses, con- 
servateur van het museum Plantin-Moretus. 
Antwerpen, De Nederlandsche boekhandel. 
In-4°. Aflevering II; bldz. 33 tot 64, prenten 
en portr. (fr. 0.90). 

Daun, B. Die Kunst des 19. Jahrh. 12 Lfg. 

Berl., Wattenbach. 1.20. 

Kisa, em. Museumsdir. Dr. Ant. Die Kunst der 
Jahrhunderte. Bilder aus der Kunstgeschichte. 
(VIII, 820 S. m. 32 Taf.) gr. 8°. Stuttgart, 
W. Spemann (’07). Geb. in Leinw. 10.50. 
Svenska Dagbladet, 1908, Nr. 334. „J. Thiis. 
norske Malere og Billedhuggere“ (rec. v. Tor 
Hedberg). 

Weizsäcker, Heinr., u. Alb. Dessoff. Kunst u. 
Künstler in Frankfurt am Main im 19. Jahrh. 
Hrsg, auf Veranlassg. des Frankfurter Kunst¬ 
vereins. 1. Bd. 32x22 cm. Frankfurt a. M., 
H. Keller. 1. Weizsäcker, Heinr. Das Frank¬ 
furter Kunstleben im 19. Jahrh., in seinen grund¬ 
legenden Zügen geschildert. (VII, 118 S. mit 
53 Liditdr.-Taf.) (07.) Geb. in Leinw. f. voll¬ 
ständig 24.—. 

Warnecke, Geo. Kunstgeschichtliches Bilderbuch 
f. Schule u. Haus. 6. verm. Aufl. (49 S. mit 
III S. Text) 34,5x27,5 cm. Leipzig, E. A. 
Seemann ’07. Kart. 2.— ; geb. in Leinw. 2.70. 
— Vorschule der Kunstgeschichte. Textbuch zu 
dem kunstgeschichtl. Bilderbuch. 6. verm. Aufl. 
(VI, 140 S.) 8°. Leipzig, E. Ä. Seemann *07. 
Kart. 1.20. 


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Bibliographie 


123 


Möller, Dr.Alfr. Die bedeutendsten Kunstwerke, 
m. besond. Rücksicht auf A. Zeehes Lehrbuch 
der Geschichte zusammengestellt u. bildweise 
erläutert. 11. (Schluß-) TI.: Mittelalter u. Neu¬ 
zeit. (144 S.) Lex. 8°. Laibach, I. v. Klein¬ 
mayr & F. Bamberg ’07. Geb. in Leinw. 5.—. 
Fierens-Gevaert L’art au XXe. si&de et son 
expression en Belgique. (Belgique artist. et 
litt., 1907, n° 26. 

4b. Kunsttopographie. 

Ban- u. Kunstdenkmäler des Reg.-Bez. Wies¬ 
baden. Hrsg. v. d. Bezirksverband des Reg.- 
Bez. Wiesbaden. Lex. 8°. Frankfurt a. M., 
H. Keller. III. Luthmer, Ferd.: Die Bau- und 
Kunstdenkmäler des Lahngebiets. Oberlahn¬ 
kreis—Kreis Limburg—Unterlahnkreis. Im Auf¬ 
träge des Bezirksverbandes des Reg.-Bez. 
Wiesbaden bearb. (XX, 297 S.) 
Darstellung, beschreibende, der älteren Bau- 

u. Kunstdenkmäler des Königr. Sachs. Unter 
Mitwirkg. des k. sädis. Altertumsvereins hrsg. 

v. d. sädis, Ministerium des Innern. Lex. 8°. 
Dresden (C. C. Meinhold & Söhne). 30. Heft. 
Gurlitt, Cornelius: Zittau (Stadt). (II., 292 S. 
m. Abbildgn. u. 8 Taf.) 07. 10.—. 

AnnaL d. Hist Vereins t d. Niederrhein, 23. 
Das Pfarrarchiv von S. Maria im Kapitol. 

III. Kircheninventare. 

Ludorff, A. Prov.-Baur. Prov.-Konservat. Baur. 
Die Bau- u. Kunstdenkmäler von Westfalen. 
Hrsg, vom Prov.-Verbande der Prov. West¬ 
falen. 31,5x25 cm. Münster. (Paderborn, 
F. Schöningh.) (XXIV.) Kreis Lübbecke. Mit 
geschichtl. Einleitgn. von Reg.-Ässess. a. D., 
Mitgl. d. Heroidsamts, Dr. Frhr. v. der Horst. 
3 Karten, 168 Abbildgn. auf 27 Taf. u. im Text. 
(VII, 82 S.) ’07. nn 2.40; geb. nn 6.40. 
Kunst- u. Altertums-Denkmale im Königr. 
Württemberg. Ergänzungs-Atlas. 23. u. 24. 
Lfg., 57. u. 58. Lfg. des Gesamtwerkes. (10 Taf.) 
37x51,3 cm. Eßlingen, P. Neff ’07. Je 1.60. 
Bau- u. Kunstdenkmäler des Herzogt. Braun¬ 
schweig, im Aufträge des herzoglichen Staats¬ 
ministeriums hrsg. v. Museums-Dir. Prof. Dr. 
P. J. Meier. Lex. 8°. Wolfenbüttel, J. Zwißler. 

IV. Bd. Steinacker, Dr. Karl: Die Bau- u. Kunst¬ 
denkmäler des Kreises Holzminden. Mit 14Taf. 
u. 247 Textabbildgn. (XXII, 430 S.) ’07. 15.-. 

Archiv f. christl. Kunst, 10 u. 11. Beiträge 
zur Kunsttopographie und Künstlergeschichte 
des bayr. Kreises Schwaben. (A. Schröder.) 
Sdiuster, E. Burgen und Schlösser Badens 
5 Lfg. Karlsr., Gutsch. 1.—. 
Kunsttopographie, österreichische. Hrsg, von 
der k.k. Zentral-Kommission f. Kunst- u. histor. 
Denkmale unter der Leitg. ihres Präsidenten, 
Sr. Exz. Jos. Alex. Frhrn. v. Helfert. Red. v. 
Prof. Dr. Max Dvoräk. 32x24,5 cm. Wien, 
A. Schroll & Co. 1. Bd. Tietze, Dr. Hans: Die 
Denkmale des politischen Bez. Krems. Mit e. 


Beiheft: Die Sammlgn. des Schlosses Grafen¬ 
egg. Mit Beiträgen v. DD. Mor. Hoernes u. 
Max Nistler. 1 Karte, 29 Taf., 480 Abbildgn. 
im Text. (XXIV, 609 S.) ’07. Ohne Beiheft 32.—. 
Kunststätten, berühmte, gr. 8°. Leipzig, E. Ä. 
Seemann. Nr. 37. Brinton, Selwyn: Mantua. 
Mit 85 Abbildgn. (VII, 184 S.) ’07. Kart. 4.-. 
Nr. 38. Renard, Edm.: Köln. Mit 188 Abbildgn. 
(VIII, 216 S.) ’07. Kart. 4.-. 

— dasselbe. (Neue Äufl. gr. 8°. Ebd. Nr. 5. 
R£e, Paul Johs.: Nürnberg. 3., verb. u. verm. 
Aufl. Mit 181 Abbildgn. (VIII, 260 S.) ’07. 
Kart. 4.—. 

Burlington art miniatures, No. 6 . Amsterdam 
and The Hague. in case, ls 6d net. Fine 
Ärts Pub. Co. 

Hist-poUt Blätt. I d. kathol. Deutsch!., 1. 

Siena (W. v. Kuppler). 

Hare, A.J.C. Florence. 7thedit. \2mo.6 l ltXV/ A . 

pp. 318, 3s. 6d. G. Allen, Dec. 07. 

Revue de l’art chrdtien, 6 . Inventaires et 
monographies d’eglises. 

Gauthier, R. Monographie de Busloup (Loir- 
et-Cher). Son prieur£; Sa commanderie; Ses 
diäteaux; par l’abb£ R. Gauthier, cur£ de 
Busloup. Blois, impr. Rivi&re. 1907. In-8, 12 p. 

Mdmoires de la Soctetg arch£ologique et histo- 
rique de l’Orteanais. T. 31. Orleans, im- 
primerie Pigelet et fils; libralrie Herluison. 
1907. In-8, 249 p. 


4c. Quellenschriften. 

Vasari, Giorgio: Die Lebensbeschreibungen der 
berühmtesten Architekten, Bildhauer u. Maler. 
Deutsch herausgeg. v. A. Gottschewski u. G. 
Gronau. V. Bd. Die Oberitalien. Maler. Übers, 
v. Geo. Gronau. (X, 452 S.) 8°. Straßburg, 
J. H. E. Heitz ’08. 10.50; geb. bar 12.-. 

Quellenschriften f. Kunstgesch. u. Kunsttechnik 
des Mittelalters u. der Neuzeit. Begr. v. Rud. 
Eitelberger v. Edelberg. Nach dem Tode Dr. 
Alb. Ilgs fortgesetzt v. Dr. Camillo List. Neue 
Folge, gr. 8 U . Wien, K. Graeser & Co. — 
Leipzig, B. G. Teubner. XIV. Bd. Ertinger, 
des Bildhauergesellen Fr. Ferd., Reisebeschrei¬ 
bung durch Österreich u. Deutschland. Nach 
der Handschrift CGM. 3312 der kgl. Hof- u. 
Staatsbibliothek München hrsg. v. E. Tietze- 
Conrad. (XXV, 91 S.) 07. 4.—. 

Archiv. Storico p. la Sidlia Orient. IV, 1. In¬ 
ventar i mininesi ineditidel Quattrocento. [Forts.] 
(F. Gabotto.) 

Oud-Holland, 4. Waardschatting von Schil¬ 
derten in de XVIIe Eeuw. (A. Bredius.) 

Ztschr. d. Vereins f. Volkskunde, 4. Ein 
Innsbrucker Hausinventar aus dem Jahre 1626. 
(A. Sikora.) 

Cechische Revue, 10. Ein Inventar der Kunst¬ 
denkmäler Böhmens. (Z. Wirth.) 


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124 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Miscellanea d. Storia ItaL, 11. Inventario 
dei beni mobili di Bianca die Monferrato. 
(G. Giacosa.) Documenti inediti riguardanti 
la Chiesa di ventimiglia. (G. Rossi.) 

Monuments et M£moires publtes par l’Äca- 
d£mie des inscriptions et belles-lettres sous 
la direction de Georges Perrot et Robert de 
Lasteyrie, membres de l’Institut. Avec le 
concours de Paul Jamot, secrgtaire de la 
rtdaction. T. 13. 2e fascicule. Chartres, impr. 
Durand. Paris, libr. Leroux. In-4, p. 117 ä 256 
avec fig. 1907. Fondation Eugene Piot. 

4d. Lexika. 

Spemann’s, W., Kunstlexikon. Ein Handbuch 
f. Künstler u. Kunstfreunde. (20 Lfgn.) 1. Lfg. 
gr. 8°. Stuttgart. 07. 

Nagler, G. K.: Künstler-Lexikon. 2. Auflage. 
75—78. Lfg. Linz, Zentraldruckerei vormals 
Mareis. Je nn 1.—. 

Forrer, Dr.Rob.: Reallexikon der prähistorischen, 
klassischen und frühchristlichen Altertümer. 
(VIII. 943 S. m. 3000 Abb.) Lex. 8°. Stuttgart, 
W. Spemann (*07). Geb. 28.—. 

Bibliographie, internationale, der Kunstwissen¬ 
schaft. Herausgeg. v. Dr. Otto Fröhlich. 4. Bd. 
Jahr 1905. (IX, 433 S.) gr. 8°. Berlin, B. Behrs 
Verl. ’08. 18.- 

5. Denkmalpflege . 

Ami d. Monum. et d. Arts, 118. La Conser¬ 
vation des monuments. 

Arte e Storia, 19—20. Grandezza e deca- 
denza dell’affresco. (O. Caroselli.) 11 Campa¬ 
nile d. S. Marco risorge. (N. Bertoglio Pisani.) 

Arts, 69. Vandalisme official. Un trösor d’art 
ä sauver. Les gpaves du Mus£e des Monu¬ 
ments Fran^ais. (Ch. Saunier.) 

Builder, Okt. The preservation of our Cathe- 
drals a National Interest. 

Museumskunde, 4. Über die Pflege gewirkter 
Teppiche. (J. Böttiger u. J. Köhler.) 

Trierisches Jahrbuch, 1908. Grundsätze für 
die Restaurierung alter Bauwerke. (M. Stokes.) 

— Gesetzlicher Denkmal- u. Landschaftsschutz 
in Preußen. (Ä. Kneer.) 


Jahrb. d. K. K. Zentralkommission, 2. Stil¬ 
einheit und Stilreinheit in ihren Beziehungen 
zur Denkmalspflege. (J. Neuwirth.) 

Christi. KunstbL, Dez. 07. Die Pflege der 
Kunst durch die Geistlichen. (D. Koch.) 

Tag, 8., für Denkmalpflege. Mannheim 19. u. 
20. IX. 1907. Stenographischer Bericht. Mit 
Unterstützung d. bad. Regierung. (187 S. m. 
Abb. u. 4 Taf.) Lex. 8°. Berlin. (W. Ernst & 
Sohn) ('07). Bar nn 3.—. 

Baugewerksztg., 4. Das Pastoratsgebäude 
in Altengamme u. die Bestrebungen des Vereins 
f. Vierländerkunst u. Heimatkunde. (O.Hahn.) 

Christi. Kunstbl., 10. Die Wiederherstellungs¬ 
arbeiten an St. Lorenz in Nürnberg. (Schmitz 
u. Schulz.) 

Magdeb. Ztg., 17.12. 07. Die Wiederherst. 
d. St. Michaelskirche z. München (O. Doering.) 

Rheinlande, 11. Noch einmal die Wormser 
Dombaufrage. (C. Gurlitt.) — Heimatschutz am 
Bodensee. (N. Jacques.) 

Ztsdir. 1 christl. Kunst, 9. Die Erweiterungs¬ 
bauten der Stadtpfarrkirche zu Leobschütz in 
Oberschlesien u. der Pfarrkirche St. Mauritius 
in Friedrichsberg bei Berlin. (M. Hasack.) 

Deutsche Bauztg., 1. 2. Zur Erhaltung des 
„Schönhofes“ in Görlitz. (K. Loris.) 

Denkmalpflege, 14. Vom Abschlüsse d.'achten 
Denkmaltages in Mannheim, in Wimpfen und 
Zwingenberg. (O. BehrJ — Die Krypta des 
ehemaligen Domes in Goslar. (Klemm.) — 
Schutz und Erhaltung alter Wandmalereien 
im Archidiakonatgebäude in Osdiatz. 

— 15. Instandsetzungsarbeiten in der Pfarr¬ 
kirche in Dielingen in Westfalen. (Kanold.) 
— Geraderichtung der Pallasmauer an der 
Burg i. Andernach d. Wasserdruck. (Hillenkamp.) 

Kunstchronik, 7. Vom Ulmer Münster. (M. Bach.) 

Ztsdir. f. Gesch. d. Architektur, 3. La res- 
tauration du Hohkönigsbourg et les critiques 
de M. Otto Piper. (H. de Geymüller.) 

Habets, Ä. — Restaurations importantes ä 
l’abbaye et au refuge de Herckenrode ä Hasselt. 
(Ancien pays de Looz, 1907, n° 4-5-6.) 

Lucion,H.— La d£vastation despaysages. (B.off. 
du Touring Club de Belgique, 1907, n° 20.) 

ChristL Kunstblatt, 11. Die Restauration von 
Leonardos Abendmahl. 


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DERKUNSIWWLER 


§§§ 


ORGAN FÜR DEN INTERNATIONALEN KUNSTMARKT 
UND DIE INTERESSEN DER SAMMLER. 

BiI 


DIE AUFTEILUNG DER SAMMLUNG 
□ RUDOLF KANN □ 

Die Schdtze der Sammlung Rudolf 
Kann, die Ende vorigen Jahres aufgelöst worden 
ist, wohin sind sie gekommen? Das ist die 
Frage, die heute alle Kunstfreunde bewegt. 
Nadi Amerika ist die Antwort — und leider 
die richtige —, aber Bestimmtes hat bisher nicht 
darüber verlautet. Jetzt gerade beginnt das 
Burlington Magazine eine Serie von Artikeln, 
welche die Bilder bei ihren neuen Besitzern 
jenseits des großen Wassers beschreiben sollen. 
Der erste Aufsatz ist den Kunstwerken ge¬ 
widmet, die Mrs. C.P. Huntington in Newyork, und 
ihr Sohn Archer Huntington erworben hat. Außer 
hervorragenden französischen Möbeln und De¬ 
korationsstücken des 18. Jahrhunderts hat die 
Witwe des bekannten Eisenbahnkönigs Rem- 
brandts berühmten „Philosophen neben der Büste 
Homers* und sein köstliches, leicht hingehauchtes 
Bildnis der „Hendrikje" erworben; dazu die 
beiden besten BUdnisse der Sammlung von 
Frans Hals: den jungen Mann und das Frauen¬ 
portfit, endlich die Madonna von Roger van der 
Weyden. Mr. Archer Hutchinson, der bekannte 
Verehrer und Sammler spanischer Kunst, hat 
sich alle drei spanischen Bilder der Sammlung 
gesichert: das pikante Mfidchenbildnis von 
Velazquez, den Kardinal Quevera von Greco 
und den Toreador Romero von Goya. Die beiden 
Hauptkfiufer waren aber Pierpont Morgan und 
Henry Altman. Ersterer hatte wohl die erste 
Auswahl und hat, gegen Erwarten, nur wenige 
Holländer', aber die schönsten Primitiven ge¬ 
wählt: neben dem Meisterwerke Metsus (la visite 
a l’accouchge) die große Verkündigung von Roger 
van der Weyden, die Ruhe auf der Flucht von 
Gerard David, das Jünglingsportrfit von Memling, 
das berühmte Bildnis der jungen Tornabuoni 
von Dom. Ghirlandajo, ein dem Andrea del 
Castagno zugeschriebenes mönnlidies Portfit, 
wahrscheinlich auch die Apfelschfilerin von 
N. Maes. Mr. Henry Altman, der Besitzer des 
größten Warenhauses in Newyork, hat nicht 
weniger bedeutende Bilder für sich gewfihlt: 
u. a. von Rembrandt den „Pilatus die Hfinde 
waschend“, die „Nfigelschneiderin“ und den 


„Titus“, den großen Hobbema, den „Wasserfall“ 
von Jacob Ruisdael, den Pieter de Hooch, die 
Tfinzerin von Gainsborough. In Europa sind 
nur wenige Bilder geblieben. Die Komtesse de 
Bdara in Paris hat den berühmten Fragonard 
gekauft, und das Berliner Museum veröffentlicht 
soeben eine Liste seiner Erwerbungen: von 
Rembrandt die Samariterin am Brunnen und 
den Cristuskopf, von Jacob Ruisdael die „Wind¬ 
mühlen“, von Ä. van der Neer den „Winter¬ 
abend auf dem Eise“, den „Winter“ von Ph. 
Wouwerman, die toten Vögel neben einer 
Melone von Jan Fyt, die „Familie“ von Gonzales 
Coques, sowie das große Portröt eines jungen 
Deutschen mit langem blonden Haar und Trient 
im Hintergründe, von einem Schüler Bellinis 
um 1500. Das Stfidel-Museum hat das eine 
Rubens-Portrfit von einer Schwester R. Kann’s 
zum Geschenk bekommen; und ein Schwager 
desselben, Martin Bromberg, hat u. a. den köst¬ 
lichen kleinen Jan Steen, den schönsten Sal. von 
Ruysdael, den farbenprächtigen Hummer von 
Fyt, den Greisenkopf Rembrandts von 1645 
erworben. Unter den weniger bedeutenden 
Bildern der Sammlung wird noch eine Anzahl 
in Paris sein oder jetzt an europfiische Liebhaber 
gekommen sein, da dieselben von einigen Pariser 
Hfindlern zum Weiterverkauf übernommen 
worden sind, darunter auch die beiden geistvollen 
kleinen Studienköpfe von Greisen. Auch ist 
bekanntlich das Porträt eines sitzenden Mannes 
von Th. de Keyser als Vermächtnis des ver¬ 
storbenen Besitzers an den Louvre gekommen. 
Alles in allem tritt aber das, was von der 
Sammlung in Europa verblieben ist, wesentlich 
zurück gegen das, was nach Amerika ge¬ 
kommen ist. ** 

8 

EIN WIEDERGEFUNDENER POR¬ 
ZELLANAPOSTEL VON KAENDLER 
Von Richard Graul. 

Als August der Starke den Plan faßte, das 
hollfindische, spöter „japanische“ Palais, das er 
dem Grafen Flemming abgekauft hatte, mit 
seinen Sammlungen ostasiatischen Porzellans 
auszustatten, trat auch gleich die Absicht zutage, 


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126 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 



KAENDLER: Standbild des Apostels Petrus (Rechte Hand ergänzt.) 
Dresden, Königl. Gefäßsammlung 


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Der Kunstsammler 


127 



KAENDLER: Apostelstatue aus Porzellan, Höhe 96 cm 
Leipzig, Städt. Kunstgewerbe-Museum u 


die Meißner Manufaktur zu mannigfachen de¬ 
korativen Arbeiten heranzuziehen. Besondere 
Ansprüche an die junge Manufaktur stellte die 
Dekoration einer Hauskapelle, in der die Kanzel, 
die Orgelpfeifen, der Altar aus weißem Porzellan 
mit Gold ausgestattet werden sollten. 1 ) Außer¬ 
dem sollten in dieser Kapelle die beinahe lebens¬ 
großen porzellanenen Statuen der zwölf Apostel 
auf hohen Sockeln zur Aufstellung kommen. 

Von den Modelleuren der Fabrik kam für 
dieses schwierige Unternehmen nur Johann 
Joachim Kaendler in Betracht, der im Sommer 


1 ) JeanLouisSponsel, Kabinettstücke der Meißner 
Porzellan-Manufaktur von Johann Joachim Kaendler. 
Leipzig 1900, S. 25 ff. und passim. 


1731 angestellt wurde. Er scheint sich gleich 
an die fast lebensgroßen Apostelfiguren ge¬ 
macht zu haben, denn in einem Verzeichnis der 
plastischen Arbeiten vom 13. Dezember 1731 
(Sponsel, S. 52 , 53) werden auf geführt ein in 
Ton modellierter 3 1 /* Ellen hoher Apostel Pau¬ 
lus und ein in Porzellan gebrannter Apostel 
Petrus, der infolge des Brandes auf 2 l / 9 Ellen 
geschwunden war. Von dem letzteren Petrus 
waren drei Exemplare gebrannt worden. Kaend¬ 
ler erwähnt diesen Petrus „mit den beiden 
Schlüsseln und auf romanische Art gekleidet“ 
am 22. Juni 1731 (Sponsel, S. 72), als er zu¬ 
sammenstellte, was er bisher, d. h. bis zu seiner 
definitiven Anstellung in der Meißner Manu¬ 
faktur angefertigt hatte. Diese Petrusfigur, die 


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128 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


in der Dresdener Gefäßsammlung bewahrt wird, 
hat, da sie nicht genug trocken war, im Brand 
stark gelitten: sie ist verzogen, der Sockel ist 
ganz schief, und über und über zeigt die Figur 
Brandrisse. Die Arkanisten der Fabrik hatten 
ihre liebe Not mit diesen großen Arbeiten, die 
meist mißlangen, was aber weder den Eifer 
Kaendlers noch den des Königs abzukühlen ver¬ 
mochte. 

Bisher galt die Dresdener Petrusstatue als 
das einzige erhaltene Stück aus Kaendiers großer 
Apostelfolge. Kürzlich ist nun dem Leipziger 
Kunstgewerbemuseum die Erwerbung einer 
zweiten Figur aus dieser Serie geglückt. Daß 
dieser effektvoll bewegte Barockapostel durch¬ 
aus den Stil Kaendlers zeigt, braucht nicht erst 
bewiesen zu werden: es genügt der Vergleich 
mit anderen bekannten Arbeiten von Kaendler. 
Im Vergleich zu dem Dresdener Petrus er¬ 
scheint der Leipziger Apostel pathetischer 
und großzügiger in der Drapierung. Auch 
dieser Apostel hat im Brande gelitten, wenn 
auch nicht so stark wie der Dresdener Pe¬ 
trus. Die Menge seiner Brandrisse gibt denen 
des Dresdener Petrus wenig nach. Da der 
Leipziger Apostelfigur die Attribute fehlen 
und da aus einer am 18. August 1732 einge¬ 
reichten „Specificatio“ der für das Japanische 
Palais bestimmten Waren hervorgeht, daß noch 
andere Apostel, große und kleinere, im ganzen 
neun, worunter „ein Stück von 3 Ellen und ein 
Stück von 3 1 /« Ellen lang“, gemacht worden 
sind, können wir die Leipziger Statue nicht 
ohne weiteres mit dem in den Akten ausdrück¬ 
lich erwähnten Paulus identifizieren. Immerhin 
bleibt die Möglichkeit bestehen, daß wir in der 
Leipziger Figur den Paulus vor uns haben, denn 
von den anderen, die nur als „roh“ oder „ver¬ 
glüht“ in der „Specificatio“ gezählt werden, 
hören wir nichts wieder, und es ist nicht un¬ 
wahrscheinlich, daß sie im Gutbrande, falls er 
überhaupt ausgeführt wurde, ganz mißglückten. 

Wie dem auch sei, dem Leipziger Kunst¬ 
gewerbemuseum ist durch diese virtuose Arbeit 
ein weiteres Beispiel der plastischen Kunst 
Kaendlers aus seiner ersten Periode zu¬ 
gefallen. Schon früher kaufte es ein paar präch¬ 
tige Barockvasen, die in ihrer Formengebung 
dem dekorativen Stil Poeppelmanns am Zwinger 
nahestehen, die aber ebenfalls für die erste Pe¬ 
riode der Kunst Kaendiers charakteristisch sind, 
die wir bis in die Mitte der dreißiger Jahre an¬ 
setzen. Mit den letzten dreißiger Jahren wird 
der Stil Kaendlers allmählig malerischer, zuweilen 
auch bombastischer, auch nimmt die Teilnahme 
von Mitarbeitern an seinen Werken zu. Die 
bekanntere kleine Folge der zwölf Apostel 


(wie sie im Wiener Hofmuseum bei einander 
stehen), die 1741 fertig wurde und für deren Ge¬ 
staltung italienische Vorbilder nachgewiesen wer¬ 
den können, zeigt schon deutlich die veränderte 
StUweise, die dann in Werken weiter entwickelt 
ist, wie in der Madonna mit dem heiligen Anto¬ 
nius, in der Pietä, in dem Tod des heiligen 
Franziskus, in der Kreuzigung Christi, — stau¬ 
nenswerte Arbeiten, die alle im Dresdener Johan- 
neum zu sehen sind. Auch von dieser Art 
Kaendlerischer Figurenplastik besitzt das Leip¬ 
ziger Kunstgewerbemuseum seit 1906 ein gutes 
Beispiel in der ergreifenden Gestalt des Christus 
am Kreuz, um den Johannes und Maria schmerz¬ 
voll klagen, eine Gruppe, die dem Museum von 
Frau Martina Limburger 1906 zum Geschenk 
gemacht worden ist. 

9 

EIN JUBILÄUMSKÄTÄLOG 

Soeben erschien der dritte Teil des Katalogs 
300, den das Frankfurter Buchantiquariat Joseph 
Baer & Co., Frankfurt a.M., anläßlich seines 
120jährigen Bestehens herausgegeben hat. Der 
reich illustrierte Katalog (5 Tafeln', 66 Text¬ 
abbildungen) entspricht, was Ausstattung und 
Inhalt betrifft, dem bereits vor einiger Zeit er¬ 
schienenen ersten und zweiten Teil desselben 
Bücherverzeichnisses. Er enthält die Beschreibung 
vonDrucken des 16. Jahrhunderts mit Illustrationen 
französischer, italienischer und spanischer Künstler. 
Die einzelnen Werke sind wieder nach kunst¬ 
historischen Gesichtspunkten beschrieben und 
unter die Namen der einzelnen Künstler, die sie 
illustriert haben, geordnet. Im ganzen werden 
89 verschiedene Künstlernamen aufgeführt nebst 
kurzen Notizen über die Lebensdaten und biblio¬ 
graphischen Angaben der über sie erschienenen 
Literatur. Bei der Auswahl der Illustrationen 
sind meist unpublizierte und kulturhistorisch 
besonders interessante Bilder reproduziert 
worden. 

Den Anfang machen die französischen Bücher. 
Darunter befinden sich einige sehr seltene 
Ritterromane wie: Lorris, le romant de la 
rose, (Nr. 1544), Meliadus, das Buch des Königs 
Meliadus (Nr. 1550), die Lyoner Ausgabe der 
4 Haimons-Kinder (Nr. 1572), die erste Ausgabe 
von Amadis de Gaule (Nr. 1593—94) und das 
Buch Ysaie le triste (Nr. 1605). Außerdem ist 
erwähnenswert ein sehr hübsches Buch mit Illu¬ 
strationen von Leonard Gaultier und Jean Gour- 
mont, das Werk von Ramelli über alle möglichen 
künstlichen Maschinen, welches in Paris 1588 
erschien (Nr. 1517). Der Katalog bringt eine 
ganzseitige Abbildung eines Kupferstiches aus 


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Der Kunstsammler 


129 


Gravüre sur bois (mani&re de Jean Bourdidion) des no. 1469 et 1547 
Katalog 500 III. Teil des Antiquariates von Joseph Baer & Co. 


diesem Werke. Ferner enthält diese Abteilung 
zahlreiche Livres d’heures, Bücher mit Illustra¬ 
tionen von Mercure Jollat, Jean Moni, Bernard 
Salomon und vor allem von Geoffroy Tory, dem 
Hauptmeister der französischen Renaissance. 
Wir bilden hier einen prächtigen Holzschnitt ab, 
die Madonna mit einem Stifter, der sich in 
einer im Jahre 1522 in Lyon erschienenen Bibel 
(Nr. 1469) befindet und deshalb bemerkenswert 
ist, weil er an die Art des berühmten Miniatur¬ 
malers Jean Bourdidion erinnert. 

Die Meister der italienischen Holzschnitt¬ 
bücher sind selten mit Namen bekannt. Meistens 
haben sie sich nur durch Initialen bezeichnet, 
oder sie werden, wie der Meister des Poliphilo, 
nach ihrem Hauptwerke genannt. Von allen 
diesen Monogrammisten verzeichnet dieser Ka¬ 


talog zahlreiche Werke. Aber auch von be¬ 
kannten Künstlern sind einige der Bücher illu¬ 
striert. Von Zoan Andrea wird ein kleines 
Offizium aus dem* Jahre 1518 angeführt (Nr. 1612). 
Der Arzt Berengarius hat ein medizinisches Buch 
mit anatomischen Darstellungen ausgeschmückt 
(Nr. 1627), Hugo Da Carpi verfertigte einen 
Holzschnitt zu dem Kochbuche des Michele 
Savonarola (Nr. 1642), (Nr. 1641) Giovani Caroto 
illustrierte Saraynqs Beschreibung von Verona, 
zwei Bücher mit Illustrationen von Agostino 
Carracci (Nr. 1643—44) werden angeführt. Gio¬ 
vanni Battista Dossi, der Bruder des berühm¬ 
ten Malers Dosso-Dossi, illustrierte mehrere 
Ariost-Ausgaben (Nr. 1671—74). Einer der be¬ 
deutendsten venezianischen Holzschnittkünstler 
war Lucantino degli Uberti, von dem der 

9 


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130 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Gravüre sur bois du no. 1815. 

Katalog 500 111. Teil des Antiquariates von Joseph Baer & Co. 


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Der Kunstsammler 


131 


Katalog mehrere Bücher anführt (Nr. 1849—62), 
darunter eine Ausgabe von Gafurius Pratica 
musica (Nr. 1854) mit einer prächtigen blattgroßen 
Holzschnittabbildung (S. 499). Die beiden vene¬ 
zianischen Verleger Gabriele Giolito de Ferrari 
(Nr. 1711—15) und Francesco Marcolini (Nr. 
1749—55a), illustrierten teilweise selbst die 
bei ihnen verlegten Bücher. Von letzterem 
enthält eine Ausgabe von Aretins, Sette salmi 
(Nr. 1750), ein sehr interessantes Holzschnitt¬ 
porträt von Aretin nach Tizian, das für die 
Geschichte des berühmten Chigi-Porträts Are¬ 
tins, das kürzlich nach Amerika verkauft 
wurde, von größerer Bedeutung ist. Der Spät¬ 
zeit des 16. Jahrhunderts gehören die beiden 
Salviati (Nr. 1822 und 1752—53) an, ferner An¬ 
tonio Tempesta (Nr. 1837—39), Girolamo Porro 
(Nr. 1803—06), Giovanni Battista Franco (Nr. 
1696—99) und Domenico Zenoi (Nr. 1872—73). 

Audi deutsche Künstler wurden oft zur 
Illustrierung italienischer Bücher zugezogen. Das 
zeigt ein in Venedig 1516 erschienenes Brevier 
(Nr. 1635), dessen Titel-Holzschnitt offenbar von 
dem Augsburger Leonhard Bede gefertigt ist. 
Die berühmten Kostümbilder zu Veccellio’s 
Habiti antichi et moderni (Nr. 1724—26) zeichnete 
der Nürnberger Christoph Krieger, der sich in 
Venedig Christoforo Guerra genannt hat. Einen 
besonders interessanten Holzschnitt bilden wir 
ab. Er gehört einer in Siena um 1560 gedruckten 
Representatione di Santa-Cecilia (Nr. 1815) an, 
ist jedoch augenscheinlich von einem Holzstodc 
abgedruckt, der bedeutend älter ist, ja der zu 
den ältesten Produkten italienischer Holzschneide¬ 
kunst gehören dürfte, die sich erhalten haben. 
Die sehr lebendige Darstellung des Kindermordes, 
scheint von der Kunst des Squarcione beein¬ 
flußt zu sein. 

Von niederländischen Drucken erwähnen 
wir die kunsthistorisch sehr interessante Be¬ 
schreibung der Niederlande von Lod. Guicciar- 
dini (Nr. 1888), deren Kupferstichtafeln von 
Crispin van den Broeck gestochen sind. Für 
den berühmten Äntwerpener Verleger Christoph 
Plantin arbeiteten zahlreiche Künstler, unter 
denen Peter van Borcht (Nr. 1885—87), Jean 
Croissant (Nr. 1894—95), Joseph Gietleughen 
(Nr. 1901—02), Assuerus van Londerseel 
(Nr. 1920—20a), Anton Silvius (Nr. 1930-33) 
und Hieronymus Wierx (Nr. 1885) zu erwähnen 
sind. Außerdem sind Werke des Goldschmiedes 
Jean Collaert (Nr. 1891—93), des Architekten 
Jacob Floris (Nr. 18%) und der Äsopus des in 
Brügge lebenden Marcus Gheeraerts (Nr. 1899) 
zu erwähnen. Die hell-dunkeln Holzschnitte 
(Nr. 1903—04) von Hubert Goltz und zahl¬ 
reiche Kupferstiche von Lucas van Leyden 


(Nr. 1907—19) sind ebenfalls in dem Kataloge 
angeführt. 

Den Beschluß machen einige spanische 
Bücher, unter denen besonders die sehr seltenen 
Americana von Lopez de Gomara (Nr. 1948), 
Oviedo Y Valdes (Nr, 1952—53), Francisco de 
Xerez (Nr. 1955) hervorzuheben sind. 

Dann folgen noch umfangreiche Künstler¬ 
register, Druckortverzeichnis und ein alphabe¬ 
tisches Register. Ferner liegen dem Kataloge 
ein Gesamttitel für alle 3 Teile, ein Literatur¬ 
verzeichnis und ein Sachregister bei. Letzteres 
ist ein Beweis, wie verschiedenartig der Inhalt 
der in dem Kataloge verzeichneten Werke ist. 
Da finden sich Bücher über Astrologie, Chi¬ 
romantie, Jagd, Kochbücher, Kräuterbücher, Musik, 
Mystik, Mnemotechnik, Reitkunst, Wappen, Em- 
blemenbüdier u. v. a. An Reichhaltigkeit des 
Inhaltes und Sorgfalt der Ausarbeitung dürfte 
wohl das besprochene die meisten in den 
letzten Jahren erschienenen Bücherverzeichnisse 
übertreffen. * 

8 

MARC ROSENBERG ÜBER GOBELINS 

Bei der Eröffnung der Gobelin-Ausstellung 
in Karlsruhe vom 28. Mai 1907 hielt Rosenberg 
einen bemerkenswerten Vortrag über Gobelins: 
Die frühesten Wirkarbeiten in Gobelintechnik 
sind in koptischen Gräbern gefunden ; nach einer 
langen Zeit, im 12. Jahrhundert, folgt der Halber¬ 
städter Teppich; eine regelmäßige Entwicklung 
setzt erst im 15. Jahrhundert ein: burgundisch- 
niederländische Kunst; dann Raffaels Teppiche 
(„Ärrazzi“); einen dritten Höhepunkt bedeutet 
die Pariser Manufaktur Ludwigs XIV. Hieran 
schloß sich eine Einführung in die Technik der 
Gobelin Wirkerei. Gut und anregend geschrieben, 
kann der Aufsatz vortrefflich als Einführung in 
die Kenntnis der Gobelins dienen. S. 

8 

DER KUNSTMARKT 

Der deutsche Kunstmarkt hat in den ver¬ 
gangenen Wochen nur wenige Ereignisse ge¬ 
sehen, die für den Sammler von stärkerem 
Interesse wären. Der Januar ist eine tote Zeit 
für den Kunsthandel, der alle seine Kräfte auf 
die großen Schlager in den Frühjahrsmonaten 
konzentriert, an denen es auch heuer nicht 
fehlen soll. Bei Keller & Reiner in Berlin 
kam am 21. und 22. Januar die Galerie Fritz 
Gerstel unter den Hammer, die an die 200 Bil¬ 
der älterer und neuerer Meister in sich vereinigte, 
nur wenig darunter, was die Durchschnitts- 


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132 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


qualität überragte. Die besten Stücke gehörten 
der älteren Kunst an und einige davon erzielten 
bemerkenswerte Resultate, die hier mitgeteilt 
seien: Nr. 9, Simon Kick, Soldaten beim Spiel, 
730 M.; Nr. 12, Schule des van Dyck, Ma¬ 
donna, 950 M.; Nr. 27, B. van der Heist, 
Herrenbildnis, 1515M.; Nr. 28, Derselbe, Damen¬ 
bildnis, 1370 M.; Nr. 29, Francois Boucher, 
Le Torrent, 1500 M.; Nr. 40, Hyacinthe Ri¬ 
ga ud, Bildnis eines Malers, 1480 M.; Nr. 42, 
Gainsborough,Damenbildnis, 1900M.; Nr.43, 
Meindert Hobbema, Landschaft mit Wasser¬ 
mühle, 2620 M.; Nr. 46, N. Maes, Damen¬ 
bildnis, 1560 M.; Nr. 48, Jan Steen, Wacht¬ 
feuer, 4100 M.; Nr. 49, David Teniers d. J., 
Die Wachtstube, 1380 M.; Nr.55 u. 56, Cana- 
letto, Ansichten von Venedig, 6820 M.; Nr. 60, 
Godfrey Kneller, Kinderbildnis, 1490 M.; 
Nr.61,JohnHoppner, Mädchenbildnis, 1530 M.; 
Nr. 68, Meindert Hobbema, Wassermühle, 
2010 M.; Nr.70, J. van Ruisdael, Landschaft, 
1260 M.; Nr. 114. Charles Hoquet, Markt¬ 
platz, 645 M. 

Am 11. Februar versteigerte Rudolf Lepke 
eine Sammlung von Gemälden alter Meister 
sowie eine Anzahl Bilder des 19. Jahrhunderts, 
unter denen folgende Ergebnisse notiert seien: 
Nr. 53, Nicolas Berchem, ltal. Landschaft, 
530 M.; Nr. 58, Cornelis Dusart, 300 M.; 
Nr. 70, N. Lancret zugeschr., Interieur, 570 M.; 
Nr. 75, Ch. Leichert, Holländ. Kanal, 300 M.; 
Nr. 77, N. Largilli£re, Damenbildnis, 320 M.; 
Nr. 80, J. van Loo, König Friedrich V. von 
Dänemark, 435 M.; Nr. 82, Claude Lorrain, 
Abendlandschaft, 660 M.; Nr. 90, Joh. Bapt. 
Francken, Jakob und Esau, 550 M.; Nr. 93, 
Art des G. Dou, Einsiedler, 610M.; Nr.99 und 
100, Äug. Knip, Bauernhof, 490 M.; Nr. 113, 
W. van de Velde, Marine, 113 M.; Nr. 116, 
J. v. Goyen, Dorflandschaft, 640 M.; Nr. 131 
und 132, C. J. Morel, Landschaft und Fischer¬ 
haus, 820 M.; Nr. 139, Änt. Coypel, Mme. 
Pompadour, 610 M.; Nr. 141,. Ä. Querfurth, 
Früchte, 410 M.; Nr. 150, Art des Jan v. Goyen, 
Flußlandschaft, 420 M. 

Eine sehr interessante Auktion veranstaltete 
dieselbe Firma vom 18. bis 20. Februar, näm¬ 
lich Miniaturen aus dem Nachlaß der Frau 
Gräfin Clotilde Lottum, sowie alte kunst¬ 
gewerbliche Arbeiten aus dem gleichen Besitz, 
insgesamt 506 Nummern. Die Miniaturensamm¬ 
lung der Gräfin Lottum war in Sammlerkreisen 
längst bekannt und zweifellos eine der besten, 
die es in Deutschland gab, dessen Sammeleifer 
der Miniatur nicht mit dem gleichen Interesse 
gegenübersteht wie andere Länder, die innigere 
kulturgeschichtliche Beziehungen zur Elfenbein¬ 


malerei unterhalten. Der Reiz der Miniaturen 
liegt einmal in den damit verknüpften histori¬ 
schen Reminiszenzen. Weniger das Kunstwerk 
an sich als das Sujet und das Porträt fesseln 
das Interesse und man hat schon häufig genug 
konstatieren können, wie gerade hier die Preise 
nicht das Ergebnis künstlerischer Qualität, son¬ 
dern in erster Linie des Sujets waren. Die 
Miniaturensammlung der Gräfin Lottum stellt 
eine Ahnengallerie von erlesenem Werte dar, 
die zum Teil in engem Zusammenhang mit der 
preußischen Geschichte steht. Über die Er¬ 
gebnisse dieser Auktion, zu der ein reich illu¬ 
strierter Katalog erschienen ist, werden wir in 
der nächsten Nummer dieser Zeitschrift be¬ 
richten. 

8 

Unter den bevorstehenden Ereignissen des 
Berliner Kunstmarktes muß eine Versteigerung 
besonders herrorgehoben werden, die Amsler 
& Ruthardt in den Räumen ihres Kunstanti¬ 
quariates am 23. und 24. März veranstalten 
und auf deren Resultate man sehr gespannt 
sein darf, zumal sich unter dieser Sammlung 
von Originalradierungen und Hand¬ 
zeichnungen erster deutscher und aus¬ 
ländischer Künstler das vollständige ra¬ 
dierte Werk von Max Klinger befindet. Und 
zwar durchweg Blätter in allerersten Ausgaben 
und Probedrucken, über deren Wert bei keinem 
Kupferstichsammler heute ein Zweifel mehr 
sein kann. Erinnern wir doch beispielsweise 
an das im Dezember an gleicher Stelle ver¬ 
steigerte frühe und seltene Blatt Klingerscher 
Griffelkunst, das vom Leipziger Museum um den 
Preis von 4500 M. erstanden wurde, ein Blatt, 
das ob seiner künstlerischen Qualität allein nie 
diese Summe rechtfertigen würde. Unter diesen 
Klingerschen Originalradierungen, die bei Ams¬ 
ler & Ruthardt unter den Hammer kommen, 
erwähnen wir Opus I: Radierte Skizzen. Eine 
vollständige Folge dieser Jugendarbeiten in 
ersten Abdrücken von den unverstählten Ori¬ 
ginalplatten, sogen. Brüssler Ausgabe, von der 
nur 10 Exemplare hergestellt wurden. Opus II: 
Rettungen ovidischer Opfer, ebenfalls vollstän¬ 
diges Exemplar der Brüssler Ausgabe. Opus III: 
Eva und die Zukunft. Exemplar Nr. 8 der 
ersten Ausgabe vor der Widmung mit den zwei 
verschiedenen Auffassungen für Blatt V. Opus IV: 
Intermezzi. Frühe Abdrücke auf Chinapapier, 
sehr selten. Opus V: Amor und Psyche. 
Opus VI: Ein Handschuh. Handexemplar des 
Künstlers. Opus VII: Landschaften. Opus VIII: 
Ein Leben. Ebenfalls Handexemplar des Künst¬ 
lers der ersten Ausgabe von den unverstählten 


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Der Kunstsammler 


133 


Platten. Opus IX: Dramen. Opus X: Eine 
Liebe. Alles früheste Ausgaben, denen sich 
Opus XI: Vom Tode, Opus XII: Die Brahms- 
Phantasie und Opus XIII: Vom Tode II. an¬ 
schließen. Dazu kommen noch zu jedem Opus 
eine Reihe kostbarer Einzelbauer aus diesen 
Werken, meist erste Probedrucke, über deren 
Wert nicht gesprochen zu werden braucht, 
ferner eine reiche Anzahl von Exlibris und an¬ 
deren Einzelbauern, prächtige Federzeichnungen 
und Studien zu des Meisters Bildern, Skulp¬ 
turen und Radierungen. So darf man wohl 
ohne Obertreibung behaupten, daß auf 
absehbare Zeit hinaus eine zweite Klinger- 
sammlung in solcher Reichhaltigkeit und Quali¬ 
tät nicht wieder auf den Markt kommen dürfte. 
Aber auch sonst wird die Versteigerung bei 
Amsler & Ruthardt erhebliches Interesse er¬ 
wecken, bringt sie doch neben Klinger noch 
eine Reihe unserer ersten Graphiker mit kost¬ 
baren Frühdrucken ihrer Werke zu Worte, 
darunter Arbeiten von Fautin- Latour, Ernst 
Moritz Geyger, Otto Greiner (darunter eine 
Originalstudie zum „Inferno“), Seymour Haden, 
Paul Helleu, Herkomer, Jacquemart, Legros, 
Liebermann, Millet, Stauffer-Bern, Whistler u. a., 
kurz, eine Auslese moderner Graphik in ihren 
glänzendsten Vertretern. Der reich illustrierte 
Katalog kostet 1 M. 

8 

Auf dem Mündiener Kunstmarkt sind in 
den letzten Wochen ebenfalls keine Ereignisse 
von weittragender Bedeutung zu verzeichnen 
gewesen, aber die kommenden Wochen werden 
auch hier eine lebendigere Tätigkeit erleben. 
Die neue Saison hat bereits begonnen. Hugo 
Helbing hat für die kommenden Monate bereits 
drei große Versteigerungen angekündigt, von 
denen die erste am 18. und 19. Februar 
stattgefunden hat. Es handelte sich am ersten 
Versteigerungstage um eine Sammlung von 
Kupferstichen, Radierungen, Holzschnitten und 
Lithographien, sowie Farbstichen des 15. bis 
18. Jahrhunderts und einigen Handzeichnungen 
alter Meister, am zweiten Tage um Original¬ 
radierungen, Holzschnitten usw. hervorragender 
moderner Meister, unter denen sich Arbeiten 
von Corot, Greiner, Klinger, Liebermann, 
Stauffer-Bern u. a. befanden. Über die Resul¬ 
tate dieser beiden Auktionen werden wir noch 
kurz berichten. 

Eine wichtige Auktion zeitgenössischer 
Malerei, auf die heute schon aufmerksam ge¬ 
macht sei, wird Hugo Helbing am 7. April ver¬ 
anstalten, bei welcher Gelegenheit die Samm¬ 
lung F. Kalister (Triest) unter den Hammer 


kommen soll, in der sich nicht nur Perlen deut¬ 
scher Malerei (Achenbach, Lenbach. Fr.Ä. v.Kaul- 
bach), sondern auch ausgezeichnete Werke der 
italienischen (Favretto usw.), spanischen (Beul- 
liure) und holländischen Malerei (Mesdag, Ver- 
boekhoven u. a.) befinden. 

Für Anfang Mai hat dieselbe Firma eine 
Versteigerung kunstgewerblichen Charakters, 
der Sammlung Leinhaas-München, in Aus¬ 
sicht gestellt, über die noch zu sprechen sein 
wird. 

8 

In Köln hat die Firma /. Af. Heberle 
(H. Lempertz' Söhne), die seit langem einen 
wohlbegründeten Ruf hat, ebenfalls ihre Tätig¬ 
keit mit einigen Versteigerungen wieder auf¬ 
genommen. Am 17. und 18. Februar kamen 
eine Reihe von Gemälden alter und neuzeitiger 
Meister, sowie Kupferstiche und Aquarelle 
unter den Hammer, am 24. Februar und fol¬ 
gende Tage gelangt wiederum ein Teil der 
wohlbekannten Sammlung Heinr. Lempertz sen., 
in der Hauptsache Zeichnungen von Osterwald, 
Ramboux u. a., ferner Karikaturen, Porträts 
zum Ausruf. Anschließend daran wird die 
III. Abteilung der Kupferstichsammlung des ver¬ 
storbenen Geh. Sanitätsrats Dr. C. v. Guerard 
unter den Hammer kommen, die manches Be¬ 
merkenswerte enthält und eine Reihe guter und 
seltener Stiche in sich vereinigt. 

Für den 27. April hat die genannte Firma 
die Auktion der bekannten China-Samm¬ 
lung N. J. Chlodowski, Odessa, angekün¬ 
digt, über die noch näher zu berichten sein 
wird. 

8 

Eine hochinteressante Versteigerung, die sich 
an die verschiedensten Sammlerinteressen wen¬ 
det, findet in Wien am 16. März und folgende 
Tage durch die Firma Gilhofer & Ranschbarg 
statt. Es kommen bei der Gelegenheit drei 
Sammlungen von ausgeprägtem Charakter unter 
den Hammer, die des Hofrat Petzold, des Herrn 
Z. v. Lachnit und des Prinzen C. . . . Der 
Katalog verzeichnet in seinem ersten Teil Hand¬ 
zeichnungen und Aquarelle des 15. bis 19. Jahr¬ 
hunderts, darunter Arbeiten der Wiener Rud. 
v. Alt, Fr. v. Amerling, Jos. Anton Bauer, Jos. 
Binder, Franz Dobyasdiofsky, J. M. Doffinger, 
Franz Eybl, Peter Fendi, Jos. v. Führich, Heinr. 
Füger und andere Namen von gutem Klang 
und hervorragender Bedeutung im Rahmen der 
österreichischen Kunstgeschichte. Unter den 
Handzeichnungen alter Meister sind Werke von 
Andrea del Sarto, Fra Bartolommeo, Cara- 


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Monatshefte für Kunst Wissenschaft 



DELLÄ CROCE. MARIÄ ANNA MOZART 


vaggio, Jan Steen, Teniers, Hans Bol u. a. ver¬ 
zeichnet. Die Abteilung der Aquarelle und 
Miniaturen mit Arbeiten von Doffinger, Eybl, 
Füger, Führich, Ranftl usw. hat in der Haupt¬ 
sache ebenfalls österreichischen Charakter. Be¬ 
sonderes Interesse beansprucht ferner die Ab¬ 
teilung der Porträts. Als Piece de räsistance 
darunter das Porträt von Maria Anna Mo¬ 
zart, Schwester des Komponisten, von der 
Hand della Croces. Mozart selbst hat dieses 
Bild wahrscheinlich in einem Briefe an seinen 
Vater vom November 1780 erwähnt. Abgesehen 
von dem rein historischen Interesse, das sich 
einer solchen Arbeit von selbst zuwendet, ver¬ 
dient dieses Bild (wir geben es als Probe in 
einer stark verkleinerten Reproduktion wieder) 
seiner hervorragenden künstlerischen Qualität 
nach alles Lob. Auch einige Werke alter 
Kunst aus der böhmischen Schule, ferner ein 
dem Ambrosius Francken d. A. zugeschriebenes 
Bildnis verdienen Erwähnung. Starken Zu¬ 
spruch dürfte auch die Abteilung der französi¬ 
schen und englischen Kupferstiche des 18. Jahr¬ 
hunderts, darunter Arbeiten von Äubry und 
Bartolozzi usw. finden, die heute sehr hoch im 
Preise stehen. Den Beschluß der Versteigerung 
macht eine Sammlung früher Lithographien von 
Schwind, Kriehuber u. a., sowie eine Anzahl 
historischer Blätter, Militaria, Viennensia usw., 
sowie ein Anhang „alte Meister“, in dem wir 
die Namen Rembrandt, Dürer, Schongauer u. a. 
verzeichnet finden. Alles in allem eine reich¬ 
haltige und qualitativ hochstehende Kollektion, 


die auch außerhalb Österreichs die Liebhaber 
und Sammler interessieren wird. -n. 

9 

PARIS — 

Januar ist von jeher eine schlechte Zeit für 
den Markt gewesen. Alle Welt ist mit gesell¬ 
schaftlichen Verpflichtungen überhäuft und der 
Monat, in dem die Bilanz des Jahres gezogen 
wird, ist einer der ungünstigsten für den Kunst¬ 
handel. In diesem Jahre ist die Geschäftsunlust 
besonders groß, da die amerikanische Krise sich 
überall fühlbar macht. So haben denn im ver¬ 
flossenen Monat im Hotel Drouot kaum nennens¬ 
werte Verkäufe stattgefunden. Während im 
vorhergehenden Monate die Vente Robaut ein 
Ereignis ersten Ranges gewesen war, bei dem 
der Louvre seine Schätze um Corot’s entzücken¬ 
den Stadtturm von Douai bereicherte (46000 fs.) 
so lassen sich aus dem Januar nur erwähnen: 
Gemäldeverkäufe: moderne Bilder am 11. Ja¬ 
nuar: Georges d’Espagnat fünf große Deko¬ 
rationsmalereien 4150 fs. (Boussod & Valadon), 
am 20. Januar: Boudin, Hafen von le Hävre 
(54:74) 2700 fs., am 24. Januar: Thaulow, 
Dorfstraße (55:65) 1600 fs., am 30/31. Januar: 
Salvator Rosa, Almosen Verteilung im Kloster 
(23:32) 1980fs. Rokkokodekorationen (14Stück) 
5000fs. Jacopo da Ponte, Lautenspieler 650fs. 
(Dies Bild hatte auf der vente Sedelmeyer 1100 fs. 
erzielt.) An andern Verkäufen wären zu er¬ 
wähnen: Bücher: Sammlung des Grafen L£on 
Werl£. No. 78 Brillat Savarin, Physiologie du 
goüt mit Radierungen von Lalauze 2000 fs. (am 
Tage der Vente gestohlen). No. 101 Comte de 
Ch£vign£, contesRemois, ill. von Meissonnier 
1015 fs. No. 140 eine Kollektion von 3433 graphi¬ 
schen Werken Daumiers in 32 Bänden 2150fs. 
No. 156 Diderot. Jacques le fataliste mit 
Aquarellen von Leloir 4210 fs. No. 159 J^rome 
Doucet: la chanson des mois mit Aqu. von 
Leloir 3870fs. am 13/14. Januar: Salongarnitur 
Louis XVI. Tapisserie Äubusson (1 Canape, 
8 Fauteuils): 20100 fs. Drei Wandteppiche 
18. Jhrhdt. Nymphengruppen 62000 fs. Andere 
Tapisserien 17. u. 18. Jhrhdt.: je 3550, 4300, 
5010 fs. Tapisserie d. Renaissance 10 250 fs., am 
20. Januar: persische Fayencen, wobei eine Platte 
aus dem 14. Jhrhdt. mit dem Basrelif einer 
Moschee 960 fs. erzielte. — Herr Henri Baudonin 
ist zum Nachfolger des bekannten, vor einigen 
Monaten verstorbenen Kommissars Paul Che- 
vallier ernannt worden. R. Ä. M. 

9 


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Der Kunstsammler 


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VERMISCHTES 

Rom, 11. Febr. Die italienische Regierung 
scheint jetzt mit größerer Energie darauf aus¬ 
zugehen, durch Ankauf Kunstschätze vor dem 
Auswandern zu bewahren, statt wie bisher einzig 
und allein auf das gesetzliche aber immer um¬ 
gangene Ausfuhrverbot zu vertrauen. Eine 
Zeitungsnotiz bereitet auf einen neuen derartigen 
Ankauf vor, der wahrscheinlich sehr bedeutende 
Mittel beanspruchen wird: Ein römisches fürst¬ 
liches Haus, welches einen der besten päpstlichen 
Adelsnamen aus dem 17. Jahrhundert trägt, be¬ 
mühe sich seit Jahren um den Verkauf ihres 
alten Kunstbesitzes. Das berühmte Archiv wurde 
mit seinen 10000 Manuskripten für die Vatika¬ 
nische Bibliothek durch Leo XIII. erworben. Von 
der Sammlung antiker Bronzen und Elfenbein¬ 
schnitzereien habe man bisher geglaubt, daß sie 
bereits in das Ausland gewandert sei. (Dieser 
irrigen Meinung war allerdings einzig und allein 
nur die italienische Regierung.) Nun habe man 
aber festgestellt, daß sie sich noch in Italien, 
und zwar bei einem Kunsthändler in Florenz 
befinde. Daraufhin sei eine Kommission von 
Archäologen eingesetzt worden, um die Samm¬ 
lung zu prüfen und darüber zu berichten. — Für den 
Eingeweihten kann es keinen Zweifel geben, 
daß es sich um die Äntiken-Sammlung 
Barberini handelt, auf welche die italienische 
Kunstverwaltung ihre Hand legen will, nachdem 
sie bisher gegen deren Export scheinbar nichts 
einzuwenden gehabt hat. Es ist sehr bedauer¬ 
lich, daß von keiner deutschen Museumsverwal¬ 
tung soviel rasche Entschlossenheit gezeigt 
worden ist, um sich jene Sammlung, die aus¬ 
gezeichnete antike Kunstgewerbeerzeugnisse, 
darunter ein bedeutendes großes Bronzestück, 
enthält, zu sichern, solange dazu die Möglich¬ 
keit geboten war. Aus der Sammlung Barberini 
stammt übrigens auch die kleine miniaturartig 


gemalte Verkündigung Botticellis (nach der An¬ 
sicht einiger Kenner ist sie allerdings nur ein 
Schulwerk), die sich heute im Besitz des 
Berliner Sammlers Huldschinskg befindet. X. 

Rom, 15. Febr. Wie die „Tribuna“ heute 
mitteilt, erwirbt der italienische Staat aus vor¬ 
handenen Fonds die Antiken-Sammlung des 
Hauses Barberini von dem Kunsthändler Prof. 
Volpi in Florenz, bei dem sie sich gegenwärtig 
befindet. * 

8 

München. In der Bilderfälscherangelegenheit haben 
die polizeilichen Erhebungen eraeben, daß sich die „Haupt¬ 
fabriken" in München und in Paris befinden, und daß in 
einer ganzen Reihe von anderen Kunststädten Filialen 
errichtet worden waren. Das Fälscherkonsortium ließ, 
wie uns aus München gemeldet wird, nicht nur Fälschungen 
toter Meister anfertigen, um sie als Originale in den 
Handel zu bringen — die Gesellschaft hatte auch die Kühn¬ 
heit, Originale noch lebender kursfflhlger Künstler geradezu 
fabrikmäßig herzustellen. Da sich die Absatzgebiete der 
eigenartigen Kunstreproduktionsgesellschaft nahezu über 
alle Kulturstaaten verteilen, gestaltet sich die Unter¬ 
suchung außerordentlich schwierig, doch besteht Aussicht, 
daß es gelingt, das ganze Konsortium zu fassen. 

In München ließen die Händler oft für einige Mark 
Kopien nach Lenbach, Defregger, Grützner, Schleich, 
Schwind, Spitz weg usw. anfertigen. Jede Kopie ging 
dann nach Paris, wo sie signiert wurde, und tauchte spater 
in einer Kunsthandlung als „Original" auf. für die die be¬ 
trogenen Liebhaber schweres Geld zahlten. So steht 
unter anderem fest, daß für einen „echten Spitzweg" der 
für zehn Mark gemalt worden war. 3000 Mark verlangt 
und bezahlt worden sind. In einer Kunsthandlung in 
Breslau wurde ein falscher Schwind: „Amor und Psyche“ 
von der dortigen Polizei beschlagnahmt. -Um die Fäl¬ 
schungen als solche zu erkennen, wurde der Justizbehörde 
eine aus Malern, Bildhauern und Kunsthistorikern'ge¬ 
bildete Kommission beigegeben, der unter anderen Pro¬ 
fessor Franz v. Stuck angehört. Unter den verhafteten 
Fälschern befinden sich auch die Münchener Kunsthändler 
Politzer und Windhagen, von denen besonders der letztere 
in falschen Terrakotten Geschäfte machte. Der Prozeß 
dürfte sich zu einem der sensationellsten gestalten, der 
seit langem die Gerichte beschäftigt hat. (Berl. Tagebl.) 

Paris. Der bekannte Kunstsammler Groult in Paris 
ist 60 Jahre alt gestorben. Seine Galerie, hauptsächlich 
mit Werken von Watteau, Fragonard, Gainsborough, 
Turner usw. wird auf 25 Millionen Franken geschätzt. 

Berlin. Die Sammlung Gaston v. Mallmann ist mit 
ihrem Besitzer aus Böhmen hierher (Anhaltstr. 17) über¬ 
gesiedelt und Kunstfreunden zugänglich gemacht. Sie 
enthält namentlich gute vlämische Gemälde. 



Für die Redaktion verantwortlich: Der Herausgeber Dr. Georg Biermann, Leipzig. Zweigredaktionen: Berlin. 
Dr. Paul Ferdinand Schmidt (zugleich Redakteur der Bibliographie). München. Dr. Hermann Uhde-Bernay s. 
Wien. Dr. Wilhelm Suida. Paris. Dr. Rudolf Adelbert Meyer. London. Frank E. Washburn Freund 

in Harrowan Hill bei London. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 





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Monatshefte für Kunstwissenschaft. 


137 


NEUE KATALOGE: 

J. Sdieible, Stuttgart, Hauptstätterstraße 79. 
Katalog für Bibliophilen, Nr.353—365. (Selten¬ 
heiten, Kupferstich- und Holzschnittwerke, 
Kulturgeschichte.) 

Max Ziegert, Frankfurt a. M., Hochstraße 3. 
Katalog 7 u. 8: Städteansichten, topographische 
Blätter in Kupferstich usw. von 1500—1900. 
Kat. 9: Porträts von 1500—1900. Kat. 10: 
Kupferstiche, Radierungen usw. von 1450 bis 
1850, darunter Chodowiecki, Dürer, Rembrandt, 
Callot, L. Richter usf. Francofurtensien. 
Willi.Jacobsolm u.Co., Breslau V., Tauentzien- 
s trabe 11. Kat 223. (Erstausgaben, Branden¬ 
burg, Illustrierte Werke usw.) 

J. St. Goar, Frankfurt a. M., Junghofstraße 5. 

Kat 97. Kunst und Kunstgewerbe. 

Sdraster & Bnfleb. Berlin W.30. Älmanach 
für Architektur, Kunst u. Kunstgewerbe 1908. 


K. W. Hiersemann, Leipzig, Königstraße 3. 
Katalog 340. Kunstgeschichte. 

— 341. Kunstgewerbe. 

— 342. Graphisch. Kunst u. Buchgewerb. 

— 343. Orientalische Kunst. 

— 344. Antike Kunst. 

Katalog über christliche Kunst. Kupferstiche, 
Kupferätzungen, farbig. Reproduktionen, Stein¬ 
drucke, Photographien. (64 S. mit Abbildgn.) 
gr. 8°. Magdeburg, Ev. Buchhandlg. (07). 

Woldemar Kuhnis. Dohna/Sa. Lagerkatalog 2. 
Aquarelle und Handzeichnungen alter und 
neuerer Meister. Der Katalog verzeichnet 
612 Nummern. 

Georges Rapillg. Paris. Katalog über Nach¬ 
bildungen meisterlicher Blätter d. 15.—17. Jahr¬ 
hunderts in Heliogravüre. 

Amsler & Ruthardt, Berlin W. 64, Behren¬ 
straße 29a. Katalog 78. Sammlung D.. 

Berlin. Das Werk von Max Klinger. 


Diesem Hefte liegen Prospekte der Firmen CARL BELLMANN in Prag, f. H. ED. HEITZ in Straß - 
bürg, KUNKHARDT & BIERMANN in Leipzig, PHOTOGRAPHISCHE GESELLSCHAFT in 
Berlin, ANTON SCHROLL & Co. in Wien, WILHELM WEICHER in Leipzig, E. A. SEEMANN 
in Leipzig (für einen Teil der Auflage) bei, auf die besonders aufmerksam gemacht sei. 



Kunstversteigerung zu Köln a. Rh. 


Die hervorragende und weltbekannte ^ zp ^ p ^ p ^ p ^ p^zp 

China - Sammlung 

Sr. Exzellenz des Generalleutnant N. J. Cholodowski, Odessa 

Hervorragende Arbeiten in Stein, Lack, Bronze 
Reiche Sammlung von Porzellan und Tabakflaschen 

Versteigerung: Montag, den 27. April 1908 und folgende Tage 
Besichtigung: Freitag, den 24. bis Sonntag, den 26. April 

Illustrierte Kataloge mit 20 Volltafeln 5 Mark 

I. M. Heberle (H. Lempertz’ Söhne) 

Köln am Rhein, Friesenplatz 15 


* 


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138 


Monatshefte für Kunstwissenschaft. 


24. Kunstauktion 

GILHOFER & RHNSCHBURG .WIEN 

16. März und folgende Tage. - 


Versteigerung der Sammlungen Hofrat Petzold, 

Z. von Lachnit, Prince C. 

Handzeichnungen des 16.—17. Jahrhunderts 

(Andrea del Sarto — Pierino del Vaga — Fra Bartolommeo — Cara- 
vaggio — Jacob Toornvliet — David Teniers — Jan van Steen — 
Bemmel — Hans Bol etc) 

Aquarelle und Miniaturen des 19. Jahrhunderts 

(Daffinger — Ender — Eybl — Fendi — Füger — Führich — Gauer- 
mann — Kininger — Kupelwieser — Marko — Peter — Ranftl — Saar 
— Steinle — Theer — Treml etc.) 

Französische und englische Kupferstiche 

des 18. Jahrhunderts, geschabt, punktiert und in Farben gedruckt. 

—— Seltene und schöne Porträts — 
Das berühmte Orig.-Ölporträt der Schwester 

Mozarts, Marianna von Deila Croce (Kopie im Salzburger 

Mozarteum). 

Frühe Lithographien von Schwind, Kriehuber u. a. 

Historische Blätter, selteneFlugblätter, Militaria 

Austriaca, Viennensia, Theatralia (Die Prater¬ 
fahrt von Bensa, komplett; zahlreiche Equipagenblätter und Originale 
von Bensa, Gurk, Raulino, Perger, Ender, Wiegand). 

Nebst einem Anhänge: Alte Meister 

(Dürer — Rembrandt — Schongauer — Zasinger etc.) 

■ ■ Reich illustrierter Katalog erscheint Mitte Februar. 

Kunst-Antiquariat Gilhofer & Ranschburg, Wienl, 

Bognergasse 2. 


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L'O.Oj! 






TSHEFTE 

rk FUER 

KÜNSTWl^ENSCHAFT 


Begründet als „Monatsheft der Kunstwissenschaftlichen Literatur“ 

von Ernst Jaff4 und Curt Sachs. \ 




INHÄLT 


Abhandlungen: 


Berlin. 

Posse. 


Georg 


Die Neuerwerbungen des Kaiser Friedrich-Museums zu 
Gemälde aus der Sammlung Rudolf Kann. Von Hans 
La maison du Greco ä Tolede. Par Paul Lafond. 
Burgunder Kirchen. Von Artur Weese. 

Die Imperatorenbilder in der Münchener Residenz. Von 
Habich. 

Studien und Forschungen: 

fllhambraprobleme I. Von Ernst Kühnei. 

Zu Mocetto. Von E. Waldmann. 

Die Ausgrabungen in Milet. Von P. Herrmann. 

Gotland. 


Rundschau: 

Berichte aus Berlin, Bremen, Frankfurt a. M., München, 
Florenz, London, Paris, Belgien, Holland. / Der 
Deutsche Verein für Kunstwissenschaft. / Kleine 
Nachrichten. 

(Fortsetzung nächste Seite) 


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Heft 3 Digitized by.Cj^OÖ^t'C März 1908 





















































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Abb. 1. REMBRÄNDT: Christus und die Samariterin am Brunnen 
Berlin, Kaiser Friedridi~Museum □ 

□ Erwerbung aus der SammlunglR.^KANN 


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IlMONATSliEFTEl 

^KUNSTWISSENSCHAFT- 


Herausgeber: D R - GEORG BIERMÄNN 
Redaktion: LEIPZIG, Liebigstr. 2 



L Jahrg. 


Heft 3 


1908 


Die Neuerwerbungen des Kaiser Friedrich-Museums 

zu Berlin 

Gemälde aus der Sammlung RUDOLF KÄNN 

Von Hans Posse 

Vor wenigen Wochen ist in dem den Neuerwerbungen vorbehaltenen Kabinette 
des Kaiser Friedrich-Museums eine kleine gewählte Sammlung von Gemälden zur Aus¬ 
stellung gelangt. Sie stammen aus dem Nachlasse des verstorbenen Rudolf Kann, 
dessen Galerie einst zu den berühmtesten Privatsammlungen von Paris gehörte, und 
die im letzten Sommer für 20 Millionen an die Londoner Kunsthandlung Duveen Bros, 
verkauft worden ist. Das Gefühl des Bedauerns, daß auch diese an erstklassigen 
Gemälden kostbare europäische Sammlung zerstreut wurde und den heute üblichen 
Weg so vieler Kunstwerke, nach Amerika, gehen soll, wird wenigstens zum Teil 
gelindert, wenn man die für Deutschland geretteten Kunstwerke beisammen sieht. 
Zwar fällt wohl die Frage: warum so viele kleine Bilder anstatt weniger aber 
bedeutenderer Stüdce, an denen die Galerie Kann doch reich war? Der Generaldirektor 
der Kgl. Museen Wilh. Bode hat sich in seinem amtlichen Berichte darüber ausgesprochen: 
wie für die hervorragendsten Gemälde von vornherein ganz exzentrische Summen 
gefordert und bezahlt worden sind, die aufzubringen hier unmöglich gewesen wäre, 
und wie auch die Erwerbung der kleineren Bilder, wenigstens zu einem Teile, nur 
einer Mode und Eigentümlichkeit der großen amerikanischen Sammler zu verdanken 
ist, die kleine Bilder, Darstellungen ausgesprochen religiösen Inhalts oder namenlose 
Werke nicht zu schätzen vermag. 

Die neue Erwerbung ist trotzdem die wichtigste der letzten Zeit, vor allem 
durch sorgsame Auswahl nach den Bedürfnissen und Mängeln der Berliner Sammlung. 
Wer allerdings importante Erwerbungen nach dem Quadratmeter bemißt, wer große 
Mittelstüdce verlangt, wird kaum auf seine Rechnung kommen. Denn das Gros 
dieser jetzt ausgestellten Vereinigung von acht Bildern und einer Holzskulptur sind 
Werke der holländischen Kleinmalerei des 17. Jahrhunderts, BUder von fast mono¬ 
chromer, feiner Tonwirkung, ohne blendende Farbeneffekte, die das Auge zum Ver¬ 
weilen auffordem, auch kaum interessant durch die Fülle packenden Inhaltes, sondern 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Abb. 2. PHILIPS WOUWERMÄNN: Winterlandsdiaft 
□ Berlin, Kaiser Friedridi-Museum 


Stücke von jenem tiefen und ehrlichen Ernst der Natur- und Lichtdarstellung, der uns 
die holländische Malerei heute so liebenswert macht, und voller Vorzüge, an denen 
nur der andächtige Beschauer sich zu ergötzen versteht. 

Doch die Tatsache dieser Erwerbung bedarf ja keines entschuldigenden Geleit¬ 
wortes! Zwei Rembrandts von hoher Qualität erworben zu haben, ist unter allen 
Umständen schon eine Tat Die Berliner Galerie gehört dadurch immer mehr zu den 
ersten Bewahrerinnen Rembrandtsdier Kunst Von ihm sieht man unter den Neu¬ 
erwerbungen „Christus und die Samariterin am Brunnen“ (Abb. 1), eine der Varianten 
des vom Meister in dieser Zeit mehrfach behandelten Motivs, unserem Geschmacke nach 
vielleicht seine originellste und malerischste Lösung. Das Bild ist bezeichnet: Rembrandt 
f. 1655; eine Vorstudie dazu befindet sich in Oxford. Wenn vorhergehende Bearbeitungen 
desselben Stoffes noch den Eindruck einer in Rembrandts Hause bewahrten venetianisdien 
Komposition, die in seinem Inventar als „Giorgione“ erwähnt wird, verraten, spricht hier 


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Posse. Die Neuerwerbungen des Kaiser Friedridi-Museums zu Berlin 



Äbb. 3. GONZALES COQUES: Familienbildnis 
□ Berlin, Kaiser Friedrich-Museum 


die reinste Eigenart. Figürliches und landschaftliches Motiv schließen sich zu höchster Ein¬ 
heit zusammen. Das Bild scheint das Ergebnis einer Lichtvision zwischen alten Mauern 
nach goldigem Sonnenuntergang, zu der sich der biblische Vorgang wie selbstver¬ 
ständlich herbeiläßt. Hoch oben beugt sich über den Rand einer Zisterne die Samariterin; 
sie vergaß den Eimer emporzuziehen beim Nachsinnen über die seltsamen Worte des 
Fremdlings, der, zur Seite im Schatten sitzend, sich dem Beschauer nur verrät durch 
die in eindringlicher Rede erhobene Hand. Das Weib trägt ein Gewand von gedämpftem 
Gelbrot, und diese Farbe steht als stärkste Note gegen leuchtende rotgoldene Mauern; 
ringsumher flutet warme Sonnenluft. 

Um dieselbe Zeit mag das zweite Bild Rembrandts entstanden sein: das Brust¬ 
bild eines jungen Juden in dem breiten markigen Pinselstrich dieser Schaffensperiode. 
Es ist ein feingeschnittenes bleiches Antlitz von dem milden, sinnenden Ausdrude, wie 
ihn Rembrandt seinen Christusköpfen zu geben liebt, mit auf die Schultern herab¬ 
fließendem dunklem Haar. In die Sammlung eingereiht wird diese Studie, die wohl zu 
den Vorarbeiten für eine Christuskomposition gehört, ein passendes Gegenstück zu dem 
früher entstandenen Studienkopf eines jungen Juden in der Galerie bilden. 


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158 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Dann verdankt die Berliner Gemäldesammlung der Kann'schen Erwerbung vor 
allem eine Bereicherung an Werken der holländischen Landschaftsmalerei. Wir treffen 
eine kleine Landschaft aus Jacob van Ruisdaels früher Zeit an: Windmühlen am 
Wasser, ein Bildchen schon voll des Zaubers stiller Einsamkeit, voll duftiger Weichheit; 
unter grauer luftiger Atmosphäre ein gedämpftes Spiel von Licht auf smaragdgrünen 
Büschen. Ein Aert van der Neer gehört zu den reizvollsten Arbeiten dieses oft ein¬ 
tönigen Künstlers, der bisher mit keinem gleich guten Stüde in der Galerie vertreten 
war. Es zeigt, bewundernswert wie selten, die Neer eigene Zurückhaltung in der 
Einheit des Tons: ein stahlgrauer Wintertag über der weiten Eisfläche eines Flusses, 
am Horizonte Häuser, Windmühlen und Türme einer kleinen holländischen Stadt vor gelbem 
Abendhimmel. Und wie flott und lustig ist die auf dem Eise sich vergnügende Menge 
geschildert, jedes Figürdien eine gut beobachtete Studie für sich. Am überraschendsten 
aber wirkt Philips Wouwermann (Abb. 2) als reiner Landschafter in seinem kleinen 
Winterbilde mit dem pittoresk geschwungenen Steg, der über ein vereistes Wasser führt, 
mit tiefverschneiten Hütten und frierenden Figürdien. Vom Horizont wallt wie ein weißes 
Gespenst eine mächtige geballte Wolke herauf, dem Bild einen Zug phantastischer Größe 
verleihend. 

Die lebhaftere und dekorativ wirksamere Kunst der Vlamen ist durch zwei Bilder 
vertreten. Auch das schöne Familienbild von Gonzales Coques (Abb. 3) — ein Maler, 
von dessen Hand die Galerie bisher nur ein kleines Porträt besaß, — ist ein Gemälde kleinen 
Formats. Und doch möchte man es nach der Reproduktion für ein Bild mit lebens¬ 
großen Figuren halten, so monumental ist die Anordnung, so groß sind die Köpfe 
charakterisiert trotz ihrer Kleinheit. An Vandyckes Porträtkunst wird der Betrachter 
erinnert; den „kleinen Vandycke“ haben Coques schon seine Zeitgenossen zubenannt. 
Solche Maler würden sich nicht in die holländische Kleinbürgeratmosphäre hineinfinden. 
Sie sind die Maler des vornehmen Patriziertums, das sich in seinen behaglichen Genuß 
bietenden Landhäusern porträtieren läßt. Atlas, Sammet und Seide, Statuen, Marmorsäulen, 
kostbare Vorhänge und Luxustiere gehören zur Aufmachung. Selbst etwas kokette Ab¬ 
sichtlichkeit kommt hinzu: eine Kette von Gesten und Blicken verbindet die dargestellten 
Personen untereinander und mit dem Beschauer. Audi in der Gesamttönung fällt 
dieses Famüienbild aus den es umgebenden holländischen Bildern heraus durch wärmere 
vollere Farben: vor rotem Vorhang helle Gesichter, Gewänder in Schwarz und Rosa, 
hier und da ein paar pikante Tupfen Zinnober wie in der entzückenden Gruppe der 
beiden frischen Kinder rechts, und sattes Blau und Grün in der Parklandschaft dahinter, 
die sichtbar von Rubens beeinflußt ist Das Bild befand sich ehemals in der Marlborough- 
Galerie zu Bienheim und gelangte aus der Sammlung Kann als Geschenk von Duveen 
Bros, in den Besitz des Kaiser Friedrich-Museums. Es gehört wohl bereits der 
späteren Schaffenszeit des Meisters an. 

Ober Coques' Familienbild hängt ein Stilleben „Tote Vögel bei einer Melone" 
(Abb. 4) von der Hand seines Landsmannes Jan Fyt. Mancher wird es neben den 
Rembrandts für das schönste Stück unter den Neuerwerbungen erklären um des 
koloristischen Geschmacks willen, mit dem das zarte Blau und Grau des Vogelgefieders 


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Posse. Die Neuerwerbungen des Kaiser Friedrich-Museums zu Berlin 



flbb. 4. JÄN FYT: Stilleben 


gegen ein helles Gelb gestellt ist Selten sieht man auch von dem Meister selbst ein 
Werk von solch kühlem farbigem Reiz. 

Das letzte unter den Gemälden der Kannschen Erwerbung bietet noch eine Nuß 
für Kunsthistoriker: das Brustbild eines jüngeren Mannes, flachshaarig, mit blauen, 
etwas verschleierten Augen, die im Verein mit dem herben gekniffenen Mund ein 
melancholisches Temperament vermuten lassen (Abb. 5). Dem Physiognomiker möchten 
der verbitterte Ausdrude, die Falten um den Mund und ein verächtlicher, abweisender 
Zug um die Lippen wohl noch mehr verraten. Daß es das BUdnis eines Deutschen 
ist, lassen Typus und Tracht nicht bezweifeln. 

Audi seinen Urheber hat man bisher unter den „Tedesdii“ gesucht, da schon 
die Verwandtschaft mit bekannten deutschen Bildnissen aus der Zeit um 1500 (z. B. 
Dürers Bildnis des Hans Tücher in Weimar) und die Darstellung einer Alpenlandschaft 
mit einer Stadt (Trient?) im Fensterausschnitt darauf hinzudeuten schienen. Trotzdem 
Anordnung und Haltung (z. B. der vorn auf der Brüstung aufliegenden Hand), so 
viele für die venetianische Porträtkunst zu Beginn des 16. Jahrhunderts charakteristische 
Züge aufweisen, spricht doch noch manches dafür, den Autor unter den Malern 


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160 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 




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Posse. Die Neuerwerbungen des Kaiser Friedrich-Museums zu Berlin K>1 


nordischer Herkunft zu suchen, die ihre Schulung in Venedig erhalten haben. Man 
blidce zum Vergleich auf des Giorgione Bildnis eines jungen Mannes in der Berliner 
Galerie: dort ein energischer Zusammenhalt der Linien, breite Flächen, Unterordnung 
der Einzelheiten; hier eher eine gewisse Befangenheit, weiche verblasene Modellierung, 
peinliche Durchführung der Einzelheiten. 

Dagegen zeigt die Rückseite der Holztafel (Äbb. 6) mit ihrer trotz teilweiser Zerstörung 
auch heute noch köstlichen Malerei echt venetianischen Charakter. Die Formen sind 
strenger im Stil, straffer und großzügiger in Zeichnung und plastischer Bildung, die Farben 
kräftiger und leuchtender, so daß die Vermutung nahe liegt, Vorder- und Rückseite 
seien von verschiedener Hand. Ein nacktes junges Liebespaar ist dargestellt in einem 
Gemache von rein venetianischer Renaissancearchitektur, das sich rückwärts durch eine 
Tür in grüne Landschaft öffnet. Die junge Frau, in leichter freier Haltung, blickt in 
einen Handspiegel, den sie in der erhobenen Rechten hält Vorn steht auf der Brüstung 
(wie in Dürers Dresdener Altar) ein Wasserglas mit einem Zweig, rechts hinten, neben 
der Säule, leuchtet ein tief carminroter Vorhang, dem ein Saftgrün darunter als Gegen¬ 
farbe dient. 

Zum Schlüsse sei noch einer wertvollen Bereicherung der deutschen Abteilung 
des Museums gedacht, die aus der Sammlung Kann erworben wurde: ein Holzrelief 
mit dem fast lebensgroßen Profilbrustbild des Bischofs Philipp von Freising, Herzogs von 
Bayern. Auf Grund einer nur wenig in Einzelheiten abweichenden Medaille, welche 
dieselbe Persönlichkeit darstellt, von der Hand Friedrich Hagenauers läßt sich 
das Relief als eine Arbeit dieses Meisters bestimmen. Man darf es vielleicht 1525—27, 
in seiner Münchener Zeit, entstanden denken. 



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ÄUR. DE BERUETE: Un coin du vieux Totede 


La maison du Greco ä Tolede 

Par Paul Lafond (Pau) 

Tolede, l'expression la plus complete de l’äme espagnole, se dresse ftere et h£ris- 
see au sommet et sur les pentes de son roc de granit Tour ä tour capitale des 
Goths, des Maures et des Castillans, eile a toujours sa merveilleuse cath£drale ä la 
tour dentelee, son alcazar si souvent detruit et rebäti, ses vieilles 4glises, ses anciens 
couvents, ses innombrables maisons renfrognees. Mais eile n’a plus sa population de 
deux Cents mille ämes qui permit ä Pradilla de tirer en une seule joum£e vingt mille 
volontaires de ses boutiques et de ses ateliers. La place du Zocodover, le parvis de sa 
prestigieuse basüique, les rues etroites et tortueuses de la eite ne fourmillent plus de cette 
foule compacte et bigarree de gentilshommes, de soldats, de ptelats, de ptetres, de 
moines, de bourgeois, d'artisans, de mendiants, de grandes dames et de femmes du 
peuple qui s’y coudoyaient aux temps oü eile etait la ville imperiale. Tolede renferme ä 
peine aujourd'hui dix huit mille habitants. Elle n’oublie pas cependant ses grandeurs 
pass&es; fiere et melancolique, eile se survit pour ainsi dire ä elle-m^me, assoupie sous 
son del implacablement bleu, sous son soleil en fusion, bercee par les flots du Tage 


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Lafond. La maison du Greco ä Toldde 


163 



qui, commc ä l'epoque de sa vie intense, rugit contre les rodiers verticaux qui l'en- 
serrent dans une ceinture mouvante. 

Un peu au-dessous de l’andenne sgnagogue de Nuestra Senora del Tran- 
sito, non loin de l'dglise de San Tome qui abrite l'Enterrement du comte d’Orgaz 
du Greco, juste ä l'opposd du pont d’Alcantara, sur la pente ravinee et abrupte qui 
descend au nord-ouest vers le fleuve oü s’agrippent de miserables bicoques bran- 
lantes, couleur de safran ou de poussiere, selon les heures du jour, au milieu des 
eboulements et des pans de murailles croulantes — ruines de fanden ghetto — se 
trouve ce qui reste du palais de Samuel Levg, le c&lebre argentier de Pierre le Justi- 
der, d’autres disent le Cruel. C'est une partie ou une dependance de cet edifice, 
amdnagd ä son usage, que Domenikos Theotokopuli habita, ainsi que le demontrent 
les documents decouverts recemment par el sefior Cossio. 


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164 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Porte de la maison du Greco ä Tolede 


Ce precieux vestige d’un passe glorieux qui apres avoir ete l'habitation du 
puissant et infortune financier, abrita un des plus grands maitres qui aient jamais existe, 
a ^te recemment acquis par le marquis de la Vega Indan qui, avec un soin scrupu- 
leux et un goüt exquis, dierche ä reconstituer ce logis telqu’il etait au temps de l’ar- 
tiste cr£tois. 

Comme tous les palais toledans, sortes de bastions prets ä soutenir un siege, 
ä resister aux assauts et aux guet-apens, l’exterieur en est rebarbatif et sotnbre; seul 
le portail qui donne acc6s dans l’interieur appelle l’attention par sa lourde porte de 
diene constellee de gros clous de fer ä dessins symetriques. Elle est surmont^e d’une 
elegante imposte Renaissance en pierre, soutenue par deux delicates colonnes ä chapi- 
teaux de feuillages des plus fins, se deroulant en bandeaux. 

A l'interieur, le palais se compose d'un rez-de-chaussee surmonte d'un seul 
etage. Sous d'epaisses couches de chaux, le marquis de la Vega a retrouve sur les 
poutres de diene et de cedre qui soutiennent les plandiers, les dallages et les arca- 
tures de l'escalier, de delicates sculptures juives et mudejares, aux lacis d’une extreme 


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Lafond. La maison du Greco ä Tolede 


165 


finesse, aux endievetrements d'une rare delicatesse. Sur les murailles, il a fait nettoyer et 
remettre ä jour de curieux revetements de faience aux dessins les plus ridies et les plus 
caprideux. 

D’immenses caves voütees, aux murs d'une epaisseur enorme, destinees sans doute 
ä cadier les tresors de Samuel Levy, s’etendent de tous cötes sous l’edifice et sous 
ses dependances. 

Le Greco a passe la plus grande partie de son existence dans cette demeure 
qu’il ne quitta guere; des petites fenetres grillees de son unique etage regardant le 

sur une plaque de 
marbre encastree 
sur une andenne 
auberge, on lit: 
«C'est idl'hotellerie 
du Sevillan, c'est 
ici que Cervantes 
ecrivit sa fameuse 
nouvelle:l'Illustre 
ecureuse.» Eh! 
bien, sur les murs 
de la maison si 
heureusement re- 
trouvee par el sefior 
Cossio, si artisti- 
quement restauree 
par le marquis de 
la Vega Inclan, 
ne faudrait-il pas 
egalement apposer 
une plaque de 
meme espece et y 
graver: «C’est ici 
que vecut et mourut 

Domenikos Theotokopuli, c'est id qu'il peignit la plupart de ses immortels chefs 
d’oeuvre.» 

Combien il serait interessant de pouvoir retablir la maison du Greco teile qu'elle 
etait de son vivant! reconstituer — hdas! c'est impossible — la piece remplie des 
maquettes en terre de ses ouvrages de sculpture ainsi que la diambre oü se trouvaient 
les esquisses de tous les tableaux, qu'il montra, en 1611, ä Padieco, le beau pere de 
Velazquez; d’accrodier de nouveau sur les murailles de ce logis, les portraits et 
tableaux, qu'il y avait places lui meme. 

De ceux-d r nous connaissons un certain nombre. D’abord une toile retrouvee 
par le marquis de la Vega Inclan, il y a quatre ou cinq ans, aux environs de Cor- 


Tage, d'oü la vue 
s’etend sur la Cam¬ 
pagne environ- 
nante et la Sierra 
voisine, il a etudie le 
fleuve tumultueux, 
ces terrainsmaigres 
parsemes de rares 
touffes de thym, ces 
dediirures de rocs, 
ces sentiers etroits 
devalant entre les 
pierrailles.ces crou- 
pes de montagnes 
sauvages et som- 
bres plantees d’oli- 
viers et de ebenes 
liege qui servent 
de fond ä ses com- 
positions les plus 
dramatiques et les 
plus contrastees. 

Dans un autre 
quartier de Tolede, 



Cour intörieure de la maison du Greco & Tolede 


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LE GRECO: La famille de l’artiste □ 

Ancienne collection du Marquis de la Vega Inclan 



LE GRECO: „L'homme est de feu, la femme d’4toupe, le diable passe et souffle.“ 
Paris, Collection de M. Christian Cherfils □ 


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Lafond. La maison du Greco ä Tolede 


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LE GRECO: Portrait pr6sum£ de Jorge Manuel Theotokopuli □ Fragment 
de la Vue de Tolcde Musöe de Tolcde 

doue incontestablement du Greco et representant sa famille. La composition, beaucoup 
plus large que haute, est un veritable tableau de genre comme l’aurait compris un 
artiste contemporain, par exemple Fantin Latour; au centre: une jeune femme assise 
brode; ä sa droite, une jeujie fille se penche vers eile en Alant au fuseau; ä sa gaudie, 
une femme ägee la regarde par dessus ses besides; tout contre la bordure, aupres de 
la fileuse, un chat est assis sur un haut escabeau; du cöte oppose, une servante tient 
ä l’aide de lisieres, un petit gar^on de deux ä trois ans. 

La jeune femme brodant est sans aucun doute la femme du Greco; la vieille 
aux besicles, la mere de celle-d; l'enfant, le Als de l'artiste; les deux autres femmes, 
des domestiques et le diat, le commensal du logis. 

Les deux prindpaux personnages du tableau offrent une incontestable ressem- 
blance avec les deux Marie, du Baiser de Judas de la sacristie de la cathedrale de 
Tolede et ses diverses variantes, du moins celles brossees en Espagne; une plus grande 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 



encore, avec la Vierge et S‘« Anne, de la S*« Familie du musee du Prado 
et de la Collection Orossen. L'on croit generalement que l'artiste fit poser sa 
femme et sa belle m£re pour ces diverses compositions; c'est effectivement probable. 
Ce tableau viendrait d’ailleurs confirmer cette opinion. Pour l’enfant, nous serions 
assez dispos£ ä le retrouver dans le gar^onnet place au premier plan de l'En- 
terrement du comte d’Orgaz devant S‘ Augustin et surtout dans le jeune 
homme tenant le plan de la eite, dans la grande Vue de Tolede du musee 
de cette ville, comme le veulent d’ailleurs ccrtains critiques. 

Llaguno 


y Amirola qui 
nous apprend 
que le Greco se 
maria äTolede— 
probablement, 
quoiqu'il n’en 
dise rieh, aux 
environsdel580 
peu apres son 
installation dans 
la ville imperiale, 
— neglige to¬ 
talement de nous 
renseigner sur 
ses descendants. 
Nous sommes 
d'autre part suf- 
fisamment docu- 
mentes sur son 
fils Jorge Ma¬ 
nuel Theotoko- 
puli, mais eut-il 
d'autres en- 


LE GRECO: Le voile de Sainte Vdronique □ 

Tolede. Eglise du couvent de Sto Domingo el antiguo 


fants? Comme 
tout le monde, 
nous connais- 
sons cette emo- 
tionnante figure 
de jeune femme 
ä labeautemala- 
dive et presque 
fatale des 6tres 
condamnes ä 
quitter la terre 
en pleine jeu- 
nesse, de la 
galerie Stirling 
Maxwell prove- 
nant de la Col¬ 
lection du roi 
Louis Philippe, 
qui passa au feu 
des encheres ä 
Londres en 1853 
c£lebre sous le 
nom de La 
fille du Greco. 


L'oeuvre est-elle meme de Domenikos Theotokopuli, represente-t-elle reellement la fille 
du maitre? II est bien difficile de repondre ä ces deux.questions, de r^soudre le 
Probleme. Ce qui est certain, c’est que le type cependant si personnel et si caractö- 
ristique de la toile de la Collection Stirling Maxwell se retrouve dans celui d'une 
jeune femme figurant dans un autre tableau du Greco: ce sont les memes yeux, ici 
baisses, le meme nez droit, la m€me bouche aux levres presque sensuelles, le m£me 
ovale pur et regulier, mais l'ensemble est plus humain, plus terrestre. Cette peinture 
dont il existe une Variante en Espagne, dans les provinces basques, fait partie de la 
Collection d’un amateur parisien au goüt fin et avise M. Christian Cherfils. Elle 
represente une jeune femme tenant d'une main une etoupe enflammee et de l'autre, une 
chandelle qu’elle met en contact avec la flamme pour l'allumer; au-dessus de son epaule 


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Lafond. La maison de Greco ä Tolede 



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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


apparait une töte de grand singe qui souffle pour attiser le feu et ä sa gauche, un 
jeune homme de profil, la töte couverte d’un chapeau ä bords rabattus, rit en montrant 
les dents. 

C’est la mise en sc&ie d'un proverbe castillan: «l'homme est de feu, la 
femme d’etoupe, le diable passe et souffle.» 

Signaions au mus£e de Naples, un petit tableau du maitre execute dans ses 
annees de jeunesse, sous la direction du miniaturiste Giulio Clovio dont le sujet a de 
nombreuses analogies avec celui-ci, figurant un jeune gar^on qui vient d’allumer une 
chandelle avec un tison qu’il cherche ä eteindre. 

Nous revenons ä la mise en sc6ne du proverbe castillan: ne conviendrait-il 
pas de reconnaitre dans la jeune femme, incontestablement la ntöme que le modele 
du portrait de la galerie Stirling Maxwell, plutöt la femme que la fille du peintre, 
dont il n'est fait mention nulle part? Dans les deux toiles, il s’agit 4videmment de la 
plus jeune des deux femmes figurees dans le Baiser de Judas de la cathedrale de 
Tolede, les S tcs -Familles, les S ,e -Veronique tenant l’image miraculeuse du Christ 
dont une se trouve au couvent de S ,0 -Domingo el Viejo; les bustes de la 
Vierge, la töte recouverte d'un voile surmonte d’un capudion, du musee du Prado 
et de celui de Strasbourg. 

Le soi-disant portrait de la Fille du Greco, la mise en scene du proverbe 
castillan, ont du, ä un moment donne, decorer les murs de la maison de l'artiste, 
n'etait-ce pas lä des tresors et des Souvenirs de famille? 

Peut etre y aurait-on aussi trouve ce buste d’homme äge, faisant partie de la 
collection de Don Aur. de Beruete generalement admis comme representant le Greco 
lui-meme. Nous l'avons dejä dit ailleurs, ce n’est pas certain, les preuves absolues 
font defaut; mais, si ce n’est qu'une hypothese, il faut reconnaitre qu’elle s’appuie sur 
de serieuses probabilites. 

Inutile de rapprocher le vieillard diauve et ä barbe grisonnante du jeune 
homme aux cheveux bruns sepatös par une raie mediane tombant sur les epaules, 
au front droit, au nez long et aquilin, aux levres fortes, avoisinant le Titien, Michel- 
Ange et Giulio Clovio des Vendeurs chasses du Temple de la collection Yarborough 
de Londres, ainsi que du jeune gentilhomme debout sous le peristyle du palais de 
La Guerison de l’Aveugle du mysee de Parme, dans lesquels le Greco a reproduit 
ses traits. La difference d’äge — plus de trente annees — ne permet guere, malgre 
peut-etre la construction generale de la töte, de cherdier entre eux des rapports de 
physionomie. Il n’en est pas de ntöme d'autres personnages de tableaux du maitre, 
generalement acceptös pour ses portraits plus ou moins fideles. Il est incontestable 
que le buste appartenant ä Don Aur. de Beruete offre une reelle similitude avec le 
Centurion du Baiser de Judas, le S‘ Joseph des S tes Familles, le masque du Christ 
des Voiles de S te Veronique. Cette ressemblance s’accentue l’äge venant, avec 
ie gentilhomme de l'Enterrement du comte d'Orgaz oü il passe pour stötre 
reptösentö; eile est encore plus grande avec le S ( Paul, du tableau de S* Pierre et 
S* Paul de la collection de la marquise de Perinat. 


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Lafond. La maison de Greco ä Tolede 


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LE GRECO: Saint Pierre et Saint Paul □ 
Madrid. Collection de la Marquise de Pgrinat 


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J72 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Naguere, dans la collection du duc de Montpensier au palais de San Telmo, 
ä Seville, se trouvait le portrait ä mi-corps d’un elegant jeune homme de vingt-cinq ä trente 
ans au plus, ä l’allure aristocratique, vetu de noir, la colerette tuyautee au cou, des man- 
chettes de dentelle aux poignets, une palette ä la main. A cause de la palette, on a 
voulu voir dans ce personnage, incontestablement peint par le Greco et signe d’ailleurs, 
son propre portrait C'est certainement une erreur, tout au plus s’agit-il de son fils 
Jorge Manuel Theotokopuli et encore rien de moins certain. La toile qui provenait de la 
collection privee du roi Louis-Philippe et avait ete acquise en Andalousie par le baron 
Taylor, gräce ä la generosite de l’Infante Fernanda veuve du duc de Montpensier fait 
aujourd'hui partie du musee de Seville. 


LE GRECO: Portrait pr£sum£ de Jorge Manuel Theotokopuli 
Mus6e de Sdville 


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Lafond. La maison de Greco ä Tolede 


173 


Que ce dernier portrait figurät ou non dans la maison toledane, peu importe. 
Elle regorgeait d’oeuvres du maitre et renfermait plus de deux Cents de ses toiles. Nous 
en avons pour garant le peintre aragonais Jusepe Martinez qui ecrit moins d’un 
demi siede apres la mort du Greco que «s’il gagnait beaucoup d’argent, il le depensait 
ä mesure et qu'ä son dec£s, il ne laissa pour toute richesse, que deux cents tableaux 
ebauches.» Queis plus präcieux tresors aurait-il pu laisser? Comment Iui reprocher 
ses depenses? Regardait-il ä l’argent quand glorieusement hospitalier, il conviait 
l’aristocratie castillanne ä de somptueuses fetes, initiant ces rüdes et imperieux gentils- 
hommes aux douces manieres venitiennes, leur offrant de delicats et plantureux festins, 
pendant lesquels de nombreux musiciens donnaient des concerts? 

Dans le centre de Tolede, par d’etroitesetsombres ruelles, au deboudie de passages 
voütes, on rencontre une petite place solitaire bordee, de trois cötes, par d'antiques 
maisons aux portes et aux fenetres verrouillees et du quatrieme, par la haute et rigide 
fagade d’un couvent rebarbatif. C’est le monastere des religieuses de S t0 Domingo el 
Antiguo, que le Greco decora ä son arrivee dans la eite imperiale, vers 1576. Quand 
il mourut, pres de quarante ans plus tard, en 1614, il g fut inhume. Il avait pres de 
soixante-dix ans, plus exactement entre soixante-six ou soixante-sept ans, puisqu'il 
semble avoir vu le jour en 1547 ou 1548. 

L'eglise de S t0 Domingo el Antiguo, froide et nue, d'ordre ionique, au maitre- 
autel ä deux corps, de style corinthien sur lequel il pla^a sa celebre Assomption, passe 
pour avoir ete executee d'apr^s ses dessins, tout au moins sa decoration interieure. 
N*est-il pas naturel que ses restes aient trouve asile dans cet edifice qui est en 
partie son oeuvre? 



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CLUNY: Gesamtansicht □ 

Kupferstich des XVIII. Jahrhunderts 


Burgunder Kirchen 

(CLUNY, ÄUTUN, PONTIGNY) 

Von Artur Weese-Bern 

In Burgund wächst auf den Hängen der Cöte d’or der feurigste Wein, der 
König der Weine, wie die Bourguignonen mit Stolz sagen. Nirgendwo zwischen 
Frankreich und Deutschland ist auch das seelische Feuer und der zündende Gedanke 
zu solchen Gluten erhitzt worden, wie in Burgund. Denn die nationale Leidenschaft 
der gallischen Volkskrieger gegen die Römer unter Vercingetorix, in mittelalterlichen 
Zeiten die Idee der Weltflucht und Askese, als Vorbote der Renaissance der eroberungs¬ 
lustige Wille der autonomen Herzogsgewalt in Karl dem Kühnen, schließlich während 
der großen Revolution die Idee des neuen Menschentums — all diese feurigen Ge¬ 
danken haben ihre radikalste Form und wildeste Kraft aus dem Boden von Burgund 
gesogen. In dieser bewußten Ausbildung der Eigenart kennzeichnet sich die Gewalt¬ 
samkeit des Temperamentes und die Unerschrockenheit des Willens, die in Grenzländern 
häufig sind. Liegt doch gerade darin schon ein Teil der Abwehr, die sich gegen das 
Fremde und Andersgeartete jenseits der Marken kehrt, selbst wenn kein Angriff oder 
Kampf gewollt wird. 

Die Kunstgeschichte von Burgund weist ähnliche Züge auf. Ihr Verlauf ist be¬ 
stimmt von einem zähen und tiefverwurzelten Lebenswillen, der in verschiedenen Zeit¬ 
läuften einen immer neuen Lebensinhalt ergreift und die Ziele dort sucht, wo die Ge¬ 
samtkultur ihre Ideale aufgestellt hat. Aber der burgundische Charakter erfaßt sie mit 


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Weese. Burgunder Kirdien 


175 


der ganzen Glut seines dunkelgefärbten 
Wesens und weiht ihnen Kräfte, die 
aus germanischer Wucht und gallischer 
Beweglichkeit seltsam gemischt sind. 
Dieser Zusammensetzung entspricht auch 
der opferfähige Ernst, mit dem ferne 
Ideale erstrebt werden und der geist¬ 
reiche Stimmungswechsel, der sich so 
leidit einer neuen Idee zuwendet, so 
viel es auch gekostet haben mag, das 
eben erst Erkämpfte zu besitzen. 

Die Geschichte der burgundischen Mönchskunst ist die Geschichte eines geistigen 
Kampfes, in dem erdgeborne Kräfte und eingewanderte Kultur seltsam verstrickt 
werden. Er hat die geschlossene Erscheinung eines rein landschaftlichen und nationalen 
Ereignisses, ist aber in seinem Wesen und Willen durchaus bestimmt von der tiefauf- 
wühlenden Leidenschaftlichkeit, die große allgemeine Zeitideen zu erregen pflegen. Wie 
alles Mönchstum ist auch das burgundische losgelöst von der Stammesart und der 
Landessitte, in deren Bereich es blüht und auf deren Kosten es sich entfaltet; aber 
dennoch ist die burgundische Mönchskunst so eigenartig selbständig, als wäre sie der 
echte Ausdrude der innersten Charaktereigenschaften des Volkes. Mönchskirchen und 
Mönchsklöster sind innerhalb eines national geformten Landes selbst in mittelalterlichen 
Zeiten, wo sie Kulturträger und mit allen Lebensfäden des Volkes verbunden waren, 
eine Erscheinung aus fremder Welt Sie haben etwas Zeitloses an sich. Sie könnten 
ebensogut tausend Meilen weiter stehen, wie just hier. Sie hüten ein Ideal, das 
außerhalb ihrer Mauern nicht verstanden wird, vielleicht mit Scheu und Ehrfurcht 
bewundert, doch nie als Richtschnur von der Aktivität des Weltkindes ergriffen werden 
kann. Aber in burgundischen Klöstern wurden nicht bloß die Schätze des burgundischen 
Bodens und die Früchte burgundischen Fleißes aufgehäuft und ad majoram gloriam dei 
in Bauwerke und Kostbarkeiten umgesetzt, sondern selbst der Ruhm des Landes, die 
ungebrochenen und nie erschöpften Willenskräfte des seltsamen Volkes sind im Dienste 
der Klöster angespannt worden und haben sich in der symbolischen Deutlichkeit der 
burgundischen Kunstformen künstlerisch verfeinert und verewigt. Die burgundische 
Ordensprovinz der Cluniacenser und 
Cistercienser ist das Mutterland der geist¬ 
lichen Institutionen geworden und sie 
haben wie jedes Geschöpf aus dem 
Mutterboden alle unfaßbaren und doch 
so wirksamen und lebenstauglichen Säfte 
und Kräfte herausgesogen. Dadurch ist 
burgundische Kunst und burgundischer 
Charakter eine welterobernde Macht ge¬ 
worden. Denn von den Kirchen und 
Klöstern Burgunds ist in mittelalter- 




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176 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


liehen Zeiten die Mahnung und das Beispiel zur Verachtung des leiblichen Wohles 
und der Weltgüter in seiner schärfsten Form ausgegangen. In Burgund ist der 
Kreuzzug gepredigt worden, der hl. Bernhard von Clairvaux und Abt Hildebrandt 
haben hier ihre stillen Jahre der Sammlung und Selbsterziehung verlebt und all die 
Kirchtürme, die untereinander so unverkennbare Familienähnlichkeit haben und fast in 
jedem Dorfe wiederkehren, auf der Bisenbahnfahrt Meilensteinen gleich, bezeichnen 
die Wegspur des einen Gedankens, der von hier aus durch die Welt gezogen ist. Der 
Gedanke der Askese ist nicht burgundisch von Haus aus, aber in der burgundischen 
Prägung ist er in vorgotischen Zeiten kosmopolitisch und von rein universalen 
Bestrebungen. Die Natur hat hier von jeher alles darauf angelegt, einem arbeitsamen 
Volk eine glückliche Heimat zu geben. Aber der spekulative Geist des Mittelalters 
gewann gerade in diesen fruchtbaren Tälern die Spannkraft, um die Weltflucht als ein 
Lebensziel zu erfassen und in strengen Bußübungen durchzuführen. Gewiß, der 
Gedanke in seiner abstrakten und blinden Schärfe ist orientalischen Ursprungs und 
hat in der libyschen Wüste und im syrischen Sonnenbrand zuerst die Menschen- 
Phantasie erhitzt. In Zeiten ängstlicher Glaubenszweifel, als die fröhliche Gewißheit 
antiker Weltanschauung verging, hat er zahllose Menschen in die Unwirtlichkeit von 
Einöden und Wüsteneien geführt, wo sie gegen den Lebenswillen kämpften, bis er 
ohnmächtig dalag, das Opfer qualvoller Suggestionen. Wunder werden erzählt von 
den seltsamen Heiligen, die Monate und Jahre auf einer Säule lebten unter dem 
heißen Himmel Afrikas und von ihrer hohen Kanzel aus zu dem vielköpfigen Volk 
predigten, das sich um den Horst scharte, um zu hören und mit eigenen Augen zu 
sehen, wessen die neuen Glaubensboten fähig waren. Damals war Predigtstuhl und 
Bußzelle ein und dasselbe und jedes Wort zur Verachtung aller Lebensgüter wurde 
durch ungezählte schmerzliche Leiden bewiesen. Was für arme Teufel waren doch diese 
hohen Heiligen. Ihr wunderbares Beispiel war von unerhörten Wirkungen. Die Klöster 
füllten sich und das ganze Mittelalter hindurch war der Gedanke der Askese allgegen¬ 
wärtig, gleichsam der Schatten, der das lichte Weltkind überallhin begleitete. Selbst 
in der lachenden Fruchtbarkeit Burgunds nistete er sich ein und gewann hier neue 
Kräfte. Sein bleicher Ernst färbte sich mit dem Lebensrot des Burgunder Blutes. 
Sind doch auch die gewaltigen Kirchenmonumente von Cluny, Citeaux und Pontigny 
anderen Geistes als die Leidenspranger der Säulenheiligen. Wie eine Tat der Lebens¬ 
bejahung ragen sie in die Lüfte, das Werk eines mit der Welt versöhnten und an 
der Scholle hängenden Lebensgeistes, die Arbeit freudigen Fleißes. 

Der Gedanke der Askese tritt großmächtig auf, wie ein Sieger und Eroberer. 
Er ruft mit eherner Stimme von den Glockentürmen und umschmeichelt in den weiten 
Kirchenhallen die Phantasie mit den sinnbetörenden Mitteln künstlerischen Schmuckes. 
Wie merkwürdig, daß er sich gerade an die feinste Empfindlichkeit der Sinne wendet, 
obgleich er zum Kampf gegen die Sinne wirbt. Von unerschöpflicher Erfindungskraft in 
der Eröffnung immer neuer Zugänge zu der Seele des Menschen hat die Kirche zu allen 
Zeiten die Intelligenz und das Temperament der lebenden Generationen mit immer neuen 
Reizen gewonnen. Sie wechselt mit fast jedem Menschenalter den Stil ihrer Künste, 
denn immer ist ihr Wille darauf gerichtet, daß die Jungen ihre S$ele füllen, wenn die 


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Weese. Burgundische Kirchen 


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CLUNY: Nach dem Reconstruktionsmodell im Mus£e Odiier 

Alten ihren Durst gestillt haben. So wird sie mit ihrer Arbeit niemals fertig. Aber 
die unveränderliche Kraft ihres prädestinierten und immer dauernden Willens geht 
von den großen Bauwerken ihrer Kirchen und Kathedralen aus, in denen sie mit Musik, 
Weihrauch« tiefsinniger Symbolik und dem alles überwältigenden Schweigen ver¬ 
sonnener Andacht die Sinne gefangen nimmt. Mit solchen Mitteln dringt sie in die 
verschlossenen Regionen des Herzens ein, die keine Rethorik und Logik, keine Dog¬ 
matik und Dialektik zu öffnen vermag. 

Cluny ist die gewaltigste und wohl die älteste der burgundischen Mönchskirchen. 
Als Mutterkirche der Clunyacensischen Regel war sie die stolzeste und in ihrer Größe 
und Pracht unerreichbare Schöpfung des Ordens. In Rom behauptete die alte Peters¬ 
basilika den Ruhm des größten christlichen Gotteshauses. Aber die Abte von Cluny 
erweiterten die Abmessungen ihrer Abteikirche derart, daß sie die päpstliche Hauptkirche 
in Länge und Höhe übertraf. Heute ist Cluny ein kleiner Ort im Tale der Grosne, fast 
nur aus einem einzigen Straßenzuge bestehend. Alles Leben des erstorbenen Nestes 
sammelt sich in dieser Hauptader vor den Türen der Läden und Werkstätten. 

Der Cluniacenser von heute ist Kleinstädter, Provinziale, und von der Askese 
will er nur so viel wissen, als er unter dem Drude des Lebens notgedrungen erfährt. 
Er hört nicht mehr auf ihre Lehre in der mönchischen Fassung, obgleich sie noch aus 
Resten und Ruinen der alten Klosterherrlichkeit vernehmlich zu ihm spricht. 

Ein riesiger Turm mit romanischen Bogenarkaden burgundischer Bauweise be¬ 
herrscht das ganze Tal, Stadt und Land, soweit das Auge reicht. Dieser Turm ist das 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


einzige Überbleibsel der alten Kirche. Doch war er nicht ihr einziger Turm, auch nicht 
der größte in der Gruppe von Türmen, die den alten Bau überragten. Er bekrönte den 
einen Flügel des Querschiffes als flankierender Genosse eines polygonalen Vierungs¬ 
turmes, der ebenso wie das ganze Mauerwerk der Schiffe und des Chores von der 
französischen Revolution zerstört wurde. An kleinen Modellen, die im Musee Ochier 
und in der Industrieschule gezeigt werden, kann man die ursprüngliche Anlage studieren. 
Die Kirche hatte eine Vorhalle von fünf Achsen, eine fünfschiffige Kirchenhalle für die 
Laien von elf Achsen, zwei Querschiffe und einen absidialen Chor mit Umgang und 
Kapellenkranz. Sechs große Türme überragten den Kirchenkörper. Im Innern der noch 
erhaltenen Türme staunt man über die gewaltige Höhe bis zum Gewölbe, zumal wenn 
man sich gegenwärtig hält, daß dieser Turm nur ein untergeordneter in der malerischen 
Turmgruppe war, die die Kirche bekrönte. Allbeherrschend erhob sie sich im Tal, schon 
in der Ferne sichtbar, ein Architekturbild von wunderbarer Vielgestaltigkeit, die Silhouette 
dabei streng, massig und monoton, gewaltig im Unterbau. Aber der Außenbau war 
kahl und ohne Zierrat. Alle Pracht entfaltete erst das Innere. Wenn irgendwo die 
mittelalterliche Beschränkung der Bauphantasie deutlich wird, dann ist es in der gewalt¬ 
samen Folgerichtigkeit, mit der gegen Wunsch und Gefühl ruhiger Einheit ein logisches 
Prinzip durchgeführt wird. Die logische Tendenz war darauf gerichtet, den Altar als 
Mittelpunkt des Baues zu markieren. Aber man machte ihn nicht zum räumlichen 
Mittelpunkt, sondern zum Fluchtpunkt der perspektivischen Linien. Die Tyrannei der 
Logik dokumentiert sich rein äußerlich schon in dem Linienzwang der parallelen Schiffe, 
in denen das Gefühl der Breite und Weiträumigkeit kaum aufkommen kann. Im 
Grunde ist alle mittelalterliche Raumkunst engräumig. Nur die Tiefräumigkeit kennt 
sie. Alles flieht in die Ferne des Presbyteriums, Blick, Gefühl, Ahnung, Sehnsucht 
Dort steht der Altar. Dort ist das Sanctissimum. Das Dogma ist es, das den Wunsch 
harmonischer Ordnung im Keim erstickt; ein deutliches Widerspiel der Anschauung 
überhaupt, deren der Mensch vorwärtsdrängender Übergangszeiten fähig war. Alles 
auf einen Punkt zu beziehen und aus einem Grunde abzuleiten, war allerdings mittel¬ 
alterlich, aber es war ein lediglich logisches System. Die Logik beherrscht auch die 
Phantasie. Es fiel dem Architekten leicht, ihr alles zu opfern, was eine rein artistische 
Lösung der Aufgabe gefordert hätte. Stärkere Willenskräfte trafen die Entscheidung, 
über den Kopf des Künstlers hinweg. Er ist Organ, nicht Wille. Ihm diktieren das 
Machtbewußtsein des Ordens und der Geist seiner Institutionen. 

Ein wahrhaft großer Formensinn hat in dieser Kirche gewaltet, der in dem Eindruck 
des unversehrten Hauptschiffes von überwältigender Macht gewesen sein muß. Doch 
war zweifellos die architektonische Bedeutung des Baues nicht in der Höhenentwicklung 
begründet, auch nicht in dem komplizierten Spiel der lastenden und tragenden Kräfte, 
überhaupt nicht in den konstruktiven Elementen. Der Sinnenzwang und Stimmungs¬ 
zauber des schönen Baugedankens lag vielmehr in der Steigerung der Mittel, durch 
die die Phantasie aus der weltlichen Nüchternheit in den mystischen Bereich eines 
Allerheiligsten geführt wurde. — Von auserwählten und geweihten Händen wurde das 
kostbare Gut behütet. Die ungeheure Kluft zwischen Weltlichkeit und geistlicher 
Lebensführung wurde hier überbrückt und dabei blieb der Ausblick in eine Ferne frei, 


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Weese. Burgunder Kirchen 179 



VEZELÄY: Fassade 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 



VEZELÄY: Das Innere 


Nach Photographie der monuments historiques 


der aus dem Diesseits in das Dunkel des Übernatürlichen hinwies. Das ist die Grund- 
aufgabe des Kirchenbaues überhaupt. Aber hier ließ ein Orden bauen, der durch 
seine Regeln dem kirchlichen Lebensziel näher gekommen zu sein glaubte als alle 
Christenheit und der in seiner unbeschränkten Macht den Lohn seines Strebens schon 
auf Erden empfing. Demut vor Gott und dem Übersinnlichen, Stolz und Größe vor 
dem Menschen und der Wirklichkeit, das sollte das Heiligtum den Sinnen nahebringen. 
An das Gefühl wandte sich die Kunst und griff dabei in jene Region, von der der Mensch 
das deutlichste Bewußtsein hat, denn für nichts ist er empfindlicher als für die Unter¬ 
schiede der Macht zumal dort, wo ihm der Alleinbesitz eines höchsten Gutes vor 
Augen gerüdct wird. Dies Monopol der toten Hand, die das höchste Leben trug, ins 
rechte Licht zu setzen, ist hier Hauptzweck. 

Aus jener Geschichtsauffassung, die lediglich formale Typen und den technischen 
Stil durch lustra et saecula verfolgt, erfahren wir, wie auch in dieser Mönchskirche 
das basilikale Schema der altchristlichen Kirche die Grundform sei. Aber ist es nicht 
deutlich, daß Clunys Geist und der von S. Paolo fuori ebenso verschieden sind, wie 
eine antike Bacchusfigur und die Statue eines hl. Josef oder Hohenpriesters aus der 
Pisanoschule? Ist nicht das Neue und Selbstgewollte in diesem Bauwerk so groß und 
überwältigend, daß das basilikale Oblong im Grundriß ein Nichts ist, in der Einschätzung 
der historischen Komponenten, die das Faktum Cluny ausmadien? In der Basilika ist 


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Weese. Burgunder Kirchen 


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VEZELÄY: Vorhalle. Innere Portalwand 

das Christentum scheu und fremd, wie in einem Jupitertempel, denn es ist in ihre 
Marmorherrlichkeit hineingezerrt und wird von dem antiken Heidensinn mehr geängstigt 
und erdrückt, als von der Pracht der Säulen und der Festlichkeit der Halle gefeiert 
und erhoben. In Cluny aber wäre ein Olympier erblaßt und geflohen und die Kutten' 
träger hätten das Sakrileg nicht ertragen, daß ein Heidengott auch nur an die Tür- 
schwelle getreten wäre. 

Langsam wurde der Laie durch eine Reihe von vorbereitenden Eindrücken zu 
dem Anblick des Mysteriums geführt, ohne daß ihm ein Anteil daran gewährt wurde. 
Nachdem er das Bild der turmgekrönten Kirche in sich aufgenommen hatte und in den 
Klosterbezirk eingelassen war, stand er vor dem Heiligtum selbst Und nun folgen sich 
in wunderbarer Steigerung die künstlerischen Raumbilder von den stimmungweckenden 
Szenerien der tiefen Vorhalle mit dem breiten Portal, zu der weiten Flucht der fünf 
Schiffe in der hohen Halle bis zu jener Bannlinie, die der Ungeweihte nicht über- 
schreiten durfte, wo sich Laienraum vom sacrosancten Presbyterium schied. Wie ein 
retardierendes Moment, das besonders schwer akzentuiert wird, schiebt sich vor die 
Längslinien der Schiffe das Querschiff, das hier in Doppelanlage dem Weltkind das 
große Halt wiederholt und ihm nur noch gestattet, aus der Ferne auf den Hauptaltar 
im Chor zu blicken, der, von hohen Säulen umstanden, sich feierlich abhebt von dem 
dunklen Umgang der geheimnisvollen Kapellen, die als Nebenstätten der Andacht und 
des Opfers den allbeherrschenden Punkt in der Mitte, wo der Hochaltar auf ragt, wie 
ein ausklingendes Finale abschließen. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Gerade diese Entwiddung abwechselnder, sich ergänzender und immer gesteigerter 
Architekturbilder, gleichsam in der Richtung einer Prozession vom hellen Tageslicht 
draußen bis zum dämmer-dunklen Schlußraum drinnen, diese epische Entfaltung immer 
stärkerer und tieferer Phantasiereize bis zum mystischen Ausklang, diese künstlerische 
Gliederung und rhythmische Spannung mit ihren triumphierenden Höhen und dem feier¬ 
lichen Abschwellen — all das gehört zu den besonderen Erfindungen der Mönchskunst, 
die notwendig den Unterschied zwischen der geweihten Korporation und dem Laientum 
mit dem skrupellosen Nachdruck betonen mußte, den der Priesterstand gegenüber den 
Weltkindem allerorten, aber selten mit dieser künstlerischen Potenz hervorgekehrt hat 
Wir können, obgleich Cluny zugrunde gegangen ist, darüber doch vollkommen klar 
urteilen, da die von dem Hauptdenkmal abhängigen Kirchen von Paray-le-Monial, Autun 
und Vezelay, in kleineren Verhältnissen denselben Grundgedanken in schöner Deutlichkeit 
wiederholen. Auch in Clermont-Ferrand zeigt ihn Notre-Dame reich und prachtvoll 

In Cluny selbst ist heute davon nichts mehr zu sehen. Dort, wo im Mittelschiff 
die langen Reihen der Mönche zum Altäre wallten, steht jetzt das Hotel. 

Cluny ist Ruine. Dasselbe Volk, das diesen einzigen Riesenbau aufrichtete, 
hat ihn in unfaßlicher Leidenschaft während der großen Revolution mit 75 Minen in 
die Luft gesprengt. Unfaßlich in seiner Barbarei und doch klar in seiner blinden Wut 
hat der Volksinstinkt den innersten Gedanken des Bauwerkes getroffen. Die Sichtbarkeit 
der Macht, ihr Symbol wollte er vom Erdboden vertilgen, als schon die reale Macht 
des Ordens längst vernichtet war. Er fühlte die Kunst nicht als Symbol sondern als 
Tatsache, als Realität Deshalb unterwühlte er die Mauern der alten Abtei und ließ die 
ganze Herrlichkeit auffliegen. 

Tagelang sind wir auf den umliegenden Höhen herumgestreift, an Schloß- und 
Burgruinen vorüber, ganz hingegeben an den romantischen Zauber der mittelalterlichen 
Klosterreste. Stadt und Abtei liegen still wie erstorben im Tal. Nur von Zeit zu Zeit 
schmettern die hellen Trompetensignale der Kavalleristen durch die Luft, die die feurigen 
Hengste des Gestütes auf den Straßen unter uralten Bäumen die Wonne der Bewegung 
kosten lassen. 

Was Cluny nicht mehr geben kann, den Gesamteindrudc einer wohlerhaltenen 
Kirche, das gibt Vezelay in hohem Maße. Die Kirche liegt auf der Höhe, umgeben 
von weitvorgebauten remparts, so wie eine Burg, die ein Tal sperren soll. Sehr sorg¬ 
sam und eingehend restauriert, nimmt der Bau, der in außergewöhnlich harmonischen 
Verhältnissen durchgeführt ist, den Rang eines Nationalmonumentes ein. Gotische 
Kathedralen sind immer als Außenbauten ruhmrednerisch, sie erwedcen ungeheure Vor¬ 
stellungen, sie ragen auf mit dem Monumentalanspruch von Pyramiden. Aber Vezelay 
hat alle Schönheit nach innen gekehrt und überrascht dadurch unendlich viel mehr. Und 
doch ist diese Schönheit hundert Jahre nach der Vollendung des Baues nicht mehr 
verstanden worden, da die alles aus dem Felde schlagende Gotik gerade die tiefsten 
und nachhaltigsten Wirkungen des älteren Stiles verkümmert hatte. Den wundervollen 
Reiz der weiten Vorhallen hat sie ganz aufgegeben oder doch nur notdürftig in den 
drei Portiken der Fassadenportale anklingen lassen. Ihr Bedürfnis nach Licht und 


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Weese. Burgunder Kirdien 


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PARÄY-LE-MONIÄL: Chor 

aufgesdilossenen Raumbildern stand den tiefsinnigsten Baugedanken der älteren Mönchs¬ 
kunst feindlich gegenüber, was wir heute oft vergessen. Doch sollten die modernen 
Kirchenbaumeister den allein seligmachenden Glauben an die Gotik abschwören und 
einmal in Burgund Kirchenfeierlidikeit und Andachtsversenkung an originalen Werken 
der älteren Kunst auf sich wirken lassen. Ich glaube, daß wir dem Kunstwillen dieser 
älteren Zeit näher stehen, als der klipp und klar, logisch und mathematisch und immer 
unzweifelhaft und notwendig arbeitenden Gotik der zünftigen Dombauhütten. Damals 
war die Kunst schon ein Wissen geworden. Im XII. Jahrhundert aber und der ersten 
Hälfte des XIII. Jahrhunderts hat sie noch die köstliche Ursprünglichkeit der Ahnung. 

Der klassische Bau dieser Schule aber ist Autun, wenngleich es keine Kloster¬ 
kirche ist In mehr als einem Sinne ein klassischer Bau. Er ist das besterhaltene 
Werk, auch das reifste und klarste. Aber er ist auch der antiken klassischen 
Kunst durch geheime Verbindungen näher, als die anderen Mönchskirchen derselben 
Schule. Eine Anzahl klassisch-antiker Formelemente, wie kannelierte Pilaster, schön 
gezeichnete Akanthuskapitelle, feinstilisierte Rundbogenarkaden machen zuerst auf die 
hohe Ahnenreihe dieser Formen aufmerksam. Aber stärker wirken andere Elemente, 
die mehr dem Raumgefühl entspringen. Der schwere Ernst des dunkelgehaltenen 
Mittelschiffes ist nicht rein asketisch-christlich, da über allem eine imperiale Grandiosität 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


liegt, die an die imposanten Architekturbilder kaiserlich römischer Baukunst gemahnt 
Die unbezwingliche Steinsolidität des Mauerwerkes, der herbe Materialcharakter des 
tiefgrauen Quaderbaues, die starre und schwere Tonnenwölbung im Verein mit den ins 
Breite gezogenen Proportionen des Hauptraumes sind die einzig stolzen Ausdrudcsmittel 
einer Monumentalität, die den Kampf mit der Vergänglichkeit gelassen aufnehmen 
konnte. Römische Architektur ist Trotz gegen den alles vernichtenden Feind, gegen die 
Zeit Sie baut für die Ewigkeit und die Absicht auf das Unendliche wird selbst in 
ihren kleinsten Werken spürbar bleiben, weil in jedem Stein und jeder Fuge das 
charaktervolle Verantwortungsgefühl lebt, das immer zum besten Material greift, und 
dasselbe in der besonnensten Technik behandelt Gotische Kathedralen sind niemals 
fertig. Sie sind eine ewige Schuld, die von Geschlecht sich auf Geschlecht vererbt; 
immer von neuem wird der Verzweiflungskampf gegen Wetter und Wind aufgenommen, 
um das üppige Zierwerk vor dem Verfall zu retten. Einmal wird man dieser Müh’ 
ohne End überdrüssig sein. Denn es ist eine unhaltbare und unlösbare Aufgabe. 
Aber wo römische Baugesinnung geherrscht hat, sind selbst die Ruinen kriegerischer 
Zerstörung wetterhart und ewiggroß gleich dem Urgestein, das in furchtbaren 
Erdkatastrophen gesprengt wurde und nun zutage liegt. In der Kathedrale 
von Autun ist dieser Geist noch heute leibhaftig wahr. Er ist unvergänglich und daß 
ihn auch Laien spüren und seinen Sinn deuten, das ist notwendig. Wir sehen den 
Stil als Ausdrude allein von Material und Technik an. Aber er ist noch viel mehr der 
Zeuge eines klaren Willens, der eine redende Form für seine Absicht gefunden hat. 
Wahl des Steines und -seine Behandlung sjnd eine Tat, das Zeugnis eines Bewußtseins. 
Sie sind Erfindungen und künstlerische Erfolge in einem Kampfe, durch den der Mensch 
gegen die ewigen Mächte Herr geworden ist; wenigstens im Symbol. 

Vor solchen Werken muß die Gegenwart Halt machen und sich besinnen. Noch 
ist es bloß der Historiker, der dem eiligen und flüchtenden Geschlecht von heute den 
Weg vertritt, um den Arm emporzustrecken und hinzuweisen auf den Bau, der stumm 
und ernst die Jahrhunderte überdauert Er will aber nicht zeigen, was war, sondern 
was ist, nicht das Vergangene, sondern das Lebendige. Er sieht nicht die Form, 
sondern den Willen. Nun lebt hier noch dieser Wille, dessen Atemzug tief und feierlich 
weht wie ein Hauch aus Ewigkeiten. Was schiert es uns, ob Gotik oder Klassik, ob 
kirchlich oder weltlich, christlich oder heidnisch. Das alles ist sub specie aetemitatis 
betrachtet, nur geschichtlicher Formalismus. 

Wie sich aber Zeiten und Völker mit den unabänderlichen Gesetzen von Werden 
und Vergehen auseinandergesetzt haben und wie sich der ewig bejahende Geist gegen 
das ewige Nein der Vergänglichkeit behauptet hat, wenigstens durch einen Gedanken 
und für einen Augenblick, das ist eines Blickes wert Denn das ist der niemals be¬ 
friedigende und immer wieder neu geschöpfte Trunk, den die Dürstenden tun aus 
dem Strome des Lebens. Mächtig rauscht er vorüber, mit hohler Hand stehen die 
Verlangenden an den Ufern, Geschlechter und Rassen, eine unendliche Kette. 

Auch das Mittelalter hat diesen Zauber gefühlt, den die Werke der Alten aus- 
üben. Niemals ist das klassische Altertum vergessen worden. Doch wenn antike 


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Weese. Burgunder Kirchen 


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CLERMONT-FERRÄND. Chor 

Formen und antike Baugesinnung immer wieder in den Frühzeiten des christlichen 
Lebensideals auftauchen, wie der Geist des Toten, der nicht zur Ruhe kommen kann, 
so sind das nicht Stilwandlungen und Rückfälle in das längst Gewesene und ein für 
allemal Überwundene. Es wäre Frevel, ihresgleichen als atavistische Erscheinungen zu 
deuten oder launische Einfälle der spielenden Künstlerphantasie, die es einmal wieder 
mit altrömischen Formen probieren wollte — und solche standen ja gerade in Autun 
in schönen und bewundernswerten Resten vor Augen. Nein, solchen in die Vergangen- 

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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


heit zurückgreifenden Schöpfungen — und sie sind ebenso Schöpfungen wie die in die 
Zukunft vorgreifenden — liegt eine Sehnsucht zugrunde, die die eigentliche Seele 
oder der Wille zur Kunst ist. Sie benützt das längst Gefundene weil es ihre Absicht 
klarer ausdrüdct als die Form der Gegenwart. Die Form ist ihr nur ein unzulängliches 
Mittel für den Begriff. Sie weitet sich im Gefühl von Glück und Erlösung, wenn 
der Geist vergangener Epochen diesen Wunsch weckt und zum Selbstbewusstsein klärt. 
Es ist ein seelischer Prozeß, nicht ein technischer. Es handelt sich dabei nicht um eine 
Metamorphose des Stils, sondern um ein Wiedererwachen eingeschlummerter Vor¬ 
stellungen. Von solchen Ahnungen wurde gewiß der mittelalterliche Baumeister in der 
Mönchskutte berührt, und es ist ein lustiges Schauspiel, daß der gute Christ und tapfere 
Asket noch ein heidnisches Fleckchen in seinem Herzen besaß, wo ihn dieser Gedanke 
treffen konnte. Dies Fleckchen war nicht das unfruchtbarste, noch das schlechteste in 
ihm. Und es wäre betrübend, wenn unsere reizbare, oder wie man heute sagt, reiz- 
same Psyche, nicht auch noch reaktionsfähig wäre für solche unsterblichen Kräfte. 
Deswegen haben wir aufzuschauen, und in dem mittelalterlichen Dunkel der hehren 
Kirche die Spuren jenes Sinnes aufzuspüren, der sich im grauen Altertum die Werke 
seines WUlens auferbaute und der seitdem durch alle Geschichte hindurch das Auge 
magisch anzieht und zur Bewunderung zwingt und immer wieder die begabtesten 
Hände in seine Dienste zieht. Was ist der Geist des Altertums in der Mönchskirche? 
Es ist der Glaube an die geistgebornen Fähigkeiten des Menschen, die über den Tod 
hinaus reden und zeugen; nicht für das Kreuz noch für irgend ein anderes Symbol, 
sondern für die Einigkeit des Menschen mit dem unerschaffenen Geiste. 

In den Frühstunden eines regnerischen Morgens waren wir in Pontigny. Da 
standen wir nun vor der mächtigen Abteikirche, der wir uns wie aus dem Hinterhalte 
genähert hatten, so daß wir beinahe überrascht vor sie hintraten. Vezelay lag auf der 
Höhe, ebenso Autun und Paray-le-Monial. Pontigny aber liegt im Tale. Durch einen 
prachtvollen Bestand von rauschenden Erlen gewannen wir den ersten Ausblick auf 
den hochragenden Kirchenkörper des steilen Hochschiffes. Der Himmel war verhängt, 
ein trübes Grau drückte die Stimmung. Um den kahlen Bau, dem Turm und Fassade 
fehlen, wehte es wehmütig. Als ob ihm in Kriegsläuften alle Zier geraubt sei, stand 
er einsam, inmitten niedriger Scheunen und Nutzbauten. Er war verlassen. Je mehr 
wir uns näherten, desto mehr verstärkte sich der Eindruck von etwas Nacktem und 
Unfertigen. Die großen Abmessungen des Bauwerks standen im Widerspruch zu den 
knapp gehaltenen Ausdrucksformen. Alle tektonischen Glieder entbehrten der ver¬ 
geistigten und künstlerischen Durchbildung. Schwere Mauermassen, enge Fenster, ein 
hohes und lastendes Dach. Etwas konstruktiv Karges, bis auf die äußerste Grenze des 
Möglichen getrieben, war von allen Mauern ab£ulesen. Die Streben waren noch 
nirgends so' deutliche Stützensurrogate, ein Notbehelf für eine Kunstform. Ein phan¬ 
tasieloser Rechenkopf war hier am Werke gewesen. Gab es schon im Mittelalter Bau- 
bureaux, in denen jeder Heller für gefälligen Schmuck vom Budget abgestrichen wurde? 
War diese fabrica ecclesiae von Künstlern geleitet, oder von einem Prototyp unserer 
modernen Fabrikherren? 

Das Innere war nichts als eine leere Halle. Weiße kahle Mauern, helle Glas- 


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Weese. Burgunder Kirchen 


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fenster, kein Altar, kein Bild. Wie ausgeplündert. Unter dem Dadie der katholischen 
Kirche haben alle guten Geister der schmückenden Künste Unterschlupf gefunden. Die 
ernsten und andächtigen, ebenso wie die weltlustigen und farbenfreudigen. Selbst 
Witz und Burleske, Spott und Ironie, kedcer Obermut und volkstümliche Derbheit, alle 
die lauten und dreisten, die stillen und frommen Gesellen aus der großen fabrica 
ecclesiae der Dombauhütte sind aufgenommen worden in dem Schoße der alleinselig¬ 
machenden Kirche. 

Aber in dieser Urkirdie des Cisterdenser Ordens hat auch nicht einer der 
kunstreichen Köpfe an die Arbeit gehen dürfen; nur der Baumeister hat geschafft. 
Als sollten die Handwerker, die Maler und Gipser, die Schreiner und Tüncher, die 
Schlosser und Steinmetzen, die Bildschnitzer und Glasmaler erst einziehen, so erwar¬ 
tungsvoll und schmuckbedürftig standen die Wände, Pfeiler und Altäre und riefen nach 
Farbe und Bild. 

Vor solchen Bauten verstummt das fachwissenschaftliche Interesse für Stil- und 
Schulfragen, die nach rückwärts Zusammenhänge suchen. Das sind deutlich Anfänge. 
Sie haben etwas vom Ernst des ersten Schöpfungstages. Hier redet ein Wille der klar 
und groß, aber auch hart und rücksichtslos auf sein Ziel gegangen ist. Er will nicht 
gewinnen, sondern abwehren. Er ist nie verlegen um Ausdrucksmittel, weil er immer 
nur ein „Nein“ und abermals ein „Nein“ zu sagen hat. So streng herrisch ist die 
Kunst nie angepackt worden wie von diesen Bauherren. Als dienende Magd hat sie 
sich zu beugen und nichts darf sie aus dem großen Schatz ihrer Bilder und Herrlich¬ 
keiten einschmuggeln, denn dieser Wille haßt alles Spiel und jeden Traum, er kennt 
nur Verzicht und Entbehrung als Ziel und Dank des Lebens. Er würgt die Phantasie 
und blendet „der Augen weit- und erdgemäß Organ“. Er ist der Todfeind der Frau 
Welt und ihrer schönsten Gespielin, der schmuckfreudigen Kunst Wo keine Lust ist, 
ist keine Kunst; alles Puritanertum wird aus dem Paradies der freien Künste hinaus- 
getrieben in die Wüste der Abstraktion. So hat auch das Mönchswesen, wenn es seinen 
innersten Willen durchsetzen konnte alle Blüten der malerischen und schmückenden 
Phantasie verdorren lassen. Ob sich diese Zeloten den Himmel ihrer Sehnsucht auch 
so kahl und erstorben vorgestellt haben? Wer hätte es da nicht als echtes Weltkind 
vorgezogen, bei dem dichtgedrängten Sündervolk in der wohltemperierten Vorhölle 
zu sitzen. 

Pontigny ist die Urkirche des Cistercienser Ordens. Nirgendwo hat sich die 
mittelalterliche Weltflucht ein Bauwerk geschaffen, das so dogmatisch und kanonisch 
den Geist des Mönchtums ausgesprochen hätte. Die Cistercienser waren eine purifizierte 
Neugründung auf dem Boden der alten Benediktinerregel. In Cluny und seinen Tochter- 
klöstem war der Geist der Üppigkeit eingezogen. In Citeaux und Clairvaux sollte die 
reine und echte Klösterlidikeit wieder hergestellt werden. Die strengste Askese und 
die unbedingte Treue gegen die drei Gelübde wurde zur hehrsten Pflicht gemacht und 
als ein sichtbarer Ausdruck der radikalen Verschärfung der Ordensregel entstand eine 
Bauordnung für die neuen Kirchenbauten, die sich deutlich Satz für Satz gegen den 
hochmütigen Machtausspruch der Clunyacenser Baugewohnheit wendete. Die Cister- 


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Habidi. Monatshefte für Kunstwissenschaft 


cienserkirchen durften keine Türme, keine Ornamente, keine Skulpturen, keine Glas¬ 
malereien und Bildtafeln, keine Mosaik und keinen Zierrat haben. Die Benediktiner, 
die Clunyacenser und die Cistercienser stellen in ihrer historischen Folge eine immer 
höhere Stufe der mönchischen Feindschaft gegen die Schmucktriebe der Kunst dar. 
Das eigentliche Symbol der Klosterkunst ist die nadcte, weißgekalkte Zelle. In Pontigny 
entspricht die Ordenskirche, wenn auch als höchste Monumentalform der kargen Sach¬ 
lichkeit der Urzelle. Die Architektur hat selten große Aufgaben in dieser abstrakten 
und nur auf ihre eigenen Mittel angewiesenen Beschränkung zu lösen gehabt Immer 
wenn die dienenden Töchter, Malerei, Plastik, Omamentation und alle kunstgewerblichen 
Betriebe der Erzkunst Architektur zur Hand gehen, wird die reine Prägnanz ihres 
Willensausdruckes Schaden leiden. Deshalb ist auch hier in Pontigny der architek¬ 
tonische Eindruck ausschließlich Wille. Aber er hat ein totenstarres Angesicht Vor 
seinem Auge vergeht das Leben und vor seiner eisigen Hoheit. Das Weltkind fühlt 
sich wie gestorben, kalt und ohnmächtig, und ein wenig schleicht sich die Furcht in 
sein Herz, es könnte dieser Raum ein Vorspiel der himmlischen Seligkeit sein. 

Nun begreift es sich, wie dankbar alle Welt dem Franziskanerorden zufiel, denn 
unter seinem warmen Lebensgefühl erblühte eine tiefsinnige und herzensfrohe Kunst, 
die mit ihrer farbigen und erzählerischen Menschlichkeit auch das Wunderbarste dem 
Glauben nahe führte. Franziskus von Assisi war ein Erlöser, denn er war ein 
Menschenfreund. — 



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Die Imperatorenbilder in der Münchener Residenz 

Von Georg Habich 

In den Jahren 1537—38 malte Tizian eine Reihe von zwölf Imperatorenbildem 
für den Palast in Mantua, die 1628 in den Besitz König Karls I. von England über¬ 
gingen und über deren Verbleib nach dem Tode des unglüddidien Fürsten (1649) 
nichts Sicheres bekannt ist. — Alle Spuren, die teils nach Spanien, teils nach Prag 
und Wien, wie auch auf englischen Privatbesitz wiesen, haben sich bisher als unzu¬ 
verlässig herausgestellt 

In den (1730—32) von Francois Cuvillies d. Ä. erbauten und ausgeschmückten 
.Reichen Zimmern“ der Residenz in München finden sich 12 Bildnisse römischer 
Imperatoren als Supraporten verwandt. In die Wandverkleidung einbezogen und um¬ 
spielt von den Arabeskenphantasien des geistreichsten aller Rokokodekorateure, überdies 
mangelhaft beleuchtet und durch die scharlachroten Damasttapeten um jede Wirkung 
gebracht, blieb die Serie bis vor kurzem völlig unbeachtet. Das offizielle Inventarwerk 
sah in den Bildern Arbeiten des späteren XVII. Jahrhunderts (Kunstdenkm. d. König¬ 
reichs Bayern, Lief. 16. S. 1121). 

In zehn von diesen Imperatorenbildern erblickt nun der Münchener Maler 
M. Wieland (nach Ausscheidung zweier Stücke, die er für nicht zugehörig hält oder 
hielt) die verloren geglaubten Originale von Tizians Hand und hat dieser Anschauung 
in der Zeitschrift für bild. Kunst 1908, S. 101 motivierten Ausdruck gegeben. 

Mit einem Aufgebot von archivalischem Studium, das bei dem Nichtfachmann in 
respektvolles Staunen setzt, sucht Wieland den historischen Beweis zu erbringen, daß 
die Bilder im Jahre 1628 von England dem kunstfreundlichen Kurfürsten Maximilian I. 
von Bayern auf diplomatischem Wege — „aus Staatsgründen“ — ausgeliefert worden 
seien. Der Beweis, den Wieland führt, ist ein Wahrscheinlichkeitsbeweis, aber der 
Schein der Wahrheit war ein trügerischer. Unmittelbar nachdem Wieland sein Plaidoyer 
vollendet hatte, konnte Dr. A. Budiheit (Beil. z. Allg. Zeitg. No. 26) darauf hinweisen, 
daß die Münchener Bilderserie bereits in einem Inventar von 1598 als in der Residenz 
befindlich aufgeführt wird, zu einer Zeit also, da die Tizianischen Originale noch 
unverrückt im Palast von Mantua hingen. 

Hiermit scheint Wielands Aufstellungen die Basis entzogen. Was hilft es dem 
eifrigen Anwalt, wenn eine Folge von Kupferstichen, die Agidius Sadeler mit der aus¬ 
drücklichen Bezeichnung „Tizianus inventor“ bald nach 1600 ausgehen ließ, mit 
den Münchener Bildern soweit übereinstimmt, als ein Barockkupfer überhaupt mit 
dem Originale übereinzustimmen pflegt? — Widerspenstige werden gleichwohl auf 
ihrem Widerstand beharren: „die Stiche sind eben nicht in Mantua vor den Tizian¬ 
bildern, sondern in München vor den Residenzbildern gemacht, die damals freilich noch 
eine bessere Fa^on hatten als gegenwärtig, wo sie als Surportes teils zugeschnitten 
teils angestückt sind. — Und mit der Kontrasignierung Tizians hat der Stecher seine 
Ware vielleicht nur schmackhafter, verkäuflicher machen wollen.“ 


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190 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Es wäre indes entweder ein täppisches Verkennen oder ein trauriges Zeichen 
mangelnder Wahrheitsliebe, wollte man Wielands Darlegungen jeden Wert bestreiten. 
Was lehren die Bilder, auf die er, der Maler, zum ersten Mal die Augen der Zünf¬ 
tigen hingelenkt hat, nachdem deren Blicke doch nur flüchtig darüberhin irrlichteliert 
hatten? Was lehren sie für das verloren gegangene Werk des Tizian? — 

Die Antwort mag für die Ohren mancher Leute vom Fach nicht angenehm 
klingen, aber sie lautet klar: die Bilder der Residenz geben von den ver¬ 
schollenen Imperatorenbildnissen des Tizian derzeit sowohl in Komposition, 
wie in der Farbe die relativ beste Vorstellung und sind daher als kunst- 
historisches Anschauungsmaterial von nicht zu unterschätzender Bedeutung. 
Was ex actis nicht zu lernen war, das lehrt um so klarer der Augenschein. Diese 
Figuren sind Tizians Erfindung, und von seiner schönen warmen Farbe bewahren die 
Bilder auch in ihrem gegenwärtigen Zustand genug, um mit Bestimmtheit lehren zu 
können, daß es auch Tizians Palette ist. Ob freilich auch sein Pinsel, ist mehr als 
zweifelhaft Abgesehen von dem Erhaltungszustand, scheint die Qualität der Bilder 
so verschieden, daß man, wie übrigens auch Wieland selbst schon andeutet überhaupt 
kaum an eine Hand wird denken dürfen. Neben einem wundervoll weich und breit 
hingestrichenen Profilbild („Otho“) von jener charakteristischen echt Tizianischen Licht¬ 
führung, die man von seinen Geharnischtenbildnissen kennt, stehen, hart und fleckig 
hingesetzt, krustige Schwarzmalereien unerfreulicher Art, und auf dem harmonisch ge¬ 
stimmten Nerobild findet sich ein meisterhaftes Stüde fein vertriebener Fleischmalerei 
neben einem mesquin verzeichneten Kopf. 

Aber das alles sind curae posteriores gegenüber der Tatsache, daß die ganze 
Serie doch einen geschlossenen Zyklus bildet und als solcher wenigstens die Be¬ 
zeichnung „Tizianus inventor“ keineswegs zu Unrecht trägt. Ist die Haltung der 
Halbfiguren da und dort wohl auch sichtlich beeinflußt von den statuarischen Vor¬ 
bildern, die ihnen erwiesenermaßen zum Modell dienten, zeigen die Profile bisweilen 
eine gewisse klassizistische Härte, die ihnen von den antiken Kameen und Münzen her 
anklebt, die Tizian notorisch benutzte, so fehlt es nicht an überzeugenden, unverkennbar 
Tizianischen Motiven: der stolze Blick über die Schulter, die bekannte, deutende Geste mit 
dem Kommandostab, die typisch aufgestützte Rechte, das lässige Lehnen und die bewußte 
Pose — alles echt Tizianische Ausdrucksmittel, nur dem Gegenstand entsprechend ein 
wenig gesteigert und akzentuiert: mit einem Schuß Römerpathos versetzt Die Figur 
des Generals Vasto auf der bekannten Adlokution im Prado oder das — übrigens nicht 
eigenhändige — Bildnis des Giovanni delle bande nere in den Uffizien möchten die 
nächsten Vergleichsobjekte im Werke des Meisters sein. Die Proportionen sind freilich 
mächtiger und gedrungener als es in seiner Porträtkunst die Regel ist; insbesondere 
zeigen die nackten Arme bisweilen ein geradezu gladiatormäßiges Muskelspiel. 
Aber diese »barocken“ Anwandlungen sind auch sonst Tizian nicht fremd. Sie 
finden sich überall da, wo sich sein Stil ins Dekorative erhebt, so in den beiden 
Prado-Bildern Prometheus und Sisyphus, auf den alttestamentarischen Darstellungen 
in S. Maria della Salute (Abraham, Goliath, Kain und Abel), und schon früh tritt diese 


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Die Imperatorenbilder in der Münchener Residenz 


191 


heroisierende Tendenz greifbar hervor in dem Christophorusfresko des Dogenpalastes, 
welches 1523 gemalt ist. 

Im übrigen verrät auch das antiquarische Detail durchweg Tizians Anschauung 
von der Antike. Da sind die gleichen Phantasie- und Prunkharnische wie auf dem 
Auferstehungsbild in Urbino oder auf dem Ecce homo in Wien: dieselben eng am Leibe 
anliegenden Schuppen- und Kettenpanzer wie auf dem Schlachtenbild der Uffizien oder 
auf der späten Dornenkrönung im Louvre usw. Kurzum, es gehört nicht allzuviel 
Erinnerung aus dem Werke des Tizian dazu, um, nachdem sein Name einmal genannt 
ist, seine Art hier wieder zu erkennen. Hoffen wir, daß sich diese Erkenntnis all¬ 
mählich ausbreite, damit nichts unterlassen werde, was zur völligen Klärung der Frage 
dienen kann. Vor allem wird es nunmehr an der zuständigen Hofstelle gelegen sein, 
die Bilder von ihrer unzugänglichen Höhe herabnehmen und einer sorgfältigen Rei¬ 
nigung unterziehen zu lassen. Erst dann kann die Frage: Atelier- oder Schulbilder, 
gleichzeitige oder spätere Kopien? wirklich aktuell werden. 

Inzwischen braucht die archivalische Forschung nicht zu ruhen. Wann sind die 
Bilder nach München gekommen? — Das ist wichtig zu wissen auch für das Problem 
ihrer Entstehung. Hingen sie schon in dem von Herzog Albrecht V. 1569 gegründeten 
Antiquarium, wie dies aus dem oben angeführten Inventar hervorzu gehen scheint, so 
wären sie noch zu Lebzeiten Tizians entstanden; und bei den Beziehungen, die den 
Herzog durch seinen Agenten Strada mit dem alten Tizian verbanden (s. Stockbauer, 
Kunstbestrebungen am bayr. Hof. S. 92), wäre die Provenienz der Bilder aus Tizians 
Atelier alsdann nicht ausgeschlossen. Näher liegt allerdings der Gedanke — bei dem 
nahen Verhältnis des Mantuanischen zu dem Münchner Hofe — daß die Bilder in 
Mantua selbst von einem der in Diensten der Bayernherzöge arbeitenden Meister vor 
den Originalen hergestellt worden sind. 



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Studien und Forschungen 


ÄLHÄMBRÄPROBLEME I. 

Ergebnisse und Ziele der neuen Restau- 
rierungsarbeiten. 

Die Restaurierungen der Alhambra sind fast 
ebenso alt wie diese selbst, und soweit sie sich 
auf die Dekoration bezogen, haben sie meist 
in sehr geschickten Händen gelegen, deren 
Kunstfertigkeit die Pracht der alten Stückarbeiten 
so gut nachzuahmen verstand, daß hervorragende 
Kenner arabischer Ornamentik viele Erneue¬ 
rungen oder Ergänzungen, von denen die Do¬ 
kumente des Alhambraarchivs berichten, von 
den authentischen Teilen nicht zu unterscheiden 
vermochten. 

Notorisch haben bis ins 17. Jahrhundert 
„Moriscos“, welche zu diesem Zwecke von der 
Ausweisung, die die ganze arabische Bevölke¬ 
rung traf, ausgenommen waren, die durch 
Brände und Zerfall beschädigten Teile der 
Alhambra neu ausgeschmückt, und die Kunst 
ihrer Zunft hat sich bis auf unsere Tage fort¬ 
geerbt. Die Mißgriffe, die auch in dieser Hin¬ 
sicht hie und da vorgekommen sind, erscheinen 
nun verschwindend im Vergleich zu der heil¬ 
losen Verwirrung, die nicht nur die Zerstörungen, 
Verschüttungen und Umbauten einzelner Be¬ 
festigungen und Wohnräume, sondern vor 
allem auch die ersten Herstellungsversuche des 
gegenwärtigen Bestandes in der ganzen Palast¬ 
anlage hervorgerufen haben. Diese Mauren¬ 
burg gehört nicht, wie etwa das Heidelberger 
Schloß, zu den Bauten, die auch als Ruinen 
oder gerade als solche gefallen. Ihre Schön¬ 
heit beruht nicht in einer Fassadenwirkung, 
sondern ausschließlich in dem Luxus ihrer Innen¬ 
ausstattung. Diese also muß unter allen Um¬ 
ständen erhalten werden, und zu ihrem Schutze 
sind umfassende Restaurierungsarbeiten unum¬ 
gänglich, die wiederum sich dem Burgcharakter 
des Ganzen einordnen und sowohl den ursprüng¬ 
lichen Plan der Befestigungen als auch die durch 
ihre Zweckverschiedenheit bedingte Scheidung 
der einzelnen Wohn- und Prunkräume zur Richt¬ 
schnur haben sollten. 

Was nun in dieser Hinsicht im vorigen Jahr¬ 
hundert von den Contreras getan worden ist, 
war, abgesehen von der letzten faulen Wirt¬ 
schaft, zweifellos nützlich und ersprießlich. Aber 
erst der neue Direktor, Gömez Tortosa, hat 
Arbeiten eingeleitet, die vor allem dem Verfall 


ernstlich gefährdeter Palastteile Vorbeugen 
sollen, Arbeiten, die längst nötig gewesen 
wären und deren Aufschub Befürchtungen her¬ 
vorgerufen hatte, die oft genug in Fachkreisen 
lebhaft erörtert wurden. Der neue Leiter ist 
Ingenieur, und als solcher hat er seine Aufmerk¬ 
samkeit vor allem den Gängen und Leitungen 
der alten Kanalisation zugewandt, diese 
schon zum großen Teil wieder aufgedeckt und 
hergestellt. So werden also bald die zahlreichen 
Wasserläufe, die den Burghügel durchrieseln 
und, ihrer ursprünglichen Regulierung beraubt, 
bereits den Grund der Alhambra durchsickert 
und gelockert hatten, von neuem ihr künstliches 
Bette finden und zum Darro abgeführt werden. 
Dadurch ist zweifellos die größte Gefahr be¬ 
schworen. 

An dem schon lange Einsturz drohenden 
Komaresturm hat man dann neben äußeren 
Flickarbeiten die Erneuerung der inneren Unter¬ 
wölbung in Angriff genommen; es besteht dem¬ 
nach Hoffnung, daß auch er und der berühmte 
Gesandtensaal, den er birgt, uns gerettet werden. 

Schlimmer als um diesen, stand es infolge 
gröbster Vernachlässigung noch bis vor Kurzem 
um den sog. Frauen türm („Torre de las Da- 
mas“ oder „del Principe“), ein wahres Kleinod 
der Alhambra und den fremden Besuchern in 
der Regel unbekannt, an dessen Wiederher¬ 
stellung jetzt mit großem Eifer gearbeitet wird, 
ln beispiellos barbarischer Weise waren die 
reizenden Wanddekorationen übertüncht, die 
zierlichen Fenster vermauert und statt ihrer 
neue in die Mauer gebrochen, um moderne 
Wohnungen zu schaffen, und der letzte Besitzer, 
ein Deutscher, besaß noch die Geschmacklosig¬ 
keit, sich die einzigartige Turmdecke mitzu¬ 
nehmen, als er den Palast dem Staate schenkte. 
Wegen der Baufälligkeit der alten Teile kann 
die Beseitigung der neuen nur mit größter Vor¬ 
sicht geschehen. Zweifel bestehen wegen der 
ursprünglichen Konstruktion glücklicherweise 
nicht, und auch die Motive der Ausstattung 
haben an allen Stellen genügend Spuren zurück¬ 
gelassen, um ihre stilgemäße Ergänzung zu er¬ 
möglichen. Die Ornamente sind von außerge¬ 
wöhnlicher Zartheit und Tiefe, und wenn es ge¬ 
lingt, diese unvergleichlich kunstvolle Anlage 
auch nur annähernd in ihrem früheren Glanze neu 
erstehen zu lassen, wird die Alhambra um ein 
Wunder reicher sein. Die Aussicht von dem 


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Studien und Forschungen 


193 


Mirador spottet jeder Beschreibung und über- 
trifft bei weitem die vom Generalife. Der Teich, 
der vor dem Eingang lag, war verschüttet; das 
Bassin ist jetzt wieder in der alten Form aus¬ 
gemauert. 

Man hat nicht ohne Grund vermutet, daß 
diese „Torre del Principe 41 der schmucke 
Palast war, den Mohammed V. seinem Bruder 
Ismael „in der Nfihe des Residenzschlosses 44 
(nach der Aussage Alchatibs) erbaute, „mit 
allen Bequemlichkeiten ausgestattet. 41 ln der 
Tat scheint auch die kleine Moschee, die 
unmittelbar daneben liegt und deren Inneres in 
scheußlicher Weise „aufgefrischt 41 wurde, dazu 
gehört zu haben. 

Andererseits lfißt sich feststellen, daß dieser 
Bau mit dem Königlichen Palast in Verbindung 
stand, und zwar, wie ich meine, mit der Rück¬ 
seite der sogen. Sala de la Justicia, die die 
Ostseite des Löwenhofes bildet. Wie wir uns 
den Zusammenhang zu denken haben, wird erst 
eine Untersuchung der Mauerreste neben und 
unter den dort befindlichen Wohnbauten, deren 
Ankauf und Niederlegung die Direktion beab¬ 
sichtigt, ergeben. Ferner müßte erwogen 
werden, ob nicht diese Teile mit dem ältesten, 
der Rauda, die bekanntlich bereits seit dem 
ersten der Nasriden als Königsgruft diente, und 
deren Bild jetzt sehr verwischt ist, in Beziehung 
waren. Eine solche Feststellung wäre insofern 
von Wert, als sich daran die Vermutung knüpfen 
ließe, daß hier nicht nur der Anfang des Königs¬ 
palastes, sondern eine ganze Anlage bestand, 
die alle Bedingungen einer Residenz erfüllte 
und diesem Zwecke so lange diente, bis die 
späteren Bauten, vornehmlich die beiden großen 
Höfe, vollendet waren. Dann hätte der jetzt 
völlig unverständliche Name der „Sala de la 
Justicia* (die sich doch nie und nimmer im 
Harem, den der Löwenhof bildete, befunden 
hat!) seine Erklärung darin, daß an ihrer Stelle 
tatsächlich der erste Meschuär zu suchen ist, 
daß also dort Recht gesprochen wurde, während 
wir in der schönen „Torre de las Damas* nicht 
den Palast IsmaUs, sondern den ersten Harem 
zu erkennen hätten; ließe sich erweisen, daß 
dessen Ornamente früher sind, als die der 
übrigen Säle, so würde diese Hypothese, der 
ich vorderhand noch nicht die Form einer Be¬ 
hauptung zu geben wage, wesentlich verstärkt 
sein. Denn unvermeidlich ist doch die Frage: 
wo wohnten die Frauen der Sultane, ehe Mo¬ 
hammed V. die Räume um den Löwenhof, als 
dessen Erbauer ihn die Inschriften bezeugen, 
vollendete? 

Der Meschuär (fälschlich auch „Patio de la 
Mezquita* genannt) ist nicht, wie gemeinhin an¬ 


genommen wird, der älteste Teil, sondern eben¬ 
falls erst von Mohammed V. angelegt. Von 
ihm rührt also wahrscheinlich die Orientierung 
des Palastes von Westen nach Osten über¬ 
haupt her. 

Ich nehme an, daß der ursprüngliche Eingang 
am entgegengesetzten Ende und demnach der 
Aufgang von der Stadt durch die berühmte 
„Puerta Siete Suelos 44 war. Auf dem Platz 
vor der ehemaligen großen Moschee — deren 
Verbindung mit der Rauda sich übrigens rekon¬ 
struieren läßt — hätte sich dann dieser Weg 
mit dem von der Torre de los Picos herauf¬ 
kommenden getroffen. Denn man darf nicht 
außer Acht lassen, daß die „Puerta de la Ju¬ 
sticia*, die jetzt den Hauptaufgang zur Alhambra 
bildet, erst unter Mohammeds V. unmittelbarem 
Vorgänger, Yusuf I., erbaut wurde. 

Hoffentlich wird nun auch der Meschuär, 
vorläufig immer noch der problematischste Teil 
der Alhambra, unter Benützung der alten Reste 
und nach Niederreißung der Überbauten bald 
seiner eigentlichen Bestimmung wieder gegeben 
werden. Denn der gegenwärtige Eingang, der 
direkt in den Myrtenhof führt, ist zwar sehr 
beqeum, macht es aber dem Besucher schwer, 
wenn nicht unmöglich, sich von der authen¬ 
tischen Anordnung eine Vorstellung zu bilden. 
Zu demselben Zwecke wäre auch die Öffnung 
zweier völlig zugemauerter Korridore sehr 
wünschenswert: der eine führte vor dem Ge¬ 
sandtensaal vorüber, der andere trennte voll¬ 
ständig Myrten- und Löwenhof, d. i. Empfangs¬ 
und Frauenräume. Von den letzteren sind die 
oberen, unzugänglichen, reich dekoriert, aber 
z. T. arg verfallen. Baldige Abhilfe wäre auch 
hier zu empfehen. 

Wenn es Herrn Gömez Tortosa, unter dessen 
Direktion mit lobenswerter Energie und erfreu¬ 
licher Umsicht vorgegangen wird, gelingt, seine 
geplanten Konsolidierungs- und Rekonstruktions¬ 
arbeiten glücklich durchzuführen, so wird er 
uns bald mehr halten, als seine Vorgänger ver¬ 
sprochen haben. 

Ernst Kühnei, Granada. 

S 

ZU MOCETTO. 

Das Interesse, das uns Girolamo Mocettos 
Kupferstiche gewähren, ist nicht zum geringsten 
Teil gegenständlicher Natur. Beiwerk, das er 
seinen Kompositionen gab, Beziehungen literari¬ 
scher und symbolischer Art, die er in sie hinein 
verarbeitete, sind oft für uns wichtig und 
neu. So findet sich auf der Darstellung 


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194 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


der „Äpelles-Ver- 
leumdung" (B. 10) 
bekanntlidi eine 
im Gegensinn ge¬ 
treue Abbildung 
des Colleonidenk- 
mals und der Kir¬ 
che SS. Giovanni 
e Paolo in Vene¬ 
dig, in der ja 
der Künstler ein 
großesGlasfenster 
schuf. 1 ) 

Von humanisti¬ 
schen Neigungen 
gibt dann das Blatt 
mit der ruhenden 
Nymphe Kunde 
(B. 11). Aber es 
ist kein gläubiger, 
begeisterter Klas¬ 
sizismus, sondern 
ein satirischer, mit 
obszöner Fär¬ 
bung. DieDeutung 
des Blattes ist nicht 
ganz gesichert. Am 
nächsten wird der 
Sache wohl die 
Erklärung kom¬ 
men, die Galichon 
in der Gazette de 
Beaux Ärts (1859, p. 330) gab und die Passa- 
vant (V, 137) zitiert — Ämymone mit Poseidon, 
der die schöne Danaide vor der unzüchtigen 
Gier des Satyrs retten wird. Man hat aber 
Ursache anzunehmen, daß die innere Anteil¬ 
nahme des Künstlers auf Seiten des Satyrs 
war. Die rätselvolle Inschrift, die nach Renouvier 
zu lesen ist: „sepe eadem anas te jam sat parit“ 
scheint mir einen Hinweis für das Vorwiegen 
des obszönen Gedankens zu enthalten. Paläo- 
graphisch beweisen läßt sich das zwar nicht mit Be- 


*) Die Zeichnung mit der Mensdien-G nippe dieser 
Verleumdungsszene (reproduziert in „DQrer-Society 111,18, 
mit Text von Campbell Dodgson) wird dem Mantegna 
zugesdirieben, doch hat Kristeller sie nicht in die Liste 
seiner Manteanazeidmungen aufgenommen. Daß sie für 
eine graphische Arbeit bestimmt war, geht vielleicht aus 
dem Umstande hervor, das der Zug der Figuren in der 
Schilderung bei Lukian, die als literarisches Vorbild ge¬ 
dient hat, nach rechts geht, wfihrend er sich auf der 
Zeichnung nach links bewegt. Der Zeichner hat sie also 
im Gegensinn zu Lukians Schilderung entworfen, sodaß 
sie nachher, beim Druck, richtig erschienen wfire. Mocetto 
hat diesen Umstand aber nicht bedacht und die Szene 
seinerseits umgezeichnet. Die Zeichnung ist nicht nach 
dem Stich entstanden; das beweisen abgesehen von allem 
Anderen, schon die Beischriften, die von Mocetto falsch 
gelesen wurden. (S. Förster. Jahrb. d. preuß. Kunst- 
sammlg. VIII. S. 46/47.) 


stimmtheit, denn 
die Buchstaben, 
die im wesent¬ 
lichen die Charak¬ 
tere griechischer 
DokumenteinVer- 
bindung mit 
Schnörkelungen 
karolingischer 
Kaiserurkunden 
reproduzieren, 
sind willkürlich 
und spielerisch or¬ 
namental gestal¬ 
tet. Aber das 
merkwürdige Ge¬ 
bilde, das Renou¬ 
vier für ein t in 
dem prädentierten 
Worte sat nimmt, 
hat — soviel kann 
man sagen — mit 
einem t gar keine 
Ähnlichkeit, weder 
mit einem lateini¬ 
schen, noch grie¬ 
chischen , auch 
nicht in der Ver- 
schnörkelung.Viel- 
mehr ist es ein 
griechisches Sig¬ 
ma, nur im Gegen¬ 
sinn erscheinend. Ich möchte vermutungs¬ 
weise die Lesung vorschlagen: „sepe eadem anas 
tettaras pascit“. Dann steht allerdings ein griechi¬ 
sches Wort zwischen lauter lateinischen, aber 
bei dem spielerischen Charakter der ganzen In¬ 
schrift, in der auch griechische und lateinische 
Buchstaben durcheinandergehen, hat diese Ver¬ 
mutung kaum etwas Ungeheuerliches, zumal da 
ja doch die ganze Inschrift sichtlich mehr zur 
Verwirrung als zur Erklärung angebracht ist, 
wie der komische, prüfende Blick des lesenden 
Frosches genugsam beweisen mag. Dann gibt 
die Beischrift wenigstens einen plausiblen Sinn — 
das „tettaras" bezieht sich auf die vier dar- 
gesteilten männlichen Wesen, before and after. 
Es ist nicht nötig, die Situation der einzelnen 
auszudeuten — die Geste des Satyrs z. B., dem 
die Flöten gereicht werden, spricht deutlich. Die 
Ente, „anas", hatte im Altertum eine aphrodisi¬ 
sche Bedeutung; oft wird das Wort synonym 
verwendet mit „Gans", und die Zusammenfügung 
von wirklichen Enten mit einer ruhendenNymphe, 
auf die sich die Inschrift bezieht, ist in diesem 
Zusammenhänge gewiß bedeutungsvoll. Bis ins 
Letzte geklärt sind die Beziehungen allerdings 



GIROLAMO MOCETTO: B. 10. 

Die Verleumdung des Apelles 


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Studien und Forschungen 


195 



GIROLÄMO MOCETTO: 
Ruhende Nymphe □ 


nicht; aber es mag hier darauf hingewiesen 
werden, daß bei dem Nymphenbilde des Palma 
vecchio, welches das Städelmuseum in Frank" 
furt erwarb — also gleichfalls einer veneziani¬ 
schen Arbeit — auch bei den Nymphen eine Ente 
im Wasser schwimmt. Und zwar ist sie nicht 
ursprünglich mit entstanden, sondern erst später 
von fremder Hand aufgemalt. Vielleicht hat sich 
ein Kollege des Meisters mit dessen Bilde einen 
frivolen Scherz erlaubt. 

Wenn die für unseren Stich ausgesprochenen 
Vermutungen zutreffen, so braucht Galichons 
Deutung damit nicht hinfällig zu sein; besonders 
für das Haupt des Enkelados wird man keinen 
Ersatz finden. Aber auf alle Fälle sind die mytho¬ 
logischen Beziehungen einigermaßen locker, auch 
die zu Apollo und Marsyas. Doch ist interessant, 
daß es neben handgreiflich lasziven Persiflagen, 
wie dem bekannten Blatt vom entweihten 
Parnaß, damals auch spöttisch überlegene Komik 
auf diesem Gebiete gab. 


Es sei daran erinnert, daß auf unserem Stich 
die Linie zwischen der Amymone und Poseidon 
keinen gegenständlichen Hinweis enthält, sondern» 
wie schon Bartsch wußte, ein Stichelglitscher ist. 

E. Waldmann. 

8 

DIE AUSGRABUNGEN IN MILET. 1 ) 

Dem organisatorischen Talent Th. Wiegands 
verdankt die wissenschaftliche Bearbeitung der 
in Milet betriebenen Ausgrabungen die preisens- 
werte Anlage in einzelnen Heften handlichen 
Umfangs und Formates, die „in zwangloser 
Zeit- und Reihenfolge 11 einzeln veröffentlicht 
werden. „Es handelt sich dabei um Objekte» 


ä ) Milet. Ergebnisse der Ausgrabungen und Unter¬ 
suchungen seit dem Jahre 1899. Herausgegeben von 
Th. Wiegand. Heft II: Das Rathaus von Milet, von 
Hub. Knadcfuß, mit Beiträgen von C. Fredrich, Th. Wie¬ 
gand, H. Winnefeld. Mit 20 Tafeln, 2 Beilagen und 
107 Abbildungen im Text. Berlin, Georg Reimer 1906. 
Fol. 15 M. 


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196 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


deren Ausgrabung und Erforschung so abge¬ 
schlossen ist, daß neuer Zuwachs an Material 
nicht mehr zu erwarten steht", und die deshalb 
der Kenntnis interessierter Kreise nicht unnötig 
vorenthalten, vielmehr auf dem geschilderten 
Wege möglichst rasch der wissenschaftlichen 
Verwertung zugänglich gemacht werden sollen. 
Nachdem im 1. Heft eine Karte der milesischen 
Halbinsel vorgelegt war, wird in dem eben 
ausgegeben 2. Hefte zum ersten Male über eines 
der auf gedeckten monumentalen Bauwerke, das 



MILET: Gesamtansicht des Rathauses 


Rathaus von Milet, berichtet, ein besonders 
wichtiges Denkmal, insofern es unsere so lücken¬ 
hafte Kenntnis der griechischen Profanarchitek¬ 
tur bereichert, noch dazu für jene Periode der 
griechischen Kunstentwickelung, die der Auf¬ 
hellung so besonders bedürftig ist, der helleni¬ 
stischen. Denn der Bau läßt sich genau datieren 
auf Grund der doppelt angebrachten und in 
Fragmenten aufgefundenenWeihinschrift, die be¬ 
sagt, daß Timarchos und Herakleides ihn für 
König Antiochos (IV.) Epiphanes errichteten: 
das ergibt die Jahre zwischen 175 und 164 v. Chr., 
also die Blütezeit des Hellenismus. 

Trotz weitgehender Zerstörung hat sich die 
Anlage mit annähernder Sicherheit rekonstruieren 
lassen, eine Aufgabe, der sich Hubert Knackfuß 
mit Glück und Geschick unterzogen hat. Dem 
eigentlichen Sitzungshaus ist ein weiter Hof 
vorgelagert, von Säulenhallen umgeben, die an 
der Schmalseite von einem überhöhten vier¬ 
säuligen Propylon durchbrochen werden. Die 
Säulenform der Umgangshallen hat sich nicht 
feststellen lassen, das Propylon war korinthi¬ 
scher Version, mit einem Akanthos von eigen¬ 
tümlich scharfer, kantiger Zeichnung und flächi¬ 
ger Wirkung, dessen Einzelformen mehr durch 


Stechen und Bohren in die Tiefe gewonnen 
sind im Gegensatz zu der räumlich plastischen 
Modellierung des Blattes, wie sie schon am 
Kapitell von Epidauros auftritt und in höchster 
Steigerung das römisch-korinthische Kapitell 
charakterisiert. Die technische Behandlung des 
milesischen Kapitells scheint mir durchaus (nach 
den Abbildungen zu schließen) wesensverwandt 
derjenigen, die auch am Waffenfries des Torbaus 
auftritt und deren Eigenart von Winnefeld mit 
Recht hervorgehoben wird: eine Anlage der 
Formen in der Fläche und ein Herausarbeiten 
durch Auschneiden der Ränder und Tiefen¬ 
bohrung. Es ist abzuwarten, ob diese Erschei¬ 
nung am milesischen Bau vereinzelt bleibt, oder 
ob künftige Entdeckungen sie noch an anderen 
hellenistischen Denkmälern Kleinasiens oder 
Syriens nachweisen werden. Wie sie sich jetzt 
darstellt, scheint sie den Anfang jener Richtung 
zu bezeichnen, die in der byzantinischen Kunst 
vollendete Tatsache ist, jenes Stiles, den Strzy- 
gowski aus einem Wiedererwachen und Er¬ 
starken nationaler Elemente des Orients ab¬ 
leiten will, die den Hellenismus, der einst Asien 
erobert hatte, wieder zurückdrängen und ab¬ 
werfen. Zeigen sich aber die Urelemente dieses 
Stiles an einem Bau aus der Blütezeit des 
Hellenismus, und lassen sich die hier ange- 
stellten Beobachtungen künftig erweitern und 
verallgemeinern, so ergeben sich daraus Folge¬ 
rungen von so weittragender Bedeutung im 
Umkreise der von Strzygowski aufgeworfenen 
Fragen, daß es geboten erschien, auf diesen 
Punkt recht fest den Finger zu legen. 

Der eigentliche Sitzungsbau in Milet ist in 
seiner Anlage und seinen Abmessungen be¬ 
stimmt dadurch, daß es galt, einen isoliert 
stehenden Felskegel, in dem die Sitzbänke nach 
Art eines kleinen Theaters ausgehöhlt wurden, 
zu ummanteln. Dieser feste, massive Mantelbau 
bildet ein Untergeschoß mit geschlossenen 
Quaderwänden, abgeschlossen durch ein Gurt¬ 
gesims, über dem sich ein zweites, von Fenstern 
durchbrochenes, mit vorgeblendeten Halbsäulen 
dekoriertes Stockwerk erhebt, das ganze über¬ 
deckt durch ein Satteldach mit Giebeln über den 
Schmalseiten. Die Existenz der Fenster ist an 
zwei Seiten durch Fundstücke gesichert, für die 
beiden anderen aus der Notwendigkeit genü¬ 
gender Lichtzufuhr für den großen Raum wohl 
mit Sicherheit zu erschließen. 

Im Innern wird das Untergeschoß einge¬ 
nommen durch die annähernd im Halbkreis an¬ 
geordneten, hinter einem in ganzer Breite des 
Gebäudes vorgelagerten Vorflur ansteigenden 
Sitzbänke, die in der Rekonstruktion so hoch 
hinauf geführt sind, daß an der Kurve der obersten 


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Studien und Forschungen 


197 


Bank die Umfassungsmauern Tangenten bilden. 
Es bleiben dann nur in den hinteren Ecken zwei 
relativ winzige Zwickelpodeste in der Höhe des 
ersten Stockwerkes übrig, die durch Treppen 
von der Rückseite des Gebfiudes her zugfinglich 
sind. Im Obergeschoß werden dann, nach der 
Rekonstruktion von Knackfuß, einfach die auf- 
steigenden Fensterwände sichtbar, die mit ihrer 
rechtwinkligen Anordnung zu den Kurven der 
Sitzbänke recht dissonierend gewirkt haben 
müßten, wie denn überhaupt die Ansicht des 
Innenraumes in der Rekonstruktion einen her¬ 
vorragend nüchternen Eindruck macht. Das 
Befremdliche des Bildes wird noch gesteigert 
durch die von Knackfuß gewählte Anordnung der 
Deckenstützen, die bei der großen Spannweite 
des Raumes nötig waren, und deren Existenz 
durch Auffindung von Säulentrümmern im Innern 
der Ruine gesichert ist. Knackfuss setzt zwei 
von den Säulen mitten in die Reihen der Sitz¬ 
bänke hinein, zwei andere auf die Parodoswände 
zwischen „Orchestra" und Vorflur, die er zu 
diesem Zwecke bis zur Höhe des ersten Stock¬ 
werkes emporführen muß. Ist diese Rekon¬ 
struktion, die ästhetisch mehrfach anfechtbar ist, 
durch den Zustand der Ruine zwingend nahe 
gelegt? Diesen Eindruck gewinnt man nach der 
Zeichnung des tatsächlichen Befundes auf Tafel 1 
nicht, namentlich scheint es mir nicht nötig, die 
Sitzreihen bis zur Tangierung mit den Um¬ 
fassungsmauern emporzuführen. Erhalten sind 
nur neun Reihen, von einer zehnten die Unter¬ 
mauerung aus Porosblöcken. Da bleibt noch 
viel Raum bis zu den Umfassungsmauern. Muß 
dieser notwendig mit weiteren Sitzbänken aus¬ 
gefüllt gewesen sein? Der Vergleich mit dem 
Ekklesiasterion von Priene legt den Versuch einer 
andern Rekonstruktion nahe mit dem Ziele, 
einen oberen Umgang mit Stützenstellungen zu 
gewinnen, welche die in der Spannweite ver¬ 
ringerte Decke aufnehmen und tragen könnten. 
Das würde erreicht, wenn man in Milet die 
Sitzreihen in einer bestimmten Entfernung von 
den Wänden aufhören läßt und hinter der obersten 
eine der Kurve folgende Podestmauer bis zur 
Höhe des äußeren Gurtgesimses aufgeführt denkt, 
die den Boden eines Umganges in eben dieser 
Höhe stützte. Am inneren Rande dieses Um¬ 
ganges könnten dann die Säulen gestanden 
haben, welche das Balkenlager der Decke trugen 
und zugleich den harten Zusammenstoß gerader 
und gekrümmter Linien und Flächen milderten, 
wie er in der jetzt gegebenen Rekonstruktion 
so empfindlich wirkt. Gleichzeitig würde dann 
im oberen Geschoß eine gewisse Fußbodenfläche 
gewonnen, die man wegen des doppelten Treppen¬ 
zuganges dorthin voraussetzen möchte, während 


im andern Falle die Treppen als Zugang zu den 
winzigen Zwickeln ziemlich deplaciert erscheinen 
wollen. Ob die so gewonnene Verringerung der 
Spannweite genügt, um ohne weitere Mittel¬ 
stützen, vielleicht gar ohne die beiden Säulen 
auf den Parodoswänden auszukommen, müssen 
Kundigere entscheiden. Bei der Bibliothek von 
Ephesos war eine Spanhweite von 16,50 m ohne 
Innenstützen zu bewältigen. Auf ein ähnliches 
Maß müßte in Milet auf dem angedeuteten Wege 
wohl zu gelangen sein. 

Zu erwähnen ist noch ein besonderer kleiner 
Zierbau, der sich frei in der Mitte des peristylen 
Vorhofes erhebt. Er ist mit der Erbauung des 
Rathauses nicht gleichzeitig, die Verwendung 
von Kalkmörtel weist seine Errichtung in römische 
Zeit. Auf einem Unterbau von drei Stufen erhebt 
sich ein massiver, mit Girlanden geschmückter 
Sockel, darüber eine Säulenstellung mit reichem 
Gebälk vor geschlossenen Wänden, die in den 
Interkolumnien, diese ganz ausfüllend, mit Reliefs 
geschmückt sind. Die Bedeutung des Denkmals 
ist nicht klar. Man möchte an einen Altar 
denken, den man im Zusammenhang mit der 
Rathausanlage ungern vermißt, wie er denn auch 
im Ekklesiasterion von Priene vorhanden war, 
der aber an anderer Stelle des milesischen Baus 
nicht nachweisbar ist. Die Entdecker machen 
gegen diese Erklärung die späte Entstehung des 
Denkmals geltend und daß es schwierig sei, die 
für eine Altaranlage erforderliche Treppe zu 
rekonstruieren. Bruchstücke eines in der Nähe 
gefundenen steinernen Sarkophages, die man zu 
dem besprochenen Bau in Beziehung setzte, 
haben zu der Vermutung geführt, daß in ihm 
ein „Ehrengrab“ erhalten sei. Das letzte Wort 
in dieser Sache scheint mir noch nicht gesprochen, 
Rätselhaft wie der Bau selbst, sind ihrem Stil 
nach auch die Reliefs, die ihn schmückten. Wenn 
auch flüchtig in der Ausführung, haben ßie doch 
einen bestimmt ausgesprochenen künstlerischen 
Charakter, zu dem ich in römischer Plastik keine 
Analogien finde. Wenn Wiegand die Reliefs 
neben die Sarkophage der römischen Kaiserzeit 
setzt, so kann ich darin nicht folgen, empfinde 
hier und dort vielmehr alles gegensätzlich. Das 
Formengefühl, die Behandlung des Stofflichen, 
die Anlage in großen, breiten Flächen, die durch 
schwere, lastende Faltenzüge unterbrochen sind, 
überhaupt der Zug zum Großen und Massigen, 
wie er sich namentlich in den beiden Reliefs auf 
Tafel XVII ausspricht, findet am ersten eine 
Parallele in den Skulpturen von Magnesia, und 
zwar eher in denen der älteren Reihe, dem 
Fries vom Altar der Artemis Leukophryene, als 
in den jüngeren. Als Besonderheit zeigen aber 
die milesischen Reliefs einen Zug zum Malerischen, 


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198 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


wie er sich in der diagonalen, in die Tiefe ge¬ 
richteten Anordnung der linken Eckgruppe auf 
den eben bezeichneten Reliefs ausspricht. Dabei 
ist diese Gruppe im Aufbau wie in den Motiven 
der einzelnen Figuren, namentlich des im Vorder¬ 
gründe gelagerten und halb vom Rücken ge¬ 
sehenen Mädchens von hohem Reiz. Zu dem, 
was wir unter römischer Plastik verstehen, ge¬ 
hören diese milesischen Reliefs ganz sicher 
nicht, ihr besonderer Stil in seinem Zusammen¬ 
hänge mit den magnetischen Skulpturen weist 
auf eine festgewurzelte, lang dauernde lokale 
Tradition, in deren Wirkung wir einen flüchtigen 
Blick erhalten. Es ist griechische, kleinasiatisch¬ 
hellenistische Plastik aus der Zeit, da die römi¬ 
schen Cäsaren das Szepter der Weltherrschaft 
hielten, aber keine w römische Reichskunst 0 , son¬ 
dern von der am Tiber betriebenen im Kern 
•des Wesens verschieden. 

P. Herrmann. 
s 

GOTLAND 

Die Kunstgeschichte Qotlands im 13. und 
14. Jahrhdt. behandelte Dr. Roosvaal in einem 
Vortrag am 10. Januar in der Kunstgeschicht¬ 


lichen Gesellschaft zu Berlin. Aus der ersten 
Periode, die R. von 1050—1150 ansetzte, ist von 
den holzgebauten Kirchen nichts erhalten; da¬ 
gegen eine Anzahl Taufsteine in Sandstein, mit 
wirkungsvollen bewegten Reliefs. In der zwei¬ 
ten Periode (1150—1250) wurden steinerne 
Kirchen gebaut, doch sind auch von ihnen nur 
Einzelheiten der AuBendekoration erhalten, ein¬ 
gemauert in spätere Bauten. Diese, wie einige 
Gemälde vom Ende des 12. Jahrhunderts in 
Gade, zeigen russisch-byzantinischen Einfluß. 
Einwirkung von Deutschland (Westfalen) her 
weisen die Bauten der dritten Periode auf 
(1250—1300). Die Bautätigkeit steigt, auch wird 
viel nach Norddeutschland exportiert, namentlich 
Tauf- und Grabsteine. Die vierte Periode 
(1300—1400) kennzeichnet die Herrschaft der 
Gotik in den Einzelformen; die Hauptformen 
bleiben die alten einheimischen. Exportiert 
werden hauptsächlich gravierte Grabplatten und 
Figuren-Kapitelle. Ende des 14. Jahrhunderts 
endet die reiche Kunstblüte Gotlands durch den 
Sieg der deutschen Hanse. — Dr. Schmitz er¬ 
gänzte den Vortrag von R. durch Erläuterungen 
über die Beziehungen zwischen Westfalen und 
Gotland im 12. und 13. Jahrhundert. S. 



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RUNDSCHAU 



BERLIN = —= 

Von den Neuerwerbungen der Kgl . Museen 
fallen nur die für das Kaiser-Friedrich-Museum 
ins Äuge. Außer einem guten Raeburn (Portrait 
des Sir James Montgomery), dem dritten eng- 
lisdien Gemälde, das die Sammlung erworben 
hat, sind es nordische Plastiken, über welche 
Vöge zusammenfassend und klar berichtet. 
Eine Äntwerpener Arbeit vom Ende des 
15. Jahrhunderts ist die Gruppe der Trauernden 
unter dem Kreuz. Die geringe Zahl der elsässi- 
sehen Schnitzwerke im Museum wird durch ein 
sehr anmutiges Relief vermehrt, Christus am 
Olberg (bemalter Stuck, nach dem gleichen Vor¬ 
bild gearbeitet wie das entsprechende Relief 
am Passionsaltar von Kaysersberg, also u. 1520); 
ein zweites Stück aus dem Elsaß ist der schla¬ 
fende Johannes in einer Landschaft, 1553 be¬ 
zeichnet, von dem Meister Hans R., der den 
Kienzheimer Altar (jetzt in Kolmarer Privat¬ 
besitz) und wohl auch den eben erwähnten 
Kaysersberger Altar geschnitzt hat. Dann ein 
Augsburger Relieftäfelchen mit undeutbarem 
Sujet, um 1525; und zwei Altäre, einer von 
einem Pacherschüler (vielleicht Wolf Aßlinger, 
von dem ein schöner Altar im Bayr. National- 
Museum); und ein schwäbischer Altar von 1512, 
der aus Augsburg stammen soll. 

8 


Die Verkehrsverhältnisse am Brandenburger 
Tor bedürfen längst der Umgestaltung; die 
Schwierigkeit liegt aber darin, daß man das Tor 
selbst, wie es sich von selbst versteht, mit 
seinen Flügelbauten schonen möchte. Nun hat 
der Oberhofbaurat v. Ihne, der wegen des 
Kaiser Friedrich-Museums in einem nicht näher 
zu definierenden Rufe steht, dem Kaiser einen 
Entwurf vorgelegt, welcher dessen volle Zu¬ 
stimmung erhalten hat. Das Tor soll vollstän¬ 
dig erhalten bleiben, an die Stelle der sich an¬ 
schließenden Häuser aber zwei große seitliche 
Säulenhallen mit Durchfahrten zu Seiten des 
alten Tores. Diese Idee erscheint freilich am 
günstigsten; wenn einmal etwas fallen muß, so 
mögen es lieber noch die Privatbauten sein, 
wenn sie auch den Pariser Platz neben dem 
Tor aufs würdigste abschließen. Aber wenn an 
ihre Stelle eine Doppelkolonnade von Ihne 


kommen soll, so muß man zum mindesten auf 
seiner Hut sein, daß nicht etwas Fürchterliches 
Erreignis werde. 

8 

Die Ausstellungen in den Berliner Kunst¬ 
salons brachten in den letzten Monaten wunder¬ 
volle Vergleichsmöglichkeiten: sie stellten die 
problematische Malkunst der Corinth, Slevogt 
und Greiner der geschlossenen Einheit der Maler 
von der Münchener Scholle gegenüber und zeig¬ 
ten deutlich den unüberbrückbaren Spalt, der 
zwischen Sachdarstellung und Monumental¬ 
malerei besteht. Näher darauf einzugehen ist 
hier nicht der Ort; ein paar Andeutungen mögen 
Platz finden. Louis Corinth (bei Cassirer, im 
Januar) repräsentiert die malerische Technik an 
sich, nackt, kahl, ohne künstlerischen Ehrgeiz, 
ohne Gesinnung, ohne Tradition; eine brutale 
und abstoßende Kraftäußerung, aber keine Kunst 
im rechten Sinne. Max Slevogt (bei Cassirer, 
im Februar), eine höchst reiche Natur, so be¬ 
schäftigt mit Problemen, daß er nie zu ihrer vollen 
Lösung kommt; seine überquellende Fruchtbar¬ 
keit, seine nervöse Persönlichkeit hindert ihn 
am Ausreifen. Otto Greiner (bei Schulte, im 
Februar) strebt, im Gegensatz zu den beiden, 
nach Monumentalität; allein auf falschen Wege: 
statt der Synthese, der hohen Form, will er 
durch peinlichste Formanalyse und ungereinig¬ 
ten Naturalismus zur Klassizität gelangen; und 
muß freilich hieran scheitern: seine Bilder be¬ 
stehen aus mehr oder minder guten Fragmen¬ 
ten. Demgegenüber bedeuten die Leistungen 
der Münchener Scholle (bei Gurlitt, im Februar) 
die Synthese aus guter Malerei und dekorativem 
Können. Der Stärkste an malerischer Fülle und 
Lebenskraft ist Leo Putz (unvollkommen ver¬ 
treten); seine Malerei ist längst über den platten 
Impressionismus zu einer lebensvollen Aus¬ 
drucks- und Phantasiekunst gelangt. Nach der 
Seite des Dekorativen aber bedeutet Fritz Erier 
einen Höhepunkt nicht nur innerhalb der Scholle, 
ja nicht nur in Deutschland, sondern in unserer 
Zeit überhaupt: er kann sich neben Maurice 
Denis und Hodler völlig behaupten. Er hat, 
durch eine gewaltige Energie der Formzusammen¬ 
fassung, einen modernen Stil der Wandmalerei 
gefunden; seine Fresken für das Kurhaus in 
Wiesbaden beweisen es jedem, der ein Organ 
für Monumentalstil besitzt. Die Kartons dazu, 


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200 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


in den ursprünglichen Farben, sind im März im 
Künstlerhaus ausgestellt. Daneben eine Reihe 
kleinerer Werke, von denen ein paar Porträts 
die Bedeutung in sich tragen, welche hoher 
Kunst eignet. Erler ist einer der Führer zu 
neuen, ganz großen Aufgaben unserer Kunst; 
denn nicht einer Staffeleimalerei gehört die Zu¬ 
kunft, sondern dem Fresko, das Flächen großer 
Architektur im Zusammenhang mit dem Raume 
ausschmückt. S. 

8 

BREMEN - - - 

Große deutsche Kunstausstellung . Februar bis 
Mitte April. 

Äile zwei Jahre findet in Bremen eine große 
Frühjahrsausstellung statt. Die letzte war eine 
„Internationale 11 , die jetzige ist eine deutsche. 
Nur eingeladene Werke sind ausgestellt, nichts 
zufällig Eingesandtes. Auf diese Weise ist das 
Niveau sehr hoch, trotzdem die Zahl der Ge¬ 
mälde allein über 300 Nummern beträgt. Es 
leuchtet ein, daß natürlich nicht nur neue, un¬ 
bekannte Werke gezeigt werden — in keinem 
Lande werden wohl jährlich 300 sehr gute 
Bilder gemalt; sondern auch ältere, oft gesehene 
Werke paradieren hier, wie z. B. Liebermanns 
„Kartoffelacker“, Kalckreuths „Sommer“ und 
Gebbardts „Christus und Nikodemus“. Aber 
man kann ja gute Bilder in Wirklichkeit nie oft 
genug sehen. Eine Überraschung freudigster 
Art bietet der Trübner-Saal. In ihm sind eine 
große Zahl alter und neuer Bilder seiner Hand 
vereinigt. Die „Ämazonenschlacht“ vom Jahre 
1880 sieht man hier zum ersten Male. Daneben 
hängen dann „Stilleben“ von Schuch, ein ganz 
prachtvoller früher Thoma, eine Ansicht von 
Tivoli (aus bremischem Privatbesitz), von Leibi 
eine stehende Dachauerin, die Herrn E. Simon 
in Berlin gehört, sowie eine Studie aus der Zeit 
der „Cocotte“ und noch manches andere aus 
den glücklichen süddeutschen Jahren gleich nach 
dem Kriege. Von Liebermann sieht man 
außer dem schon erwähnten Bilde eine neuere 
Landschaft vonNordwijk, silbern und grün und 
prachtvoll bewegt in abendlicher Luft, wieder 
ein Werk von stetig erneuter Jugend. Außer¬ 
dem ein Porträt eines Bremer Kaufherrn (1907). 
Die Berliner Sezession ist im übrigen gut ver¬ 
treten — von Slevogt macht ein Erdbeer¬ 
stilleben berechtigtes Aufsehen durch seine Ein¬ 
fachheit und Schönheit, und von Corinth ist 
eine flimmernd weiche Freilichtsporträtstudie 
das Beste. An diese Protagonisten schließen 


sich Leistikow und Ulrich Hübner mit 
schönen Landschaften, E. R. Weiß, H. Hübner 
und G. Mosson mit Stilleben an, von denen 
Weiß der bedeutendste scheint Von den 
Münchenern wirken besonders Stucks „Laster 0 
sowie Herterichs „Morgen“. Aus Stuttgart 
hat Carlos Grethe ein Hafenbild und die 
„Crevettenfischer“, zwei sehr schöne Bilder, ge¬ 
schickt. Eine neue Persönlichkeit für Bremen 
ist der Schweizer Max Buri, dessen großes 
Gemälde „O mein Heimatland“ voll von ehrlicher, 
starker und eigener Kunst ist. Auch Karl 
Hofer sahen wir hier noch nicht. Die beiden 
dekorativen Bilder von ihm, gut aufgebaut im 
Körperlichen und in der Komposition, und schön 
im blaugoldenen Ton lassen den Wunsch leb¬ 
haft werden, daß dieser Kraft einmal eine 
große Monumentalmalerei an einer der besten 
Wände Deutschlands auf getragen werden möchte. 
R. Tewes, ein in Paris lebender junger Bremer 
hat sich durch Spott und wohlwollende Be¬ 
lehrungsversuche nicht abhalten lassen, zwei 
starke Porträtarbeiten auszustellen. 

Auf dem Gebiete der Plastik dominiert 
Georg Kolbe, der vielleicht eines unserer 
stärksten bildhauerischen Temperamente bei be¬ 
deutendem Können, darstellt, mit einer großen 
Zahl von Arbeiten. Dann Hermann Hahn 
mit einem ausgezeichneten Wandbrunnen. Von 
Hoetger sind zwei riesige archaisierende 
Marmorköpfe aufgestellt, gegen deren Kraft 
man sich auf die Dauer nicht wehren kann, 
auch wenn man zunächst dem Archaismus (Olym¬ 
pia plus Samos) mißtraut. Als Porträtplastiker 
zeichnen sich Cipri A. Bermann, Th. v.Gosen 
und F. Klimsch aus; in der Gestaltung der 
menschlichen Figur dann Wackerle mit einem 
bronzenen „Sandalenbinder“. — Eine große 
Kollektion von Graphik vervollständigt dieses 
Bild deutscher Kunst. 

An die Ausstellung schließen sich einige Säle 
der „Vereinigung nordwestdeutscher Künstler“ 
an, mit eigener Jury und Hängekommission. 
Äußer den ziemlich schwach vertretenen Worps- 
wedern sind als kräftige Persönlichkeiten W. 
Laage, Feddersen und Eitner zu nennen. 
Unter den Plastikern steht PaulPeterich an 
erster Stelle. E. W. 

8 


FRANKFURT a. M. — - 

In dem Hause des verstorbenen Privatmannes 
Ludwig Pfungst, dessen Vermögen bekanntlich 
der Stadt Frankfurt als Kunststiftung zufieL 
befindet sich zur Zeit eine Ausstellung 


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Rundschau 


201 


plastischer Werke, die den Grundstock der 
städtischen Kunstsammlungen bilden werden. 
Es handelt sich um Ankäufe, die Dr. Swarzenski 
meist auf Reisen im Verlaufe der letzten ein 
einhalb Jahre mit besonderem Geschicke zu¬ 
sammengebracht hat. Schon jetzt ist im Kleinen 
der leitende Gedanke der städtischen Skulp¬ 
turensammlung ausgeprägt, indem jede Kunst¬ 
epoche nach Möglichkeit durch eine Anzahl von 
Werken vertreten ist. In drei Sälen der Villa 
befinden sich die verschiedenen Zeiten dermaßen 
zusammengesteilt, daß lm ersten Werke der 
Antike, der italienischen und vlämischen Re¬ 
naissance, in einem zweiten und dritten solche 
der deutschen und französischen Kunst des XV. 
und XVI. Jahrhunderts zur Aufstellung gelangt 
sind. Die Aufmachung der Räume ist denkbar 
schlicht und für die Wirkung der Kunstwerke 
äußerst günstig, so daß ihrem provisorischen 
Verbleib in der Pfungstschen Villa nichts im Wege 
zu stehen scheint. Nun zu den Kunstwerken 
selbst. 

Der herrliche Marmortorso einer tanzenden 
Mänade repräsentiert die Antike in hervor¬ 
ragender Weise um so mehr, als von diesem 
statuarischen Typus bis jetzt nur ein ähnliches 
Stück in Berlin bekannt war. Es kann nicht 
Wunder nehmen, daß sonst die griechische Kunst 
nur mit zwei halblebensgroßen Köpfchen auf- 
tritt, deren eines an die Formengebung Poly- 
klets erinnert, während das eines lachenden 
Fauns einer späteren Epoche anzugehören scheint. 
Die römische Kunst ist dann durch zwei männ¬ 
liche Köpfe, wenigstens zuerst für das Gebiet 
des Porträts bezeichnend vertreten. Reichhaltigere 
Schätze bietet die Sammlung für das Studium 
der italienischen Renaissance. Ihre frühesten 
Anfänge stellen sich dar in zwei Marmorstatuen, 
des Verkündigungsengels und der Maria, aus 
dem Kreise der Nachfolger der Pisani. Das 
Quattrocento ist nach Möglichkeit durch je einen 
Typus seines reichen Kunstschaffens dargestellt. 
An erster Stelle rangiert die lebensgroße, be¬ 
malte Portätbüste Niccolö Machiavellis, die durch 
ihre Kraft und Frische den großen Staatsmann 
erstaunlich lebendig vor die Augen zaubert. 
Ferner zu erwähnen ist ein florentinischer Jo¬ 
hannes der Täufer in Holz in alter Polydiromie, 
die charakteristisch die Farbenfreudigkeit der 
Frührenaissance in Italien wiedergibt. Das Hagere 
und das Asketische der Formengebung verweist 
die Figur in die Richtung Donatellos. Ferner 
noch einige Madonnenreliefs und die Holzfigur 
eines lebensgroßen Sebastian mailändischer 
Herkunft. 

Das XVI. Jahrhundert stellt sich in ober¬ 
italienischen Terracotten dar und in einigen 


kleineren Bronzestatuetten, deren eine in die 
Nähe Michelangelos zu setzen ist. 

XV. und XVI. Jahrhundert der vlämischen 
Kunst zeigen sich in einem bemalten Putto und 
dem Porträtkopf eines älteren vornehmen Mannes, 
der an Myts unvergeßliche Jugendbüste Karls V. 
in Brügge erinnert. 

In zwei weiteren Räumen hat die Skulptur 
Frankreichs und Deutschlands Aufstellung ge¬ 
funden. Die französische Gotik kommt zu ihrem 
Recht mit der Steinfigur eines Bischofs in alter 
Bemalung (aus dem Ende des XIV. Jahrhunderts); 
ferner mit einem steinernen Antonius auf dem 
Feuer aus dem burgundischen Kunstkreise und 
einer Madonna mit dem Kind und Schlüssel¬ 
blumen in jener weichen Gewandbehandlung, 
wie sie in der Schule von Tournay sich findet. 
Wie aus einem Bilde des Dirk Bouts mutet dann 
die Holzfigur eines heiligen Jakobus, der in 
einem Buche lesend aufrecht dasteht, an (etwa 
1470). 

Die Art der deutschen Kunst ist trefflich durch 
den heiligen Georg auf dem Drachen von Syrlin 
dem Alteren, einem Prachtstück der Sammlung ge¬ 
kennzeichnet. Daneben ein Gethsemane in lebens¬ 
großen Holzfiguren aus dem Kreise der schwä¬ 
bisch-bayrischen Kunstübung. Diese Gruppe 
zeichnet sich besonders durch den Gegensatz des 
harten fast bäurischen Realismus mit der seelen¬ 
vollen Belebung der Hände und Gesichtszüge 
Christi aus. Zudem ist in den Figuren der 
schlafenden Jünger das Problem der gelösten 
Glieder erstaunlich mannigfaltig gegeben. 

Noch sei aus der großen Zahl des Vorhandenen 
— die Sammlung birgt ungefähr 30 größere 
und 10 kleinere Stücke — eine Erwerbung der 
jüngsten Zeit genannt, eine Maria und ein 
Johannes, Holzfiguren aus einer großen Kreu¬ 
zigung; sie gemahnen in der Ausarbeitung der 
Hände und des tief erregten Gesichtsausdruckes 
an die Kunstart des Isenheimer Altars in Colmar. 

Der Ankauf der Antikensammlung des ver¬ 
storbenen Archäologen Adolf Furtwängler, die 
letzte Erwerbung der städtischen Kunstsamm¬ 
lungen, hat inzwischen seinen Abschluß gefunden 
(siehe Kleine Nachrichten). E. A. B. 

8 

MÜNCHEN - ' ~ - 

Die WinteraussteUung der Münchener Se¬ 
zession hat getreu ihrer Tradition auch diesmal 
wieder drei Künstler zu Worte kommen lassen. 
Unter ihnen steht Albert von Keller mit etwa 
150 Bildern an erster Stelle. Keller gehört zu 
den größten Malern, die Münchens Kunst um 

13 


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202 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


die Jahrhundertwende zu den ihrigen rechnet. 
Der geborene Schweizer hat das glückliche Erb-* 
teil seines Heimatlandes zum Ruhmestitel seiner 
künstlerischen Wünsche zu erheben vermocht: 
Freiheit. Erstaunlich ist seine Selbstfindigkeit, 
die unbeirrt dem großen Ziel entgegendrfingt. 
Dieses Ziel heißt für Keüers Wollen: intensives 
Erfassen der sämtlichen malerischen Fähigkeiten 
des darzustellenden Gegenstandes in einem öko- 
nomisch entsprechenden Raum. Das hat er ge¬ 
konnt schon als ein ganz Junger, und deshalb 
bewegt sich seine Entwicklungslinie nicht aufwärts, 
sondern ebenmäßig fort, von Höhe zu Höhe. 
Die Ausdrucksmittel wechseln. Es kommt ein 
äußerliches Moment psychologischen Problem- 
künstelns dazu, äußerlich nur, so ernsthaft es 
behandelt wird. Das Gegenständliche versucht 
seine dramatische Herrschaft auszuüben. Immer 
wieder aber gerät die sinnliche Freude am Malen 
zum Durchbruch, und in der Verteilung der Far¬ 
ben im Raum leistet der Künstler, dem in ruhiger 
Selbstverständlichkeit diese Wirkungen gelingen, 
mehr als die aufdringlich berechnenden moder¬ 
nen Franzosen, die sich mit der subtilen Ab¬ 
wägung der Farbwerte auf Grund chemischer 
Gesetze brüsten. Kellers Bilder aus der Sphäre 
der vierten Dimension haben seinen Weltruf 
geschaffen. Sie machen hier eine eigene, dem 
natürlich Empfindenden nicht sonderlich sym¬ 
pathische Gruppe aus. Die Aufmerksamkeit des 
Malers ersah sich in jenem seltsamen, auf die 
erotische Seite der weiblichen Psyche gebannten 
Sonderbewußtsein, das fremdem Willen ge¬ 
horcht, ein neues Moment künstlerischer Cha¬ 
rakterisierungsmöglichkeit. Kellers Frauen haben 
sämtlich etwas Krankhaftes an sich. Das Ge¬ 
sunde und Kräftige hat er mit der gleichen ver¬ 
feinerten Geschmacksbildung von sich gewiesen, 
wie es etwa WUde getan hat Er ist der Maler 
par excellence des gesellschaftlichen Snobismus, 
jener unglaublich ästhetischen Dekadenz, deren 
geistige Attribute aber leider schon unter der 
Guillotine geblieben sind. 

Entsprechend dem Programme unserer Zeit¬ 
schrift, welche nur in Ausnahmeffillen moderne 
Kunst in den Rahmen der Betrachtung zu ziehen 
beabsichtigt, habe ich mich mit der Nennung 
der beiden Namen zu begnügen, deren vorzüg¬ 
liche Werke Keller zur Seite treten: Philipp 
Klein, Charles Tooby. Dafür muß der Aus¬ 
stellung gedacht werden, die Bruno Piglheins 
Witwe zum 60. Geburtstag des Künstlers im 
Münchner Kunst verein veranstaltet hat. Man 
hatte keine Kosten gescheut, das Werk des 
ersten Präsidenten der ersten deutschen Se¬ 
zession, dessen Andenken noch heute bei seinen 
alten Genossen in hohen Ehren steht, in möglichster 


Vollzähligkeit zusammenzubringen. Die National¬ 
galerie, die Hamburger Kunsthalle, das Züricher 
Künstlergütli und die neue Pinakothek, aus¬ 
wärtige und einheimische Private hatten das 
ihrige beigesteuert, um den Eindruck von dem 
Lebenswerk des mitten in seinem besten 
Schaffen abgerufenen Künstlers vollständig zu 
machen. Nicht zu vergessen auch das mancher¬ 
lei Interessante, was aus den Ateliers der Kol¬ 
legen und Freunde des Meisters bei dieser 
Gelegenheit zum erstenmal an das Licht der 
Öffentlichkeit kam. Neben guten alten Aus¬ 
stellungsbekannten aus den neunziger Jahren, 
der berühmten, allzu berühmten „Blinden", dem 
großen Kruziüxus der Nationalgalerie, der „Diva", 
der Grablegung usw. erschien eine stolze Reihe 
von Porträt- und Modellstudien, die zum Geist¬ 
reichsten gehören, was der vielgewandte Mei¬ 
ster gemacht hat. Ausgeführte Charakterschilde¬ 
rungen neben skizzistisch hingehauchten Im¬ 
pressionen ; keine eindringlichen Seelen-Analysen, 
aber liebenswürdige, humoristisch gewürzte 
Charakteristiken aus dem Freundeskreise wech¬ 
seln mit üppigsten, pikanten Frauenbildern in 
bunten Reihen. Das meisterhafte Jugendbild¬ 
nis des Freiherrn von Habermann und die 
flüchtig hingemalte Sarah Bernhardt mochten 
die Spannweite von Piglheins Befähigung zum 
Porträtisten, aber auch die Begrenztheit seiner 
Begabung bezeichnen. 

Der äußere Erfolg der Ausstellung war enorm. 
Seit Lenbachs Tode hat der Kunstverein keinen 
solchen Zusammenfluß an Publikum erlebt. Aber 
soll ich den endgültigen Eindruck dieser Aus¬ 
stellung festhalten, so muß ich gestehen, daß 
sie für den Neuling wohl ein Ereignis be¬ 
deutet, für die älteren Verehrer Piglheins aber 
eine Enttäuschung. Gerade die Menge und 
Vielgestaltigkeit des Gebotenen wirkte fatal er¬ 
nüchternd. Es ist ein stupendes Können, das 
sich hier spielend an den verschiedensten Gegen¬ 
ständen und in den verschiedenartigsten Ma¬ 
nieren bewährt. Hunde und Affen, Mondänen 
und Heilige, Engel und Balleteusen, Pierrots 
und Zentauren — schon die einfache Aufzäh¬ 
lung verwirrt. Noch proteischer muten die dar¬ 
stellerischen Mittel an: von der improvisieren¬ 
den Manier des leichtbeschwingten Chikisten 
(wie man in den Anfängen der Sezession selbst¬ 
gefällig sagte) bis zur großen biblischen Historie 
akademischen Kalibers hat der bewegliche Künst¬ 
ler nichts unversucht gelassen. Er war ein Vir¬ 
tuose, freilich einer mit selten solider Schulung. 

Wie süß und glatt wirkt heute das Kleider¬ 
und Toilette-Stilleben, das er „Diva" nannte, und 
wie oberflächlich diese Pastellparaphrasen über 
schöne Frauenköpfe. Selbst der groß konzi- 


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Rundschau 


203 


ierte Kruzifixus in Berlin und die nicht weniger 
bedeutend aufgefaBte Münchener Grablegung 
sprechen nicht mehr wie früher zu uns; die 
die Plastik der Figuren, die keine Verbindung 
mit ihrer Umgebung sucht, überschreitet die 
Grenze der BildmäBigkeit erheblich in das Ge¬ 
biet des Panoptikums hinein. 

Wie solid trotz alledem die Grundlage von 
Piglheins Kunst war, lernt man eigentlich nur 
nebenbei: eines von den Hundebildern, das sich 
in Hamburg befindet, zeigt es vielleicht am 
klarsten; es steht — sans comparaison in Be¬ 
zug auf die Technik — dicht neben Trübners 
Tiermalereien. Ergreifend und erhaben, wie 
ein Gesang Homers, bleibt nach wie vor noch 
das imposante Zentaurenpaar am laut auf¬ 
rauschenden Meer, mit dessen Erwerbung (aus 
dem Nachlaß 11) das Künstlergütli in Zürich einen 
meisterlichen Griff getan hat. Alles in Allem: 
die Ausstellung brachte auch dem eingefleisch¬ 
testen laudator temporis acti zu Bewußtsein, 
wie viel ernster die Münchener Sezessionskunst 
geworden ist, seit sie nicht mehr im Pariser 
Zylinder geht, wie viel anspruchsvoller aber 
auch wir selbst geworden sind, dank der künst¬ 
lerischen Erziehung, die uns die lebendige Kunst 
unmerklich tagtäglich angedeihen läßt. 

Da über die wichtigsten Ereignisse im Kunst¬ 
leben Münchens, die Kaiserbilder aus Tizians 
Werkstatt in der Münchner Residenz und die 
durch Schenkung erworbene Sammlung Arndt 
von berufener Seite an andrer Stelle (über die 
Sammlung Arndt voraussichtlich im nächsten 
Heft) berichtet wird, habe ich lediglich auf 
zwei Veranstaltungen hinzuweisen, die im 
Lauf der nächsten Zeit in München statt¬ 
finden sollen. Die (übrigens zum Teil schon 
auf der Ausstellung in Mannheim und in 
Berlin gezeigten) van Goghs und Gau¬ 
guin s der Pariser Sammlung Schuffenecker 
werden im April in der Kunsthandlung von 
Zimmermann zu sehen sein. Für den Sommer 
plant der Münchner Kunstverein eine mög¬ 
lichst umfangreiche Ausstellung von Bildern, 
Zeichnungen und Aquarellen Karl Spitzwegs, 
des Münchner Altmeisters, wobei zum ersten 
Mal der liebevoll bewahrte Nachlaß des Künst¬ 
lers wie auch ein besonders wichtiger Teil der 
Spitzwegschen Kunst, seine Zeichnungen in den 
ersten Jahrgängen der fliegenden Blätter ge¬ 
wiesen werden soll. 

Ober eine Neuerung im bayerischen 
Nationalmuseum wird mir folgendes mit¬ 
geteilt. Die neue Abteilung der Sammlung 
von Gipsabgüssen ist vom 5. März an für 
den allgemeinen Besuch geöffnet. Dieselbe ist 


in neun Räumen des Untergeschosses in chro¬ 
nologischer Ordnung aufgestellt. Wir finden 
im ersten Raum die romanischen Denk¬ 
mäler wie die Erztüre des Domes von Augs¬ 
burg, Teile der Westportale von S. Zeno in 
Reichenhall, die Steinskülpturen der Vorhalle 
von St. Emmeran in Regensburg, den Thassilo- 
kelch von Kremsmünster usw. Daran schließen 
sich die Werke der Gothik so vor allem 
zahlreiche Hochgräber aus Regensburg, die Skulp¬ 
turen der Afrakapelle von Seligental, Türbogen¬ 
felder und Einzelfiguren der Frauenkirche in 
München und der Sebalduskirche in Nürnberg, 
die oberbayerische Gruppe der Spät¬ 
gotik mit dem Grabstein Ludwig des Bayern, 
den Apostelfiguren von Blutenburg, dem Stifter¬ 
grab in Ebersberg, die Nürnberger Gruppe mit 
Werken von Adam Krafft, Veit Stoß, Tilmann 
Riemenschneider usw. Zwischen den Abgüssen 
sind Photographien aufgehängt. Die Abgüsse 
sind die Ergänzung der in den oberen Räumen 
befindlichen Originalwerke und werden für das 
Studium der bayerischen Kunst künftighin er¬ 
freuliches Material bilden. 

Uhde-Bernays. 

s 

Eine rettende Tat der bayerischen Reichsrats¬ 
kammer. 

Niemand, der München betreten, wird sich 
dem gewaltigen Eindruck haben entziehen 
können, den der Komplex kirchlicher Bauwerke 
in der alten Neuhauserstraße, trotz mancher 
übler moderner Einbauten in der Umgebung, 
noch heute macht. Noch heute lösen diese 
hohen, ernsten Mauermassen jene stillen Schauer 
aus, die einst dem grünen Heinrich beim Be¬ 
treten der nächtlichen Stadt über den Leib 
rieselten. Noch steht die dunkle Silhouette der 
Augustinerkirche, phantastisch und doch monu¬ 
mental wie damals, überragt von den berühm¬ 
ten Frauentürmen im Hintergrund, und die 
mächtige Horizontale ihrer Seitenansicht wird 
von den Gesimsen der benachbarten Michaels¬ 
hofkirche zielbewußt aufgegriffen und fort¬ 
gesetzt, gleich einer meisterhaft aufgebauten 
Fuge. 

Vor kurzem schien der Untergang dieses 
einzigen Städtebildes, das den letzten bedeuten¬ 
den Rest des vornehmen alten München dar¬ 
stellt, so gut wie besiegelt. Die zweite Kam¬ 
mer hat bereits sein Urteil gesprochen. Eine 
merkwürdig unglückliche Konstellation war es, 
die schließlich hierzu geführt hat. Das liberale 
Bürgertum der inneren Stadt war aus Geschäfts- 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


gründen für Abtragung der Augustinerkirche 
eingetreten, die kirchliche Behörde hat von 
dem Gebäude, das einst Tintorettos riesen-* 
hafte Kreuzigung (jetzt in Schleißheim) beher¬ 
bergte, jetzt aber längst profanen Zwecken dient, 
für alle Zeiten ihre Hand endgültig abgezogen, 
auch unser Gabriel von Seidl, der treue 
Vorkämpfer für die Erhaltung der Kirche, hatte 
durch ein ihm in unglücklicher Stunde ein- 
gefallenes KompromiB-Umbauprojekt die Lage 
nicht verbessert. Dazu kam ausschlaggebend, 
daß das bayerische Generalkonservatorium für 
Erhaltung der Kunstdenkmäler den architekto¬ 
nischen Wert der Kirche verneint hatte. Ein 
verhängnisvolles „Nein 41 , für das natürlicher¬ 
weise jetzt „die 41 Kunstgelehrten von der auf¬ 
gebrachten Künstlerschaft verantwortlich ge¬ 
macht werden. Aber man mag über die Ant¬ 
wort denken wie man will: jedenfalls war die 
Fragestellung verfehlt. Verfehlt, weil unsach¬ 
lich, unfachmännisch, unlogisch. — Nicht auf die 
arme, alte, halbzerfallene Kirche kam es an, 
sondern auf das Ensemble, von dem sie ein 
Teil ist. DaB aber auch ein Städtebild — ein 
„Bild 44 , ein unantastbares Kunstwerk sein kann, 
scheint bei jener Fragestellung niemand einge¬ 
fallen zu sein. 

Die Schlacht war bereits so gut wie ver¬ 
loren, als in der denkwürdigen Sitzung des 
bayrischen Reichsrats vom 13. März 1. J. eine 
unerwartete Wendung eintrat. Dank des Zu¬ 
sammenwirkens dreier starker Männer, des 
Prinzen Rupprecht von Bayern, des Erz¬ 
gießers Ferd. von Miller und des Frei¬ 
herrn von Cramer-Klett wurde der Antrag 
auf Abbruch der Kirche nochmals zur Beratung 
an den Ausschuß zurückgegeben. Es ist also 
noch Zeit zur Überlegung! — Die Angelegen¬ 
heit wird sich in Bälde zu einer sehr prak¬ 
tischen Frage zuspitzen. Wird man kurzsichtig 
genug sein, an dieser Stelle mitten in der 
besten Geschäftslage, wie von der Regierung 
projektiert ist, ein riesenmäßiges Polizei¬ 
gebäude mit Amtsgefängnis (!) und Schutz¬ 
mannskaserne (!) zu errichten? — Oder wird 
sich das Kapital finden zur Anlage eines gro߬ 
zügigen Passagebaues in der Art der Mailänder 
Galerie, wie er ein solcher hier einzig und 
allein am Platze ist? — Im ersteren Fall wäre 
die viel umstrittene Kirche freilich ein Unding; 
sie müßte fallen. Im anderen Fall aber ließe 
sie sich (durchaus als Hallenbau) erhalten: man 
vermehre nur die Zahl der seitlichen Tor¬ 
eingänge entsprechend der Länge des Ganzen 
und man hat für die projektierte „Passage 41 den 
monumentalsten Portalvorbau, der sich denken 
läßt. Es kommt nur auf die Baukünstler an, 


für die Verbindung der zu errichtenden Galerie¬ 
umgänge mit dem Kirchenbau eine architekto¬ 
nische Lösung zu finden. 

Georg Habich. 

8 

FLORENZ : ■■ ■■ ■■ = 

Von den Statuen, die Michelangelo in Flo¬ 
renz für das Juliusgrabmal arbeitete, war die 
Gruppe des „Siegers 41 bis zum Jahre 1565 
in der Werkstatt Michelangelos in der Via 
Mozza, der jetzigen Via Zanobi geblieben; in 
jenem Jahre gelangten sie als Geschenk der 
Erben des Meisters in den Besitz des Herzogs 
Cosimo und wurde im großen Saale des Pa¬ 
lazzo Vecchio aufgestellt. Bei der Gründung 
des Museo Nazionale im Jahre 1868 gelangte 
sie in dessen Räume. Sie war also stets der 
Bewunderung der Welt zugänglich. Nicht so 
erging es den vier angehauenen Blöcken, 
aus welchen Michelangelo große Einzelfiguren 
schaffen wollte und die in seinem Werke die 
Funktion von tragenden Kräften erfüllen sollten. 
Sie wurden in den die Reisenden so lebhaft 
anziehenden romantisch-barocken Grotten der 
Boboli- Gärten zu Florenz in die Tropfstein¬ 
dekoration einbezogen und so zum größten Teil 
verdeckt, ln den letzten Tagen sind sie nun 
von dort entfernt und in die „Opera delle 
Pietre dure“ geschafft worden, wo sie in Gips 
abgegossen werden sollen. Gipskopien sollen 
sie an ihrer alten Stelle ersetzen; die Originale 
selber werden aber in der Tribuna des David 
in der Akademie aufgestellt werden. Wir wer¬ 
den nun durch die unbehinderte Prüfung einer 
ganzen Reihe von mitten in der Arbeit ver¬ 
lassenen Statuen in der Lage sein, neue Er¬ 
kenntnisse über den Arbeitsprozeß des Meisters 
zu gewinnen; nach der Untersuchung eines der 
Blöcke, die dem Unterzeichneten ermöglicht war,, 
hat Michelangelo das Verfahren der schicht¬ 
weisen Ablösung des Steins von der Haupt¬ 
ansicht her, wie es Hildebrand als das dem 
Meister gewohnte Vorgehen annimmt und wie 
es beim Matthäus angewendet ist, nicht be¬ 
folgt, sondern sofort von drei Seiten her die 
FreUegung der Gestalt in Angriff genommen. 

Die Herausholung dieser angefangenen Werke 
ist zum Teil wenigstens durch die neuen For¬ 
schungen über Michelangelo, welche die letzten 
Jahre gebracht haben und welche das Floren¬ 
tiner Publikum sehr beschäftigten, angeregt 
worden. Solches erneute starke und lebendige 
Interesse ist es auch, welchem wir es bald ver¬ 
danken werden, daß eine getreue Marmorkopie 


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Rundschau 


205 


des David des Michelangelo wieder den Platz 
links vom Portal des Palazzo Vecchio ein-* 
nehmen wird, auf welchem der Gigante am 
8. September 1504 als dem von den bedeu¬ 
tendsten Künstlern von Florenz und von 
Michelangelo selbst erwählten Standorte auf¬ 
gestellt wurde und welchen das durchaus für 
eine Aufstellung im Freien gedachte Werk erst 
in neuester Zeit verlassen mußte, um der 
Galerie der Akademie von Florenz eine starke 
Anziehung und einem Florentiner Architekten 
die Gelegenheit zu einem tristen Bau zu geben. 

ln der Galerie der Akademie hat deren 
Ispettore Dott. Peleo Bacci einige sehr erwünschte 
Umhängungen vorgenommen; die vier kleinen 
Predellentafeln Botticellis, zu denen die eigen¬ 
tümlich reizvolle Salome gehört, sind vereinigt. 
Der große Altar Filippo Lippis aus S. Croce 
hat wieder seine Predella erhalten, die drei 
Stücke freilich nur, die sich noch in Florenz be¬ 
finden; zwei andere sind in Louvre. Ein un¬ 
gewöhnliches Werk der Kunst des Luca Signo- 
relli, die Kreuzigung mit dem weißen Hinter¬ 
gründe hängt aber immer noch an schlechter 
Stelle in der oberen Reihe der Bilder; wenn es 
seinen Platz mit dem unter ihm hängenden 
Perugino vertauschte, würde es ein Gewinn für 
beide Meister sein. Aus dem Bestände der 
namenlosen Trecentisten haben zwei große 
Altartafeln mit den gesicherten Namen des 
Giovanni del Biondo bezw. des Rossello di 
Jacopo Franchi versehen werden können. Ein 
mit der Signatur des Alessandro Allori und 
der Jahreszahl 1575 signiertes Bild ist aus dem 
Magazin in die Galerie gebracht worden. 

In der Sitzung der Kunsthistorischen 
Institute vom l.März suchte Herr Professor 
Dr. Brockhaus Antwort auf die Frage zu 
geben, ob der David des Michelangelo ein¬ 
fach als Schmuck des Palastes oder des Platzes 
dienen oder ob seine Gestalt eine besondere 
Bedeutung haben sollte. Einige Jahre vor der 
Aufstellung des David war Savonarola der 
volkstümlichste und einflußreichste Mann in 
Florenz gewesen. In einer seiner Psalm-Pre¬ 
digten spricht er nun davon, in welchem Sinne 
man David ansehen soll: er sei der Christ, wie 
«r sein soll, mit reinem schönem Gewissen, 
starker Hand, kühner Tatkraft. Als solchen 
hat Michelangelo seinen David erfaßt. Die 
vollständigen Ausführungen des Herrn Prof. 
Brockhaus sollen demnächst in einer Schrift, 
welche sich mit den inhaltlichen Problemen der 
Schöpfungen Michelangelos eingehend beschäf¬ 
tigt, als Ganzes veröffentlicht werden. — 

Der Unterzeichnete untersuchte das Pro¬ 
blem, in welcher Weise der Block verhauen 


war, aus welchem Michelangelo seinen David 
schuf. Seine Ausführungen werden im näch¬ 
sten Hefte vollständig wiedergegeben. — Wei¬ 
tere Darlegungen des Unterzeichneten be¬ 
faßten sich mit dem bildnerischen Arbeits¬ 
prozesse Michelangelos überhaupt Es sei ein 
Vorurteil, daß Michelangelo nach einem kleinen 
Wachsmodell und nach Zeichnungen seine Fi¬ 
guren direkt aus dem Steine schlug. Er hat 
vielmehr, ebenso wie beim Zeichnen, auch beim 
plastischen Arbeiten die Hilfsmittel und Kunst¬ 
griffe angewendet, die das Resultat seiner 
Arbeit sicherstellten. Er hat sich des Punk- 
tierens für seine Plastiken bedient; selbst beim 
Matthäus können wir unten einen solchen 
Punktierpunkt feststellen. In ganz unverkenn¬ 
barer Weise ist ein solcher Punkt beim David- 
Apollo des Bargello wahrnehmbar. Allerdings 
muß man sich bei diesen Zeichen des Punktier¬ 
verfahrens vor Augen halten, daß es zur Zeit 
der Renaissance in anderer Weise gehandhabt 
wurde als heute. Die Voraussetzung für seine 
Anwendung ist aber ein ziemlich großes und 
weitgearbeitetes Modell. Das Vorurteil ver¬ 
lange aber, daß Michelangelo »allenfalls Wachs¬ 
modelle in kleinem Maßstabe bosselte, nicht 
aber Tonabozzi“, wie Freg in seinen Studien 
zur Michelangelo-Biographie (S. 21) wieder ein¬ 
mal wiederholt. Mit Hilfe eines solchen gene¬ 
rellen Satzes wird natürlich leicht auch ein 
wirklich positiver Beweis für die Unwahrheit 
der Ansicht, wie er in dem so gut wie nur in 
irgend einem Falle urkundlich beglaubigten und 
stilistisch für sich selbst sprechenden Flußgott- 
Modell der Akademie gegeben ist, widerlegt. 

Durch die Aussage von Benvenuto Cellini 
(Trattato dell’ oreficeria. Firenze 1857. S. 197 ff.) 
wird aber in striktester Weise dargetan, daß 
Michelangelo, nachdem die Arbeit an kleinen 
Modellen ihm ungenügende Ergebnisse gegeben 
habe, »dazu geschritten sei, mit größter Be¬ 
scheidenheit (con grandissima ubbidienza) große 
Modelle genau von den Maßen, wie das Werk 
aus dem Marmor herauskommen sollte, anzu¬ 
fertigen: und solches haben wir (sagt Cellini) 
mit unseren eigenen Augen in der Sakristei 
von San Lorenzo gesehen." 

Modelle von Ton werden ferner in der 
Korrespondenz Michelangelos wiederholt er¬ 
wähnt, in bezug auf die Medici-Gräber z. B. in 
dem Brief Fattuccis vom 5. März 1524. Aus 
den Ricordi des Meisters können wir außerdem 
Fall für Fall verfolgen, wann Michelangelo ein 
neues Modell begonnen hat und zwar aus 
dem Einkauf genau der gleichen Materalien, 
die er für den Flußgott-Modell-Torso verwendet 
hat: Werg, Bindfaden, Scheerwolie. Daß sie 


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206 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


aber eigenhändig von ihm gemacht wurden, 
das geht hervor aus der Fassung des Zahlungs- 
Vermerks für eine Halbtags-Ärbeit eines Hand¬ 
langers, „der mir half, eine Figur aufzubauen, 
um sie inSdieerwoll-Erde auszuführen. - (20. Mai 
1524). Ein solcher Zahlungsvermerk wiederholt 
sich mehrfach. 

Herr Dr. Hoeber beschäftigte sich mit den 
„idealen Zentralbauten des späten Quattrocento 
und dem Stilo Lionardesco.“ Schon Burckhardt 
habe auf die in Gemälden, Miniaturen usw. 
dargestellten Baulichkeiten, als Quelle der Kennt¬ 
nis des Baugeistes der Renaissance hingewiesen: 
in ihnen seien ungehemmt auch solche Gedanken 
verwirklicht worden, welchen die Ausführung 
versagt war. Die Frage nach der Gestaltung 
des kirchlichen Zentralbaues, war das architek¬ 
tonische Hauptproblem des späten Quattrocento. 
Auf bildlichen Vorstellungen der Zeit erscheint 
er als Achteck- oder Rundbau, auf die Form 
des Baptisteriums zurückgehend. Durch nie¬ 
drige Kreuzarme mit Sattel- oder Zeltdach als 
Vorlagen wird diese einfachste Form kompli¬ 
ziert. Pinturicchio, Perugino, Rafael verwenden 
diesen Typus. 

Durch Lionardo und Bramante erfährt, wie 
Geymüller dargetan hat, der Zentralbaugedanke 
namentlich in Mailand Förderung. Der durch 
eine übermäßige Differenzierung charakterisierte 
Stilo Lionardesco ist nun die gemeinsame 
Erscheinung der am Ende des Quattrocento auf 
Bildwerken vorkommenden Zentralbauten, wie 
der Vortragende an der Hand einiger solcher 
Darstellungen nachweist. — Herr Dr. Hoeber 
konstatierte des weiteren, daß von dem Stoffe, 
aus welchem das Kleid der Eleonora von To¬ 
ledo auf dem bekannten Bilde des Bronzino 
(Uffizien) gemacht ist, noch ein Stück im Museo 
Nazionale zu Florenz (Sammlung Carrand 2402) 
vorhanden sei. Durch jenes Bild ist das Jahr 
1555 als spätestes Datum für den Stoff fest¬ 
gelegt. Sein Herkunftsort dürfte Mailand sein. 
Ein anderer dem erwähnten stilverwandter Stoff 
aus der Sammlung Carrand komme auf dem 
Bilde Cigolis in der Akademie zu Florenz (Nr. 
286) als Dalmatica des hl. Stefanus vor. 

Die Handzeichnungssammlung der Uffi¬ 
zien hat im letzten Jahre einen bedeutsamen 
Zuwachs aus dem Besitz des Barons von Gey¬ 
müller erhalten. Es sind drei Bände von Zeich¬ 
nungen, herstammend aus der berühmten Samm¬ 
lung des Hauses Gaddi in Florenz, welche von 
Geymüller aus dem Besitze der Grafen Bernar¬ 
dino di Campello erworben und im Jahre 1907 
den Uffizien für den geringen Preis von 10000 
Lire überlassen wurden. Es handelt sich da¬ 
bei um Blätter, die in der Wissenschaft nament¬ 


lich durch die Studien ihres letzten Besitzers 
von Wichtigkeit geworden sind. Der erste Band 
enthält meist architektonische Zeichnungen von 
Antonio da Sangallo dem Alteren und seinem 
Neffen Francesco da Sangallo. Der zweite Band 
birgt eine Serie sorgfältig ausgeführter Feder¬ 
zeichnungen Vignolas. Im dritten Bande grö߬ 
ten Formats sind Zeichnungen verschiedener 
Meister, der Sangalio, Vascier, Cigolis usw., 
vereinigt. Besondere Wichtigkeit hat darin ein 
Blatt, welches auf beiden Seiten Skizzen Bra- 
mantes für die Kuppel von S. Pietro aufweist 
und über welches Geymüller in seinem Werke 
„Les projects primitifs pour la basilique de 
Saint-Pierre de Rome - gehandelt hat. Endlich 
haben eine Reihe von Blättern dieses Bandes 
die Erkenntnis der Zeichnungen Fra Giscondos 
außerordentlich gefördert. 

Unter Leitung von Lamberto Loria und unter 
Mithilfe von Privatleuten ist in Florenz ein 
Museum für italienische Volkskunde 
(Museo di Etnografia Italiana) in der 
Bildung begriffen und soll demnächst dem Pu¬ 
blikum geöffnet werden. Es wird sicherlich auch 
für den Forscher im Gebiete der alten Kunst 
des Landes Anregungen enthalten, denn eine 
Fülle von Formen aus der Vergangenheit des 
Landes hat sich im ländlichen Kunstgewerbe 
erhalten. Als z. B. der römische Goldschmied 
Castellani vor einer Reihe von Jahren Bauern¬ 
schmuck in den Provinzen des Landes sammelte 
und ordnete, stellte sich heraus, daß in den 
Formen dieses scheinbar nur von der weib¬ 
lichen Eitelkeit bestimmten Schmuckwerks die 
ganze Geschichte mancher Landesteile zur Sprache 
kam. ln Mittelitalien fand man gotische, longo- 
bardische, byzantinische, selbst griechische und 
römische und sogar etruskische Formen, in Si¬ 
zilien byzantinische, normannische, arabische, 
griechische. Mit Recht wird von den Männern, 
welche das neue Unternehmen begründen, be¬ 
tont, daß man sich mit der Sammlung der volks¬ 
tümlichen landständigen Hervorbringungen be¬ 
eilen «müsse, da die Welle des europäischen 
Industrialismus immer mehr davon hinwegspült. 

Adolf Gottschewski. 


8 


LONDON ■■::■=:===— 

Auf der Kandidatenliste für die 
Ehre auswärtiger Mitgliedschaft der Royal Aca¬ 
demy standen diesmal keine geringeren als 
Rodin und Claude Monet. Ob ein Witzbold 
unter den ehrwürdigen Herren Akademikern, 


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Rundschau 


207 


ob ein ehrlicher Bewunderer sie darauf gesetzt 
hatte, ist nicht bekannt geworden, doch wurden 
sie beim akademischen Wägen sicherlich zu 
leicht befunden. Die Academy wählte sich lieber 
die Herren Dagnan-Bouveret und den Bildhauer 
Antonin Mercte zu Mitgliedern. Der erstere 
hat diese Auszeichnung sicher verdient, denn 
sein Bild „Impfung“ schmückte einst eine Äca- 
demyausstellung und wurde dann bei Christie 
für 1500 Gs. verkauft. Was Herrn Mercte grade 
die Ehre verschafft hat, ist nicht so ersichtlich. 
Mr. George Dausen ist endlich zum vollen Äka- 
demiker gemacht worden. Da er seine Indivi¬ 
dualität den akademischen Regeln nicht opfern 
wollte, so hat er dreizehn Jahre darauf warten 
müssen. Auch die internationale Gesellschaft 
der Bildhauer, Maler und Radierer hat ihre 
Wahlen abgehalten und u. a. Professor Freiherrn 
v. Habermann zum Ehrenmitglied erwählt Die 
Gesellschaft eröffnet dieser Tage eine zweite 
Ausstellung, die Porträts schöner Frauen aus 
den letzten fünfzig Jahren bringen wird, darunter 
auch Werke von Lenbadi. Die im vorigen Jahre 
gegründete „Modern Society of PortraitPainters“ 
hält jetzt ihre zweite Ausstellung in den Räumen 
des Royal Institute ab. Die Ausstellung ist 
eine Enttäuschung; viel Nachahmung und Mittel¬ 
mäßiges macht sich breit. Dagegen bringt die 
Ausstellung der „Society of Twelve“ (Messrs. 
Muirhead Bone, John, Charles Shannon, Legros, 
George Clausen usw.) eine Reihe individuell be¬ 
deutsamer Stücke, wie denn die Ausstellungen 
dieser jungen Gesellschaft überhaupt zu den be¬ 
deutenderen Ereignissen des Jahres gehören. 
In Messrs. Agnews Ausstellungsraum in Bond 
St. sind Aquarelle älterer wie neuerer Zeit in 
interessanter Entwicklung vereinigt. In der 
Galerie der „Fine Ärts Society“ deuten einige 
Gartenskulpturen der Lady Chance auf den 
Wechsel im Geschmack für Gartenanlagen hin. 
Die Behandlung des Gartens als eine Fort¬ 
setzung des Hauses scheint jetzt auch im klassi¬ 
schen Lande des „englischen Gartens“ Anklang zu 
finden. Aus Glasgow und aus Edinburgh liest 
man gute Berichte über die Ausstellungen der 
„Glasgow Society of Artists“ und der „Royal 
Scottish Academy“, welch letztere wenigstens 
es nicht unter ihrer Würde hielt Rodin zum 
Ehrenmitglied zu ernennen. Er steuert denn 
auch ein Stück, „Love the Conqueror“, bei. 

Ein seltsamer Rechtsfall beschäftigte hier 
jüngst die Künstlerwelt. Mitglieder des „United 
Ärts Qub“ sahen ihre Werke plötzlich beschlag¬ 
nahmt, weil der Grundbesitzer eine Forderung 
gegen den dem Club sein Ausstellungslokal ver¬ 
mietenden Hausinhaber geltend machte, und da¬ 
her alles, was in dem Hause zu finden war, zur 


Deckung dieser Forderung dienen mußte. Für 
Künstler also besteht jetzt hier ein neues Risiko; 
sie müssen für die Schulden anderer mit ihren 
Werken haften. 

Das wichtigste Ereignis des vergangenen 
Monats war die Entscheidung bezüglich des 
neuen Rathauses für den Londoner County 
Council. Für lange Zeit bedeutet es die hervor¬ 
ragendste Monumentalaufgabe, die London zu 
vergeben hat. An der Themse, schräg gegen¬ 
über dem Parlament soll es sich erheben, 100 
Fuß über dem Wasser und 700 Fuß lang, — 
wahrlich eine Gelegenheit ersten Ranges für 
einen großen Architekten. Aber die in Frage 
kommenden Autoritäten wünschten vor allem, 
daß es möglichst wenig kosten solle. So wurden 
denn schon bei der Ausschreibung allerlei Be¬ 
schränkungen auferlegt, und was herausge¬ 
kommen ist, ist denn auch nur ein riesiger Nutzbau¬ 
kasten in sogenannter englischer Renaissance, der 
zwar all die vielen Schreiber schönstens beher¬ 
bergen , sonst aber zum Ruhme Londons wenig 
hinzufügen wird. Die Juroren, unter ihnen der 
greise Norman Shaw und Sir Aston Webb, 
Erbauer des riesigen neuen Victoria- und Älbert- 
Museums, erkannten einem Mr. R. Knott, 
einem dreiundzwanzigjährigen jungen Architek¬ 
ten, einstimmig den Preis zu. Da Knott ein 
Schüler Webbs ist, und sein Entwurf nichts von 
einer besonderen Note aufweist, kann man wohl 
eigentlich sagen, daß Webb der Vater desselben 
ist. Erstaunlich ist es allerdings, wie sehr der 
Entwurf allen gemachten praktischen An¬ 
forderungen gerecht wird. Um die furchtbare 
Monotonie der siebenhundert Fuß langen Flu߬ 
front einigermaßen abzuschwächen, hebt Knott 
den Mitteltrakt des Gebäude^ durch eine wuch¬ 
tige Säulenstellung heraus und gibt wenigstens 
den Enden der zwei Seitenflügel durch durch¬ 
gehende Rustikapilaster einen gewissen Charak¬ 
ter. Die Dachproblemlösung scheint am wenigsten 
gelungen ; acht Schornsteine, je vier auf den zwei 
Seitenflügeln, erheben sich schüchtern einige Fuß 
hoch, als wäre die Vertikale hier ganz verpönt. 
Und die kleine Laterne auf dem Mitteltrakt 
kann da auch keine Abhilfe schaffen. Eine ge¬ 
wisse utilitarisdie Würde wird man ja dem Ge¬ 
bäude nicht absprechen können, denkt man aber 
an das gegenüberliegende Parlament und seine 
historische Bedeutung für die Architektur des 
neunzehnten Jahrhunderts, so muß man die Spar¬ 
samkeit der Stadtväter doppelt bedauern, denen 
es nur um die Befriedigung ihrer Not, nicht um 
den Ruhm und die Schönheit ihrer Stadt zu 
tun war. 

Daß diese Herrschaften natürlich keinen 
Pfennig übrig hatten, um die alte Crosby Hall 


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208 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


in Bishopsgate St. vor dem Einbruch zu retten, 
ist begreiflich. Diese Hall ist eines der wenigen 
Gebäude der City, die s. Z. dem großen Feuer 
entgangen waren. Sie stellte ein sehr bedeut¬ 
sames Beispiel häuslicher Architektur des aus¬ 
gehenden Mittelalters dar, wenn auch nur 
einzelne Teile, so die Banqueting Hall, als wirk¬ 
lich alt gelten konnten. Obwohl der König sich 
persönlich fflr die Erhaltung von Crosby Hall 
aussprach, und obwohl gegen £ 50,000 zu diesem 
Zwecke gesammelt worden waren, scheiterten 
doch alle Rettungsversuche, weil weder die City 
noch „Greater London“ irgendwelche Opfer zu 
bringen bereit waren. Jetzt ist das alte Ge¬ 
bäude völlig abgerissen, und ein Bankhaus wird 
sich bald an seiner Stelle erheben. Die alte 
Eichendecke der Banketthalle, sowie andere 
Stücke von künstlerischem Wert hat man sorg¬ 
fältig aufbewahrt, um sie wenigstens so zu 
retten. Was aus ihnen werden wird, ist noch 
unsicher. So geschehen im London des zwan¬ 
zigsten Jahrhunderts! 

Lord Battersea, der Ende vorigen Jahres 
starb, hat der Londoner Tate Galery Burne- 
Jones’ „Goldene Treppe“ testamentarisch ver¬ 
macht, jenes Bild, das eine größere Anzahl 
Bume-Jones’scher Mädchentypen in verschie¬ 
denen reizvollen Stellungen vorführt. Da die 
Galery bisher nur ein Bild des Meisters („König 
Cophetua“) besitzt, so ist dieser Zuwachs sehr 
erwünscht. 

Eine Versammlung, die der Lord Mayor im 
Februar einberufen hatte, verhandelte über den 
im nächsten August hier stattfindenden inter¬ 
nationalen Kongress zur Ausgestaltung des 
Kunst- und Zeichnenunterrichtes. Der erste 
dieser Kongresse war 1900 in Paris während 
der Ausstellung abgehalten worden, der zweite 
in Bern 1904; an ihm hatten achthundert Mit¬ 
glieder von einundzwanzig Nationen teilge¬ 
nommen. Für August erwartet man eine noch 
viel umfassendere Beteiligung. Eine Ausstellung 
von Zeichnungen, die die Lehrmethoden der 
verschiedenen Nationen vorführen soll, wird 
während der Tagung des Kongresses im South 
Kensigton Museum abgehalten werden. F. 


8 


PARIS , -- = 

In regelmäßigen Zwischenräumen wird in 
Paris die Frage aufgeworfen, wann endlich das 
Kolonialministerium den Pavillon de Flore der 
Tuilerien verlassen wird, um so die für die Kunst¬ 
sammlungen seit Jahren so dringend notwendige 


Erweiterungsmöglichkeit zu schaffen und um 
wenigstens eine der das Louvre ständig be¬ 
drohenden Feuersgefahren zu beseitigen. Es 
ist zu hoffen, daß es mit dem Umzug der Ko¬ 
lonien nunmehr endlich Ernst werden wird, 
nachdem vor einigen Tagen im Kolonial¬ 
ministerium ein regelrechter Brand ausgebrochen 
ist, der gerade noch rechtzeitig von der Feuer¬ 
wehr gelöscht werden konnte. Mit diesem Um¬ 
zuge wäre allerdings nur eine der Gefahren 
beseitigt: nach wie vor kochen die Frauen der 
Aufseher ihren Pot-au-feu unter den Dach¬ 
stühlen des Louvre, nach wie vor werden in 
Erdgeschossen die französischen Rententitel mit 
Hilfe eines Gasmotors gedruckt und die Kessel 
der Zentralheizung mit vollen Kohlenschaufeln 
gespeist, nach wie vor bleibt das Finanz¬ 
ministerium unter gleichem Dache mit den 
Schätzen der Kunst aller Zeiten. 

Aus der Provinz sind einige Funde zu be¬ 
richten. In Lapte (Departement Haute Loire) 
fand ein Bauer in seinem Felde eine wohl¬ 
erhaltene mit gallischen Münzen gefüllte Urne. 
Unter den Münzen sind besonders eine Anzahl 
Goldstateren hervorzuheben, die einem von 
Münzen Philipps II. von Mazedonien abge¬ 
leiteten Typus angehören. Im Gerichtsgebäude 
zu Etampes ist man im Begriff, sehr inter¬ 
essante Wandmalereien aus dem fünfzehnten 
Jahrhundert aufzudecken, dieselben sollen die 
Schenkung der Baronie Etampes durch Philipp 
den Schönen an Louis von Evreux (1307) 
darstellen. 

Auch um die Erhaltung der vorhandenen 
Kunstschätze bemüht man sich. Auf dem Mont 
Saint Michel ist die Abtei selber Staatsbesitz 
und so vor den Vandalen geschützt, doch zu 
den Füssen der Merveille sind die Schmarotzer 
am Werk: Eine Poldergesellschaft wird in ab¬ 
sehbarer Zeit die ehrwürdige Insel mit dem 
Festlande verbunden haben, auf der Insel selbst 
haben allerhand industriöse Leute, besonders 
das fruchtbare Geschlecht der mfcre Poulard, 
die Flanken des heUigen Berges mit allerhand 
Dependancen, Hotels und Kitschmuseen ge¬ 
schändet, jetzt wollte man anscheinend auf der 
Nordseite unter dem Schatten der ehrwürdigen 
Reste des Waldes von Scissy Terrassen mit 
„Blick aufs Meer“ anlegen. Rechtzeitig hat sich 
der Staat die betreffenden Grundstücke gesichert. 
Auch in den Kolonien beginnt mail auf die Er¬ 
haltung der von den europäischen Kulturträgern 
unversehrt gelassenen Kunstdenkmale bedacht 
zu werden, so hat die Republik dieser Tage 
eine Kommission zur Erhaltung der Kunstdenk¬ 
male in Indochina errichtet, an deren Spitze der 
verdiente Archäologe und Sekretär des In- 


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Rundschau 


209 


stitut Georges Perrot steht Da in der Kom¬ 
mission außerdem noch eine Reihe Kenner von 
Indodiina sich befinden und da der Vorsitz 
wohl nur als eine Repräsentationspfiicht aufzu¬ 
fassen ist, wird man sagen können daß the 
right man on the right place ist. 

Den Beweis des gleichen wird hoffentlich der 
bekannte Romanschriftsteller und Kunstkritiker 
Gustave Geffroy erbringen, der zum Ersätze 
des Herrn Guiffrey zum Direktor der Teppich¬ 
manufaktur der Gobelins ernannt wurde. Seit 
dem Abgänge des verdienten Chemikers Chev- 
reul hat man behauptet, daß der technische 
Betrieb der Gobelins nicht mehr ganz auf der 
Höhe und ein wenig schlfifrig sei. Wünschen wir, 
daß Herr Geffroy, der gerade augenblicklich am 
Oddon ein Stüde mit größtem Erfolg heraus- 
gebracht hat auf dem Gebiet der Teppich¬ 
fabrikation die Ffiden ebenso geschickt unter¬ 
einander verknoten wird wie in seinem Stüde 
„rapprentie“. 

Die verschiedenen Salons und Privatgesell¬ 
schaften überschütten uns mit der Flut der 
Ausstellungen, zu erwähnen lediglich eine Re¬ 
trospektive Boudins in dem sonst tödlich lang¬ 
weiligen Salon de l’Ecole Fran^aise, eine Retro¬ 
spektive Guys, im Cercle de la librairie, gute 
Aquarelle in der von Gaston Latouche geleiteten 
Soddtd de la peinture ä l’Eau, schöne deko¬ 
rative panneaux von Manzana-Pissarro bei 
Druet und entzückend intime Vuillards bei den 
Bernheims. Die Soctete Nationale bereitet in 
diesem Jahre in dem Schlösschen Bagatelle eine 
Ausstellung von Portraits markanter Persönlich¬ 
keiten der zweiten Republik (1848—52) vor. 

Rudolf Adelbert Meyer. 

8 

BELGIEN -- = 

Nachdem an allen größeren Sammlungen der 
Europäischen Hauptstädte Gallerievereine be¬ 
stehen, die dann mit ihren Mitteln einspringen, 
wenn der schwerfällige Mechanismus der staat¬ 
lichen Organisationen nicht schnell genug bei 
der Hand ist, so hat sich endlich auch in Brüssel 
ein Verein der Museumsfreunde gebildet, an 
deren Spitze der Minister Beernaert, der Vize¬ 
präsident der Königlichen Museumskommission, 
steht. — Die Sammlung der Stadt Brügge befand 
sich bisher in einem ungünstig beleuchteten und 
ziemlich feuchten Raume in der Katharinastraat, 
der der dort auf bewahrten Meisterwerke nicht ge¬ 
rade würdig war, wenn er nicht gar die Er¬ 
haltung derselben gefährdete. Der Magistrat 
von Brügge hat jetzt die erste Rate eines 


Kredits bewilligt, um ein neues Museum zu er¬ 
richten, daß durch Gartenanlagen dem Kom¬ 
plexe der Vrouvenkerk, dem Gruuthuse und 
dem Johannesspital angegliedert werden soll. 

— Die Ausstellung der von Octave Maus ge¬ 

leiteten Libre esth£tique soll dieses Jahr be¬ 
sonders umfangreich gestaltet werden, da die 
Libre esth£tique auf ihr fünfundzwanzigjähriges 
Bestehen zurückblickt. Argus. 

8 

HOLLAND ■—-.. ..-■■■— = 

Die Erhaltung, beziehungsweise der Abbruch 
von zwei alten Amsterdamer Gebäuden gaben 
im Februar Anlaß zu Erörterungen, ohne daß 
man bis jetzt zu einem endgültigen Resultat 
gelangt wäre. Das eine Mal handelte es sich 
um die Instandsetzung des in der Jodenbreestraat 
gelegenen Rembrandthauses, das die meisten 
Besucher Amsterdams, die um Rembrandts willen 
dorthin kamen, wenigstens von außen kennen. 
Das Innere war völlig verwahrlost. Nichts ist 
dort mehr erhalten, was an jene Zeit erinnern 
könnte, da Rembrandt in diesen Räumen so 
glückliche und auch so traurige Tage durchlebte. 
Nun endlich soll das Rembrandthaus vor dem 
gänzlichen Verfall bewahrt und in eine würdigere 
Verfassung gebracht werden. Die ersten Schritte 
dazu wurden bereits im Jahre 1906 getan, ge¬ 
legentlich der großen Rembrandtfeier. Damals 
wurde das Gebäude von der Stadt erworben 
und die weitere Sorge für dasselbe einem eigens 
zu diesem Zwecke gegründeten Verein „Rem- 
brandthuis“ anvertraut. Über das Wie der 
Restaurierungsarbeiten, vor allem auch, wozu 
die freiwerdenden inneren Räumlichkeiten be¬ 
nutzt werden sollen, gingen die Ansichten aus¬ 
einander. Der eine dachte an eine Wieder¬ 
herstellung der alten Einrichtung, wie sie zu 
Rembrandts Zeit war. Ein Plan, der — auch 
bei der glücklichsten Phantasie — zu einem be¬ 
friedigenden Resultat wohl schwerlich führen 
kann. Andere schlugen vor, die einfach möb¬ 
lierten Räume etwa als Sitzungslokale Vereinen 
zur Pflege der Kunst zur Verfügung zu stellen. 

— Wieder andere, darin eine Art Rembrandt- 
archiv zu gründen, in dem alles gesammelt wer¬ 
den soll, was auf dem Meister Bezug hat. So 
ohne weiteres läßt sich keinem dieser Vor¬ 
schläge zustimmen. Hier spielen Gefühl und 
Takt dem großen Künstler gegenüber zu sehr 
mit hinein. Denn es gilt eine Gedächtnis¬ 
stätte zu schaffen in einem Gebäude, mit dem 
so viel Rembrandt’sdie Schicksalsgeschichte 
verbunden ist. Im Augenblick sind über diese 


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210 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


letzten Fragen noch keine endgültigen Beschlüsse 
bekannt geworden. Es sollen zunächst nur die 
notwendigen baulichen Ausbesserungen des 
ganzen Gebäudes in Angriff genommen werden. 
Für diese Arbeiten hat sich der Verein „Rem- 
brandthuis“ der Mitwirkung des Architekten 
K. P. C. de Bazel in Bussum versichert. 

Eine trübere Perspektive eröffnet sich für 
die Erhaltung der zwischen Kalverstraat und 
Rokin in Amsterdam gelegenen sogenannten 
„Nieuwe-Zijds-Kapel“, eines der ältesten Amster¬ 
damer Baudenkmale, mit dem auch ruhmvolle 
historische Erinnerungen verbunden sind. 1 ) Zu 
dieser „heiligen Stätte in Amsterdam* wall- 
fahrteten die Kaiser Maximilian (1484, als er 
noch Erzherzog war, nach der Genesung von 
einer Krankheit, die ihn im Haag befallen hatte) 
und Karl V. (1531/32). Auf Beschluß des all¬ 
gemeinen Kirchenrates der niederländischen 
reformierten Gemeinde in Amsterdam soll jetzt 
dies altehrwürdige Bauwerk abgebrochen wer¬ 
den. Diese Absicht ist nicht mehr neu. Sie 
hat schon 1898 Anlaß zu Kundgebungen gegen 
solche Maßnahmen gegeben. Nachdem seit jenem 
Jahre für die Instandhaltung der Kirche nichts 
mehr getan ist, soll jetzt mit ihrer Niederlegung 
Ernst gemacht werden. Dagegen erheben sich 
aber energische Proteste. Herr J. F. M. Sterck, 
der bereits 1898 in einer interessanten Broschüre 
über die „Nieuwe Zijds-Kapel“ gegen die Reali¬ 
sierung jener Absichten das Wort ergriff, wendet 
sich jetzt in einem die Überschrift „Kirchen¬ 
schändung M tragenden Artikel in der „Kath. 
Illustratie“ in schärfstem Tone gegen den Kirchen¬ 
rat, der den „traurigen Mut besitze, an eines 
der schönsten und merkwürdigsten Werke mittel¬ 
alterlicher Baukunst Hand anlegen zu wollen“. 
Auch von anderer Seite werden Anstrengungen 
gemacht, die Kirche vor dem Untergange zu 
bewahren. Sowohl der Nederlandsche Oud- 
heidkundige Bond wie die Koninklijk Oudheid- 
kundig Genootschap haben sich an den Kirchen¬ 
rat gewandt. Zum mindesten solle man doch 
nicht eher an die Niederlegung gehen, bevor 
nicht ganz sicher durch fachmännische Gutachten 
festgestelit ist, daß aus technischen Gründen die 
Erhaltung des Bauwerkes unmöglich ist. Dann 
ist es noch immer Zeit, die geplante kleinere 
neue Kirche mit Verkaufsläden darum aufzu¬ 
stellen. Die „Nieuwe-Zijds-Kapel“ verdankt 
ihre Gründung einer Wundergeschichte: daß eine 
zufällig in ein Kaminfeuer geworfene Hostie 

’) Es ist die Kirdie, die man links auf der ffilsdilich 
Rembrandt ungeschriebenen Zeichnung in der Albertina 
mit der Ansicht des Rokin in Amsterdam sieht. Sie ist 
abgebildet auf Seite IX in Rosenbergs .Rembrandt" 
(Klassiker der Kunst). 


dort nicht verbrannte. Zur Aufbewahrung der¬ 
selben wurde an der „heiligen Stätte“, wo am 
15. März 1345 das Wunder geschehen sein 
soll, die Kirche erbaut, zu deren wundertätigem 
Heiligtume alljährlich feierliche Prozessionen 
stattfanden. Aus dem Jahre 1361 stammt 
die erste urkundliche Erwähnung der „Kapelle“, 
die allerdings später zwei Mal abbrannte 
(1421 und 1452), aber wieder neu aufgebaut 
wurde. Es würde zu weit führen, näher auf 
ihre Geschichte und die nicht mehr erhaltenen 
reichen Kunstschätze, mit denen sie einst ge¬ 
schmückt war, einzugehen. Nur sei erwähnt, 
daß Jacob Cornelisz van Oostzanen für die Kirche 
(wahrscheinlich kurz vor 1518) eine Reihe von 
Gemälden gemalt hat, die jene Wundergeschichte 
der Hostie darstellten. Leider existieren davon 
nur noch acht Fragmente, die von R. de Vries 
zum ersten Mal mit Jacob Cornelisz van Oostzanen 
zusammengebracht wurden („De Gids“, 1876, 
Sept. Seite 536. Weiteres über diese bisher so 
gut wie völlig unzugänglichen Gemälde gibt 
J. F. M. Sterck in Oud Holland, 1895, Seite 193 
bis 208). Von Jacob Cornelisz van Oostzanen 
ist auch noch ein monogrammierter und 1518 
datierter Holzschnitt mit dem Hostienwunder 
bekannt, der als „Bedefartprentje“ an die zahl¬ 
reichen Wallfahrer zu der heiligen Stätte ver¬ 
teilt wurde. Die reformierte Gemeinde gibt als 
Grund für ihr Vorgehen an, sie besitze nicht 
die Mittel für eine Restaurierung der Kirche, 
die in diesem Falle so gut wie ein völliger 
Neubau wäre. Man nimmt aber als sicher an, 
daß die Regierung eine materielle Beihülfe ge¬ 
währen würde. Sie ist bis jetzt aber noch nicht 
darum gebeten worden. 

In Sachen der würdigeren Einrichtung des 
Nachwache-Saales im Rijksmuseum wurde am 
22. Februar von der „Nachwache-Kommission“ 
eine Versammlung abgehalten, über deren Er¬ 
gebnis nichts in die Öffentlichkeit gedrungen ist. 

Im Rijksprentenkabinet in Ämsterdamm wurde 
Anfang März eine Ausstellung von Handzeich¬ 
nungen und Stichen niederländischer Künstler 
mit Darstellungen der Ruinen in und um Rom 


eröffnet. 


Kurt Freise. 


8 

DER DEUTSCHE VEREIN FÜR KUNST¬ 
WISSENSCHAFT. 

Am 7. März hat in Frankfurt a. M. im 
Senckenbergisdien Institut die Gründung des 
Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft unter 
dem Vorsitz von Wilhelm Bode, Exzellenz Alt¬ 
hoff und Geh. Rat Schmidt stattgefunden. Es 


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Rundschau 


211 


ist damit eine Idee zur Tat geworden, deren 
Folgen fflr die Entwicklung der deutschen Kunst¬ 
wissenschaft auf der einen Seite — und die 
Pflege nationaler Kultur im weitesten Sinne 
des Wortes auf der anderen Seite heute noch 
gar nicht zu übersehen sind. Eine erlesene Ver¬ 
sammlung, in der überwiegenden Mehrzahl Ver¬ 
treter der Wissenschaft aus allen Teilen des 
Reiches — aus Wien war als Delegierter Prof. 
Dvofak, aus Bern Prof. Ärtur Weese erschienen 
— hatte sich zu der wichtigen Tagung ein¬ 
gefunden. Am Abend vorher hatte in einem 
kleinen geschlossenen Kreise von Delegierten 
und Freunden des Vereins eine Vorberatung 
stattgehabt, in der die Statuten einer ein¬ 
gehenden Erörterung unterzogen wurden, die 
dann am nächsten Tage ohne erhebliche Ände¬ 
rungen im Plenum der Versammlung angenom¬ 
men wurden. 

Trotz der Einwendungen Prof. Lichtwarks, 
der prinzipiell von einer Heranziehung der 
Lehrer im Dienste der künstlerischen Vorbildung 
der Jugend nichts wissen wollte, erblickt der 
Deutsche Verein für Kunstwissenschaft die Haupt¬ 
aufgaben seiner Wirksamkeit nach zweierlei 
Richtungen hin: Einmal in der Erforschung und 
systematischen Bearbeitung der deutschen Kunst- 
denkmfller, für die eine große Publikation ge¬ 
schaffen werden soll, die „Monumenta artis 
Germaniae“, oder wie sie auf Thodes Vorschlag 
richtiger heißen wird, „Die Denkmäler deutscher 
Kunst“, zweitens aber — und darin liegt, wie 
Exzellenz Althoff und der Großindustrielle Ge¬ 
heimrat von Böttinger sehr richtig bemerkten, 
die eigentlich werbende Kraft — soll es sich der 
Deutsche Verein zur Aufgabe machen, die all¬ 
gemeine Kunstbildung im Volke zu heben. Ob¬ 
wohl die eigentlichen Bestimmungen hierüber 
auf den Antrag Lichtwarks aus den Statuten 
gestrichen wurden, so wird doch dies auch für 
die Zukunft eine wichtige Seite der Betätigung 
sein, die man nicht aus dem Auge verlieren 
darf, soll der Verein in der Tat sein großes 
Werk auf breiter Basis und unter Beteiligung 
der Gebildeten aller Stände aufbauen. 

In der Nachmittagssitzung wurde sodann ein 
Ausschuß von 100 Mitgliedern, davon nur die 
Hälfte Kunsthistoriker, und von diesen wiederum 
der Vorstand von 25 Mitgliedern gewählt. Zum 
Ehrenvorsitzenden, der aber zugleich Mitglied 
bleibt, wurde unter allgemeiner Zustimmung 
Exzellenz Althoff ernannt Erster Vorsitzender 
ist Wilhelm Bode, zweiter Geheimrat Schmidt 
als Vertreter des preußischen Ministeriums, 
dritter Geheimrat Winterstein im bayrischen 
Ministerium. Zu Schriftführern wurden Hofrat 
Koetschau-Weimar und Prof. Goldschmidt-Halle, 


zu Schatzmeistern Dr. Eduard Simon und Ver¬ 
lagsbuchhändler A. Scherl, beide in Berlin, er¬ 
nannt. Unter den übrigen Mitgliedern des Vor¬ 
standes seien die Herren v. Seidiitz, Dresden, 
v. Reber, München, Thode, Heidelberg, Licht - 
wark, Hamburg, v. Oettingen, Reidienberg, 
Dehio, Straßburg, Wickhoff, Wien, v. Böt- 
tinger, Elberfeld, v.Bezold, Nürnberg, genannt. 
Die vorbereitende Arbeit für die Denkmälerpubli¬ 
kation, die naturgemäß verschiedenen Arbeits¬ 
sektionen übertragen werden muß, liegt in 
Händen der Herren Prof. Dvofak, Wien und 
Prof. Goldschmidt, Halle. 

Inzwischen ist es bekannt geworden, daß 
der deutsche Kaiser das ihm angetragene Pro¬ 
tektorat des Vereins angenommen hat. Es ist 
vorauszusehen, daß auch die übrigen deutschen 
Fürsten sowie die hohen geistlichen Würden¬ 
träger gern dem Beispiel folgen werden, um 
einer Gesellschaft, die die Pflege deutscher Kunst 
sowohl in wissenschaftlicher wie populärer Form 
zu ihrer vornehmsten Aufgabe gemacht hat, 
Förderung und tatkräftige Unterstützung zu ge¬ 
währen. 

Die Gebildeten aller Stände aber werden die 
Idee Bodes hoffentlich mit der Begeisterung 
aufgreifen, ohne die noch nie in der Welt¬ 
geschichte wahrhaft Großes vollführt werden 
konnte. Der Anfang ist gemacht. Wir haben 
allen Grund, der Zukunft unserer deutschen 
Kunstwissenschaft und der künstlerischen Bil¬ 
dung des deutschen Volkes mit froher Zuversicht 
entgegenzusehen. B. 

8 


KLEINE NACHRICHTEN 

Augsburg. In der BarfQßerklrche ist ein großes 
Fresko entdeact worden, das aus dem Mittelalter stammt, 
(13. oder 15. Jahrhundert?); es sind fünf überlebensgroße 
Engel schwebend dargestellt. 

Berlin. Geheimrat Julius Lessing, der Direktor des 
Berliner Kunstgewerbe-Museums, ist in der Nacht vom 
13. zum 14. Mürz im Krankenhause nach längerem Leiden 
gestorben* kurz vor der Obergabe der Museumsleitung 
an seinen Nachfolger, Otto v. Falke, die am 1. April statt¬ 
finden sollte. Eine kurze Würdigung seiner Persönlichkeit 
und Verdienste haben wir bereits in Heft 1/2, S.66 gegeben. 

Ein anderer sehr schmerzlicher Verlust hat die Kgl. 
Museen in diesen Tagen betroffen: Hugo v. Tschudi hat 
aus Gesundheitsrücksichten einen Urlaub von einem Jahr 

g enommen, ln Wirklichkeit bedeutet das wohl seinen 
Rücktritt von der Leitung der Nationalgalerie, die er in 
wahrhaft künstlerischem sinne geführt hat. Als sein Nach¬ 
folger wird von der Frankfurter Zeitung Prof. Dr. Ludwig 
Justi, Sekretär der Kgl. Akademie der Künste ln Berlin, 
früher Direktor des Stfidelschen Instituts in Frankfurt, 
genannt. — Ober die ganze Angelegenheit ist von den 
Tageszeitungen so ausführlich berichtet worden, daß es 
sich erübrigt, an dieser Stelle näher darauf einzugehen. S. 

Düsseldorf. Nicht Olbrich, sondern der Dresdener 
Architekt Wilhelm Kreis ist als Direktor an die Kunst¬ 
gewerbeschule berufen worden und hat den Ruf ange¬ 
nommen. 

Frankfurt a. M. Das neue städtische Museum ist 
nun von der Stadt selber finanziell fundiert worden. Von 
Plan und Organisation der Sammlungen war im letzten 


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212 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Heft die Rede. Jetzt haben die Stadtverordneten den Be¬ 
schlüssen des Magistrats ihre Zustimmung erteilt, wonach 
die Summe von 252000 Mk. zu den Zwecken der Galerie 
sogleich zur Verfügung gestellt wird; für das nfichstejahr 
sind 100000 Mk. und für die drei folgenden je 30000 Mk. 
vorgesehen, und diese ganze Summe soll gleichfalls schon 

i etzt in Rechnung gezogen werden. Diese Aufwendungen 
[ommen vornehmlich der Sammlung Frankfurter Kunst 
und der Skulpturensammlung zugute; an beiden Stellen 
ist von Direktor Swarzenskl schon ein bedeutender Grund¬ 
stock geschaffen worden. Die ln der letzten Zeit ausge¬ 
stellten 28 Bilder von Boehle sind so gut wie angekauft, 
und die Skulpturensammlung besitzt schon eine größere 
Anzahl von meist deutschen, zum Teil sehr interessanten 
Plastiken. Ober die neueste Erwerbung auf diesem Ge¬ 
biet berichtet die »Frankfurter Zeitung": 

Die Verhandlungen mit Frau Furtwängler, der Witwe 
des großen Münchener Archfiologen, sind zum Abschlnß 
gekommen und haben zur Erwerbung der Furtwängler- 
schen Antikensammlung für die plastische Abteilung der 
neuen städtischen Galerie geführt. Die Sammlung umfaßt, 
von den Fragmenten abgesehen, über hundert Stücke, die 
durchweg von künstlerischem und wissenschaftlichem Inte¬ 
resse sind, darunter eine große Anzahl von Werken, die 
zu dem hervorragendsten gehören, was wir aus den be¬ 
treffenden Gebieten der antiken Kunst besitzen. Es handelt 
sich ausschließlich um Werke der Kleinkunst, und zwar 
vornehmlich um Werke der Kleinplastik: Bronzen und 
Terrakotten. Diese geben in erlesenen Exemplaren einen 
fast vollständigen Oberblick über die Entwickelung der 
riechischen Plastik, von der archaischen Zeit bis zur 
ellenistischen Epoche. Entsprechend der künstlerischen 
Persönlichkeit Furtwänalers überwiegt bei allen Stücken 
der rein künstlerische Charakter über das eugere archäo¬ 
logische Interesse. Es ist nur dem persönlichen Entgegen¬ 
kommen und der Opferwilligkeit von Frau Furtwängler 
zu danken, daß die Sammlung schließlich doch für Frank¬ 
furt erworben werden konnte; ein viel höheres Angebot 
von amerikanischer Seite wurde ausgeschlagen, um die 
Sammlung als geschlossenes Ganzes in Deutschland zu 
erhalten. Überdies wurde ein schöner lebensgroßer Ala¬ 
basterkopf Alexanders des Großen, ausAgupten stammend, 
von Frau Furtwängler der jungen Frkf. Samml. gestiftet. 

Hannover. Der 18. Delegiertentag des Verb. Deutscher 
Kunatgewerbeverelne, der am 22. März dieses Jahres 
in Hannover Zusammentritt, hat eine sehr umfangreiche 
Tagesordnung zu erledigen. Er hat nicht nur die Berichte 
über die geschäftlichen Angelegenheiten des Verbandes 
entgegenzunehmen, er wird sich auch nicht allein, wie 
schon mitgeteilt, mit der kunstgewerblichen Gebühren¬ 
ordnung, mit dem Rechte der Angestellten an ihren Ent¬ 
würfen, mit Lehrwerkstätten und Wanderausstellungen 
beschäftigen, sondern er wird auch über.kunstgewerbliche 
Fachzeitschriften, über Kunstgewerbe- und Gewerbe¬ 
museen, über den Austausch von Jahresberichten, über 
das Abhalten eines Kunstgewerbetages, über die Be¬ 
ziehungen zum Deutschen Werkbunde und endlich über 
den Wert der technischen Arbeit als Erziehungsmittel 
beraten. Von Seiten der Deutschen Regierungen werden 
maßgebende Vertreter zu dem Delegiertentage erscheinen. 

St. Johann. In dem neuen Saar-Museum, dessen Er¬ 
öffnung im April d. J. stattfinden soll, sind neben der 
naturwissenschaftlichen und der Industrie-Abteilung (die 
den wesentlichsten Bestandteil bilden) auch zwei Säle für 
Kunstgewerbe vorgesehen. Man hofft aus dem Kunst¬ 
besitz alter Familien im Saargebiet eine interessante 
Sammlung zusammenzubringen. 

Köln. Zum Direktor des Kunst- und Gewerbemuseums 
wurde als Nachfolger Otto von Falkes der bisherige 
Assistent am Berliner Kunstgewerbemuseum Dr. Creutz 
ernannt. 

Mönchen. Die Obliegenheiten Prof. Furtwänglers sind 
nach seinem Tode geteilt worden. Prof. Wolters aus Würz¬ 
burg übernimmt außer der Professur an der Universität die 
Leitung der Gluptothek und des Gipsabgußmuseums, und 
Furtwänglers Assistent Dr. Sieveking Vasensammlung und 
Antiquarium. 

Weimar. Der Großherzog hat dem Staatsmuseum 
die einen Wert von ungefähr 30000 Mk. repräsentierende 
Sammlung von Münzen und Medaillen des Dresdener 
Sammlers Dr. Spitzen geschenkt. Die Sammlung ent¬ 
hält besonders viele Stücke aus der Reformationszeit. 


Der Umbau des alten großherzoglichen Museums in 
Weimar, der sich auf alle Räume, die Preller-Galerie aus¬ 
genommen, erstrecken soll, ist vom Großherzog genehmigt 
worden, Die Kosten des Umbaues, der nach den Plänen 
des Professors van de Velde erfolgen soll, werden auf 
etwa 250000 Mark geschätzt. 

Rom. Auf Grund des Obereinkommens zwischen der 
österreichischen Botschaft und dem Ministerium der öffent¬ 
lichen Arbeiten wird das Palazetto di Venezia abgetragen 
und auf einem Raum zwischen Piazza di San Marco und 
Via degli Astalli wieder aufgebaut werden. In Wien 
wird unterdessen über den Palazzo di Venezia ein großes 
Werk vorbereitet, dessen Verfasser J. P. Dangel.M. Dvoräk 
und H. Egger sein sollen. 

— Die Villa Bonaparte, welche vor einem Jahre vom 
preußischen Staate angekauft wurde, ist leider nicht für 
ein deutsches Künstlerheim (in der Art der französischen 
Akademie) bestimmt worden, worauf die Künstler in Rom 
schon gehofft hatten. Der Vertreter Preußens beim Vati¬ 
kan wird die Villa beziehen. Ein kleiner Trost ist es, 
daß die Villa Falconieri bei Frascati vom Kaiser zum 
Aufenthaltsort für deutsche Künstler bestimmt ist; zu 
welchem Zwecke auch Ateliers für Maler und Bildhauer 
angebaut werden sollen (von v. Ihne). 

Die Hebung der künstlerischen Kultur des Ita¬ 
lienischen Klerus ist ein Wunsch, welcher Pius X. be¬ 
sonders am Herzen zu liegen scheint. Der Kardinal Staats¬ 
sekretär Merru del Val hat an die Erzbischöfe und Bischöfe 
Italiens ein Rundschreiben erlassen, in welchem um¬ 
fassende Maßregeln getroffen sind, die Geistlichen des 
Landes zu verständnisvollen Hütern der ihnen an ver¬ 
trauten Kunstschätze zu machen. In jeder Diözese, so 
hat Pius X. angeordnet, soll eine Kommission eingesetzt 
werden wenigstens aus zwei Mitgliedern bestehend, die 
zu verhüten haben, daß aus den Kirchen irgend etwas 
entfernt werde und daß nichts zugrunde gehe. Diese 
Kommissionen, in welche Geistliche und Laien berufen 
werden können, sollen vollständige Kataloge verfassen 
und die Vorgesetzte geistliche Behörde dauernd über alle 
Vorgänge auf dem laufenden erhalten. Den Bischöfen 
wira überdies empfohlen, bei ihren Besuchen ln den Diö¬ 
zesen sich persönlich zu überzeugen, ob diese Anord¬ 
nungen pünktlich befolgt werden. 

Als eins der wichtigsten Mittel den Geistlichen ein 
Verhältnis zur Kunst zu geben, welches ihnen bisher 
meistens gefehlt hat, empfiehlt Pius X. die Errichtung 
Kunstwissenschaftlicher Lehrstühle in den Seminarien oder 
doch wenigstens die Einrichtung von Vorträgen über 
Kunstgeschichte. So ist in Mailand bereits ein geistlicher 
Lehrstuhl für Kunstwissenschaft errichtet worden und an¬ 
dere werden vorbereitet. Der Papst bringt diesem Unter¬ 
nehmen, wie versichert wird, das größte persönliche 
Interesse entgegen. Die entlegenste Kirche, so soll er 
sich geäußert haben, muß einen Katalog ihrer Kunst¬ 
schätze besitzen und unter verständnisvoller Aufsicht 
stehen. Denn sie könnte ein Kunstwerk von unschätz¬ 
barem Wert enthalten, welches durch dauernde Vernach¬ 
lässigung sicherem Untergange geweiht sein würde. 

Sollten die Pläne Pius X. so ausgeführt werden, wie 
er es wünscht, so würde damit in der Tat für die Denk¬ 
malspflege in Italien etwas unendlich wichtiges und segen¬ 
bringendes geleistet worden sein. E. St. 

Verona. Ein bemerkenswerter Fall von gesetzlichem 
Denkmalsschutz gereicht Verona zur Ehre; ein Bürger ist 
verurteilt worden, weil er die Baikone an seinem Hause 
verkauft hatte, obgleich diese staatlich nicht ln das In¬ 
ventar der unverkäuflichen Kunstgegenstände aufgenommen 
waren. Das Gericht hat also die unzulänglichen Ausfuhr¬ 
verbote durch ein Präjudiz ergänzt, das den ästhetischen 
Bestand der Immobilien zu erhalten strebt. 

Barcelona. Die hiesigen Kunstsammlungen erfahren 
zur Zeit eine Neuordnung. Die Gemälde moderner Meister 
sind jetzt im ehemaligen Museo de Rcprodudones unter¬ 
gebracht, während die älteren Gemälde im Palado Real 
ein neues Heim finden. Neben zahlreichen hochromani¬ 
schen und gotischen Plastiken wurde in letzter Zeit vom 
Museum das Hauptwerk des Maestre Alfonso, die Marter 
des heil. Mena aus S. Cugat de Vallas, sowie ein großer 
katalonischer Retablo aus dem Anfang des XV. Jahr¬ 
hunderts mit Szenen aus dem Leben des heU. Petrus und 
heil. Georg erworben. 


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LITERATUR 



Rudolf Silüb. Schloß und Garten in 
Schwetzingen. Heidelberg, Carl Winter's 
Universitätsbuchhandlung, 1907. 

Das hübsch ausgestattete kleine Buch stellt 
eine vollständige, sehr sorgsam ausgearbeitete 
Monographie dar, welche vor so manchen an- 
deren Publikationen in den bekannten Mono¬ 
graphiensammlungen den Vorzug wissenschaft¬ 
lichen Wertes hat, ohne des Reizes liebens¬ 
würdiger Darstellung zu entbehren. Der Ver¬ 
fasser, Bibliothekar in Heidelberg, der es seiner 
Vaterstadt Mannheim zu ihrem 300-jährigen 
Jubiläum gewidmet hat, zeigt sich durch große 
Vertrautheit mit seinem Gegenstände — wie sie 
sich nur durch ein liebevolles Verhältnis und 
durch langjährige Anschauung ergibt — zu seiner 
Aufgabe von vornherein wie berufen. Indem 
er durch dankenswerte archivalisdie Forschung 
eine ganze Reihe interessanter neuer Notizen 
beibringt und die Schwetzinger Anlagen nach 
ihrem kunst- und kulturgeschichtlichen Werte 
zu würdigen weiß, hat er uns einen vorzüglichen 
Beitrag zur Kenntnis jener Tage geliefert, wie 
wir nur wünschen können, daß in solcher Weise 
noch manche von den Fürstensitzen des 18. Jahr¬ 
hunderts behandelt werden möchten, an denen 
Deutschland, Dank der vielgeschmähten und doch 
so segensvollen Kleinstaaterei, noch heute so 
reich ist. 

Silüb vermag die Geschichte von Schwetzingen 
in sehr früher Zeit mit einigen Streiflichtern zu 
beleuchten. Wir erfahren, daß die anfängliche 
ritterliche Herrenburg im 15. Jahrhundert in pfalz¬ 
gräflichen Besitz übergeht, und wie hier lang¬ 
sam eine kurfürstliche Residenz entsteht, die 
aber unter den Stürmen des 50-jährigen und 
des Orleans’sdien Krieges zu leiden hat, ja zer¬ 
stört wird, bis dann unter den drei Kurfürsten 
des 18. Jahrhunderts jene bezaubernde Schöpfung 
hervorgerufen wird, die als eine der gro߬ 
artigsten Leistungen der Fürstenkultur jener 
Tage mit an erster Stelle zu nennen ist. Der 
Anteil, den einige der bedeutendsten Künstler 
ihrer Zeit und ihres Faches, sei es am Schloß, 
sei es am Garten in Schwetzingen haben — ich 
nenne nur Alessandro Galü Bibiena, Nicoias 
Pigage, E. Boudiardon, Ä. v. Verschaffelt, Gabriel 
Grupello, und die Gartenkünstler August Petri 
und L. F. Sckell (der später in Nymphenburg 
und in München am engüsdien Garten tätig) — 
zeigt allein schon, welchen Wert eine Mono¬ 


graphie über diese Anlage für die allgemeine 
Kunstgeschichte hat. Wie hier Barock, Rokoko 
und schließlich der englische Stil sich nach¬ 
einander die Hände gereicht haben und wie 
trotz dieser Stilabwandlungen Schwetzingen 
doch eine Schöpfung von einheitlicher, unver¬ 
gleichlich harmonischer und anmutiger Wirkung 
geworden ist wie wenige andere der Art, das 
schildert Silüb in sehr eingehender und anschau¬ 
licher Weise. Er entrollt ein Bild einer einzelnen, 
allerdings besonders großartigen Stätte und gibt 
damit eine für die Kenntnis und das Ver¬ 
ständnis jener merkwürdigen und glänzenden 
Epoche geradezu typische Schilderung. 

A. Peltzer. 

8 

Melhop, Alt-Ham burgische Bauweise. 
Mit 274 Abbild. Hamburg, Boysen & Maasch. 
1908 (brosch. M. 16.—). 

Alte Architektur gibt es in Hamburg kaum 
noch. Was der große Brand von 1842 übrig 
gelassen hatte, ist der modernen städtischen Ent¬ 
wicklung zum Opfer gefallen. Melhop hat das 
Verdienst, alle erreichbaren Abbildungen wich¬ 
tiger Profanbauten gesammelt und dem Studium 
zugänglich gemacht zu haben. Ein reiches Ma¬ 
terial an Photographien, Stichen, Handzeich¬ 
nungen aus dem Besitz von Behörden und 
Museen sowie nach eignen Aufnahmen des Ver¬ 
fassers. Die hübschen Zeichnungen gehören zu 
den von Lichtwark angeregten, zuerst im „Pan“ 
veröffentlichten Darstellungen von alten Häusern 
und Dielen. 

Das Buch ist aus Liebe zu Hamburg ent¬ 
standen. Eine kunstgesdiiditüche Behandlung 
lag nicht in der Absicht des Verfassers. So über¬ 
wiegt im Text das lokalgeschichtlich Interessante. 
Das umfänglichste Kapitel, das die Fassaden¬ 
entwicklung verfolgt, beschränkt sich auf eine 
chronologische Aufzählung der einzelnen Gebäude 
und ihrer Schicksale. Eine Charakterisierung eines 
besonderen hamburgischen Stiles wird kaum ver¬ 
sucht. 

Von mittelalterlichen Häusern können nur 
wenige Äbbüdungen eine Vorsteüung geben. 
Erhalten ist keins. Mit abgetreppten Giebeln 
und einer Lisenen- oder Pfeilergliederung der 
Front, gewöhnlich erst an der Giebelwand be¬ 
ginnend, unterscheiden sie sich nicht von denen 


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214 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


anderer norddeutscher Städte. Die Renaissance ist 
zunächst, vom ersten Drittel des 16. Jahrhunderts 
an f nur durch Fachwerkbauten vertreten, denen 
Melhop ein eignes Kapitel widmet. Als frühester 
Massivbau der Renaissance wird die Fassade 
bezeichnet, die man 1602 aus Ziegel- und Hau¬ 
stein in holländischem Geschmack vor das lang¬ 
gestreckte gotische Rathaus setzte. Zwischen 
den breiten Fenstern standen Kaiserfiguren in 
Nischen. Ein Giebel fehlt merkwürdigerweise, 
wenigstens auf der erhaltenen Ansicht. Dagegen 
ist der charakteristische Dachreiter da. Das „rote 
Haus“ (1617) und der „Kaiserhof“ (1619), dessen 
Front im Museum für Kunst und Gewerbe kon¬ 
serviert wird, sind die einzigen wichtigen Zeugen 
für die Aufteilung der Fassade durch ein Gerüst 
von Pilastern resp. Halbsäulen und Gurtgesimsen, 
ln den so gebildeten rechteckigen Feldern machen 
sich die Fenster derart breit, daß kaum ein 
schmaler Wandstreifen übrig bleibt. Ein solches 
konsequent durchgeführtes System von Trägern 
und Gesimsen, das sonst in Norddeutschland 
schon früher, in Danzig z. B. in den 60er Jahren 
des 16. Jahrhunderts auftaucht, geht mehr auf 
süddeutsche Anregungen zurück, als auf Holland, 
wie Melhop meint. Für längere Zeit eingebürgert 
hat sich dieser Aufbau im Norden nirgends. Man 
empfand eine gesunde Abneigung gegen das 
vorgelegte Rahmenwerk, das weder eine or¬ 
ganische Funktion hat noch rhythmisch gliedert. 
Die holländische Architektur mit ihrem male¬ 
rischen Flächencharakter wurde als sinnesver¬ 
wandter willkommen geheißen. Neben den be¬ 
deutenden auswärtigen Denkmälern dieses Stiles 
(Rathaus in Münden, Zeughaus in Danzig, Börse 
in Kopenhagen) ist das hamburgische Rathaus, 
nach der dürftigen Abbildung zu urteilen, nur 
ein bescheidenes Beispiel. 

Bedeutungsvoller für Hamburg sind die zahl¬ 
reichen, durch Photographie und vereinzelt noch 
im Original erhaltenen Fassaden aus der 2. Hälfte 
des 17. Jahrhunderts, in denen Melhop „franzö¬ 
sischen Einfluß“ wahrnimmt. Sie sind ebenso¬ 
gut der klassizistischen Richtung in Holland an¬ 
zugliedern, deren Hauptdenkmal, das Stadthaus 
zu Amsterdam, 1648 begonnen wurde. Man 
überträgt die Kolossalordnung von Pilastern auf 
die schmalen, oft nur dreiachsigen Fronten und 
führt die mittleren Vertikalen am Giebel auf¬ 
wärts. Dberschlanke Pilaster (aus Holz) ziehen 
sich auch an den Rändern der bis zu 3 Stock 
hohen „Äusluchten“ hinauf, die den Häusern 
einen charakteristischen asymmetrischen Akzent 
geben. Diese Vorbauten, auf schmalem recht¬ 
eckigen Grundriß in Fachwerk errichtet, sind je¬ 
doch nur ein beweglicher, von der massiven Wand 
lösbarer Schmuck, unabhängig von der eigent¬ 


lichen Fassade. Diese bewahrt ein flaches Relief. 
Es schieben sich nicht, wie in Süddeutschland, 
zwei Träger, Pfeiler und Säule, voreinander. Ein 
breiter flacher Pilaster ist die Regel. Säulen 
fehlen gänzlich. Die Fenster sitzen rahmenlos 
und ohne vorspringende Verdachung in der 
Wand. In der Folge der Fenster findet kein 
Wechsel statt. Das Mezzaningeschoß ist eine 
Ausnahme. Kommt einmal Schmuck an der 
Fassade vor, dann sind es schwere, üppig zu¬ 
sammengedrängte Frucht- und Blumenguirlanden, 
die glatte Fläche ringsum eher betonend als ne¬ 
gierend. — Gegen Ende des Jahrhunderts tauchen 
einzelne breit sich streckende Palastbauten 
zwischen den hohen Fronten auf, zum Teil völlig 
im internationalen Modestil, wie das Görzische 
Palais (1710). 

Eigenartiger entwickelt sich die Physiognomie 
des bürgerlichen Hauses im 18. Jahrhundert. Ja, 
man kann sagen, daß die hamburgische Archi¬ 
tektur nun ihren eigensten Ausdruck findet. Der 
abwägende, zurückhaltende Charakter, den die 
Fassade bereits im 17. Jahrhundert angenommen 
hatte, steigerte sich zu einer kühlen, harten Vor¬ 
nehmheit. Die Kolossalordnungen verschwinden. 
Kapitäle, jede Schmuckform scheiden aus. Schlichte 
Lisenen bilden mit glatten Gesimsen die Rahmen 
der ganz wenig zurückliegenden Fensterfelder. 
Ein flach aufliegendes Band markiert die Stock¬ 
werke. Der Hauptmeister dieser Zeit, Sonn in 
(1713—1794), pflegt seine Fronten seitlich durch 
rustikaartig gegliederte Streifen zu begrenzen, 
die der Flächenbewegung ein neues, aber nicht 
vorlautes Moment zufügen. Hier und da ist der 
Mittelteil der Fassade als Risalit um ein Geringes 
vorgezogen. In dieser Folge knapp und kantig 
sich voneinander absetzender Schichten scheint 
jeder Zentimeter Stein genau berechnet, der 
schmälste Schlagschatten berücksichtigt. Es ist 
charakteristisch, daß man den Ziegel roh läßt 
und die weichen, verwischenden Übergänge des 
Verputzes vermeidet. Eine norddeutsche, ver¬ 
standesmäßige, wenn man will, etwas pedan¬ 
tische und phantasiearme, aber für unser mo¬ 
dernes Empfinden höchst geschmackvolle und 
distinguierte Kunst, aus der auch Messels Fas¬ 
saden ihren Ruhm schöpfen. Einmal hat man 
versucht, einer Front durch Rokokoornament 
und eine bewegtere Giebelsilhouette einen sprü¬ 
henderen Zug zu geben. Zwischen süddeutschen 
Fassaden würde sie sich ausnehmen wie ein 
Hamburger, der in einen Münchner Karneval 
hineingeschneit ist. 

Die allgemeine Wendung zur klassizistischen 
Architektur am Ende des 18. Jahrhunderts be¬ 
deutete für Hamburg keinen „völligen Um¬ 
schwung in der Bauweise“, wie Melhop glaubt. 


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Literatur 


215 


Nirgends ffihrte der Weg direkter darauf los als 
hier. Die Leistungen beweisen allerdings neben 
den Werken der Sonninsdien Zeit einen trau- 
rigen Niedergang. Das Auge reagierte nicht 
mehr wie im 18. Jahrhundert auf das leise Vor- 
und Zurücktreten der Flächen. Man gibt das 
Risalit auf f ebenso die Stockwerkbänder und 
Fensterfelder. Eine philiströse Nüchternheit glättet 
die Fassade zu einem Brett mit so und so viel 
Löchern. Zum Teil hängt das mit dem Auf¬ 
kommen der Mietshäuser zusammen, über deren 
großes Format man nicht Herr werden konnte. — 
Aus der Periode der „historischen Stile“, die 
Melhop etwa bis 1860 verfolgt, hat das archi¬ 
tektonische Gesicht Hamburgs keine wesentlich 
individuellen Züge gewonnen. 

In einem besonderen Kapitel wird das Innere 
des alten hamburgisdien Kaufmannshauses behan¬ 
delt. Hierfür liegt weniger Material vor als für die 
Fassade. Es scheint auch in Hamburg an Grund- 
rißaufnahmen alter Häuser zu fehlen. Im Prinzip 
ist die Disposition der Räume auf den schmalen, 
tiefen Grundstücken die gleiche wie in anderen 
norddeutschen Handelsstädten von Bremen bis 
Danzig: ein Vorderhaus mit Diele und Wohn¬ 
zimmern durch einen am Hof liegenden Arm vom 
Hinterhaus getrennt, das als Speicher diente. Die 
aus dem niederdeutschen Bauernhaus her¬ 
stammende Diele, die fast ein Drittel der ge¬ 
samten Grundfläche einnimmt, hat sich seit dem 
17. Jahrhundert über den bloßen Nutzwert für 
den Geschäftsverkehr hinaus zu einem Empfangs¬ 
und Gesellschaftsraum entwickelt, der mit seinen 
überraschenden Abmessungen, dem hellen, von 
Straße und Hof hergeführten Licht, der breiten 
Treppe und reichen Stuckdekoration den bürger¬ 
lichen Stolz der hanseatischen Patrizier ebenso 
würdevoll repräsentiert wie der Saal eines Adels¬ 
palastes. 

Eingeleitet wird das Buch durch instruktive 
Mitteilungen über mittelalterliche Baumaterialien 
und staatliches Bauwesen in Alt-Hamburg. Den 
Beschluß macht eine Führung durch die Gänge 
und Höfe der Altstadt. Diese malerischen Gassen 
sind der einzige Ort, wo der Reisende sich heute 
zwischen der Vergangenheit noch leibhaft er¬ 
gehen kann, nachdem er sich am neuen Bahnhof 
gefreut, an anderen modernen Gebäuden mög¬ 
lichst vorbeigesehen und bei Cölln gefrühstückt 
hat. 

August Grisebach. 

8 


Deutsches Leben der Vergangenheit in 
Bildern. Ein Atlas mit 1760 Nachbildungen 
alter Kupfer und Holzschnitte aus dem 15. bis 
18. Jahrhundert. Mit Einführung von Dr. Ä. 
Kienzle herausgegeben von Eugen Diede- 
richs. Band 1. Jena 1908. 

Audi diejenigen unter den Nicht-Fachleuten, 
die von alter deutscher Kunst mehr kennen als ein 
paar Meisterwerke Dürers und Holbeins, be¬ 
sitzen doch von alter deutscher Graphik meist 
nur eine ganz vage Vorstellung, die selten über 
eine Kenntnis der populären Dürersdien Holz¬ 
schnittfolgen hinausgeht. Bei dem starken 
gegenständlichen Interesse der Graphik, das 
geeignet ist, ihr gerade die Gunst des Laien 
schnell zu erwerben, liegt der Grund hierfür 
gewiß in erster Linie an dem Mangel an ein¬ 
schlägigem, wohlfeilem Reproduktionsmaterial. 
Diesem Übelstand sucht der von Eugen Diede- 
richs in Jena herausgegebene zweibändige Atlas 
„Deutsches Leben der Vergangenheit in 
Bildern“ abzuhelfen, von dem der erste Band 
soeben erschienen ist, der zweite im Frühjahr 
dieses Jahres nachfolgen wird. Beide Bände 
werden vereint ein Kompendium von nicht 
weniger als 1760 Nachbildungen alter deutscher 
Kupferstiche und Holzschnitte zu dem billigen 
Preise von 27 M. broschiert (33 M. geb.) um¬ 
fassen. Der Atlas stellt sich dar als eine Er¬ 
gänzung zu den reich illustrierten „Mono¬ 
graphien zur deutschen Kulturgeschichte“, die 
Professor Dr. Georg Steinhausen in gleichem 
Verlage vor einigen Jahren herausgab, ist aber 
so angelegt, daß er auch selbständig benutzbar 
ist. Eine Einleitung von Dr. Ä. Kienzle orien¬ 
tiert in knappen Worten über die historische 
Entwicklung und das Wesentliche der Tech¬ 
niken. Im übrigen beschränkt sich die textliche 
Beigabe zu den einzelnen Abbildungen auf 
kurze Unterschriften mit Angabe des Verfassers, 
der Technik, Provenienz, Datierung und Haupt¬ 
literatur, wozu im Notfall einige wenige das 
Sachliche erläuternde Worte kommen, die prak¬ 
tischerweise nicht in einem Anhang, sondern 
unter dem dazugehörigen Bilde stehen. An 
Äußerlichkeiten der Einrichtung ließe sich nur 
aussetzen, daß die Querblätter auf den rechten 
und linken Seiten nicht nach derselben Richtung 
angeordnet sind, wodurch das lästige zwei¬ 
malige Herumdrehen des schweren Buches ver¬ 
mieden wäre. 

Der Atlas will nicht eine vollständige Ge¬ 
schichte des deutschen Kupferstiches und Holz¬ 
schnittes in Bildern geben, sondern beschränkt 
sich auf Schilderungen aus dem geselligen 
Leben und Treiben, bringt dazu nur Bilder, die 


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216 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


in den Monographien nicht veröffentlicht wur¬ 
den, das will heißen, meist also überhaupt noch 
nicht reproduzierte Abbildungen. Er will die 
Kenntnis der deutschen Volkskultur verbreiten, 
verfolgt aber erst in zweiter Linie speziell 
wissenschaftliche Zwecke, und diese Absicht 
rechtfertigt vollkommen die Anordnung des 
Stoffes nach sachlichen und chronologischen Ge- 
sichtspunkten. 

Die Inkunabeln des Kupferstiches machen 
den Anfang. Die überragende Bedeutung des 
Meisters E. S. und des Meisters des Hausbuches 
kommt gut zum Ausdruck. Die übrigen Früh¬ 
stecher sind mit charakteristischen Blättern ver¬ 
treten, so der Meister mit den Bandrollen mit 
dem originellen Streit der Weiber um die 
Männerhosen, der Meister der Liebesgärten mit 
seinen beiden Hauptblättern, der Meister b x 8 
(merkwürdigerweise bg gelesen I) mit dem reiten¬ 
den Liebespaar. Auch unter den Holländern 
fehlt kein bedeutenderer Name; der Meister 
von Zwolle, der sehr gut vertretene von Mecke- 
nem, von dem man u. a. das große Fest des 
Herodes sieht, jene wahre Fundgrube für den 
Kostümforscher, der Meister M. Z. y dessen Ball¬ 
fest passend der Tanzgesellschaft des Lucas 
van Leyden gegenübergestellt ist. Die Inku¬ 
nabeln des Holzschnittes setzen mit einigen 
interessanten Tafeldrucken ein, darunter dem 
kuriosen Blatt des Hanns Paur, das in 24 Ab¬ 
bildungen eine Inventaraufnahme der haupt¬ 
sächlichsten zur Ehe nötigen Hausgeräte gibt. 
Von der frühesten illustrierten Buchliteratur fin¬ 
det man das Wichtigste in meist mehreren Bei¬ 
spielen vor; der Augsburger Frühdruck ist durch 
Schnitte aus Drucken des Johannes Bämler, der 
Melusine, der Historie der Sigismunda und 
Rodoricus Zamorensis: Spiegel des mensch¬ 
lichen Lebens vertreten. Den Basler Frühdruck 
lernt man in Schnitten aus dem Spiegel der 
menschlichen Behältnis, den Lübecker aus Ru- 
dimentum Noviciorum, den Kölner aus der 1499 
datierten Koelhoffschen Chronik von Köln, den 
Ulmer aus dem von Leonard Holl 1484 ge¬ 
druckten Buch der Weisheit kennen. Von 1500 
rund gerechnet an werden die Techniken nicht 
mehr getrennt, der Gegenstand der Darstellung 
wird Haupteinteilungsprinzip. Zunächst wird 
uns das Leben des Bauern, zuerst das des 
arbeitenden Bauern vorgeführt, vorzüglich 
eingeleitet durch neun Schnitte aus Crescentius, 
Nutz der Ding, die im Acker gebaut werden. 
Wir werden bekannt mit dem Mutier des Hir¬ 
ten, des Pflügers, des Säemanns, des Gärtners, 
des Schmiedes, des Imkers, des Fischers, kurz 
in alle Vorkommnisse der bäuerlichen Arbeit 
eingeweiht. Der feiernde Bauer hat in H. S. 


Beham seinen Hauptinterpreten gefunden. Aus¬ 
gelassene Tanzszenen, wüste Saufgelage, die 
mit Schlägereien oder Unanständigkeiten enden, 
sind das übliche, aber auch das ehrbar im Sonn¬ 
tagsstaat zur Kirche wandelnde Bauernpaar 
kommt vor. Darauf folgen Darstellungen aus 
dem Leben des Bürgers, eingeleitet durch 
24 Schnitte aus den kulturhistorisch wie künst¬ 
lerisch gleich wertvollen Illustrationen des Hans 
Weiditz zu Petrarka Trostspiegel. Daran 
schließen sich einige Trachtenbilder, Darstel¬ 
lungen aus dem Gewerbe des Buchdruckers, 
daran die einzelnen Gelehrtenberufe, endlich 
Porträtschnitte berühmter Gelehrter und Refor¬ 
matoren. Über die das Zeitalter bewegenden 
religiösen Vorstellungen berichten Blätter 
wie der Antichrist aus der Schedelschen Chro¬ 
nik, die Prozession aus dem Sdiatzbehalter, 
Ablaßverkauf, Luthersche Thesenanschlag usw. 
Die Schrecknisse des mittelalterlichen Rechts- 
wesens illustrieren besonders drei Schnitte 
aus dem bei Othmar in Augsburg 1509 er¬ 
schienenen Laienspiegel, darunter eine wahre 
Musterkarte der mittelalterlichen Strafen. Mit 
dem Gerichtswesen hängen Aberglauben und 
Hexenwesen eng zusammen. Das Kapitel 
.Kunst und Künstler* macht uns bekannt 
mit den Beschäftigungen des Malers, Bildhauers, 
Goldschmiedes, des Instrumentenbauers, Geo¬ 
meters, Astronomen. Namentlich die beiden 
Monatsbilder des Mercurius, wovon das eine 
einem älteren niederländischen Blockbuch ent¬ 
nommen ist, das andere H. S. Beham zum Ver¬ 
fasser hat, sind in dieser Hinsicht aufschlußreich. 
Nach einigen Todesdarstellungen, unter 
denen man ungern Burgkmairs .Tod als Wür¬ 
ger“ vermißt, folgt der Abschnitt .Frauen und 
Liebe“, der die Freuden der Liebe, Ehe und 
Mutterschaft, aber auch die Kehrseite der Me¬ 
daille: Weiberlaunen, Ehezwistigkeiten, käuf¬ 
liche Liebe und Ehebruch behandelt. Daran 
reihen sich Tanz- und Musikszenen, so¬ 
dann Bilder aus Hauswesen und Küche, 
letztere eröffnet mit dem Faksimile eines mit 
Holzschnitt gezierten Flugblattes mit dem lau¬ 
nigen Hans Sachssdien Gedicht: Rat zwischen 
dreyerley Hey rat. Die Geheimnisse des Küchen- 
betriebes bereiten auf die Tafel- und Trink¬ 
szenen vor. Über das Handwerk orien¬ 
tieren 12 Blätter von Jost Amman aus: Be¬ 
schreibung aller Stände. Unter den Spielen 
interessiert besonders Die Kegelbahn im Freien 
nach einem Christoph Maurerschen Schnitt. 
Szenen aus dem Schützen wesen leiten end¬ 
lich zu den Bildern aus dem Leben der Vor¬ 
nehmen über, dessen Schlagworte Turnier und 
Jagd lauten. Mit Darstellungen aus dem Kriegs- 


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Literatur 


217 


leben, interessanten alten Stadtbefestigungen, 
Kämpfen, Belagerungen schließt der erste Band, 
der das 15. und 16. Jahrhandert umfaßt. 

Diese knappe Inhaltsangabe möge zeigen, 
welch eine Fülle von Anschauungsmaterial hier 
niedergelegt ist. Die Art der Vervielfältigung der 
Bilder ist die Strichätzung, die dem feinen Linien- 
gefüge des Kupfers gegenüber ja allerdings bis« 
weilen versagt, im allgemeinen aber durchaus 
befriedigt. Für diejenigen, deren Betrachtung 
über das Gegenständliche der Darstellung hin« 
ausstrebt, ist die Korrektur durch das Stu« 
dium der Originale natürlich überall unerläß« 
lieh, schon weil die meisten Abbildungen des 
Diederichssdien Atlasses die Größenmaße des 
Originales willkürlich verkleinern. Damit soll 
aber einer Benutzung des Werkes auch für den 
Kenner durchaus nicht das Urteil gesprochen 
sein. Denn der Atlas ist mehr als ein Bilder¬ 
buch für Leute, die lediglich antiquarische Inter¬ 
essen befriedigen wollen. Dank eines für den 
Schluß des zweiten Bandes versprochenen Re¬ 
gisters, das sowohl über die Abbildungen des 
Atlasses wie über die der Monographien, d. h. 
über ein streng wissenschaftlich bestimmtes 
Material von rund 5500 Bildern orientiert, kann 
der Atias ein nützliches Nachschlagewerk für 
den jungen Kulturhistoriker werden, das be¬ 
dingt selbst die Zwecke eines Lehrbuches zu 
erfüllen imstande ist, indem durch häufige glück¬ 
liche Konfrontationen von Wiedergaben des¬ 
selben Gegenstandes der Betrachter zu formalen 
Vergleichen und stilistischen Analgsen angeregt 
wird. 

Hans Vollmer. 

9 

Kar! Wo er mann. Von deutscher Kunst 
(Führer zur Kunst Nr. 11/12). Eßlingen, Neff. 1907. 

Die nationale Eigenart der Kunst des eigenen 
Volkes zu kennzeichnen, ist eine reizvolle, aber 
schwierige Aufgabe. Allzuleicht trübt die Nähe 
den Blick, macht gegen das Entferntere ungerecht. 
Fast alle populären deutschen Schriften über 
deutsche Kunst kranken daran, daß der Gesichts¬ 
kreis ihrer Autoren zu eng oder freiwillig be¬ 
schränkt ist. Den verdienstvollen Direktor der 
Dresdner Gemäldegalerie und Verfasser einer 
„Geschichte der Kunst aller Zeiten und Völker“ 
wird man nun nicht gerade eines engen Hori¬ 
zontes zeihen können. Und doch scheint es, als 
ob sogar ihn ein derart zum Tendenziösen heraus¬ 
forderndes Thema, wie die volkstümliche Dar¬ 
stellung des Wesens der heimatlichen Kunst, bei 
aller Unparteiischkeit zuweilen zu einer leichten 
Überschätzung des Deutschen geführt habe. 


Allgemeiner Wert und Wesen einer Kunst 
sind zweierlei. Vielleicht indes leitet der neu¬ 
tralste Weg zum Verständnis ihres Wesens über 
die Feststellung ihres Wertes für die Kunst der 
anderen Völker und der Bedeutung der fremden 
Kunst für sie. Dieser Weg führt zu der Er¬ 
kenntnis: Die deutsche Kunst hat viel mehr 
empfangen als abgegeben. Sie hätte sich ohne 
den Einfluß Frankreichs und Italiens nicht zu 
dem entwickelt, als was sie uns heute erscheint. 
Ohne Frankreich besäßen wir keine Gotik, keine 
Barockschlösser, keine Rokoko, keinen Klassi- 
zissimus, ohne Italien keine Renaissance. Was 
wäre aus Dürer, Holbein, Burgkmair, was aus 
unseren größten Architekten des 16. und 17. Jahr¬ 
hunderts ohne die Einwirkung Italiens geworden? 

Was umgekehrt wir Frankreich und Italien 
gegeben haben, sind vereinzelte Anregungen, 
die für die Entwicklung der Kunst jener Länder 
nichts bedeuten. 

Untersucht man, worin das Wesen der meisten 
Kunstrichtungen besteht, die Deutschland ein¬ 
geführt hat, so ergibt sich: in ihrer Monumen¬ 
talität. Die deutsche Kunst mußte von außen 
her ergänzen, was ihr von Natur aus fehlte. 
Selbständig groß ist sie nur im Übergangsstil 
und dann noch in vereinzelten Fällen, wie in 
den Werken des Grünewald und Veit Stoß. Ihr 
eigentliches Kennzeichen aber ist nicht Größe, 
sondern gerade Kleinheit, Intimität. Auf dem 
Gebiete der Graphik und des Kunstgewerbes 
hat Deutschland sein Eigenstes geschaffen. Dieser 
Sachverhalt sollte billigerweise anerkannt werden. 

Der einzige Mangel an Woermanns Büchlein 
ist, daß es zuweilen die Vorzüge und die Priorität 
der fremden Kunst nicht recht gelten läßt und 
anderseits Eigenschaften der deutschen Kunst 
von zweifelhaftem Werte als besonders gut hin¬ 
stellt. Kein Wort darüber, wie oft in Deutsch¬ 
land die Prinzipien der Monumentalkunst des 
Auslandes durch Doktrinarismus zu Tode gehetzt 
oder in Dekoration erstickt wurden; man ver¬ 
gleiche den gotischen Kathedralgrundriß, etwa 
Amiens mit Köln, die gotische Turmbildung, etwa 
St. Nicaise in Reims mit dem ungeheuerlichen 
Entwürfe zu der einförmigen Regensburger Dom¬ 
fassade, den italienischen Renaissancepalazzo 
mit dem deutschen Renaissanceschloß. 

Zu Einzelheiten ließe sich noch mancherlei 
bemerken, so zu der Behauptung, in den Domen 
von Naumburg und Limburg sei „fast ein be¬ 
sonderer in sich abgeschlossener deutscher Bau¬ 
stil“ zu erblicken, und zu den Versuchen, die 
Hallenkirche als eine nationaldeutsche Schöpfung 
hinzustellen. Allerdings sind diese Behauptungen 
stets wieder derart eingeschränkt, daß man sie 
nicht widerlegen kann. Aber in dem Laien, für 

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218 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


den doch das Buch bestimmt ist, müssen sie 
falsche Vorstellungen erwecken. Ich verweise 
nochmals auf das Beispiel der Hallenkirche. Von 
St. Martin in Landshut sagt der Verfasser: „Nie 
vielleicht vor der Zeit des Eisenbaus ist ein so 
weiter und hoher Raum mit so wenig Pfeiler¬ 
und Wandmasse gestützt und umschlossen 
worden wie hier 41 . Das mag wohl richtig sein. 
Daß indes im Anjou und Poitou Jahrhunderte 
vor St. Martin nicht viel niedrigere und engere 
Räume mit nicht viel weniger Pfeiler- und Wand¬ 
massen gestützt und umschlossen wurden, daß 
die italienischen Kirchen vom Typus des Floren¬ 
tiner Domes trotz der größeren Wandflädien 
viel weiträumiger wirken, das erwähnt der Ver¬ 
fasser nicht. 

Nun, das sind Einzelheiten. Den feinen Be¬ 
merkungen Woermanns über Kupferstich und 
Holzschnitt, über unsere Renaissancemaler, über 
die Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts wird 
jeder gerne beipflichten. Dem Laien wird das 
reichhaltige und vorzüglich gewählte Illustrations¬ 
material des Büchleins eine besondere Freude 
bereiten. 

Stuttgart. Julius Baum. 

8 

• Paul Ferdinand Schmidt. Frankfurt a.M. 
(Stätten der Kultur, Band II.) Buchschmuck 
von L. Pollitzer. Leipzig. Klinkhardt & Bier¬ 
mann, 1907. 151 S. 

Daß Schmidt als Kunsthistoriker ein sehr 
schätzenswertes Können besitzt, hat er durch 
sein Buch über Kloster Maulbronn gezeigt. So 
mag es Verwunderung erregen, wie wenig Kunst¬ 
geschichtliches in dieser Monographie enthalten 
ist, die durch die Sammlungsbezeichnung „Stätten 
der Kultur 41 nicht ganz vor dem Verlangen ge¬ 
schützt wird, daß man nicht nur ein wenig Bau¬ 
geschichte, Einiges über Burger, Thoma, Boehle 
finden möchte. Der Verfasser gleicht einem Ge¬ 
lehrten, der freiwillig das herkömmliche Rüstzeug 
in die Ecke warf, um den bequemeren Hausrock des 
Historikers und Archivars anzulegen. Von vorn¬ 
herein sei bemerkt, daß er die Aufgabe, in engem 
Rahmen eine Stadt- und Kulturgeschichte Frank¬ 
furts zu geben, ausgezeichnet gelöst hat, aber 
Bücher wie diese rücken denn doch die Gefahr 
nahe, vor der neulich auch Karl Voll in einer 
Besprechung von Worringers Cranachbuch 
(Beil, zur ÄUgem. Zeitung Nr. 221, 19. Dez. 1907) 
warnte, daß die Kunstgeschichte, nachdem sie 
sich endlich als Fachdisziplin freigemacht hat, 
wiederum freiwillig älteren Schwestern den Vor¬ 
tritt läßt Auch darf nicht der Eindruck auf¬ 


kommen, als ob man derartige Städtebilder an 
der Hand der Quellen, Aktensammlungen, Me¬ 
moiren und Handbücher bequem in seinem Studio 
kompilieren könnte. 

Dieses allerdings ist gerade in Schmidts Buch 
nicht der Fall. Man merkt überall, wie eigene An¬ 
schauung die Freskomalerei einer im wesentlichen 
historischen Darstellung gleichsam mit einem an 
guten Einfällen reichen, in lebhaften und lustigen 
Farben ausgeführten Friesstreifen geschmückt hat. 
Es scheint ein Grundsatz des Verlages zu sein, 
bei der Auswahl der Monographen nicht Ein¬ 
heimische, sondern eingewanderte oder ganz 
fremde Gelehrte zu bevorzugen; eine Unbefangen¬ 
heit des Urteils wird dadurch erreicht, die einen 
an sich löblichen, aber literarisch fast immer un¬ 
genießbaren Lokalpatriotismus so gut wie aus¬ 
schließt. Der Verfasser hat lange genug in 
Frankfurt gelebt, um, was Frankfurt war, ver¬ 
stehen, würdigen und lieben zu können, aber 
nicht lange genug, um, was Frankfurt ist, un¬ 
befangen mit dem Vergangenen in lebendige Be¬ 
ziehung zu setzen. Er vergleicht; und das Re¬ 
sultat ist für ihn nur sterile Nachahmung im 
heutigen architektonischen Schaffen, besonders 
in dem der Behörden; Kopie, überall Kopie, wo 
eine gebärtüchtige Vorzeit schuf und erfand. Man 
fühlt die Enttäuschung, die dieser sehr leiden¬ 
schaftliche Gegner jedes Stileklektizismus bei sei¬ 
nem Rundgang durch das neuefrankfurt empfand, 
und erlaubt sich, seine in starken Worten zutage 
tretende Erbitterung manchmal ein wenig über¬ 
hitzt zu finden. Schmidt hat Recht, der neue Römer 
ist kein Meisterstück. Aber wo ist es anders in 
Deutschland? Die Pseudo-Gotik des neuen 
Münchner Rathausanbaues, das noch unvoll¬ 
endete Stadthaus in Hannover .... Ach, die 
zornigen Worte nützen hier so wenig 1 Ein 
Königreich für mutige Bauherren und geniale 
Architekten! Und was der Frankfurter Magistrat 
auf diesem Gebiete gesündigt haben mag, das 
hat er auf anderem, dem des Museumswesens 
beispielsweise, wieder gut gemacht. Das hätte 
Schmidt erwähnen sollen (ausführlicher, als es 
auf S. 146 geschehen ist), um nicht in den Ver¬ 
dacht einer gewissen Animosität zu kommen. 

Vielleicht liegt es an diesen scharfen An¬ 
griffen, daß man jetzt in Frankfurt den Versuch 
zu machen scheint, das unbequeme Buch tot¬ 
zuschweigen. Das ist schade. Denn die Frank¬ 
furter können sich kaum besser über das Werden 
und Wachsen ihres Gemeinwesens unterrichten, 
als durch die Lektüre dieser aus zuverlässigen 
Quellen schöpfenden und dazu flott und lebendig 
geschriebenen, außerdem sehr interessant illu¬ 
strierten Abhandlung. 

Walter Cohen. 


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Literatur 


219 


Karl Sdiaefer. Bremen. (Stätten der 
Kultur, Band III.) Buchschmuck v. C. Weide¬ 
meyer-Worpswede. Leipzig. Klinkhardt & Bier¬ 
mann. 1907. 136 S. 

Bremen ist nicht so reich an Zeugen alter 
Kultur, wie manche andre deutsche Stadt, wie 
vergleichsweise Lübeck oder Danzig. Die Denk¬ 
mäler bürgerlicher Baukunst z. B. sind dünn 
gesät; eine lokal bremische Malerei hat es im 
Mittelalter nicht gegeben —.Anfang und Zentrum 
dafür war eben Hamburg. Auch eine bremische 
Plastik gab es damals nicht, so daß die Fülle 
des Materials für die frühen Zeiten den Forscher 
nicht verwirrt Aber das einzelne Objekt ist ja 
auch nie das Wesentliche in einer Kultur, das 
tiefer Liegende äußert sich viel eindringlicher 
in der Gesamtgestaltung einer Stadt, und diesen 
Fragen ist der Verfasser dann auch besonders 
nachgegangen und hat fast rein auf der Basis 
des Stadtbildes und der Baugeschichte uns die 
ganze Kulturgeschichte des bremischen Mittel¬ 
alters erzählt. Er hat die Stadtpläne studiert 
und ist durch die alten Teile der Stadt ge¬ 
wandert, und mit scharfem Blick hat er ihre 
Physiognomie beurteilt und ihren Charakter 
gedeutet. Das alles wird in diesen ersten 
Kapiteln „Entwicklungsgeschichte des Stadt¬ 
bildes“, „Mauern und Tore“, „Dom und Pfarr¬ 
kirchen“ in einer klaren Schilderung seltsam 
lebendig. — Mit der Darstellung von „Roland 
und Rathaus“ ist man schon fast an die Schwelle 
der Neuzeit herangekommen — die Hansestadt 
seit dem 15. Jahrhundert zeigt tatsächlich ein 
unmittelalterliches Gesicht. Künstlerischer Höhe¬ 
punkt war dann die Renaissance, und ihre 
schönste Perle ist das Rathaus, so wie der Um¬ 
bau Lüder von Bentheims das ehemalig gotische 
Bauwerk in den Jahren 1609—12 umgestaltet 
hatte. Die Formensprache dieses Meisters ist 
hier noch von zartem Reichtum; man kann sie 
noch nicht Barock nennen. Aber es war das 
letzte Wort der Renaissance — als es verklungen 
war, zogen die Barockkünstler ein, zunächst 
1616, in den Schnitzereien der oberen Rathaus¬ 
halle, als Innenarchitekten, dann 1618 die Bau¬ 
meister mit der Fassade des Essighauses und 
mit der des Krameramtshauses (1620). Die reine 
Renaissance hatte hier aber, wenn sie auch 
ziemlich spät (1537) einsetzt, doch fast ein halbes 
Jahrhundert geherrscht. Erhalten sind außer 
dem herrlichen Finale des Rathauses nur zwei 
größere Bauten: Kornhaus und Wage. — Dieses 
Kapitel über „Zunftgebäude und Bürgerhaus“ 
enthält in seinem ersten Teil die hauptsächlichste 
kunsthistorische Arbeit, mit der jeder, der über 
Renaissance im Norden arbeitet, zu rechnen 
haben wird. Seinen Untersuchungen laufen dann 


die Bemerkungen über die Form des bürger¬ 
lichen Wohnhauses parallel; es hat sich aus 
dem niedrigen Bauerndielenhaus zur Höhen¬ 
gestaltung entwickelt und wurde in der Re¬ 
naissancezeit reicher ausgebildet. — Für den 
Außenbau muß aber im 15. Jahrhundert der 
Typus des hochaufgerichteten Giebelhauses schon 
fixiert gewesen sein. Auch zu diesen Thema 
finden sich reiche kunsthistorische Hinweise, und 
zwar nicht nur einseitig formal, sondern mit 
gründlicher Durchdringung aller Fragen z. B. 
der hier besonders interessanten Materialfrage 
(Ziegel. — Sandstein). 

Ich brauche nicht den Inhalt der weiteren 
Abschnitte, über Entwicklung von Handel und 
Gewerbe und über das Bremen nach dem 
30jährigen Kriege einzugehen; ich müßte doch 
nur wieder abschreiben und will mich daher 
damit begnügen, auf das kunsthistorisch 
Wichtigste hingewiesen zu haben — nicht als 
ob es noch immer so wäre, „daß die Kunst¬ 
geschichte bis 1620 geht“, sondern weil die Be¬ 
handlung dieser Blüteepochen einen Prüfstein 
bildet für die Qualität des Übrigen, das dann 
auch durchaus ebenso gediegen, anschaulich und 
aufschlußreich behandelt ist. 

Zu den Details sei bemerkt, daß die Ver¬ 
mutung über den Roland, der ursprünglich an 
einer Fassade und zwar an der eines früheren 
Rathauses, gestanden haben soll, vollkommen 
wissenschaftlich begründet ist und mehr als einen 
Wahrscheinlichkeitsbeweis für sich hat. — Ob 
die gotischen Statuen der Rathausfront, Kaiser 
und Kurfürsten, wirklich als Bildnisse angesehen 
werden können, ist nicht ausgemacht. Für drei 
von ihnen läßt sich an der Hand glaubhaften 
Materials der Gegenbeweis bringen, und so wird 
man auch die anderen als frei symbolische 
Staodesrepräsentationen auffassen dürfen. — 
Das merkwürdige bronzene Taufbecken im Dom, 
das um 1200 entstanden sein mag, zeigt aller¬ 
dings in den Gestalten seiner auf Löwen reiten¬ 
den Träger, die an die Füße des Krodoaltars 
erinnern, einen etwas anderen Stil als die etwas 
flauen Reliefs am Kessel. Doch befinden sich 
an eben demselben Kessel oben am Rande zwei 
plastisch gebildete Köpfe (wohl zur Aufnahme 
für die Zapfen des ehemaligen Deckels) von 
genau demselben Stil und derselben Form wie 
die Köpfe der Träger, so daß über diesen Punkt 
noch Zweifel möglich sind. Vielleicht werden 
diese aber durch eine zusammenfassende Unter¬ 
suchung über Taufbecken in Nord Westdeutschland, 
die in einer Hallenser Dissertation vorgelegt 
werden soll, beseitigt.’ 

Das sehr instruktiv ausgewählte und im 
Einzelfall geschickt und geschmackvoll aus- 


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220 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


geschnittene Abbildungsmaterial des Buches ist 
durchweg ausgezeichnet photographiert und 
klischiert. Der Buchschmuck, der von Carl Weide¬ 
meyer stammt, wirkt stilvoll und leicht, einige 
Initialen und Vignetten sind mit Geschick alten 
Bremensien angenähert. Nur die Schrift auf 
dem Außentitel ist eine unbegreifliche Entgleisung, 
so schön das Zierstück ist. Wohl mag die 
Schrift zu ihm passen, aber man muß von der 
Schrift ausgehen, und danach das Dekorative 
einrichten, nicht umgekehrt. Die Zeit, wo un¬ 
leserliche Schrift als künstlerisch galt, ist doch 
nun seit fast einem Jahrzehnt vorüber. 

E. Waldmann. 

8 

Edmtutd Renard y Cöln. Berühmte Kunst¬ 
stätten Nr. 38. Mit 188 Abbildungen. Leipzig, 
E. Ä. Seemann. 1907. 

Der Verfasser bemerkt im Vorwort: „Ein 
Buch wie das vorliegende soll gar vielen Herren 
dienen; es wird den verschiedenartigsten An¬ 
forderungen begegnen, denen allen zugleich es 
sicherlich nicht gerecht werden kann. a Nun, das 
ist freilich richtig: dem kunstbeflissenen Laien 
wird die Arbeit Renards gewiß allzu wissen¬ 
schaftlich und nüchtern erscheinen. Nicht so dem 
Fachmann! Er weiß, mit welchen Schwierig¬ 
keiten die zusammenfassende Darstellung einer 
so überaus reichen und komplizierten künst¬ 
lerischen Vergangenheit wie sie just dieser 
berühmten und alten Kulturstätte am Rhein be- 
schieden gewesen ist, zu kämpfen hat, und er 
ist dankbar, für den Fleiß und die Gewissen¬ 
haftigkeit, mit der dieser erste Versuch einer 
zusammenfassenden Behandlung des weiten 
Gebietes unternommen worden ist. Von den 
Anfängen römischer Kultur in der Ubierstadt 
an, geht Renard den Fluß der künstlerischen 
Entwicklung bis in die neueste Zeit hinein Schritt 
für Schritt bedächtig nach, nichts vergißt er, 
alles wird sorgsam registriert und an seiner 
Stelle innerhalb des historischen Verlaufs ein¬ 
geordnet. Die beiden Brennpunkte der Cölner 
Kunstgeschichte, die unvergleichliche Blüte ro¬ 
manischer und gotischer Kirchenbaukunst und 
die nicht minder bedeutsame Cölner Maler¬ 
schule, erfahren eingehende Behandlung, aber 
kaum weniger ausführlich wird von der Re¬ 
naissance und den Zeiten des Barock und Rokoko 
berichtet. Wo es da an Werken monumentaler 
Kunst gebricht, vertieft sich der Verfasser in 
die Schöpfungen der bürgerlichen Kleinkunst 
und des Kunsthandwerks und weiß von Cölner 
Bortenweberei, Glasindustrie und Steinzeug¬ 


fabrikation, Buchdruck und Möbelkunst, von 
Dielen und Wendeltreppen, ja sogar von der 
architektonischen Ausbildung der kölnischen 
Weißbierwirtschaft vielerlei zu sagen. Diese 
gleichmäßig breite Behandlung des Wichtigen 
und Nebensächlichen ist eine Schwäche des 
Buches. So dankeswert das fleißige Zusammen¬ 
tragen des Materials ist, eine straffere, poin¬ 
tiertere Gruppierung des Stoffes, ein strengeres 
Sichkonzentriereri auf die Höhepunkte der Ent¬ 
wicklung wäre hier manchmal wünschenswert 
gewesen. Auch hat sich Renard verschiedentlich 
allzu streng an die äußere Zeiteinteilung ge¬ 
halten; so bricht er das Kapitel über die Cölner 
Malerschule mit dem Meister des Bartholomäus¬ 
alters jäh ab, um erst gegen Schluß des folgen¬ 
den Kapitels „Das Jahrhundert der Renaissance* 
zwischen Plastik und Kunstgewerbe die fehlen¬ 
den Meister der Malerschule zu erledigen. Das 
allzu Systematische des Vorgehens (so oft die 
Schattenseite der Gewissenhaftigkeit!) verdrießt 
da zuweilen. Aber aus derselben Quelle ist 
doch auch ein ganz vortreffliches Kapitel über 
Werke der romanischen Goldschmiedekunst in 
Cöln geflossen, das zum ersten Mal den bei¬ 
spiellosen Reichtum der Cölner Reliqienschreine 
aus dem 12. Jahrhundert einer systematischen 
Darstellung und Stilprüfung unterzieht und die 
merkwürdige Durchkreuzung der kölnischen Ent¬ 
wicklung durch die Emailkunst des Maastales 
in helles Licht rückt! Da zeigen sich dann wieder 
die Vorzüge der Renardschen Behandlungsweise. 
Alles in allem: das Wichtigste ist wohl erreicht, 
der unerhörte Reichtum künstlerischen Schaffens 
im alten Cöln spiegelt sich, in tausend Einzel¬ 
zügen, getreulich in diesem Buche. Das Material 
ist nun sortiert und ausgebreitet. Eine Muster¬ 
karte von Streitfragen und unerledigten Themen, 
die zur Behandlung locken, liegt da. Renard hat 
gute Vorarbeit getan, es wäre nun dringend zu 
wünschen, wenn die zünftige Forschung sich in 
speziellere Untersuchung der vielen kaum halb¬ 
erschlossenen Einzelgebiete einlassen wollte, 
damit die Gesetzmäßigkeit und der geheime 
innere Zusammenhang all dieses Blühens und 
Werdens endlich klar erkannt und für unsere 
Wissenschaft nutzbar gemacht werde! 

Egbert Delpy. 

8 

Julius Baum. Die Bauwerke des Elias Holl. 
Mit 51 Äbb. und 33 Tafeln. Straßburg. J. H. Ed. 
Heitz (Heitz u. Mündel). 1908. Studien zur 
deutschen Kunstgeschichte. Heft 93. 

Elias Hoil als monographische Einzelaufgabe 
rechtfertigt sich allein schon durch die eigen- 


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Literatur 


221 


sinnige Sdiwabenart und charakterfeste Energie, 
mit der der Augsburger Meister die Aufgaben 
des deutschen Städtebaues im Sinne des italie¬ 
nischen Kunstkanons der Spätrenaissance um- 
formte und ihnen eine einheitlich Augsburgische 
Lösung gab. Innerhalb der Stadtmauern hat 
daher Elias Holl eine Bedeutung, die der eines 
Alleinherrschers in architektonischen Dingen 
gleichkommt, denn er hat dem Stadtbild ein 
stolzes und unverkennbares Gesicht gegeben. 
Aber auch Aber die Mauern hinaus ist der starke 
Mann eine historische Figur von großen Zügen 
und außerordentlichen Wirkungen. Doch stand 
er bisher grad nicht in vollem Licht historischer 
Erkenntnis. Die vielen Zweifel, die über Statistik 
und Chronologie seiner Werke bestanden, sind 
in dem Buche Baums mit vertrauenerweckender 
Gründlichkeit untersucht und meist erklärt oder 
beseitigt. Lokalgeschichtlich hat es seinen vollen 
Wert. Aber die „synthetische Darstellung seiner 
Entwickelung“, die der Verfasser in der Ein¬ 
leitung verspricht, ist er schuldig geblieben. 
Denn die mager skizzierten Kapitelchen über 
den inneren Weg, den Holl als Schwabe zurück¬ 
legen mußte, um zu Palladio zu gelangen und 
wieder von ihm loszukommen, heben sich 
nicht über die Genügsamkeit der historischen 
Vereinsliteratur provinzialer Region hinaus. Die 
findige Geschäftigkeit des Archivkenners, der 
aus allen Ecken Material herbeischleppt und 
jede Frage mit einer Fülle von Notizen und 
Vermerken überschüttet, ist kein Ersatz für die 
historische Charakteristik und künstlerische Be¬ 
wertung, auf die Holl Anspruch hat. Die 
Synthese zerfällt in eine beträchtliche Zahl von 
Analysen. Uns wird versichert, daß die Kunst 
des Elias Holl ein Ausdruck seiner Persönlich¬ 
keit sei. Aber wir begegnen nicht einmal dem 
Versuch, diese Begriffe aus dem reichen Stoff 
seiner Werke mit Inhalt zu füllen. So ist mit 
dieser gewissenhaften Arbeit vor allem jener 
Historiker zu beglückwünschen, der den Künstler 
Elias Holl in großem Stile darstellen wird. Das 
Material dazu hat Julius Baum in musterhafter 
Weise geliefert. Artur Wccse< 

8 

Fritz Knapp. Perugino. Bielefeld und 
Leipzig, Velhagen & Klasing. 1907. Künstler¬ 
monographien von H. Knackfuß, Bd. LXXXVII. 

Ein Buch über Perugino wird man immer 
mit einer gewissen Spannung in die Hand neh¬ 
men, weniger vielleicht deshalb, weil man ein 
neues künstlerisches Erlebnis erhofft, als viel¬ 
mehr der Organisation des an sich spröden 
künstlerischen Stoffes wegen. Denn Perugino 


war ein Künstler, der sich nur wenig und, wie 
es scheint, nicht zu seinem Vorteil entwickelt 
und außerdem nur eine einzige Saite des klang¬ 
reichen menschlichen Empfindungslebens anzu¬ 
schlagen verstanden hat. Man wird Knapp zu¬ 
gestehen müssen, daß er seine schwierige Auf¬ 
gabe trefflich gelöst hat und sich in objektiver 
Kritik vor einer Überschätzung seines Helden 
zu bewahren weiß. 1 ) In ruhiger, sachlicher Dar¬ 
stellung versucht hier Knapp uns das Lebens¬ 
werk Peruginos in entwicklungsgeschichtlicher 
Reihenfolge vor Augen zu führen. Ferner- 
stehende werden sich freilich bei der Lektüre 
des Buches zunächst fragen, was die einleiten¬ 
den Schilderungen von Perugias blutiger politi¬ 
scher Vergangenheit mit der sentimentalen Lyrik 
der Kunst Pietro Peruginos zu tun haben. Man 
würde an dieser Stelle vielleicht lieber einige 
Hinweise auf das bodenständige Element der 
umbrischen Kunst, als deren „Klassiker“ doch 
Perugino recht eigentlich zu gelten hat, gesehen 
haben, und eher eine Bloßlegung der Fäden 
erwarten, die ihn, den Johannes Rafaelscher 
Kunst, mit dieser Heimatskunst verknüpfen. Hier¬ 
durch hätten sicherlich die feinsinnigen Aus¬ 
führungen über Peruginos Lehr- und Wander¬ 
jahre an Reiz und wissenschaftlichem Wert ge¬ 
wonnen. 

Als Lehrer Peruginos nimmt Knapp im 
Gegensatz zu Crowe und Cavalcaseile Fiorenzo 
di Lorenzo an, der ihm die Kunstweise Ver- 
rocchios übermittelt haben mag. Der Einfluß 
Piero della Francescas ist bei Perugino wohl 
nur im allgemeinen wahrzunehmen, das heißt 
nicht stärker als wie er sich damals fast überall 
in Italien bemerkbar macht. Die Werke dieser 
etwa bis 1491 dauernden Frühzeit erfreuen 
durch ihre schlichte Grazie, den intimen Reiz 
und den milden religiösen Geist, dem jede 
theatralische Extase fremd ist. Dazu kommt 
die unbestimmte Lichtführung, die relativ reiche 
Skala zarter Halbtöne, die die Körper umspie¬ 
len und die Anmut und Weichheit der Linien 
im Sinne eines einheitlichen Gesamteindruckes 
glücklich zu steigern wissen. Von Anfang an 
ging Peruginos Kunst auf monumentale Ruhe 
im Gegensatz zu der im Barock endenden floren- 
tinischen Kunst aus, und dadurch ist er doch 
einer der ersten geworden, die der Hoch¬ 
renaissance mit die Wege bereitet haben. Aber 
das Evangelium, das er predigte, stieß zunächst 
auf taube Ohren, zudem kam es von schwachen 
Lippen. 

Die Behauptung, daß Perugino der bedeutendste 
Landschaftsmaler Italiens im Quattrocento gewesen sei, 
ist vielleicht die einzige Überschätzung des Künstlers, die 
in dem Buche auffallt. 


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222 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Am Schlüsse dieser Periode wird er von 
Signorelli beeinflußt, der mit ihm gemeinsam 
an der Kreuzigung der Akademie in Florenz 
arbeitet. Freilich ist der Anteil Signorellis an 
diesem Bilde doch wohl größer als Knapp an¬ 
nimmt. 

Die zweite Epoche Peruginos 1491 bis 1496 
ist die fruchtbarste und glänzendste Schaffens¬ 
zeit, die mit einem Aufenthalte in Florenz zu¬ 
sammenfällt. In diesen Jahren sind seine Haupt¬ 
schöpfungen, wie die Vision des heiligen Bern¬ 
hard in München und das monumentale Fresco 
in Santa Maria della Pace in Florenz entstanden. 
Hier wird ein neuer Hymnus auf ein stilles, 
keusches Schönheitsideal gesungen, das dann 
auch teilweise die Hochrenaissance beherrschen 
sollte. Aber man darf nicht glauben, dies neue 
Ideal würde etwa bewußt als eine Art Protest 
dem energisch temperamentvollen Naturalismus 
in Florenz und seinen Begriffen der künstleri¬ 
schen Wahrheit entgegengesetzt. Es handelt 
sich eben hier nur um eine auf anderem Boden 
gewachsene Kunst, die stark genug war, in der 
anderen schärferen Luft von Florenz zu ge¬ 
deihen. Der Mangel an dramatischer Kraft 
und ursprünglichem Temperament ist übrigens 
in dem Bilde in München geradezu zur Tugend 
geworden. Filippino Lippi erscheint kleinlich 
gegenüber dieser grandiosen Feierlichkeit. Das 
Visionäre kommt durch die ätherische Empfin¬ 
dungsweise und den durchsichtigen Glanz der 
Farben vorzüglich zum Ausdruck. Dagegen zei¬ 
gen nun die größten Monumentalgemälde, wie 
die Himmelfahrt Christi in Borgo San Sepolcro 
deutlich genug die Grenzen der Kunst Peru¬ 
ginos. Seine figürlichen Kompositionen bleiben 
ganz in der Bildfläche haften, deren Silhouette 
freilich ohne sinngemäße lineare Tendenz allein 
die künstlerische Wirkung des Ganzen über¬ 
nimmt. Der Sinn für Proportionierung der 
Massen geht Perugino vollkommen ab. Auch 
macht sich der Mangel einer scharfen Mar¬ 
kierung des Vordergrundes unangenehm fühlbar. 

Perugino organisiert seine Gruppen nur der 
Breite, nicht auch der Höhe und Tiefe nach. 
Vielleicht hätte das von Knapp mehr betont 
werden sollen. Der kurze Aufenthalt in Vene¬ 
dig, der in der Madonna im Louvre den künst¬ 
lerischen Niederschlag am deutlichsten erkennen 
läßt, war, abgesehen vielleicht von dem Heiligen¬ 
bilde in Sant' Agostino in Cremona für die 
folgende Zeit nicht von weittragender Bedeu¬ 
tung. Im Gegenteil, in den Jahren 1496 bis 
1499 setzt bereits langsam ein Niedergang der 
Kunst Peruginos in koloristischer Hinsicht ein. 
Perugino wird als vielbegehrter Künstler mehr zu 
einem fa presto Maler, dem das Geschäft über 


die Kunst geht. Brach doch sogar der Volks¬ 
unwille los, als er sich in der für S. Maria 
Annunziata in Florenz gemalten Himmelfahrt 
teilweise selbst wiederholte. Aber ganz so 
stupide war die Wiederholung doch nicht: Bei 
näherem Zusehen ergeben sich sehr feine, aber 
sehr bedeutungsvolle Unterschiede, die Knapp 
vielleicht doch hätte andeuten sollen, da sich 
da deutlich die Entwicklung der Kunst Peru¬ 
ginos manifestiert. Die untere Gruppe versucht 
unter klarer Unterscheidung von Vordergrund- 
und Mittelgrund — maßgebend ist das quanti¬ 
tativ vollkommen andere Verhältnis der beiden 
Jünger im Vordergründe zu den nunmehr ganz 
mit Rücksicht auf diese angeordneten Gruppen 
des Hintergrundes — nach der Tiefe hin sich 
zu entwickeln, während der obere Teil durch 
verschiedene kleine Änderungen, besonders der 
Anordnung der Seraphimköpfe einen linearen, 
rhythmischen Zusammenschluß nach oben hin 
versucht. Aus demselben Grunde bleibt es auch 
zu bedauern, daß Knapp es sich hat entgehen 
lassen, an der Hand der Madonnendarstellungen 
im Vatican, in Fano und Sinigaglia anzudeuten, 
daß hier trotz der Wiederholungen und trotz 
des Verfalls ein nicht zu leugnender Fortschritt 
in der Organisation des Raumes und der Figuren¬ 
gruppen sich vollzieht, der manche seiner Schwä¬ 
chen in milderem Lichte erscheinen läßt. 

Neben Signorelli ist vor allem Ghirlandajos 
und Lorenzo di Credis Kunstweise für Perugino 
in dieser Periode seines Schaffens von Bedeu¬ 
tung geworden. 

Die nächste Epoche seines Schaffens steht 
für uns in dem Zeichen der Lehrjahre Rafaels. 

In diese Zeit fällt die Ausmalung des Collegio 
del Cambio, die entschieden zu viel gelobt 
wurde, immerhin ein interessantes Gemisch von 
antiken, philosophischen und religiösen Begriffen 
und Allegorien, wie es für die Zeit charakteristisch 
und in ähnlicher Weise ja auch anderwärts, wie 
etwa der Sassettikapelle in Santa Trinitä in 
Florenz u. a. vorkommt. Sicherlich macht sich 
hier der vollständige Mangel an dramatischer 
Belebung wie andererseits die Eintönigkeit des 
Ausdruckes und das Schemenhafte der Bewegung 
am stärksten fühlbar. Aber ganz ohne Fort¬ 
schritt sind hinsichtlich der Raumkomposition 
einige dieser Fresken doch nicht. Es steigert 
sich das Volumen der Gestalten und die Ge¬ 
wandung geht mehr als bisher auf eine monu¬ 
mentale Wirkung aus. Dieses Streben geht 
freilich auf Kosten der Koloristik. Auch die 
Typen lassen eine Wandlung im Sinne der 
Hochrenaissance erkennen. Die Intimität der 
Empfindung ist freilich nun zu einer hier und 
da fast grotesken schauspielerischen Floskel ge- 


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Literatur 


223 


worden, die den Bewegungen der Gestalten an-* 
hängt. Die Mitarbeit Rafaels an diesen Fresken 
ist wohl wahrscheinlich, läßt sich aber mit Sicher-* 
heit nicht nachweisen. 

Das früher Holbein und von Morelli dem 
Rafael zugeschriebene Porträt in der Gallerie 
Borghese in Rom gibt Knapp wohl mit Recht 
dem Perugino, ebenso wie er die Autorschaft 
Rafaels in dem bekannten Bilde der Anbetung 
des Kindes in der Nationalgalerie in London 
ablehnt. Ähnliches gilt auch bezüglich des für 
die Mönche von Vallombrosa gemalten, 1500 
datierten Altarbildes in der Akademie in Florenz. 
Eher könnte Rafaels Mitwirkung bei dem Ma- 
donnenbild in Bologna und in der Pinakothek 
in Perugia in Betracht kommen, wo die beiden 
auf der Erde knieenden Heiligen fast genau so 
in einem Jugendwerke Rafaels, der Kreuzigung 
in der Sammlung Mond, wiederkehren. Mit 
Recht wird dagegen die Anteilnahme Rafaels 
an der Auferstehung im Vatikan von Knapp 
abgelehnt, ein Werk, das ja schon von Vasari 
als Arbeit des Perugino bezeichnet wurde. Das 
Bild Peruginos in Caen, das Morelli, wie nach 
ihm besonders Berenson angezweifelt hat, der 
es unbegreiflidierweise dem Lo Spagna zu-* 
schreiben wollte, gibt Knapp dem Perugino 
zurück. 

Während der Jahre 1504 bis 1506, in denen 
sich Perugino vorwiegend in Florenz aufhielt, 
ist neben dem Triumph der Keuschheit wohl 
auch das seinerzeit um eine so riesige Summe 
als echter Rafael angekaufte Bild, Apollo und 
Marsyas darstellend, im Louvre entstanden. 
Apollo erinnert hier sehr an den David des 
Donatello im Museo nazionale, wie ja überhaupt 
Perugino wiederholt figürliche Kompositionen 
von Donatello her übernommen hat. Auch das 
gleichfalls früher von Morelli Rafael zuge¬ 
schriebene Frauenbildnis in den Uffizien gehört 
in diese Zeit. 

Aus der letzten Periode des Künstlers, 1506 
bis 1509, ist vor allem die thronende Madonna 
in Marseille zu nennen. Schade, daß Knapp 
es sich hat entgehen lassen, einen Vergleich 
dieser Madonna mit den früheren ähnlichen 
Darstellungen auszustellen. Gewanddrapierung 
wie allgemein die Proportionierung der Madonna 
zeigt doch manch auffallende Neuerungen, so 
daß es sich schon verlohnt hätte, etwa auf die 
Herkunft derselben etwas näher einzugehen. 

Mit den Malereien in Rom hat Perugino 
bereits den Höhepunkt seines Schaffens über¬ 
schritten ; was nachher folgt, trägt den Stempel 
des Alters an sich. Trotzdem wird man auch 
hier wie etwa in der Pietä in San Pietro in 
Perugia einen interessanten kompositioneilen 


Fortschritt gegenüber der Pietä in Santa Maria 
in Fano konstatieren können und dasselbe gilt 
für die Anbetung der Könige in Trevi. Der 
Einfluß Leonardos macht sich hier in der Kom¬ 
position deutlich genug fühlbar, und es wäre in¬ 
teressant zu wissen, von wann ab der Einfluß 
dieses Großmeisters der Renaissancemalerei in 
Peruginos Kunst datiert. Das Problem einer 
monumentalen Gruppenverbindung unter klarer 
Unterscheidung von Vorder- und Mittelgrund, 
Haupt- und Nebenpersonen, das Problem einer 
innigen Verbindung von Figuren und Landschaft 
hat ihn innerlich ernstlich beschäftigt, und der 
75jährige bleibt doch nicht unberührt von dem 
Hauche der neuen Zeit. Aber es ist nur ein 
Hauch. Langsam geht die künstlerische Ent¬ 
wicklung Peruginos vor sich. Der Künstler in 
ihm ist doch allmählich in dem eigenen Phlegma 
erstickt. Es ist ein Jammer, zuzuschauen, wie 
seine Kunst dahinsiecht. Perugino hat zu lange 
gelebt Man möchte ihm gerne einen rühm-* 
lieberen Abgang von der Bühne des künst¬ 
lerischen Lebens gönnen. Die Madonna in der 
Glorie kann sich in Bologna schon neben der 
Cäcilia Rafaels sehen lassen. Aber in der Trans¬ 
figuration in Perugia, die in demselben Jahre 
entstanden ist, in dem Rafael seine analoge 
Darstellung vollendet, macht sich doch die Stick¬ 
luft des Philisteriums Rafael gegenüber recht 
unangenehm fühlbar. Die Hand ist steif, das 
Auge müde geworden, das leidenschaftslose 
Herz schlägt langsamer denn je ... . längst 
rauschen die mächtigen Fluten der neuen Zeit 
über seine Kunst hinweg, aber er war doch 
einer und nicht der geringste ihrer Propheten. 
Man hat später im 18. wie im 19. Jahrhundert 
in ihm mit Recht den Vertreter einer besonde¬ 
ren künstlerischen Weltanschauung gewittert, 
die uns Modernsten freilich ein Greuel geworden 
ist. Das soll uns aber nicht hindern, seiner 
Kunst Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und 
dem dankbar zu sein, der uns sein Lebenswerk 
vor Äugen führt. Die zeitliche Anordnung der 
Gemälde wird wohl nur wenig Widerspruch bei 
Fachgenossen hervorrufen. 

Fritz Burger. 

0 

J. Strzygowski. Kleinarmenische Mi¬ 
niaturmalerei. Die Miniaturen des Tübinger 
Evangeliars MA XIII, 1 vom Jahre 1113 bezw. 
893 n. Chr. — 27 S. mit 2 Tafeln im Vierfarben¬ 
druck, 2 Lichtdrucktafeln und 12 Abbildungen 
im Text (Veröffentlichungen der Kgl. Univer¬ 
sitätsbibliothek in Tübingen. Bd. I. S. 17—43. 
Taf. VII-X). 


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224 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Als in die selbständige Forschung großen 
Stils eben eintretender Privatdozent an der 
Universität Wien hat Strzygowski im ]. 1891 
seine Byzantinischen Denkmäler mit der 
Behandlung des armenischen Etsch miadzin- 
Evangeliars vom J. 989 eröffnet. Heute kehrt 
der zum Bannerträger einer neuen kunstgeschidit- 
lichen Schule gewordene Gelehrte von Weltruf 
zu dem Gebiet der armenischen Buchmalerei 
zurück, um an der Hand eines im J. 1113 nach 
einer Vorlage vom ). 893 geschriebenen Evan¬ 
gelienkodex, Ma XIII, 1 der Universitätsbiblio¬ 
thek zu Tübingen, in die Bedeutung speziell der 
kleinarmenischen Miniaturenmalerei einzuführen. 
Man bedarf nicht erst seiner eigenen dies¬ 
bezüglichen Ausführungen S. 11 f., um inne zu 
werden, welchen gewaltigen Fortschritt des 
Verfassers über sich selbst hinaus die um ein 
Vierteljahrhundert jüngere Publikation bezeich¬ 
net. Dem Sospitator des Etsdimiadzin-Evan- 
geliars schien eine Frühperiode syrischen Ein¬ 
flusses ein „ursprünglich so kunstarmes Gebiet 
wie Armenien“ für ein maßgebendes Zeitalter 
byzantinischer Kunst vorbereitet und eine nur 
recht allmähliche Emanzipation von der künst¬ 
lerischen Weise Konstantinopels sich in der 
armenischen Buchmalerei durch „sarazenische 
Motive“ angebahnt zu haben. Die Tübinger 
Handschrift enthält von ihren Evangelisten¬ 
bildern nur mehr die drei letzten und den über¬ 
aus reichen ornamentalen Schmuck ebensovieler 
Evangelientitelblätter, sowie zahlreicher Initialen 
und Randdekorationen zu Anfang jedes Text¬ 
kapitels. Aber dem durch eine unglaublich 
emsige Forschungsarbeit immer tiefer in die 
grundlegende Bedeutung des eigentlichen Orients 
für die mittelalterliche Kunstentwicklung ein¬ 
geführten, vor allem dem frisch von seinen 
genialen Untersuchungen überMschatta kommen¬ 
den Gelehrten genügt dieses Material, um eine 
völlig neue und ungleich tiefere Auffassung von 
der Stellung — zunächst einmal des kilikischen 
— Armeniens im Rahmen der „byzantinischen 
Frage“ zu begründen, und mit einem nur dem 
echten und ganzen Meister eigenen Freimut 
sagt er klar und scharf, wie vieles er umgelernt 
hat, auf verhältnismäßig sehr engem Raume 
wieder eine Arbeit von grundlegender Bedeutung 
liefernd. 

Nicht eine vom spätantiken Hellenismus aus¬ 
gegangene byzantinische Hauptstadtkunst ist es 
mehr, von welcher das Tübinger Evangelien¬ 
buch seinem Bearbeiter Armenien einseitig ab¬ 
hängig zeigt. Der Typus des sitzenden Autoren¬ 
bilds mag den Evangelistenblättern dieses Buches 
aus dem ursprünglich hellenistischen Kleinasien 
gekommen sein. Aber sein Mutterboden ge¬ 


hörte von vornherein „künstlerisch in die Ein¬ 
flußsphäre von Antiocheia, Edessa und Nisibis“, 
und was sich — vor allem im Ornament — 
übermächtig hier ausdrückt, ist ein durch und 
durch Orientalisches, in dem kaum „mehr als 
ein vereinzeltes Motiv der Antike“ sich „nahe 
bringen“ läßt, dessen Durchbruch vielmehr „ir¬ 
gendwie zusammenzuhängen“ scheint „mit der 
Überflutung Kleinasiens durch die seldschukischen 
Türken“: der Einfluß des sassanidischen Persiens, 
vermittelt durch denjenigen „der ungeheuer aus¬ 
gedehnten islamischen Kulturwelt“. Die „christ¬ 
liche Enklave“, welche das armenische Kilikien 
in dieser Welt darstellt, ist wesenhaft nicht der 
Schuldner eines von Westen kommenden Ein¬ 
flusses Konstantinopels, sondern „Vermittler von 
Kunstformen“, die von Osten her ihrerseits „den 
Ornamentstil der byzantinischen“ ebensogut als 
der „armenischen und slavischen Miniaturen¬ 
malerei für alle Zeiten bestimmten.“ Was diese 
Erkenntnis für die Gesamtwürdigung der kultur¬ 
geschichtlichen Stellung des persisch-islamischen 
Orients bedeutet, liegt auf der Hand. Jedes 
überflüssige Wort könnte hier den Eindruck nur 
abschwächen. Die scharfsinnige und umsichtige 
Begründung der neuen These wird man ohne¬ 
hin bei Strzygowski selbst nachzulesen haben. 
Ein Doppeltes kommt in Frage. Zunächst er¬ 
weist S. 8—21 eine sorgfältige Typenvergleichung 
Schritt für Schritt für die Flächenornamente der 
armenischen Handschrift und deren einzelne Ele¬ 
mente wie Palmette, Ranke, Bandgeflecht und 
geometrische Muster ohne Ende, für ihre Streifen- 
und Zickzackornamente, für die Initialen mit 
ihren, Nabengelenke, Achter und Herzformen 
durchsetzenden, Stielen, ihren Halbpalmetten 
und Bandgeflechtsenden und vor allem für die 
aus Bandverschlingungen und Halbpalmetten 
gebildeten Randzierden auf dem Wege direkter 
kunstwissenschaftlicher Prüfung „die Tatsache 
der persischen Wurzel“. Die Bedeutung einer 
historischen Gegenprobe auf die Richtigkeit der 
so gewonnenen Ergebnisse hat es alsdann, 
wenn Strzygowski S. 21—26 über die Miniaturen¬ 
schule des Königsklosters von Drasark handelt, 
in welchem wie die vorliegende Handschrift 
vom J. 1113 so auch schon deren Original vom 
J. 893 gefertigt werde. Denn hier kann er zeigen, 
wie vermöge seiner „einzigartigen Lage“ jenes 
„Florenz im geistigen und künstlerischen Leben 
des kilikischen Teiles von Armenien“ zu „einem 
der wichtigsten Knotenpunkte der mittelalter¬ 
lichen Welt“ werden mußte, wie leicht eben von 
Drasark aus, wo „die große Verkehrsstraße“ 
„nach Persien, Zentral- und Ostasien* einmün¬ 
dete, „persische Art“ zunächst die armenische 
Kunst zu erobern vermochte, um „vielleicht 


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Literatur 


225 


gerade durch armenische Vermittlung“ später 
auch „in Byzanz festen Fuß“ zu fassen. Ich 
mödite in diesem Zasammenhang etwa noch 
auf das letzterschienene Heft von Chabots 
Ausgabe der Weltchronik Michaels des Syrers 
Hinweisen. Was man hier in den BB. XIII—XV 
liest, ist in besonders hohem Maße geeignet, 
uns die Bedeutung ahnen zu lassen, welche die 
Kriege und Siege des Nikephoros Phokas, Tzi- 
miskes und Basileios II dem Gebiet zwischen 
Taurus und Euphrat als Transitland orientalischen 
Einflusses auf Byzanz verleihen mußten. Wichtig 
scheint mir vor allem auch die Nachricht des 
syrischen Historikers (XV 7 ed V. Chabot III 185) 
Aber das Bestehen je einer armenischen wie 
einer syrisch-jakobitischen Gemeinde in Kon- 
stantinopel, in denen beiden das Kaufmanns¬ 
element eine hervorragende Rolle spielte und 
die bis in die Zeit des Alexios Komnenos sich 
des ruhigen Besitzes ihrer von einem heimischen 
Priester verwalteten Kirchen erfreuten. 

Anhangsweise signalisiert Strzygowski S.26f., 
auch noch den Buchschmuck zweier weiterer 
armenischer Evangelienhandschriften in Tübingen, 
Ma XIII3 und Ma XIII4, von welchen die letztere 
im J.1644 in Konstantinopel entstanden, die erstere 
„wohl etwas älter“ ist. Diese gehören ganz 
eng zusammen mit der Hauptmasse der in Jeru¬ 
salem und Bethlehem mir zugänglich gewordenen 
armenischen Tetraevangelien, über deren vom 
J. 1263 bis zum J. 1733 reichende Reihe ich 
Röm. Quartalsdir. f. christl. Archäologie 
u. f. Kirchengeschichtel906, S.180—185 in vor¬ 
läufiger Kürze orientiert habe. Auch hier konver¬ 
giert denn alles nach Kilikien, wo drei der Jerusa¬ 
lemer Handschriften selbst entstanden sind und 
von wo aus wir die armenischen Gemeinden Jeru¬ 
salems, Konstantinopels und der Krim gleich¬ 
mäßig in ihrer künstlerischen Betätigung ab¬ 
hängig sehen. Das Tübinger Tetraevangelium 
Ma XIII 1 bedeutet dem allem gegenüber und 
gegenüber weiteren verwandten Erscheinungen 
in den Bibliotheken der Mechitharisten zu S. 
Lazzaro und in Wien, in der Kgl. Bibliothek in 
Berlin und in den Beständen des ehemaligen 
Museo Borgiano zu Rom um seines höheren 
Alters willen einen „Eckstein“ zwar nicht so¬ 
wohl, wie Strzygowski S. 25 sich etwas mi߬ 
verständlich ausdrückt, „der Kunstentwicklung“ 
selbst, als vielmehr unserer Einsicht in „den 
Ursprung der jüngeren armenischen Miniaturen¬ 
malerei überhaupt“. Wie beispielsweise ihr 
Johannesbild mit beinahe photographischer Treue 
in einer Handschrift vom J. 1415 in Jerusalem 
wiederkehrt, ist mir zur Beleuchtung des Sach¬ 
verhaltes unschätzbar. Freilich führen — dies 
möchte ich hier betonen, um einer Überschätzung 


der Tübinger Handschrift vorzubeugen — auch 
von späteren Denkmälern armenischer Buch¬ 
malerei entwicklungsgeschichtliche Richtlinien an 
ihr vorüber weit über sie zurück. Schon der 
hellenistisch-kleinasiatische Typus des Evan¬ 
gelistenbildes ist weit ursprünglicher als in dem 
Evangelienbuch vom J. 1113 in dem erst im 
J. 1263 geschriebenen und ausgemalten des Königs 
Leo II zu Jerusalem erhalten. Dann aber und 
vor allem bietet das Problem der armenischen 
Buchmalerei noch eine Seite dar, welche dies¬ 
mal bei Strzygowski mehr in den Hintergrund 
getreten ist. 

Auch der grundlegende altsyrische Einfluss, 
den seinerzeit die beigehefteten Vollbilder des 
Etschmiadzin-Evangeliars ihm festzustellen ge¬ 
statteten, hat neben Erbstücken des kleinasiati¬ 
schen Hellenismus wie dem Typus des sitzenden 
Äutorenbilds und neben der Hochflut persischer 
Ornamentik eine dauernde und maßgebliche Be¬ 
deutung im Miniaturenschmuck armenischer Hand¬ 
schriften behauptet. Auf ihn der weit hinter der 
Entstehungszeit auch der unmittelbaren Vorlage 
von Ma XIII1 in Tübingen zurückliegt, weist in 
den Tetraevangelien des 14. bis 18. Jahrhs. ein 
Zweifaches: eine reiche Randillustration des 
Evangelientextes, deren innigen Zusammenhang 
mit derjenigen der Eusebioskanones in orien¬ 
talisch-altsyrischen Handschriften wie dem Rab- 
bülä-Kodex und dem Tetraevangelium Syr. 33 
der Biblioth&que Nationale denn auch Strzy¬ 
gowski S. 26 anlässlich von Ma XIII 4 richtig 
betont, und eine ursprünglich syrisch-hellenis¬ 
tische Serie seitengrosser Vorsatzbilder, die trotz 
vielfacher und teilweise schon unter neuzeitlich¬ 
abendländischem Einfluß stehender Modifizie¬ 
rungen im Grundstock ihrer ikonographisdien 
Typen mit den Vollbildern eines syrischen Evan¬ 
geliars vom J. 1122 im jakobitischen Markus¬ 
kloster zu Jerusalem zusammengehört. Aber 
auch in Ma XIII 1 wird eine aufmerksame Be¬ 
trachtung Spuren dieses altsyrischen Einschlags 
erkennen. Hierher ist einmal die Darstellung 
der Evangelisten im Rahmen rundbogiger Ar¬ 
kaden zu rechnen. Eine entsprechende Umrah¬ 
mung von Evangelisten in einigen mit dem 
syrischen Kunstkreis zusammenhängenden grie¬ 
chischen Tetraevangelien des 11. bis 13. Jahrhs. 
wie 'Ayiov Tdyov 47 und 49 zu Jerusalem oder 
A. a. 1 zu Grottaferrata, bezw. einiger Kreuzi¬ 
gungsdarstellungen und einiger Exemplare des 
syro-ägyptischen Muttergottestypus der 06* 
7iyr\tQict in der Elfenbeinplastik werden mir Ge¬ 
legenheit geben, dem spezifisch altsyrischen 
Charakter dieses Motivs noch näher zu treten. 
Für heute genüge dieser flüchtige Hinweis. 
Ferner ist nach meiner Erfahrung die eigentüm- 


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226 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


liehe ornamentale Randdekoration der Tübinger 
Handschrift, wo sie im armenischen Tetraevan¬ 
gelienschmuck auftritt, ein unter dem Einfluß 
persisch-islamischen Ornamentstils vollzogener 
Ersatz für eine aufgegebene Randillustration 
altsyrischen bildlichen Schmuckstils. Jedenfalls 
eine solche, wenn nicht zugleich eine Serie 
seitengroßer Vorsatzbilder, hat also zweifellos 
schon das älteste Glied derjenigen Entwicklungs¬ 
reihe gehabt, die mit der vorliegenden Tübinger 
Handschrift des 12. Jahrhs. abschließt. Das 
fragliche Ausgangsglied ist nun nach der vom 
Schreiber des J. 1113 kopierten und zwar nicht 
in dessen Kopie selbst, wohl aber in einer mo¬ 
dernen Abschrift derselben erhaltenen Subscrip- 
tio der Vorlage vom J. 893 nicht erst in dieser 
sondern in einem wiederum ihr zugrunde liegen¬ 
den „wahren und auserwählten Exemplar 44 von 
der Hand oder aus dem Besitz des hl. Katho- 
likos Sahak «des Übersetzers 41 (390—440) zu 
erblicken. Daß der Buchschmuck dieser Hand¬ 
schrift des 5. Jahrhs. ein durchaus altsyrischer 
war, liegt in der Natur der Dinge. Man wird 
ihn sich vorzustellen haben als bestehend 
aus einem unter eine Arkade gesetzten Titel¬ 
bild und den paarweise unter Arkaden ange¬ 
ordneten Bildern der stehenden Evangelisten 
nach Art der syrischen Vorsatzblätter des Et- 
schmiadzin-Evangeliars (Byz. Denkm. 1 Taf. 
II2. III), mit oder ohne weitere Vollbilder, den 
dekorativen Kanonesarkaden und einer bild¬ 
lichen Randillustration neben diesen oder dem 
Texte. Die vier selbständigen Evangelisten¬ 
blätter mit dem hellenistisch-kleinasiatischen 
Autorentypus müssen sodann wenigstens grund¬ 
sätzlich auf die Kopie vom J.893 zurückgeführt 
werden, da der Kopftypus des Lukas, wie Strzy- 
gowski S. 6 hervorhebt, noch nicht der schon 
im J. 902 durch das Evangelienbuch der Köni¬ 
gin Melke bezeugte aller späteren armenischen 
Kunst ist. Was sodann die von ihm S.24 nur 
aufgeworfene Frage betrifft, ob schon 893 oder 
erst 1113 „die persischen Ornamentmotive 44 zum 
Durchbruch gekommen seien, so möchte ich 
glauben, daß man sich auch bezüglich ihrer zu¬ 
nächst für das frühere Datum zu entscheiden, 
aber anzunehmen haben wird, der Miniator von 
1113 sei die hier prinzipiell von seinem Vor¬ 
gänger schon eingeschlagenen Bahnen noch sehr 
über diesen hinaus weiter gegangen. In Sonder¬ 
heit könnten beispielsweise sehr wohl erst durch 
ihn die Randornamente des neuen Stils an 
Stelle der altsyrischen Randillustrationen gesetzt 
worden sein. Auch dürfte er die Evangelisten¬ 
blätter noch modifiziert haben. Denn der im 
Tetraevangelium Leos II wieder fehlende archi¬ 
tektonische Hintergrund wird schwerlich bis 


zum J. 893 hinaufreichen. Schließlich könnten 
sogar die Initialen aus Stielen, Geflechten und 
Palmetten erst im J. 1113 ältere Tierbuchstaben 
ersetzt haben, wie sie in Übereinstimmung mit 
dem Etschmiadzin-Evangeliar in den späteren 
Handschriften des kilikischen Kreises gleich der 
bildlichen Randillustration vermöge eines höchst 
bedeutsamen Rückschlages gegen die Allein¬ 
herrschaft des neuen persisch-islamischen Orna¬ 
mentstils wieder stark hervortreten. 

Es ergibt sich bei einem Überblick über diese 
Entwicklung meines Erachtens so klar als mög¬ 
lich, welche Beachtung das Gebiet der armeni¬ 
schen Buchmalerei seitens der Orientalisten und 
der Kunstwissenschaftler verdient, wie von ge¬ 
radezu fundamentaler Bedeutung für das Ver¬ 
ständnis der kunst- und kulturgeschichtlichen 
Entwicklungsströmungen des mittelalterlichen 
Vorderasiens und Südosteuropas die Beschäf¬ 
tigung mit ihm wird werden müssen. In typi¬ 
scher Klarheit tritt uns hier das Nacheinander 
und Durcheinander dieser Strömungen entgegen. 
Der eigentliche Untergrund ist der frühchristlich¬ 
syrische, in welchem bereits seinerseits östlicher 
Hellenismus der Küstenzone und sassanidischer 
Orientalismus des Hinterlands ineinander fließen. 
Konstantinopel, für dessen Kunst und Kultur 
der orientalische Hellenismns Kleinasiens den 
nächsten Mutterboden abgegeben hat, macht 
sich, aber nicht in entscheidender Weise, geltend. 
Eine Sturzwelle innerasiatischer Herkunft droht 
in Gestalt des persisch-islamischen Einflusses 
alles zu verschlingen, behauptet dauernd auf 
dem ornamentalen Gebiet maßgebende Bedeu¬ 
tung, ebbt aber hier und dort wieder von Sand¬ 
bänken mehr oder minder byzantinisch durch¬ 
setzter altsyrischer Art, wie den Tierbuchstaben, 
der Randillustration, den seitengrossen Vorsatz¬ 
bildern zurück, bis endlich — man denke an 
Ma XIII 4 in Tübingen — seit dem 16. und 
17. Jahrh. im Ikonographischen auch der Ein¬ 
fluß des durch die Renaissance hindurchge¬ 
gangenen Abendlands fühlbar wird. Ich hatte 
damit gerechnet, daß mir selbst die Arbeit über 
die armenischen Tetraevangelien in Jerusalem 
und Bethlehem Gelegenheit geben würde, zuerst 
dies alles näher zu beleuchten. Wenn Strzy- 
gowski mit seiner schönen jüngsten Publikation 
am Kernpunkt der Sache — und dies ist zwei¬ 
fellos der rein ostwestliche Gang der persischen 
Ornamentwelle über Kleinarmenien nach dem 
erst später von ihr erreichten Byzanz — mir 
zuvorgekommen ist, so empfinde ich, weitentfernt 
von jeder Regung enttäuschter Findereitelkeit, 
nur aufrichtige Genugtuung, daß sein eigenes 
Eingreifen es mir erspart, gegen seine früheren 
noch ungereiften Anschauungen vom geschieht- 


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Literatur 


227 


liehen Werdegang des armenischen Buchschmucks 
als Erster eine polemische Stellung einnehmen 
zu müssen. 

Ä. Baumstark. 

8 


F. K. Benndorf, Bou Saäda. München, 
Piper & Co. 1907. 

Eine stimmungsvolle Skizze, in der der Ver¬ 
fasser seine reichen Eindrücke von diesem 
Glückswinkel am Rande der Sahara wiedergibt. 
Einige Betrachtungen über arabische Sitten im 
allgemeinen sind nicht ganz zutreffend, und vor 
allem hat die äußerst interessante kunstgewerb¬ 
liche Tätigkeit der Juden von Bou Saäda und 
der Ouled Nall nicht Erwähnung gefunden. 
Auch den Frauentrachten dieses Stammes und 
seinen einzigartigen Tänzen hätte man gerne 
eine ausführliche Schilderung gewünscht. 

E. Kühnei. 

8 


□ NEUE JAHRBÜCHER □ 

Trlerisdies Jahrbuch für ästhetische Kultur. 1908. 

Herausg. v. Job. Mumbauer. Trier 1908. Verl. Lintz. 

Frankfurter Kalender. Ein Jahrbuch für 1908. Her- 
ausgegeb. v. E. Klotz, Fr. Kurz u. Th. Schäfer. Frank¬ 
furt a. M., Diesterweg. 1906. 

Die Kunst unserer Heimat. Mitteil. d. Vereinig, 
z. Förd. d. Künste in Hessen u. im Rhein-Maingebiet. 
1907. Heft 1—6. 

Im Sinne der Dezentralisation unserer Kunst und ihrer 
Durchdringung aller Gegenden und Volksschichten kann 
man Neuerscheinungen von der Art der vorliegenden mit 
uneingeschränkter Freude begrüßen. Sie führen den Be¬ 
weis, wie stark die Kulturbewegung auch an Stätten ge¬ 
worden ist, die man vor kurzem unbedenklich für künst¬ 
lerisches Brachland erklärt hätte (Hessen ist davon natür¬ 
lich ausgenommen!!; und gerade die Beschränkung auf 
ihre lokalen Verhältnisse macht sie fruchtbringend, da es 
zweifellos wertvoller ist, im engen Kreis Intensiv zu 
wirken, aus der Kenntnis der Gegend und der Menschen, 
als aufs Geradewohl hin sich an eine Allgemeinheit zu 
wenden, von der nur verstreute Einzelne siai sympathisch 
berühren lassen. Will man der künstlerischen Kultur 
einen Boden zubereiten, auf dem sie Wurzel schlagen 
kann, so muß man das Interesse breiter lokaler Schichten 
wecken. 

Am glücklichsten redigiert erscheint das Trierische 
Jahrbuch, dessen Herausgeber Mumbauer nicht nur ein 
sehr feines Gefühl für Kulturwerte besitzt, sondern auch 
organisatorische Rüstigkeit. Das Buch ist einheitlich von 
Anfang bis zum Ende; Scheffler und Muthesius, zu Gaste 
geladen, geben seinem Geiste die Weihe; und ein vor¬ 
nehmer sympathischer Ton geht durch alle Aufsätze. Da 
man sich hier ganz auf bildende Kunst beschränkt hatte, 
so kommen fast alle Probleme der neuen Kunst zur 
Sprache, Mode wie Volkskunst, Kirchenkunst, Museen 
und Denkmalspflege, Schulwesen und schöne Stoffe, um 
einiges herauszugreifen. Das Dasein einer guten ein¬ 
heimischen Künstln Trier ist mit Genugtuung festzustellen, 
und zum Schluß kommt auch die alte Kunst Triers in 
besonderer Rubrik zu ihrem Recht. 

Vielseitiger ist der Frankfurter Kalender; und 
darum noch exklusiver im Ton, der mit Recht „frank- 
fortisch" bleibt. Die bildende Kunst nimmt nur einen 
Bruchteil des Ganzen ein, entsprechend der Stellung, die 
ihr von der alten Reichsstadt zugewiesen ist. Das 
Interesse verteilt sich dort mehr auf andere schöne Dinge, 


als daß für gute Architektur und moderne Kunst über¬ 
haupt viel übrig bliebe. Geschichte, Naturwissenschaften, 
Medizin, Theater, Musik und Presse kommen neben den 
Fragen der ästhetischen Kultur ausgiebig zur Erörterung. 
Was aber dem Frankfurter Kalender einen dauernden 
und für die Allgemeinheit gütigen Wert verleiht, sind 
die Zeichnungen Fritz Boehles für das Kalendarium, 
welche die große Zeichenkunst dieses Meisters in das 
neue glänzende Licht der Volkstümlichkeit rücken. 

Die Kunst unsererHeimat will alle künstlerischen 
und literarischen Bestrebungen sammeln, die in dem ge¬ 
segneten Lande um die Mündung des Maines in unseren 
Tagen und in früheren Jahrhunderten blühten. Es gibt 
am Rheine schon eine Zeitschrift ähnlichen Charakters, 
die aber umfassender und allgemeiner ist: die .Rhein- 
lande“, in Düsseldorf; und darin zeigt die neue Schrift 
Verwandtschaft mit ihr, daß sie nicht denkbar ist ohne 
ihren Herausgeber. Dort Ist Schäfer, hier Daniel Greiner 
die Seele des Ganzen. Greiner aber will weniger und 
mehr: er will sich auf sein Hessenland beschränken, hier 
aber alle Kräfte konzentrieren zur eindringlichen Arbeit 
auf dem ganzen Gebiete der Kunst und der Dichtung und 
der Kunstgeschichte. Er selber ist der nie rastende viel¬ 
seitig begabte Organisator; er dichtet und schreibt Auf¬ 
sätze, er zeichnet Buchschmuck und Holzschnitte, und er 
ist vor allen Dingen Bildhauer. Die Gründung und er¬ 
folgreiche Fortführung dieser Zeitschrift aber ist ein 
Unternehmen, dessen Gedeihen jeder billigerweise nur 
wünschen kann; die Mannigfaltigkeit und der innere 
Reichtum der bisher erschienenen Hefte sprechen durch¬ 
aus für seine Berechtigung. 

P. F. Schmidt. 

8 


REVUE DER ZEITSCHRIFTEN 

Monuments et Souvenirs des Borgia dans le 
royaume de Valence. (E. Bertaux. Gaz. des beaux- 
arts, 608). Eine Anzahl sehr interessanter und wenig 
bekannter Kunstwerke wird von Bertaux erörtert, deren 
Gemeinsames lediglich in ihrer Beziehung zur Familie 
der Borgia steht. Deren ursprünglicher Sitz war Jätiva 
in der Provinz Valencia; auch in Gandla und natürlich 
in Valencia selber finden sich von den Borgia gestiftete 
Sachen. Von Gemälden: ein Triptychon, dessen Mitte 
Anna selbdritt darstellt (ein auch ln Spanien häufiges 
Motiv), von Jacomart Ba^o, c. 1450: ein Hauptwerk der 
spanischen Primitiven, die, unter niederländ. Einfluß auf¬ 
gewachsen, später mit Italien in Berührung kamen. Dann 
eine stehende Madonna mit dem Stifter, Francisco Borgia, 
eines der feinsten und farbigsten Bilder Pinturicchlos, 
wohl von 1497. Unter den Goldschmiedearbeiten erscheint 
neben den Kelchen spanischer Arbeit, von Calixtus UI. 
gestiftet, am merkwürdigsten einReliquiar in Monstranzen¬ 
form (in Gandia); sein Aufbau ganz in italienischer Re¬ 
naissance. sein Schmuck — Plastik und Emailmalerei — 
fast ausschließlich aus profanen, ia heidnischen Motiven 
bestehend: dieses Reliquiar, von Alexander VI. gestiftet, 
war früher (wie der berühmte Spiegel der Königin Isabella 
Im Dom von Granada) sicherlich ein Spiegel entweder des 
Alexander oder des Cesare, den man mit geringen Ände¬ 
rungen zum Heiligtum umschuf. Es ist aber auch stilistisch 
höcfist interessant (so wie sein Seitenstück, eine große 
Custodia, in Granada); der Stil der Schmelzarbeit floren- 
tinisch-u mb risch, deren Technik venezianisch, die Gold¬ 
schmiedearbeit mailändisch: also wohl in Rom selber von 
verschiedenen Künstlern gearbeitet. — Endlich eine kost¬ 
bare wohlerhaltene Kapsel Alexanders VI., Goldbrokat 
mit auffallend großem Granatapfelmuster (im Dom von 
Valencia). (Die Puklikation wird fortgesetzt werden.) 

La donation Octave Homberg au Musäe du 
Louvre. (G. Migeon. Gaz. d. beaux-arts, 609). Eine 
kleine, aber erlesene Sammlung gelangte durch Schenkung 
der Erben aus dem Nachlaß von H. in den Louvre: eine 
romanische Madonna, wohl von einer Verkündigung, 
Steinrelief (aus Souvignu?); ein Kopfreliquiar, Kupfer 
vergoldet, von Ende des 13. Jhrh. aus Limoges (ursprüng¬ 
lich Maske von einem Grabmal); ein köstliches Glas¬ 
fenster, 13. Jhrh., mit Szenen aus dem Leben des heiligen 
Nicasius und Eutropius, wahrscheinlich aus dem (ln der 
Revolution zerstörten) S. Nicaise zu Reims. Orientalisches 


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228 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Kunstgewerbe: vor allem einer von jenen seltenen hohen 
Glasbechern mit Emailmalerei, die im 14. Jhrh. in Arabien 
gefertigt wurden. 

Maurice Denis. (S. Staudhamer. D. diristl. Kunst. 5). 
Der Wert dieses Aufsatzes besteht besonders in dem 
reichen Abbildungsmaterial, das den Künstler in seiner 
rößten, der monumentalen Tätigkeit zeigt. Der Text 
ringt, nadi einer kurzen und anschaulichen Übersicht 
über die Entwicklung der neueren französischen Malerei, 
ute Angaben über den Entwicklungsgang von M. Denis, 
er liebevoll geschildert wird, sowie eine Chronologie 
seiner wichtigeren Arbeiten; Näheres über die Wand¬ 
malereien in der hl. Kreuzkapelle zu Paris und in zwei 
Kapellen der Pfarrkirche von Le VGsinet, die Denis voll¬ 
ständig ausgemalt hat. 

Un palais de la Musique par Francois Garas. 

(F. Garas. L’art d£coratif, 2). Dieses Projekt eines 
modernen französischen Architekten, über welches er 
selbst mit Aufwand vieler Phrasen berichtet, ist so be¬ 
zeichnend für den Zustand der tektonischen Künste in 
Frankreich, daß ein paar Worte darüber am Platze sind, 
Garas will dem hohlen Akademismus seiner Zeit ent¬ 
gegentreten. Aber was er dafür bietet, ist in keiner 


Weise etwas Besseres: es ist einfach die Kehrseite des 
Akademismus, eine bloße Negation aller Regeln und zu¬ 
gleich eine Negation aller Architektur. Wenn man nicht 
mit den Ordnungen des Vitruv baut, so baut man über¬ 
haupt nicht, sondern man stülpt eine ungeheuerliche Masse 
lärmender Ornamente übereinander und hat dann aller¬ 
dings eine Kunstrevolution, nämlich die gründlichste: die 
Anarchie, das absolute Nichts. Dimensionen, Raumver¬ 
geudung, Formen sind in gleicher Weise gesetzlos, ohne 
einen Hauch von Organischem, maßlos und, vor allem: 
die Phrase tritt an die Stelle ehrlicher Architektonik. 
Dieser Musiktempel, der aus toll gewordenen Ornamenten 
in Quallen- und Polypenformen in schwindelhafte Höhen 
aufquillt, dessen Grundriß die nutzbare Fläche im Ver¬ 
hältnis zur Raumphrase beinahe winzig erscheinen läßt, 
und dessen Urheber der ehrlichen Überzeugung ist, ein 
bedeutendes, praktisches und ideales Kunstwerk geschaffen 
zu haben — ist ein Symbol der französischen .ange¬ 
wandten“ Kunst, die auch bei redlichstem Willen nicht 
wirklich modern empfinden kann, und die in Phrasen und 
unorganischen Ornamenthaufen erstickt, wenn sie sich von 
dem Schema des 18. Jahrhunderts befreien will. Wer 
will den Gründen dieser Ohnmacht nachspüren? Sie 
wurzeln sicher sehr tief in der französischen Volksseele. 


BIBLIOGRAPHIE 

Der folgende Teil der Bibliographie war für das erste Heft gesetzt, konnte aber aus Raum 
mangel nicht aafgenommen werden und wurde deshalb hierher versetzt. 


6. Kunstwissenschaft. 

Hist, polit. Blätt. f. d. kathoL Deutsdü. 10. 

Einige kunsthistor. Erfordernisse. (Ä. Wurm.) 
Dagens Ngheter (Stockholm) 1907. 1/XII. Tysk 
konstforskning i Italien. Ett tio-ärs-jubileum 
och ett Donatellofynd. (John Hertz). 

Memnon L 1. Bildende Kunst und Orienta- 
listik. (J. Strzygowski.) 

Deutsche Literaturztg., 46. Das russische 
archäologische Institut in Konstantinopel. (J. 
Strzygowski.) 

Hamburger Nachr., 15. 12. 07. Adolf Furt-* 
wängler. (G. Leithäuser.) 

Kunstchronik, XIX. 1—2. Karl Aldenhoven. 

(A. Lindner.) Friedrich Schneider +. (F. R.) 
Christi. Welt, 1. Ruskin (H. Hackmann.) 
Ami d. Monum. et d. Arts, 118. Henri Bouchot. 
(A. Thomas.) 

Bull. d. Cercle hist, et archgol. de Courtrai, 5. 

Le baron B£thune et son oeuvre dans le Cour- 
traisis. (G. Claeys.) 

Kunstchronik, 6. Henry Hymans zu seinem 
fünfzigjährigen Dienstjubiläum. (M. Lehrs.) 

Schwäbischer Merkur, 18.1. Der Fall Grüne¬ 
wald. (K. Lange.) 

Täal. Rundschau, 23. 11. „Monumenta artis 
Germaniae“. (W. Pastor.) 

Neue fr. Presse, 18. 12. 07. Der deutsche 
Verein f. Kunstwissensch. u. d. Monumenta 
artis Germaniae. (W. Bode.) 

Internationale Wochenschr., 34. Der deutsche 
Verein für Kunstwissenschaft. (W. Bode.) 


Frankf. Ztg., 27.1. Der deutsche Verein für 
Kunstwissenschaft. (J. Baum.) 

Chemn. TagebL, 29. 12. Der neue »Deutsche 
Verein für Kunstwissenschaft.“ (npc.) 

7. Ikonographie und Legende. 

Burlington Magazine, 56. The Nimbus in 
eastern Art II. (J. Tarmor-Perry.) 

Hochland, 1.11. Die heilige Elisabeth in Kunst 
u. Dichtung. (F. X. Seppelt.) 

Kult och Kunst, 3. Den helige Hieronymus. 
(H. Brising.) 

Rev. d. l’Art chr6t., 5. Les Anges. [Forts.] 
(L. Cloquet.) La vie de J£sus-Christ racontee 
par les images du moyen äge sur les portes 
d’^glises. [Forts.] (G. Janoner.) 

Ober Land u. Meer, 1. Judith. (E. Heyck.] 

Ztsdir. f. bild. Kunst, 2. Rembrandts Dar¬ 
stellungen der Susanna. (W. R. Valentinen) 

Ztsdir. f. diristl. Kunst, 9. Die Wage der 
Gerechtigkeit. (E. v. Moeller.) 

Monatssdir. f. Gottesdienst u. kirdü. Kunst, 
12. Ursprung und Bedeutung der Bilderwand 
in d. orthodox-katholischen Kirche. (K. Michel.) 

ChristL KunstbL, Dez. Die Symbole der 
Evangelisten und der Tierkreis. (E. Nestle.) 

Kupka, Paul: Zur Genesis der Totentänze.(24 S.) 
gr. 8°. Stendal, (E. Schulze) *07. nn —.75. 

ChristL Kunst, 2. Die heil. Elisabeth in Ge¬ 
schichte u. Kunst. (H. Holland.) 

Reichsbote, 22, 24. 12. 07. Weihnachten in 
d. altchristl. Kunst. (L. Clausnitzer.) 


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Bibliographie 


229 


Leipz. DL Ztg., 26. 12. Die heil, drei Könige 
in der Kunst. (G. Rietschel.) 

Lef&bvre, E. Leportail d’Etampes, „La fausse 
scene de l'ascension au 12 e si&cle“. Äubert, 
Versailles. 1907. 

Ztsdir. f. diristL Kunst, 10. Die Wage der 
Gerechtigkeit [Forts.] (E. v. Moeller.) 

Bevue de l’art dirgtien, 6. Maria sponsa 
filii Dei. (P. Perdrizet.) 

— La vie de J£sus—Christ racont£e par les 
imagiers du moyenäge sur les portes d’£glises. 
[Suite.] (G. Sanoner.) 

Braun, S. Die liturgische Gewandung im Ok¬ 
zident und Orient nach Ursprung und Ent¬ 
wicklung, Verwendung und Symbolik. Herder, 
Freiburg i. B., 1907. 

Köln. Volksztg., 26. 12. Liturgie, Symbolik 
und künstlerisches Schaffen. (M. Spahn.) 

Aftonbladet (Stockholm) 1907, 20/XII. Nytt om 
gamla Gripsholmsporträt II. [Rec. v. „Eben¬ 
stein, der Hofmaler Fr. Luycz“] (Olof Granberg). 

Nordisk Tidsskrift, utg. af Letterstedtska 
föreningen 1907, H. 7. Kristi födelses fram- 
ställning i konsten. Konturer til en ikono- 
grafisk Studie I. (Osw. Sir£n) Med 16 Fig. 

Monatssdir. f. Gottesdienst u. kirchl. Kunst, 
10, 11. Die liturgische Gewandung nach Ur¬ 
sprung u. Entwicklung usw. (G. Stuhlfauth.) 

Bodu (abb£). — Nouvelle Vie des Saints, 3e vol., 
8«, 2 fr. H. Oudin. 

Groot, P. mag. J. V. de: Het leven van den 
h. Thomas van Äquino. 2e, geheel herziene 
druk. Utrecht, Wed. J. R. van Rossum. Gr. 8°. 
[24°Xl6 5 ]. (XX, 396 blz.). f 2.75; geb. f 3.50. 

Dal-Gal, N. Sant’ Antonio de Padova tauma- 
turgo francescano (1195—1231). Studio dei 
documenti. Quaracdii, tip. dei Collegio di S. 
Bonaventura, 07. 8°. 422 p. 

Delehage. — Die hagiographischen Legenden, 
übers, v. E. Ä. Stückelberg. — Kempten und 
München, Jos. Kosel. 8°. IX-233F. (fr. 3.75.) 07. 

Delehage. — The legends of the saints. An 
introduction to hagiography, translated by V. 
M. Crawford. — London, Longmans, Green 
& Co. 8°. XV-241 p. (fr. 4.35.) 07. 


8. Kulturgeschichte . 

Ardhiv f. Frankfurts Gesch. u. Kunst. 3. Folge. 
Hrsg. v. dem Vereine f. Gesch. u. Altertumsk. 
zu Frankf./Main. 9. Bd. VII, 406 u. XXXIX S. 
Lex. 8°. Frankf. a/M., K. Th. Völcker. 07. 6.-. 
Art public, 1. La ville de Paris et l’art public 
au XVIe si&cle. (M. Vachon.) 

Hist, polit. Blätter f. d. kathol. Deutsch¬ 
land, 9. Der Roraffe im Münster zu Stra߬ 
burg. (R. E.) 

Lill, Geo. Hans Fugger u. die Kunst. Leipzig, 
Duncker & Humblot. 


Stätten d. Kultur. Eine Sammlung künstlerisch 
ausgestatteter Städtemonographien. Herausg. 
v. Dr. Georg Biermann. 8°. Leipzig, Klink- 
hardt & Biermann. Jeder Bd., geb. in Lein¬ 
wand 3.— ; in Leder 5.—. 

— Oettingen, Wolfg. v. Berlin. Buchschmuck v. 
Meinhard Jacoby. (III, 157 S. m. 19Taf.) 07. 

— Schmidt, Paul Ferd. Frankfurt a. M. Buch¬ 
schmuck v.L. Pollitzer. (III, 151S. m. 19 Taf.) 07. 

— Sdiaefer, Karl. Bremen. Buchschmuck von 
C. Weidemeyer. (136 S. m. Abbildungen und 
20 Vollbildern. 07. 

— Uhde-Bernays, Herrn. Rothenburg ob der 
Tauber. Buchschmuck v. M. Ressel. (IV, 131 S. 
m. 17 [1 färb.] Taf.). 07. 

Green, Mrs. J. R. Town Life in the Fifteenth 
Century. 2 Vols. 8vo. 9x5 8 / 4 . pp. 458 , 484. 
20s net. Macmillan. 

Brinton, S. The Renaissance: its Art and Life. 
Florence 1450—1550. Edit. de Luxe on Japanese 
paper. Ryl. 4to. 42os. net. Goupil, Dec. o7. 
Berner Rundsch., 11. Burgundisches.(A.Weese.) 
Sandvig, Anders, De Sandvigske samlinger 
i tekst og billeder. Et bidrag til Gudbrand- 
sdalens kulturhistorie. Med 616 billeder. 304 S. 
(27X20). Lillehammer 1907. Stribolts efterf. 
Kr. 7.50. 

9. Bildnis und Kostümkunde . 

Anz. d. German. Nationalmus., 1—2. Bei¬ 
träge z. Geschichte d. Bildnisses. (G. v. Bezold.) 
Arts, 69. Exposition des Porträts peints ou 
dessines du XHIe ou XVIIe siede. (P. Lemoisne.) 
Un tableau ä identifier. (P. Ä.-P.) 

BulL d. Comm. Archeol. di Roma, 35,1—3. 
La statua della Papessa Giovanna. (P. To- 
massetti.) 

Bull. d. mus. rog. d. arts decor. et indust., 12. 

Un portrait de Philippe le Beau. (J. Destr£e.) 
Oud Holland, 4. Zu einem Porträt von Anth. 
van Dyck in der Gemäldegalerie in Cassel. 
(E. Waldmann.) 

Rassegna d’Arte, 8. Busto di Prelato dei 
XVI. secolo nella chiesa d. J. Alessandro in 
Milano. (D. Sant’ Ambrogio.) 

Repert. f. Kunstwissensch., 5. Wer ist das 
Gothaer Liebespaar? (K. Siebert.) 

Porträt, das. Herausg. v. Tschudi. 46,5X37 cm. 
Berlin, J. Bard und B. Cassirer. Jede Lieferg., 
Subskriptionspreis 3.50; Einzelpr. 4.—. 

— Bie, Osc. Das bürgerliche Porträt d. ^.Jahr¬ 
hunderts in Deutschland. Chodowiecki, Graff, 
Krüger, Runge, Oldach. (II, 4 S. m. Abbildung, 
u. 5 Taf.) 07. 

— Schaeffer, Emil. Das Porträt der italienischen 
Hochrenaissance. Eine Umrißzeichnung. (II, 
8. S. m. Abbilddung. u. 5 Taf.) 07. 

Cechische Revue, 2. Wie sah Hus aus? 
(K. Mädl.) 


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230 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Leipz. Illustr. Zeitg., 3368. Der Frauenhut 
in den letzten hundert Jahren. (L. Schulze- 
Brück.) 

Ord och Bild, 1907, H. 11. Drottning Marga¬ 
retas Klädning. Studie i Upsala domkgrka 
(Agnes Branting). Mit 7 Abbildg. 

Rev. d. Biblioth., 7—9. Notes sur Involution 
du portrait enlumlne en France du XIHe au 
XVIle si&cle. (A. Lemoisne.) 

Waetzoldt, Wilh. Die Kunst des Porträts. 
Mit 80 Bildern. (IX, 451 S.) Lex. 8°. Leipzig, 
F. Hirt & Sohn, 08. 12.—; geb. in Leinw. 14.50. 

Nordisk Tidsskrift, 1907, H. 7. Gustaf I.'s 
söner. En porträtthistorisk Studie (N. Sjöberg) 
Med 2 pl. och 11 Fig. 

— „N. Sjöberg, Svenska porträtt i offentl. sam- 
lingar II. Gripsholm-Vasatiden.“ (rec. v. Ludv. 
Looström). 

Swenska Dagbladet, 1907, Nr. 319. Porträtt- 
konst [Rec. von „A. L. Romdahl, ur porträtt- 
mäleriets historia. Ny följd.] (Harald Brising.) 

Anzeiger d.Germ. Nat.-Museums, 1907,1.2. 
Beiträge zur Geschichte des Bildnisses. (G. 
v. Bezold.) 

Revista d. Archiv. Bibliot. g Museos, JuL 
Aug. Retratos de Isabel la Catölica proce- 
dentes de la cartuja de Miraflores. (A. de Barcia.) 

Württemberg. Vierteljh. f. Landesgesch., 4. 
Über zwei sogen. Ensingerbildn. (J. Baum.) 

Sjöberg, N. Svenska porträtt i offentliga sam- 
lingar. Utg. under medo. af Personalhisto- 
riska samfundet. Avec un r£sume fran^ais. 
4°. (33x25.) Bd. 2: Gripsholm. Vasatiden. 
XIV, 69 S. Stockholm, Tullberg. Kr. 15.-. 

Ami d. Monum. et d. Arts, 118. Documents 
sur le Mus£e du Louvre. Le Büste de Beatrix 
d’Este. (G. Claum.) 

Zeitschrift für histor. Waffenkunde, 8. Die 

Waffenkammer des Stiftes Kremsmünster. 
[Forts.] (O. Potier.) 

— Reisenotizen eines Waffensammlers. (O. 
v. Hartstein. 

— Schwertscheide samt Gürtel des 13. Jahr¬ 
hunderts. (W. M. Schmid.) 

10. Münzen and Medaillen, Heraldik . 

Kunst für Alle, 9. Die künstlerische Medaille 
und ihre Geschichte. (P. Herrmann.) 

Tourneur, V. L’art de la m^daille ä 
Utrecht; ä propos du don Begeer au cabinet 
des m£dailles. (R. des biblioth&ques et arch. 
de Belgique, 07, t. V, n° 3.) 

De Witte, A. La m£daille ä l’Exposition 
g£n£rale des beaux-arts ä Bruxelles en 1907. 
(Durendal, 1907, n° 10.) 

Berlin. Münzblätter, 73. Betrachtungen über 
Münztypen und einzelne Münzen der Graf¬ 
schaft Mark. [Forts.] (Th. Kirsch.) 

— Der Münzenfund von Elmenhorst. [Forts.] 
(G. Hoecke.) 


Fiala, Eduard. Münzen u. Medaillen der welfi- 
schen Lande. Teil: Das alte Haus Braunschweig, 
Linie zu Grubenhagen. Mittelbraunschweig. 
— Mittellüneburg. [Sammlungen Sr. königl. 
Hoheit des Herzogs v. Cumberland, Herzogs 
zu Braunschweig u. Lüneburg.] (VII, 112 &. 
mit 5 Tafeln u. 2 Stammtafeln.) 33,5x26 cm. 
Wien, F. Deuticke, 1906-07. 15.-. 

Amtl. Berichte a. d. KgL Knnstslgn., 2. Das 
Medaillenmodell auf Dantiscus. (Menadsen.) 

Ami des Monuments et des Arts, 120. La 

m£daille d’Arme d’Äutriche comm£morant la 
fondation de l’^glise Notre-Dame-de-Bonne- 
Nouvelle ä Paris. (R. Mowat.) 

Burlington Magazine, 57. Notes on some 
Italien medals. (M. Rosenheim and G. F. Hill.) 

Vierteljahrsschr. f. Wappen-, Siegel- usw. 
Kunde, 4. Die Bildwerke der Stadt Saalfeld 
a. S. in heraldischer und genealogischer Be¬ 
ziehung. (E. Kierzkalt.) 

Eve G. W. Heraldry as Art. An Account of 
its Development and Practice, chiefly in Eng¬ 
land. 8vo. 9X5 1 /*. pp. 318. 12s 6d. Batsford. 

Siebmacher, J. Großes u. allgemeines Wappen¬ 
buch in einem neuen vollständig geordneten 
und reich vermehrt. Auflage mit heraldisch- 
genealog. Erläuterung. Lex. 8°. Nürnberg, 
Bauer & Raspe. - VI. Bd. 12. Abteil. Mül¬ 
verstedt, Geh. Archivrat G. A. v. Der abge¬ 
storbene Adel der sächsischen Herzogtümer. 
(IV, 118 S. m. färb. Titel u. 88 Tafel.) 1907. 
bar 37,50; geb. 40.-. 


II. Kultur . 

Möbel u. Dekoration, 2. Werkstattkultur u. 

Wohnkultur. (E. Vogel.) 

Innen-Dekoration, I, 08. Das Sitz-Zimmer. 
(R. Schaukal.) 

Kunst f. Alle, 5. Das Bild im Zimmer. (K. 
Scheffler.) 

Cechische Revue, 10. National-individueller 
Hausschmuck. (Novökovä.) 

Lux, Jos. Aug. Der Geschmack im Alltag. Ein 
Buch zur Pflege des Schönen. (IX, 422 S. m. 
Abbildung.) 8°. Dresden, G. Kühtmann, 08. 
4.— ; geb. in Leinw. bar 5.—. 

H. D. Le concours de balcons et fenötres 
fleuris. (R. de l’hortic. beige £trang&re, 06, n° 10.) 
Chevalier, Ch. Fenötres, balcons et hottes 
fleuris. (Tribüne hört., 1907, n° 51.) 

Berner Rundschau, 6. Gedanken über Kind 
und Kunst. (E. Schneider.) 

Christi. KunstbL, 10. Wo steht die Bewegung: 

Kunst in der Schule? (D. Koch.) 

Mon. d. instituteurs prim., 35. L’art ä l’6cole. 
(X. X.) 

Vers l’horizon, 1. Ä propos d’£ducation esthg- 
tique. (P. M. G. L.) 


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Bibliographie 


231 


Fischer, R. Erziehung u. Naturgefühl. Ein 
Beitrag zur Kunsterziehg. (94 S.) 8°. Leipzig, 
Modernes Verlagsbureau. 07. 1.50. 

Gurlitt, L. Schule u. Gegenwartskunst. (83 S.) 
8°. Berlin-Schöneberg, Verlag der Hilfe. 07. 
Geb. 1.50. 

Van den Bosch, Firmin. L’art ä l’ecole. (Duren- 
dal, 1907, n° 10.) 

Nuova Äntologia, Jan. L’arte nel balocchi 
infantili. (Ä. Schiavi). 

Türmer, 4. Sehen lernen. (K. Storck.) 

Grenzboten, 19. 12., 07. Baustil und Mode. 
(C. Oehring.) 

Berner Rundschau, 11. Volkskunst und An¬ 
sichtskarten. (J. Coulin.) 

Frankl Kalender, 1908. Das Wiedererwachen 
der künstlerischen Kultur in der angewandten 
Kunst (Berg.) 

Innenausbau, 3. Die Rolle des Handwerks in 
der Kulturarbeit. (H. Kfikelhaus.) 

Trierisches Jahrbuch, 1908. „Ästhetische 
Kultur.“ (J. Mumbauer.) — Wie kamen wir 
doch zum „Jugendstil?“ (J. Mumbauer.) 

— Kunstmöglichkeiten im Ärbeiterheim. (J. Ä. 
Lux.) — Betrachtungen über das gewerbliche 
Fortbildungs-Schulwes. in Preuß. (O. Erath.) 

Kunstwart, 8. Die Wiederoberung harmonisch. 
Kultur. (F. Schumacher.) 

12. Kunst und Künstler. 

Münchn. N. Nadir., 6. 12. 07. Der Kaiser u. 
die Kunst. (F. v. O.) 

Mittel! d. Ver. 1 d. Gesch. Berlins, 11. Der 
Kaiser und die Kunst. (Voß.) 

Onze Kunst, 10. Nationale Kunst? (J. van 
den Bosch.) 

Kunst unsrer Heimat, 2. Der Mensch und 
die Kunst. (W. Kinkel.) 

Gaulke, Führer z. Kunst. Hrsg. v.Dr.Herrn.Popp. 
8°. Eßlingen, P. Neff. 9. Gaulke, Johs.: 
Religion und Kunst. Mit 8 Taf. in Tonätzg. 
(52 S.) 07. Jedes Bddin. 1.-. 

Guyau, M. Die Kunst in Beziehung zum so¬ 
zialen Leben. Deutsch von P. Prina. Leipzig, 
Dr. W. Klinkhardt. 

Frkf. Zeitg., 7. I. Kunstcliquen (Werdandi- 
bund.) (ago.) 

Jul. Arg. 20 (1907). Utg. af Konstnfirs- 
klubben. Fol. (41x32). 22 S. Stockholm, 
Wahlström & Widstrand in Komm. Kr. 1.25. 
darin u. a.: Mälaren och motivet (Georg 
Nordensvan). Mit zahlr. Abb. v. Gemälden 
mit biblischen Motiven. Düsseldorf (C. Hell¬ 
ström). Mit lllustr. 

Kunst u. Künstler, 4. Secession und Akademie. 

Frkf. Zeitg., 29. 11. Künstler und Kunst¬ 
schriftsteller. (J. Burghold.) 

Der Tag, 4.1. Künstlerbücher. (H. Rosenhagen.) 


L'art, 818. Un paquet de lettres in£dites de 
Carle et Horace Vernet. (P. Bonnefon.) 

Allg. Zeitg. (Beilage), 22,1. Henriette Feuer¬ 
bach. (Bertolzheimer.) 

Kunst u. Künstler, 2. Drei Briefe Goyas. 
(V. v. Loga.) 

Hohe Warte, 2. Betrachtungen über die Kunst. 
(G. Segantini.) 

März, 24. Meine Lithographien zur Ilias. 
(M. Slevogt.) 

Kunst u. Künstler, VI, 1. Aus meinem Leben. 
(W. Trübner.) 

Österreich. Rundschau, 3 u. 4. Aus F. G. 
Waldmüllers handschriftlichem Nachlaß. (Mit¬ 
geteilt v. A. Roeßler.) 

Julebogen, Aarg. 1907. Köbenhavn, Hagerup. 
Kr. 2.—. Darin: Optegnelser om de äldre 
Kunstnere der have bidraget til min Udvikling 
(Lorenz Frölich). 

Delacroix, E. La peinture anglaise jug£e par 
Delacroix. (F£d£r. artist., 1907, no. 29.) 

13. Technik. 

Bull. Italien de Bordeaux, 4. Nicolas de 
Cues et Leonard de Vinci. (P. Duhein.) 

Ridderhof, W. C. A. Leerboek der perspectief 
ten dienste van candidaten voor de akten 
Middelbaar onderwijs (M 1 en M*) in het hand- 
en rechtlijnig teekenen, ten gebruike op teeken- 
scholen en voor zelfstudie. Met 155 figuren 
tussdien de tekst. [2] uitslaande platen, bene- 
vens 280 opgaven.D1.2.Deventer,iE.E.Kluwer. 
Gr. 8<>. [25X16,5). (VIII, 153 blz.) f. 2.25. 

Richer, P. Anatomie f. Künstler. Die Formen 
des menschl. Körpers in der Ruhe u. in den 
hauptsfichl. Beweg. Übers, v. CeciliaC. Schmidt- 
Risse. Mit 110 Taf. nach Zeidin. des Verf. 
Text u. Atlas. (XX, 271S. m. Abb.) 34,5x25,5cm. 
Stuttgart, W. Spemann.07. In Lnw.-Mappe40.— 

Archiv 1 d. gesamte Psychologie, 1. Ex¬ 
perimentelle Untersuchung der Komplementär¬ 
verhältnisse gebräuchlicher Pigmentfarben. 
(A. Kirschmann n. D. Dix.) 

Gussow, C. Maltechnische Winke u. Erfahrung. 
(95 S.) 8°. München, E. Reinhard. 07. 1.60. 

Walsh (Furze). How to Paint in Oil. 16 mo. 
pp. 58. ls net; sewed, 6d net. Fifield. 

Werner, C.,Kurs i penselteekning. 8°. (24x11). 

S. u. 26 Bl. Stockholm, Fritze. Kr. 1.25. 

Saturday Review, 105. Carpaccio and van Eyck. 
(Technik der Ölmalerei.) (L. Bingon.) 

Vasari on technique, translated into English 
by Louisa S. Maclehose, edited with intro- 
duction and notes by professor G. Baldwin 
Brown — London, Dent, 1907. — In-8° de 
328 p. avec 30 gravures dont plusieurs en 
couleurs. 

The art Journal, Jan. 08. The making of 
carpets. (Ä. Miliar.) 


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232 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Werkkunst, 3. 5. 6. 7. 8. Aufforderung zum 
Kampf gegen die unechten Farben. (P. Krais.) 

Ärdiitectural review, 134. The principles 
of dorne construction. (W. Dünn.) 

Schroot, P. Ä. Bouwkunde. De materialen 
enz. voor het metselvak. Een overzidit der 
bij eigen Studie te behandelen onderwerpen 
voor aanstaande leeraren en bouwtedmici. 
Deventer, IE. E. Kluwer. Gr. 8°. [25x16\1 
(56 blz., m. afb.) f. —.90. 

Art et d£coration, 1 . La proc£d£ de Gravüre 
en trois couleurs. (M. P. Verneuil.) 

MittelL des Exlibris-Vereins z. Berlin, 3. 

Ein neues Reproduktionsverfahren. (Ä. Weber.) 

Mathies-Uasuren. Die Kunst. Slg. ill. Mongr. 
Hrsg. v. Rieh. Muther. kl. 8°. Berlin, Mar¬ 
quardt & Co. 59. und 60. Bd. Matthies- 
Masuren, Fr.: Künstlerische Photographie. 
Entwicklung u. Einfluß in Deutschland. Vor¬ 
wort u. Einleitung v. Prof. Alfr. Lichtwark. 
Mit 1 Gravüre und 30 Tonätzgn. (117 S.) 
(07.) Kart. 3.— ; geb. in Ldr. 5.—. 


14. Kunstunterricht. 

Pearce, Dora. Modelling in Relief. Lessons 
showing how to Model Maps and Objects 
from Nature. Illus. 4to. 8 1 /4X6 1 / 2 . pp. 46. 
2s. net. (G. Philip.) 

Kunstgarten, Zeitschrift f. soziale Kunstpflege, 
Zeichen-Unterridit, Fachschulwesen. Hrsg. u. 
Red.: C. Kulbe. 5. jahrg. Oktbr. 1907—Septbr. 
1908. 24 Hefte. (1. Heft. 12 S. m. 1 Taf.) 
Lex. 8°. Groß-Lichterfelde, C. Kulbe. Viertel¬ 
jährlich 1.50; einzelne Nrn. —.35. 

Van den Bosch, F. Quelques observations 
sur les methodes de l'art dans les ecoles. 
Gand. Siffer. In-8°. fr. 0.25. 07. 

Frechon, H. Traite pratique de composition d£- 
corative, ä l'usage des jeunes filles, r£pondant 
aux programmes des cours comptementaires 
des £coles primaires, des ecoles primaires 
sup^rieures et professionelles, des £coles nor¬ 
males; par Henri Frechon, professeur de dessin 
au College, ä l’^cole normale et ä l’^cole pri- 
maire sup^rieure des jeunes filles de Melun. 
Paris, impr. Lahure; libr. Masson et Oe. 1908. 
(27. Novembre.) In-4, 96 p. avec fig. 

Grüber, Frz., Realggmn.-Zeichenlehr. Pinsel- 
Spiele im Dienste der Kunsterziehung und 
Kunstübung. II. TI. 2. Heft: Zwei neue 
Blockierverfahren zur Darstellung v. bewegl. 
Lebensformen f. das Gedächtnis- u. Phantasie- 
zeidinen. (10 Taf. m. Text auf der Rückseite 
u. dem Umschlag.) 18,5x24 cm. W.-Jena, 
Thüringer Verlagsanstalt (07). 1.—. 

Pletinckx, Th., et Abbeloos, Th. Le mode- 
lage ä l’£cole primaire. Son röle dans l’£du- 
cation esth£tique. Namur, Ad. Wesmael-Char- 
lier. 8°, 104 p. (fr. 1.50.) 07. 


Teubner. Des Kindes Kunst in Schule u. Haus. 
Für Handfertigkeit u. Phantasiebildg. Zugl. 
Ergänzg. z. Wegweiser nach neuen Bahnen 
des Zeichenunterrichts. (37 Taf. mit 41 S. Text.) 
Lex. 8°. Oschatz, (B. Krasemann Nachf.) 07. 

In Mappe 3.60. 

15. Kunstlehre. 

Verworn, Max. Zur Psychologie der primitiven 
Kunst. Ein Vortrag. [Aus: „Naturwiss. Wochen¬ 
schrift.“] (47 S. m. 35 Äbbildgn.) 8°. Jena, 
G. Fischer ’08. 

Haendcke, Prof. Dr. Berth. Kunstanalysen aus 
19 Jahrhunderten. Ein Handbuch f. die Be- 
traaitg. v. Kunstwerken. (VII, 274 S. m. Ab¬ 
bildungen u. Taf.) Lex. 8°. Braunschweig, 
G. Westermann ’07. Kart. 10.—. 

Hamann, Rieh. Der Impressionismus in Leben u. 
Kunst. Mit 16 Äbbildgn. u. zahlreichen Noten¬ 
beispielen. (320 S.) gr.8°. Köln, M. DuMont- 
Schauberg ’07. 7.50; geb. in Leinw. 8.50. 

Pädagogische Blätter, 10. Ästhetische Pro¬ 
bleme (Itschner.) 

Gaz. des beaux-arts, 606. Les Origines po- 
pulaires de l’art. (E. Pottier,) 

Hamb. Nadir., 28. 12. Der neue Stil (H. van 
de Velde). (R. S.) 

Van de Velde. Der neue Stil. Vortrag von 
Prof. Van de Velde, gehalt. in der Versgmmlg. 
des Verbandes der Thüring. Ge werbe vereine 
zu Weimar. Weimar. Carl Steinert. Kl. in-8°. 
15. S. (fr. 0.75). 

Werkkunst, 8. Über die Linie, (van de Velde.) 

Wilde, Osk. Zwei Gespräche v. der Kunst u. 
vom Leben. (Übers, v. Hedw. Lachmann u. 
Gust. Landauer; Titel- u. Einbandzeichunng 
von Fritz Adolphy.) (III, 158 S.) 8°. Leipzig, 
Insel-Verlag 07. 4.— ; geb. in Halbldr. 6.—. 

Hofmann, Alb. v. Die Grundlagen bewußter 
Stilempfindung. III. Das Wesen des Künstle¬ 
rischen. (VIII, 116 S.) kl. 8°. Stuttgart, W. 
Spemann 07. 3.—. 

Blaubuch, 23.1. Moral u. Kunst. (B. Sielmann). 

Deutsche Zeitung, 22. 12. 07. Künstlerisch 
u. sittlich. (K. Schultze.) 

Hochland, 1. 12. 07. Kunst, Schönheit und 
Seelenleben (Schluß). (E. Hasse.) 

Umschau, 1. Entwicklung und Renaissance. 
(W. Ostwald.) 

Aftonbladet (Stockholm) 4. u. 7. X. Bild och 
ord. (Ola Hansson.) 

Memnon. I, 1. Biologische Gedanken zur 
Archäologie. (F. Solger.) 

Naturwiss. Wochenschrift 17.11. Zur Psycho¬ 
logie der primitiven Kunst. (M. Verworn.) 

Neue metaphgs. Rundschau, 4. Was ist 
Schönheit? (H. Zillmann.) 

Pester Llogd 14. 10. Nippons Ästhetik. 
(P. Vay.) 


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Bibliographie 


233 


PrenS. Jahrb., 2. Die Stellung der Baukunst 
im System der Künste. (G. Moos.) 

— 3. Die moderne Ästhetik. (E. Landmann- 
Kalischer.) 

Kohnstamm, Osk. Kunst als Ausdruckstätig¬ 
keit. Biologische Voraussetzgn. der Ästhetik. 
(93 S.) gr. 8°. München, E. Reinhardt. 07. 2.—. 
Ruskln, John. Writings: Selections. 8vo. 

^/iXö 1 /*. pp. 512. 2 s 6d. A. Melrose. 
Taine v H. Philosophie de Tart. (1. partie.) 
Mit Einleitg. u. Anmerkgn. hrsg. v. M. Fuchs. 
Heidelberg, C. Winter, Verl. ca. 1.60 
Vogelsang, W. Aesthetiek en kunstgeschiedenis 
aan de universiteit. Rede bi] de aanvaarding 
van het hoog-leeraarsambt aan de rijks-uni- 
versiteit te Utrecht, den 23sten September 
1907. Utrecht, Ä. Oosthoek. 8°. [22,5X17.5J 
(44 blz.). f. —.60. 

Wyneken, K. Der Aufbau der Form beim 
natürlichen Werden u. künstlerischen Schaffen. 
Gemeinverständlich dargestellt. 2. TI. Der 
Kanon der schönen Form. Anleitung zur Her- 
stellg. der rhythm. Grundlage f. jedes Kunst¬ 
werk in jed. Stilart. Ein Handbuch f. Künstler, 
Techniker u. Gewerbetreibende. Text u. Atlas. 
Freiburg i. B., J. Bielefeld. 07. 25.— ; geb. 
26.50; zusammenbezogen 24.—; geb. 25.—. 

Gegenwart, 42. Was ist Architektur? [Forts.] 
(J. Lux.) 

Jnle-Albnm 1907. Köbenhavn, A. Christiansens 
Forlag. Folio. Kr. 1.50. Darin u. a.: Den ideale 
Ynglina (Den unge Mand i Künsten) (Docent 
Peter Johansen). Mit 29 Reprod. nach Giotto, 
Tizian, Masaccio, Botticelli, Gozzoli, Fran- 
ciabigio, Perugino, Mantegna, Rafael (Hand- 
zeichn. im Nationalmuseum, Stockholm], Hol¬ 
bein, Metsu u. a. 

Gegenwart, 21.12. Über Malerei (Aphorismen). 
(W. Kirchbach). 

Hoppner, John. Essays on Art. Edited and 
with an Introduction by Frank Rutter. 12mo. 
7 x 4/V 4 . pp. 108. 2s 6d net. F. Griffiths. 

Fester Lloyd, 25.12. Die Zukunft der Malerei. 
(M. Nordau.) 

Ober Land and Meer, 8. Wandlungen des 
Landschaftsideals in der Kunst. (Fr. Knapp.) 
PreuS. Jahrb., 1. Architektur und Ästhetik. 
(A. v. Hartmann.) 

Ztschr. f. Ästhetik u. alig.Knnstwissensch., 1. 

Das Wesen des Plastischen. (R. Hamann.) 
Hamburger Nachr., 4. 12. 07. Von gotischer 
Baukunst (Ruskins, .Steine von Venedig“. 
(M. Goos.) 

Ztschr. f. Ästhetik u. allg.Kunstwissensch., 1. 

John Ruskin, Steine von Venedig. (S. Saenger.) 

Wissen u. Leben, 7. Die Grundlagen der 
Volkskunst, (de Praetere.) 

Konstchronik, 10. Strzygowski. Die bildende 
Kunst der Gegenwart. (W. v. Semetkowski.) 


16. Reproduktionen. 

Hülsen, Jul. Der Stil Louis Seize im alten 
Frankfurt Innen-Architektur: Ganze Fassaden 
u. Einzelheiten. 40x32 cm. Frankfurt a/M., 
H. Keller. 07. 24.-. 

Hoffmann, Stadtbaur. Geh. Baur. Dr. Ludw.: 
Neubauten der Stadt Berlin. Gesamtansichten 

u. Einzelheiten nach d. m. Maßen versehenen 
Orig.-Zeichn. der Fassaden u. d. Innenräume, 
sowie Naturaufnahmen d. bemerkenswertesten 
Teile der seit d. J. 1897 in Berlin errichteten 
städt. Bauten. 6. Bd. Rud. Virchow-Kranken- 
haus. (50 Tafeln mit III, XX S. illustr. Text) 
53,5X41 cm. Berlin, E. Wasmuth ’07. In 
Mappe 50.—. 

Album de la maison moderne — Bruxelles, 
Imprimerie des travaux publics. In-4°. (15 fr.) 
Collection de 48 phototypies, publiees ä raison 
de quatre par mois. 

Details v. ausgeführten Bauwerken. 6. Bd. 2—5. 

(Schl.-)Lfg. Berl., Wasmuth. Je 6.—. 
Raumkunst, die, in Dresden 1906. 7. (Schluß-) 
Lfg. (10 Lichtdr.-Tf. m. 1 BI. Text.) 49,5x33,5cm. 
Berlin, E. Wasmuth. 07. 7.—. 

Menzel, Adolph v.: Architekuren. Herausgeg. 

v. Arth. Biberfeld. 4. u. 5. (SdiluB-)Lfg. (40Taf.) 
49,5X33,5 cm. Berlin, E. Wasmuth (’07). In 
Leinw.-Mappe je 20.— 

Mohrmann, K. u. F. Eichwede. Germanische 
Frühkunst. 120Taf. in Lichtdr. m. erläut. Text. 
12. (Sdiluß-)Lfg. 47,5x34 cm. Leipzig, Ch. H. 
Tauchnitz. 07. 6.—. 

(Vollst. in 2 Abtlgn. in Mappe je 38.50.) 
Niedling, Archit. Prof. A.: Altäre im röm. u. 
got. Stil mit zahlreichen Detailzeichnungen. 
32 Licht-u. Farbendr.-Taf.4. Aufl. (IV S. Text.) 
45,5x32 cm. Berlin, B. Hessling (’07). In 
Mappe 40.—. 

— Kirchen-Malereien im roman. u. got. Stile. 
Vorbilder z. Ausschmückg. d. Christ!. Gottes¬ 
hauses durch ornamentale u. architektonische 
Malereien, wie Gewölbe, Wand- und Sockel- 
Malereien, Teppichmuster, Fensterlaibgn. und 
Umrahmungen. 2. Aufl. (28 Taf. m. V. S. Text.) 
45,5X32 cm. Berlin, B. Heßling (’07). In Mappe 
48.- 

Denkmfiler d. Malerei d. Altertums. Herausgeg. 
v. Herrmann. 1. Serie. 4. u. 5. Lfg. München, 
Verl.-Änst. F. Bruckmann. Je 20.—. 

Album d. Casseler Galerie. 40 Farbendr. Mit 
hist. Einl. u. begl. Texten v. Osc. Eisenmann 
u. Ad. Philippi. (IX S. u. 40 Bl. Erklärungen.) 
34.5x27 cm. Leipzig, E. A. Seemann ’07. 
Geb. in Leinw. 20.—. 

Meisterwerke der Galerie Nostitz, Prag. (In 
4 Lfgn.j l.u.2.Lfg. (Je 10 Bl.) 45,5X35,5 cm. 
Prag, C. Bellmann (’07). Je 8.—. 
Chefs-d’ceuvre (les) de Jakob Jordaens. — 
Bruxelles, L. J. Kryn. In-16, 3 p. de texte et 
32 grav. hors texte avec legende en regard 
(f. 0.80). 

15 


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234 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Ausstellung, die Leidener, von 1906. Zur Er¬ 
innerung u. Feier des 300jährig. Geburtstages 
Rembrandts, 15. VII. 1606. Heliographische 
Reproduktionen v. 25 d. eingesandten Gemälde. 
Mit einer Einleit. d. reproduz. Meisterwerke 
v. Dr. A. Bredius. (In 5 Lfgn.) 1. Lfg. (5 Bl. 
u. 10 Bl. Text.) 67,5x48,5 cm. Haarlem ’07. 
Leipzig, Maas & van Suchtelen. Bar 45.— ; 
Luxusausg. auf japan. Büttenpapier 70.—. 

de Mont, Pol. Van de gebroeders van Eyck 
tot Pieter Breughel. Vijftig meesterwerken der 
vroegste nederlandsche schilderkunst, uitge- 
kozen door Pol de Mont. Äflevering 7. — 
Berfin, Fischer et Franke; Amsterdam, Uitge- 
vers - Maatsdiappij Elsevier. Gr. in Folio 
(Elke äflevering, 135 fr.). 

Galerien, d., Europas. 16.—24. Heft. Leipzig, 
E. Ä. Seemann. Je 3.—. 

Gemälde-Galerie im Musenm des Prado zu 
Madrid. 2.-5. Lfg. München, Hanfstaengl. 
Je 50.-. 

Gemälde- u. Bildhauerwerke , 40, aus den 
Sammlungen der Kunsthalle zu Bremen. Mit 
einleit. Text v. Gust. Pauli. (11 S.) 37x29 cm. 
Brehien, F. Leu wer (’07). 120.—. 

Schreiber, Museumsdir. Theod.: Meisterwerke 
des stfidt. Museums der bildenden Künste zu 
Leipzig. Im Aufträge des Rates der Stadt 
Leipzig herausgeg. (85 [1 färb.] Taf. m. VII, 
66 S. illustr. Text) 40x30,5 cm. München, F. 
Bruckmann '07. Geb. in Leinw. 60.—. 

Meesterstukken, De, in het rijksmuseum. Afl. 4. 
Leiden, Ä. W. Sijthoff’s uitgevers-maatschappij. 
Fol. Pit. 16—20, m. beschrijv. tekst. 

Meister d. Farbe. 4. Jahrg. 4—11. Heft. Lpzg., 
E. A. Seemann. Je 2.—. 

Steinle-Mappe. 10 Bilder u. 1 Leiste. Ausw. 

u. künstler. Einführung v. Dr. Jos. Popp. (14 
S. Text.) 36,5x27,5 cm. München. Allgemeine 
Verlags-Gesellschaft (’07). 3.50. 

Stückeiberg, E. Ä.: Denkmäler zur Basler Ge¬ 
schichte. 33 Taf. mit begleit. Text u. 10 Ab¬ 
bild. III, 108 S.) Lex. 8°. Basel, B.Wepf&Co. 
’07. In Mappe 17.—. 

Erler, Fritz. Fresken im Kurhaus zu Wiesbaden. 
München, F. Hanfstaengl. In Mappe ca. 15.—. 

Seelengärtlein. Hortulus animae. Herausgeg. 

v. Dörnhöffer. 2. u. 3. Lfg. Frankf. a/M., Baer 
& Co. Je 60.-. 

Kartenspiel, das älteste deutsche, vom Meister 
der Spielkarten vor 1446 in Kupfer gestochen. 
32 Blätter auf Japanpap. in Lichtdr. Menschen, 
Vögel, Raubtiere, Hirsche. (Äs, König, Dame, 
Bub-Ober, Bub-Unter, Siebener, Achter, 
Neuner). Aus: .Geisberg, Max, das älteste 
gestochene deutsche Kartenspiel“.] 8°. Stra߬ 
burg, J. H. E. Heitz ('07). In Karton 10.—. 

Einblattdrucke des 15. Jahrh. Herausgeg. von 
Paul Heitz. 36,5x28 cm. Straßburg, J. H. E. 
Heitz. Major, Emil: Holzschnitte des 15. Jahrh. 


in der öffentl. Kunstsammlung zu Basel. Text 
v. M. Mit 20 Taf. in Hochätzung, wovon 13 
handkoloriert. (15 S.) ’08. nn. 40.—. 

Heitz, Paul. Eine Abbild, der Hohkönigsburg 
aus der 1. Hälfte des 16. Jahrh., gefunden u. 
beschrieben. 9 S. m. 3 Vignetten und 2 Taf. 
43,5x33cm. Straßburg, J.H.E. Heitz. 07.bar2.50. 
Dilich’s, Wilh., Federzeichnungen kursächs. u. 
meißnisch. Ortschaft, a. d. J. 1626—1629. Hrsg, 
v. Paul Emil Richter u. Christian Krollmann. 3 Bde. 

S Aus d. Schriften der königl. sädis. Kommission. 

. Geschichte.) (30 S. Text, 49, 56 u. 40 Taf.) 
20x31 cm. C. C. Meinhold u. Söhne. 07. 28.— . 
Einblattdrucke des 15. Jahrh. Hrsg. v. Paul Heitz. 
36,5X28 cm. Straßburg, J. H.E. Heitz. Leidinger, 
Geo.: Einzel-Holzschnitte des 15. Jahrh. in der 
kgl. Hof- u. Staatsbibliothek München. Mit Text 
hrsg. I. Bd. 46 handkolor. u. 1 unkolor. Nachbld. 
in Hodiätzg. (47 S. m. 27 S. Text.) 07. nn 80.—. 
Sillib, Rud.: Holz- u. Metallschnitte a. d. großh. 
Universitäts-Bibliothek Heidelberg. Mit 13 Taf. 
8 handkolor. (13 S.) 07. nn 30.—. 
Breviarium, das, Grimani, in der Bibliothek v. 
San Marco in Venedig. Vollständ. photogr. 
Reproduktion, hrsg. durch Bibl.-Dir. Scato de 
Vries u. S. Morpurgo. 8. Lfg. 131 z. TI. färb. 
Taf. 49,5X35,5 cm. Leiden, A. W. Sijthoff. 
Leipzig, K. W. Hiersemann. 07. In Lwd.-Mappe 

nn 200.—. 

Maximilians L, Kaiser, Gebetbuch. Mit Zeich¬ 
nungen v. Älbr. Dürer u. anderen Künstlern. 
Fksm.-Druck der Kunstanstalt Albert Berger 
in Wien. Mit Unterstützg. des k. k. Ministe¬ 
riums f. Kultus u. Unterricht in Wien u. des 
königl. Ministeriums der geistl., Unterrichts- 
u. Medizinal-Angelegenheiten in Berlin hrsg. 
v. Karl Giehlow. (157 Doppels, u. 31 S. Text.) 
40x29 cm. Wien 07. (München, F. Bruck¬ 
mann.) In Buckram-Kassette nn 425.— ; geb. 
in Ldr. m. Messingbeschlägen nn. 525.—; vom 
15. III. 1908 ab: nn 500.— ; bezw. nn 600.—. 
Zeichnungen alter Meister im Kupferstich- 
kabinet d. k. Museum zu Berlin. 19. u. 20. Lfg. 
Berlin, G. Grote. Je 15.—. 
Handzeichnungen alter Meister a. d. Albertina. 

12. Bd. 3. u. 4. Lfg. Wien, F. Schenk. Je 3.—. 
— alter Meister der holländischen Schule. 
VII. Serie. 1. Lfg. (8 Taf.) 38x28,5 cm. 
Haarlem, H. Kleinmann & Co. (07). 4.—. 

Handzeichnungen alter Meister im Besitze des 
Museums Wallraf-Richartz zu Köln am Rhein. 
25 Lichtdr.-Taf. m. Text. Hrsg. v. Dr. Arth. 
Lindner. (5 Bl. Text.) 38x29,5 cm. Köln, 
W. Abels (07). In Mappe 20.—. 
Michelagniolo Buonarroti Handzeichngn. 
3.-5. Lfg. Berlin, J. Bard. Je nn 16.—. 

Handzeichnungen altholländischer Genremaler. 
Hrsg. u. eingeleitet v. Wilh. Bode. Mit Text 
v. Wilh. R. Valentinen (50 Taf. m. 60 S. Text.) 
gr. 8°. Berlin, J. Bard 07. Geb. in Leinw. 
15.— ; Luxusausg. geb. in Ldr. bar 35.—. 


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Bibliographie 


235 


inknnst 


Chodowiedd, Dan. Bilder aus der branden- 
bürg - preußischen Geschichte. Radierungen. 
Hrsg. v. Prof. Dr. Geo. VoB. (54 Bl. m. Text 
auf der Rückseite u. XIIIS. Text.) 13x19,5 cm. 
Berlin, J. Spiro (07). bar 4.—. 

Klinger, Max. Epithalamia. Umrahmungen in 
Feaerzeichngn. (Eingedruckter) Text v. Elsa 
Asenijeff. (16 Photograv.) 68X52 cm. Berlin, 
Amsler & Ruthardt 07. In Leinw.- Mappe 
bar nn 250.—. 

Riditer-Mappe, vierte. Hrsg, vom Kunstwart. 
(6 J2 farb.j Bl. u. II S. Text mit Bildnis und 
1 Abbildg.) 38,5x28 cm. München, G. D. W. 
Callweg (07). bar 1.50. 

8 


I. Älte Kunst. 

/. Baukunst. 

The principles of Dome construction. 

(Schluß.) (w. Dünn. Architect. Review, 135.) 
The origin and prospects of gothic ar- 
chitecture. (Edinburg Review, Jan.) 

Los templos antiguos de la provincia de 
Valencia en Quintanaluengos g Revilla de 
Santullän. (M. Vielva. Bol. d. 1. R. Acad. d. 
1. Historia, Madrid, 6.) 

Kristkirken i Nidaros (Centralvinduet iFron¬ 
ten og H välvhöjden). (Fr. Macodg Lund: Teknisk 
Ugeblads Ärkitektafd., Kristiania, 1908 Nr. 1.) 
Flere Indlfig i Domkirkesagen. (O. Nord¬ 
hagen, H. M. Schirmer, J,Meger. Ebenda.) 
Storkgrkans i Stockholm restaurering. 

(Svenska Dagbladet Nr. 10. Mit Abb.) 
Soest och Gottland (JohnngRoosval. »Svenska 
Dagbladet“ Nr. 32. Mit 2 Zeidin.) 

E. Swiegkowski. »Palac w Krgstgnopolu“. 
(D. Palais in K. nach zeitgenöss. Plänen.) 
Krakau 1907. 4°. 24 S. 

J.S.Zubrzgcki. »SkarbarchitekturgwPolsce«. 
(Polnische Architektur.) Krakau 1908. Heft III, 
IV u. V. ä Kr. 1.50. 

St. Tomkowicz. »Wewn^trzne urz^dzenie 
Zamku krakowskiego i jego losg“. (D. innere 
Einrichtung d. Krakauer Schlosses u. sein 
Schicksal). Krakau 1907. 8°. 24 S. u. 9 Taf. 
u. Abb. —.80 h. 

Casa Me§krului Antonie Mogo?. (A. Tzi- 
gara-Samurcag. Convorbiri Librare, 1.) 

la. Deutschland. 

Die Abteikirche Knechtsteden. (J. Mar- 
chand. D. Christi. Kunst, 5.) 

Ein altes Fürstenschloß (Heilsberg i.Ostpr.). 

(H. Mankowski. D. christl. Kunst, 5.) 

Die Burg Gieselwerder. (F. Pfaff. Hessen¬ 
land, 3.) 


Ober die Bauten von Alt-Berlin. (B£rin- 
guier. Mitteil. f. d. Gesch. Berlins, 8.) 

Alt-Hamburgische Bauweise. (K. Mühlke. 
Denkmalspflege, 3.) 

Ältschweizerische Baukunst. (P. Weber. 
Denkmalpfl., 1.) 

Das Hessendenkmal z. Frankfurt a. M. 
(V. Fettmilch. Rheinlande, 2.) 

lb. Frankreich und England. 

Architektur- u. Landschaftsskizzen aus 
d. Provence. (H. Hildebrandt. Beil. z.Allg. 
Ztg. 29 ff.) 

Die Kirche von Romainmötier. (J. Zemp. 
Ztschr. f. Gesch. d. Architektur, 4.) 

Miltoun (F.). — The Cathedrals of Northern 
France. With 80 Illustrations from original 
drawings bg Blanche Mac Manus. D£corative 
cover, cloth gilt. Fr. 7.50. 

Miltoun (F.). — The Cathedrals of Southern 
France. With 90 Illustrations bg Blanche 
McManus. 568 pages. 8vo, cloth gilt Les 
Eglises de la France du Nord et de Sud, 
richement illustre, reliure de luxe. Fr. 7.50. 
F. Laurie. 

Abbeg Owneg, Countg Limerick. (J.Segmour. 
Journ. of the R. Soc. of Antiqu. of Ireland.) 

Carrigogunnel Castle and the O’Briens of 
Pubblebrian in the Countg of Limerick. (Th. 
Johnson Westropp. Journ. of the R. Soc. of 
Antiqu. of Ireland.) 

Winchester Cathedral. (Saturdag Review, 
25. Jan.) 

Students' drawings of the Institute of 
Ärchitects. (Builder, 3390.) 


2. Alte Malerei. 

Qui est l’auteur du tableau de la Collec¬ 
tion Prince Youssoupoff, repr£sant 
un Savogard jouant la vieuille devant 
deux petites filles et un veillard? (A. 
Somoff u. Adrien Prochoff, Les Trdsors d’Ärt 
en Russie X, XI u. XII 07). 

M. Olszewski. „Rozwöj polskiego malarstwa.“ 
(D. Entwickelung d. poln. Malerei, Th. I vom 
Barock bis Matejko). Krakau 1908. Kr. 1.10. 

2a. Deutschland. 

Zwei Reliquienschreine und ihre alte 
Bemalung. (P. Klinka. Denkmalpfl., 1). 

Zu Zeitblom. (Fr. Haack. Kunstchronik, 7.2.) 
Ein neues Cranachbudi. (von Worringer). 
(Th. Heuß. Die Hilfe, 15. 12). 

Eine Monographie über Lucas Cranadi. 
(Bespr. v. Worringer). (H. Eßwein. Hamb. 
Nachr., 26. 1.) 


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Baukunst 


Alte 

Malerei 



236 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Alte 

Malerei 


Alte 

Malerei 


Alte 

Malerei 


Der Fall Grünewald. (K. Lange. Sdiwfib. 
Merkur, 18. 1.) 

Mathias Grünewalds Stuppadier Ma¬ 
donna. K. Lange. Preuß. Jahrb., 1.) 

2b. Frankreich u. Spanien. 

A portrait of Eleonora of Spain, attributed 
to Jean Clouet. (Ä.E.Hewett. Burl.Magaz.,59.) 

Un dessin in^dit de Watteau. (M.Tourneux. 
Gaz. d. beaux-arts, 606). 

Fürst (Herbert) — Chardin and his Times. 
(18 mo. sewed, 6 d net Gowans & G.) 

Chardin (J. B. S.) et Fragonard (J. H.) 
L'CEuvre de. 213 reproductions. Intro. par 
Armand Dayot, notes par Lgandre Vaillat. 
Ryl. 4to. swd. 42s. Simpkin. 

Los primitivos Espanoles. (Espaüa fuera 
de Espaüa). (E. Bertaux. La Espaüa mo- 
derna, 230). 

Diego Velazquez y su siglo. (C. Justi. eod.) 
Padieco, the master of Velazquez. (H. 
Cook. Burl. Magaz., 39). 

Goya. (R. Oertel. Daheim, Febr. 08). 


2c. Italien. 

Rose (G. B.)—Renaissance Masters. 3rd 
edition, Cr. 8vo. f 5s. net. Putnam. 

Dedcengemfilde. (K. Doehlemann. Umschau,4) a 

Mason (J.) —Fra Ängelico. Illus. Imp. 16mo. 
8x6, pp. 80, ls. sd. net (Masterpieces in 
Colour). Jack. 

Zwei Schriften über Fra Ängelico da 
Fiesoie. [v. M. Wingenrot und v. Ä. Wurm]. 
(Hist, polit. Blätt. f. d. kathol. Deutschland, 3.) 

Studien zu Pesellino und Botticelli. (W. 
Weisbach. Preuß. Jahrb., 1.) 

Cust (R. H. H.) — Botticelli. 12mo., pp. 102, 
ls. net (Miniature Series of Painters). Bell. 

Ricordi della vita e delle opere di Leo¬ 
nardo da Vinci raccolti dagli scritti di Gio. 
Paolo Lomavro. (E. Solmi. Ardiivio Storico 
Lombardo, 4.) 

„Le Concert“ de Giorgione au Palais 
Pitti. (H. Gronau, Staryje Gody XI. 07.) 

£tudes de Titien pour les „Bacdianales“ 
de Londres et de Madrid. (E. Jacobsen. Gaz. 
d. beaux-arts, 606). 

Die verschollenen Imperatorenbilder 
Tizians in der Kgl. Residenz zu München. 
(M. Wielandt. Ztschr. f. bild. Kst., 5.) 


2d. Niederlande. 

Dutdi Painters, Catalogue, De Groot (C. H.). 
Vol. I. 255. 


Durch berühmte Kunststfitten (Niederlande). 
(Küffner. Fränk. Kurier, 4. II.) 

Konody (P. G.) — The Brothers Van Eyck. 
12mo., pp. 80, ls. net (Miniature Ser. of 
Painters.) Bell. 

Memlincs Passion picture in the Turin 
Gallery. (J. Weale, Burl. Magaz., 59.) 

Marinus von Roymerswale. (W. Cohen, 
Les arts anciens de Flandre, Okt. 07.) 

Rembrandt van Rhyn. (J. Israels, Nord und 
Süd, 1.) 

Israels (J.)—Rembrandt. Imp. 16mo. 8x6, pp. 
80, ls. od. net (Masterpieces in Colour). Jack. 

Un portrait de jeune femme par Rem¬ 
brandt,dans la CollectionHuldschinsky 
ä Berlin. (Wilhelm Bode, Staryje Gody XI. 07.) 

Notes on pictures in the Royal Collec- 
tions. XI. Great piece, by Sir Anth. van 
Dyck. (L. Cust. Burl. Magaz., 59.) 

La peinture murale de la Colldgiale de 
Termonde. (van den Gbeyn. Annal. de 
l'Acad. R. d’Ärdidol. de Belgique, 3—4.) 

David Vinckboons, peintre, et son oeuvre et 
la famille de ce nom. (H. Coninckx. Ann. 
de l'Acad. R. d’Ardigol. de Belgique, 3—4.) 

Die Dresdner Galerie. Frans Pourbus u. s. 
Schule. (O. Sebaldt. Sfidis. Arbeiterzeitung, 
31. 1.) 

3. Alte Plastik. 

D. Meister d. Kreuzigungsgruppe in 
Wechselburg. (J. Bachem. Ztschr. f. ehr. 
Kunst, llu. 12.) 

Zwei Gedenksteine der Herren von Ba¬ 
den auf Siel. (A. v. Dachenhausen. Deut¬ 
scher Herold, 1.) 

Verborgene Kunstschfitze in Tirol. (F. 
Pollak, Ztschr. f. bild. Kst., 5.) 

Zwei unerkannte Werke des Veit Stoß 
in Florentiner Kirchen. (H. Voß. Preuß. Jahrb., 1.) 

F. Kopera. „Wit Stwosz w Krakowie* (Veit 
Stoß in Krakau. Publikation d. Ges. d. Freunde 
d. Geschichte u. Denkmäler Krakaus). Krakau, 
1908. 4°. 121 S. m. 7 Taf. u. 91 Abb. Kr. 15.—. 

Kleinbronzen der Söhne d. filt Peter 
Visdier. (W. Bode. Preuß. Jahrb., 1.) 

Tierbronzen der Renaissance. (W. Bode. 
Kst. u. Kstler., 5.) 

Eine Holzstatue des Antonio Rizzo. (A. 
Gottsdiewski. Ztschr. f. bild. Kst., 5.) 

Det stora Michelangelo —fyndet iUffizierna 
i Florens. (S. St. „Värt Land“, Stockholm, 
28. XII. ’07.) Mit 3 Abb. 

DerPlan v.Mi chelÄngelos Medicigräbern. 
(Ä. Groner. Archiv f. christl. Kunst, 2.) 

The Market Cross of Aberdeen. (G. M. 
Fraser. Scottish Historical Review, 18.) 


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Bibliographie 


237 


Description of the St. LawrenceÄltar-Tomb 
in St Mary's Church at Howth. (W. Fitz¬ 
gerald. Journ. of the R. Joe of Antiqu. of 
Ireland.) 


4. Altes Kunstgewerbe. 

Church Chests of the twelfth and thirteenth 
Centuries in England. (P. Mainworing John- 
ston. Archaeolog. Journ., 4.) 
Amagertorklflder og Huenakker. (L6on 
Ehlers: Tilskueren, Januar. Mit 9 Äbb.) 
Temperantisfatet i Nationalmuseum. (Dr. 
E. G. Folcker. Svenska slöjdföreningens tid- 
skrift, Stockholm, 1907, H. 4.) 

Udstilling af Tönder’ske Kniplinger. (A.: 

Vort Land, Kopenhagen, Nr. 19.) 

I camini a Firenze nei secoli XIV e XV. (A. 
Schiaparelli, Archiv. Storic. Italiano, 4.) 

Zwei Gobelin-Kissendecken des 15. Jahr¬ 
hunderts. (Schnütgen. Ztschr. f. ehr. Kunst, 11.) 

Jones (E. Ä.) — The Old Silver Sacramental 
Vessels of Foreign Protestant Churdies in 

England. 4to. 21s net.Dent. 

Nos armures ä l'exposition de la Toison 
d'or. (G. Macoir. Bull. d. Mus. Roy. ä 
Bruxelles, 1.) 

Die Kunst- u. Wunderkammern der Spflt- 
renaissance. (Bespredi. v. Schlosser.) (J. 
Folnesics. Zeit, 26. 1.) 

Early English stonewares (Dwight, Elers, 
Morley). (A. H. Church. Burl. Magaz., 59.) 
Eighteenth Century fine Stoneware. (W. 

Turner, Connoisseur, 78.) 

Blacker (J. F.) — The ABC of Collecting Old 
English China. 8vo. 9 l / 4 X5 l / 4 , pp. 150, 
ls. net. London Opinion. 

8 

II. Neuere Kunst. 

/. Baukunst. 

Die moderne Baukunst und die geschicht¬ 
lichen Stile. (Zentralbl. d. Bauverwaltung 13.) 
Academy Ardiitecture and Architectural Review, 
1907, Part 2. Edit. by Alex. Koch. 4to. 4s. 
lOd. net, swd. 4s. net.... Simpkin, Jan. 08. 
Wechselwirkung v. Zugang u. Bauwerk. 

(Forts.) (H. Pfeifer. Ardnit. Rundschau, 5.) 
Vor Tids Bygningskunst i Danmark. 
(Referat u. Kritik eines Vortrags v. Dr. Francis 
Beckett. „Köbenhavn“, Kopenhagen, 1908, 
N;. 10.) 

Un Palais de la Musique par Francois Garas. 

(F. Garas. Art d&oratif, 2.) 

Morden College, Blackheath, Ke nt. (Schloß.) 
(T. Frank Green. Ärchitect. Review, 135.) 


Recent designs in domestic ardiitecture. 
(Studio, 179.) 

Nordiska museet (Axel R. Bergman: Ärki- 
tektur och dekorativ Konst, Stockholm, Jg. 38, 
H. 1 u.2. Mitzahlr. Illustr.v. architekton. Details 
u. plast. Schmuck.) 

Ett svensk Pantheon (Carl Larsson: Ord 
och bild. 1908. H. 1. Mit 2 Zeidin. v. Verf.) 

Les Finlandais (finländ. Architektur). (A. Lippidi 
de Korongh. Magyar Iparmüveszet, Jan. 08.) 

Utlfindska arkitekturstudier. (Frederik 
Sundbflrg. Svenska Dagbladet, Nr. 4. Durham. 
Nr. 6: Amsterdam. Nr. 27: Bryssel.) Mit Zeichn. 


la. Deutschland. 

The Ardiitecture of Vienna. (The Builder, 
3387.) 

Wettbewerb f. d. archit. Ausbildung d. 
Möhnetalsperre. (Kullridi. Zentralbl. d. 
Bauverwaltg., 9.) 

Peter Behrens. (Hohe Warte, 3.) 

Bruno Schmitz: Das Eigenhaus des Künst¬ 
lers. (A. Jaumann. Innendekoration, Febr.) 
Ein neues Denkmal sdiwfib. Bau- u.Maler- 
kunst. (Pfullinger Volkshaus.) (H. Weiz- 
sficker. Frkf. Ztg., 20. II.) 

Theodor Fischers Werke in Schwaben. 
Rimmeie. Zentralbl. der Bauverwaltung, 
1, 13.) 

Ein neues Schulhaus von Th. Fischer. 

(D. K. Christi. Kunstblatt, I. 08.) 

Zwei moderne Predigtkirchen in Zürich 
u. Bern. (K. eod.) 

Die Mittelschule an der Torstraße in 
Halle a. S. (Archit. Rundsdi., 5.) 


2. Neuere Malerei. 

The last phase of impressionism. (Burl. 
Magaz., 59.) 

Det svenska vinterlandskapet i vär 
moderna mälarkonst. (Maler Lennart 
Nyblom. „Varia“, Göteborg. Mit zahlreichen 
Illustrationen.) 

Les dessins de Hubert Robert ä l’Alber- 
tina de Vienne. (I. Schoenbrunner. Chronique 
des Arts, 41.) 

La peinture contemporaine italienne. 

(A. de Rinaldis, Wjessy, XII. 07.) 

Carlo Fornara, an Italian „luminist“. (Alfr. 
Melani. Studio, 179.) 

Flemish painter: Franz Courtens. (Fern. 
Khnopff. Studio, 179.) 

Ein moderner böhmischer Maler. (Max 
Svabinsky.) (O. Fleischer. Über Land und 
Meer. 18.) 

Jan Stanislawski. (Z. Przesmycki, Chimera 
Heft 30.) 


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Baukunst 




238 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Neuere 

Malerei 


Neuere 

Malerei 


Neuere 

Malerei 


Kunst in Frankfurt. (F. Läszlö.) (-emo. 
Frkf. Ztg., 4. III.) 

2a. Deutschland. 

Spitz weg. (Ävenarius. Kunstwart, 9.) 

Der Maler der deutschen Kleinstadt. 

(Spitzweg.) (P.L. Chemnitzer Allgem.Ztg.30.1.) 
Karl Friedrich Lessing. (P. L. Hamburger 
Nadir., 4. 2.) 

K. F. Lessing. (Voss. Ztg., 5. II.) 
Erinnerungen an H. Makart. (B. Groller. 

Velb. u. Klasings Monatsh. 6.) 

Die Gemälde d. Boehle-Ausstellung im 
Stfidelsdien Inst., Frkf. a. M. (W. Haenlein. 
Mflndin. Allg. Rundsdi., 22. 2.) 

Otto Greiner. (Fr. Stahl. Berl. Tagebl. 7. 2.) 
Franz Matsch. (A. Leitidi. Kunst f. Alle, 12.) 
Oskar Zwintscher. (W. Pastor. Deutsche 
Kunst u. Dekor., 6.) 

Albert v. Keller. (J. Popp. Kunst f. Alle, 10.) 
H. Hendridi und seine Tempelkunst. 

(A. Koeppen. Westermanns Monatsh., 2. 08.) 
Die Beuroner Kunstschule. (Kunst f. Alle 11.) 

2b. Frankreich. 

Der Wert der französischen Kunst. (Bespr. 

v. Meier-Graefe.) (P. Fechter, Bresl. Ztg., 25.1.) 
Eugene Delacroix. (E. Klossowski. Kst. u. 
Kstler., 5.) 

Les artistes Lyonnais. (Schluß.) (A. Ger- 
main. Gaz. d. beaux-arts, 608.) 

L. -Ed. Fournier, d^corateur. (M. Testard. 
L’art d^coratif, 2,) 

Honor£ Daumier. (Tgl. Rdsdiau, 24.2.) 
Maurice Denis. (S. Staudhamer. D. christl. 
Kunst, 5.) 

N o a - N o a. (üb. Gauguin.) (P. Fechter. Kst.f .Alle,l 1.) 

2c. Englische Malerei. 

A. Potocki. „Portret i krajobraz angielski“. 
(D. englische Porträt u. Landschaft.) Lemberg 
1907. 8°. 123 S. m. 84 Abb. Kr. 5.—.) 

Im Atelier. (Über d. Ausstell, d. Englischen 
Porträts.) (Fr. Dernburg. Berl. Tgbl., 2.2.08.) 
Die Ausstellung älterer englischer Kunst 
in Berlin. (Ä. Gold. Frkf. Ztg., 14.2.) 

D. Ausstell, altenglischer Kunst ln d. Berl. 

Akad. d. Künste. (Cohen. Kunstchronik, 15.) 
L'exposition des peintres Anglais ä 
l’Acad£mie Royale de Berlin. (J. Meier- 
Graefe. Chronique des arts et de la curios., 6.) 
Die Ausstellung englischer Meister¬ 
werke. (R. Lothar. Berl. Lok.-Anz. 25.1.) 
Altenglische Meister in Berlin. (M. Os- 
born. Daheim, 20.) 

Englische Meisterwerke in d. Berl. Aka¬ 
demie. (L. Justi. Woche, 7.) 

Ausstellung älterer englischer Kunst. 
(O. An wand. Dtsche Tagesztg. 25.1.) 


The Walker-Heneage Family, by Sir 
Joshua Reynolds. (C. Phillips. Burl. 
Magaz., 59.) 

Raeburn’s tedinique: its affin itieswith modern 
painting. (W. D. McKay, Studio, 179.) 

William Blake, Poet and Painter. (T. Sturge 
Moore. Quarterly Review, 414.) 

Gilbeu (W., Sir)—GeorgeMorland, His Life and 
Works. 8vo. 9x6 1 / 4 , pp. 310,20s. net. B1 a ck. 

2d. Skandinavien und Rußland. 

Peter Severin Kroyer, Danish painter. (G. 
Brödiner. Studio, 179.) 

Dansk Malerkunst og dansk Kritik. (Jens 
Thiis: Morgenbladet, Kristiania, Nr. 3 und 35.) 

Jörgen Roed. Paa lOOaarsdagen for hans 
Fedsel. (Maler Soya Jensen: Dannebrog 
Nr. 5603. Mit Portr.) 

Per Ekström. (G. Nordensvan. Dagens Ny- 
heter, Stockholm. 26.1.) 

Pelle Ekström äter i Stockholm, utställer 
30 taflor. (O. R., Svenska Dagbladet Nr. 26.) 

En svensk porträttm&lare, Bernhard öster- 
man. (A. T. „V&rt Land“, Stockholm, 21.X1I.07.) 
Mit 4 Portr. 

Carl Larssons Gustaf-Vasa m&lning. (Aug. 
Brunius. Svenska Dagbladet Nr. 29.) 

Carl Wilhelmsons utställning i Göteborg. 
(A. L. Romdahl. „Svenska Dagbladet“ Nr. 14.) 

Carl Wilhelmssons utställning i Göteborg. 
(Ä. L. R.: Hvar 8. Dag, Stockholm, IX17. Mit 
Portr. u. Abb.) 

Schwedische Landschaft u. Landschafts¬ 
malerei. (E. Heilborn. Westermanns Mo¬ 
natsh., 5.) 

Aubert, Andreas, Norsk malerkunst, dens 
kaar og kamp. To foredrag i Kunstforeningen 
i Kjöbenhavn 1907. 31 S. (24X16.) Kri¬ 
stiania 1908. H. Asdiehough & Co. 75 Öre. 

Nicolas Roehrich. (D. Roche. Gaz. d. beaux- 
arts, 608.) 

Quelques Oeuvres peu connues de F£do- 
toff. (N. Romanoff, Staryje Gody XI.07.) 

K. F. Bogayevski. (M. Volodiine, La Toison 
d’or, X. 07.) 

Fäte d’Octobre ä Rome. (5 reproduction 
d'acquerelles de Ä. Ivanov, La Toison d’or, 
XI & Xn 07.) 

3. Neueres Kunstgewerbe. 

Alte und neue Porzellanplastik. (R. Graul. 
Werkkunst, 11.) 

Die Tapete. (R. E.Bernoulli. Werkkunst, 11.12.) 

Theaterdekorationen. (K. Scheffler. Über 
Land u. Meer, 18.) 

Das künstlerische Problem der Industrie. 
(A. Lux. Innendekoration, Febr.). 

Fine church metal-work. (Art Journal, 
Febr. 08.) 


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Neuere 

Malerei 



Biographie 


239 


ere 

jrci 


British potteru. (J. Ä. Service. Art Journal, 
Febr. 08.) 

C. R. Ashbee u. d. „Guild of Handicraft.“ 
(Berlepsch-Valendas. Kunst u. Handwerk, 4.) 
Terrescuites de Brouwer. (J. Loeber. Art 
Flamand et Holland., 10.) 

Hemslöjden pä Lund-utställningen 1907. 
(Lilli Zickermann. Svenska slöjdföreningens 
tidskrift, Stockholm. 1907, H. 4.) 

Udstilling af Skönvirke. (Vilh. Wanscher. 

.Politiken", Kopenhagen, Nr. 26.) 

L’art et l’art dgeoratif finlandais. (T. 

Stjernschantz. Magyar Iparmüveszet, Jan. 08.) 
Index desorf&vresäSt.Petersburg. (Baron 
A. de Foelkersam, Staryje Gody, XI u. XII 07.) 

3a. Deutschland. 

Peter Behrens. (R. Breuer. Werkkunst, 10). 
Gußeisen (Albin Müller). (Rob. Schmidt, Werk¬ 
kunst, 11.) 

Die Stickerin Florence Jessin Hösel. (A. 

Jaumann. Dtsch. Kunst u. Dekor., 6.) 

Runge u. Scotland, Bremen. (K. Schäfer. 
Innendekoration, Febr.). 

Wie ich Töpfer wurde. (J. Ä. Lux. Rhein¬ 
lande, 2). 

4. Neuere Buchkunst und Gruphik. 

S ch w a r z - We i B. (Äusstcll. d. Berliner Secession.) 

(J. Elias. Kunst und Künstler, 5.) 

Der Holzschnitt u. d. Plakatkunst (Schluß.) 
(G. v. Buonaccorsi di Pistoja. Monatsh. für 
Kunstgewerbe, 5.) 

Die Plakatausstellung im Hohenzollern- 
Kunstgewerbe-Haus. (M. Creutz. Berl. 
Architekturwelt, 11.) 

Das Plakat. (P. Westheim. Werkblatt, 4.) 
Alte u. neue Silhouetten-Schneidekunst. 

(B. Haendcke. Tag. 4. 2.). 

Les Livres au Salon d’Äutomne. (P. Galli- 
mard. L’art d£coratif, 2.) 

Vom Bucheinband. (P. Westheim. Werk¬ 
blatt, 3.) 

Künstlerischer Einfluß auf die Druck- 
sdiriften-Erzeugung. (F. v. Biedermann. 
Ztsdir. f. Bücherfreunde, 11.) 

Von alter und neuer Kalenderkunst. (W. 

v. z. Westen. Exlibris, 3.) 

Josef Kriehuber. (R. Ameseder. Grazer 
Tagespost, 3. 2.) 

Hermann Gattiker. (Schäfer. Rheinlande, 2.) 
Auguste Rodins Handzeichnungen. (O. 

Grautoff. Gegenwart, 5.) 

Austin O. Spare. R. E. D. Sketchley. Art 
Journal, Febr. 08.) 

Richard Wagner in der Karikatur. (E.Fuchs. 
Leipz. 111. Ztg., 3372.) 


Sjöberg, N. (Kvinnan i svenskkarikatyr. Med 
35 textillustr. och konstbil. 4° (29X21) 56 S. 
u. 5 Taf. Stockholm 1907. Björck & Börjesson. 
Kr. 2.50. 

Vor Frelsers Kirkes Glasmalerier, udförte 
af Emmanuel Vigeland. (Morgen bladet, 

Kristiania, Nr. 16.) 

Notiz über die Lithographien von Ignaty 
Sditsdiedrowski. (E.Reitern, StaryjeGodij, 
XI. 07.) 

8 

III. Allgemeiner Teil. 

/. Ausstellungen. 

Münchener Winter-Sezession. (W. Michel. 
Kunstchronik, 16.) 

Werdandi. (Cohen. Kunstchronik, 13.) 
Werdandi. (K. S. Kst. u. Kstler., 5.) 

Two Exhibitions. (Französ. Impressionisten 
und englische Akademiemitglieder.) (L. Binyon. 
Saturday Review, 1. Febr.) 

Exposition de peinture. (Moderne franz. 

Malerei.) (H. Chervet. Nouvelle Revue, 3.) 
Exposition d’art chr^tien ä Äix-La-Cha- 
pelle. (Ciolkowski. Gaz. d. beaux-arts, 608.) 
Perouse et l’Exposition d’Ärt Ombrien. 

(Ä. Gottsdiewsky, Staryje Gody XII, 07.) 
L’Expositon de la Toison d’Or ä Bruges. 

(Fierens Gevaert, Staryje Gody, XII, 07.) 

The eigth exhibition of the International 
Society at the New Gallery. (T. M.W. Studio, 179.) 
Te Burlington House Loan Exhibition. 

(Builder, 3388.) (Bilder v. Hogarth.) 

Den jödiskeUdstilling. II.Maleriopoisningen 
(Nationaltidende, Kopenhagen, Nr. 11426.) 
Den jödiske Udstilling i Industriforeningen 
(Maler Soya-Jensen: Dannebrog, Kopenhagen, 
Nr. 5602.) 

Chr. Dalsgaard-Udstillingen. (S.fophusl 
Mßdiaölis].: Köbenhavn, Kopenhagen, Nr. 23.) 
Cottet-Rodin-Zoir-utställningen i Stock¬ 
holm. (G. Nordensvan. Dagens Nyheter, Stock¬ 
holm 22/1.) 

Kunstforeninqens Udstilling. (V.Wanscher. 

„Politiken“, Kopenhagen, Nr. 12.) 

Wystawka Rysunkow i Estampow. (Aus¬ 
stellung v. Zeichnungen u. Graphik in d. 
Kaiserl. Akademie d. Künste, St. Petersburg, 
Jan. 1908.) Petersburg 1908. kl. 8°. 43 S. 
m. 16 Abb. 

2. Sammlungen. 

Die Kunsthalle in Hamburg. (Forts.) (G. 

Kohn. Hamburg. Korresp., 2. 2.) 

Amtliche Berichte a. d.Kgl.Kunstsammlungen. 
Monatl. ersch. Beiblatt z. Jahrb. d. Kgl. Pr. 
Kstsl. Nr. 4—6. Januar bis März 1908. 


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240 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Museum für tirolische Volkskunst und Ge¬ 
werbe. (E. Diez. Österreich. Rundschau, 3.) 

The Dublin Gallery of modern art. (Burl. 
Magaz., 59.) 

The catalogue of the pictures in the 
National Gallery. (J. Weale. Burl. Ma¬ 
gaz., 59.) 

Ny Carlsberg Glyptoteks Nyerhoervelser. 
S. M.: Köbenhavn 29. 1 08.) 

L’istituzlone del Museo Civico di Verona. 
(Änt. Avena. Madonna Verona, 4.) 

A Standard for American Collections. 
(C. J. Holmes. Burl. Magaz., 59.) 

Neuerwerbungen d. Berl. National-Gale- 
rie. (Cohen. Kunstchronik, 16.) 

Die Generaldirektion d. Dresdener Samm¬ 
lungen. (eod.) 

Neuerwerbungen des British Museum. 
(O. v. Schleinitz. Kunstchronik, 13.) 

La donation Octave Homberg au Mus£e 
du Louvre. (G. Migeon. Gaz. d. beaux- 
arts, 608.) 

Collection du Mus£e de Vilna au Mus£e 
Roumiantzeff ä Moscou. (La Toison 
D’Or, XI u. XII, 07.) 

Les tr£sors d’art au Grand Palais de 
Pavlovsk. (Ä. Prachoff, Les Tresors d’art 
en Russie X, XI-XII, 07.) 

Collection Prince Youssoupoff ä St. 
Petersbourg. Tableaux de Hubert Robert. 
(Ä. Prachoff, Les Tresors d’Ärt en Russie, X, 07.) 

Collection M. P. Botkine ä St. Peters¬ 
burg. Pinturicdiio. (Ä. Prachoff, Les Tre¬ 
sors d’art en Russie, XI u. XII, 07.) 

Collection Prince Youssoupoff ä St. 
Petersbourg. Ecole Fran^aise: Hubert Ro¬ 
bert, Ä. Ch. Caraffe, H. Vernet, N. T. Charlet, 
Leopold Robert, P. D£laroche. (A. Prachoff, 
Les Tresors d’art en Russie, XI u. XII, 07.) 

Galerja Miejska we Lwowie. (Führer durch 
d. Städtische Galerie zu Lemberg.) Lemberg 
1907. 8°. 18 S. —.40 h. 

Das neue Deutsche Museum in Berlin u. 
seine Stellung z. d. Provinzial- u. Landes- 
Museen in Deutschland. (W. Bode. Nat. Ztg., 
24. 12.) 

Die Generaldirektion der Kgl. sächs. 
Sammlungen. (K. Kötsdiau. Museums¬ 
kunde, 1.) 

Mitteil, aus d. Laboratorium d. Kgl. Mu¬ 
seen z. Berlin. (F. Ratbgen. eod.) 

Künstler,Kunsthistoriker u.Museen. (Zur 
Stuttgarter Galeriefrage.) (K. Kötsdiau. eod.) 

Das Fürstenmuseum in Dresden. (E. v. 
Ubisdi. Museumskunde, 1.) 


Wie sollen wir unsere Kunstmuseen or¬ 
ganisieren? (A. Langel. Straßb. Post, 26., 
27., 28. Jan.) 

Elsässer Museumsfragen. (R.Forrer. Straßb. 
Post, 1. u. 10. Febr.) 

Der freie Museumseintritt (in Frankreich). 
(Zeit, 23, 2.) 

3. Sammelschriften . Kanststätten. 

Von alter schwäbischer Kunst. (Nachwort 
z. Vorträgen Weizsäckers. P. S. Stuttg. Neues 
Tagebl., 22. 2.) 

Monuments et Souvenirs des Borgia dans 
le royaume de Valence. (E. Bertaux. Gaz. 
d. beaux-arts, 608.) 

Dons de la famille van Broudchoven ä 
l’gglise de Rumpst. (F. Donnet. Ann. de 
l’Acad. R. d’Ärchäol. de Belgique, 3—4.) 

Sprawozdanie komisji do badaria historji 
sztuki w Polsce. (Berichte d. Kommission 
zur Erforschung der Geschichte d. Kunst in 
Polen.) Heft 1 u. 2 d. VIII. Bd. Krakau 1907. 
4°. 268 S. u. 3 Taf. u. 396 Äbb. Kr. 30.-. 
Inhalt: Zwei Goticismen, der Wilnaer u. Kra¬ 
kauer, in d. Architektur u. Goldschmiedekunst 
u. die Quellen ihrer Eigenart (M. Sokobowski), 
D. Philipinenkirdie in Gostyn (N. Pajzderski), 
D. Reliquiarium Jasienki im Czartoryski-Mu- 
zeum (W. Gorzynski), Ein Ausflug ins König¬ 
reich Polen (St. Tomkowicz), Bericht über die 
1894 zur Erforschung d. volkstüml. Kunst ge¬ 
machten Ausflüge (K. u. T. Moklowski). 

Florene and Northern Tuscany, Bu Ed¬ 
ward Hutton, author of „The Cities of Um- 
bria\ With 32 Illustrations of wich 16 are 
in colour by William Parkinson. Crow 8vo. 
(Florence et Toscane du Nord, par M. Ed¬ 
ward Husson. 8°, avec 32 illustrations (16 
colortees), toile. Fr. 7.50. (R) Methuen. 

Fr. Maczunski. Ze starego Krakowa. (Aus 
d. alten Krakau, Straßen, Tore, Höfe.) Kra¬ 
kau 1908. 4°. 16 S. u. 91 Taf. Kr. 15.— 

Fr. Jaworski. „Przewodnik po Lwowie* 
(Führer durch Lemberg mit Umgegend, Zol- 
kiew u. Podhorce). Lemberg 1908. 16°. 179 S. 
m. Plan. 


Zur Beachtung. 

Wir bitten alle Fachgenossen, die in ent- 
iegenen Zeitschriften und Zeitungen speziell 
im Auslande kanstgeschichtiiche Beiträge 
veröffentlichen, im Interesse einer möglichst 
vollständigen bibliographischen Berichterstat¬ 
tung Mitteilung darüber direkt an Herrn Dr. 
Paul Ferd. Schmidt , Zehlendorf (Berlin), 
Charlottenburgerstr . 20, gelangen zu lassen . 


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1 

DERKUNSIWWLER 



1 ORGAN FÜR DEN INTERNATIONALEN KUNSTMARKT 
UND DIE INTERESSEN DER SAMMLER. 

BI 


□ EIN ELFENBEINWERK □ 
DES ALESSANDRO ALGARDI. 

Von Christian Scherer. 

Durch die gründlichen Untersuchungen Hans 
Posses 1 ) ist unsere Kenntnis von Alessandro 
Algardis bildhauerischer Tätigkeit großen Stiles, 
sowie von dem Wesen seiner Kunst im allge¬ 
meinen und des Künstlers Verhältnis zu seinem 
ungleich bedeutenderen und temperamentvolleren 
Rivalen Bernini erheblich gefördert und be¬ 
reichert worden. Dagegen fehlt «s uns bis jetzt 
leider immer noch an einer ausreichenden Vor¬ 
stellung von Algardis Leistungen auf dem Gebiet 
der Kleinplastik und des Kunstgewerbes. Und 
doch scheinen, wie wir aus den Nachrichten 
seiner Biographen Bellori und Passeri schließen 
können, gerade die Arbeiten dieser Art, die er 
entworfen und modelliert oder auch selbst in 
Silber, Erz und Elfenbein ausgefübrt hat, einen 
breiten Raum in Algardis gesamtem Schaffen 
eingenommen zu haben. Denn sie waren es, 
die ihn nicht nur am Hofe von Mantua, wohin 
er 1622 als Zwanzigjähriger berufen war, sowie 
in der ersten Zeit seiner Übersiedelung nach 
Rom (1625) fast ausschließlich beschäftigten, 
sondern die auch später noch während seines 
ganzen Lebens stets sehr gesucht waren und daher 
immer wieder gelegentlich in seiner Werkstätte 
angefertigt wurden. 

Leider scheinen die meisten dieser Arbeiten, 
darunter vor allem auch die, welche in Mantua 
entstanden waren, schon frühe in alle Winde 
zerstreut worden oder im Laufe der Zeit ver¬ 
loren gegangen zu sein. Viele — und unter 
ihnen wohl besonders auch seine Elfenbein¬ 
schnitzereien — mögen auch mit ähnlichen Werken 
von anderer Hand vermischt worden sein und 
dadurch allmählich den Namen ihres wirklichen 
Urhebers in Vergessenheit gebracht haben. Das 
dürfte in erster Linie von jenen „putti“ und 
.crocifissi“ gelten, die uns Bellori neben „figurine, 
teste ed ornamenti“ als die hauptsächlichsten 
Arbeiten dieser Art nennt. Denn gerade diese 

*) Jahrbuch der preuß. Kunstsammlungen 1905 (Band 26) 
p. 169ff und Thieme-Becker, Künstlerlexikon I, p. 281 ff. 


beiden Gruppen kleinplastischer Kunst haben ja, 
bei der großen Fülle ihres Materials und einer 
gewissen äußerlichen Verwandtschaft fast aller 
dieser Werke unter sich, der Stilkritik von jeher 
besondere Schwierigkeit bereitet, sobald es sich 
um eine schärfere Unterscheidung der einzelnen 
Werke und ihre Zuweisung an bestimmte Meister 
oder Schulen handelte. 

Es beruht daher auf bloßer Vermutung, wenn 
man einige solche Werke, wie z.B. das schöne 
Elfenbeinkruzifix in der Reichen Kapelle zu 
München oder ein anderes, das der Katalog der 
retrospektiven Kunstgewerbe - Ausstellung zu 
Brüssel (1888) unter Nr. 1389 verzeichnet, unserem 
Künstler zuzuweisen versucht hat. Ebenso ver¬ 
hält es sich mit verschiedenen andern Elfenbein¬ 
werken, wie z. B. einem Relief des Parisurteils, 
das P. Mantz auf einer Ausstellung in Manchester 
sah 1 ), der Elfenbeinstatuette eines David mit 
dem Haupte Goliaths, die Havard in der Gazette 
des beaux arts 1883 p. 328 erwähnt, u. a. m. 
Bei allen diesen Arbeiten wird trotz der Über¬ 
lieferung und obgleich bei einigen eine gewisse 
stilistische Verwandtschaft mit der Kunst des 
Meisters nicht bestritten werden mag, doch die 
Urheberschaft Algardis immer mehr oder weniger 
in Frage bleiben müssen. 

Anders verhält es sich mit der hier zum ersten 
Male vollständig veröffentlichten Pietagruppe 2 ), 
die sich im Besitze des Herrn Dr. P. von Lieber¬ 
mann in Berlin befindet, der mir schon vor 
Jahren eine Anzahl trefflicher Photographien 
derselben zur Verfügung gestellt und dann vor 
einiger Zeit auch Gelegenheit geboten hat, das 
Werk selbst in seinem Heim besichtigen zu 
können. Die Gruppe zeigt vor einer von Fels¬ 
blöcken umrahmten Pforte den am Erdboden 
liegenden Leichnam Christi, neben dem rechts 
die trauernd an das Kreuz gelehnte Maria steht, 
während von links ein Engel mit dem Schwei߬ 
tuch hinzutritt; oben auf Wolken klagende Putten 
und Cherubimköpfchen. Sämtliche Figuren sind 
in meisterhafter Weise in Elfenbein geschnitzt 


*) Vergl. Chennevlferes, Notes d un compilateur, p. 52f. 
*) Der Engel mit dem Sdiweißtudi und die drei Putten 
links unten sind bereits ln dem obenerwfihnten Aufsatz 
von Posse abgebildet worden. 


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242 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 



Pietä von Elfenbein und Ebenholz 
Im Besitz des Herrn Dr. Paul von Liebermann in Berlin 


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Der Kunstsammler 


243 


und bilden, zusammen mit dem in Ebenholz 
geschnittenen Hintergrund, ein Ganzes von großer 
malerischer Wirkung, in dem nur das, ohne 
Zweifel spflter, an Stelle des wohl verloren ge- 
gangenen ursprünglichen, ergänzte häßlicheKreuz 
störend wirkt. 

Herkunft und Stil weisen in diesem Falle 
mit Bestimmtheit auf Algardi hin. Das Werk 
stammt aus dem direkten Besitz der Familie 
Rospigliosi, in der es stets, auf Grund einer 
festen, von Geschlecht zu Geschlecht fortgeerbten 
Oberlieferung, für eine Arbeit Alessandro Algardis 
gegolten hat. Mit dieser Überlieferung stimmt 
aber auch der Stil der Arbeit durchaus überein; 
doch brauche ich wohl im einzelnen nicht näher 
hierauf einzugeben, nachdem schon Posse in dem 
oben angeführten Aufsatz die hauptsächlichsten 
Gründe angeführt hat, die laut für Algardis 
Urheberschaft sprechen. Es ist nicht nur der 
ganze Geist, der diese Arbeit durchzieht, die 
Wärme des Ausdrucks und der Empfindung in 
den Bewegungen und Köpfen der Figuren, die 
geschickte malerische Gruppierung und vollendete 
Durchführung der letzteren selbst sowie ihres 
landschaftlichen Hintergrundes, sondern es sind 
auch gewisse Einzelheiten, wie z. B. die, bis- 
weilen etwas allzu weitgehende Behandlung 
nebensächlichen Details, ferner der zeichnerische 
Schwung der Linie in der Figur des das Sdiweiß- 
tuch haltenden Engels, sowie endlich die auf den 
Wolken schwebenden Putten, die, worauf Posse 
mit Recht hinweist, mit denjenigen auf dem be- 
rühmten Attilarelief des Künstlers im Stilcharakter 
so genau übereinstimmen, daß sie nur von 
Algardis Hand herrühren können. Welcher 
Künstler außer ihm hätte wohl auch damals, sei 
es in Rom oder in Italien überhaupt, ein Werk 
wie dieses schaffen können, das so viel Übung 
in der Führung des Schnitzmessers und eine 
solche Geschicklichkeit in der Bearbeitung dieses 
so heiklen Materials voraussetzt? Man könnte 
vielleicht an Fiammingo denken, mit dem ja 
Algardi in gewissem Sinne geistesverwandt und 
befreundet war, und in der Tat erinnert ja auch 
die Gestalt der Maria in mancher Hinsicht an 
ähnliche Werke dieses vlämischen Meisters 1 ); 
allein diese Ähnlichkeit ist doch nur eine äußer¬ 
liche, die sich wohl hinlänglich durch die gleich¬ 
mäßige Vorliebe beider Künstler für die Antike 
und das klassizistische Ideal ihrer Zeit erklärt. 
Keinesfalls aber wird sie Grund sein dürfen, das 
Werk etwa Algardi abzusprechen und dem 
Fiammingo zuzuweisen; vielmehr wird man aus 
den angegebenen Gründen an Algardis Urheber- 


') Vergl. des Verfassers Budi .Elfenbeinplastik seit 
der Renaissance" p. 33. 


Schaft festhalten müssen und somit vielleicht 
hoffen dürfen, mit Hilfe dieses Werkes auch noch 
andere ähnliche Arbeiten des Künstlers in Zukunft 
feststellen zu können. 

9 

ALTE INNENRAUME IN HOLLAND. 

Im Verlag von Karl W. Hiersemann in 
Leipzig erscheint gegenwärtig ein Lieferungs¬ 
werk in beschränkter Ausgabe, das geeignet 
ist, das architekturgeschichtliche und künstlerische 
Interesse in hohem Maße zu fesseln und das vor 
allem auch den Sammlern zur Orientierung in 
mancher Hinsicht willkommen sein muß. .Die 
alten Innenräume in Holland“, so heißt 
die Sammlung, herausgegeben von K. Slugter- 
mann, Professor an der Technischen Hoch¬ 
schule in Delft, bieten in einer bunten Reihe 
von etwa hundert Blatt den heutigen Zu¬ 
stand der kulturhistorisch wertvollen Milieux, 
von denen nur die wenigsten weiterhin be¬ 
kannt sind. Holland hat infolge seiner un¬ 
unterbrochenen bürgerlichen Tradition noch 
immer lebendige Beziehungen zur eigenen Ver¬ 
gangenheit, was sich schon in dem äußeren 
Bild der holländischen Städte dem künstlerischen 
Sinn offenbart, der an diesen sprechenden 
Zeichen der Überlieferung den Genius loci er¬ 
greifen möchte. Berückend ist der Eindruck der 
Vorhalle im Haarlemer Rathaus mit der tief¬ 
sitzenden altersgebräunten Balkendecke und den 
fast am Fußboden aufstehenden schwärzlichen 
Porträts an der geweißten Wand, die in dieser 
Form unheimlich monumental wirken. Der Vor¬ 
saal ist von dem geheimnisvollen Leben der 
Vergangenheit erfüllt, er bildet die stimmungs¬ 
vollste Vorbereitung, die den in den folgenden 
Rathaussälen gesammelten Werken des Haar¬ 
lemer Meisters Frans Hals gegeben werden 
konnte. Die sinnlich übersinnliche Atmosphäre der 
Vergangenheit ist in diesem Gehäuse konzen¬ 
trierter als etwa in dem für die Geschichte 
Hollands überaus bedeutsamen Rittersaal des 
Binnenhof in den Haag, wo jetzt die General¬ 
staaten tagen, oder etwa in dem Delfter Prinsen- 
hof, wo der Oranier auf der Treppe der mörde¬ 
rischen Kugel erlegen ist. Trotz der geschicht¬ 
lichen Reminiszenz ist in diesen beiden Räumen 
der mystische Quell nicht mächtig genug, weil 
die restaurierende Hand dort zu viel von dem 
Bestehenden weggenommen und an Stelle des 
geheimnisvoll umwitterten echten Zustandes der 
Überlieferung die Totenmaske der sogenannten 
Restaurierung gesetzt hat. Die jetzige Eisen¬ 
konstruktion des Haager Rittersaals gibt nicht 


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Zimmer aus dem Gebäude der „Ontvang~en Betaalkas", Amsterdam 

Verkleinerte Wiedergabe nach .Alte Innenrfiume in Holland“ 


Zimmer in der Bierbrauerei „’t Scheepje“, Haarlem 
Verkleinerte Wiedergabe nach .Alte Innenrfiume in Holland“ 


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Der Kunstsammler 


245 


eine Spur von der künstlerischen Machtfülle, 
die der Saal einstens mit seiner offenen Holz¬ 
konstruktion bot, und das Loch, das die Kugel 
in die Treppenwand des Prinsenhofes bohrte, 
kann nur naiven Gemütern gruselnde Bewun¬ 
derung abringen, wenn die geschnitzte Treppe 
nicht mehr echt ist und an dem ganzen Schau¬ 
platz nur mehr das historische Gemengsel hete¬ 
rogener Dinge wahr ist, die in den Vitrinen 
stehen. Die Blätter der genannten Sammlung 
haben den enormen Vorzug, daß sie keine Re¬ 
konstruktion' vergegenwärtigen, sondern den 
Zustand, den das Kulturleben in verschiedenen 
Jahrhunderten geschaffen, und der, wie es den 
Anschein hat, als Dokument fortbesteht. Die 
Reihe der erschlossenen Interieurs ist bunt und 
nicht nach Geschichtszahlen oder Stilepochen 
oder einer sonstigen sachlichen Bestimmung 
geordnet; trotzdem ist Einheit in der Mannig¬ 
faltigkeit, die durch die rassige und lokale 
Eigenart gegeben ist. Der bürgerliche Genius 
lod hat alle fremden Einflüsse verarbeitet, die 
patrizierhaft betonte heimische Physiognomie 
tritt beherrschend hervor, die den Interieurs von 
den Holzkonstruktionen der Gotik bis zu den 
eleganten Erscheinungen der Empirezeit die 
holländische Marke verleiht. Schon der histo¬ 
rischen Seltenheit wegen sei das entzückende 
Denkmal tektonischer Kunst hervorgehoben, 
die Decke im Rathaus zu Zierikzee, eine offene 
Holzdeckenkonstruktion im Spitzbogen, die im 
Kleinen wenigstens die Schönheit und die Wir¬ 
kung verkörpert, die in höherem Maße der 
Rittersaal in den Haag mit seiner weitaus 
mächtigeren Gewölbespannung einstmals geboten 
hat Der Schwerpunkt der überlieferten Räume 
liegt allerdings in der großen Blütezeit der 
holländischen Bürgerkultur, die sich in der Kunst 
der van der Heist, der Rembrandt und der 
Frans Hals spiegelt. Außer den Rathaussälen 
schuf jene Zeit der großen holländischen Bürger¬ 
kultur eine Gattung von Repräsentationsräumen, 
die ganz eigenartig sind und in der Überliefe¬ 
rung nirgends Vorkommen, als eben in Holland. 
Es sind die sogenannten Regentenzimmer der 
öffentlichen Stiftungen für Hospitäler, für Armen- 
fürsorge und für sonstige Institutionen der freien 
bürgerlichen Initiative, sowie die Gildenzimmer, 
in denen sich ein guter Teil des Standes- und 
Machtbewußtseins innerhalb der autonomen 
Städteverfassung äusprägte, der in den ent¬ 
scheidenden Zeiten das höfische Vorbild gefehlt 
hatte. Diese Regenten und Regentinnen, die 
Offiziere und Vorstände der Gilden waren die 
Konsumenten, die für die Kunst in Betracht 
kamen, und sie waren die Träger jener aristo¬ 
kratischen Kunst des Porträts, das in der 


holländischen Malerei des 15. und 16. Jahr¬ 
hunderts einen ungewöhnlich breiten Raum 
eingenommen hat, allerdings bestimmt von dem 
Geschmack und den mehr oder weniger ge¬ 
wöhnlichen Neigungen des bürgerlichen Be¬ 
stellers. In den Regenten- und Gildenzimmern 
prangten die GUden- und Schützenstücke an der 
weißen Wand über dem marmornen Kamin, bis 
zur Balkendecke ragend, wo sie nicht nur ihren 
koloristischen Eigenschaften gemäß, sondern 
auch hinsichtlich ihrer Proportion und der 
architektonischen Bestimmung eine künstlerische 
Funktion zu erfüllen hatten. Auf weiß und 
schwarz bis schwarzbraun waren die Räume 
gestimmt, in denen die Gemälde den farbigen 
Akzent bildeten, dessen Stärke das Tempe¬ 
rament des Künstlers bestimmte. Wie anders 
noch als in der Anhäufung in den Haarlemer 
Rathausräumen wirkte hier in dem Regentinnen¬ 
zimmer das Alterswerk des Frans Hals. Zwar 
ist an den AltfrauenbUdnissen seiner Spätzeit 
nicht mehr der helle seidenweiche Glanz da, 
wie in den Bildern seiner besten Zeit; nicht in 
kräftigen Pinselstrichen sind diese Porträts hin¬ 
gesetzt, sondern fast unsicher getupft in breiten 
Flocken, rührend anzusehen in der scheinbaren 
Hilflosigkeit und interessant wie ein neues Ex¬ 
periment, fast impressionistisch modern und im 
wesentlichen aus einem Dreifarbenakkord gebaut, 
einem Schwarz von Hintergrund und Gewändern, 
einem duftigen Weiß der spanischen Hals¬ 
krause, und einem zarten Altrot, das auf den 
Wangen der alten Weiber glüht, die durch die 
Noblesse der Künstlerhand liebenswert er¬ 
scheinen. Aber außer diesen Räumen, die im 
wesentlichen durchaus übereinstimmende Züge 
aufweisen, wollen wir die Wohnräume der 
vornehmen Patrizier des 16. 17. und 18. Jahr¬ 
hunderts kennen lernen, die verschlossener 
waren, als jene offiziellen Interieurs, die mehr 
dem öffentlichen Leben und seinen Institutionen 
dienten. In dieser Hinsicht bietet die Sammlung 
die interessantesten Aufschlüsse, indem sie die 
holländische Abart der von Frankreich vornehmlich 
bestimmten verfeinerten Lebensweise und Woh¬ 
nungskunst erschließt, die mit schwerem Schnitz¬ 
werk, Bildteppichen und kostbaren Tapeten aus¬ 
gestatteten Wohnzimmer auf den Schlössern und 
in den reichen Stadthäusern, die mit der alten 
strengen Tradition das Gesetz der rhythmischen 
Proportion gemeinsam haben, die für alle Größen¬ 
verhältnisse des Raumes und der Flächen, ein¬ 
schließlich der Bilder und Wandbespannungen, 
des Kaminaufbaues usw. verbindlich ist. Diese 
strenge Rhythmik der Innenarchitektur ist der 
hervorragendste Wesenszug, der die ganze 
Reihe der Interieurs aller Epochen in Holland 


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246 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


einheitlich bestimmt bis zu jener Verhältnis*- 
mäßig sehr jungen Vergangenheit des Empire, 
das jene Strenge selbst wieder aus eigener 
Logik betont. So haben auch jene klassizisti¬ 
schen Erscheinungen der Wohnungskultur, die 
wie alle großen Stilmerkmale international 
waren, ihre eigene nationale Note bekommen, 
die sie mit der älteren Überlieferung in Einklang 
setzt, und dem fremden Besucher sofort als ein 
Besonderes auf fällt, sei es nun, daß wir die 
Empireformen auf unseren Spaziergängen in 
den holländischen Straßen, in den Tflroberlichten 
oder in den farbig behandelten Friesfeldern der 
Backsteinhäuser mit angenehmer Verwunderung 
wahrnehmen oder einen jener köstlichen Tor¬ 
blicke erhaschen ins Innere der lang nach dem 
rückwärtigen Garten gezogenen Hausflure, die 
mit weißem Marmor getäfelt sind und in uner¬ 
schöpflicher Vielgestaltigkeit stilisierte Buketten 
in vertieft eingelassenen Reliefvasen als Supra¬ 
porten zu den Türen links und rechts tragen, 
oder einen weiß und gold abgestimmten Raum 
betreten, darin die Lünettenbilder die wohldis¬ 
ziplinierten farbigen Leitpunkte bilden und für 
die Harmonie der Verhältnisse ebenso unver¬ 
brüchlich sind, wie die Bilder der altholländischen 
Meister in den Räumen der früheren von an¬ 
deren Kunstidealen beherrschten Jahrhunderte 
bis zurück in die Zeit, die als Legende im Haar- 
lemer und im Zierikzeer Rathaussaal nachklingt. 
In Holland ist auch das Tote lebendig, und die 
Vergangenheit steht uns dort näher als sonst 
wo. Indes — neben diesen rein ästhetischen 
Vorzügen die allgemein zur künstlerischen Be¬ 
trachtung stimmen, liegt der Wert dieser Pub¬ 
likation für den Sammler in dem geschlossenen 
Eindruck, den das, was heute in der Hauptsache 
Museumsinhalt geworden ist, im lebendigen 
Rahmen seiner Zeit gemacht hat und gerade 
diesen Interieurs, seien es Küchen, Salons, E߬ 
zimmer oder Koridore, mit ihren prächtigen 
alten Möbeln, ihren Delfter Fayencen, kunstvoll 
gedrehten Leuchtern und köstlichen Schnitzereien 
ist jener anheimelnde Duft eigen, der uns so 
eindringlich ebenfalls in der modernen Kunst¬ 
kammer umfängt. Aber auch das Detail wirkt 
lehrreich wie es die hier in stark verkleinertem 
Maßstab als Probe beigegebenen Illustrationen 
verdeutlichen sollen. Joseph Äug. Lux. 

9 

DER KUNSTMARKT 
BERLIN =■■■'■ -:=-■■ ■■ = 

Auf dem Berliner Kanstmarkt gab es auch 
in diesem Monat wenig von Wichtigkeit; das 
Beste war die Versteigerung der Miniaturen 


aus dem Nachlaß der Gräfin Gotilde Lottum 
bei Lepke am 18. Febr. u. ff.: das Resultat war 
ein ganz erstaunlich sprunghaftes und ungleiches, 
was sich vielleicht mit den für deutsche Sammler 
etwas ungewohnten Objekten erklären läßt. 
Die Preise für ein Bildnis der Prinzessin Char¬ 
lotte von Preußen, das der berühmte schlesische 
Miniaturist Schmeidler, wohl 1813, gemalt hatte, 
(4100 M.) und für das Bildnis des Aug. Bon. 
Jos. Robespierre (1275 M.) standen in gar 
keinem Verhältnis zu den Angeboten der übrigen; 
es ist auch nicht recht klar, ob dort der Name 
Schmeidler oder die dargestellte Prinzessin, ob 
hier das Schild „Robespierre 11 oder der Maler 
Chatillon mehr zog. Jedenfalls gab es unter 
den übrigen Miniaturen Werke, welche an 
Schönheit der Malerei und an Berühmtheit der 
dargestellten Person den beiden erwähnten 
nichts weniger als nachstanden. Und doch er¬ 
zielte z. B. das feine Bildchen der Duchesse de 
Polignac (Kat. Nr. 38) nur 100 M., eine gute 
Genreszene nach Boucher, pikanter Art (K. N. 26), 
gar nur 50 M., eine vorzügliche Venus am 
Wasser (K. N. 98) 72 M. usf. Eine Aufzählung 
auch nur der bedeutenderen Stücke gestattet 
der beschränkte Raum nicht; zwischen den bei¬ 
den Extremen, die eben zur Sprache kamen, 
bewegte sich der Preis der besseren Werkchen 
meist zwischen 100 bis 500 M., das Gros sank 
aber beträchtlich unter 100, sogar bis zu 10 M. 
herab, namentlich am zweiten Versteigerungs¬ 
tage, der Stücke geringeren Ranges zum Vor¬ 
schein brachte. Am dritten Tage wurden kunst¬ 
gewerbliche Arbeiten aus derselben Sammlung 
versteigert, meist Silberarbeiten und Berliner 
Porzellanfiguren; die erzielten Preise waren zu¬ 
meist sehr erschwinglich. Höher bewertet wurde 
eigentlich nur eine fein gearbeitete goldene 
Dose der Rokokozeit mit frei gearbeiteten Blumen 
auf dem Schildpattdeckel: 350 M. Die über¬ 
wiegende Mehrzahl der Preise bewegte sich 
von 20—60 M. 

Bei der Gemäldeauktion, die am 3. März 
stattfand, wurde die stattliche Summe von ins¬ 
gesamt 61398 M. erzielt; erstaunlich, wenn 
man damit die Qualität der Ware verglich, die 
überwiegend aus jenen Bildern bestand, welche 
die Grenze der Mittelmäßigkeit zu überschreiten 
sich scheuen. Allerdings befanden sich auch 
vorzügliche Sachen darunter, welche die besten 
Preise erhielten: eine Landschaft von Calame 
(3470 M.), ein guter Oswald Achenbach (2500 M.), 
zwei kleine Landschaften von J. F. Millet (1330 
und 1700 M.); auch die Preise für Landschaften 
von Eduard Hildebrandt (700 und 985 M.) und 
von Stanislaus v. Kalckreuth (970 und 500 M.) 
schienen die steigende Wertschätzung zu be- 


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Der Kunstsammler 


247 


künden, welche diese älteren Meister seit der 
Jahrhundertausstellung erfahren. Dagegen wur¬ 
den die einzigen modernen Künstler von Rang, 
die vertreten waren, auffallend gering taxiert: 
ein Leistikow 320 M., eine vorzügliche Land¬ 
schaft des Münchners Franz Hoch (dessen Qua¬ 
lität hier unbekannt scheint) gar nur 255 M.l 
Dafür wurden Genrebildchen von der beliebten 
Art, süßliche Mädchenköpfe und peinlich aus¬ 
geführte Interieurs durchweg mit stattlichen 
Preisen bedacht: N. Sichel errang Preise von 
410 bis 700 M.; Köpfe von Gabriel Max kamen 
auf 1330 und 1530 M.; ein Genrebild von Herrn. 
Kaulbach 1310 M.; ein gut durchgeführtes Rühr¬ 
stücklein von A. Rotta („Der kranke Freund**) 
1470 M.; ein Interieur von M. Gaisser 1520 M. ; 
ein Kardinal (sehr beliebt!) von Pablo Salinas 
1300 M.; Genre von Ä. Schröder 810 M., von 
Rieh. Linderum 930 M., von Quadrone 1350 M., 
ein Interieur mit Geistlichen von ). Gallegas gar 
3300 M., den zweithöchsten Preis. Weniger 
hoch wurden Landschaften bezahlt; doch kam 
es auch hier bis zu 1060 M. (Gewitterlandschaft 
von A. Lucas). S. 

8 

KÖLN ■-■= = 

Am 30. und 31. März gelangen bei J. M. 
Heberle (H. Lempertz Söhne) eine Reihe her¬ 
vorragender Gemälde neuzeitiger Meister zum 
Verkauf, die unter anderem aus dem Nachlasse 
des zu Düsseldorf verstorbenen Kunstmalers 
Prof. Alb. Baur stammen. Dem entsprechend 
liegt der Schwerpunkt der Sammlung in den 
Arbeiten der Düsseldorfer Schule mit Werken 
von Andreas und Oswald Achenbach, E. Anders, 
Baur, Gebhardt, Gehrts,Jutz, Kröner, H. Lassen, 
Lessing, Carl Sohn, Schreuer u. a. 

Bei der gleichen Firma findet sodann am 
6. April und folgenden Tagen die Versteigerung 
einer Japan- und China-Sammlung aus dem Be¬ 
sitze des Herrn Dr. Bretschneider, Wien, und 
anderer statt. Der illustrierte Katalog weist in 
erster Linie Arbeiten der Kleinkunst auf, so 
eine Sammlung von ca. 60 Inros, viele Netzkes, 
Schwertzieraten, Arbeiten in Stein, Elfenbein, 
Porzellan und Lack, unter letzteren ein künst¬ 
lerisch hervorragendes Schreibpültchen. Ein be¬ 
sonderes Interesse verdienen noch die Farben¬ 
drucke, bei denen namentlich die guten Meister 
wie Utamaro und Sharabu reich vertreten sind. 

Am 27. April bringt die gleiche Firma noch 
die bekannte China-Sammlung des Generalleut¬ 
nant Cholodowski, Odessa, zum Verkauf. Die 
bedeutende Sammlung enthält eine Reihe erst¬ 
klassiger Stücke. Der reich ausgestattete Ka¬ 


talog notiert eine vielseitige Sammlung von 
Porzellanen, darunter Formstücke mit einfarbiger 
Bemalung, Arbeiten mit reliefiertem Dekor und 
mit figürlicher, landschaftlicher oder Blumen¬ 
bemalung. Ferner verdient eine besondere Auf¬ 
merksamkeit der Sammler die Abteilung der 
Arbeiten in Stein, die Bronzen, Emailarbeiten, 
Ladearbeiten usw. 

8 

LEIPZIG ■■■■.. = 

Eine reichhaltige Auktionswoche steht bei 
dem Auktions-Institut von C. G. Boerner in 
Leipzig vom 5. bis 9. Mai bevor. Von den 
ausgegebenen reich illustrierten Katalogen ver¬ 
zeichnet der erste, der mit 21 Lichtdrucktafeln 
geschmückt ist,die berühmte Handzeidinungs- 
Sammlung des vor einem halben Jahr ver¬ 
storbenen Kunstsammlers Eduard Cichorius, 
dessen Sammeltätigkeit bis ln die 50er Jahre 
des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Als intimer 
Freund Ludwig Richters hat er wohl die kost¬ 
barste Sammlung von Handzeichnungen und 
Aquarellen Ludwig Richters zusammengebracht, 
die in Privatbesitz existieren dürfte. In nicht 
weniger als 250 Nummern bietet diese Sammlung 
in chronologischer Ordnung beschrieben, ein 
reiches biographisches und ikonographisches Ma¬ 
terial. Eine orientierende Vorrede macht den 
Katalog zu einem wertvollen Werk der Lud¬ 
wig Richter-Literatur. Eine ganze Reihe be¬ 
kannter Hauptwerke des Meisters „Kinder- 
Symphonie**, „Kunst bringt Gunst“, „Weihnachten 
vom Turm geblasen“, sind in Lichtdrucken bei¬ 
gegeben. 

Die 2. Abteilung der Sammlung verzeichnet 
prachtvolle Blätter eines Chodowiecki,Genelli, 
Joseph Anton Koch, Friedrich Preller, 
Schnorr von Carolsfeld, Sdiwindt und 
vieler anderen großen Meister aus der ersten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch in dieser 
Sammlung finden sich Kabinetts-Stücke wie sie 
heute wohl nur noch in öffentlichen Sammlungen 
Vorkommen. 

Die 3. Abteilung des Kataloges bringt die 
Niederländer Zeichnungen der Sammlung 
und auch hier begegnen wir einer gewählten 
Zusammenstellung bester Namen. Daß dies 
nicht bloß Namen, sondern auch ausgesucht 
schöne und wertvolle Blätter sind, zeigen be¬ 
reits die Abbildungen des Kataloges, in denen 
einige 30 holländische Zeichnungen in Autotypie 
oder Lichtdruck beigegeben sind: C u y p, 
Doomer, Ostade, Rembrandt, Ruysdael, 
um einige Hauptnamen zu nennen, zum Teil 
berühmte und bekannte Blätter. 


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248 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Im Anschluß an diese Auktion wird eine 
Kupferstichauktion alter Meister aus schle¬ 
sischem Privatbesitz versteigert, aus der be- 
sonders ein Dutzend Stiche Albrecht Dürers 
hervorzuheben sind, die in ihrer Qualität 
einzigartig zu sein scheinen und von denen der 
Katalog gleichfalls Abbildungen enthält: „Me¬ 
lancholie“ und „Hieronymus“ in frühesten Ab¬ 
drücken mit breiten Rändern, das reizende 
„Weihnachten“ von Dürer, in einem unüber¬ 
trefflich schönen Abdruck, besonders aber die 
Kupferstichfolge „Passion“ in einem einzigartigen 
ursprünglichen Exemplar, in dem sie als Gebet¬ 
buch mit Papier durchschossen und mit hand¬ 
breiten Papierrändern der Stiche gebunden war. 
Dies Gebetbuch stammt aus dem Besitze des 
Kurfürsten Friedrich des Weisen. Auch unter 
den Holzschnitten Dürers finden sich eine An¬ 
zahl Raritäten und mancher ungewöhnliche Druck. 

Zum Schluß versteigert die Firma die große 
wertvolle Autographen-Sammlung eines 
bekannten Wiener Musikhistorikers, deren Haupt¬ 
schätze vollständige Musik-Manuskripte der 
Klassiker bilden; es sind kostbare Stücke von 
Beethoven, Haydn, Schubert und Schu¬ 
mann und vielen anderen zu nennen. Von 
Brahms findet sich eine ganze kleine Samm¬ 
lung von Manuskripten und Briefen, desgleichen 
von Mendelssohn. Einige dieser kostbaren 
Stücke stammen aus dem Joseph Joachim- 
schen Nachlaß. Unter den Klassikern der 
Literatur zeichnen sich Goethe und Schiller 
durch besonders kostbare Stücke aus. Auch 
dieser Katalog ist mit schönen Faksimiles seiner 
Hauptnummern ausgestattet. 

Die reich illustrierten Kataloge werden zum 
Preise von M. 3.—, M. 1.— und M. 2.— von 
der Firma C. G. Boerner in Leipzig versandt. 

8 

MÜNCHEN ===== = 

Die einzige größere Veranstaltung, die der 
Münchener Kunstmarkt während der Saison 
morte zu bieten hatte, war am 18. Februar in 
der Galerie Helbing die Versteigerung zahl¬ 
reicher. Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, 
Schwarzkunstblätter und Farbstiche des XV. bis 
XVIII. Jahrhunderts sowie einiger wenig be¬ 
deutender Handzeichnungen, unter welchen die¬ 
jenige eines unbekannten deutschen Meisters 
aus dem 16. Jahrhundert am meisten begehrt 
ward. Es ist eine Tusch- und Federzeichnung 
auf schwarzem Grund mit Rot und Gold ge¬ 
höht, die eine vasenförmige, reich ornamentierte 
Henkelkanne darstellt. Unter den zahlreichen 
Blättern von Dürer erreichten die Melancholie 


mit 1300 Mk. und Adam und Eva mit 1100 Mk., 
ein guter Abdruck von Ritter, Tod und Teufel 
mit 350 Mk. verhältnismäßig hohe Preise. Gut 
vertreten waren ferner Richard Earlour (Still¬ 
leben, Blumenstücke, 160—245), Hodges, Thou- 
venin und Vidal, ferner Paul Rembrandt, dessen 
Petrus und Johannes an der Tempelpforte 
240 Mk. erzielte. Am darauffolgenden Tage 
kamen Originalradierungen, Lithographien und 
Zeichnungen moderner Meister zum Ausruf. 
Hier war eine der seltenen Radierungen von 
Corot „les environs de Rome“ zu sehen, die 
für den geringen Preis von 91 Mk. als guter 
Kauf abging. Greiner und Klinger (Dorfland¬ 
schaft, 480 Mk.), Liebermann und Leibi, Millet 
und Tissot, Seymour Haden und besonders 
Whistler blieben in bezug auf die Preise in der 
gewohnten Höhe. Eine vorzügliche Zeichnung 
von Leibi, Bauernmädchen in der Stube, wurde 
für 370 Mk., ein Geizhals von Knaus für 
260 Mk. verkauft. 

Am 10. März wurden Antiquitäten und Ein¬ 
richtungsgegenstände, dann einige Ölgemälde 
und Stiche, unter denen sich Dresdener Pro¬ 
spekte von Canaletto befinden, aus dem Besitz 
der Baronin Gasser versteigert. Die wichtigste 
Auktion, die wir hier zunächst zu erwarten 
haben, findet am 9. April statt, wo ebenfalls 
bei Helbing ausschließlich Zeichnungen von Spitz¬ 
weg unter den Hammer kommen werden. 

Vom nächsten Hefte an sollen an dieser 
Stelle auch die Neuerwerbungen der größeren 
Kunsthändler, der Firmen Böhler, Bernheimer, 
Drey usw. usw., zur Mitteilung gelangen. 


AMSTERDAM " ■ - 

Auch in Holland war in diesem Winter wie 
überall die amerikanische Krise nicht ohne hem¬ 
menden Einfluß auf die Regsamkeit des Kunst¬ 
marktes. Nach dem gänzlich toten Januar setzte 
erst gegen Ende des Februar langsam die neue 
Saison wieder ein. Bei J. Sch ul man wurde 
am 24./25. die Münzen- und Medaillensammlung 
Jhr. H. M. Speelman versteigert, von der be¬ 
sonders die Münzen aus Niederländisch-Indien 
interessierten. 

Unter der Direktion der Firma Roos & Co. 
fand am 25./26. desselben Monats eine Auktion 
von rund 300 modernen Gemälden statt (Nachlaß 
R. G. Graadt van Roggen, Nymwegen und 
Fräulein G. H. Mattbyssen, Amsterdam). Die 
höchsten Preise wurden bezahlt für Nr. 109. 
Jacob Maris, Dämmerung (3400 fl.), Nr. 30, 
Joh. Bosboom, Lux in Tenebris (Ansicht des 
Chores der hl. Jacobuskirche. in Antwerpen) 


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Der Kunstsammler 


249 


(3300 fl.), Nr. 133, Willem Roelofs (2100 fl.), 
Nr. 87, Klinkenberg (1400 fl.), Nr. 149, v. d. 
Sande Bakhuijsen (1350 fl.) und Nr. 34, du 
Chattel (1120 fl.). 

Von den Märzversteigerungen war die bei 
Roos & Co. gleich zu Anfang des Monats, am 

з. , abgehaltene in erster Linie bemerkenswert 
wegen der 61*Aquarelle von J. H. WeiBen- 
bruch aus dem Nachlasse des Künstlers. Es 
waren Landschaftsstudien mit einfachen hollän- 
dischen Motiven, aber erfüllt von dunstiger At¬ 
mosphäre, die gerade Weißenbruch besonders 
zart wiederzugeben verstand. Die interessante 
Serie erzielte 6011 fl. Der andere Teil dieser 
Auktion umfaßte die reichhaltige Aquarellen- 
Sammlung G. de Kruyff vanDorssen, in der 
— oft mit mehreren Stücken — vertreten waren: 
Apol, Blommers, de Bock, Bosboom, du Chattel, 
Eerelman, van Essen, Jozef Israels, Jongkind, 
Willem Maris, H. W. Mesdag, A. Neuhuys, 
Roelofs, Weißenbruch u. v. a. Von diesen Blättern 
wurde eine Landschaft von Weißenbruch, 
Nr. 184, mit 2025 fl. am teuersten bezahlt. Ein 
wunderschönes Kircheninterieur von Joh. Bos¬ 
boom (Nr. 75) stieg auf 1150fl., Israels brachte 
630 (Nr. 111), 500 (Nr. 110) und 470 fl. (Nr. 109). 
Die übrigen Preise waren niedriger. 

Die großen und interessantesten Auktionen 
finden aber erst später statt. Am 13. bis 
15. April versteigert R. W. P. de Vries alte 
Handzeichnungen der holländischen und anderer 
Schulen, neben Stichen und Radierungen. Nicht 
lange Zeit darauf, am 28. April, kommt bei 
Fred. Müller & Co. eine große Sammlung 
altholländischer Gemälde unter den Hammer, 
darunter Werke von Äverkamp, van Beye- 
ern, Dusart, van Goyen, de Keyser, J. M. 
Molenaer, Sal. v. Ruysdael, de Vlieger 

и. a. Unter Leitung derselben Firma werden 
am 12. Mai moderne holländische Gemälde nebst 
einer schönen Sammlung von Aquarellen ver¬ 
steigert. Und für den 1. bis 3. Juni wird, auch von 
Fred. Müller & Co., die Auktion einer reichhal¬ 
tigen Sammlung alter Handzeichnungen aus ver¬ 
schiedenem Besitze (H. C. Dubois, Haag, C. G. 
V. Schöffer, Amsterdam, Jacobi, Haag, u. a.) 
angekündigt. Darunter sollen sich einige 10 
Zeichnungen von Rembrandt, ferner Blätter 
von Dürer, Aldegrever, Lucas van Lei¬ 
den, Jan Swart van Groningen, Cornelis 
van Oostsanen, van Goyen, Ostade, 
Backhuysen, Hoogstraten usw. befinden. 

Nach Erscheinen der Kataloge wird auf Einzel¬ 
heiten wohl noch zurückzukommen sein. F. 


s 


PARIS, FEBRUAR 1908 — - - - = 

Nach der fast vollkommenen Stille des 
Monats Januar beginnt sich der Markt all¬ 
mählich wieder zu beleben. Wenn auch keine 
Verkäufe von allererster Bedeutung stattge¬ 
funden haben, so sind doch in der am 14. Fe¬ 
bruar unter den Hammer gekommenen Gemälde- 
Sammlung Albert und in einer am 17. und 
18. Februar versteigerten Sammlung von Vi¬ 
trinengegenständen eine Reihe bemerkenswerter 
Stücke auf den Markt gekommen. Folgende 
während des Monats erzielte Preise verdienen 
notiert zu werden: Alte Drucke, am 30. Januar: 
Helm an, der galante Gärtner, (vor der Wid¬ 
mung) 820 fs. — Boilly, die Grimassen, 100 
Tafeln 980 fs. — Claude Lorrain, über veri- 
tatis ed. Earlom 1100 fs. — Helman, le roman 
dangereux (av. 1. 1.) 900 fs. — am 4. Februar 
Sammlung J . . .: Carle van Loo, David u. 
Bathseba (104:86) 10100 fs. — am 6. Februar: 
Albert Cuyp, Porträt Philipps IV. v. Spanien 
(?) (158:103). 3650 fs. - Angeblich Elias 
Portrait eines Edelmanns (122:90) 3100 fs. — 
Angeblich Lawrence, Porträt des Twyritt 
Drake (76:63) 4000 fr. — Morland, I’heure 
de l'avoine (105:133)4200 fr. — (?) Jan Steen: 
der Schulmeister (73:61) 1955 fs. — Deutsche 
Schule (XVI. Jhdt.) Porträt eines Gelehrten 
(80:55) 660 fs. — Französische Schule 
(XVlIIe) Hofdame (92:72) 5100 fs. — Zeich¬ 
nungen am 7. Februar: Boucher, Frau und 
Kind, zwei Z. (30:22) 1530 fs. — Alte Bilder 
am 8. Februar: Spanische Schule, acht Pan- 
neaux, primitive auf Holz, Heiligenlegenden: 
7440 fs. — Angeblich Rottenhammer, Dianens 
Ruhe (64:49) 400 fr. — 14. Februar Sammlung 
Albert. Moderne Bilder: Chaplin, die junge 
Künstlerin, (23:16) 1020 fs. — Diaz, ländliches 
Frühstück (24:32) 1400 fs. — Veyrassat, die 
Tränke (27:35) 2680 fs. - Alte Bilder: J. H. 
Fragonard, die Liebe, oval (54:45) 12000 fs. 

— Louis Moreau, Landschaft (20:38) 3000 fs. 

— Hubert Robert, der Ziehbrunnen (35:46) 
5000 fs. - Hubert Robert, die Quelle (32:40) 
11100 fs. — derselbe, die Terrasse (24:38) 
3650 fs. — Schall, junge Frau in Interieur 
(33:24) 6600 fs. — Schütz, Rheinlandschaft 
(20 : 25) 500 fs. — David Teniers, Kirmeß 
(26 : 37) 2910 fs. — 2 Farbendrucke nach Fra¬ 
gonard von Janinet (Liebe und Torheit) 
1310 fs. Gesamtergebnis: 93770 fs. — 18. Fe¬ 
bruar: Moderne Bilder: Boudin, Marine, 
Sonnenuntergang (48 : 35) 880 fs. — Corot, 
Neapel (36:18) 1000 fs. — Am 3., 4. und 5. Fe¬ 
bruar: Versteigerung der Büchersammlung 
Werl£ durch Me Lair Dubreuil, Gesamtergebnis 

16 


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250 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


176070 fs. — Äm 10. Februar altes Porzellan: 
Berlin, Teeservice für 2 Personen, farbig be¬ 
malt 370 fs. — Frankenthal, Zuckerdose 
camaieu, Blumen und griechisches Ornament, 
400 fs. — Nymphenburg, 5Teller mit durch¬ 
brochenem Rande, farbig bemalt, 320 fs. — 
M e i B e n, für verschiedene Gruppen von Kompott¬ 
schalen wurden erzielt: 250 fs. (für 3); 238 fs. 
(4);3Ö5fs. (4) ;350fs. (7); 225fs. (2); 300 fs. (12); 465fs. 
(4); 57 Teller durchbrochen, mit verschiedener 
Bemalung, 5250 fs. 4 verzierte Körbchen 1210 fs. 
— 2 Kindergruppen, die Jahreszeiten darstellend, 
6050 fs. Sammlung X . . Bibelots am 17. und 
18. Februar: Meißen, Porzellandose, Gold¬ 
montierung, 540 fs. — Taschenuhr, reichverziert, 
englische Arbeit XVlIle, 1105 fs. — bauchiges 
Fläschchen, englisch, goldmontiertes Glas, XVIIIe, 
englisch, 3420 fs. — Necessaire, ähnliche Arbeit 
und Herkunft 3400 fs. — Gesamtergebnis 
90000 fs. — Münzen. Sammlung Hauöt. 
24. bis 26. Februar (Boudin) Gesamtertrag 
27698 fs. Goldmünze Theodebert 1. 534—548, 
Metz 640 fs. — Moderne Bilder. 26. Februar 
(Lair Dubreuil) Gesamtertrag 22 798 fs. 16. Gros, 
Franz I. u. Karl V. in St. Denis (56:36) 800 fs. 
17. Ingres, Haremsinneres (36 : 28), 6100 fs. 
23. R£n£M£nard, Abenddämmerung (172:138), 
1500 fs. 41. V o 11 o n, Fischerboote (40:62), 1355 fs. 
Aquarelle: G£ricault, MedusenfloB 255fs. — 
Sammlung Lemaire. 24./25. Februar (Lair 
Dubreuil & Heliot.) China-Kunstgewerbe. Ge¬ 
samtertrag 38 867 fs. R. Ä. M. 

6 

LONDON ■ = - = — 

Einige kleine Anzeichen scheinen darauf 
hinzudeuten, daß auf dem Kunstmarkt 
wieder etwas bessere Zeiten einziehen. Nicht 
nur sind im vergangenen Monat in den ver¬ 
schiedenen Ausstellungen eine überraschend 
große Zahl Bilder verkauft worden, sondern 
auch die Auktionsresultate beweisen, daß wieder 
mehr flüssiges Geld zum Erwerb von Kunst¬ 
schätzen zur Verfügung steht. Freilich allzuviel 
Bedeutendes wurde nicht angeboten. Von 
weiterem Interesse waren eigentlich nur die 
Christie-Verkäufe am 8. und 12. Februar, die 
Bilder des Herzogs von Sutherland und einige 
Dürerblätter sowie altenglische Mezzotintos um¬ 
faßten. Der Sutherlandverkauf war gesellschaft¬ 
lich ein Ereignis ersten Ranges: eine Fülle vor¬ 
nehmer Beschauer drängte sich zu ihrer Be¬ 
sichtigung, gab es doch eine ganze Reihe von 
Porträts, so von Thomas Lawrence etc., die der 
Porträtierten wegen in diesen Kreisen Interesse 
finden mußten. Künstlerisch aber brachte der 


Verkauf nicht allzuviel. Bestanden doch die 
Bilder aus solchen, die der Herzog los werden 
wollte, um in seiner Galerie mehr Raum zu ge¬ 
winnen. Eine Überraschung bot nur ein großes 
Reiterbild van Dycks, das so verdorben war, 
daß des Meisters eigne Hand sich kaum heraus 
lesen ließ. Mr. Partridge kaufte es schließlich 
nach eifrigem Bieten für 2100 Gs. Das Bild, 
das aus der Genueserzeit des Meisters zu 
stammen scheint, war in der Grosvenor Gallery 
im Jahre 1886—87 zu sehen gewesen. Lawren¬ 
ces Porträt der Herzogin von Norfolk, von dem 
man seiner historischen Bedeutung wegen über 
zweitausend Gs. erwartet hatte, wurde von Mr. 
Cohen für nur 820 Gs. erstanden. Von Be¬ 
deutung war dann noch ein Guercino, „der 
heilige Gregorius“, dessen Ankauf für die Na¬ 
tional Gallery man gern gesehen hätte. Dies 
Bild ging für 350 Gs. in den Besitz eines Privat¬ 
sammlers über. Die ganze Sammlung von über 
hundert Bildern brachte nur £ 7645, unter 
den obwaltenden Umständen eine recht anstän¬ 
dige Summe. Von den 17 am 12. Februar aus¬ 
gebotenen Dürerblättern brachte eine „Melan¬ 
cholie“ 78 Gs. (in 1901 ein gleiches Blatt £ 62 
und £ 72). Messrs. Colnaghi, die Käufer der 
„Melancholie“, erstanden ebenfalls eine „Geburt“ 
(B. 2) für 27 Gs. Äm selben Tage wurden 
einige hohe Preise für englische Mezzotintos 
erreicht; so 155 Gs. für „Jane, Countess of 
Harrington and Children“ und „Lady Smyth and 
Children“ von Bartolozzi nach Reynolds und 
130 Gs. für zwei Hoppner-Stücke. Auch einige 
Radierungen des modernen Meisters D.Y. Cameron 
erreichten hohe Preise bis zu 40 Gs. Von dem 
Fallen der Preise einstiger Lieblinge gab der 
Verkauf der Bilder des verstorbenen Charles 
Haiford ein gutes Beispiel. Er hatte 1866 für 
eine Rosa Bonheur „Bauern und Schafe“ 600 Gs. 
bezahlt. Jetzt wurde das Bild um 340 Gs. ver¬ 
kauft. Für Aquarelle seines geliebten Aka¬ 
demikers Dobson hatte Mr. Haiford früher Preise 
über 100 Gs. bezahlt. Er war ein Mann, der 
gern erprobte, wie der Wind auf dem Kunst¬ 
markte ging. So sandte er zum Beispiel ein 
Bild jenes Dobson 1876 auf die Auktion. Es 
brachte 130 Gs.; dieselbe Summe 1881; 1890 nur 
noch £ 65, und heuer nur 9 l ; 2 Gs.! Wahrlich, 
ein Menetekel für Käufer akademischer Bilder. 
Ein kleiner Israels brachte es auf der gleichen 
Auktion zu £ 325.10. Die für die nächsten 
Wochen bisher angekündigten Verkäufe sind von 
keiner besonderen Bedeutng. Man wird wohl 
wieder den Mai für solche abwarten müssen. 

F. 

8 


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Der Kunstsammler 


251 



* 


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flUKTIONSKÄLENDER 


Auktionen “£.<5*22 

vom 5. bis 9. Mai. 

I. Handzeichnungs-Sammlung Eduard Cidiorius 

Berühmte Ludwig Richter-Sammlung 

Sammlung von deutschen Meistern des XIX. Jahrhunderts 

Sammlung Niederländer Meister des XVII. Jahrhunderts. 

Preis des reich illustrierten Katalogs M. 3.—, illustrierter Katalog ohne Tafeln M. 1.— 

II. Gewählte Kupferstich-Sammlung aus schlesischem 

u. a. Privatbesitz. 

Alte Meister, dabei kostbare Kupferstiche und Holzschnitte Alb recht Dürer' s. 

Illustrierter Katalog M. 1.— 

III. Wiener Autographen-Sammlung 

• Kostbare Manuskripte von Beethoven, Brahms, Haydn, Mendelssohn, 
Schubert, Schumann, Wagner etc. :: :: :: Deutsche Klassiker. 
Musikmanuskripte aus Josef Joachims Nachlaß. 

Illustrierter Katalog M. 2.— durch 

C. G. Boerner in Leipzig, Nürnbergerstrasse 44. 


April | München. Hugo Helbing. ölge- 

7. | mälde mod. Meister (Lier, Spitz¬ 

weg, Leibi u. a.). 

7. ! München. *Hugo Helbing. Olgem. 

u. Aquarelle hervorrag. mod. Meist. 

I Slg. F. Kalister +, Triest. 

KieL Rob. Cordes. Nachlaß Stidcel. 
Gemälde, Stiche, Kunstgegenstände. 

Amsterdam. J. Sch ul man in »De 
läge- Brakke Grond“. Antiquitäten, Ku¬ 
riositäten, alte und moderne Ge¬ 
mälde aus versch. Nachlaßschaften. 

3 München. Hugo Helbing. Hand¬ 

zeichn. und Aquarelle erster Meister 
u. a. von Feuerbach, Cornelius 
Defregger, Lenbach, Schwind. 

9. , München. Hugo Helbing. Hand¬ 

zeichnungen von K. Spitzweg. 

13.—15. Amsterdam. C. F. Roos&Co. Anti¬ 
quitäten, Chin., Japan., u. a. Por¬ 
zellan, Fayence, Möbel, Perlen, 
Diamanten, Gold, Silber, alte Ge¬ 
mälde und Handzeichnungen. 

13. —15. I Amsterdam. R. W. P. de Vries. 

Alte Handzehn. d. holl.u.and.Schul.; 
, alte Stiche u. Radier, topograph. u. 

j histor. Handzeichn, u. Stiche aus d. 

' Slg. d. verstorb. Herrn H. L. Rompel 

in Haarlem u. des Herrn Ä. J. Nyland 
in Utrecht. 

14. u. 15. Frankfurta.M. *R.Bangel. Gemäld., 

, Antiquitäten, Kunstgegenstände. 


März Amsterdam. R. W. P. de Vries. 
16.—20. Münzen- und Medaillen-Kabinett 

d. Herrn H. Kuipers v. Leeuwarden. 
23.-28. Amsterdam. R. W. P. de Vries. 

Bibliothek der Herren Dr. jur. M. 
H. ’s Jacob, Dr. jur. C. G. von 
Reeken, Rechtsanwalt W. K. van 
der Breggen und der höheren Real¬ 
schule „Noorthey“ in Voorschoten. 
25. u. 26. Aachen. Anton Creutzer. Ge¬ 
mälde, Aquarelle, Zeichnungen alter 
und moderner Meister sowie Nach¬ 
laß von Wilh. Sohn-Düsseldorf. 

30. Frankfurt a. M. A d. H e ß Nachf. Poln. 

Münzen, Slg. Kubicki. 

30. u. 31. Köln. J. M. Heberle (H. Lempertz 
Söhne). Gemälde alter und neu- 
zeitiger Meister. Nachlaß Prof. 
Bauer-Düsseldorf. 

April Haag. vanStockumsAnt. Kupfer- 
1. u. 2. stidie, Portr., Städteans., Handzehn. 
6. Wien. *Friedr. Schwarz. Gern.mod. 
Meister. Nachlaß J. M. Kohn, Wien. 
6.-10. Köln. J. M. Heberle (H. Lempertz 
Söhne). Japan- u. Chinasammlung. 
Kuriositäten aus dem Besitz Dr. E. 
Bretschneider-Wien. 

6.—10. Amsterdam. Fred. Müller & Co. 

j Alte Handzeh. u. Kupferstiche, Portr., 
I geneal. Dokum., Büch. üb. Geschichte 
I Topograph, u. niederl. Städte, Dörfer, 

1 Schlösser usw. 


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ÄUKTIONSKÄLENDER 


April | Köln. J. M. Heberle (H. Lempertz 

27. Söhne). Japan-und Chinasammlung 

I Chlodowski, Odessa. 

28. I Amsterdam. Fred. Müller & Co. 

I Alte holländische Gemälde. 

28. München. Hugo Helbing. Ölge- 
i mälde alter Meister. 

28. u. 30. Frankfurt a. M. * R. B a n g e 1. China- 
u. Jap.-Ältert. Kunsts. Slg.Wilgaard. 

28. bis | Amsterdam. Fred. Müller & Co. 

1. Mai Antiquitäten und Kunstgegenstände. 

I Eine bekannte Sammlung alter Delf- 

l ter Fayencen. 

April 1 Berlin. Rud. Lepke. Slg. F. F. Jost, 

| Leipzig, Meißner, Fürstenberger u. 

I Alt-Thüringer Porzellan. 

Mai München. HugoHelbing. Kupfer- 

5. I Stiche, Radierungen, Lithographien 

| usw. alter u. moderner Meister. 

5.-6. | Leipzig. C. G. Boerner. Handzeich¬ 
nungssammlung Ed. Cidiorius. (Lud¬ 
wig Richter-Sammlung. Deutsche 
Künstler d. 19. Jahrh. Niederl. Meist, 
des 17. Jahrh.). 

7. Leipzig. C. G. Boerner. Kupferstiche 
alt. Meist., a. schles. u. a. Besitz. Da¬ 
bei Kupferstiche und Holzschnitte, 
Albrecht Dürers.) 

8.-9. Leipzig. Autographensmlg. a. Wiener 
Besitz. Musikmanuskripte v. Beet- ' 
hoven, Bach, Brahms, Haydn, Scar- 


Mai | lotti, Schubert, Schumann, Wagner 

| usw. Briefe d. dtsch. Klassiker bes. 

| Goethe und Schiller. 

11.—14. i Amsterdam. R. W. P. de Vries. 
1 Kunstbibi, des verstorb. Herrn P. van 

| Eeghen in Amsterdam. Manuskripte, 

! alte Einbände illustr. Werke usw. 

12. ! Amsterdam. Fred. Müller & Co. 

I Moderne holländische Gemälde, 

j Außerdem eine Sammlung von 

; Aquarellen moderner Meister. 

18.—23. Stuttgart. H. G. Gutekunst. Her¬ 
vorragende Kupferstichsammlung, 
Porträtstiche usw. 

Mai i München. HugoHelbing. Samm¬ 
lung Professor J. Naue +, München. 

| Griechische, etruskische und andere 

antike Gefäße, Goldschmuck aus der 
Mykenaezeit, griechische Plastik in 
Terrakotta, Bronze und Marmor. 
Prähistorische Waffen u. Utensilien. 
Handzeichnungen, Aquarelle u. Stu¬ 
dien von M. v. Schwind, darunter 
wichtige Kartons. 

Mai München. Hugo Helbinq. Samm¬ 
lung Leinhaas-München. Skulpturen 
in Holz und Stein, Gemälde und 
Kunstgegenstände. 

Mitte | Kassel Max Cramer. Sammlung 
A. Vogell. Griechische Altertümer 
(Gläser, Terrakotten, Vasen), Gold¬ 
sachen. 


SC3C3C3C3C3 □□□□□□□ 


Große tot- lind Gernie-Mpien zu CI. 

Genie älterer eil neuzeitiger Meister Düsseldorf,u.a. — Versteigerung:Montag, 

den 30. und Dienstag, den 31. März 1908 :: Besichtigung: Samstag, den 28. und Sonntag, 

den 29. März. 

11 . 

Japan- m Ghia-Sannlug, sowie Keistgeieestäoie eil iittqiitätee<^, 2 X 

Herrn Dr.Ernst Bretschneider in Wien, u. a. — Versteigerung: Montag, den6. April 
und folgende Tage :: Besichtigung: Samstag, den 4. und Sonntag, den 5. April. :: :: 

III. 

Die lervorrapie eil bekannte CUoi-Sinnlioi S'icSiSMÄlaSS 

des gesamten Artilleriekorps des Odessaer Militärbezirks, Odessa :: Versteigerung: 
Montag, den 27. April und folgende Tage :: Besichtigung: Freitag, den 24. bis Sonntag, 

den 26. April. 

Illustrierte Kataloge zu I u. II 2 M.» zu III 5 M., Luxusausgabe zu III10 M. 

Unillustrierte gratis. Jegliche Auskunft erteilt gern die Unterzeichnete Firma. 

Cöln a. Rh. I. M. Heberle (H. Lempertz’ Söhne) 


Cöln a. Rh. 

Friesenplatz 15. Tel. 1071. 


Gegründet 1807. 


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254 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


AUKTIONSKALENDER 


Mai 

Frankfurt a. M. Ad. HgB Nachf. 

Juni 

Amsterdam. Fred. Müller & Co. 


Kunstmedaillcn d. Sammlg.Erbstein. 

16. u. 17. 

Sammlung Ihr. Alfred Boreel. 

Mai 

München. Hugo Helbing. Ölge¬ 
mälde alt. Meist, a. verschied. Besitz. 

Juni 

München. Hugo Helbing. Samm¬ 
lung Juwelier Franz Greb f. Her- 

Frühjahr 

Amsterdam. Fred. Müller & Co. 
Antiquitäten, chines., japan. u. sächs. 
Porzellan, Fayence, Möbel, Diaman¬ 
ten, Perlen, Gold, Silber, Spitzen,; 
Skulpturen, mod. Gemälde, Aqua¬ 
relle, Handzeichn., Kupferstiche, Por- 


vorrag. Arbeiten derSilberschmiede- 
kunst, wertvolle Keramiken, Skulp¬ 
turen in Holz und Stein, darunter 
Werke von T. Riemenschneider, 
Arbeiten in Eisen u. and. Metallen, 
Geweihsammlung, Gewehre usw. 

Juni 

träts, alte holl. Gemälde. 

Juni 

München. HugoHelbing. Original¬ 

1.^3. 

Amsterdam. Fred. Müller & Co. 
Handzeichnungen alter Meister aus 


arbeiten der künstlerischen Mitarbei¬ 
ter an der Münchener Jugend. 

2.-5. 

den Sammlungen H.C.Dubois, Haag, 
C. G. V. Schöffer, Amsterdam, Jacobi, 
Haag, ein. bek. Paris. Sammlg. u. a. 

Juni 

München. Hugo Helbing. Ölge¬ 
mälde mod. Meister aus verschied. 
Besitz. 

Amsterdam. Fred. Müller & Co. 
Franzos, u. engl. Stiche aus d. Slg. 
Ihr. Alfr. Boreel u. a. Ferner versch. 
Smlg. v. Kupferstidi. niederl. Meist., 
darunt. e. ans. Slg.: Rene della Faille. 

Juni 

München. Hugo Helbing. Kupfer¬ 
stiche, Radierungen, Holzschnite, 
Lithographien des 15.—18. Jahrh., 
Original - Radierungen, - Lithogra¬ 
phien, -Holzschnitte mod. Meister. 


Diesem Hefte liegt ein Prospekt der Firma K. W. H/ERSEMANN in Leipzig 
bei, auf den unsere Leser besonders aufmerksam gemacht seien. 


- . = Soeben erschien: ===== 

Offizieller Bericht 

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VIII. Internationalen Kunst¬ 
historischen Kongresses 

in Darmstadt, 23. bis 26. Sept. 1907. 
Gr. 8°. 117 Seiten. Geheftet M. 3.—. 

Verla; von E. A. Seemann in Leipzig. 


a j s b 

Soeben erschien: 

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Kunst Musik Theater 

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Liebermann, fTlorelli, Swan, Alma, Gadema, Gissof, Uhde efc. 

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Illustrierte Kataloge mit 20 Liditdruchen m. 4.—. HIbum von 100 ßupferdrucfcen m. 4.—. 


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Begründet als „Monatshefte der KunstwlssensdtaftHdien Literatur* von Ernst Jaffa und Curt Sa<fcs. 




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INHALT 


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aÄ ^-SfrSpf^ r > "t 1 'j-^rrl 

Abhandlungen: 

>'- 

L’art allemand dans ies Musees frangafs. Par L. Reau. 
Charakterköpfe’des Secento. : .-. • '"’••• • ' 

J ^i -j ’ -. • s . . 

I. Massimo Slanzioni. Von Hermann VoB. 

Di una Madonna del Bacchiacca attribuita a RaffaelFp.:^ 

Di Giovanni'Poggi. /' . 

Neuerwerbungen holländisdier Gemäldegalerien. Von Kurt Freisc. 
Sancta Sanctorum. Von Ernst Steinmann. 


• . . * - 




*■’T ^ . .. •• ••* T ’-> 

Studien und Forschungen: - 


Über den Block von Michelangelos David. Von Adolf Gottschewski. 
Der Stil Peter Martins von Mailand. Von Wilhelm^Rolfs. 

Beiträge zum Oeuvre bekannter Maler. II. Von Wilhelm Suida. 

Ein kunstgeschichtlidier Fund % zur Vorgestfilchte von Kleists „Prinz 
Friedrich von Homburg“. Von Wilhelm Waetzold. 

Ostasiatische Kunst. 


Rundschau: 


•*. i'rs 

rU® r. r ^ 


Beridite aus Berlin, Mündien, Wien, Rom, Venedig, 
Paris. London, Holland. / Entdeckung von 68 un¬ 
bekannten Briefen Michelangelos. / Aus der Werk¬ 
statt eines römischen Photographen. / Kleine 
Nachriditen. 


5 

- 




(Fortsetzung nächst« Sette) 






VERJAQKLIMCHARPTuimBlEl^VANN'LElPZig 


BEjEEISJaEi 


irg. 


Heft 4 


April 19C 






















































Literatur: 

Exhibition of Early German Art. (Franz Dülberg.) 

EDUARD VON PAULUS und EUGEN GRADMANN. Die Kunst und Alter- 
# tumsdenkmale im Königreich Württemberg. (Philipp Maria Halm.) 

G. PAULI. Jahrbuch der Bremischen Sammlungen.->V 
ALEXANDER HEILMEYER. Die Plastik seit Beginn des 19. Jahrhunderts. 
(Edmund Hildebrandt.) 

GEORG GRAF VITZTUM. Die Pariser Miniaturmalerei. (Hermann Schmitz) 
PAUL VITRY et GASTON BRlfeRE. L^glise abbatiale de Saint-Denls et 
ses tombeaux. (Artur Weese.) 

ARMÄNDDÄYOT. L’oeu vre de J. S. B. Chardin et de J. H. Fragonard. (R. Ä. M e y e r.) 
KARL JUSTI. MIscellaneen aus drei Jahrhunderten spanischen Kunstlebens. 
(Albrecht Haupt.) 

AUG. L. MAYER. Jusepe Ribera. (V. v. Loga.) 

FRIEDRICH PERZYNSKL Japanischer Farbenholzschnitt. (William Cohn.) 
OKAKURO KAKUZO. Probleme der Malerei. (William Cohn.) 

RICHARD HAMANN. Der Impressionismus in Leben und Kunst. (W. Worringer.) 

Bibliographie. 

Der Kunstsammler: 

Die Sammlung Cheramy. I, Von R. Ad. Meyer. 

Ein deutsches Frittenporzellan des 18. Jahrhunderts. Von E. Zimmermann. 
Italienischer Kunstsdimuggel. Von * 

Das orientalische Museum des Prinzen Heinrich von Bourbon. 

Der Kunstraarkt. Originalberichte aus Berlin» Frankfurt a. M., München, Stuttgart» 
Wien, Amsterdam, Paris, London. 

Vermischtes — Neue Kataloge. 


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MONATSHEFTE 

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Herausgeber: DR- GEORG BIERMÄNN 
Redaktion: LEIPZIG, Liebigstr. 2 



I. Jahrg. 


Heft 4 


1908 


L’art allemand dans les Musees fran^ais 

Par L. R6au (Paris) 

S'il n'y a pas en Allemagne un seul Musee qui reflgte exactement Involution 
generale de la peinture fran^aise depuis ses origines jusqu'ä nos jours, il faut 
reconnaitre du moins que certaines gpoques de l’art fran^ais sont admirablement 
reprgsentges dans les collections d’Outre-Rhin. La peinture fran^aise du XVIII e siede 
par exemple rayonne ä Berlin d'un eclat incomparable gräce ä une profusion de chefs 
d'oeuvre exquis qui peuvent rivaliser avec ceux du Louvre. II n'existe en somme hors 
de France que trois grandes collections oii I’on puisse etudier comme ils le meritent 
les «Peintres de Fetes Galantes»: le Musee de Stockholm, le Musee Richard 
Wallace ä Londres et enfin — last not least — les collections imperiales de Berlin. 1 ) 
Le Palais de l'Empereur ä Berlin recele en effet, dans des appartements dont l'acces 
est malheureusement interdit, les deux oeuvres capitales de Watteau: l’Embarquement 
pour Cythere et l’Enseigne de Gersaint; et les trois palais de Potsdam: le Vieux 
Palais, le pavillon de Sans-Souci et le Nouveau Palais dont les terrasses sont decorges 
de sculptures des Adam et de Pigalle, ont conserve un ensemble admirable de toiles 
de Chardin, de Pater et de Lancret qui s'accordent ä merveille avec la decoration 
architecturale et les boiseries de style rococo. Ces tableaux seraient cruellement 
depayses au Musee de l’Empereur Frederic: ils sont tout ä fait ä leur place dans les 
palais du roi Freddric le Grand qui a ete non seulement l’atni de Voltaire et des 
Encydopedistes, mais un des amateurs les plus delicats et les plus fervents de l'art 
fran^ais du XVIII e siede. 

Gräce ä M. Hugo von Tsdiudi, la National Galerie de Berlin peut opposer 
aux colledions de Frederic II un ensemble äquivalent de peinture fran^aise moderne. 
Cette colledion qui ne doit rien aux subventions ofhcielles ne comprend bien entendu 
qu'un nombre restreint de tableaux; mais si les oeuvres exposees sont en petit nombre, 
eiles ont £t£ choisies avec un goüt exquis et caraderisent ä merveille non seulement 
tes tendances ggnerales de la peinture fran^aise, mais encore l'evolution de chaque 

') Cf. P. Seidel: Französische Kunstwerke des 18. Jahrhunderts im Besitze Seiner Majestät 
des Deutschen Kaisers — Die Kunstsammlung Friedrichs des Grossen. 

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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


peintre en particulier. Manet et Monet par exetnple sont representes par deux ou 
trois tableaux qui, outre leur qualite artistique, ont l’avantage de marquer le point de 
depart et les stades successifs de l’evolution de ces deux maitres. Comme la Galerie 
Nationale est par definition consacree avant tout ä l’art allemand, M. von Tschudi 
n’a pas commis la faute de constituer ä cöte du musee allemand un musee independant 
d’art franpais. Ce qui l’interesse, ce n’est pas l’art fran^ais en general, c’est l’art 
fran^ais dans ses rapports avec l’art allemand. C'est pourquoi il a provisoire- 
ment ecarte de sa Collection, Delacroix et l’Ecole de Fontainebleau pour mieux 
mettre en lumiere les peintres fran^ais comme Courbet, Manet et les Impressionnistes 
qui depuis 1850 environ ont exerce une influence decisive sur l’art allemand moderne. 
Les salles de peinture francaise de la National Galerie ne sont donc pas un hors d'ceuvre 
inutile, mais un complement necessaire de l’histoire de l’art allemand qui est alle dierdier 
ä Paris ses inspirateurs et ses modeles. 

Ainsi ou peut dire que, gräce ä Frederic II et ä M. von Tsdiudi, qui apparait 
ici comme son veritable successeur deux des plus grandes et des plus seduisantes 
epoques de l’art frangais: l'epoque des Peintres de Fetes Galantes et l’Ecole 
impressionniste sont representees ä Berlin sous tous leurs aspects. Mais Watteau 
et Manet, ces deux maitres privilegies, ne sont pas les seuls dont le nom figure 
sur les catalogues de Musees allemands. 11 ne faut pas oublier que, gräce ä 
la Societg du Musee de l'Empereur Frederic, le Musee de Berlin a acquis recemment 
le Portrait d’Etienne Chevalier, ceuvre capitale de Maitre Jean Fouquet qui 
illustre brillamment l’art des Primitifs fran^ais du XV e siede. En outre il n’est 
presque pas un seul Musee allemand de quelque importance qui ne possede 
des oeuvres caracteristiques de nos peintres du XVIl e siede: des paysages de Poussin 
et de Claude Lorrain, des tableaux d’histoire de Lebrun. Au Musee de Berlin, 
le portrait de la famille Jabach par Lebrun, dont la place serait tout indiquee 
au Musee du Louvre qui a herite des colledions du banquier colonais, le charmant 
portrait de Marie Mancini par Mignard representent tres heureusement les peintres 
du Roi-Soleil. Enfin la plupart des grands Musees allemands commencent ä suivre 
l'exemple de la National-Galerie et ouvrent largement leurs portes ä l’art fran^ais 
moderne: je citerai seulement l'Institut Staedel du Francfort et le Musee de Dresde 
qui ont acquis recemment des oeuvres importantes de Courbet, de Puvis de Chavannes 
et de Monet. 

Il s’en faut de beaucoup que l’art allemand soit aussi bien represente dans les 
Musees fran^ais. Le Louvre possede il est vrai un certain nombre d’oeuvres tres 
remarquables de l’Ecole allemande. 1 ) Mais c’est une Collection formee au hasard, sans 
esprit de suite et sans methode; eile provient presque entierement du Cabinet du roi 
Louis XIV et depuis lors eile est restee stationnaire. Il semble qu’on ait neglige 
systematiquement toutes les occasions qui s’offraient d’enrichir cette Serie si incomplete. 
En somme il est impossible de se faire a Paris une idee meme approximative de l’art 


*) Cf. Lafenestre et Riditenberger: Le Musee National du Louvre. 1902. 


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Reau. L’art allemand dans les Mus6es fran^ais 


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allemand. Un seul des grands peintres allemands de la Renaissance est represente au 
Louvre par des Oeuvres de premier ordre: c’est Holbein. Mais par contre Albert Dürer 
est represente avec une insufüsance vraiment derisoire par deux petites etudes gouadiees 
et aquarellees: une tete d’angelot aux dieveux blonds et une etude de vieillard ä barbe 
blanche coifte d’un bonnet ä oreillettes, qui a ete peinte en 1520 pendant le voyage 
de Dürer dans les Pays-Bas. De Cranach, le Louvre ne peut montrer que des portraits 
d’hommes assez mediocres et une petite Venus nue, affublee d’un diapeau de velours 
rouge comme un Cardinal de la Sainte Eglise Romaine, qui se tient debout dans un 
paysage boise. A la vente de la Collection Molinier, il y a deux ans, le Conseil des 
Musees Nationaux aurait pu acquerir une oeuvre beaucoup plus importante du maitre 
saxon: le grand triptyque de la Familie de la Vierge, signe Lucas Chronus et 
date de l’annee 1509, qu’on croit avec quelque raison etre le retable disparu de 
l'eglise S ,e Marie de Torgau. Assurement l’etat de Conservation de ce triptyque n’est 
pas parfait et l'italianisme des figures assez conventionnelles, groupees avec une froide 
symetrie, a quelque chose d’un peu deplaisant Neanmoins c’est une oeuvre capitale 
du Maitre au Dragon , d'une authenticite indiscutable, qui serait venue ttes utilement 
compteter la serie allemande du Louvre. On n’a nteme pas essaye de garder en France 
cette oeuvre que le hasard y avait apporte: Les conservateurs du Louvre, qui adtetent 
souvent ä des prix exorbitants des oeuvres moins interessantes, ont dedaigne ce tripty¬ 
que qui est alle grossir les collections du Musee Staedel de Francfort L’Allemagne 
a donc reconquis pour toujours ce tableau transfuge. 

Est il besoin de dire qu'on chercherait vainement au Louvre une oeuvre de 
Matthias Grunewald qui est pourtant le plus etonnant visionnaire et le plus grand 
coloriste de la Renaissance allemande? En realite ancune des ecoles si nombreuses 
qui se sont constituees en Allemagne au XV« et au XVI e siedes n’est representee ä 
Paris d’une fa^on satisfaisante. On trouvera au Louvre de belles oeuvres isolees, mais 
non des ensembles, quelques fragments, mais non des series. 

Apres la Renaissance, l’art allemand traverse une periode de crise qui se 
prolonge jusqu'au milieu du XIX e stecle. Les oeuvres de cette epoque de d£cadence 
sont si mediocres et si depourvues d’originalite que la p£nurie du Louvre ä cet egard 
devient presque un bienfait Deux paysages temes du Francfortois italianise Adam 
Elsheimer, des etudes de faces ridees et tannees par Denner, le peintre des pores 
de la peau, le plus myope des petits maitres, un portrait sentimental et douceütre 
de la baronne de Krüdner par Angelica Kaufmann suffisent parfaitement ä notre 
edifi cation. 

Felicitons nous de ne posseder ancune des «grandes machines» de Cornelius, 
de Kaulbadi on de Piloty, qui prendraient inutilement beaucoup de place. Les oeuvres 
plus personnelles et moins encombrantes des petits maitres si justement rähabilites 
par la Centennale de Berlin ne presentent guere en somme qu’un inter^t local et leur 
place n’est pas davantage au Louvre. Ph. O. Runge, Friedrich et Kobell Interessent 
ä bon droit les Allemands soucieux de se trouver des ancetres et de renouer leur 
tradition: mais leur apport dans l’art europgen est presque nuL 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


II n’en est pas de mPme des maitres allemands de la seconde moitie du 
XIX* siPcle qui, si impregnPs qu’ils soient des le^ons de leurs maitres fran^ais, font 
preuve cependant d'une reelle et puissante originalite. Une etude de plein air de 
Liebermann: le Jardin de brasserie, un petit tableau evangPlique de F. von Uhde: 
le Christ diez les paysans ne suffisent pas, tant s’en faut, ä representer les 
tendances de l’art allemand contemporain. Alors que la National-Galerie de Berlin 
präsente une incomparable Collection d’art fran^ais moderne, tres superieure, il faut 
bien l’avouer, ä la Salle Caillebotte, il est permis de s'etonner que le Luxembourg ne 
possede ni une decoration de Böcklin, ni un tableau de Leibi, ni une etude de Menzel, 

ni une statue de Klinger. Puisque les Allemands trouvent utile de rapprocher les 

oeuvres de leurs peintres des oeuvres fran^aises qui les ont quelquefois inspirees, il 
serait non moins interessant pour nous autres Fran^ais de pouvoir studier au Luxem¬ 
bourg le rayonnement de notre art sur un art voisin. D'ailleurs la haute valeur 
artistique des oeuvres d’un Leibi ou d’un Klinger suffirait amplement ä justifier leur 
presence dans nos MusPes, independamment de toute consideration historique. 

Sans insister davantage sur ces lacunes düment constatees et sans nous attarder 
en regrets superflus, nous allons examiner maintenant les oeuvres remarquables de 
l’art allemand qui se trouvent dispersees et un peu perdues dans les MusPes de Paris 
ou de province. Comme ces oeuvres sont PparpillPes aux quatre vents, il serait ä 
souhaiter qu’on fit un jour l’inventaire de tons les tableaux ou dessins de l’Ecole 
allemande qui ont passe en France. On pourrait y joindre un releve des pieces 

d’orfPvrerie et d’emaillerie de provenance rhenane et aussi des innombrables bois 

sculptös qui, dPguises parfois sous le masque d’attributions de pure fantaisie, ont 
pPnetrP dans mainte collection. En attendant qu’on fasse cet inventaire indispensable, 
il est peut Ptre utile de signaler ä la curiosite du public et ä l’investigation des 
chercheurs un certain nombre de pieces capitales, auxquelles on ne rend pas suffisamment 
justice parce qu’elles sont mal dassPs ou mal prPsentöes. 

En dehors de la galerie des portraits d’Holbein: le profil d'Erasme si affine, 
si spirituel, la töte sans malice de l'honnete astronome bavarois Nicolas Kratzer, 
la figure niaise et guindee de la princesse de Cleves, le masque rechigne et boudeur 
du vieil ardievPque de Canterbury; Guillaume Warham, qui sont trop universellement 
connus pour que j’y insiste, je ne sache pas qu’il y ait au Louvre un seul tableau de 
l’Ecole allemande comparable ä la Opposition de croix du Maitre de S* Bar- 
thPlemy. 1 ) Le catalogue du Louvre, qui est presque toujours en retard sur la 
critique, attribuait naguPre cette oeuvre capitale ä Quentin Metsys. Il y a en effet 
certaines analogies superficielles entre l’admirable Descente de croix du MusPe 
d'Anvers et le tableau colonais du Louvre. Mais ces analogies de sentiment et de 
facture tiennent ä ce que les deux oeuvres sont ä peu prPs contemporaines et ä ce que 


‘) Cf. Waagen: Kunstwerke u. Künstler in Paris. 1837. AVerlo-Firmenich-Ridiartz: 
Kölnische Künstler in alter und neuer Zeit. (Neue Ausg. Düsseldorf 1895.) L. Sdieibler et 
Aldenhoven: Geschichte der Kölner Malerschule. Lübeck 1902. 


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Reau. L’art allemand dans les MusPes fran^ais 


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MAITRE DE S. BARTH£l£MY. Descente de croix 
MusPe du Louvre. Paris □ 


l'influence des peintres flatnands devient toute puissante a Cologne ä partir de la fin 
du XV e siPcle. En rPalitP un observateur un peu attentif ne peut hesiter un seul instant 
ä restituer le tableau du Louvre non seulement ä l'Ecole de Cologne, comme le suggere 
timidement le cartoudie actuellement place au bas du cadre, mais encore ä un maitre 
bien defini de cette Ecole qu’on a appele longtemps le Maitre de S' Thomas (Meister 
des Thomasaltars), d'apres son tableau du MusPe Wallraf-Richartz de Cologne et qu’on 
appellegenPralementaujourd’hui Maitre de S f BarthPlemy (Meister desBartholomaeus- 
altars) en se rPferant ä son tableau de la Pinacotheque de Munidi. En r4alit4, etant 
donne que l’usage s’est etabli de d^signer les maitres anonymes d’apres leur dief- 
d'ceuvre, il serait naturel et legitime, si Ton ne reculait pas devant la necessite de dianger 
encore une fois une designation adoptee par les historiens de l’art, de baptiser ce 
peintre colonais Maitre de la Opposition de croix (Meister der Kreuzabnahme); car 
le tableau du Louvre est incontestablement et de l'aveu de tous son dief-d’ceuvre. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Ce tableau formait le panneau central d'un triptyque dont les volets ont malheu¬ 
reusement disparu. II präsente une forme cruciale, suivant un usage tres repandu au 
XV* stecle pour les sujets empruntes ä l’histoire de la Passion. On sait que la fameuse 
Deposition de croix de Rogier van der Weyden, qui etait ä en juger par ses nom- 
breuses repliques l’une des Oeuvres les plus populaires de l’Ecole flamande, presente la 
meme disposition. II est certain que le maitre colonais a connu le tableau de Rogier; 
car nous savons que les oeuvres de J. van Eyck et de Rogier ont ete importees de 
bonne heure ä Cologne et les deux compositions presentent entre eiles des analogies 
frappantes. Cependant le maitre colonais de la Deposition de croix n'est pas un 
imitateur servile. La fa^on dont il groupe ses personnages autour du corps inerte du 
Cruciüe a quelque diose de moins monumental et de moins sculptural que dans l’oeuvre 
de son devancier. En revandie les groupes sont plus pittoresques, les attitudes plus 
familiäres, non sans un soup^on de mievrerie, comme dans la plupart des oeuvres de 
la fin du XV e siede. La grande inferiorite du Maitre de S* Barthelemy vis-ä-vis de 
Rogier, c'est qu'il ne possede ä aucun degre le sens de la vie Interieure; il rapetisse 
les sujets tragiques et pathetiques par un manque dioquant de gravite et de simplicite. 
La Madeleine gantee qui soutient d’une main la jambe du Sauveur n’est qu’une bour¬ 
geoise contrite qui songe moins ä son deuU qu’ä sa toilette. Mais toutes ces defaillances 
sont compensees par l’habilete de la mise en scene et la magnificence du coloris. Les 
tons diauds des chairs et des etoffes, les degradations subtiles de couleurs, la tonalite 
generale ambree qui harmonise l’eclat des tons locaux, sont une veritable joie pour 
l’oeil. Les ombres glacees sur fond d'or donnent ä cette oeuvre peinte l’asped somptueux 
d’un coffret de laque ou d’un email. 

Par suite de quelles drconstances ce tableau qui est avec laVeronique attribuee 
ä Maitre Wilhelm et le Dombild de Stefan Lochner, le dief-d’ceuvre le plus predeux 
de l’Ecole colonaise, est-il venu s’egarer au Musee du Louvre? Si dränge que cela 
paraisse, il est probable qu’il a ete peint diredement pour une Confrerie d'Antonites de 
Paris. En examinant de pres la bordure peinte du tableau qui simule un riche enca- 
drement en bois sculpte, on apergoit le T et la dodiette qui symbolisent la confrerie 
de S* Antoine. Les m€mes emblemes se retrouvent, comme on sait, dans l'admirable 
retable du Musee de Colmar, qui avait ete commande ä M. Grünewald par le prieur 
du Couvent des Antonites d'Isenheim. Quoiqu’il en soit, notre tableau se trouvait au 
XVII e siede dans une maison professe des Jesuites de la rue S* Antoine; il fut trans- 
porte en 1763 dans l’Eglise du Val de Gräce et incorpore aux collections du Louvre 
sous Napoleon I er . 

Pourquoi faut-il que ce dief-d’oeuvre de l’Ecole colonaise soit deshonore par un 
cadre hideux? Le tableau pr&entait ä l’origine, comme nous l’avons dit, la forme 
symbolique d’une croix. Le Souvenir de cet usage se perdit et on eprouva plus tard 
le besoin de ramener cette forme singuliere et un peu deconcertante ä un carr£ regulier, 
en inserant aux angles sup4rieurs du tableau deux petits rectangles en bois dore, 
d^cores pour comble de mauvais goüt de palmes entrelacees et de couronnes d'^pines. 
Le style de cet encadrement nous permet de deviner que cet embellissement est l’ceuvre 


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Reau. L’art allemand dans les Mus6es fran^ais 


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MÄITRE DE LA MORT DE MARIE. Pietä 
Musde du Louvre, Paris □ 


des Jesuites qui ont possede le tableau au XVII e siede. Ne serait-il pas possible de 
supprimer ces enjolivements ridicules et de restituer ä ce tableau avec un cadre plus 
digne de lui sa forme primitive? Cette petite reforme si simple et si peu coüteuse 
aurait l’avantage de mieux mettre en valeur une ceuvre admirable defiguree par un 
cadre ignominieux. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Puisqu’aussi bien il est question de l’Ecole de Cologne, je me permettrai de 
suggerer ici un leger remaniement qui donnerait plus de cohesion ä la petite 

collection allemande du Musee. Le Louvre a la bonne fortune de posseder un 
tableau du Maitre de la Mort de Marie, tres comparable comme dimensions 
et comme sujet ä la Deposition de croix du Maitre de S* Barthelemy. Pourquoi 
ne pas placer du m€me cöte de la Galerie et sur la m£me cimaise deux Oeuvres 
similaires dont le rapprochement serait instructif? Pour faire l'education artistique 
du public, il faut multiplier les termes de coraparaison, suggerer par le simple 
classement des Oeuvres des rapports et des filiations. Le rapprochement de ces 

deux tableaux aurait l'avantage de montrer de quelle fa^on differente deux maitres 
colonais ont traite le meme theme et de mettre en evidence les tendances contradictoires 
entre lesquelles hesite la peinture colonaise au commencement du XVI e siede. 

Chez le Maitre de S l Barthelemy, les influences flamandes sont encore prepon- 
derantes; avec le Maitre de la Mort de Marie, peintre anversois etabli ä Cologne 
qu'on a identifie avec Joos van Cleve, c’est l'italianisme qui apparait L'ordonnance 
reguliere et academique, le coloris froid et bleuätre, tout trahit l’influence des 

manieristes Italiens qui chez Bartel Bruyn, le dernier des peintres colonais, va devenir 
encore plus sensible. D’ailleurs le tableau du Louvre a ete peint par le Maitre de la 
Mort de Marie en Italie; il provient de l'eglise S ta Maria della Pace ä Genes. C’est la 
partie centrale d’un triptyque mutile et il est divise en trois zönes. La partie centrale 
represente une Pieta, la lunette la Stigmatisation de S* Francois d’Ässise et la predelle 
la Sainte Cene. C’est une oeuvre qui, malgre l’excellence de certains portraits, est loin 
de valoir la Deposition de Croix qui lui fait pendant, surtout au point de vue du coloris 
qui est moins chaud et moins transparent Mais eile constitue un document tres precieux 
pour les historiens de l'art colonais; eile marque en effet la penetration de l’influence 
italienne ä Cologne par l’intermediaire des Romanistes flamands. L'Ecole colonaise, qui 
n’etait guere depuis le XV e siede qu'une annexe de l'Ecole flamande, aurait sans 
doute continue ä ignorer la Renaissance italienne si les Flamands eux-memes n’avaient 
passe ä l'ennemi et ne s’etaint fait les propagateurs de l'art ultramontain. 

11 est hors de doute que la collection allemande du Louvre, malgre ses lacunes 
et ses insuffisances, acquerrait un peu de cohesion si on la classait logiquement dans 
une salle ä part au Heu de l’eparpiller comme on fait dans une trav£e de cette Grande 
Galerie qui sert de rendez-vous ä toutes les Ecoles. 1 ) Mais ce qui est plus grave, c’est 
qu’on a fait disparaitre r&emment sans autre forme de proces une oeuvre tres curieuse 
du peintre-graveur Hans Sebald Beham qui vient immediatement dans la serie des chefs- 
d'oeuvre allemands du Louvre apres les portraits d’Holbein et la grande Deposition de croix du 
Maitre de S* Barthelemy. Il s’agit il est vrai, d'une peinture assez diffidle ä presenter; 
car eUe est destinee ä §tre posee ä plat; mais ce n'est pas une raison süffisante pour 
distraire de l’ensemble des collections une piece de cette importance qui etait restee longtemps 


*) Au lieu d’ötre partag^e entre toutes les Ecoles, la Grande Galerie devrait servlr ä 
montrer Involution de la peinture franpaise depuis Jean Fouquet jusqu’ä Manet; les tableaux 
de l'Ecole frangaise sont £parpill£s aux quatre coins du Musee. 


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R6au. L’art allemand dans les Musees frangais 


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exposee sans inconvenient Ce plateau de table est l’oeuvre charmante d’un des petits 
maitres qui continuent avec le plus d’originalite la tradition de Dürer; et c’est en outre 
un tresor d’une insigne rarete puisque c’est la seule peinture ä l'huile qu’on connaisse 
de lui. Hans Sebald Beham n'a guere execute comme son fr&re Bartel que des 
gravures qui sont d’ailleurs remarquables par l'observation realiste, le sens de l’humour, 
la finesse de l’execution. 

Äpres avoir ete banni par le Conseil de la ville de Nuremberg ä cause de ses 
opinions subversives et de son atheisme notoire, Hans Sebald s'etait refugie ä Mayence 
aupres du Cardinal Albert de Brandebourg, veritable M£cene de l’art allemand qui faisait 
travailler pour lui Dürer, Grünewald et Cranach. Comme l’empereur Maximilien, le 
Cardinal s’etait fait faire un magnifique Livre d'heures qui se trouve aujourd’hui ä la 
Bibliotheque d’Asdiaffenbourg: il le fit enluminer par Hans Sebald et, satisfait sans 
doute de ces miniatures, il diargea le m€me artiste de d^corer une table, qui fut pillee 
plus tard par les armees fran^aises pendant la guerre du Palatinat: c'est de cette facon 
qu’elle est passee dans les collections du Louvre. 

Ce plateau de table est partage par des diagonales en quatre champs triangu- 
laires qui representent des seines tirees de l'histoire de David: le retour de David vic- 
torieux ä Jerusalem, le bain de Bethsabee, la mort d’Uri, son epoux, au siege de 
Rabbatth et les reprodies du prohete Nathan. Un cartoudie encadrant une inscription 
latine est place au-dessous de chaque sujet. La segne qui represente Bethsabee au 
bain tandis que le vieux roi libidineux l'epie du haut d’un balcon est traitee en parti- 
culier avec beaucoup du verve. Ä nos yeux se deploie la magnifique ardiitecture d’un 
palais Renaissance; le Cardinal Albert qui s'appuie ä la margelle du bassin regarde 
familierement Bethsabee qui est le portrait de sa maitresse Magdalena Rüdinger. L’artiste 
lui meme s'est represente dans un coin du tableau, un compas ä la main. Le coloris 
de ces petites compositions bibliques, traitees comme des seines de moeurs, est d’un 
beau ton chaud et dore. 1 ) 

En dehors du Louvre, les musees parisiens ne possedent presque rien des Ecoles 
de peinture allemandes. Notons cependant que le legs Rotschild a enridii recemment 
le Mus6e de Cluny d’un fragment de retable attribue a M. Wolgemut et qui 
appartient plus probablement ä l’Ecole souabe. Ce Musäe poss^de en outre deux 
panneaux du Maitre de S‘ Severin ou de son ecole qui proviennent de la crypte 
de l’eglise S* Severin de Cologne. Ce sont des seines de la vie de S te Ursule: la 
demande en mariage et le depart de la sainte. 4 ) Ces deux tableaux, analogues 
ä ceux du Musee de Bonn et du Musee de Cologne sont des oeuvres d’atelier qui 
presentent plus d’inter^t au point de vue iconographique qu’au point de vue artistique. 

Parmi les collections particulieres, il faut signaler la collection Dollfus qui possede, 
entre autres specimens de l’Ecole allemande, un grand tableau d’autel du maitre colo- 


*) Cf. Rosenberg: Sebald und Bartel Beham: Zwei Maler der deutschen Renaissance. 
Leipzig. 1875. 

9 ) Cf. Delpy: Die Legende von der heiligen Ursula. Köln. 1901. 


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Monatshefte für Kunstwissenschaft 



L. CRÄNACH LE VIEUX. Jean le Constant L. CRÄNÄCH LE VIEUX: Jean Frfddic le 

Mus£e de Reims □ Magnanime. Musde de Reims. □ 


nais de la Familie de la Vierge (Meister der heiligen Sippe). Une oeuvre de jeunesse 
de Dürer: son portrait de 1493 ä passe de la collection Felix de Leipzig dans la 
collection Leopold Goldschmidt ä Paris. Le jeune homme elegamment vdu tient ä la 
main une brandie de panicaut (Eryngium) qui porte en allemand le nom symbolique 
de Männertreu: on en ä condu que ce portrait dait destine par le jeune Dürer ä 
sa fianc£e et accompagnait sa demande en mariage. 

Si l’on faisait avec soin l'inventaire des Musees de province, on arriverait sans 
aucun doute ä identifier dans des recoins ignores un certain nombre d’gpaves de 1'EcoIe 
allemande. Mais le butin ne serait probablement pas tres riche: car les collectionneurs 
frangais n’ont jamais de tres curieux d’art allemand. Si l’on excepte les portraits 
d’Holbein qui sont repartis entre tous les Musees d’Europe, les oeuvres de la peinture 
allemande sont restees dans leur pays d’origine. Les amateurs etrangers apprtdaient 
la gravure et l’orfevrerie allemandes qui avaient une reputation europ£enne: mais ils 
faisaient bon marche de la peinture qui passait pour tres inferieure ä celle de l’Italie 
ou des Pays-Bas. De lä vient que l'art allemand tient une tr£s petite place dans les 
Musees drangers. On ne trouvera gude en France, en dehors de Paris, que deux 
musees de province qui entrent en ligne de compte au point de vue de le peinture 
allemande: Reims et Besan^on. 


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Reau. L’art allemand dans les Musees frangais 


261 



Portrait presumg de Cranach le Jeune par CRANACH (?) Jean Frödöric II 

lui meine. Musde de Reims □ Mus£e de Reims □ 


Le Musee de Reims 1 ) poss^de une serie fort interessante de portraits de l’Ecole 
allemande. La catalogue mentionne exactement 15 portraits sur papier contre-colle sur 
carton. Ce sont des equisses de tetes tegerement colortees ä l’huile representant des 
membres de la famille des Electeurs de Saxe. 10 de ces etudes sont attribuees par 
M. Ch. Loriquet ä Lucas Cranach le Vieux: les plus remarquables sont les portraits de 
Jean le Constant, frere de Frederic le Sage, de Frederic le Magnanime et de Christian II, 
roi de Dänemark. II y a encore dans le meme lot un portrait presume de Cranadi le 
Jeune et un portrait de John Morus, pere du diancelier Thomas Morus, qui est tres 
vraisemblablement de la main d’Holbein. 

On a constate que ces etudes figuraient deja en 1770 sous le nom d’Älbert Dürer 
dans l’inventaire de l’Ecole de dessin et de mathematiques de Reims, oü elles servaient 
probablement de modales aux eleves. Elles proviennent du Cabinet de M. de Montholon 
qui les avait recueillies en Allemagne. On les a retrouv6es en 1835 dans les greniers 
de l'Hötel de Ville oü elles avaient ete irreverencieusement releguees. 

Le Mus6e de Besan^on 4 ) a herite gräce ä la liberalite du peintre collectionneur 


*) Cf. Gonse: Les diefs d’ceuvre des Musöes de Francs. Ch. Loriquet: Catalogue du 
Mus6e de Reims. 

a ) Cf. Inventaire g£n£ral des Ridiesses d'Art de la France. (Provinces. Monu¬ 
ments dvils): t. II: Catalogue de la Bibliotheque de Besanqon; t.V: Catalogue des Musöes de Besan 9 on. 


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262 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Jean Gigoux de deux tableaux importants de Cranach; une Lucrece et surtout une 
Source qu’un cartoudie designe sous le nom de Fontis Nympha (Nymphe de la Fon¬ 
taine). Ce tableau parfaitement conserve et signe du dragon aile represente au milieu 
d’un delicieux paysage franconien une femme nue d’une elegance un peu contournee 
avec un front Enorme et des yeux brides selon le type (her ä Cranach. 11 existe plusieurs 
repliques du ce tableau: mais aucune n'ggale le (härme et la fraidieur de la Source 
du Musee de Besan<;on. 

La ville de Besan^on poss&de dans sa Bibliotheque Municipale un autre tresor non 
moins predeux de l’art allemand: c'est un fragment important du fameux Livre d’heures 
de l’empereur Maximilien 1 ). On sait que Maximilien fit imprimer en 1513 par les 
presses du cdebre gditeur d’Augsbourg Hans Schönsperger un «Diurnale seu Liber 
precum» qui devait Gtre tire ä un tres petit nombre d'exemplaires pour les Chevaliers 
de l'Ordre de S* Georges. L’empereur chargea Albert Dürer et les plus grands maitres 
allemands de l’epoque de decorer d’arabesques et de dessins ä la plume les marges 
de l'exemplaire sur velin qu’il avait fait reserver pour son usage personnel. Cet exem- 
plaire imperial est aujourd’hui conservg en deux fragments ä la Bibliotheque de Munich 
et ä la Bibliotheque de Besan^on. Les feuillets de Munich sont de beaucoup les plus 
pr&ieux: car ils ont 6te enridiis de la main m€me de Dürer de dessins exquis executes 
ä l’encre verte, rouge ou violette, dont la fantaisie, la verve, l’aisance et la sürete de 
trait sont admirables. Le fragment de la Bibliotheque de Besan^on a ete decore par 
Burgkmair, Altdorfer, H. Baidung Grien, Jörg Breu et Hans Dürer, le frere d'Albert Dürer, 
mais avec infiniment moins de talent et d’esprit. Quoi qu’il en soit, ces feuillets qui 
sont reproduits en fac-simile ä la suite des feuillets de Munich dans la luxueuse edition 
du Livre d’heures de Maximilien que M. K. Giehlow fait paraitre chez l'editeur Bruckmann 
sont un monument Capital de l’art de l’illustration ä l’epoque de la Renaissance allemande. 
Le Iivre d’heures de Besan<;on provient du Couvent des Benedictins de S* Vincent, 
secularise ä la Revolution. On ne sait ä la suite de quels avatars ce precieux fragment 
est venu echouer dans un couvent bisontin. 

M. Benoit qui va faire paraitre prochainement une gtude sur la Peinture au 
Mus^e de Lille attribue au Pseudo Grünewald un tableau tres curieux de ce musee 
representant un Couronnement d’Epines. Mais si le Pseudo Grünewald n'est autre 
que Hans Cranach, il est impossible de lui attribuer un tableau ä tendances catholiques 
dirige contre la Reforme lutherienne. 

Les illustrations marginales du Livre d'heures de Besan^on nous amenent ä 
parier des dessins de l’Ecole allemande qui meritent au möme titre qui les peintures 
une etude approfondie. Un grand nombre de dessins de Dürer, qui se trouvaient 


’) Cf. Jahrbudi der K. K. Samml. des all. Kaiserhauses: Chmelarz: Diurnale oder 
Gebetbudi des Kaisers Maximilian I. 1884 — et K. Giehlow: Beitrüge zur Entstehungsgesdiidite 
des Gebetbuches Kaisers Maximilian. 1899. — K. Giehlow: Kaiser Maximilians Gebetbudi mit 
Zeichnungen von A. Dürer und anderen Künstlern. Fo. München. Brudcmann. 1908. — Ephrussi: 
Albert Dürer et ses dessins. Paris. Quantin. 1881. —Mus^es et Monuments: Jahrg. 1907; No. 7. 


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Reau. L’art allemand dans les Musees fran^ais 


263 



CRANACH. Nymphe de la Fontaine 
Musöe de Besanton □ 


jadis dans des collections frangaises, ont ete reconquis dans les ventes par les Musees 
allemands; le Musee de Berlin en particulier s'est enridii des depouilles des collections 
Posoniy-Hulot, Ambroise Firmin-Didot et Gigoux. Neanmoins la part de la France est 
encore assez belle. 

Sans egaler I’Albertina de Vienne, dont la richesse est incomparable, le Louvre 
possede cependant un dioix tres remarquable de dessins originaux de Dürer, qui com- 
pensent dans une certaine mesure l’absence de tableaux du maitre 1 ). On les trouvera 
tous reproduits dans le troisieme volume de l'ouvrage monumental .que Lippmann a 
consacre aux dessins de Dürer. 11 ne saurait etre question d'enumerer et de decrire 
ici tous ces dessins. Nous ferons seulement remarquer que la Collection du Louvre, 
qui provient en majeure partie de la Collection Mariette et du legs Gatteaux, est particu- 
Mrement precieuse non seulement ä cause de la qualite exceptionelle, mais aussi ä 
cause de la vartete de ses dessins qui appartiennent ä toutes les periodes de la vie 
de l'artiste. Une Vierge au Baldaquin qui date des annees de jeunesse de Dürer nous 
fait toudier du doigt l’influence decisive de Sdiongauer sur la formation de son style. 
Des etudes de paysages tyroliens soigneusement lav£es ä l'aquarelle (Venediger Klausen) 
nous montrent mieux que des tableaux que ce peintre surtout dessinateur savait etre 
ä l'occasion un delicat coloriste. De ravissantes tetes d'anges ont servi d'etudes 


') Cf. Reiset et Both de Tau 2 ia: Dessins exposös du Louvre. Le Catalogue complet des 
Dessins du Louvre par M. M. Guiffrey et Marcel est en cours de publication. 


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264 


Monatshefte für Kunstwissenschaft 


preparatoires au tableau de l'Adoration de Ia Vierge ou du Rosaire qui se trouve 
aujourd’hui en si piteux etat au doltre Strahow de Prague. Enfin une Sainte Familie, 
l’admirable Christ en croix du Iegs Gatteaux evoquent les demiers projets du grand artiste. 

Le Cabinet des Estampes de la Bibliotheque Nationale 1 ) possede aussi 
quelques beaux dessins de Dürer qui proviennent de la collection de l'abbe de Marolles. 
On y admirera surtout un paysage avec un moulin Pie Weidenmühle) peint ä l'aquarelle 
et de magnifiques etudes d’enfants sur papier prepare rehausse de blanc qui ont ete 
utilis£es dans le tableau du Rosaire. 

Enfin le Mus£e Conde ä Chantilly, que le duc d'Aumale a legue ä l’lnstitut, 
complete de la fa^on la plus heureuse cette collection de dessins de Dürer. Je me 
bome ä signaler un precieux dessin ä la plume lave d’aquarelle qui n’est autre chose 
que la premiere pensee du tableau de tous les Saints (Allerheiligenbild) avec son 
beau cadre decoratif. Le tableau est aujoursd’hui comme on sait, au Musee de Vienne 
tandis que le cadre original est reste au Musee Germanique de Nuremberg. Le Musee 
Conde possede en outre quelques feuillets du carnet de. voyage de Dürer dans les 
Pays-Bas avec des vues d'Aix-la-Chapelle et de Berg-op-Zoom et des portraits ä la 
pointe d’argent d'un arrangement tout ä fait moderne se detadiant sur un fond d’ardii- 
tecture ou de paysage. II serait ä souhaiter qu'on reconstituät un jour en fac-simile 
les feuillets epars de ce carnet d’artiste. Tous les dessins de Chantilly ont ete achetes 
par le duc d’Aumale ä la vente de la collection Reiset. 

En dehors de ces trois collections publiques: le Louvre, la Bibliotheque 
Nationale et le Musee Condä, on peut admirer des dessins de Dürer dans cinq ou 
six collections particulieres. La plus riche des collections parisiennes est ä cet egard 
celle du peintre Leon Bonnat, qui est destinee ä enridiir un jour le Musee de Bayonne. 
On y voit de curieux dessins du jeune Dürer d’apr&s les estampes de Pollaiuolo, un 
portrait d’Erasme, un projet de tableau de 1522 (Madonne entouree de saintes) remar- 
quable par la largeur de la composition et la liberte de rarrangement et enfin de belles 
etudes pour les Apötres de Munich. 

Apr£s la collection Bonnat il convient de citer les collections du baron Edmond 
de Rotschild et du baron de Schickler. 

Au point de vue des dessins d’Holbein, le Louvre ne saurait rivaliser ni 
avec le Musee de Bäle, ni avec la Bibliotheque de Windsor. II possede cependant 
outre une belle 6tude de mains pour le portrait d'Erasme une des plus belles 
esquisses originales du maitre bälois: l’esquisse du Triomphe de la Richesse et 
de la Pauvrete qui devait decorer le Stahlhof ou Steelyard des marchands alle- 
mands de Londres. On sait que les «Trionfi» de Petrarque avaiant popularise 
ces themes allegoriques: on peut rapprodier de l'esquisse d’Holbein le triomphe 
de Cesar de Mantegna ou le Char de triomphe de Maximilien de Dürer. Puisque nous 
parlons de l’art allemand en France, il n'est pas hors de propos de rappeier ici que 


‘) La reproduction des dessins de la Bibliotheque Nationale dans le recueil de Lippmann 
est incompiete. On n’y trouve ni la c£l&bre dtude pour la töte de la Vierge ni les deux etudes 
de jeunes gar<;ons reproduites dans Soldan et Riehl, no. 19, 31, 74. 


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R6au. L’art allemand dans les Musges frangais 


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les deux celebres series de gravures sur bois d’Holbein: les Scenes de TAncien 
testament et les «Simulachres de la Mort» qu'on appelle communement la Danse 
macabre ont ete editees non pas en Allemagne, mais en France, ä Lyon, diez les freres 
Tredisel avec des vers frangais de Gilles Corrozet. 

Parmi les maitres de tnoindre envergure qui sont representes par des dessins 
dans les collections frangaises, je citerai pour finir H. Baidung Grien 1 ). Le Louvre 
possede un des plus beaux dessins du maitre strasbourgeois. C’est un dessin ä la 
plume rehausse de blanc sur un fondvert qui repr^sente la Tentation de S* Antoine: 
une vieille sorciere aux seins flasques fait surgir devant Termite qui fait un geste de 
detresse une belle fille nue. Malgre Tautorite de M. de Terey, on serait plutöt tente 
d'attribuer cette admirable composition, qui provient du legs Gatteaux, au g&iie plus 
male et plus vigoureux de M. Grunewald. 

En revandie le Musee Municipal de S* Germain en Laye ä acquis en 1876 avec 
le legs Ducastel une tete de femme laur£e qui est certainement de la main de Baidung 
Grien 2 ). On reconnait ais6ment dans cette figure de bourgeoise placide Tinfluence du 
style de Dürer. Baidung s'est inspir£ visiblement des estampes de son maitre telles 
que la Grande Fortune ou l'Entevement d'Amymone dans ce profil au d6coupage 
un peu sec 

En poursuivant m£thodiquement cette enquete, il serait ais£ de Computer la liste 
des ceuvres de l'Ecole allemande qui sont passees en Frances. Mais le seul but de 
cette etude, qui n'a evidemment pas la pretention d’epuiser le sujet est d’orienter 
quelque peu les travailleurs et de provoquer de nouvelles rechercfaes dans le fonds encore 
si mal explore des Musees provinciaux. Puissent ces indications sommaires sur les 
tableaux et les dessins de l’Ecole allemande eveiller dans une faible mesure la curiosite 
des savants et des collectionneurs en faveur de l'art allemand qui n'a ni dans nos 
travaux ni dans nos collections la place qu'il merite. 


*) Cf. G. von Terey: Handzeichnungen von H. Baidung Grien. StraBburg. 1894. 
* P. Leprieur. Bulletin des Musdes. 1894. 



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Charakterköpfe des Secento 

i. 

MÄSSIMO STÄNZIONI 

Von Hermann Voss 

Keiner der Vorwürfe, die das verflossene Jahrhundert gegen die ihm fremd ge¬ 
wordene Kunst des italienischen Secento erhoben hat, entbehrt so der Berechtigung 
wie jener, es habe damals eine allgemeine Vermischung der Lokalschulen und Lokal- 
kunstdiaraktere stattgefunden. Wohl ist es wahr, daß die Einflüsse hin- und her¬ 
gespielt haben, daß Bologna auf Rom, dieses auf Neapel gewirkt hat, allein schon das 
Quattrocento — vom Cinquecento zu schweigen — kannte Vorgänge dieser Art — 
man erinnere sidi der Einwirkung Donatellos auf die Kunst von Padua, aus der Man- 
tegna hervorging, der seinerseits die venezianische Kunst aufs stärkste beeinflußt hat 
Nicht richtig ist dagegen, was von einer durchgehenden Vermischung der landschaft¬ 
lichen Charaktere behauptet worden ist: wenn wir heute einen florentinischen und 
einen bolognesisdien Secentisten nicht mit der gleichen Sicherheit voneinander zu 
scheiden wissen wie etwa einen quattrocentistischen Umbrier von einem Florentiner, 
so liegt das nicht daran, daß dort tatsächlich weniger Unterschiede vorhanden wären, 
sondern an unserer mangelhaften Fähigkeit, uns in diese späteren Werke einzufühlen. 
Wie sehr die landschaftlichen Besonderheiten bis ins Secento bestehen blieben, dafür 
gibt es ein charakteristisches Beispiel: die Schule von Siena. Wie groß war doch die 
Gefahr für die kleine, sehr in den Hintergrund gedrängte Stadt, eine bloße Kolonie 
von Florenz oder auch von dem weithin wirkenden Rom zu werden! Aber Rutilio 
Manetti, der in seiner Ruhe auf der Flucht (S. Pietro alle Scale) eines der schönsten 
und reinsten Kunstwerke der ganzen Periode schuf, ferner der heitere Franc Rustici, 
die Ventura und Arcangelo Salimbeni, die Vanni und andere haben so sehr ihren 
eigenen Ton, wie nur irgend ein sienischer Trecentist — die ganze Sieneser Schule 
bildet bei all den Einwirkungen, die sie von außen erfuhr, eine in sich geschlossene, 
unbezweifelbare Einheit. 

Und wieviel mehr haben im 17. Jahrhundert diejenigen Schulen ihren eigenen 
Charakter, die in eben jener Epoche ihren Höhepunkt erreichten oder sich damals erst 
aus wenig bedeutenden Anfängen heraus zur Blüte entwickelten! Im besonderen denkt 
man hier an die neapolitanische Schule, die früher stark von Toscana einer-, den Nieder¬ 
landen andererseits beherrscht, auch jetzt noch fremde Einflüsse aufnimmt, aber neben 
den Schülern der Römer und Bolognesen eine Schar von Künstlern aufweist, die völlig 
ihr eigenes Gesicht zeigen. Ja, man geht nicht zu weit, wenn man in den Werken, 
die damals Domenichino und Guido Reni in Neapel schufen, bereits Rückwirkungen 
jener Malerschule auf die Großmeister des italienischen Nordens konstatiert. Noch viel 
mehr gilt das von dem Bolognesen Lanfranco, der lange und viel in Neapel gearbeitet 
hat und unter dem Eindruck jenes freieren und bewegteren Daseins seinen Dekorations- 


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Voss. Charakterköpfe des Secento 


267 


stil ins Machtvolle, wenn man will. Rohe, Sinnliche umbildete und als ein anderer 
nach Rom zurückkehrte. 

Ihren eigentlichen Kulminationspunkt erreicht die Schule in zwei stark von¬ 
einander verschiedenen Charakteren, die zu den eigenartigsten der Zeit gehören: 
Salvator Rosa und Luca Giordano. Zwei völlig entgegengesetzte Naturen! Der eine 
ein Poet, aber keiner, der die Poesie wie Claude Lorrain in weltabgeschiedener Stille 
fände, sondern einer, der sehr handfest zugreift, wo das Leben in seiner ganzen 
Sinnlichkeit gegenwärtig ist, gleicherweise ein Landschafter und ein überaus origineller 
Figurenmaler, einer der alles kann und freilich lebenslang in allem ein arger Dilettant 
geblieben ist. Nicht so der andere. Luca Giordano ist kein Poet, sondern nur ein 
sehr begabter Dekorateur; die Stimmung, die von seinen Sachen ausgeht, ist besten¬ 
falls die strahlende Heiterkeit des Südens, gelegentlich, wenn er gut inspiriert war, 
sehr sprechend getroffen, aber auf die Dauer doch leicht monoton erscheinend. Deko¬ 
rativ sind seine Bilder — und in noch höherem Maße die Fresken — eigentlich immer — 
das Schwächste von seiner Hand mag Öde und ausgeschrieben erscheinen, man hat 
doch nie das peinliche Gefühl, daß der Künstler in Verlegenheit war, wie eine auch 
nodi so schwierige oder (schlimmer noch!) gleichgültige Aufgabe anzugreifen sei. Er¬ 
staunlich ist seine sichere Handhabung eines völlig eigenen Kolorites. In allem, was 
Komposition, Figuren, Lineament, Helldunkel anlangt, ist Pietro da Cortona das Vorbild 
des Fa presto (und gewiß überstrahlt der Meister seinen Schüler weit an Genie), aber 
in der Farbe ist der Neapolitaner völlig originell und völlig neapolitanisch. Diese 
breiten Ströme gelblich gefärbten Lichtes, die er in seine Bilder hineinschickt, diese 
wollüstigen Halbtöne, aus denen hie und da ein Stück rosigen Fleischtones hervor- 
leuditet, und zu dem dann eine Flut strohblonden Haares und ein sattes samtenes 
Blau gestimmt ist — wahrer, empfundener ist das Licht und die Farbe ides Südens 
nie gemalt worden, vor allem nie mehr aus dem Genius jenes Volkes selber heraus. 

Es ist ein merkwürdiges, ja bizarres Schauspiel, in jene sonnentrunkene Welt 
die freudlose, finstere Erscheinung des Spaniers Ribera eintreten zu sehen. Das Secento 
ist ja reich an solchen sonderbaren, dramatischen Kontrasten: in Rom haben die 
Carraccesken ihr Widerspiel in der Richtung des Caravaggio, in Florenz steht dem 
vielgeliebten und noch mehr gehaßten Salonbildmaler Dolci der Mann mit der derben 
Affrescatore-Faust gegenüber: Giovanni da S. Giovanni, und in Bologna erhebt sich 
gegen den formvollen, aber konventionellen Katholizismus der Reni und Albani die 
zur Ekstase und Mystik neigende glutvolle Religiosität eines Giuseppe Crespi. Aber 
der Mann der stockschwarzen Finsternis, des eisigen Schweigens, des saftlosesten, 
rein deskriptiven Naturalismus in dieser Welt des Lichtes (das damals in der Kunst 
erst wurde), unter diesen passionierten Schwätzern und Musikanten — das ist doch 
wohl vom Sonderbaren das Sonderbarste. 

Und dieser Spanier stand in Neapel keineswegs isoliert da. Zwar war in 
seinem Charakter viel rein Spanisches, das sich.in jener italienischen Umgebung nicht 
restlos auflösen konnte, aber seine Art machte Schule, er wurde — wie alles in Italien, 
das gefällt — nachgeahmt. Unter denen, die ihm künstlerisch nahe stehen, ist der 

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Monatshefte für Kunstwissenschaft 


Bedeutendste und Selbständigste Massimo Stanzioni. Er ist durchaus kein Ribera¬ 
schüler; der neapolitanische Vitenschreiber De Dominici weiß überhaupt nichts von 
irgend einem Verhältnis Stanzionis zu Ribera, sondern nennt als seinen Lehrer den 
mittelmäßigen Porträtisten Fabrizio Santafede, die Artemisia Gentileschi, die Carracci 
und Guido Reni — aber keinem dieser Namen entspricht Massimos Kunst wie dem 
einen des Spagnoletto. Es ist unschwer, bei Stanzioni Anregungen von den genannten 
Künstlern zu begegnen 1 ), aber, um es so zu sagen: das künstlerische Temperament, 
durch das bei ihm diese Anregungen hindurch passieren, ähnelt stark dem des Spaniers. 
Mit ihm hat er gemein das starke Helldunkel, die Neigung zu neutralen, wenig kräf¬ 
tigen Farben, eine gewisse Dürftigkeit des Bildes an Akzessorischem, das besonders in 
Neapel überraschend wirkt und den erwähnten De Dominici zu der Behauptung brachte, 
der Ca